Bonhoeffers Buch „Gemeinsames Leben“

 

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Dietrich Bonhoeffer im August 1939; Bundesarchiv, Bild 146-1987-074-16, via Wikimedia Commons – CC-BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)

 

Ein Klassiker

Einer der klassischen Texte zum Thema „christliche Gemeinschaft“. Dietrich Bonhoeffer schrieb ihn im Herbst 1938. Mit dem 70. Todestag ist der Urheberrecht-Schutz erloschen. Man findet den ersten Abschnitt des Büchleins z.B. online hier, und eine Leseprobe beim Brunnen-Verlag und Gütersloher Verlagshaus.

[Ich habe für diesen Artikel die Gütersloher-Verlagshaus-Version benutzt. – Dietrich Bonhoeffer: Gemeinsames Leben; Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh, 1987; 28. Aufl., 2006]

Auf dem Portal „lehrerbibliothek.de“ heißt es zum Buch:

 

„Dietrich Bonhoeffer war nicht nur der politische Widerstandskämpfer, als der er in die Geschichte eingeht. Er war vor allem Theologe – und er war auch sehr fromm. Das wird in diesem Band deutlich: das von Bonhoeffer geleitete Predigerseminar und Bruderhaus in Finkenwalde ist der ‚Sitz im Leben‘, wo angehende Pfarrer 1937 das ‚gemeinsame Leben‘ zu praktizieren versuchen, – das Leben einer christlichen Gemeinschaft in evangelischer Perspektive. Erst angesichts der Schließung des Predigerseminars durch die Geheime Staatspolizei formuliert Bonhoeffer diesen Text, der 1939 in der Reihe ‚Theologische Existenz heute‘ erscheint.“

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(Thomas Bernhard für lehrerbibliothek.de)

 

Der Umschlagtext

 

„Im Zentrum dieses Textes steht die Beschreibung und Begründung einer spirituellen Praxis, die nicht die Auslöschung des eigenen Ichs zum Ziel hat, sondern vielmehr „den einzelnen frei, stark und mündig“ machen und zu christlich verantwortetem Handeln im Alltag befähigen will.“

 

„Den einzelnen frei, stark und mündig machen“. – Ich bezweifle, dass das Buch dazu geeignet ist.

 

Ein enttäuschter Leser

Vor mehr als 30 Jahren hörte ich zum ersten Mal, wie jemand das Buch erwähnte, und seit dem hörte ich den Titel immer wieder mal. Oft wurde es hoch gelobt. Jetzt hab ich mir endlich die Zeit genommen, es zu lesen, und bin enttäuscht, und frage mich, ob ein Grund für die positiven Bewertungen des Buches nicht eher die Sehnsucht nach tiefer, gesunder Gemeinschaft ist, als der echte, praktische Nutzen des Buches.

 

Vorwort / Nachwort

Interessant zu lesen ist das Nachwort von Eberhard Bethge in der hier genutzten Ausgabe des Gütersloher Verlagshauses. Er erzählt dort u.a. von der Ausgabe des Buches in den USA.

Die Brunnen-Verlag-Ausgabe hat eine Einführung von Peter Zimmerling (Professor für Praktische Theologie und Universitätsprediger in Leipzig).

 

Denkvoraussetzungen

Wir alle entwickeln unsere Vorstellungswelt aus den Erfahrungen, die wir schon gemacht haben. So musste es natürlich auch bei Bonhoeffer sein. Sein theologisches Verstehen ist geprägt durch seine Erfahrung von Christentum und Kirche:

 

„Es ist Gottes Gnade, dass sich eine Gemeinde in dieser Welt sichtbar um Gottes Wort und Sakrament versammeln darf.“  (Seite 16)

 

Kirchliches Christentum

Ein evangelischer Christ denkt hier wahrscheinlich an Predigt, Taufe, Abendmahl und Bibel; traditionell liturgisch gestaltet und kirchlich geregelt. Doch nicht alle Christen heutzutage und in der Geschichte der Christenheit haben dies so erlebt. – Wir brauchen uns nur die neutestamentlichen Texte selbst anschauen. – Auch das Wort „Sakrament“ ist nicht gerade ein biblischer Begriff.

Menschliche Erfindungen sind uns verfügbar und lassen sich auch gut durch Menschen verwalten. Mit Gottes Wort, Gottes Reden an uns persönlich, und seinem Wirken in unserer Welt ist es da schon viel schwieriger. Wir können nicht über Gott verfügen …

 

„Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was aus dem Geist geboren ist, das ist Geist.
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Wundere dich nicht, dass ich dir gesagt habe: Ihr müsst von Neuem geboren werden.
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Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist ein jeder, der aus dem Geist geboren ist.“
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(Bibel, Neues Testament, Johannes-Evangelium, 3. Kapitel, Verse 6-8)

 

Wo bleiben die Frauen?

Bonhoeffer redet durchgängig immer von Brüdern und brüderlich. Man kann sicherlich behaupten  ( in guter biblischer Tradition  😉 ), dass hier die Frauen immer mitgedacht sind; dennoch macht es mich misstrauisch.

Das Fehlen des Weiblichen ist sicherlich auch Beleg für eine Theologie, die damals  noch  stärker von Männern bestimmt war, als es heute leider immer noch der Fall ist. – Vielleicht sollte man das Buch besser als einen Vorschlag Bonhoeffers zu männlicher Spiritualität auffassen.

 

„Der Mensch rief den Namen seines Weibes: Chawwa, Leben! Denn sie wurde Mutter alles Lebendigen.“

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(Bibel / Tanach / Altes Testament, Bereschith / Genesis / 1. Mose 3,20)

 

Vielleicht ist dies ja sogar gerade ein grundsätzlicher Mangel dieses Buches: das Fehlen einer weiblichen Perspektive. Wenn man bedenkt, welch große Bedeutung Frauen seit jeher in der alltäglichen Gemeinschaft in Familie, Gesellschaft und religiösen Gemeinschaften haben (man denke nur an die Jüngerschaft von Jesus oder die ersten Christen), dann ist dies ein  gravierender  Mangel.

Auch das praktische Leben und Erleben von Gemeinschaft und die Kommunikation untereinander funktioniert bei Frauen wohl oft etwas anders als bei Männern. – Hätte eine Frau wohl so ein Buch geschrieben?

 

„Gemeinschaft“

(Erster Abschnitt des Buches)

 

„Christ ist der Mensch, der sein Heil, seine Rettung, seine Gerechtigkeit nicht mehr bei sich selbst sucht, sondern bei Jesus Christus allein.“  (S. 18)

 

Mystische Verbundenheit in Christus

Dies ist ein wichtiger Punkt in dem Buch: Allein durch Gnade und Glaube besteht in Christus schon eine tiefe Verbundenheit zwischen Christen, auch wenn diese nicht gefühlt wird. Wir müssen diese Verbundenheit auch nicht selbst produzieren, sondern sie ist in Christus gegeben.

(Es gibt allerdings eine noch grundlegendere Verbundenheit aller Menschen durch unser Menschsein. Dazu sagt Bonhoeffer gar nichts.)

Darüber hinaus verleiht uns der christliche Glaube allerdings auch eine kulturelle Grundlage des Verstehens und macht uns zu einer Diskurs- und Wertegemeinschaft. Erzählungen, Bilder, Symbole etc. lassen ein dichtes kulturelles Gewebe zwischen uns entstehen, das uns verbindet.

Die Verbundenheit durch die Überlieferung von Jesus ist sicherlich einer der großen Vorteile christlicher Gemeinschaft – aber gleichzeitig auch eine große Gefahr.

Der Vorteil ist ein christliches Selbst-Bewusstsein, das ein Wissen um die eigene Mangelhaftigkeit und Abhängigkeit mit einschließt. Christen sind eigentlich grundsätzlich offene Menschen (oder sollten es sein), weil sie wissen, dass sie Hilfe brauchen – immer wieder.

Die Gefahr besteht in Abhängigkeit. Denn wir können Jesus nicht mehr als Menschen begegnen und mit ihm leben, so wie es seine Jünger getan hatten. Wir erfahren Jesus vermittelt durch die Überlieferung und die Gemeinschaft mit anderen Christen – darunter dann auch all die Prediger, Pfarrer, geistlichen Lehrer, Theologen etc.

Bonhoeffer ist grundsätzlich misstrauisch gegenüber dem Leben des Einzelnen, der menschlichen Natur und persönlichen spirituellen Erfahrungen. In den biblischen Texten selbst begegnet uns dies Misstrauen so nicht, und wir finden in ihnen eine Mündigkeit des Einzelnen, die eigentlich ja auch Bonhoeffer sucht.

 

„… ich bin durchs Gesetz dem Gesetz gestorben, damit ich Gott lebe. Ich bin mit Christus gekreuzigt.
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Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dahingegeben.
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Ich werfe nicht weg die Gnade Gottes; denn wenn durch das Gesetz die Gerechtigkeit kommt, so ist Christus vergeblich gestorben.“
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(Neues Testament, Paulus‘ Brief an die Christen in Galatien 2,19-21)

 

Diese mystische Christus-Erfahrung von Paulus ist im Gegensatz zur vermittelten Christus-Erfahrung durch die Überlieferung und die christliche Gemeinschaft eine unmittelbare, authentische persönliche Erfahrung. Es ist diese persönliche Erfahrung im eigenen Leben, welche einem Menschen einen festen Stand ermöglicht, auch wenn er allein ist oder unter „Gottlosen“ lebt. Sie knüpft an Traditionen an, aber ist eine eigenständige persönliche Erfahrung. Sie wird erprobt im eigenen Leben und bewährt sich dort.

