Fürs 21. Jahrhundert? Echt jetzt?
Will man wirklich so Menschen im 21. Jahrhundert erreichen? Vielleicht sogar die nächste Generation?
Ich hab eher den Eindruck, dass man sich hier ängstlich an traditionelle „Werte“ klammert, weil man mit der Wirklichkeit nicht klar kommt. – Sollen auf diese Weise mündige Christen entstehen?
Man braucht doch keine Bibel-Ideologie, um herauszufinden, ob die biblischen Texte für einen selbst wertvoll sind. – Oder will man versuchen damit, die schillernde, auseinander-driftende Christenheit wieder zusammenzuführen?
Wer braucht ein „Evangelium21-Netzwerk“? – Rotten sich hier ein paar religiöse Extremisten zusammen, um die Moral in der Truppe zu stärken?
„… Jetzt erkenne ich nur Bruchstücke, doch einmal werde ich alles klar erkennen, so deutlich, wie Gott mich jetzt schon kennt.“
.
(Paulus im ersten Brief an die Christen in Korinth 13. Kapitel, Vers 12; Bibel, Neues Testament)
Wahrhaftig?
Wissen die Macher von Evangelium 21 es nicht besser, oder verbreiten sie hier absichtlich die Unwahrheit:
„Wir vertrauen darauf, dass die Bibel entsprechend ihrem Selbstzeugnis das völlig vertrauenswürdige und in allen ihren Aussagen zuverlässige und autoritative Wort Gottes ist.“
.
(evangelium21.net)
„Selbstzeugnis“ ? – Das ist ja gerade einer der auffälligen Unterschiede zum Koran, dass die Bibel nicht sich selbst zum Thema macht. Da die Bibel erst Jahrhunderte nach dem Abfassen der biblischen Texte gemacht worden ist, kann sie das auch gar nicht.
(Das einzig theoretisch denkbare wäre eine biblische Verheißung, dass es später einmal so ein heiliges Buch geben würde. Aber so eine Verheißung gibt es in der Bibel nicht. Noch nicht einmal so etwas wie eine Anspielung auf das Erschaffen eines heiligen Buches in der Zukunft.)

Moderne Kreuzzüge
Im Mittelalter wurden Kriege im Zeichen des Kreuzes geführt. Heute taucht das Wort „unbiblisch“ mancherorts als Kampfbegriff auf; vor allem in der Auseinandersetzung zwischen Christen. Manche haben sich das Dogma von der Unfehlbarkeit der Bibel auf die Fahne geschrieben und sind ausgezogen, die Wahrheit und die göttliche Autorität der Bibel zu verteidigen. – Heutzutage passiert das zum Glück ohne körperliche Gewaltanwendung.
„Alle Menschen sollen eure Güte und Freundlichkeit erfahren …“
.
(Paulus im Brief an die Christen in Philippi 4,5; Neues Testament)
Evangelium21-Konferenzen
In Hamburg gab es 2016 eine Konferenz der Initiative Evangelium21, zu der internationale Redner angereist waren, um die Autorität der Bibel zu verteidigen. In ihrem Blog finden wir dazu Sätze wie diese:
„Christen sollen der Autorität der Heiligen Schrift ganz vertrauen.“
„Die Bibel ist ein zutiefst verlässliches und vertrauenswürdiges Buch, unfehlbar, heilig und göttlich.“
Wenn man der Bibel „Göttlichkeit“ zuspricht, wird sie damit nicht zum Götzen?
Wiedereinmal wird das Dogma von der Unfehlbarkeit der Bibel unkritisch mit dem richtigen christlichen Glauben an Jesus von Nazareth gleichgesetzt und eine „göttliche Autorität der Bibel“ verteidigt. – Woher kommt es, dass so viele Christen mit Eifer eine Lehre verteidigen, die sich noch nicht einmal in dem Buch findet, für dessen Autorität sie sich einsetzen?

