Der Bibel-Mythos

 

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Von Ajel auf pixabay.com (CC0 Public)

 

Der Titel ist zugleich die Behauptung: Ich behaupte, es gibt eine verbreitete Vorstellung von der Bibel, die nicht stimmt!

Der Begriff „Mythos“ ist hier also nicht streng wissenschaftlich, sondern umgangssprachlich gemeint. Ich meine, dass die Bibel ein religiöses Image hat, das nicht der Wirklichkeit entspricht. Und dies hat nicht nur speziell mit der deutschen Sprache oder Kultur zu tun, sondern ist ein religiös-kulturelles Problem aller christlich geprägten Gesellschaften und darüber hinaus.

Sachlich kann man erst einmal festhalten, dass die Bibel eine Sammlung von Schriften ist, welche grundlegend für den christlichen Glauben geworden sind. Diese Aussage, wird wohl niemand bestreiten.  (Auch wenn man über den Wortlaut vielleicht noch Haare spalten könnte.) Wir assoziieren mit dem Wort „Bibel“ allerdings darüber hinaus noch etwas anderes. Um dieses „andere“ geht es in diesem Post.

Das Wort „Bibel“ wird im Deutschen und Englischen (und vermutlich auch noch in weiteren Sprachen) auch für eine bestimmte Art von Büchern benutzt. Es ist, sozusagen, auch die Bezeichnung für eine Art von „Genre“. Es wird benutzt für Bücher, die maßgeblich für ein Wissensgebiet geworden sind. So könnte man, z.B., von einer “Heimwerker-Bibel” sprechen und gemeint wäre ein allgemein anerkanntes Buch, in dem man alles Wichtige zum Thema “Heimwerken” findet. Es geht dabei sowohl um die Art, wie man das Buch benutzt (praktisches Nachschlagen), als auch um die Zuverlässigkeit der Information und die allgemeine Anerkennung.

Die Frage ist nun, ist DIE BIBEL in diesem Sinne überhaupt eine „Bibel“ für den christlichen Glauben? (Ich hoffe, ich verwirre hier niemanden …)

Wer die Bibel auch nur ein bisschen kennt, weiß schon längst, dass die christliche Bibel nicht nur vom Thema, sondern auch vom Wesen her, ein so ganz anderes Buch ist als die Heimwerker-Bibeln, Koch-Bibeln, Auto-Bibeln, usw.  Die Bibel wurde ursprünglich NICHT als EIN Buch konzipiert und veröffentlicht, sie behandelt eine Vielfalt von Themen, und sie enthält eine Vielfalt von Genres. Sie ist halt über einen sehr langen Zeitraum auf eine sehr eigentümliche Weise entstanden.

Wie konnte es dann überhaupt dazu kommen, dass das Wort „Bibel“ für Bücher benutzt wird, die so ganz anders sind?

Ich glaube, es hat damit zu tun, dass die Bibel von Gläubigen wie ein Nachschlagewerk benutzt worden ist. Willst du wissen, was Gott zu diesem Thema meint? Kein Problem! Ich zitiere mal schnell einen passenden Bibelvers. Und da die Bibel im Original ja leider nicht alphabetisch sortiert ist und ohne Inhaltsverzeichnis und Sachregister kommt, haben wir dann etwas nachgebessert und entsprechende Bibelausgaben geschaffen.

Mit einer zusätzlichen Bibel-Konkordanz ist es noch einfacher, und am besten natürlich mit Bibel-Software. Da bleiben kaum noch Wünsche offen. Man muss die Texte selbst auch gar nicht mehr richtig kennen. Mit der Suchfunktion findet man schnell die gewünschte Aussage, die man benutzen will. Wir haben die Bibel in den Griff gekriegt! (Falls dies ein bisschen nach Instrumentalisierung klingt, ist es bestimmt kein Zufall.)

Aus unzähligen Filmen kennt man die Szene, wo jemand zum Schwören die Hand auf eine Bibel legt. Sicherlich eher eine symbolische als eine magische Handlung, aber wiederum eine öffentliche Benutzung der Bibel, die bestimmte Vorstellungen erzeugt. Es gibt bei manchen sogar die Vorstellung, dass man mit diesem Buch Dämonen und okkulte Mächte vertreiben kann.

