Himmelfahrt

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jesus_ascending_to_heaven
„Jesus‘ Ascension to Heaven“ von John Singleton Copley [Public domain], via Wikimedia Commons

 

… während er sie segnete, verließ er sie und wurde in den Himmel hinaufgehoben.

——-

(Bibel, Neues Testament, Lukas-Evangelium, 24. Kapitel, Vers 51)

 

Vier unserer Feiertage erinnern an wichtige Ereignisse in den Erzählungen über den Mann aus Nazareth: Weihnachten, Karfreitag, Ostern und Himmelfahrt. – Es ist zwar noch nicht ganz so weit, aber ihr könnt diesen Post ja in 9 Wochen noch mal lesen.  😉

Ich habe, wenn ich an Himmelfahrt denke, immer die Szene auf dem Ölberg im Kopf, wo Jesus sich von seinen Jüngern verabschiedet und dann auf einer Wolke gen Himmel entschwindet und zwei Engel dabei sind. Diese Vorstellung stammt von der Beschreibung im ersten Kapitel der Apostelgeschichte.

 

»… ihr werdet den Heiligen Geist empfangen und durch seine Kraft meine Zeugen sein …«
Nachdem er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen in den Himmel emporgehoben. Eine Wolke verhüllte ihn, und sie sahen ihn nicht mehr.
——-
(Apostelgeschichte 1, 8-10)

 

Am Ende des Johannes-Evangeliums kommt diese Szene überhaupt nicht vor. In der ursprünglichen Fassung von Markus kommt dies Szene wahrscheinlich auch nicht vor. Einige Handschriften haben allerdings ein paar Verse am Ende von Markus, wo Jesus den Jüngern bei einer Mahlzeit erscheint, zu ihnen spricht und dann „in den Himmel aufgenommen wird“. Auch keine Szene mit Berg und Wolke und Engeln.

Am Ende von Matthäus erscheint Jesus den Jüngern erstaunlicherweise auf einen Berg in Galiläa und es wird gar nichts von einer Himmelfahrt erzählt. Nur am Ende vom Lukas-Evangelium finden wir auch eine Himmelfahrt in der Nähe von Jerusalem und Bethanien (Ölberg), was als Buch natürlich eine große Nähe zur Apostelgeschichte hat. Die Apostelgeschichte knüpft genau an der Stelle wieder an.

Ich war überrascht, dass sich die Szene, so wie ich sie im Kopf hatte, nur in der Apostelgeschichte findet. Was wollen all diese Erzählungen zum Ausdruck bringen? Und in welcher Form finden wir das in den restlichen neutestamentlichen Schriften? Und knüpft all das an Motive an, die den Menschen zur Zeit Jesu schon vertraut waren?

 

Henoch ging mit Gott, dann war er nicht mehr da; denn Gott hatte ihn aufgenommen.

——-

(Tanach / Altes Testament, Bereschit / Genesis / 1. Mose 5,24)

 

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2 Kommentare zu „Himmelfahrt

  1. Hmm… Ich muss zugeben, dass mich der Begriff „Erzählung“ etwas stört. Ja, ich weiß, dass er vor allem in der historisch-kritischen Forschung verwendet wird. Für mich sind es aber nicht einfach nur Erzählungen, sondern Erfahrungsberichte. Insbesondere Lukas führt ja auf, dass er sehr sorgfältig recherchiert hat bevor auch nur einen Bericht niederschrieb. Wobei es schon stimmt, dass jeder Evangelist sein Evangelium unter bestimmten Gesichtspunkten schrieb und unterschiedliche Ziele verfolgte. Daher sind auch die vier Evangelien nicht immer 100%ig deckungsgleich.

    Wenn man sich bspw. Matthäus anschaut: Jesu erste große Rede findet auf einem Berg statt und seine letzte Rede ebenfalls. Berge spielten in der jüdischen Geschichte immer wieder eine große Rolle – ich erinnere nur an Sinai, Horeb oder Karmel. Matthäus schreibt sein Evangelium für eine judenchristliche Gemeinde und ist bemüht, Jesus als den verheißenen Messias darzustellen. Kein Wunder, dass da am Anfang und am Ende der Berg vorkommt.

    Ein anderer Gedanke noch zu Matthäus – Israel sollte ein Licht und ein Segen für alle Völker werden. Daran knüpft Jesus mit seinem Missionsbefehl in Matthäus 28 an. Damit werden die Jünger zur neuen Gemeinde und zum neuen Licht und Segen für die Völker. Da würde die Himmelfahrt ganz schlecht in den Kontext passen. So passt das Ende aber ganz gut zur Bundestheologie des AT.

    Und so könnte man mit jedem Evangelisten weiter machen… 🙂 Ich glaube daher, dass die Himmelfahrt für die anderen drei Evangelisten (Matthäus, Markus und Johannes) keine große Rolle spielt, da sie eben nicht an einer historisch korrekten Überlieferung interessiert waren, sondern theologische Gründe für ihre Niederschrift hatten. Lukas hingegen wollte die historischen Ereignisse darstellen und weniger Theologie (daher sind bei ihm bspw. mehr Wunder und weniger Reden enthalten als in Matthäus).

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    1. Begriffe wie „Bericht“, „Erzählung“, usw. sind immer etwas problematisch, da wir nicht davon ausgehen können, dass sich unsere Vorstellungen davon mit denen der Verfasser der bibl. Schriften deckt.

      Ich denke, es ist auch nicht sinnvoll sich darüber zu streiten, wie Auferstehung und Himmelfahrt genau passiert sind. Die wichtige Frage ist, was das heute für uns bedeuten kann. Selbst wenn wir erklären könnten, wie Jesus in das Totenreich „hinabgestiegen“ ist, wie sich sein Körper verwandelt hat, wie er auferstanden und aufgefahren ist, so bleibt es immer noch Glaube, ob wir überzeugt sind, dass das auch für uns gilt.

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