Was ist mit dem Wasser? (Fortsetzung zu Genesis 1)

 

Glacial_iceberg_in_Argentina_via Wikimedia Commons
Iceberg floating in Lago Argentino broken off from the Perito Moreno Glacier, by Ilya Haykinson via Wikimedia Commons, (CC BY 2.0) https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.de

 

[Den ersten Artikel zu Genesis 1 findet ihr hier.]

 

Auffallend ist beim genauen Lesen, dass Genesis 1 nicht erklärt, wo das Wasser herkommt. Es ist gegeben, fast übermächtig, allgegenwärtig und bedrohlich. Es ist Gott, der einen Hohlraum im Wasser schafft und dann dem Wasser befiehlt sich im Meer zurückzuziehen, so dass trockenes Land zum Vorschein kommt.

Interessant ist dabei auch, dass das Meer, wie vieles andere auch, in der Mesopotamischen Religion eine Gottheit war. Genesis 1 hingegen ist strickt monotheistisch. Es gibt keine Konkurrenz zu dem einen Gott, der alles umfasst und ordnet. Das harmonische Bild wird nur ein bisschen gestört durch das Durcheinander (Tohuwawohu) auf der Erde in Vers 2. Alles ist gut, bzw., als alles dann mit der Erschaffung des Menschen vollendet wird, sehr gut. Eine Störung im Paradies tritt dann erst richtig im 3. Kapitel auf.

In der Erzählung Antworten auf die Frage „Schöpfung oder Evolution“ zu suchen, scheint mir, ein schiefer Blick auf diesen Text zu sein. Kaum vorstellbar, dass diese Frage die Leser damals bewegt hat. Offenbar bestand auch kein „naturwissenschaftliches“ Interesse des Textes zu klären, wo denn das Wasser herkommt.

[Eine neuere Überarbeitung des Artikels findet ihr hier]

 

6 Kommentare zu „Was ist mit dem Wasser? (Fortsetzung zu Genesis 1)

  1. Was hältst du von folgender Überlegung:
    Gen 1:1 sagt, dass Gott Himmel und Erde erschuf. Und zwar perfekt und abgeschlossen.
    Gen 1:2 sagt, dass diese fertige Erde verwüstet wurde. (Nicht war, sondern wurde! – Womöglich durch den Fall Satans?)
    Die folgenden Verse beschreiben somit eine Reorganisation der Erde und nicht die ursprüngliche Erschaffung.

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    1. Hallo Charly,

      wenn es in Vers 1 heißt „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde“ ist das eine Art Überschrift, welcher die Abschlußformel in Gen. 2,4 entspricht. Beides zusammen ist Umrahmung für die Schöpfungserzählung, die dazwischen steht.

      Am ersten Tag (oder davor) ist das Universum noch nicht „perfekt und abgeschlossen“. Der Himmel wird, wie man im Vers 8 sieht, erst am zweiten Tag erschaffen, indem Gott einen Hohlraum zwischen den Wassern schafft.

      Dass die Erde verwüstet WURDE, steht im zweiten Vers nicht. Mit dem berühmten Wort „tohuwabohu“ im hebr. Original wird vielmehr der Zustand der Erde beschrieben. (siehe dazu https://de.wikipedia.org/wiki/Tohuwabohu)

      Satan taucht in den ersten beiden Kapiteln überhaupt nicht auf. Gerade im Unterschied zu den Schöpfungsmythen anderer Völker, hat Gott in der bibl. Schöpfungserzählung (und in den bibl. Erzählungen überhaupt) keine Konkurrenz. ER ist der Gestaltende. Eine Störung oder gar Widerstreit im Werden der Welt tritt nicht auf.

      Das Tohuwabohu in Vers 2 empfinde ich als eine Art chaotischen Zustand des Ungeformten, das Gott dann, wie ein geschickter Kunsthandwerker, z. B. ein Töpfer, zur wunderbaren belebten Schöpfung formt.