Solange eine Bibel nur im Bücherregal steht, tut sie keinem weh. Wenn aber die Bibel für bestimmte Zwecke benutzt wird, dann formt sich eine gewisse Vorstellung von diesem Buch, selbst bei denen, die nie hineingeschaut haben. Verursacht natürlich von denen, die von der Bibel reden und sie zitieren.

Nicht alle biblischen Texte präsentieren sich als Wort Gottes. Aber im Laufe der Kirchengeschichte hat man EIN Buch gemacht, das als „Heilige Schrift“ und „Wort Gottes“ verkauft wurde und normativen Charakter für den christlichen Glauben haben sollte. Man wollte so ein Buch haben, und man hat es sich gemacht. Die historische Analyse dieser Entwicklung ist eine wichtige Aufgabe für alle Kirchen und alle, die meinen, dass diese Texte auch für uns heute noch wertvoll sind. Die entscheidende Frage ist: Wollen wir die Texte BENUTZEN, oder wollen wir von ihnen LERNEN?

Die Klärung und Überprüfung der eigenen Vorstellungen, die ich von der Bibel habe, ist besonders für die Menschen wichtig, denen die Bibel am Herzen liegt. So ist die Klärung dieser Fragen von existenzieller Bedeutung für die Gegenwart und Zukunft des christlichen Glaubens.

 

[Eine neuere Überarbeitung dieses Artikels findet ihr hier.]

 

EIN NEUER MOSE – ABER KEINE NEUE TORA

 

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von José de Ribera  (Public domain, via Wikimedia Commons)

 

In der jüdischen Messiaserwartung haben, neben anderen, zwei Textstellen besondere Bedeutung. Die eine ist die Verheißung des ewigen Königtums an David im 2. Samuelbuch, Kapitel 7; die andere ein Vers aus dem 5. Teil der Tora:

 

Ich will ihnen einen Propheten, wie du [Mose] es bist, aus der Mitte ihrer Brüder erwecken und meine Worte in seinen Mund legen; der soll alles zu ihnen reden, was ich ihm gebieten werde.

(Die Bibel, Tanach / Altes Testament, Tora, Devarim / 5. Buch Mose / Deuteronomium, 18. Kapitel, Vers 18)

 

Es ist das zentrale Bekenntnis des christlichen Glaubens, dass Jesus der Christus, der Messias, ist. Der Autor des Matthäus-Evangeliums, zum Beispiel, versucht, zum Teil auf subtile Art und Weise, zu zeigen, dass der Jesus aus Nazareth jener Messias der jüdischen Erwartung ist.

Auffällig ist, dass dieser neue Mose aber keine neue Tora mit dabei hatte. Es gibt in der christlichen Überlieferung auch keinen anderen Text, der den Anspruch erhebt, von Jesus selbst geschrieben worden zu sein. Und auch die ersten Christen haben sich nicht zusammen gesetzt und eine neue Tora verfasst.

Warum?

 

Seht, es werden Tage kommen – Spruch des Herrn -, in denen ich mit dem Haus Israel und dem Haus Juda einen neuen Bund schließen werde, nicht wie der Bund war, den ich mit ihren Vätern geschlossen habe, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägypten herauszuführen. Diesen meinen Bund haben sie gebrochen, obwohl ich ihr Gebieter war Spruch des Herrn. Denn das wird der Bund sein, den ich nach diesen Tagen mit dem Haus Israel schließe – Spruch des Herrn: Ich lege mein Gesetz in sie hinein und schreibe es auf ihr Herz. Ich werde ihr Gott sein und sie werden mein Volk sein. Keiner wird mehr den andern belehren, man wird nicht zueinander sagen: Erkennt den Herrn!, sondern sie alle, Klein und Groß, werden mich erkennen – Spruch des Herrn. Denn ich verzeihe ihnen die Schuld, an ihre Sünde denke ich nicht mehr.