 

„Darum gleicht jeder, der meine Worte hört und danach handelt, einem klugen Mann, der sein Haus auf felsigen Grund baut …“

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(Jesus in der Bergpredigt; Neues Testament, Matthäus-Evangelium 7,24)

 

Ein böses Menschenbild

Bonhoeffer ist noch tief geprägt von einem negativen Menschenbild:

 

„Das Wesen seelischer Gemeinschaft ist Finsternis – ‚denn von innen, aus dem Herzen des Menschen, gehen heraus böse Gedanken‘. Es ist die tiefe Nacht, die über die Ursprünge alles menschlichen Wirkens und gerade auch alle edlen und frommen Triebe gebreitet ist.“  (S. 27)

 

Angesichts des Ersten Weltkrieges mit all seinen Grausamkeiten und vor dem Hintergrund des Nazi-Reiches ist diese Einschätzung auch verständlich.

Laut dem Primatenforscher Frans de Waal („Der Mensch, der Bonobo und die Zehn Gebote“) war es auch in den Sozialwissenschaften erst um die Jahrtausendwende, dass ein eher negatives Menschenbild durch ein eher positives abgelöst wurde. Ein Grund dafür waren Forschungen zur Empathie-Fähigkeit des Menschen.

 

„Gott schuf den Menschen in seinem Bilde, im Bilde Gottes schuf er ihn, männlich, weiblich schuf er sie.“

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(Bereschith / Genesis / 1. Mose 1,27)

 

Misstrauen gegenüber dem Individuum

Bonhoeffers negatives Menschenbild resultiert folgerichtig auch in einem großen Misstrauen gegenüber dem einzelnen Christen. Das Heil für den Menschen liegt im von außen kommenden Wort und bei der christlichen Gruppe und Tradition, in der christliche Gemeinschaft erfahren wird. Auch hier ist wieder die Tendenz erkennbar, die einer Mündigkeit des Einzelnen und einem selbstverantworteten Leben entgegenwirkt.

 

„Weil es ihn täglich hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit, darum verlangt er immer wieder nach dem erlösenden Worte. Nur von außen kann es kommen. In sich selbst ist er arm und tot. Von außen muss die Hilfe kommen, und sie ist gekommen und kommt täglich neu in dem Wort von Jesus Christus, das uns Erlösung, Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit bringt.“  (S. 19)

 

„Der Christus im eigenen Herzen ist schwächer als der Christus im Worte des Bruders; jener ist ungewiss, dieser ist gewiss.“  (S. 20)

 

Sicherlich darf man das letzte Zitat auch nicht nur isoliert betrachten. Dennoch bin ich froh, dass es so nicht in der Bibel steht, denn es lädt ein zu geistlichem Missbrauch jeder Art. – Bibelverse sollte man allerdings natürlich auch nicht isoliert betrachten. – Es klingt so, als ob die persönliche Christus-Erfahrung immer weniger Bedeutung hat als die eines Bruders. – Ein ungesundes Gefälle.

Richtig ist allerdings, dass die Worte anderer für mich unendlich wertvoll sein können; denn durch sie kommen Erfahrungen und Gedanken zu mir, die ich selbst nicht habe und mein Leben wird durch eine zusätzliche Perspektive bereichert.

 

„… Es ist nicht gut für den Menschen allein zu sein …“

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(Bereschith / Genesis / 1. Mose 2,18)

 

Dem letzten Zitat von Seite 20 des Buches folgt der Satz:

 

„Damit ist zugleich das Ziel aller Gemeinschaft der Christen deutlich: sie begegnen einander als Bringer der Heilsbotschaft.“  (S. 20)

 

Eine typisch lutherisch-kirchliche Reduzierung auf die Verkündigung des Wortes. – Bedeutet christliche Gemeinschaft nicht viel mehr und hat auch ein höheres Ziel?

 

„Das Ziel der Unterweisung aber ist Liebe aus reinem Herzen und aus gutem Gewissen und aus ungeheucheltem Glauben.“

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(Paulus im ersten Brief an seinen Mitarbeiter Timotheus 1,5)

 

Der Christ und seine Gefühle

Ich bekomme beim Lesen des Buches immer wieder den Eindruck, dass Bonhoeffer den menschlichen Gefühlen gegenüber zu misstrauisch ist und die kognitiven Fähigkeiten des Menschen überbetont.

 

„Denn Gott ist nicht ein Gott der Gemütserregungen, sondern der Wahrheit.“  (S. 23)

 

Aber wie viel Gefühl finden wir im Gegensatz dazu in der jüdischen Kultur und in den biblischen Texten:

 

„Freut euch immerzu, mit der Freude, die vom Herrn kommt! Und noch einmal sage ich: Freut euch! Alle in eurer Umgebung sollen zu spüren bekommen, wie freundlich und gütig ihr seid …“

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(Paulus‘ Brief an die Christen in Philippi 4,4-5)

 

Christen und ihre Träume

Auch gegenüber der persönlichen Traumwelt ist Bonhoeffer misstrauisch:

 

„Gott hasst die Träumerei; denn sie macht stolz und anspruchsvoll.“  (S. 24)

 

Bonhoeffer möchte alles durch biblische Lehre, christliche Gemeinschaft und Tradition kontrollieren. Aber es ist gerade in den biblischen Texten, wo uns noch eine andere Art von Frömmigkeit begegnet:

 

„Es kommt die Zeit, da werde ich meinen Geist ausgießen über alle Menschen. Eure Männer und Frauen werden dann zu Propheten; Alte und Junge haben Träume und Visionen.“

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(Bibel / Tanach / Altes Testament, Joel 3,1)

 

Bonhoeffer und die Psychologie

Die Psychologie in Bonhoeffers Zeit sah sicherlich anders aus als die Psychologie heute. In seiner Einstellung zur Psychologie wird allerdings auch wieder Bonhoeffers tiefes Misstrauen gegenüber dem menschlichen Wesen und menschlichen Fähigkeiten deutlich.

 

„So regiert dort [in der geistlichen Gemeinschaft] der Geist, hier [in der seelischen Gemeinschaft] die Psychotechnik, die Methode, dort die naive, vorpsychologische, vormethodische, helfende Liebe zum Bruder, hier die psychologische Analyse und Konstruktion, dort der demütige, einfältige Dienst am Bruder, hier die erforschende, berechnende Behandlung des fremden Menschen.“  (S. 28)

 

„seelisch“ – „geistlich“

Wenn Menschen meinen beurteilen zu können, was „geistlich“ ist und was nicht, werde ich schnell misstrauisch.

Bonhoeffer unterscheidet z.B. zwischen seelischer und geistlicher Liebe und seelischer und geistlicher Gemeinschaft. Seine Ausführungen zur „geistlichen“ Agape-Liebe überzeugen mich allerdings nicht.

Wenn man Bonhoeffers Ausführungen liest, muss man ja glauben, „Agape“ wäre eine christliche Sprachschöpfung gewesen, um die geistliche, christliche Liebe zu bezeichnen, die erst durch den Heiligen Geist seit Pfingsten möglich geworden ist. Dies ist aber offensichtlich nicht der Fall. Die Verfasser der neutestamentlichen Texte übernehmen den Sprachgebrauch der Septuaginta, in der das griechische Wort „Agape“ ja auch schon benutzt wird.

Gut beobachtet finde ich Bonhoeffers Ausführungen zu den Gefahren von Gemeinschaft aus rein religiösem Anlass:

 

„Eine Ehe, Familie, Freundschaft kennt die Grenzen ihrer gemeinschaftsbildenden Kräfte sehr genau; sie weiß, wenn sie gesund ist, sehr wohl, wo das Seelische seine Grenze hat und wo das Geistliche anfängt. Sie weiß um den Gegensatz leiblich-seelischer und geistlicher Gemeinschaft. Umgekehrt aber liegt gerade dort, wo eine Gemeinschaft rein geistlicher Art zusammentritt, die Gefahr unheimlich nahe, dass nun in diese Gemeinschaft alles Seelische mit hineingebracht und mit untermischt wird.“  (S. 33)

 

Allerdings finden wir auch hier wieder die Problematik der Unterscheidung zwischen „geistlich“ und „seelisch“. – Ist nicht gerade das Bedürfnis nach der Sicherheit einer perfekten Theorie/Theologie, mit der ich die Wirklichkeit meines Lebens in den Griff kriegen kann, auch schon ein seelisches Bedürfnis nach Sicherheit? Kontingenz-Bewältigung und Stabilisierung sind ja typische Eigenschaften jeder Religion. – Und ist die Seele des Menschen wirklich so böse und ungeistlich?

 

„… da bildete Gott, der HERR, den Menschen, aus Staub vom Erdboden und hauchte in seine Nase Atem des Lebens; so wurde der Mensch eine lebende Seele.“

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(Bereschith / Genesis / 1. Mose 2,7)

 

Nebenbemerkung: Zum Hintergrund der neutestamentlichen Texte

Als die neutestamentlichen Texte geschrieben wurden, vollzog sich in der antiken Welt etwas Dramatisches. Während sich in Palästina jüdische Kultur und Identität gegenüber der römischen Besatzungsmacht zu behaupten suchte, entstanden von Palästina ausgehend christliche Gemeinschaften im Umfeld der jüdischen Synagogen.

