WÄRST DU AUCH GERNE MIT NUTTEN BEFREUNDET?

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Au Salon de la rue des Moulins von Henri de Toulouse-Lautrec, 1894, [Public domain or Public domain], via Wikimedia Commons

 

Jesus hatte keinen guten Ruf zu verlieren. Zumindest nicht in den frommen Kreisen seiner Zeit. Ein Freund von Nutten und korrupten Kollaborateuren mit der verhassten römischen Besatzung. Er war eine äußerst umstrittene Persönlichkeit des öffentlichen Lebens seiner Zeit. Ein Konflikt, der ihn am Ende das Leben kostete.

Prostitution. Leider ein zeitloses Thema. Die Art und Weise, wie Jesus Nutten begegnete, ist bestimmt ein Aspekt seines Lebens, der Menschen die letzten 2000 Jahre besonders berührt hat. Prostitution geht an die Substanz des menschlichen und gesellschaftlichen Miteinanders. Die nüchterne Bezeichnung „Prostitution“ macht die ganze Angelegenheit nicht harmloser.

Die krasseste Jesus-Erzählung dazu wäre wohl diese:

 

Einmal wurde Jesus von einem Pharisäer zum Essen eingeladen. Er ging in das Haus dieses Mannes und setzte sich an den Tisch. Da kam eine Prostituierte herein, die in dieser Stadt lebte. Sie hatte erfahren, dass Jesus bei dem Pharisäer eingeladen war. In ihrer Hand trug sie ein Fläschchen mit wertvollem Salböl. Die Frau ging zu Jesus, kniete bei ihm nieder und weinte so sehr, dass seine Füße von ihren Tränen nass wurden. Mit ihrem Haar trocknete sie die Füße, küsste sie und goss das Öl darüber.

Der Pharisäer hatte das alles beobachtet und dachte: „Wenn dieser Mann wirklich ein Prophet wäre, müsste er doch wissen, was für eine Frau ihn da berührt. Sie ist doch eine stadtbekannte Hure!“

„Simon, ich will dir etwas erzählen“, unterbrach ihn Jesus in seinen Gedanken.

„Ja, ich höre zu, Lehrer‘, antwortete Simon.

„Ein reicher Mann hatte zwei Leuten Geld geliehen. Der eine Mann schuldete ihm fünfhundert Silberstücke, der andere fünfzig. Weil sie das Geld aber nicht zurückzahlen konnten, schenkte er es beiden. Welcher der beiden Männer wird ihm nun am meisten dankbar sein?“

Simon antwortete: „Bestimmt der, dem er die größte Schuld erlassen hat.“

„Du hast Recht!“, bestätigte ihm Jesus. Dann blickte er die Frau an und sagte:

„Sieh diese Frau, Simon! Ich kam in dein Haus, und du hast mir kein Wasser für meine Füße gegeben, was doch sonst selbstverständlich ist. Aber sie hat meine Füße mit ihren Tränen gewaschen und mit ihrem Haar getrocknet. Du hast mich nicht mit einem Kuss begrüßt. Aber seit ich hier bin, hat diese Frau immer wieder meine Füße geküsst. Du hast meine Stirn nicht mit Öl gesalbt, während sie dieses kostbare Öl sogar über meine Füße gegossen hat. Ich sage dir: Ihre große Schuld ist ihr vergeben; und darum hat sie mir so viel Liebe gezeigt. Wem aber wenig vergeben wird, der liebt auch wenig.“

Zu der Frau sagte Jesus: „Deine Sünden sind dir vergeben.“

Da tuschelten die anderen Gäste untereinander: „Was ist das nur für ein Mensch! Kann der denn Sünden vergeben?“

 

 

Neugierig geworden?  http://worthaus.org/mediathek/1-2-1/

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DIE VERFASSUNG DER VEREINIGTEN STAATENLOSEN VOM HIMMELREICH

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Ecumenical worship service at the monastery of Taizé, by Damir Jelic (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)%5D, via Wikimedia Commons

 

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Wir, das Volk der Vereinigten Staatenlosen vom Himmelreich, sind nicht selbst der Grund für unsere Verfassung. Verbundenheit, Berichtigtsein, Frieden, Schutz, Versorgung und die Segnungen der Freiheit für uns selbst und die, die nach uns kommen, sind ein Geschenk des Himmels. Alle Macht ruht in Gott, und wurde an Jesus übergeben.

