BIBEL. LESEN. (2. Teil) – FANTASIE

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By John Elsas [Public domain], via Wikimedia Commons

Um die Bibel zu lesen braucht man Zeit – und das nicht nur, weil es so viele Seiten sind.

Es gibt noch eine weitere Zutat für gutes Bibellesen: Fantasie.

Fantasie ist ein Geschenk Gottes. Hätte er uns nicht so gemacht, wären wir fantasielos.

Fantasie – wozu brauch man sowas eigentlich?

Es ist stockdunkel – plötzlich bricht ein Licht herein. Die Wassermassen ziehen sich zurück – fester Boden. Halme und Blättchen wachsen aus der Erde. Es raschelt. Es fängt an zu krabbeln und zu flattern. Ein nackter Mann sieht zum ersten Mal eine nackte Frau. Eine Schlange spricht – verführerisch. Eine schöne, saftige Frucht hängt am Baum. Kräftig reinbeißen! Menschen sind plötzlich nackt. Ein Bruder wird von Eifersucht gepackt: Mord! Eine Mutter verliert zwei Kinder an einem Tag. Wassermassen – fast alle ertrinken. Unüberschaubare Anzahl von Leichen. Ein alter besoffener Mann liegt da nackt. Eine Familie ziehen wie Zigeuner in einem fremden Land herum. Ein Vater ist auf dem Weg, um seinen Sohn Gott zu opfern. Zwei Töchter haben Sex mit ihrem eigenen Vater und werden auch noch schwanger. Ein junger Mann hat Träume und ein hübsches Kleid und später macht die Frau des Chefs sich an ihn ran. Eingewanderte Migranten vermehren sich wie die Kaninchen. Babys werden getötet. Ein Prophet hört die Stimme Gottes – will aber nicht. Sklaven werden befreit. Eine Säule aus Feuer in der Nacht. Menschen laufen in der Wüste herum. Essen fällt vom Himmel. Eltern erzählen Kindern Geschichten. Stadtmauern brechen in sich zusammen. Guerrillas fallen ein – rauben und töten. Ein Ehemann zerlegt seine vergewaltigte Frau in Einzelteile. Ein Superheld rächt die Guten und kämpft gegen die Bösen. Entstehen der Monarchie. Eine Nation expandiert. Ein König wird wegen Ehebruch zur Rede gestellt. Der Sohn intrigiert gegen den eigenen Vater. Unvorstellbarer Reichtum. Ein Gebäude wird für Gott errichtet und die Herrlichkeit Gottes zieht ein! Ein unerfahrener Thronnachfolger trifft eine Fehlentscheidung. Ein Königreich bricht auseinander. Machtpolitik. Kriminelle Machenschaften. Feuer fällt vom Himmel. Ein leises Säuseln. Die Gegenwart Gottes. Menschen verstecken sich in Höhlen. Ein Wagen aus Feuer fährt Richtung Himmel. Kleinbauern werden ausgebeutet. Der Mund eines Mannes wird mit einer glühenden Kohle berührt. Ein neues Imperium entsteht. Ein gewaltiges Schlachten. Zwangsumsiedlungen. Ein Mann ist allein auf dem Feld und ein Löwe brüllt in der Nähe – die Angst fährt in die Knochen. Gott redet. Süß wie Honig im Mund, aber ein saurer Magen. Schwerter werden umgeschmiedet zu Pflügen. Ein Feld voller Skelette. Die Skelette bekommen Sehnen, Muskeln und Haut und richten sich auf. Ein kleiner Neuanfang. Ruinen werden wieder aufgebaut. Die Wände hallen wieder von den Lobgesängen Gottes. Unerträgliche Schmerzen. Lautes Klagen. Ein altes Ehepaar kriegt noch ein Kind. Ein Engel besucht ein Mädchen. Weise kommen aus einem fernen Lande angereist. Sie folgen einem Stern. Geburt in einem Stall. Ein Neugeborenes in einem Futtertrog. Gold, Weihrauch, Myrre. Hirten nachts auf dem Feld unter den Sternen. Friede auf Erden. Kindermord. Flucht ins Ausland. Asyl. Ein Mann predigt in der Wüste. Das eigene Kind geht in der Menge verloren. Irgendwas Taubenähnliches kommt vom Himmel runter und landet auf einem Mann. Derselbe Mann unterrichtet dann auf einem Berg. Selig sind, die ein reines Herz haben. Über eine Öllampe wird eine Schüssel gestülpt. Eine Stadt liegt auf einem Berg. Salz wird geschmacklos. Eine Prostituierte geht uneingeladen in das Haus eines Frommen und fässt dessen Gast an. Eine Frau verschenkt ihr ganzes Geld! Eine andere verliert ihres – und findet es wieder! Arbeiter bekommen denselben Lohn, obwohl die einen viel weniger gearbeitet haben. Ein korrupter Verwalter veruntreut das Eigentum seines Chefs. Eine kranke Frau berührt in einem Menschengedränge ein Gewand. Blinde sehen. Lahme gehen. Arme werden reich. Menschen werden von einem einstürzenden Turm erschlagen. Ein Machthaber veranstaltet ein Gemetzel. Ein Mann schwitzt Blut und Wasser mitten in der Nacht. Ein Unschuldiger wird vom eigenen Freund verraten wegen Geld. Ein Auszubildener scheitert an sich selbst und weiß kaum wohin vor Gram. Ein entkräfteter Körper bricht unter einen schweren Last zusammen. Handgelenke werden an einen Holzstamm genagelt. Ein Vorhang zerreißt. Gräber öffnen sich. Zwei Männer müssen mal schnell einen langen Weg wieder zurückgehen, weil sie jemand begegnet sind, der eigentlich tot ist. Satan schleicht umher wie ein brüllendes Raubtier. Eine ganze Stadt kommt vom Himmel herab …