In diesen Gemeinschaften feierten Juden  und   Nicht-Juden Jesus als ihren Messias, die Erfüllung jüdischer Hoffnung. Der christliche Glaube, also Jesus, verband Menschen unterschiedlicher kultureller Tradition. Die damit einhergehenden Konflikte und Spannungen fanden u.a. Niederschlag in den neutestamentlichen Texten.

Während damals der christliche Glaube eine erstaunliche Ausweitung der Gemeinschaft jüdischer Gläubiger war, über ethnische Grenzen hinweg, ist er heute oft Ursache der Abgrenzung von Menschen mit anderen Überzeugungen. Auch Bonhoeffer grenzt christliche Gemeinschaft radikal gegenüber Menschen anderer Überzeugungen ab.

Was Juden und Nicht-Juden in den christlichen Gemeinden damals verband war der Glaube, dass nicht der Kaiser in Rom und sein System die absolute Macht besitzen, sondern der Mann aus Nazareth und der Geist und die Bewegung, die von ihm ausgehen. Liebe und Geist, anstatt weltliche Macht und Gewalt. – Die Frage nach den Grenzen christlicher Gemeinschaft hängt davon ab, wie ich das Wesen des Christentums und die Botschaft von Jesus verstehe.

 

„Der gemeinsame Tag“

(Zweiter Abschnitt des Buches)

 

Der Gottesdienst am Morgen

 

„Der alttestamentliche Tag beginnt mit dem Abend […] Der Tag der neutestamentlichen Gemeinde beginnt mit der Frühe des Sonnenaufgangs […]“  (S. 35)

 

Jemand, der an jüdisch-christlichem Dialog interessiert ist, wird bei solchen Äußerungen wahrscheinlich schon nervös. Es gab leider in der Vergangenheit schon zu viele gemachte Gegensätze von „jüdisch/alttestamentlich“ und „christlich/neutestamentlich“.

Dabei waren doch die ersten Christen alle Juden. Und auch Juden kannten schon die Schönheit der morgendlichen Andacht. Interessanterweise zitiert auch selbst  Bonhoeffer etliche Stellen aus den Psalmen (S. 37); z.B.

 

Gott, mein Herz ist voller Zuversicht,
ja, ich bin ruhig geworden im Vertrauen auf dich.
Darum will ich singen und für dich musizieren.
[…]
Ich will den neuen Tag mit meinem Lied begrüßen.“
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(Bibel / Tanach / Altes Testament, Psalm 57,8-9)

 

Auch bei Bonhoeffers Gedanken zur morgendlichen Andacht begegnet uns wieder sein Misstrauen gegenüber dem Einzelnen:

 

„Der Morgen gehört nicht dem Einzelnen, er gehört der Gemeinde des dreieinigen Gottes …“  (S. 36)

 

Auch finden wir wieder Bonhoeffers Neigung zu Verallgemeinerungen und Verabsolutierungen:

 

„Zu jeder gemeinsamen Andacht aber gehört das Wort der Schrift, das Lied der Kirche und das Gebet der Gemeinschaft.“  (S. 38)

 

Das Psalmengebet

Auch Bonhoeffers Psalmen-Verständnis finde ich eigenartig. Er erwähnt ausdrücklich die Rache-Psalmen, schreibt dann allerdings:

 

„Er [Jesus Christus selbst] ist es, der hier [im Psalm] betet und nun etwa nicht nur hier, sondern im ganzen Psalter.“  (S. 39)

 

Wie passt da ein „Mit äußerstem Hass hasse ich sie. Sie sind Feinde für mich.“ (Psalm 139,22) zu „Liebt eure Feinde!“ (Matthäus-Evangelium 5,44), „Vater, vergib ihnen! Denn sie wissen nicht, was sie tun.“ (Lukas-Evangelium 23,34) oder „Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.“ (Hebräerbrief 13,8)?

 

Schriftlesung

Auch hier wieder Bonhoeffers Neigung zur Verabsolutierung. Die Gefahr einer Überbetonung der „Heiligen Schrift“ sieht er offensichtlich nicht. Dass er in seinem Schriftverständnis über das hinaus geht, was viele der biblischen Texte über sich selbst sagen, stört ihn offensichtlich auch nicht.

 

„Sie [die Heilige Schrift] ist Gottes Offenbarungswort für alle Menschen, für alle Zeiten.“  (S. 44)

 

Auch schreckt er nicht davor zurück, Christen ein schlechtes Gewissen zu machen, die nicht so gern ein Kapitel Altes Testament pro Tag lesen:

 

„In Wahrheit aber liegt hier eine schwere Schuld verborgen.“  (S. 44)

 

Fehlt nur noch, dass er Christen, die nicht bereit sind, biblisches Hebräisch, Aramäisch und Koine-Griechisch zu lernen, eine mangelnde Liebe zur Heiligen Schrift unterstellt.

 

„Was wir unser Leben, unsere Nöte, unsere Schuld nennen, ist ja noch gar nicht die Wirklichkeit, sondern dort in der Schrift ist unser Leben …“  (S. 47)

 

An dieser Stelle wird ein schwerer grundsätzlicher Fehler Bonhoeffers deutlich erkennbar. Sein Ziel ist, einen Christen mündiger zu machen, aber so, wie er vorgeht, entmündigt er den einzelnen Gläubigen gegenüber einem Heer kirchlicher und akademischer Profis, welche immer wieder neue Bibeln machen und kommentieren und auch gegenüber dem jeweiligen christlichem Gesprächspartner. – Wie kann ein Christ irgendeinem Menschen vertrauen, wenn er sich selbst misstrauen soll?

Immer wieder fordert Bonhoeffer dazu auf, der eigenen Wahrnehmung zu misstrauen und die Wahrheit „von außen“ zu empfangen. Damit öffnet er jeder Art von Fremdbestimmung und geistlichem Missbrauch Tür und Tor.

 

Das gemeinsame Lied

Auch beim Thema Lied zeigt sich wieder Bonhoeffers eigentümliche Neigung zur Radikalität. Diesmal betrifft es die Einstimmigkeit im Gegensatz zum mehrstimmigen Gesang:

 

„Es gibt einige Feinde des einstimmigen Singens, die man in der Gemeinschaft mit aller Rigorosität ausmerzen muss.“  (S. 51)

 

Erstaunlich finde ich, dass Bonhoeffer nicht darauf besteht, dass nur Bibeltexte gesungen werden. Er erwähnt das Thema noch nicht einmal und verweist explizit auf unterschiedliche Kategorien christlicher Lieder. Offensichtlich geht er in diesem Fall davon aus, dass auch noch nach Fertigstellung der biblischen Texte weitere für einen Christen nützliche Texte (die Liedertexte) geschrieben worden sind.

 

Das gemeinsame Gebet

Hier wieder Bonhoeffers typisches Misstrauen gegenüber dem einzelnen Gläubigen und der Natur des Menschen. Sein Misstrauen ist offenbar größer als der Glaube an das Wirken des Geistes Gottes in jedem einzelnen Christen.

 

„Das freie Gebet am Ende der Andacht wird vom Hausvater, jedenfalls aber am besten immer von einem und demselben Bruder gesprochen werden […]  um das Gebet vor falscher Beobachtung und vor falscher Subjektivität zu schützen, soll einer längere Zeit hintereinander für alle beten.“  (S. 54)

 

Diesen Ausführungen über die Morgenandacht folgen ein paar Seiten über die Tischgemeinschaft, die tägliche Arbeit. die Tischgemeinschaft zur Mittagsstunde (wo möglich) und zum Abend, und die letzte Andacht des Tages. Dann folgt der dritte Abschnitt des Buches:

 

Der einsame Tag

(Dritter Abschnitt des Buches)

 

Einsamkeit. Gerade in unserer heutigen Zeit von Mega-Cities und Single-Haushalten ein wichtiges Thema.

 

„Viele suchen die Gemeinschaft aus Furcht vor der Einsamkeit. Weil sie nicht mehr allein sein können, treibt es sie unter die Menschen […] Wer nicht allein sein kann, der hüte sich vor der Gemeinschaft.“  (S. 65)

 

Eine eigenartige Sichtweise. Das Alleinsein des Menschen erscheint als Normalität und die Furcht vor der Einsamkeit als etwas Unnormales. Dabei ist es doch gerade umgekehrt. Angst vor der Einsamkeit ist gut begründet, denn Einsamkeit macht krank.

Ich frage mich, ob ein jüdischer Geistlicher jemals solche Verse schreiben würde. Jüdisches Leben ist zutiefst auf Gemeinschaft ausgerichtet. – Ich frage mich auch, ob hier nicht unterschwellig noch das katholische Zölibat und asketisches Gedankengut nachwirken.

 

Das Schweigen

 

„Das Schweigen wird nicht mehr erkannt in seiner wesenhaften Beziehung auf das Wort, als das schlichte Stillwerden des Einzelnen unter dem Worte Gottes.“  (S. 67)

 

Ein solches meditierendes Schweigen führt den Gläubigen immer in die Gedankenwelt des antiken Christentums. Bonhoeffer unterschätzt dabei die Bedeutung des Zusammenhangs der Texte mit der antiken Welt, welcher den meisten Lesern und Hörern der biblischen Texte heutzutage nicht vertraut ist.