Was ist „biblisch“? Und was „unbiblisch“?
„Biblisch“ im engeren Sinne wäre einfach etwas, das zur Bibel gehört oder mit ihr zu tun hat. So könnte man z. B. sagen, dass Matthäus-Evangelium ist ein biblischer Text, weil es ja zur Bibel gehört. Es würde hingegen wegen Sinn machen zu sagen „Kriege sind biblisch“, nur weil Kriege in der Bibel vorkommen. Eher könnte man denken, dass Kriege unbiblisch sind, da es ja in der Bibel heißt: „Du sollst nicht töten!“
Wenn man anfängt, so zu denken, hat schon eine Bedeutungsverschiebung stattgefunden. Es geht nicht mehr nur darum, ob etwas sachlich mit dem Buch der Bibel zu tun hat, sondern hier wird die Bibel schon als ein Maßstab, also normativ verwendet, für Denken und Handeln.
Das Wort „unbiblisch“ ist auch nicht der genaue Gegensatz zum Begriff „biblisch“, denn es würde z. B . komisch klingen zu sagen, Goethes Zauberlehrling wäre unbiblisch, weil der Text nicht in der Bibel steht (zumindest für meine Ohren). Hingegen könnte man durchaus sagen, dass der Zauberlehrling kein biblischer Text ist.
„Als Bibel (altgriechisch βιβλία biblia ‚Bücher‘; daher auch Buch der Bücher) bezeichnet man eine Schriftensammlung, die im Judentum und Christentum als Heilige Schrift mit normativem Anspruch für die ganze Religionsausübung gilt.“
.
(Wikipedia)
Hat Wikipedia mal wieder recht?
Unser Bedürfnis nach Orientierung und die biblischen Texte
Unausgesprochen transportiert das Wort „biblisch“ oft, wenn es gebraucht wird, die Vorstellung, dass man Gottes Offenbarung oder seine Anweisungen für unser Leben eindeutig aus der Bibel ableiten kann. Nicht nur die Bibel selbst soll fehlerfrei sein, sondern auch die Art und Weise, wie wir sie anwenden.
Es würde z. B. keinen Sinn machen zu behaupten, Alkohol trinken sei unbiblisch, wenn es widersprüchliche Aussagen dazu in der Bibel gäbe oder man dies nicht ein – deutig von ihr ableiten könnte.
Jeder, der sich nur ein bisschen mit dem Christentum beschäftigt hat, weiß, dass es u.a. die unterschiedliche Interpretation der biblischen Texte ist, die zu einer unüberschaubaren Vielzahl von christlichen Kirchen und Gruppen geführt hat. Es drängen sich alleine schon deshalb die Fragen auf:
Sprechen überhaupt alle biblischen Texte deutlich mit einer Stimme? Oder begegnet uns in den biblischen Texte eine Vielfalt an unterschiedlichen Stimmen, Perspektiven und Meinungen?
„Für die Unverheirateten hat mir der Herr keine ausdrückliche Anweisung gegeben. Aber weil der Herr mich in seiner Gnade zum Dienst berufen hat, sind meine Worte vertrauenswürdig. Darum möchte ich euch meine Meinung sagen….Dies ist kein Befehl, sondern meine Meinung, doch ich habe schließlich auch Gottes Geist empfangen.“.
(Paulus im ersten Brief an die Christen in Korinth 7,25-40; Neues Testament)
Wie interpretiert man die Bibel richtig ? Und wie lässt sich prüfen, ob etwas richtig interpretiert worden ist?