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GRUNDGESETZ DER BUNTEN REPUBLIK NEULAND

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In a common symbol of ecumenism, the Christian Church is portrayed as a boat afloat on the sea of the world with the mast in the form of a cross, by Rechtfertigungslehre_St.-Anna_Augsburg.jpg: Emkaer derivative work: ARvєδuι + (Rechtfertigungslehre_St.-Anna_Augsburg.jpg) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen,

von der Sehnsucht beseelt, als erlöste Menschen unter erlösten Menschen aller Sprachen, Völker und Nationen den Frieden Gottes zu erfahren, streckt sich das Volk Gottes nach dem aus, dem alle Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben ist.

Anhänger Jesu in allen Ländern genießen die herrliche Einheit und Freiheit der Kinder Gottes, die Gott selbst schenkt. Dieses Angebot gilt allen Menschen.

Die Würde des Menschen ist begreifbar.

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FRESH X

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Blütenknospen der Quitte, by Diako1971 (Own work) [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)%5D, via Wikimedia Commons

Eine tolle Sache. An vielen Orten sind Fromme bereit, Neues zu wagen, und suchen nach neuen Ausdrucksformen: Fresh Expressions. Kirche wird von ihrem Auftrag her verstanden. Missional. Die aus England stammende Bewegung hat auch eine deutsche Webseite: http://freshexpressions.de  (Da kann man auch ein bisschen zur Geschichte nachlesen.)

Von fast 2000 Jahren Kirchengeschichte haben wir eine sehr lange Liste von Ideen, Veränderungen, Reformationen und Restaurationen. Und manchmal war es eine Mischung aus Verbesserung und Verschlechterung. Wir haben heute einen riesigen Haufen kirchlicher Theorie und Praxis, und es ist unbedingt notwendig, darin das Wesentliche des christlichen Glaubens wieder freizulegen.  –  Was wollte der orientalische jüdische Mann aus Nazareth eigentlich?

Bonhoeffer hatte schon vor 70 Jahren radikale Gedanken über Kirche und Glauben und dieselben Fragen sind heute nicht weniger drängend. In einer Zeit kultureller Umbrüche von gigantischen Ausmaßen haben wir keine Zeit zu verlieren. Zögern und zaghaftes Manövern ist unangemessen, wenn es darum geht, dass verirrte Menschen wieder den Weg finden.

Oft habe ich den Eindruck, dass man einfach nur neue Ausdrucksformen für die ewige Wahrheit der christlichen Lehre finden will. Doch das wird nicht reichen. Es geht vielmehr um die grundsätzliche Frage, was christlicher Glaube eigentlich ist. Wer genauer wissen will, was ich meine, sollte sich Drewermanns noch ziemlich neues Buch „Wendepunkte“ mal anschauen.

Diese grundsätzlichen Fragen werden sich auch nicht über Nacht klären lassen. Aber wir brauchen unbedingt eine selbstkritische Distanz zu den eigenen Glaubensüberzeugungen und nicht nur die Bereitschaft, Vertrautes loszulassen, sondern wir müssen dies auch tun.

„Wer seine Hand an den Pflug legt und dann nach hinten sieht, der ist für das Reich Gottes nicht brauchbar.“  (Die Bibel, Neues Testament, Lukas-Evangelium, 9. Kapitel, Vers 62)

„Wer diese meine Worte hört und danach HANDELT …“  (Matthäus 7,24)

Haben wir den Mut, Glauben an Jesus radikal zu verstehen? Könnte Kirche wieder ein klares Profil gewinnen und Christentum eine echte Gegenkultur zur Welt sein? Ungefähr im Sinne von „Tod-Leben“, „Licht-Finsternis“, „Himmel-Hölle“, „Sünde-Heiligung“?