      Zur Gestalt der Schlange, die dann in Kapitel 3 auftaucht, als die harmonische Schöpfung gestört wird, gibt es einen hervorragenden Vortrag von Prof. Dr. Zimmer:
      http://worthaus.org/mediathek/die-sache-mit-der-schlange-genesis-3-1-7-7-3-3-3/

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      1. Vers 1 nur eine Überschrift. So kann man es sich leicht machen, oder?
        Das was du dann sagst, ist doch lediglich dann deine Überlegung (hoffentlich), nicht aber irgendwie biblisch beschrieben.
        Der „Himmel“ ist für dich das Weltall? Oder doch der irdische Blick durch die Atmosphäre in den Kosmos? Wenn, wie Wissenschaftler vermuten, das Wasser zunächst gleichmäßig auf der Erde und in der Atmosphäre verteilt war (Gewächshauseffekt), dann hätte man von der Erdoberfläche keinen Himmel/Kosmos sehen können. Indem aber das Wasser vornehmlich auf der Erdoberfläche gesammelt wurde, wurde die Atmosphäre erst klar genug, um überhaupt Sterne sehen zu können.

        Das im zweiten Vers nicht „wurde“ stehen würde, halte ich lediglich für eine Frage der möglichen Übersetzung. Keineswegs aber für einen unumstößlichen Fakt.

        Woher kam das „tohuwabohu“? Ist das, was Gott erschafft unperfekt? Liegt es überhaupt im Wesen Gottes etwas zu erschaffen, was nicht seine Vollkommenheit spiegelt? Ist es nicht viel mehr ein menschliches Überlegen, Gott zu unterstellen, dass ER erst einmal etwas ordnen müsse, bevor Er etwas wirklich erschaffen hat? Das widerspräche auch der Beschreibung der „Erschaffung“ der Sterne. Wenn Gott für den Planten Erde so lange gebraucht hätte, wie kommt es, dass er dann diese unzähligen Sonnen, Planeten, etc. in lediglich so kurzer Zeit geschaffen hätte?
        Für mich ist hier eine Beschreibung einer Reorganisation der Erde viel wahrscheinlicher und stimmiger. Zudem haben wir wissenschaftliche Belege dafür, dass (wohl durch einen Kometeneinschlag) die irdische Atmosphäre sich deutlich verändert hat und erst später sich so wieder organisierte, wie wie sie heute kennen.

        Satan muss in den ersten zwei Kapiteln nicht auftauchen, weil die Beschreibung von seinem Fall erst viel später folgte. (Jedoch wohl vor dem (wieder?)erscheinen des Lebens hier auf der Erde erfolgte – wenn man bei Wesen, die außerhalb der Zeitlinie existieren, überhaupt von einem „davor“ reden kann. Für mich war ein Teil des Sturzes Satans das eingebunden werden in den Zeitablauf.) Hier geht es nicht um eine chronologische Beschreibung aller Begebenheiten, sondern um eine Beschreibung eines relevanten Aspekts. Satan erscheint auch in keinem Fall als Konkurrenz Gottes. In der gesamten Bibel nicht. Dazu ist er schlicht viel zu ohnmächtig. Er ist ein Wesen, welches von Gott genutzt wird, thats it. Satan konnte nie und wird niemals Gott in irgendetwas bedrohen können.

        Deine Empfehlung hin zu Worthaus ist freundlich, bei mir jedoch vergeblich. Ich halte nichts, von dem, was dort vermittelt wird. Ich bin allerdings an deinen Gedanken interessiert und nicht an Vorgedachtes.

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      2. Schade, dass Du von Worthaus nichts hälts. Es ist das Beste, was ich bisher zur Bibel online gefunden habe. Deckt natürlich bis jetzt nur eine sehr begrenzte Anzahl biblischer Themen ab. Freut mich jedenfalls, dass Du es kennst.