(Tanach / Altes Testament, Jeremia 31,31-34)

 

Der Autor des Hebräerbriefes deutet die Vergebung, von der hier gesprochen wird, als die Vergebung, die durch Jesu Opfer gekommen ist (Hebräerbrief 10,14-18), und erklärt, wie das Neue in Jesus besser ist als das Alte.

Welche Bedeutung haben dann noch die Tora oder die anderen Texte? Gibt es im neuen Bund noch göttliche Regeln? heilige Texte?

 

[Eine neuere Überarbeitung dieses Artikels findet ihr hier.]

BIBEL. JETZT. (2) – Eine Liebeserklärung

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By see en:Aleppo Codex; scanned by http://www.aleppocodex.org (http://www.aleppocodex.org) [Public domain], via Wikimedia Commons
Uralte Texte. Geheiligt durch Jahrhunderte des Vorlesens und Hörens und Nach-Denkens. Ein kulturgeschichtliches Gewebe, dass sich durch die Jahrhunderte jüdisch-christlich geprägter Gesellschaften zieht.Gebetet. Gesungen. Von Eltern den Kindern zum Einschlafen vorgelesen.Worte, die darstellen, beschreiben, erregen, informieren, orientieren, berichten, erzählen, verzaubern, erinnern, bezeugen, klagen, anbeten, beruhigen, trösten, ermutigen, belehren, predigen, verkündigen, proklamieren, korrigieren, ermahnen, stören, anklagen, reizen, provozieren, bloß stellen, schockieren, drohen, beunruhigen, Angst machen, verheißen, zerstören, enthüllen, offenbaren, erschaffen, formen, inspirieren …Wild und ungezähmt wie das Leben. Klärend und verstörend. Eine lange Geschichte des Menschlichen …wie Menschen im Paradies: sorglos im Überfluss leben …
wie Adam, endlich einen Partner bekommen, der zu einem passt …
wie Kinder, nackt sein, ohne sich zu schämen …
wie Eva, sich zu einer Komplizin des Bösen machen lassen …
wie Adam & Eva, schlauer sein, nachdem es schief gelaufen ist …
wie Kain, eine Schuld nicht ertragen können …
wie Kain’s Frau, Mutter eines Städtebauers werden …
wie Lamech, die Gewalt eskalieren lassen …
wie Ada und Zilla, Frauen von einem Großkotz sein …
wie Methusalem, uralt werden …
wie eine schöne Menschentochter, von einem Gottessohn geschnappt werden …
wie solche schönen Menschentöchter, Mütter von Superhelden werden …
wie Noah, auf den Fluten der Strafe Gottes schwimmen …
wie die Anfänger einer neuen Menschheit, Füße auf festen Boden setzen …
wie Sem und Jafet, den nackten, besoffenen Vater zudecken …
wie Nimrod, Regierungschef werden, weil man gut im Erjagen ist …
wie in Babel, hoch hinaus wollen und sich dann nicht mehr verstehen …
wie Abram und Sarai, seine Heimat zurücklassen …
wie Abraham, ein Heimatloser sein mit einer besseren Zukunft …
wie die Töchter Lots, sich auf gerad’krummem Weg Babys verschaffen …
wie Sara, sich ein Lachen nicht verkneifen können …
wie Isaak, sich über’s Ohr hauen lassen …
wie Rebekka, sich von ihrer Familie verabschieden …
wie Laban, ein Verwandter mit Geschäftssinn sein …
wie Jakob, betrügen und betrogen werden …
wie Rahel, den eigenen Vater überlisten …
wie Lea, nur Zweite Wahl sein …
wie Ruben, mit der Stiefmutter Sex haben …
wie Levi, Ur-ur-uropa eines Priestergeschlechts werden …
wie Simeon, mal eben Lynchjustiz praktizieren …
wie Juda, Ur-ur-uropa eines zeitlosen Königsgeschlechts werden …
wie Tamar, vom Schwiegervater schwanger werden …
wie Sebulon, eine rätselhafte Beziehung zum Wasser haben …
wie Issachar, mit einem Esel verglichen werden …
wie Bilha und Silpa, keine weitere Beachtung finden …
wie Dan, zu Recht!
wie Gad, „Erstgeborener“ der dritten (!) Frau sein …
wie Ascher, gut essen …
wie Naftali, einem Hirsch ähneln …
wie Benjamin, Papa’s Liebling sein …
wie Dina, vergewaltigt werden – obwohl sie 12 Brüder hatte …
wie Josef, aus einem tiefen Loch gezogen werden und in einem anderen landen …
wie Potifar’s Frau, sich an einen anständigen Mann ranmachen …
wie Reguël, sich einen Schwiegersohn angeln …
wie Zippora, einen Gentleman heiraten …
wie Mose, einen Auftrag bekommen, den man gar nicht haben möchte …