Veränderung allein ist noch kein Zeichen für Verbesserung oder Leben. Totes verändert sich manchmal auch. Es gibt Veränderung zum Besseren und zum Schlechteren, und manchmal hat man dieselbe Soße, nur anders eingefärbt. Ob etwas besser oder schlechter ist, kann auch eine individuelle Geschichte sein: Für den Einen gut, für den Anderen schlecht.

Der Mut und die Kraft für die nötigen Entscheidungen kann nur aus dem Vertrauen entspringen, dass Gott selbst es ist, der hier am Werk ist. Missio Dei. Gott wirkt in seiner Welt auf sein gutes Ziel hin. Die Herrschaft Gottes ist im Kommen. Und es wird Menschen brauchen, die das Risiko des Glaubens eingehen, mit ihrer ganzen Existenz auf Gott setzen, ihr Kreuz auf sich nehmen und es Jesus nachmachen. Billiger wird es nicht gehen.

10 FRAGEN AN NADIA BOLZ-WEBER

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Downtown Denver in 2007, looking southeast from the Highland neighborhood. by Mobyll at English Wikipedia (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons

 

Nadia Bolz-Weber. Eine der auffälligsten lutherischen PastorInnen. (Und eine Frau!) Besuchte kurze Zeit dieselbe Universität wie ich: Pepperdine University in beautiful Malibu, California.  🙂  Kenne sie allerdings leider nicht persönlich.

Gründerin und Pastorin vom „House for All Sinners and Saints“. Und zweifacher New-York-Times-bestselling author.

Kommt natürlich mit Wikipedia-Artikel:

https://en.wikipedia.org/wiki/Nadia_Bolz-Weber

Hat auch eigene Webseite:

http://www.nadiabolzweber.com

Letzten Monat veröffentlichte Kai Darnstaedt „10 Fragen an Nadia Bolz-Weber“ im Emergent Deutschland Blog:

10 Fragen an Nadia Bolz-Weber

ICH NEHME AB – ER NIMMT ZU

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The Preaching of St. John the Baptist by Pieter Bruegel the Elder (1526/1530–1569) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

Abnehmen. Ein großes Thema. Ein Milliarden-Geschäft. Manche Zeitschriften könnten ohne Tipps zum Abnehmen wohl kaum existieren. Eine berühmte Diät ist ja sogar nach einer Zeitschrift benannt: Die Brigitte-Diät.

Es gab auch einmal eine Johannes-Diät. Die ging so:  Ich nehme ab – Er nimmt zu.

Es stört, wenn Menschen sich selbst zu wichtig nehmen. Manche sind mit ihrer Persönlichkeit mehr Teil des Problems als Teil der Lösung. Aufmerksamkeit auf sich selbst zu lenken, ist auch kein speziell „christliches“ Thema. Hier geht es um eine Charakter-Frage. Bin ich jemand, der sich in den Vordergrund spielt, sich eitel in der Aufmerksamkeit der Anderen sonnt, gerne im Mittelpunkt steht, die Interessen anderer nur am Rande wahrnimmt, immer zuerst an sich selbst denkt, … ?

Bei Kindern ist dies in gewissem Maß natürlich. Sie lernen zunächst sich selbst wahrzunehmen, und erkennen erst danach, mehr und mehr, dass andere Menschen ganz ähnliche Wesen sind, wie sie selbst. Bei Kindern kann das Leben davon abhängen, dass sie die Aufmerksamkeit des Betreuungspersonals haben. Man sollte allerdings irgendwann einmal erwachsen werden und die anderen Menschen mit ihren jeweils eigenen Interessen wahrnehmen und respektieren und sich einordnen in eine Gemeinschaft.

Die Johannes-Diät geht noch weiter. Johannes der Täufer verstand sich selbst als Hilfskraft; als jemand, der vorbereitende Tätigkeiten verrichtet für einen Anderen, der wichtiger ist.