        Sich über biblische Texte auszutauschen, erscheint mir nur wirklich sinnvoll, wenn man vom Text ausgeht. Sonst verliert man sich in endlosen Spekulationen. Die Frage muss immer zunächst sein: Was hat der Text den Menschen damals gesagt? Wenn man seine eigenen Erwartungen und Vorstellungen (inkl. moderner wissenschaftl. Erkenntnisse) an den Text heranträgt, muss man sich nicht wundern, wenn man am Ende nicht zu belastbaren Ergebnissen kommt.

        Was der Erzähler unter „Himmel“ versteht wird in den Versen 6-8 klar definiert. „Himmel“ ist einer der vier Namen die Gott in Genesis 1 gibt.

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      3. „Sich über biblische Texte auszutauschen, erscheint mir nur wirklich sinnvoll, wenn man vom Text ausgeht. Sonst verliert man sich in endlosen Spekulationen. … Wenn man seine eigenen Erwartungen und Vorstellungen (inkl. moderner wissenschaftl. Erkenntnisse) an den Text heranträgt, muss man sich nicht wundern, wenn man am Ende nicht zu belastbaren Ergebnissen kommt.“ – Das ist der Grund, warum ich von Worthaus so garnichts halte 😉 Ok, ist ein anderes Thema.

        Ja stimmt, eine erste Herangehensweise muss sein, zu fragen, was der Text damals den Menschen sagte. Nun aber folgende Überlegung: Gott ist nicht Zeiteingebunden und damit meiner Ansicht nach durchaus in der Lage Texte zu verfassen / verfassen zu lassen, die nicht nur aus damaligen Verständnis zu verstehen und schlüssig sind, sondern zu jedem Punkt der Menschheitsentwicklung.
        Zudem ist die Frage, wie es die Menschen damals verstanden. Der moderne Mensch zu jeder Epoche neigt ja dazu die Menschen aus seiner Vorzeit als vergleichsweise dumm bis strohdumm einzuordnen. Doch ein genauer Blick zeigt oft, dass das nicht stimmt.
        Zudem haben wir hier ein sprachliches Problem. Es geht um die Bedeutung des Worts „war“ resp. „wurde“. Selbst wenn dort kein „wurde“ steht, so meint das „war“ nicht auf jeden Fall das es nicht geworden ist. Der Ausdruck „die Erde war…“ kann ebenso eine Momentbeschreibung von etwas Gewordenen sein. Es ist also eine Vorannahme davon auszugehen ob die Erde in seiner Schöpfung in einem Zwischenstadium oder nach einer Verwüstung der bereist vollkommen Erschaffung beschrieben wurde. Diese Frage ist tatsächlich weder Kultur- noch Zeitepochenabhängig. Damit ergibt sich, dass sehr wohl dieser Text aus unterschiedlicher Sicht betrachtet werden kann, ohne damit einen Fehler zu machen.

        „Was der Erzähler unter “Himmel” versteht wird in den Versen 6-8 klar definiert. “Himmel” ist einer der vier Namen die Gott in Genesis 1 gibt.“
        Stimmt, Gott bezeichnet die Wölbung Himmel. Also dann die irdische Atmosphäre. Und nun sagt uns Vers 14 dass Gott das komplette restliche Weltall mal eben so geschaffen hat, wo er mit der Erde allerdings soviel Mühe hat? Denn das wäre der Schluss daraus, wenn man annehmen will, dass hier die komplette Erschaffung nicht nur der Erde, sondern des gesamten materiellen Seins gemeint wäre. Damit komme ich wieder auf meinen Gedanken der Reorganisation der Erde, welcher mir hier wesentlich plausibler erscheint. Hier erscheinen an der „Wölbung“ lediglich die Lichter, die schon da waren, zuvor aber nicht gesehen werden konnten. Warum konnte man sie nicht sehen? Das steht in Vers 9. „Das Wasser unterhalb der Wölbung soll sich sammeln“ – sprich: es war schon da, aber offensichtlich gleichmäßig verteilt.
        Mir scheint, man sollte wissenschaftliche Erkenntnisse auch über die Geschichte unseres Planeten nicht so leicht abtun.

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