Um dem Evangelium gerecht zu werden, brauchen wir auch ein meditierendes Nachdenken über Gottes Wirken in unserer Welt heute und die Bedeutung von Tradition und Gottes Gegenwart in unserem Leben heutzutage.

 

Die Schriftbetrachtung

 

„Wir lesen in der Meditation den uns gegebenen Text auf die Verheißung hin, daß er uns ganz persönlich für den heutigen Tag und für unsern Christenstand etwas zu sagen habe […]“  (S. 70)

 

Bonhoeffer ist hier offensichtlich ganz der alten Bibel-Ideologie verfallen. – Wo steht denn die Verheißung, dass Gott auch nach 2000 Jahren noch durch irgendwelche Bibelverse einem Menschen persönlich etwas sagen will? – Dass ein Theologe im 20. Jahrhundert so etwas Undifferenziertes schreibt, ist schon ziemlich erschütternd.

 

„Zur Selbstbeobachtung aber ist in der Meditation ebenso wenig Zeit wie im christlichen Leben überhaupt.“  (S. 72)

 

Abgesehen davon, dass diese Einstellung auch so manchen Bibeltexten widerspricht, kommt hier mal wieder Bonhoeffers typisches Misstrauen gegenüber der menschlichen Natur zum Ausdruck.

Wer nicht dazu bereit ist, sein eigenes Leben und sich selbst kritisch zu betrachten, der läuft Gefahr, dass er auch in den biblischen Texten direkt oder indirekt die eigenen Dämonen reden hört und sie mit der Stimme Gottes verwechselt.

 

Gebet und Fürbitte

Nach der meditierenden, persönlichen Schriftbetrachtung schreibt Bonhoeffer über das persönliche Gebet und die Fürbitte für andere Menschen. Schön finde ich seine Beobachtungen über die Vertiefung von Gemeinschaft und Verbesserung von Beziehungen durch Fürbitte. Auch gefällt mir seine Bemerkung zur Mündigkeit als Kriterium für gute christliche Gemeinschaft:

 

„Hat die Gemeinschaft dazu gedient, den einzelnen frei, stark und mündig zu machen, oder hat sie ihn unselbständig und abhängig gemacht?“  (S. 75)

 

Ich befürchte allerdings, dass Bonhoeffers Anweisungen in diesem Buch die Christen eher unmündig machen.

Am Ende des Abschnitts geht Bonhoeffer noch kurz auf das Bild eines Körpers/Organismus für die christliche Gemeinschaft ein; unsere Abhängigkeiten von einander und Wirkungen auf einander. Dieser Punkt wäre es, meiner Meinung nach, wert gewesen, noch weiter ausgeführt zu werden, da die Qualität des gemeinsamen Lebens ja gerade auch von dieser „organischen“ Verbundenheit abhängt.

 

Der Dienst

(Vierter Abschnitt des Buches)

 

In diesem Abschnitt finden wir feine Beobachtungen Bonhoeffers über den Umgang mit einander und schöne Gedanken zu verantwortlichen Handeln an einander. Leider aber auch hier Bonhoeffers vereinfachendes und rigoroses Denken:

 

„Darum ist es für jede christliche Gemeinschaft lebensnotwendig, dass sie von der ersten Stunde an diesen gefährlichen Feind [den Gedanken, wer der Größte ist] ins Auge faßt und ausrottet.“  (S. 77)

 

Wäre es nicht sinnvoller, anstatt unsere menschliche Natur zu unterdrücken, diese Energien positiv zu nutzen? Matthew Fox‘ Gedanken zur „Spiritualität für Männer“ finde ich da wesentlich gesünder und produktiver.

 

„Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Darum seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben.“

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(Matthäus-Evangelium 10,16)

 

Beichte und Abendmahl

(Mit diesem fünften Abschnitt endet das Buch.)

 

„Im täglichen ernsten Umgang mit dem Kreuz Christi vergeht dem Christen der Geist menschlichen Richtens und schwächlicher Nachsicht, er empfängt den Geist des göttlichen Ernstes und der göttlichen Liebe.“  (S. 100)

 

Schön sind Bonhoeffers feine Beobachtungen und tiefen Gedanken zur Beichte und zum Abendmahl, auch wenn mir die kirchliche Einfärbung dabei nicht so behagt. – In der Kirche ist schon zu viel schief gelaufen.

Nachfolge unterm Kreuz als Lebensstil. – Das Kreuz ist sicherlich eines der stärksten christlichen Symbole, das uns immer wieder neu inspirieren und Orientierung geben kann. Es verändert unser Denken und Bewusstsein. Bei Bonhoeffer kann man dies gut erkennen.

 

Rezeption

Juden haben eine längere und ältere Geschichte als Christen, und das Thema „Gemeinsames Leben“ und die damit zusammenhängenden Segnungen, Spannungen und Gefahren ist Teil dieser Geschichte. Auch in den biblischen Texten findet dies seinen Niederschlag. Auch alle neutestamentlichen Texte sind durch jüdische Frömmigkeit geprägt.

Ich habe keine Hinweise gefunden, dass das Buch jemals von jüdischen Lesern kommentiert oder rezensiert worden wäre. – Bei einem Buch zu christlicher Gemeinschaft eigentlich auch nicht besonders überraschend. – Kennt jemand von euch vielleicht dennoch entsprechende Texte?

Wo das Buch zutiefst evangelisch geprägt ist, wäre es auch interessant sich anzugucken, wie es bei Christen anderer Traditionen rezipiert worden ist.

 

Ressourcen zum Buch

Eine weitere Rezension des Buches findet ihr bei windhauch.net.

Wer gerne was hört und Englisch kann, findet auf YouTube eine Audio-Serie zum Buch, die in Texas, USA, bei einer „life group“ für Männer aufgenommen worden ist. (Dies zeigt auch wie aktuell der Text in manchen christlichen Kreisen noch ist.)

YouTube-Video (Englisch)

 

Fazit

Das Buch ist notwendigerweise ein Produkt seiner Zeit, und Bonhoeffer würde es vermutlich heute auch nicht mehr so schreiben. Man kann es allerdings auch heute noch, 80 Jahre später, mit Gewinn lesen und wertvolle Anregungen dadurch bekommen. Einem theologisch ungeübten Leser würde ich das Buch allerdings nicht empfehlen. Auch gibt es bessere Bücher zum Thema, die auch besser in unsere Zeit passen, wie z.B. Marion Küstenmachers “Integrales Christentum” (zugegebenermaßen auch deutlich dicker), das dieses Jahr erschienen ist.

Empfehlenswert könnte das Buch vielleicht für einen Menschen sein, der ähnliche Erfahrungen und Denkvoraussetzungen hat, wie Bonhoeffer. Manchmal begleiten uns Texte auf unserer geistlichen Reise für eine Weile, und wir legen sie später beiseite.

Grundsätzlich reicht es allerdings nicht, nur die positiven Aspekte eines Buches zu schätzen. Man muss auch die möglichen negativen Wirkungen betrachten. Ein guter Lehrer hat eine Sensibilität dafür, dass Aussagen missverstanden werden können und didaktische Absichten schief laufen können.

Was Bonhoeffer anbietet ist eine einfache bibel-zentrierte Spiritualität christlicher Gemeinschaft mit starker kirchlich-evangelischer Prägung. Darunter finden sich etliche feine Beobachtungen und tiefe Erkenntnisse. Der Text ist allerdings auch gefährlich. Er spricht die Sehnsucht nach tiefer Verbundenheit im Menschen an und bietet eine mangelhafte Lösung.

Bonhoeffer ist meinungsstark und benutzt immer wieder Verallgemeinerungen und Verabsolutierungen. Hinter allem steht ein negatives Menschenbild. Manche Menschen spricht dies an: Es ist einfach zu verstehen. Aber es ist höchst problematisch, gerade dann wenn man von Gott redet.

Dass Unmündigkeit und geistlicher Missbrauch damit schon in seiner Theologie angelegt ist, scheint Bonhoeffer nicht bewusst gewesen zu sein. Auch die erkenntnistheoretischen Grundlagen der „Wahrheit“, die Christen einander sagen sollen und die laut Bonhoeffer geistliche Gemeinschaft ermöglicht, sind nicht ausreichend reflektiert.

Bonhoeffer war sich offensichtlich des Schattens einer ganzen Gruppe/Kirche und der Mangelhaftigkeit von „geistlicher Gemeinschaft“, Tradition und gruppendynamischen Prozessen nicht bewusst und misstraut vorwiegend dem Einzelnen. Wie, jedoch, soll ein Mensch die Wahrheit erkennen und einem anderen Menschen vertrauen, wenn er sich selbst zutiefst misstraut?

 

berühren

 

breastfeeding
Säugling während des Stillens, Foto von Petr Kratochvil via Wikimedia Commons – public domain

 
Wir verlieren uns schnell in Gedanken und Argumentationen, führen endlose Diskussionen im Kopf und mit anderen Menschen, bleiben hängen in immer wieder denselben Gedankengängen …

Wenn wir versuchen, dicht an einfachen menschlichen Erfahrungen zu bleiben, kann uns das vielleicht davor bewahren, uns in Theorien zu verirren.

