HIMMELFAHRT

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„Jesus‘ Ascension to Heaven“ von John Singleton Copley [Public domain], via Wikimedia Commons

Vier unserer Feiertage erinnern an wichtige Ereignisse in den Erzählungen über den Mann aus Nazareth: Weihnachten, Karfreitag, Ostern und Himmelfahrt. – Es ist zwar noch nicht ganz so weit, aber ihr könnt diesen Post ja in 9 Wochen noch mal lesen.  😉

Ich habe, wenn ich an Himmelfahrt denke, immer die Szene auf dem Ölberg im Kopf, wo Jesus sich von seinen Jüngern verabschiedet und dann auf einer Wolke gen Himmel entschwindet und zwei Engel dabei sind. Diese Vorstellung stammt von der Beschreibung im ersten Kapitel der Apostelgeschichte. Am Ende des Johannes-Evangeliums kommt diese Szene überhaupt nicht vor. In der ursprünglichen Fassung von Markus kommt dies Szene wahrscheinlich auch nicht vor. Einige Handschriften haben allerdings ein paar Verse am Ende von Markus, wo Jesus den Jüngern bei einer Mahlzeit erscheint, zu ihnen spricht und dann „in den Himmel aufgenommen wird“. Auch keine Szene mit Berg und Wolke und Engeln.

Am Ende von Matthäus erscheint Jesus den Jüngern erstaunlicherweise auf einen Berg in Galiläa und es wird gar nichts von einer Himmelfahrt erzählt. Nur am Ende vom Lukas-Evangelium finden wir auch eine Himmelfahrt in der Nähe von Jerusalem und Bethanien (Ölberg), was als Buch natürlich eine große Nähe zur Apostelgeschichte hat. Die Apostelgeschichte knüpft genau an der Stelle wieder an.

Ich war überrascht, dass sich die Szene, so wie ich sie im Kopf hatte, nur in der Apostelgeschichte findet. Was wollen all diese Erzählungen zum Ausdruck bringen? Und in welcher Form finden wir das in den restlichen neutestamentlichen Schriften? Und knüpft all das an Motive an, die den Menschen zur Zeit Jesu schon vertraut waren?

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BIBEL-FAN?

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Ein Teil des Bibelmuseum Wuppertal, by Atamari [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

Ich bin bekennender Bibel-Fan. Die Bibel ist für mich das Buch der Bücher. Dabei kommt es mir nicht so sehr darauf an, welche Bibelausgabe es ist: evangelisch, katholisch, …  Es sind die Texte selbst, die mich faszinieren und fesseln und in meinem Kopf umherschwirren.

Zugegeben, die Bibel liest sich nicht wie ein spannender Roman. Sie ist eine andere Sorte Buch. Sie ist gar nicht EIN Text, sondern eine Sammlung von mehr als 200 Einzeltexten. (Das Buch der Psalmen, oder genauer gesagt „die 5 Bücher der Psalmen“, besteht allein schon aus 150 Einzeltexten. – https://en.wikipedia.org/wiki/Psalms#Benedictions) Eine Sammlung von Kurzgeschichten liest man auch nicht hintereinanderweg wie einen Roman.

Bei der Bibel kommt natürlich noch dazu, dass diese Texte vor langer Zeit geschrieben worden sind. Man kommt nicht darum herum, sich auch selbst Zeit zu nehmen, um sich hineinzufühlen in diese Menschen aus einer anderen Zeit und Kultur. Gerade durch ihre Fremdheit kann die Bibel bereichern.

Genesis / Bereschith (1. Buch Mose) z. B. ist eines meiner Lieblingsbücher in der Bibel. – Darf man so etwas haben? Lieblingsteile der Bibel?  😉 – Die Geschichte von Joseph und seiner Familie am Ende fesselt mich jedes Mal. (Eigentlich blöd: Ich weiß ja schon wie’s ausgeht. Oder?) – Sich in die Menschen dieser Familie hineinversetzen … – Versöhnung. Wie nötig hätten das viele Familien heute?!

[Eine neuere Fassung dieses Artikels findet ihr hier]

GOTTES Wort extra scharf

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Fadenschneider: oben ausgepackt, unten noch eingesiegelt, by Sarang (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons

Ich bin aufgewachsen mit dem Vers „das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert …“ (Hebr. 4,12).

