Die AfC – Alternative fürs Christentum

 

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Androgynophor der Passionsblume. Oben drei lange rote Griffeläste, darunter fünf Staubblätter; von Ash TheFreecycler AshleyVH (Close up of a passion flower) [CC BY 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/2.0)%5D, via Wikimedia Commons

 

Die Alternative …

… zu einem unchristlichen Christentum

… zur Macht des Geldes und der Habenden

… zu steinernen Kathedralen und stolzen Kirchen

… zur Theologie der Stärkeren

… zum Komplizentum der Macht – „von Gottes Gnaden“

… zur Deutungshoheit der Unwissenden

… zur Zerstörung von Geheimnissen

… zu einem Jesus im Grab

… zu einer Entzauberung des Lebens und Glaubens

… zu bedeutungslosen Traditionen

… zu wirkungslosen Sakramenten

… zu Rettung ohne Not

… zu Dogmen, die einfach geglaubt werden müssen

… zu Worten ohne Sinn

… zu Lippenbekenntnissen und Glaubenssätzen, die keine innere Überzeugung mehr sind

… zu heiligen Geboten, die keine Orientierung mehr geben

… zu einer Gnade, die nicht von Schuldgefühlen befreit

… zu einer unpassenden Sprache, die keine Sehnsucht mehr weckt

… zu verstaubten Kirchen

… zu sprachlosen Glaubenden

… zu toten, leeren Strukturen

… zu einem Christentum ohne Vision

… zu einem Glauben, der im Begriff ist, den Bezug zur Gegenwart zu verlieren

… zum ewigen sich im Kreis und um sich selber Drehen

… zu einem Heil, das nicht heilt

… zum Aufpolieren veralteter Besitztümer

… zum elendigen Theoretisieren

… zur Kompliziertheit der Erklärungen

… zum Plattbügeln des Sperrigen und Widersprüchlichen

… zum Stolz der dummen Besserwisser

… zu dicken heiligen Büchern

… zu einem Erzählen von Gott, das prosaisch im Vergangenen hängen bleibt

… zu endlosen Streitereien und Spaltungen

… zur Brutalität der Eindeutigkeiten

… zur männlichen Kirche und Frömmigkeit

… zu humorloser Anständigkeit

… zu blockierenden Gedanken

… zu einem brüchigen Fundament

… zur Macht der Gruppe

… zu marktschreierischem Evangelisieren

… zum Worship-Kick am Wochenende

… zu Veranstaltungen, wo man in der Menge einsam bleibt

… zu beklemmender, bedrückender Atmosphäre

… zu muffiger Vereinsmeierei

… zu einengendem Gruppendruck

… zu Komplizen des Bösen

… zu einer Freiheit, die nicht erfahren wird

… zu einer Selbstverständlichkeit der Liebe, die man allerdings erst einmal definieren muss und deren Grenzen man kennt

… zu Christen, die ihre Verantwortung auf geistliche Führer oder heilige Texte abwälzen

… zu unmündigem Hinterherlaufen

… zu verglimmenden Glaubensleuchten vergangener Zeiten

 

Alternativlos?

„Was soll denn die Alternative sein?“ fragen manche.

„Wenn wir in Frage stellen, was wir haben, bricht alles zusammen und wir haben gar nichts mehr!“

 

Ein besseres Christentum

Wir sagen, wie es um uns steht. Wir sprechen aus, was wirklich ist.

Wir lassen Totes los und machen uns auf die Suche nach dem, was lebt.

Wir sind wahrhaftig, verliebt in ein lernendes Wahrnehmen der Wirklichkeit.

Wir schauen genau hin. Das, was nicht stimmig ist, wird von uns nicht länger verdrängt, ausgeblendet oder verschwiegen.

Wir besitzen Ehrfurcht vor allem Lebendigen und der Tiefe der Wirklichkeit.

Wir hinterfragen Betriebsamkeit und nehmen uns Zeit für die Ruhe.

In der Wüste begegnen wir Gott und Teufel.

Wir leben im Hier und Jetzt, und haben den Duft der Mystik geschmeckt.

Wir setzen alles auf eine Karte; wir riskieren uns selbst, um das Himmelreich zu gewinnen.

Wir lernen in Stille und Einsamkeit, und wir lernen gemeinsam. Wir lernen uns selbst und andere, und das Leben verstehen.

Wir schätzen die bunte Vielfalt der Perspektiven auf die uns gemeinsame Wirklichkeit.

Wir suchen und fragen, in Demut; hören respektvoll hin und zu.

Wir tun beharrlich das, was wir als richtig erkannt haben. Wir verachten die kleinen Anfänge nicht.