Eine der grundlegendsten menschlichen Erfahrungen ist die Berührung und das Berührt-werden. – Notwendig zum Überleben.

 

fühlen

Schon der kleine neue Mensch, der im Bauch der Mama wächst, fühlt. Wahrnehmungen füttern das Gehirn mit Informationen, und die Eindrücke werden zu den ersten Erinnerungen von der Umwelt.

Nach der Strapaze der Geburt – noch bevor das Neugeborene richtig sehen kann – erlebt es Berührungen und Haut; Hände, die es halten und streicheln, und den Körper der Mutter, der ihm alles gibt, was es braucht.

Erwachsene sind gegenüber Kindern übermächtig; und Eltern gehören zu den ersten Allmächtigen, welche sie kennenlernen. Kinder werden berührt und lernen zu berühren.

 

Wohin soll ich gehn vor deinem Geist,
wohin vor deinem Antlitz entlaufen!

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Ob ich den Himmel erklömme, du bist dort,
bettete ich mir das Gruftreich, da bist du.

.

Erhübe ich Flügel des Morgenrots, nähme Wohnung am hintersten Meer,
dort auch griffe mich deine Hand, deine Rechte faßte mich an.

.

Spräche ich: »Finsternis erhasche mich nur, Nacht sei das Licht um mich her!«,
auch Finsternis finstert dir nicht, Nacht leuchtet gleichwie der Tag,
gleich ist Verfinsterung, gleich Erleuchtung.

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Ja, du bists, der bereitete meine Nieren, mich wob im Leib meiner Mutter!
Danken will ich dir dafür, daß ich furchtbar bin ausgesondert:
sonderlich ist, was du machst, sehr erkennts meine Seele.

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Mein Kern war dir nicht verhohlen, als ich wurde gemacht im Verborgnen, buntgewirkt im untersten Erdreich,

.

meinen Knäul sahn deine Augen, und in dein Buch waren all sie geschrieben,
die Tage, die einst würden gebildet, als aber war nicht einer von ihnen.

.
(Bibel / Tanach / Altes Testament, Psalm 139, Verse 7-16)

 

Haut

Berührungen werden durch die Haut vermittelt. Haut an Fingern, Händen, Füßen, Kopf, …

Die Haut. Das größte Organ. Sie schützt uns und ist gleichzeitig eine durchlässige Membrane zwischen Innen und Außen. Sie grenzt uns ab und vermittelt Wahrnehmungen aus der Welt um uns her …

 

 

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„Got you, daddy!“ von Clarence Goss, USA, via Wikimedia Commons (Flickr: Got You Daddy) – CC BY 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/2.0)

 

Hände und Händehalten

Es gibt kaum etwas Niedlicheres als die Finger und Fingernägel von Babys. Und später sind es diese Hände, die die Kinder überall drin haben, und greifen und be-greifen.

Berührungen erhalten ihre Wirkung durch den Zusammenhang. Das Händchenhalten in der Kita fühlt sich für die Kinder anders an, als später das Händehalten mit Freundin oder Freund.

Der Handschlag mit dem neuen Geschäftspartner fühlt sich anders an als das Händeschütteln mit einem alten Freund. Und wenn sich Sportler nach einem Tor in die Arme fallen, ist das anders, als wenn man einen Trauernden in den Arm nimmt.

Wir berühren einander in den Rollen, die wir ausfüllen – und das muss kein künstliches Schauspielern sein. Auch der aufrichtigste und natürlichste Mensch ist in Beziehungen eingebunden, in denen er (s)eine Rolle spielt.

 

Sehende und hörende Hände

Blinde sehen mit den Händen, und Taubstumme können mit den Händen die Sprache erlernen. Und ein alter, sterbender Mensch, der schon blind und taub ist, spürt doch noch eine Berührung, einen Händedruck und ein Händehalten.

 

rühren

In „Berührung“ steckt „rühren“. Das Wort „rühren“ hat mit  Bewegung  zu tun. Berührungen können etwas in Gang setzen: Gedanken, Gefühle, Menschen … – Unsere Worte und Blicke können andere Menschen tief berühren.

 

Blicke, die unsere Seele berühren

Wir können mit Blicken etwas „ab-tasten„. – Auf Neu-Deutsch: Wir „scannen“ unsere Umgebung.

Die Blicke oder die Stimme eines Anderen – oder  einer  Anderen – können mein Herz bewegen und es schneller schlagen lassen, und in meiner Seele rühren …

 

Dein blaues Auge hält so still,
Ich blicke bis zum Grund.
Du fragst mich, was ich sehen will?
Ich sehe mich gesund.

Es brannte mich ein glühend Paar,
Noch schmerzt das Nachgefühl;
Das deine ist wie See so klar
Und wie ein See so kühl.

.
.
(Klaus Groths Gesammelte Werke. Vierter Band. Plattdeutsche Erzählungen – Hochdeutsche Gedichte, Kiel und Leipzig, Verlag von Lipsius & Tischer, 1893, S. 176)

 

*

 

Zart wie Windhauch – Wenn Gott uns berührt …

 

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Erschaffung Adams (Sixtinische Kapelle), Foto von Jörg Bittner Unna (Own work) via Wikimedia Commons – CC BY 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)

 

… Am Tag, da ER, Gott, Erde und Himmel machte,noch war aller Busch des Feldes nicht auf der Erde, noch war alles Kraut des Feldes nicht aufgeschossen, denn nicht hatte regnen lassen ER, Gott, über die Erde, und Mensch, Adam, war keiner, den Acker, Adama, zu bedienen: aus der Erde stieg da ein Dunst und netzte all das Antlitz des Ackers, und ER, Gott, bildete den Menschen, Staub vom Acker, er blies in seine Nasenlöcher Hauch des Lebens,und der Mensch wurde zum lebenden Wesen.

.
(Bibel / Tanach / Altes Testament, Bereschith / Genesis / 1. Mose 2. Kapitel, Verse 4-7)

 

Der Geist Gottes, der Heilige Geist, ist ein Lebensspender. Gottes Hauch macht Totes lebendig, und drängt in allem Lebendigen zu Wachstum und Segen und dem Wohl der Schöpfung. – Leben, Generation nach Generation.

Menschen können sich glücklich schätzen, wenn sie als Kinder durch Berührungen Liebe kennengelernt haben – und nicht Missbrauch:

Zart war ich, bitter war’s

Familien sollten die Orte sein, wo Menschen sich sicher und Zuhause fühlen und den Segen Gottes erfahren. Orte, wo der Geist der Liebe, als unsichtbares Band, die Generationen mit einander verbindet.

Liebe. Geist. Lebenshauch. – Flüchtig, nicht greifbar, und doch lebensnotwendig wie die Luft zum Atmen.

 

 

*

 

… er hauchte sie an und sagte: „Empfangt den Heiligen Geist!“
.
„Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr sie nicht vergebt, dem sind sie nicht vergeben.“
.
.
(Johannes-Evangelium 20,22-23)

 

Jesus

Jesus hatte viele Berührungen mit Menschen – im übertragen Sinn und auch buchstäblich.

Bei einer Erzählung von Jesus spielen Berührungen eine besondere Rolle:

 

… Auf dem Weg … drängte sich die Menge um Jesus. Darunter war auch eine Frau, die seit zwölf Jahren an starken Blutungen litt. Ihr ganzes Vermögen hatte sie für die Ärzte aufgewendet, doch niemand hatte sie heilen können. Sie kam von hinten heran und berührte einen Zipfel seines Gewandes.

Sofort hörte die Blutung auf. „Wer hat mich berührt?“, fragte Jesus. Doch niemand wollte es gewesen sein.

Petrus sagte: „Rabbi, die Menge drängt und drückt dich von allen Seiten!“ Doch Jesus bestand darauf: „Es hat mich jemand angerührt, denn ich habe gespürt, dass eine Kraft von mir ausgegangen ist.“

Als die Frau sah, dass sie nicht verborgen bleiben konnte, fiel sie zitternd vor Jesus nieder. Vor allen Leuten erklärte sie, warum sie ihn berührt hatte und dass sie im selben Augenblick geheilt worden war.

„Meine Tochter“, sagte Jesus da zu ihr, „dein Glaube hat dich gerettet. Geh in Frieden!“

.
(Die Bibel, Neues Testament, Lukas-Evangelium, 8. Kapitel, Verse 42-47)

 

„Na, warte mal ab! Wie kannst du dir da so sicher sein, dass du geheilt worden bist? Vielleicht ist das ja jetzt nur die Aufregung, und wenn du wieder alleine Zuhause sitzt, ist wieder alles beim Alten: ein ewiges Ausbluten.“

 

Der Erzähler der biblischen Geschichte teilt solch menschliche Skepsis nicht. Für ihn ist ganz klar: Jesus  ist  so! Und wenn Menschen ihn berühren, werden sie gesund.

Berührung kann Kraft kosten und Kraft geben, und Menschen heil werden lassen.

 

Berührungs-Stress

Be-gegen-ungen zwischen Menschen sind oft anstrengend. Mit unseren Augen ver-hand-eln wir unsere Blick-Kontakte, und Augen, die uns anstarren, machen uns nervös. Blicke können Körper und Seelen begrabschen …

Ein Blick kann uns treffen und verletzen; und die strafenden Blicke der Eltern halten die Kinder auf rechter Bahn …

Auch das  Wort  eines Anderen kann uns treffen oder berühren. Wir ringen um Worte, liefern uns Wortgefechte im Schlag-Abtausch oder fummeln uns mit schleimigen Worten in die Seele eines anderen.