wie Mirjam, die Leitung der Liturgie ergreifen …
wie Josua, in viel zu große Fußstapfen treten …
wie Rahab, überleben, indem man seine eigenen Leute verrät …
wie Debora, die Führung übernehmen, wenn die Männer schlapp machen …
wie Barak, Autorität erkennen …
wie Ruth, einen Menschen an der Seite haben, mit der frau nicht gerechnet hat
wie Samuel, eine Stimme in der Nacht hören …
wie Saul, auf die schiefe Bahn geraten …
wie Michal, Ehefrau eines Frauenlieblings sein …
wie David, es gut meinen, und dafür Ärger bekommen …
wie Bathseba, Objekt der Begierde eines Mächtigen werden …
wie Absalom, seinen eigenen Vater entthronen wollen …
wie Salomo, superschlau sein und doch am Ziel vorbei …
wie Elija, alles auf eine Karte setzen …
wie Isebel, Interessenvertreterin ihrer Religion sein …
wie Elischa, den Jordan mit einem Mantel teilen …
wie Gehasi zum Wohlstandsekel werden …
wie Asaf, Musikerkarriere machen …
wie Jesaja, schnallen, dass Gott auf einem Thron sitzt …
wie eine schwangere junge Frau, ein Kind kriegen, das Immanuel heißt …
wie Jeremia, auf der falschen Seite stehen …
wie Hesekiel, von Gottes Geist erfasst, angehoben und weggeweht werden …
wie Nebukadnezar, unfreiwillig Veganer werden …
wie Israel, der Strafe Gottes nicht entgehen können …
wie Gomer, eine problematische Erwerbstätigkeit haben …
wie Jona, ankommen, wo man eigentlich nicht hin wollte …
wie Verliebte, das Feuer Jahwes fühlen …
wie Hiob, Schmerzen erleiden, die man nicht verdient hat …
wie Johannes, den Weg für einen anderen ebenen …
wie Maria, sich in den Plan Gottes fügen …
wie Hanna, das Baby einer fremden Frau in den Armen halten …
wie Josef, das eigene Leben riskieren, um ein anderes zu retten …
wie Teenie Jesus, andere mit seiner Erkenntnis beeindrucken …
wie Maria, Stress mit einem hochbegabten Kind haben …
wie Jesus, vom Geist Gottes ergriffen werden …
wie der verlorene Sohn, gefunden werden …
wie Kinder, versuchen an Jesus ranzukommen …
wie Maria, die Schwester die Arbeit machen lassen …
wie Martha, sich das nicht einfach gefallen lassen …
wie Matthäus, die falsche Berufsentscheidung getroffen haben …
wie die Tocher von Jaïrus, Hunger haben, nachdem frau ein bisschen tot war …
wie Zachäus, unerwartet Besuch bekommen …
wie Maria Magdalena, die Kontrolle über ihr Leben zurückbekommen …
wie Jakobus, zu Jesus‘ Clique gehören …
wie Petrus‘ Schwiegermutter, wegen Krankheit (fast) ausfallen …
wie Johannes, einen eigenartigen Spitznamen bekommen …
wie die unhygienische Frau, als Unberührbare den Superstar berühren …
wie Bartholomäus, zu einem super Team gehören …
wie Johanna, Sponsorin Jesu mit guten Beziehungen …
wie Jakobus, Sohn des Alphäus: dabei sein ist alles …
wie die Samariterin, die unwahrscheinlichste Kandidatin für den Mulitplikatoren-Job …
wie Simon, Widerstandskämpfer mit neuer Orientierung …
wie eine namenlose Frau, als Sünderin berühmt werden …
wie Andreas, im Schatten des Bruders stehen …
wie Susanna, zusammen mit anderen geheilten Frauen Jesus‘ Groupie
wie Thaddäus, eine unscheinbare Berühmtheit …
wie Maria, superteures Parfum verschwenden und dafür gelobt werden …
wie Philippus, Gott sehen wollen …
wie Petrus sich krass überschätzen und jämmerlich versagen …
wie Judas, an sich selbst verzweifeln …
wie die Emmaus-Jünger, einen fremden Menschen erkennen …
wie Thomas, kaum über eine Enttäuschung hinwegkommen …
wie Paulus, Alles geben und völlig falsch liegen …
wie Tabita, ein Wohlfahrtsunternehmen
wie Barnabbas, einen Namen haben, der zu einem passt …
wie Markus, ein zweite Chance bekommen …
wie Lydia, einem das Herz aufgeht …
wie Timotheus, schon als junger Mensch Verantwortung übernehmen …
wie Phoebe, eine Frau sein, auf die Mann zählen kann …
wie der Seher Johannes, in der Fremde eine Vision von einer neuen Welt haben …Bilder von Menschen, die uns in die Erzählungen mit hinein nehmen, und doch auch den großen zeitlichen Abstand einer antiken Welt spüren lassen.