Wir heißen Unruhen und Störungen als Momente der Offenbarung willkommen.

Wir orientieren uns an unser eigenen Not und der Not der anderen.

Wir achten eine Theologie der Unterdrückten und Opfer, der Behinderten, der Schwachen und Kranken, der Sterbenden …

Wir suchen, was verirrt und verloren ist.

Wir streben nach Ganzheitlichkeit im Denken und Leben.

Wir glauben an Heil und Heiligung in den Tiefen unserer Seelen.

Wir sind auf einem gesunden Weg des Lebens.

Wir kennen die Faszination des Heiligen; wir werden magisch angezogen vom Geheimnisses des Mannes aus Nazareth.

Wir haben einen Jesus, dem wir nachmachen, was er uns vorgelebt hat.

Wir stehen für ein jesuanisches Christentum im Geiste Jesu. Güte und Menschenfreundlichkeit sind unser Markenzeichen.

Wir haben ein post-konfessionelles, ökumenisches christliches Selbstbewusstsein.

Wir predigen einen Jesus, der lebt, berührt und erfahren werden kann; einen Jesus, der Gestalt gewinnt im gemeinsamen Leben seiner Anhänger und der uns begegnet in unseren Mitmenschen.

Wir erforschen das Vertrauen und die Liebe, von denen die biblischen Texte erzählen.

Unser Evangelium ist Poesie, aus Worten, welche die Fantasie beflügeln.

Wir sind verwurzelt in Tradition, geerdet durch erfahrene Wahrnehmung und abgehoben in der Freiheit verspielter Kinder Gottes.

Wir leben eine einfache Herzensfrömmigkeit, in der auch unsere Kinder aufwachsen.

Unser Glaube bewährt sich an jedem Ort: Zuhause, auf Arbeit, in der Schule, an der Uni, in der Freizeit, im Urlaub, …

Wir sind zuhause in einer Welt, die unserm Gott gehört. Wir genießen die Sinne, die er uns geschenkt hat.

Wir errichten Denkgebäude und Lebenshäuser, die auf Felsen gebaut sind.

Wir glauben an ein Christentum, das dich und mich stark und mündig macht, so dass wir fest stehen, auch wenn wir alleine sind und auch beim übernächsten Schritt nicht einknicken.

Unsere Identität kommt durch Integrität und Authentizität.

Wir erkennen unsere eigene Verantwortung für unseren Glauben und unser Leben.

Wir achten auf die Wirkungen, die von uns und von anderen Menschen ausgehen.

Gerechtigkeit bedeutet für uns mehr als Rechtsstaatlichkeit, und Friede mehr als Abwesenheit von Krieg.

Wir übernehmen die Verantwortung für die Folgen unseres Handelns und unseres Nichtstuns. Wir interessieren uns für Systeme der Ausbeutung und Strukturen des Bösen.

Wir empfinden unsere Ohnmacht, und glauben an die Möglichkeiten Gottes.

Wir lassen uns erfassen und tragen von der ewigen Kraft Gottes. Die Bedeutung von Versagen und Vergebung verblassen im Licht eines neuen Werdens.

Wir können unser Fühlen und Denken zügeln und uns selbstkritisch mit Abstand betrachten. Unsere Horizonte weiten sich.

Wir verachten nicht, was wir früher geglaubt haben, sondern erleben ein Christentum, das integriert. Neue Herausforderungen, auch die Begegnung mit anderen Kulturen und Religionen führt uns tiefer hinein in das Geheimnis des Lebens.

Wir erleben, was wir glauben, und werden zur Quelle des Segens für andere.

Im Alter genießen wir den Schatz der Lebenserfahrung und das Reifen der Weisheit.

Wir sind überwältigt von der Schönheit des überfließenden Lebens.

Ein erhabener Gipfel – ein heller Schein, der die Welt erleuchtet.

 

Ein frisches Bewusstsein

Es gibt …

… einen Gott, der alles kann.

… eine unwiderstehliche Kraft.

… Energie, die vorantreibt.

… Wege aus der Enge, hinaus in die Weite.

… eine Liebe, die den Tod besiegt.

… Frieden und Freude, die bleiben.

… humorvolle Gelassenheit in Geborgenheit.

… Weisheiten, die das Sich-Ablösen von Kulturen überdauern.

… ein zartes Lächeln auf einem menschlichen Antlitz.

… eine herzliche Verbundenheit von Menschen, die das Heilige berührt haben.

… eine Theorie, die zum Verstehen auf höhere Ebenen führt.

… eine globale christliche Community, in der alle wie in einem Organismus verbunden sind.

… ein besseres Christentum, das im Anbrechen ist.