Menschen kosten Kraft. Schon eine Begrüßung kann bei manchen Menschen in Stress ausarten: „Sag ich einfach ‚Hallo‘ oder gebe ich die Hand?“ – „Was mach ich, wenn der andere mich umarmt?“ – „Kränke ich jemand, wenn ich nicht umarme?“

Menschen. – Wir können nicht ohne sie leben, und nicht mit ihnen.

Ich habe mein ganzes Leben bisher als moderner Stadtmensch gelebt – in der Anonymität einer Großstadt. Mein Leben berührt ständig das Leben anderer Menschen, und mein eigenes wird berührt: Ein flüchtiger Blick in der U-Bahn oder auf der Straße, ein Lächeln, …

Vor Jahren sah ich einmal ein Plakat, das funktionierte ungefähr so:

 

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Leben, einfach

Für manche Menschen heutzutage ist das eigentlich ganz normale Leben schon zu etwas Seltenem geworden: Zeit mit Familie und echten Freunden verbringen – berühren und berührt werden. Einfach leben.

Wie wäre es, wenn wir selbst in unserer Seele gesund würden, und Menschen, deren Leben durch unsers berührt wird, Heilung erfahren? – Vertrauen  hatte die Frau, die Jesus berührt hat, gesund werden lassen.

 

Berührt werden und berühren

Die Episode mit der gesund-gewordenen Frau ist nur ein Ausschnitt der  ganzen  Geschichte. Hier nun die vollständige Erzählung:

 

Als Jesus ans andere Ufer zurückkam, empfing ihn eine große Menschenmenge, denn sie hatten auf ihn gewartet. Da kam ein Synagogenvorsteher zu ihm, namens Jaïrus. Er warf sich vor ihm nieder und bat ihn, in sein Haus zu kommen, weil seine einzige Tochter, ein Mädchen von zwölf Jahren, im Sterben lag.

Auf dem Weg dorthin drängte sich die Menge um Jesus. Darunter war auch eine Frau, die seit zwölf Jahren an starken Blutungen litt. Ihr ganzes Vermögen hatte sie für die Ärzte aufgewendet, doch niemand hatte sie heilen können. Sie kam von hinten heran und berührte einen Zipfel seines Gewandes.

Sofort hörte die Blutung auf. – „Wer hat mich berührt?“, fragte Jesus. Doch niemand wollte es gewesen sein.

Petrus sagte: „Rabbi, die Menge drängt und drückt dich von allen Seiten!“ Doch Jesus bestand darauf: „Es hat mich jemand angerührt, denn ich habe gespürt, dass eine Kraft von mir ausgegangen ist.“

Als die Frau sah, dass sie nicht verborgen bleiben konnte, fiel sie zitternd vor Jesus nieder. Vor allen Leuten erklärte sie, warum sie ihn berührt hatte und dass sie im selben Augenblick geheilt worden war.

„Meine Tochter“, sagte Jesus da zu ihr, „dein Glaube hat dich gerettet. Geh in Frieden!“

Während Jesus noch mit ihr sprach, kam jemand aus dem Haus des Synagogenvorstehers und sagte zu Jaïrus: „Deine Tochter ist gestorben. Du brauchst den Rabbi nicht weiter zu bemühen.“

Jesus hörte es und sagte zu dem Vorsteher: „Hab keine Angst! Vertrau mir, dann wird sie gerettet werden!“

Er ging in das Haus, erlaubte aber niemand, ihn zu begleiten, außer Petrus, Johannes und Jakobus und den Eltern des Kindes. Das ganze Haus war voller Menschen, die laut weinten und das Mädchen beklagten. „Hört auf zu weinen!“, sagte Jesus zu ihnen. „Das Kind ist nicht tot, es schläft nur.“

Da lachten sie ihn aus, denn sie wussten, dass es gestorben war. Doch Jesus fasste es bei der Hand und rief: „Kind, steh auf!“ Da kehrte Leben in das Mädchen zurück und es stand gleich auf. Jesus ordnete an, ihr etwas zu essen zu geben.

 

Die Kleine hatte bestimmt großen Hunger.

Eine rührende und berührende Geschichte. – „Jesus fasste es bei der Hand.“ Jesus zieht einen kleinen Menschen aus der Unterwelt zurück ins Leben und verwandelt Trauer und Verzweiflung in Freude und Glück.

Leben aus dem Tod.

 

Salben & Segnen

Auch bei einer anderen Erzählung in den Evangelien spielt Berührung eine Rolle. Hier kostet sie nicht nur Kraft, sondern ist auch in höchstem Maße peinlich. – Allerdings für wen?

„Jesus und die Sünderin“:  EINE BEGEGNUNG, DIE ALLES VERÄNDERTE – DAS GLEICHNIS VON DEN BEIDEN SCHULDNERN  (LK 7,36-50)  |  (Worthaus 1.2.1)

 

Segnen, salben („Christus“ = Messias = hebr. „Maschiach“ = Gesalbter) und Handauflegung spielt in biblischen Texten immer wieder eine Rolle.

Bei Berührungen passiert etwas zwischen Menschen, und das Leben und die Zukunft verändern sich.

 

Heiliges Küssen

Im Römerbrief geht es um Gott und die Welt, Himmel und Hölle, Menschenkrampf und göttliches Leben in heiligem Geist. Und ausgerechnet der Römerbrief endet mit einer langen Liste von Grüßen und mit den Worten:

 

Begrüßt einander mit dem heiligen Kuss …

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(Paulus‘ Brief an die Christen in Rom, 16,16)

 

Brüchige Männlichkeit

 

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Foto von Victorgrigas (own work) via Wikimedia Commons – CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)

 

Männlichkeit. Für einen Mann ein naheliegendes Thema  😉

Dass ich nicht der einzige bin, der darüber nachdenkt, merkt man schnell, wenn man z.B. mal „Spiritualität für Männer“ in seine Suchmaschine eingibt.

Wie interessiert Menschen an diesem Thema sind, kann man auch einfach austesten, indem man ein Gespräch auf die Frage „typisch Mann/Frau“ lenkt. Nach meiner Erfahrung gibt es dann in der Regel eine angeregte Diskussion …

 

… „Weil du auf die Stimme deines Weibes gehört hast und von dem Baum gegessen hast, den ich dir verbot, sprechend: Iß nicht davon!, sei verflucht der Acker um deinetwillen, in Beschwer sollst du von ihm essen alle Tage deines Lebens. Dorn und Stechstrauch läßt er dir schießen, so iß denn das Kraut des Feldes! Im Schweiß deines Antlitzes magst du Brot essen, bis du zum Acker kehrst, denn aus ihm bist du genommen. Denn Staub bist du und zum Staub wirst du kehren.“

Der Mensch rief den Namen seines Weibes: Chawwa, Leben! Denn sie wurde Mutter alles Lebendigen.

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(Bibel / Tanach / Altes Testament, Bereschith / Genesis / 1. Mose, 3. Kapitel, Verse 17-20)

 

Die gute alte Zeit …

Frauen werden schwanger, bringen neues Leben in die Welt. Sie sind die Nahrungs-Quelle des Lebens für ihre Säuglinge, welche völlig abhängig und allein nicht überlebensfähig sind.

Früher waren es hauptsächlich die Frauen, die sich um den Nachwuchs kümmerten, und um die Nahrungszubereitung, um die Kleidung, um das Lager des Klans …; sie sammelten Beeren und Pilze, …

Die stärkeren, muskulösen Männer joggten durch die Steppe, spähten nach Gefahren und Beutetieren, kämpften mit Feinden und wilden Tieren …

[Wikipedia hat zwar nicht immer recht, aber hier  kann man ein bisschen dazu nachlesen.]

Männer von heute erleben solche tollen Abenteuer fast nur noch in virtuellen Welten. – Muskulöse Männer, die mit wilden Bestien kämpfen, Helden, die Drachen töten, Einzelkämper, die ganze Armeen auslöschen, … – In der Fantasie kann ein Mann noch ein richtiger Mann sein  😉

Der Klassiker zum Thema:

 

 

„Typisch männlich!“ – „typisch menschlich“

Wie viel von dem, was uns als Männer und Frauen ausmacht, stammt noch aus einer vergangenen Zeit? Wie viel Potential schlummert noch in uns, das eigentlich für andere Lebensverhältnisse „gedacht“ war? – Was wäre überhaupt eine „artgerechte Haltung“ für den Menschen? Wie sieht es aus mit Ergonomie und Gesundheit an Arbeitsplätzen und in den Wohnbereichen? „Menschen-gerechte“ Beschäftigungsverhältnisse? Wie „menschlich“ sind Mega-Cities? Wie viel ungenutzte Instinkte schlummern in uns …

Was ist „typisch männlich„? Gibt es z.B. einen „männlichen Beschützer-Instinkt“ wirklich? Welche Überzeugungen sind bloße Tradition, urban legend oder fake news?

 

„Der deutsche Mann, Mann, Mann …“

 

 

Interessanterweise ein von einem Mann geschriebenes Gedicht. 1931. Nicht lange vor der Machtergreifung.