Bilder und Gedanken, die sich wie Kletten an die Seele heften. Deutungen, die Leben erklären und zum Widerspruch reizen. Fragen beantworten und Fragen aufwerfen. Die beschleunigen und bremsen. Umarmen und bedrängen. Stabilisieren und den Boden unter den Füßen wegziehen.

Worte des Glaubens.

Ein Chor von Stimmen, die, dieser Welt trotzend, Hoffnung ins Leben rufen.

(Fundamentalistische Kinderstube hat auch ein paar Vorteile …)

Kein Anspruch auf Vollständigkeit!  –  Vielleicht macht ihr ja eure eigene Listen?

 

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BRÜCHIGE MÄNNLICHKEIT

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By Victorgrigas (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

Frauen werden schwanger, bringen neues Leben in die Welt, stillen Babys …

Frauen kümmerten sich um den Nachwuchs, die Nahrungszubereitung, um die Kleidung, um das Lager des Klans, sammelten Beeren und Pilze, …

Die stärkeren, muskulösen Männer joggten durch die Steppe, spähten nach Gefahren und Beutetieren, kämpften mit Feinden und wilden Tieren …

Wieviel von dem, was uns als Männer und Frauen ausmacht, stammt noch aus einer anderen Zeit? Wieviel ungenutzte Instinkte schlummern noch in uns …

Früher waren die Männer noch die HERREN auf dem Fußballplatz. Mittlerweile gibt es sogar professionellen Frauenfußball! Wenn mann da mal Gelegenheit hat, ein Gurkenglas zu öffnen, das die Frau nicht aufgekriegt hat, fühlt mann sich endlich mal wieder in seiner Männlichkeit bestätigt: Wir werden als Männer doch noch gebraucht!  – Und Männer können sich Bärte wachsen lassen!

Jede Frau kann etwas, was kein Mann kann (schwanger werden …) – aber was kann ein Mann, das eine Frau nicht auch kann? Viele Frauen leben genauso wie viele Männer als Singles. Offenbar sind Frauen stark genug für alle Aufgaben, die im alltäglichen Leben anfallen.

Die Konservativen haben eine Antwort: Der Mann ist das Oberhaupt der Familie! Gruppen brauchen Anführer und Männer können das besser bzw. haben dafür sogar den Auftrag von Gott. Eine Antwort, die heute viele nicht mehr überzeugt.