Können wir uns selbst in dieser Rolle sehen? Können wir damit O.K. sein, nicht die erste Geige zu spielen? Nicht selber im Zentrum unseres eigenen Universums zu stehen? Uns nicht nur EIN- sondern UNTER-zuordnen?

Nehmen wir Gottes Wirken um uns herum war? Und können wir die Rolle erahnen, die wir vielleicht dabei spielen könnten?

Ich nehme ab  –  Jesus nimmt zu.

Mir ist in meinem eigenen Leben in der letzten Zeit aufgefallen, dass mein Denken, Planen, Reden … etwas die Verbindung zu DEM verloren hatte, um den es eigentlich geht: JESUS. Es ist Gott selbst der durch Jesus sein ewiges Friedensreich aufrichtet in dieser Welt. Ich selbst bin da nur Hilfskraft. Ich kann und soll mich mit einbringen, aber sollte gut darauf achten, dass ich nicht GEGEN Gott wirke. (Könnte So-etwas passieren?)

“ … Vielleicht steht ihr dann als solche da, die gegen Gott kämpfen …“  (Die Bibel, Neues Testament, Apostelgeschichte, 5. Kapitel, Vers 39)

“ … Saul, Saul, warum verfolgst du mich? Dein Kampf gegen mich ist sinnlos.“  (26. Kapitel, Vers 14)

Jetzt sind wir wahrscheinlich nicht gerade Christenverfolger wie Saulus/Paulus. Aber sind es unsere EIGENEN Ideen, die wir unbedingt umsetzen wollen (natürlich zu Gottes Ehre), oder fügen wir uns ein in das Wirken GOTTES in dieser Welt?

Alle Macht ist bei Gott. ER ist all-mächtig. Auch Menschen beanspruchen Macht und üben sie aus; aber alles Machen, das nicht in Einklang ist mit dem Wirken Gottes, wirkt Gott entgegen. („Wer nicht für mich ist, ist gegen mich.“)

„… wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht einmal sehen … Menschliches Leben wird von Menschen geboren, doch geistliches Leben von Gottes Geist. … Der Wind weht, wo er will. Du hörst ihn zwar, aber du kannst nicht sagen, woher er kommt und wohin er geht. So ist es bei jedem, der aus dem Geist geboren ist … Kein Mensch kann sich auch nur das Geringste nehmen, wenn es ihm nicht vom Himmel gegeben ist. Ihr selbst könnt bezeugen, dass ich sagte: ‚Ich bin nicht der Messias, sondern ich bin nur geschickt worden, ihm den Weg zu bahnen.‘ Wer die Braut bekommt, ist der Bräutigam. Der Freund des Bräutigams steht dabei und freut sich von Herzen, wenn er dessen Stimme hört. Das ist auch jetzt meine ganze Freude. Er muss immer größer werden, ich dagegen geringer. …“  (Johannes 3)

ERZIEHEN ZUM GLAUBEN

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„Lasst doch die Kinder zu mir kommen, und hindert sie nicht daran! Gottes Reich ist ja gerade für solche wie sie bestimmt.“ (Markus 10,14) Gemälde von Carl Heinrich Bloch, 19. Jahrhundert [Public domain], via Wikimedia Commons

 

Geht das überhaupt? Oder ist der Titel schon schlecht formuliert? Und ist Erziehung zum Glauben an Jesus dasselbe wie „christliche Erziehung“ oder gibt es da einen Unterschied?

„Ich habe deinen aufrichtigen Glauben vor Augen, den Glauben, der zuerst deine Großmutter Loïs und deine Mutter Eunike erfüllte und der nun auch – da bin ich ganz sicher – dein Leben bestimmt.“  (Die Bibel, Neues Testament, Der zweite Brief von Paulus an seinen Schüler Timotheus, 1. Kapitel, Vers 5)

Dies dürfte wohl einer der klassischen Bibelverse zu diesem Thema sein. Einen interessanten Artikel dazu von Tobias Faix gibt es hier:

„Ist Glaube machbar? Über den Sinn und Unsinn christlicher Erziehung“