Heilige Texte im Judentum
Mich erinnern diese Überlegungen an die schier unglaubliche Fülle an Regeln für die Anwendung der Tora (5. Bücher Mose), wie wir sie im Rabbinischen Judentum finden. Wer schon einmal vor einer ungekürzten (!) Ausgabe des Talmud stand, weiß wovon ich rede.
In den Evangelien lesen wir, wie Jesus selbst sich mit dieser jüdischen Tradition auseinandersetzt. (Der Talmud selbst hat so zu Jesu Zeiten noch nicht existiert, aber ein Teil davon, in mündlicher Überlieferung.)
„Ihr Heuchler! Wie recht hat Jesaja, wenn er von euch schreibt:.‚Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, aber mit dem Herzen sind sie nicht dabei. Ihre Frömmigkeit ist wertlos, weil sie ihre menschlichen Gesetze als meine Gebote ausgegeben haben.'“.
(Matthäus-Evangelium 15,7-9; Neues Testament)
Hat sich nicht zwischen der Frömmigkeit, die Jesus gelehrt und vorgelebt hat, und der rabbinischen jüdischen Frömmigkeit des 1. Jahrhunderts deutlich etwas verändert?
„… der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig. “
.
(Paulus im zweiten Brief an die Christen in Korinth 3,6; Neues Testament)

Einfach Jesus
Inhalt, Qualität und Vielfalt der biblischen Texte inspirieren mich. Vor allem aber sind es das Leben und die Lehre Jesu, die mich gepackt haben (und auch von Paulus bin ich begeistert).
„Darum lebe nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir…“
.
(Paulus im Brief an die Christen in Galatien 2,20)
Die neutestamentlichen Texte sind die besten Zeugnisse über Jesus, die wir haben. Deshalb sind sie auch so wichtig. Es geht beim christlichen Glauben in erster Linie um einen Menschen, Jesus von Nazareth (von dem wir glauben, dass er der Messias Gottes, der Christus, ist), und um Menschlichkeit und Liebe (und nicht um Texte und deren Anwendung). Alle anderen Fragen sind zweitrangig. – Wir nennen uns ja auch nicht „Biblianer“ oder „Biblizisten“, sondern Christen.

schein-heilig
Wenn Menschen die Bibel als heiliges Buch kaufen, lesen und benutzen, haben sie die Aufmerksamkeit auf Texte gerichtet und nicht mehr auf den Geist und das Heilige, auf das die Texte ja eigentlich selbst verweisen. Man verehrt ein Buch und beschäftigt sich mit Texten.
Ist dies der beste Weg sich für den Geist zu öffnen, aus dem heraus die Texte entstanden sind? – Eine der größten Gefahren für Christen sind Ablenkungen und Versuchungen; und über Texte kann man ja auch viel leichter verfügen und sie als Machtinstrumente benutzen…
Was sind das für Menschen, die unbedingt ein heiliges Buch besitzen wollen? Wer braucht eindeutige Aussagen, klare Ansagen und feste Regeln? Was sagt dieses Bedürfnis aus über ihre Persönlichkeit?
Wer innere Festigkeit besitzt und geistlich erfahren ist, kann sich auch dem Chaos und Herausforderungen des Lebens eher stellen.
„Wer nun auf das hört, was ich gesagt habe, und danach handelt, der ist klug. Man kann ihn mit einem Mann vergleichen, der sein Haus auf felsigen Grund baut. Wenn ein Wolkenbruch niedergeht, das Hochwasser steigt und der Sturm am Haus rüttelt, wird es trotzdem nicht einstürzen, weil es auf Felsengrund gebaut ist …“
.
(Jesus am Ende der Bergpredigt, Matthäus-Evangelium 7,24-25)
„Gut gemeint“?
Das ist eine Entschuldigung, die oft gebracht wird:
„Aber es ist doch gut gemeint!“
Wie gut kann etwas gemeint sein, wenn ich versuche meine Überzeugung anderen aufzuzwingen und meine Meinungen durchzusetzen? Mit wem meint man es da gut? Mit sich selbst und seines Gleichen?