Für Aufgaben, für die Frauen körperlich zu schwach sind, gibt es heute auch Maschinen und Roboter. Wo bleibt da noch Platz für männliche Identität? Was können Männer, das nur Männer können? Und brauchen wir diese Einzigartigkeit des Männlichen überhaupt, um zu wissen, wer wir sind oder sein wollen? Reicht es nicht aus, als Mensch einzigartig zu sein, so wie jeder Mensch, Mann oder Frau, einzigartig ist? Wäre es nicht am besten, wenn jeder schaut, was gemacht werden muss, und sich bemüht, seine eigenen Fähigkeiten, so gut wie möglich miteinzubringen?

„Hier gibt es keinen Unterschied mehr zwischen Juden und Griechen, zwischen Sklaven und freien Menschen, zwischen Mann und Frau. Denn durch eure Verbindung mit Jesus Christus seid ihr alle zusammen ein neuer Mensch geworden.“

(Die Bibel, Neues Testament, Paulus‘ Brief an die Galater, 3. Kapitel, Vers 28)

Ist die Identität als neuer Mensch und Anhänger Jesu nicht besser als ein künstliches Profil von zweifelhafter Männlichkeit?

(Und einer Frau, die schwanger wird, Kinder kriegt und Babys stillt, zur Seite zu stehen …  –  wäre das nicht auch eine tolle Berufung?)

Vorbereitung aufs Paradies (3. Teil)

 

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By NASA (Great Images in NASA Description) [Public domain], via Wikimedia Commons

 

Gott brütet etwas aus.
Gott schwebt über den Dingen.
Gott spricht.
Gott schafft neu.
Gott erhellt.
Gott betrachtet.
Gott beurteilt.
Gott weiß, was gut ist.
Gott erkennt Qualität.
Gott gibt der Sache einen Namen.
Gott trennt.
Gott macht Platz für den Himmel.
Gott gibt Luft zum Atmen.
Gott lässt die Sonne scheinen.
Gott lässt die Sterne funkeln.
Gott setzt den Mond in den Nachthimmel.
Gott macht Großes.
Gott macht Kleines.
Gott setzt Zeichen.
Gott begrünt.
Gott belebt.
Gott lässt tummeln und flattern.
Gott schenkt Nahrung.
Gott sorgt für seine Geschöpfe.
Gott ordnet.
Gott segnet.
Gott beauftragt.
Gott lässt Nebel aufsteigen.
Gott nimmt.
Gott formt.
Gott haucht Leben ein.
Gott plant nachhaltig.
Gott lässt regnen.
Gott erlaubt.
Gott verbietet.
Gott ermöglicht Fehler.
Gott macht ein Feldtier schlauer als alle anderen.
Gott lässt zu.
Gott fragt.
Gott führt ein Gespräch.
Gott adressiert das Problem.
Gott geht der Sache auf den Grund.
Gott überführt den Schuldigen.
Gott verheißt.
Gott bestraft.
Gott bekleidet.
Gott bedeckt die Scham.
Gott schmeißt raus.
Gott findet Gefallen.
Gott tätowiert.
Gott ist geduldig.
Gott wartet ab.
Gott bereut.
Gott flutet.
Gott lässt absaufen.
Gott rettet.
Gott schickt Wind.
Gott ist besorgt.
Gott verwirrt.
Gott gibt dem Mann einen Namen.
Gott antwortet.
Gott schickt Träume.
Gott schickt Plagen.
Gott lässt hageln.
Gott quält.
Gott tötet.
Gott führt heraus.
Gott befreit.
Gott kommt mit Blitz & Donner.
Gott ruft in der Nacht.
Gott stärkt.
Gott ist in einem kleinen, leisen Säuseln.
Gott hält Hof.
Gott plaudert mit Satan.
Gott zieht die Fäden hinter der Kulisse.
Gott lässt sich sehen.
Gott überzeugt.
Gott heilt.
Gott bietet Schutz.
Gott macht nicht dem gar aus.
Gott lässt einen Rest übrig.
Gott zerstreut.
Gott sammelt.
Gott begleitet.
Gott plant einen Neuanfang.
Gott arbeitet geduldig.
Gott kommt zu uns.
Gott ist bei uns.
Gott bezeugt.
Gott beglaubigt.
Gott ist ein Freund der Menschen.
Gottes Herrschaft kommt wie ein Senfkorn und wie Sauerteig.
Gott führt in die Krise.
Gott erleidet den Tod.
Gott bewirkt Anbetung.
Gott begeistert.
Gott begabt.
Gott versöhnt.
Gott schafft Frieden.
Gott schafft Einheit.
Gott bewegt.
Gott überfordert uns nicht.
Gott bringt Liebe hervor.
Gott bringt Freude hervor.
Gott bewirkt Geduld.
Gott macht freundlich.
Gott macht gütig.
Gott unterscheidet.
Gott richtet.
Gott macht dem Bösen ein Ende.
Gott macht eine neue Erde und einen neuen Himmel.