Früher waren die Männer noch die HERREN auf dem Fußballplatz. Mittlerweile gibt es sogar professionellen FRAUENFUSSBALL !!!  (Ein Thema, das manche männlichen Gemüter besonders erregt.) – Wenn mann da mal Gelegenheit hat, ein Gurkenglas zu öffnen, welches die Frau nicht aufgekriegt hat, fühlt mann sich endlich mal wieder in seiner Männlichkeit bestätigt: Wir werden als Männer doch noch gebraucht!  – Und Männer können sich Bärte wachsen lassen!

 

Mein starker Körper

Der Körper einer Frau kann schwanger werden, ein Kind zur Welt bringen und es stillen. Etwas, was kein Mann kann. (Zumindest nicht auf natürliche Weise.) – Aber was kann ein Mann, das eine Frau heutzutage nicht auch kann? Viele Frauen leben genauso wie viele Männer als Singles. Offenbar sind Frauen stark genug für alle Aufgaben, die im alltäglichen Leben anfallen.

Bei allen Pauschalisierungen und Stereotypen setzt man sich immer der Gefahr aus, durch Einzelfälle widerlegt zu werden. Und auch die Frage, ob es überhaupt noch nötig ist, sich über Unterschiede zwischen Frauen und Männer den Kopf zu zerbrechen, scheint berechtigt. – Soll doch einfach jeder machen, was sie/er will. – Eine lange Geschichte von Menschen, die in vorgegebene Rollen gezwängt worden sind, kann für uns eine Warnung sein.

 

Der Mann als Oberhaupt der Familie

Die Konservativen haben eine Antwort: Der Mann ist das Oberhaupt der Familie! Gruppen brauchen Anführer, und Männer können das besser bzw. haben dafür sogar eine göttliche Berufung. – Eine Antwort, die heute viele nicht mehr überzeugt; und eine Antwort, die mit der wichtigen Frage zu tun hat, wie wir mit unseren heiligen Texten umgehen.

Männern, die mit der Vormachtstellung des Mannes in einer konservativen Familie liebäugeln, sei gesagt, dass wir im Christentum da noch eine ganz andere, jesuanische, Tradition haben:

 

Da setzte sich Jesus, rief die Zwölf zu sich und sagte zu ihnen: »Wenn jemand der Erste sein will, soll er der Letzte von allen und der Diener aller sein.«

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(Bibel, Neues Testament, Markus-Evangelium 9,35)

 

In einer Gesellschaft, in der immer noch die Frauen die Kinder kriegen, oft auch eine eigene berufliche Karriere haben und – wie die Männer – zum Unterhalt der Familie beitragen oder sogar alleinerziehend sind und sich um den Haushalt kümmern, erscheinen Männer manchmal wie Assistenten ihrer Frauen. Auch wenn die Frauen dies nicht so wahrnehmen sollten, so ist eine Angst, in der Familie an Bedeutung zu verlieren, sicherlich bei manchen Männern vorhanden.

Frauen, die schwanger werden, Kinder kriegen und Babys stillen zur Seite zu stehen, könnte das nicht auch eine tolle Berufung sein? – Außerdem besteht das Leben auch nicht nur aus Kindern …

 

Männliche Identität

Für Aufgaben, für die Frauen körperlich zu schwach sind, gibt es heute auch Maschinen und Roboter. Wo bleibt da noch Platz für männliche Identität? Was können Männer, das nur Männer können? Und brauchen wir diese Einzigartigkeit des Männlichen überhaupt, um zu wissen, wer wir sind oder sein wollen?

Reicht es nicht aus, als Mensch einzigartig zu sein, so wie jeder Mensch, Mann oder Frau, einzigartig ist? Wäre es nicht am besten, wenn jeder schaut, was gemacht werden muss, und sich bemüht, seine eigenen Fähigkeiten, so gut wie möglich miteinzubringen? Ist eine Identität als neuer Mensch und Anhänger von Jesus nicht besser als ein künstliches Profil von zweifelhafter Männlichkeit?

 

Die große Verunsicherung

Verunsicherung ist mit Sicherheit ein prägendes Lebensgefühl unserer Generation. Und kaum ein Thema geht dabei so unter die Haut wie die Anfragen an unsere Sexualität.

Gender. Für manche ist das Wort eines der großen Zeichen der Endzeit. Einen ausgewogenen Artikel dazu findet ihr hier:

Alles Gender oder was?

 

Frühsexualisierung

Es gibt sogar einen Wikipedia-Artikel zu diesem Thema.

Kinder und Jugendliche, die in unserer Gesellschaft aufwachsen, werden in Familie, Schule und Medien einer Flut von sexuellen Eindrücken ausgesetzt. – Eltern wissen ein Lied davon zu singen. – Ist der Schutz von Kindern und Jugendlichen in unserer Gesellschaft und die Hilfsangebote in Familien, Schule und Gesellschaft ausreichend?

Was passiert mit denen, die dabei durchs „Betreuungs-Netz“ rutschen? Wie bringt man die notwendige Freiheit und den nötigen Schutz in eine Balance, die eine gesunde Entwicklung ermöglicht?

 

Christliche Identität – der neue Mensch

Das Bewusstsein einer neuen Identität, die Gott durch seinen Geist in uns bewirkt, erscheint mir als die gesündeste Grundlage für das Verhältnis zwischen Frauen und Männern und sexuelle Identität. Ein solches Bewusstsein ist auch keine Erfindung der Moderne:

 

Hier gibt es keinen Unterschied mehr zwischen Juden und Griechen, zwischen Sklaven und freien Menschen, zwischen Mann und Frau. Denn durch eure Verbindung mit Jesus Christus seid ihr alle zusammen ein neuer Mensch geworden.

(Die Bibel, Neues Testament, Paulus‘ Brief an die Galater, 3. Kapitel, Vers 28)

 

Sexuelle Not und Not-wendigkeit

Nicht alle Frauen werden schwanger, und nicht alle Männer gründen eine Familie oder sind in der Lage wirtschaftlich auf eigenen Füßen zu stehen. Die persönliche Erfahrung, Kinder in die Welt zu setzen und Teil der langen Kette der Generationen menschlichen Lebens zu sein, ist eine der existentiellen Erfahrungen des Menschseins. Kinderlosigkeit kann Einzelne und Paare an den Rand der Verzweiflung bringen. (Kinderlosigkeit ist übrigens auch ein biblisches Thema.)

Jesus wandte sich besonders den Ausgegrenzten und Benachteiligten zu. In guter jüdischer Tradition. Der Gott Israels war immer ein Gott, der sich der schwachen erbarmt hat, und die Stimme der Unterdrückten hörte – auch der Kinderlosen. Ein Gott, der denen besonders nah ist, die gesellschaftliche Erwartungen nicht erfüllen können und häufig am Rande stehen und nur zugucken dürfen, was die anderen machen …

Es ist eine  wesentliche  Aufgabe für alle Menschen, die sich mit der jüdisch-christlichen Tradition identifizieren, solche am Rande der Gesellschaft stehenden Menschen in die Mitte ihrer Gemeinschaft einzuladen.

 

Eine neue Kultur

Wir brauchen eine neue, eine andere, bessere Kultur. Eine Kultur des Miteinanders, die Menschen zusammenführt und verbindet, und sie nicht gegeneinander in Stellung bringt. Eine Kultur, die unsere Lebenswelt vor dem Auseinanderfallen rettet, heilt und als „ganz“ und stimmig erfahrbar macht.

 

Buchempfehlung:  „Die verborgene Spiritualität des Mannes“ von Matthew Fox

 

[Dies ist die Überarbeitung eines älteren Artikels, welchen ihr mit Kommentaren hier findet.]

 

Ich bin nicht gut im Leiden.

 

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Tragödien-Maske an der Fassade des Königlichen Dramatischen Theaters in Stockholm; von Holger.Ellgaard via Wikimedia Commons – CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)

 

Die alte Leier …

Es hat mich erwischt. Eine Erkältung. – Nicht gerade dramatisch; aber schon drängt sich die alte Frage wieder auf: Wie war das  doch mit Gottes Liebe und dem Leiden? Könnte Gott das Leben für seine Kinder nicht ein bisschen angenehmer gestalten?

Schon mein Heuschnupfen ist manchmal eine ziemliche Belastung. Zahn- und Kopfschmerzen sind auch nicht gerade toll. Gleichzeitig ist das Jammern natürlich auch ein bisschen peinlich, wenn man an all die Menschen denkt, die wirklich richtig  schwer  zu leiden haben. Aber wenn man sowieso schon Stress hat und total optimiert an der Grenze seiner Kräfte operiert, dann ist eine Erkrankung manchmal gerade noch der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Wenn man allerdings dann noch ein bisschen über den eigenen Tellerrand schaut, erhält die Frage nach dem Leid noch eine ganz andere Dimension:

 

 

 

… Wer erkennt, dass der HERR es ist, der diese mächtigen Taten vollbringt?
.
Gott ließ seinen Diener emporwachsen wie einen jungen Trieb aus trockenem Boden. Er war weder stattlich noch schön. Nein, wir fanden ihn unansehnlich, er gefiel uns nicht! Er wurde verachtet, von allen gemieden. Von Krankheit und Schmerzen war er gezeichnet. Man konnte seinen Anblick kaum ertragen. Wir wollten nichts von ihm wissen, ja, wir haben ihn sogar verachtet.
.
Dabei war es unsere Krankheit, die er auf sich nahm; er erlitt die Schmerzen, die wir hätten ertragen müssen …
.
(Bibel / Tanach / Altes Testament, Jesaja 53. Kapitel, Verse 1-4)

 

Professionelles Leiden

Ich war zum Glück noch nie so richtig schwer krank. Einmal hatte ich allerdings so starke Zahnschmerzen, dass ich es kaum noch aushielt.  –  Ich bin nicht gut im Leiden.

