Ein Mann gegen den Rest der Welt

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maximinus_und_athanasius
Maximin von Trier (links) empfängt den verbannten Athanasius (rechts); Buchmalerei, 1463, von einem mittelalterlichen Buchmaler, 1463 [Public domain], via Wikimedia Commons

 

Nein, ich meine nicht Jesus von Nazareth  😉  –  sondern Athanasius „den Großen“.  „Athanasius contra mundum“ (Athanasius gegen die Welt) war ein Sprichwort, das sich auf diesen Bischof von Alexandrien bezog, der im 4. Jh. lebte. Offensichtlich hatte er sich öfter mal unbeliebt gemacht.

Von Bedeutung für den christlichen Glauben ist er u.a. wegen seinem sogenannten „39. Osterbrief“:

„Athanasius war der erste, der in einem Osterbrief 367 n. Chr. genau die 27 Bücher des Neuen Testaments als kanonisch bezeichnete, die noch heute als solche angesehen werden.“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Athanasius_der_Große)

Mehr als 300 Jahre lang (das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen) lebte und glaubte und arbeitete die Christenheit ohne den Kanon des NT, der uns heute so vertraut ist. Natürlich waren die ntl. Texte schon relativ bald, innerhalb von ein paar Jahrzehnten nach dem Tod Jesu, entstanden und erfreuten sich auch schnell einer weitverbreiteten Anerkennung in den Gemeinden, aber die Festlegung auf eine Liste von Texten, die als verbindlich für den christlichen Glauben gelten soll, dauerte wesentlich länger.

Und auch mit dem Osterbrief war die Diskussion um einen Kanon nicht zu Ende (ist sie ja im Grunde bis heute nicht):

„Athanasius von Alexandria führt 367 im 39. Osterfestbrief alle Bücher des heutigen Neuen Testaments auf, weicht im Alten Testament aber noch etwas von der heute üblichen Liste ab.“  (https://de.wikipedia.org/wiki/Bibelkanon#Viertes_Jahrhundert)

Braucht die Christenheit überhaupt einen Kanon? Wer entschied oder entscheidet darüber? Und warum?

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4 Kommentare zu „Ein Mann gegen den Rest der Welt

  1. Ich meine das wird oft etwas zu hoch gehängt.
    Gerade die Medien suchen halt nach irgendwelchen spektakulären Enthüllungen. Und das meinen sie dann in den Apokryphen zu finden.

    Der Kern des NT und des christlichen Glaubens war schon früh relativ etabliert in den meisten Gemeinden. Die Unterschiede finden sich eher in den Details und einzelnen Auslegungen. In den Details haben wir aber in den letzten 200 Jahren durch die moderne Theologie eine min. ebenso große Vielfalt entwickelt.

    Diese Entscheidungen waren meist keine Diktate eines einzelnen gegen die Gemeinden sondern gab dem die offizielle Legitimation, was in der Mehrheit der Gemeinden Standard war. Klar gab es immer auch Gegenstimmen, aber die Mehrheit glaubte das oder etwas ähnliches.

    Die Johannesoffenbarung war z.B. umstritten, rein oder raus. Aber ist das wirklich so ein großes Thema wie man denkt? Viele der zentralen Themen der Offenbarung kommen auch in anderen Texten vor. Viele Bilder der Offenbarung stammen aus dem AT, aus Daniel und Hesekiel, Paulus erwähnt in seinen Briefen auch schon die Auferstehung der Toten und die Erneuerung der Schöpfung am Ende, Jesus selbst geht in den Evangelien mehrmals auf die Endzeit und das zukünftige (Wieder-)Kommen des Menschensohns ein, sowie die vorausgehende Trübsal. Die Johannesoffenbarung schmückt das noch weiter aus und fasst all diese Bilder zu einem Gesamtwerk zusammen, um zu ermutigen, in einer Zeit, in der Christenverfolgung bevorstand. Da Jesus ein anderer Messias war als die Juden erwarteten, wird aber wahrscheinlich auch die Endzeit etwas anders werden als wir Christen es uns ausmalen. Von daher sind da die Details, die genauen Abläufe und Bilder gar nicht so wichtig wie die Gesamtbotschaft.

    Aus Details kann man natürlich ganze riesige Theologien aufbauen.

    Aber wenn man auf das große Ganze schaut (und die großen Themen kommen nicht nur in einem einzigen Vers vor sondern wiederholen sich ständig) und sich vom Heiligen Geist leiten lässt , dann muss man sich nicht fürchten, dass eine Apokryphe zu wenig in den offiziellen Kanon aufgenommen wurde, oder eine zu viel.

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    1. Amen. Seh ich auch so. Streitereien um den Umfang des Kanons sind m.E. Zeitverschwendung. Viel wichtiger ist die Frage, wie wir all diese Texte verstehen und mit ihnen umgehen. Sich das bewusst zu machen und selbstkritisch zu hinterfragen, ist ganz wichtig.

      Deine Strategie, das Wesentliche dadurch zu erkennen, dass es an vielen Stellen deutlich wird, ist sehr sinnvoll. Überbetonung von bibl. Einzelaussagen hat schon viel Schaden angerichtet. Die Ursache liegt natürlich in der Überzeugung, dass auch jede Einzelaussage mit göttlicher Autorität spricht und deswegen zu befolgen ist. Das Überwinden eines solchen Umgangs mit der Bibel ist Not-wendig.

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  2. Prinzipiell denke ich auch, dass die Kernaussagen häufig vorkommen und man sie kaum übersehen kann. Ich glaube aber auch, dass einzelne Stellen wichtig sind – und glaube dass Gott über seinem Wort wacht und durch den hl. Geist dafür gesorgt hat, dass wir die „richtigen“ Bücher im Bibelkanon finden.

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