Der Heidenapostel Paulus: Eine „New Perspective“

[Eine neuere Überarbeitung dieses Artikels findet ihr hier.]

 

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Römische Straße bei Tarsus, by Nedim Ardoğa (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

 

Es gibt sogar einen ganzen Wikipedia-Artikel zu diesem Thema:

https://en.wikipedia.org/wiki/New_Perspective_on_Paul

Es gibt unter den Anhängern Jesu wohl kaum einen Menschen, der größere Bedeutung erlangt hat, als dieser antike, orientalische Missionar und Bürger des Imperium Romanum mit jüdischer Abstammung. Viele Themen würden in der christlichen Welt anders diskutiert werden, wenn es nicht bestimmte Aussagen in Texten des Apostels Paulus gäbe: Homosexualität, Ehescheidung, Kindertaufe, Geistesgaben, Gemeindeleitung, Auferstehung, Gemeindedisziplin, Bibelinspiration, …  Nicht nur deswegen ist das Verstehen und Missverstehen seiner Texte so wichtig.

 

… ‚Jesus Christus ist in die Welt gekommen, um Sünder zu retten‘ – und ich bin der schlimmste von ihnen.

(Der erste Brief von Paulus an Timotheus, 1. Kapitel, Vers 1)

 

„Vom Saulus zum Paulus“ (eigentlich nicht ganz biblischer Ausdruck):

Es gibt kaum eine andere neutestamentliche Gestalt, bei der der Bruch so drastisch ist. Vom Verfolger zum Verfolgten. Hat das Schwert abgelegt und das Wort ergriffen. Freunde wurden zu Feinden, und Feinde zu Brüdern und Schwestern. Und sogar die unreinen Heiden wurden Teil der Familie.

 

Jetzt ist es nicht mehr wichtig, ob ihr Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie, Männer oder Frauen seid: In Christus seid ihr alle eins.

(Galaterbrief 3,28)

 

Doch EINEN Bruch hat Paulus nicht vollzogen: Den Bruch mit dem Judentum.

Genauso, wie die ersten Christen, verstand sich auch Paulus nicht als jemand, der sich vom Judentum verabschiedet hat, sondern er verstand sich als ein „wahrer Jude“.

„Auch die Beschneidung nützt euch [beschnittenen Juden] nur, wenn ihr das Gesetz befolgt. Wenn ihr es übertretet, steht ihr in Wahrheit den Unbeschnittenen gleich. Wenn aber nun Unbeschnittene nach den Vorschriften des Gesetzes leben – werden sie dann nicht von Gott den Beschnittenen gleichgestellt? So kommt es dahin, dass Unbeschnittene einst über euch Juden das Urteil sprechen werden. Solche nämlich, die das Gesetz Gottes befolgen, während ihr es übertretet, obwohl ihr es schriftlich habt und beschnitten seid. Beim Judesein geht es nicht um äußerliche Merkmale und bei der Beschneidung nicht um den äußeren, körperlichen Vollzug. Die wahren Juden sind die, die es innerlich sind, und die wahre Beschneidung ist die Beschneidung des Herzens, die nicht nach dem Buchstaben des Gesetzes erfolgt, sondern durch den Geist Gottes. Juden in diesem Sinn suchen nicht den Beifall der Menschen, aber sie werden bei Gott Anerkennung finden.“  (Römer 2,25-29)

Im Laufe der Kirchengeschichte distanzierten sich bald Menschen, die sich für Christen hielten, von Juden und vom Judentum. Der Gläubige sägte den Ast ab, auf dem er saß. Der eingepropfte Zweig riss sich selber aus. Man braucht sich nicht darüber zu wundern, dass mancher Christ seinen eigenen Glauben nicht mehr verstand und dem Namen nach „Christliches“ zur Unkenntlichkeit entstellt wurde.

Gemäß Wikipedia benutzte der Wissenschaftler James D. G. Dunn 1982 den Ausdruck „new perspective on Paul“ für einen theologischen Ansatz mehrerer Gelehrter. Es ging darum, moderne Falsch-Interpretationen von Paulus aufzudecken und ihn aus seiner Zeit und von seinen jüdischen Wurzeln her zu verstehen.

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