Was haben Atommüll-Endlager und die Bibel gemeinsam? (Fundamentalismus-Kritik)

 

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Behälter mit radioaktivem Abfall in den USA, by Nuclear Regulatory Commission [Public domain], via Wikimedia Commons

 

Die Suche nach einem stabilen Aufbewahrungsort.

Bei der Suche nach einem Atommüll-Endlager geht es sogar nicht nur um einen Ort, wo über sehr lange Zeit sehr wenig Veränderung ist, um radioaktives Material relativ sicher einlagern zu können, sondern man diskutiert auch über die Möglichkeit der Rückholbarkeit des Mülls, falls dies nötig wird.

Die Verstehbarkeit von Sprache und Texten ist kein stabiler Ort, um göttliche Offenbarung für alle Zeit zu konservieren.

Schon, wenn man mit jemandem redet, den man sehr gut kennt (Partner, Kind, Eltern, …) kann es zu Missverständnissen kommen. Bei schriftlicher Kommunikation passiert das oft noch schneller, weil der Klang der Stimme, Mimik und Gestik fehlen. Bei älteren Texten wird das Verstehen noch schwerer, weil eine lebendige Sprache sich verändert. Wir müssen nur an das deutsche Wort „toll“ denken, dessen Bedeutung sich völlig umgekehrt hat.

Auch die literarischen Gattungen, welche wir heute haben, sind nicht identisch mit den literarischen Gattungen der Antike. Ist das Buch Jona, z.B., der Bericht eines Wissenschaftlers, eine Kurzgeschichte oder eine Satire, oder vielleicht eine Gattung, die es heute gar nicht mehr gibt? Oder ein Unikat, das man gar keiner Gattung zuordnen kann? Und spielte das für das Verstehen des Textes bei den Menschen damals und bei uns heute eine Rolle? Haben wir etwas richtig verstanden, nur weil uns keine zweite Deutung einfällt?

Sprache lässt sich nie von ihrem kulturellen Zusammenhang trennen, und weder Sprache noch Kultur sind einheitlich. Auch im alten Israel gab es Dialekte, und das Entstehen der Texte erstreckte sich über eine sehr lange Zeit. Es ist eine Illusion zu glauben, man bräuchte nur Wörterbücher für die biblischen Sprachen, um richtig verstehen zu können, was die Texte den Menschen damals sagen wollten. Wir brauchen auch entsprechend gute Kenntnisse der damaligen Kultur. Wenn wir z.B. flächendeckend aus allen sozialen Schichten und allen Epochen die Tagebücher von Menschen hätten, in denen wir lesen könnten, wie sie gedacht, gefühlt und gelebt haben, dann hätten wir eine viel bessere Chance, die biblischen Texte richtig zu verstehen.

Gott ist absolut. – Texte sind es nicht!

Brauchen wir überhaupt ein stabiles Endlager für göttliche Offenbarung?

Nein.

Gott ist lebendig und offenbart sich ständig überall. Und sein Geist weht, wo er will.

Die biblischen Texte können auch heute noch für uns wertvoll sein, weil es zeitlose menschliche und göttliche Wahrheiten gibt, die wir beim Lesen finden können. Aber dies passiert auf der subjektiven Ebene in einem Menschen  und ist keine objektive Wahrheit, die wir eindeutig und unmissverständlich sprachlich formulieren und für spätere Zeiten aufbewahren können. Gottes vollkommene Offenbarung lässt sich nicht Vergegenständlichen – auch nicht in Sprache oder einem Text. Der Mensch Jesus ist das Wort Gottes. Dieser Mensch lebt heute nicht mehr. Aber in den neutestamentlichen Texten lesen wir über die Wirkung, die er damals auf andere Menschen gehabt hat. „In Christus wohnt die ganze Fülle Gottes.“

Aber es werden wohl weiterhin biblische Besserwisser die Texte der Bibel missbrauchen, um ihrer eigenen Meinung göttliche Autorität zu  verleihen. Sicherlich oft gut gemeint – aber schlecht gemacht. Und Ausdruck mangelnder Selbsterkenntnis. Vielleicht werden Fundamentalisten auch deshalb manchmal wenig ernst genommen, weil sie kaum in der Lage zu sein scheinen, ihre eigene Begrenztheit wahrzunehmen. Auch ein schöner Glaube an Jesus kann abrutschen in Engstirnigkeit.

Wenn doch das Christentum bloß zurückkehren würde zu seinem eigentlichen Wesen und die Christenheit zu ihrem eigentlichen Mittelpunkt:

Jesus.

 

2 Kommentare zu „Was haben Atommüll-Endlager und die Bibel gemeinsam? (Fundamentalismus-Kritik)

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