 

Vorbereitung aufs Paradies (2. Teil)

 

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Jan Brueghel the Elder [Public domain or Public domain], via Wikimedia Commons

 

Du darfst dich geborgen fühlen.
Du darfst dich beschenken lassen.
Du darfst dich bewegen.
Du darfst leben.
Du darfst das Murmeln liebender Stimmen hören.
Du darfst tief durchatmen.
Du darfst den Duft frischer Luft spüren.
Du darfst Früchte und Bäume und Blumen riechen.
Du darfst die Vögel hören.
Du darfst satt werden.
Du darfst dich mit Augen der Liebe betrachten lassen.
Du darfst dich freuen.
Du darfst dich umsorgen lassen.
Du darfst dich halten lassen.
Du darfst dich streicheln lassen.
Du darfst baden und dich waschen lassen.
Du darfst dich küssen lassen.
Du darfst quietsch-vergnügt lachen.
Du darfst dich einkuscheln.
Du darfst den Klang der Spieluhr hören.
Du darfst die Wärme von deinem Bettchen spüren.
Du darfst Ruhe genießen.
Du darfst sicher schlafen.
Du darfst die Wärme der Sonnenstrahlen auf deiner Haut spüren.
Du darfst dein Leben erhellen lassen.
Du darfst dich rekeln und strecken.
Du darfst dich bei DEINEM Namen rufen lassen.
Du darfst wissen, dass DU gemeint bist.
Du darfst andere beschenken.
Du darfst deine Welt kennenlernen.
Du darfst Kuchen backen.
Du darfst eine Sandburg bauen.
Du darfst aus Fehlern lernen.
Du darfst Worte der Liebe hören.
Du darfst dich hochziehen.
Du darfst dich festhalten.
Du darfst eine Hand halten.
Du darfst dich leiten lassen.
Du darfst weinen.
Du darfst Vertrauen lernen.
Du darfst deinen Finger in den Honig stecken.
Du darfst Freundschaft lernen.
Du darfst zuhören.
Du darfst dich verstecken.
Du darfst dich finden lassen.
Du darfst spielen.
Du darfst lernen, ein guter Verlierer zu sein.
Du darfst singen.
Du darfst deiner Puppe neue Kleider anziehen.
Du darfst deine Meinung sagen.
Du darfst andere zum Lachen bringen.
Du darfst in den Apfel beißen.
Du darfst Musik hören.
Du darfst dein Taschengeld zählen.
Du darfst die Sterne bestaunen.
Du darfst raufen.
Du darfst das Rauschen des Windes in den Blättern hören.
Du darfst dich korrigieren lassen.
Du darfst widersprechen.
Du darfst die Welt verstehen lernen.
Du darfst dich bei Blitz & Donner gruseln.
Du darfst traurig sein.
Du darfst deinen Geburtstag feiern.
Du darfst Fahrrad fahren.
Du darfst ein Freund sein.
Du darfst quatschen bis ihr beide einschlaft.
Du darfst lernen, Musik zu machen.
Du darfst in dein Tagebuch schreiben.
Du darfst trainieren.
Du darfst stricken.
Du darfst dich mit anderen messen.
Du darfst als Ritter echte Tugendhaftigkeit lernen.
Du darfst den Ball treten so doll du kannst.
Du darfst deine Stärken und Schwächen kennenlernen.
Du darfst schwimmen.
Du darfst Löcher graben.
Du darfst die Majestät der Berge bewundern.
Du darfst diskutieren.
Du darfst neue Sprachen denken lernen.
Du darfst Abenteuer erleben.
Du darfst schneller sein als die andern.
Du darfst Falsches entlarven.
Du darfst die Wolken ziehen sehen.
Du darfst Neues schaffen.
Du darfst klares Wasser aus einem Bach schöpfen.