Der Vergleich mit dem „zweischneidigen Schwert“ ist uns heute fremd. Aber die Bedeutung scheint klar: Das Wort Gottes ist ganz besonders scharf. Etwas, das extra scharf ist, schneidet besonders gut und man kann sich daran auch leicht verletzen. („Messer, Gabel, Scher‘ und Licht …“)

Die Aussage aus dem Hebräerbrief kann offensichtlich nicht die Bibel meinen. Aber nehmen wir einmal an, diese Aussage gilt auch für die biblischen Texte, dann müssten wir mit diesen Texten sehr vorsichtig umgehen – denn man könnte leicht sich selbst oder andere verletzen.

Wenn MICH jemand fragt, wie ich etwas gemeint habe, dann tue ich mich manchmal schwer. Mir ist selbst nicht immer ganz klar, was ich eigentlich meine. – Bezieht sich nicht auf diesen Beitrag.  😉 – Aber zumindest bin ich die richtige Person, um zu erklären, was ich mir denn bei meiner eigenen Aussage gedacht habe (falls ich überhaupt gedacht habe).

Bei der Aussage einer anderen Person ist das schon ganz etwas anderes. Wenn ich mich anschicke, eine andere Person zu interpretieren, dann sollte ich das mit Respekt, Sorgfalt und Zurückhaltung tun. Es handelt sich schließlich um das geistige Eigentum von jemand anderen.

Tja, wie ist das nun mit dem Wort Gottes?

Sind wir der richtige Ansprechpartner, um zu erklären, was Gott sich bei seinen Worten denkt? Welche Worte sind überhaupt GOTTES Worte? Inwieweit sind wir autorisiert, dazu etwas zu sagen? Und falls wir uns überhaupt trauen, etwas dazu zu sagen: Auf welche Art und Weise sollten wir dies tun?

EIN MANN GEGEN DEN REST DER WELT

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Maximin von Trier (links) empfängt den verbannten Athanasius (rechts); Buchmalerei, 1463, von einem mittelalterlichen Buchmaler, 1463 [Public domain], via Wikimedia Commons

Nein, ich meine nicht Jesus von Nazareth  😉  –  sondern Athanasius „den Großen“.  „Athanasius contra mundum“ (Athanasius gegen die Welt) war ein Sprichwort, das sich auf diesen Bischof von Alexandrien bezog, der im 4. Jh. lebte. Offensichtlich hatte er sich öfter mal unbeliebt gemacht.

Von Bedeutung für den christlichen Glauben ist er u.a. wegen seinem sogenannten „39. Osterbrief“:

„Athanasius war der erste, der in einem Osterbrief 367 n. Chr. genau die 27 Bücher des Neuen Testaments als kanonisch bezeichnete, die noch heute als solche angesehen werden.“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Athanasius_der_Große)

Mehr als 300 Jahre lang (das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen) lebte und glaubte und arbeitete die Christenheit ohne den Kanon des NT, der uns heute so vertraut ist. Natürlich waren die ntl. Texte schon relativ bald, innerhalb von ein paar Jahrzehnten nach dem Tod Jesu, entstanden und erfreuten sich auch schnell einer weitverbreiteten Anerkennung in den Gemeinden, aber die Festlegung auf eine Liste von Texten, die als verbindlich für den christlichen Glauben gelten soll, dauerte wesentlich länger.

Und auch mit dem Osterbrief war die Diskussion um einen Kanon nicht zu Ende (ist sie ja im Grunde bis heute nicht):

„Athanasius von Alexandria führt 367 im 39. Osterfestbrief alle Bücher des heutigen Neuen Testaments auf, weicht im Alten Testament aber noch etwas von der heute üblichen Liste ab.“  (https://de.wikipedia.org/wiki/Bibelkanon#Viertes_Jahrhundert)

Braucht die Christenheit überhaupt einen Kanon? Wer entschied oder entscheidet darüber? Und warum?

„ÖKUMENISCHER BIBELKREIS“

 

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By U.S. Navy photo by Photographer’s Mate 3rd Class Chris Weibull [Public domain], via Wikimedia Commons

 

Schon mal gehört? Hab gerade mal danach gegoogelt und es gab mehr als 50.000 (!) Treffer!

Der Begriff erklärt sich fast von selbst. Es geht um Menschen verschiedener christlicher Traditionen (eben „ökumenisch“), die zusammenkommen, um in der Bibel zu lesen und darüber zu sprechen.

Warum machen Menschen so was?

Ich hab noch keinen gefragt, aber ich glaub, ich geh demnächst mal zu so einer Veranstaltung hin und schau mir das mal an. Jede Gruppe ist natürlich immer nur so gut wie die Menschen, die grad da sind.