Es gab allerdings einmal einen echten Profi im Leiden. Ist sogar deutsches Kulturgut geworden: Die Hiobs-Botschaft. Ein Mann, der Nachrichten bekommen hat, die selbst dem gestandensten Mann den Boden unter den Füßen weghauen können. Hiob hatte alles verloren: Seinen Besitz, seine Kinder und seine Gesundheit.

 

„Hältst du noch fest an deiner Frömmigkeit? Fluche Gott und stirb!“
Er [Hiob] aber sprach zu ihr: Du redest, wie die törichten Frauen reden …
.
(Tanach / Altes Testament, Hiob 2, 9-10)

 

Pardon,  fast  alles. Seine Frau hatte er noch. – Die hatte übrigens ja auch alles verloren.  Es waren ja wohl auch ihre Kinder bei denen mit dabei gewesen, die umgekommen waren. (Scheint wohl eine patriarchalische Erzählung zu sein). Und seine Frau hatte ihren Glauben an Gott anscheinend schon aufgegeben. (Falls sie überhaupt fromm gewesen war). Sie, die Hiob allein übrig geblieben war, gibt ihm dann noch, als er dann heftig krank wird, diesen Rat, sich von Gott zu verabschieden und ins Gras zu beißen.

 

Ohne eigenes Verschulden sind alle Geschöpfe der Vergänglichkeit ausgeliefert, weil Gott es so bestimmt hat.
.
Aber er hat ihnen die Hoffnung gegeben, dass sie zusammen mit den Kindern Gottes einmal von Tod und Vergänglichkeit erlöst und zu einem neuen, herrlichen Leben befreit werden. – Wir wissen ja, dass die gesamte Schöpfung jetzt noch leidet und stöhnt wie eine Frau in den Geburtswehen.
.
(Paulus im Brief an die Christen in Rom; Bibel, Neues Testament; 8,20-22)

 

Gott und unser Leid

Hiob jedoch blieb Gott treu. Aber er schleuderte Gott seine Anklagen entgegen.

Im hebräischen Original soll das Buch sogar so krass sein, dass ein jüdischer Rabbiner wohl mal gesagt hatte, mal sollte das Buch besser nicht alleine, sondern mindestens zu zweit lesen. – Wahrscheinlich, damit man nicht seine Fassung oder sogar seinen Glauben verliert.

Hiob ist eins meiner Lieblingsbücher in der Bibel. Hier wird nichts beschönigt. Auch der Deal zwischen Gott und Satan erscheint etwas absurd. So absurd wie das Leben manchmal.

Nebenbei bemerkt: Ich glaube nicht, dass dieses Buch ein Beleg dafür ist, dass Männer besser sind im Leiden als Frauen. – Es gibt auch  Glaubensheldinnen  in unseren biblischen Texten; auch wenn die Texte sicherlich alle stark von den patriarchalischen Kulturen geprägt sind.

 

… „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

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(Jesus am Kreuz)

 

Die Theodizee

Theodizee“ (wörtl. „Gerechtigkeit Gottes“ oder „Rechtfertigung Gottes“) ist „Theologen-Deutsch“ für die Frage, wie das Böse und Leid in der Welt mit einem allmächtigen, liebenden Gott zu vereinbaren sind. Den besten Vortrag, den ich dazu kenne, findet ihr bei Worthaus:

 

 

 

Je stärker wir durch uns bedrängendes Leiden auch emotional unter Druck geraten, desto heftiger wird auch unsere Vorstellung von einem liebenden Gott auf die Probe gestellt. Wenn wir uns Gott als lieben, allmächtigen Papa im Himmel vorstellen möchten, dann ist die Frage, warum er bei all dem grausamen, täglichen Leid nicht eingreift, und warum er überhaupt so eine Welt erschaffen hat, kaum zu ertragen.

 

Dann begann Hiob zu reden und verfluchte den Tag seiner Geburt.

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(Hiob 3,1)

 

Lebendiger Glaube

Einer der bedeutendsten Bibelforscher unserer Zeit, Bart D. Ehrman, ist wohl vor allem wegen der Frage nach dem Leid zum Agnostiker geworden, obwohl – oder vielleicht gerade weil – er einen evangelikalen Hintergrund hatte.

Wäre es nicht besser, wenn ein lebendiger Glaube sich verändert und wächst, als dass er an der Wirklichkeit zerbricht?

Wie müsste solch ein Glaube beschaffen sein?

 

Jetzt sehen wir nur ein undeutliches Bild wie in einem trüben Spiegel. Einmal aber werden wir Gott von Angesicht zu Angesicht sehen. Jetzt erkenne ich nur Bruchstücke, doch einmal werde ich alles klar erkennen, so deutlich, wie Gott mich jetzt schon kennt.

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(Paulus im ersten Brief an die Christen in Korinth, 13,12)

 

Vollkommener Gott – mangelhafter Glaube

Gott ist per Definition vollkommen. Absolut. Die letzte Realität, die nach allem Hinterfragen noch übrig bleibt. Der Urgrund allen Seins.

Unsere Vorstellungen von Gott sind jedoch mangelhaft. Manche Menschen verwechseln ihre Gottesvorstellungen mit dem, was Gott selbst ist, und machen sich so einen Götzen – der nicht tragen kann. – Vielleicht kann gerade die immer wieder auftauchende und unser Leben begleitende Frage nach dem Leid  uns auch  – wie damals Hiob – in eine tiefere Gotteserkenntnis führen.

Menschliche Gottesvorstellungen sind immer auch geprägt durch die autobiographische und kulturelle Geschichte. Die immer bekannter werdende Integrale Theorie liefert auch ein Modell diese Zusammenhänge besser zu verstehen. Wenn sich unsere Gottesvorstellung ändert, erscheint auch die alte Theodizee-Frage in einem neuen Licht.

Die biblischen Texte beschreiben Gott als eine geheimnisvolle Macht, die nicht unabhängig von unserer Welt in einer Art „Parallel-Universum“ existiert, sondern in unserer Welt gegenwärtig ist. Ein Gott, der in den Lobgesängen seines Volkes wohnt und sich in der Geschichte der Menschheit verwirklicht. Ein lebendiger Gott. Ein Gott des Lebens. Und mit unserem Leben verändert sich auch unsere Vorstellung von ihm – oder ihr  😉

 

Heilige Texte

Interessant ist, dass das Reden von und über Gott im Judentum deutlich vorsichtiger ist, als im Christentum. Der Name Gottes, das Tetragramm „YHWH“, wird traditionell nicht ausgesprochen. Auch haben viele Christen das Bilderverbot vom Judentum übernommen.

Bei unseren Gottesvorstellungen wird es immer auch um die wichtige Frage gehen, wie wir mit dem Reden von und über Gott in der jüdisch-christlich Tradition und in unseren heiligen Texten umgehen, und in welchem Ausmaß wir bereit sind, uns auf die Lebenswelt und Kulturen der Menschen von heute einzulassen.

 

Gott ist Liebe; und die in der Liebe bleiben, bleiben in Gott, und Gott in ihnen.

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(Erster Brief des Johannes, 4,16b)

 

Freiwilliges Leiden

Das Christentum beruht auf Leid; das Leiden eines Mannes, der schwer gelitten hat, und dieses Leid sogar  freiwillig  auf sich genommen hat:  Jesus aus Nazareth.

Was bringt einen Menschen dazu,  freiwillig  Leiden auf sich zu nehmen?

Die biblischen Erzählungen von der Hinrichtung von Jesus sind keine freudestrahlenden Heldengeschichten eines das Leid umarmenden Gottes, der mit geschwollener Brust zu seiner Folter schreitet. Jesus nahm das Leid nicht furchtlos und todesverachtend auf sich, sondern hatte Todesangst und suchte nach einem Ausweg.

 

… „Betet, dass ihr nicht in Anfechtung fallt!“
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Und er riss sich von ihnen los, etwa einen Steinwurf weit, und kniete nieder, betete  und sprach:
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„Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe!“
.
Es erschien ihm aber ein Engel vom Himmel und stärkte ihn. Und er geriet in Todesangst und betete heftiger. Und sein Schweiß wurde wie Blutstropfen, die auf die Erde fielen.
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Und er stand auf von dem Gebet und kam zu seinen Jüngern und fand sie schlafend vor Traurigkeit …
.
(Lukas-Evangelium 22,40-45)

 

Jesus musste gewusst haben, was für eine ungeheure Provokation sein Erscheinen in Jerusalem für das religiöse Establishment war: Der Einzug in Jerusalem, sein Auftreten im Tempel …

 

„Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn, der König von Israel!“

„Mein Haus soll ein Haus des Gebets sein!“

 

Und er lehrte täglich im Tempel.

Doch es gab für Jesus keinen anderen Weg, als den Willen Gottes zu tun. Für alle Menschen.