 

[Eine neuere Überarbeitung des Posts findet ihr hier.]

KANN MAN GLAUBEN LERNEN?

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By Pål Berge (http://www.flickr.com/photos/paalb/49636016/) [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)%5D, via Wikimedia Commons

Die Antwort auf diese Frage hängt davon ab, was man unter Glaube versteht. Mir geht es hier nicht um irgendeinen Glauben, sondern um den rettenden Glauben an Jesus, durch den man zum ewigen Leben kommt (Johannes-Evangelium 3,16).

Kann man DIESEN Glauben lernen?

Dazu fallen mir dann gleich auch noch mehr Fragen ein:

Falls „Ja.“ – wie lernt man glauben?

Falls „Nein“ – warum kann man glauben nicht lernen?

Ich habe schon verschiedene Antworten zu dieser Frage kennengelernt.

1.  „Nein.“ – Glaube ist Geschenk und Frucht des Heiligen Geistes. (Galaterbrief 5,22 in der Lutherübersetzung von 1956!)

2.  „Nein.“ – Glaube ist eine Entscheidung, ein Willensakt. Deshalb kann auch dazu aufgerufen werden.

Ich habe so auf Anhieb auch keinen Vers gefunden, wo vom „Glauben lernen“ die Rede ist.

Ich war diese Woche auf einer Informationsveranstaltung zu einem Glaubenskurs: spürbar (www.spuerbar.org). Dies ist nicht der allererste Glaubenskurs, der erfunden worden ist und wahrscheinlich auch nicht der letzte. Für diesen „Nachfolge-Kurs“ zeichnet das Evangelische Werk für Diakonie und Entwicklung e. V. verantwortlich. Er ist wohl als eine Art Aufbaukurs zu spur8 gedacht.

Ein Untertitel auf dem Flyer heißt „Spüren Sie in acht Veranstaltungen auf, wie der Glaube lebendig wird.“  Klingt ein bisschen wie ein Wiederbelebungskurs für einen toten Glauben.

Das Konzept und die Vorstellung des Kurses war mir sympathisch. Lebensnah und mit Offenheit für die Erfahrungen der Teilnehmer. Ich bin mir allerdings noch nicht sicher, ob auch deutlich wird, an was oder wem man glaubt.