 

Christianity reloaded. Eine neue Reformation – aber diesmal richtig.

 

8 Kommentare zu „Die AfC – Alternative fürs Christentum

  1. Guten Tag Christian,

    danke für deine Auflistung, die ich zu 99,3% unterschreiben kann und
    welche mir in Folge deiner Worte einen „positiv“ offenen Mund bescherten. Denn all diese Aspekte und Feststellungen, die du aufgeführt hast, bewegen mich, treiben mich an – auf meinen Weg zur Erkenntnis und letztlich wie folgerichtig auf den Weg zu Gott. So bedauere ich, daß ich dich samt deinen Worten erst jetzt gefunden habe, doch entscheidend ist und dafür bin ich dankbar, daß ich dich gefunden habe… in diesen Worten. Die Wüste ist doch nicht so leer wie sie scheint.

    „Wenn wir in Frage stellen, was wir haben, bricht alles zusammen und wir haben gar nichts mehr!“
    … und auch oder gerade deswegen gibt es eine Menge, was wir tun können.

    Danke für deine Worte,
    Raffa.

    Gefällt 2 Personen

  2. Hallo Christian, ich bin ein Fan von deinem Blog, mich treibt dasselbe Denken um. Aber: Den Namen „AfC“ halte ich für einen Fehlgriff, das weckt zu viele Assoziationen zur AfD!!!
    Noch etwas: Kennst du die Gesellschaft für eine Glaubensreform – https://glaubensreform.de/pages/aktuelles.php ? Was häst du davon? Da gibt es viele Übereinstimmungen und es gibt eine gewisse Organisationsstruktur.

    Gefällt 1 Person

    1. Herzlichen Dank 🙂

      Andere haben auch schon bemerkt, dass AfC vielleicht nicht so eine gute Idee war. Ich hab auch nicht vor, eine Organisation mit dem Namen zu gründen… 😉

      Joerns hab ich live erlebt auf dem Kirchentag auf dem Weg in Leipzig vor 2 Jahren. Hat mir gut gefallen. Ich hoffe, dass die Reformbestrebungen im Christentum es immer mehr schaffen zusammenzuarbeiten. Ganz wichtig scheint mir zu sein, dass es neue Gemeinden vor Ort gibt, am besten eine Art von Kiezgemeinden, die in der Nachbarschaft verwurzelt sind und wo es ein „besseres Christentum zum anfassen“ gibt.

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  3. Danke Christian!
    Es ist einfach fantastisch wie du schreibst und beschreibt! Für mich fühlt es sich so an, so wie es von 2000 Jahre war, als Jesus zu den Menschen sprach. Du spricht über denken und nachdenken und über Gedanken die einfach gut tun.
    Du hast so vieles gesagt, dass es unmöglich ist alles in sein Herz und Hirn aufzunehmen. Ich habe bis jetzt keinen Zweifel gespürt über deine Worte. Es war nur die Fülle deiner Worte die mich etwas bedrückten, da ich solche Worte in diesem Umfang noch nie gehört habe.
    Ich muss auch sagen, ich habe bis jetzt noch nicht viel gelesen von dir, da ich erst vor kurzem auf dich gestoßen bin. Aber ich bin fest davon überzeugt, das wird sich ändern.
    Noch was zum Namen AfC!
    Ich bin hier ganz andere Meinung.
    Für mich der beste Name den es gibt. Sagt er doch einzig und allein für was er steht! Alternative für Christen!
    Während der andere Name auch für das richtige steht! AfD steht doch für Alternative für Dumme! Für was steht den „D“ eigentlich? Für eine Nation! Was ist eine Nation? Doch nur für solche wie ich es genannt habe. Ich will dieses Wort gar nicht mehr in den Mund nehmen. Wir sehen doch jetzt in der Krise wo alles hinführt. Jetzt muss AfD entstehen und Christian hat es schon richtig gesagt und Jesus hat es sicher auch gesagt. Er möchte keine Organisation aufbauen. Wo sowas hinführt wurde uns 2000 Jahre lang vorgeführt. Schluss damit! Jesus sagte, zumindest sollten wir das glauben, wo zwei oder drei in meinem Namen beisammen sind, da bin ich mitten unter ihnen! Genügt uns das nicht?

    Gefällt 1 Person

    1. Unsere Corona-Zeit jetzt ist eine unheimlich einzigartige Situation. So was hat’s noch nie gegeben. Noch nicht einmal im 2. Weltkrieg. – Da frag ich mich, ob jetzt nicht auch ein günstiger Augenblick wäre, etwas Neues zu machen. Vielleicht ist die Zeit jetzt reif… – Carpe diem!

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