Du darfst Pläne schmieden.
Du darfst den Horizont in der Ferne herbei-schauen.
Du darfst tanzen.
Du darfst protestieren.
Du darfst im Chor singen.
Du darfst dem Gegenwind trotzen.
Du darfst dich von dem Leid anderer berühren lassen.
Du darfst tauchen.
Du darfst dich von Delphinen anlachen lassen.
Du darfst Tiere retten.
Du darfst die Wahrheit sagen.
Du darfst demonstrieren.
Du darfst verzweifeln.
Du darfst deinen Platten flicken.
Du darfst virtuelle Welten erforschen.
Du darfst dich im Film in eine Traumwelt entführen lassen.
Du darfst Fakten sammeln.
Du darfst die Umwelt schützen.
Du darfst dich ausbilden lassen.
Du darfst arm sein.
Du darfst durch den Park joggen.
Du darfst dir deine eigene Wohnung einrichten.
Du darfst in einer warmen Sommernacht ein Gläschen Wein auf deinem Balkon trinken.
Du darfst den Worten von Dichtern lauschen.
Du darfst Spieleabende veranstalten.
Du darfst Blumen gießen.
Du darfst fliegen.
Du darfst andere Länder und Kulturen kennenlernen.
Du darfst dir alle Bücher aus der Bibliothek ausleihen (nacheinander).
Du darfst Kompetenz erlangen.
Du darfst etwas leisten.
Du darfst versagen.
Du darfst Zerbrochenes mit Humor nehmen.
Du darfst Herzen erobern.
Du darfst dich mit dem Vertrauen eines anderen Menschen beschenken lassen.
Du darfst Händchen halten.
Du darfst küssen.
Du darfst lieben.
Du darfst dich lieben lassen.
Du darfst schwach sein.
Du darfst reinen Wein einschenken.
Du darfst Leben weitergeben.
Du darfst für einen Menschen sorgen.
Du darfst dich selbst in den Augen deiner Kinder sehen.
Du darfst dir Sorgen machen.
Du darfst lernen, was im Leben wirklich wert hat.
Du darfst die Welt noch einmal neu mit deinen Kinder kennen lernen.
Du darfst Nachhaltigkeit verstehen.
Du darfst dich entscheiden, wofür du dein Geld ausgibst.
Du darfst Kaputtes reparieren.
Du darfst sicher wohnen.
Du darfst Gemeinschaft schaffen.
Du darfst dem Bösen ins Auge schauen.
Du darfst dein Leid in die Welt hinausschreien.
Du darfst Tee trinken.
Du darfst Musik deine Seele massieren lassen.
Du darfst ein Leben lang lernen.
Du darfst nachts wach liegen und über den Sinn deines Lebens nachdenken.
Du darfst wiederfinden, was verloren war.
Du darfst immer wieder neu anfangen.
Du darfst dich entscheiden, wofür du deine Zeit & Kraft einsetzt.
Du darfst dich engagieren.
Du darfst Frieden schaffen.
Du darfst dich erholen.
Du darfst ein Beschenkender sein.
Du darfst weitergeben, was du empfangen hast.
Du darfst deine Enkel verwöhnen.
Du darfst die Welt noch einmal neu durch die Augen deiner Enkel sehen.
Du darfst dich aufstützen.
Du darfst in Bewegung bleiben.
Du darfst zu Kaffeekränzchen einladen.
Du darfst in Dankbarkeit zurückschauen.
Du darfst das Laub sich verfärben sehen.
Du darfst dein Leben erzählen.
Du darfst Feste feiern.
Du darfst dem Vergehen die Schönheit des Alters abtrotzen.
Du darfst dir helfen lassen.
Du darfst über den Sonnenuntergang staunen.
Du darfst Frieden finden.
Du darfst den Himmel sehen.

( Du darfst dir deine eigene Liste machen.  🙂  )