Ein paar Ideen hätte ich schon, warum so etwas sinnvoll sein kann:

Wenn Christen sich immer nur im Rahmen ihrer eigenen Gruppe und Tradition bewegen, ist der Horizont doch stark begegrenzt. „Ökumenisch“ erweitert den Horizont! Anhänger Jesu sollten sich sowieso für einander und das Gemeinsame interessieren – egal wo und wie sie zum Glauben gefunden haben.

Ein zweiter Punkt (der offensichtlich mit dem ersten zusammenhängt) ist das Finden des Wesentlichen am christlichen Glauben. Schon zur Zeit Jesu gab es eine Vielzahl von Texten, Traditionen und religiösen Gruppen im Judentum. Jetzt, nach 2000 Jahren Christentum, ist die Fülle an „Christlichem“ schier unüberschaubar. Es ist unbedingt notwendig zu fragen: Was wollte Jesus von Nazareth eigentlich? Und was hat das mit uns heute zu tun?

[Eine Überarbeitung dieses Posts findet ihr hier.]

 

Worthaus : Apokalypse und frühchristliche Prophetie

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Viktor Vasnetsov, the Four Horsemen of the Apocalypse [Public domain], via Wikimedia Commons

Die Offenbarung ist gar nicht mal so ein schwieriges Buch. Sie hat eine ganz klare Botschaft.

(Marco Frenschkowski)

 

Gestern hab ich mit meiner Mutter mal wieder einen Worthaus-Vortrag gehört: „Frühchristliche Prophetie: Von der Johannesapokalypse zum Verschwinden der Prophetie in der alten Kirche“ von Prof. Dr. Marco Frenschkowski (http://worthaus.org/mediathek/fruhchristliche-prophetie-von-der-johannesapokalypse-zum-verschwinden-der-prophetie-in-der-alten-kirche-5-5-3/).

Toller Vortrag! – Ich warte immer noch darauf, von Worthaus mal einen schlechten Vortrag zu hören.  😉

Der gößere Teil des Vortrags ist eine Hinführung und Einladung zum Lesen der Offenbarung/Apokalypse des Johannes. Endlich mal keine wilden Spekulationen oder Endzeit-Berechnungen. Er vermittelt glaubwürdig, dass ihm das Buch am Herzen liegt, und man bekommt direkt Lust, es mal zu lesen. (Ich hab’s schon ein paar mal gelesen – ist aber schon eine Weile her.)

Er betrachtet die Johannes-Apokalypse nicht als einen isolierten Text, sondern als Teil der frühchristlichen Prophetie. Propheten waren in der frühen Christenheit offenbar nichts exotisches. Die spannende Frage ist natürlich: Was bedeutet das für uns heute und ist Prophetie auch ein wichtiger Bestandteil der Christenheit heute? (Oder sollte es vielleicht sein?)

WAS IST MIT DEM WASSER? (Fortsetzung zu Genesis 1)

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Iceberg floating in Lago Argentino broken off from the Perito Moreno Glacier, by Ilya Haykinson via Wikimedia Commons, (CC BY 2.0) https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.de

Auffallend ist beim genauen Lesen, dass Genesis 1 nicht erklärt, wo das Wasser herkommt. Es ist gegeben, fast übermächtig, allgegenwärtig und bedrohlich. Es ist Gott, der einen Hohlraum im Wasser schafft und dann dem Wasser befiehlt sich im Meer zurückzuziehen, so dass trockenes Land zum Vorschein kommt.

Interessant ist dabei auch, dass das Meer, wie vieles andere auch, in der Mesopotamischen Religion eine Gottheit war. Genesis 1 hingegen ist strickt monotheistisch. Es gibt keine Konkurrenz zu dem einen Gott, der alles umfasst und ordnet. Das harmonische Bild wird nur ein bisschen gestört durch das Durcheinander (Tohuwawohu) auf der Erde in Vers 2. Alles ist gut, bzw., als alles dann mit der Erschaffung des Menschen vollendet wird, sehr gut. Eine Störung im Paradies tritt dann erst richtig im 3. Kapitel auf.

In der Erzählung Antworten auf die Frage „Schöpfung oder Evolution“ zu suchen, scheint mir, ein schiefer Blick auf diesen Text zu sein. Kaum vorstellbar, dass diese Frage die Leser damals bewegt hat. Offenbar bestand auch kein „naturwissenschaftliches“ Interesse des Textes zu klären, wo denn das Wasser herkommt.

[Eine neuere Überarbeitung des Artkels findet ihr hier]