Christen, die nicht in der Lage sind, sich selbst und ihre Überzeugungen kritisch zu hinterfragen, stehen in der Gefahr der Sache Gottes trotz ihres Eifers einen echten Bärendienst zu erweisen.
„Denn an Eifer für Gottes Sache fehlt es ihnen nicht; das kann ich bezeugen. Was ihnen fehlt, ist die richtige Erkenntnis.“
.
(Paulus im Brief an die Christen in Rom 10,2)
Einander dienen
Wir haben nicht den Auftrag, einander den Kopf zu waschen, sondern die Füße.
Aber mache ich das nicht auch gerade? Versuche anderen Christen „den Kopf zu waschen“?
„Wenn nun ich, euer Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollt auch ihr euch untereinander die Füße waschen. Denn ein Beispiel habe ich euch gegeben …“
.
(Johannes-Evangelium 13,14-15; Neues Testament)
Ich erwarte nicht, dass all die Bibel-Ideologen von heut auf morgen ihre Überzeugung ändern. – Religion ist eine komplexe Angelegenheit. – Aber ich würde mir wünschen, dass sie vorsichtiger in ihrem Auftreten, mit ihren Ansprüchen und Formulierungen wären, und deutlich machen, dass sie für sich selbst persönliche Glaubensentscheidungen getroffen haben, wo andere Christen anders entscheiden. Ich hoffe, es wird auch durch diesen Artikel deutlich, dass es Christen gibt, die Bibel-Ideologie ablehnen.
Für die eigene Meinung göttliche Autorität zu beanspruchen ist eine gewagte Angelegenheit, für die man dann auch die Verantwortung übernehmen muss. Oft werden Menschen nachdenklicher und vorsichtiger, wenn sie Menschen besser kennenlernen, die auch tiefe religiöse Überzeugungen haben – aber andere.

rechthaberisch
Es ist not-wendig, dass wir uns von einer unsäglichen Kultur der Rechthaberei (nicht gerade eine der christlichen Tugenden) distanzieren, um uns einen frischen, heilsamen Zugang zu den biblischen Texten zu erarbeiten. Ein enges Bibelverständnis nur zu kritisieren ist allerdings etwas unbefriedigend, wenn man nicht auch Wege aufzeigt, wie die biblischen Texte heute noch Licht in unsere Dunkelheit bringen können.
Ein leidenschaftliches Engagement für die Wahrheit der Bibel mag gut gemeint sein, aber das alleine verhindert leider nicht, dass wir mit der Bibel Menschen schaden. Gute Absichten alleine sind nicht ausreichend, sondern wir müssen auch verstehen, und brauchen eine Kultur der kritischen Distanz zur eigenen Überzeugung.
„Nehmt vielmehr bereitwillig Gottes Botschaft an, die er wie ein Samenkorn in euch gelegt hat. Sie hat die Kraft, euch zu retten.
Allerdings genügt es nicht, seine Botschaft nur anzuhören; ihr müsst auch danach handeln. Alles andere ist Selbstbetrug!
Wer Gottes Botschaft nur hört, sie aber nicht in die Tat umsetzt, dem geht es wie einem Mann, der in den Spiegel schaut. Er betrachtet sich, geht wieder weg und hat auch schon vergessen, wie er aussieht.
Ganz anders ist es dagegen mit dem, der nicht nur hört und es dann wieder vergisst, sondern auch danach handelt. Er beschäftigt sich gründlich mit Gottes vollkommenem Gesetz, das uns durch Christus gegeben ist und uns frei macht.“
.
(Jakobusbrief 1,21-25)
[ Mit „Gottes vollkommenem Gesetz“ ist hier offensichtlich nicht die Bibel gemeint. 😉 ]
Abschied
Wir brauchen Mut, um liebgewonnene Traditionen aufzugeben oder sie zumindest erst einmal in Frage zu stellen. Ich kann die Sorge um den Verlust wichtiger Werte verstehen.
Aber ist es intellektuell redlich, wenn man an einem Konzept festhält und es verkündigt, nur weil man keine Alternative dazu sieht? – Man sollte nicht eine Erklärung als die Wahrheit verkaufen, nur weil man für sich selbst noch keine andere Erklärung gefunden hat.
Oft habe ich die Aussage gehört, dass wenn man an der Autorität der Bibel rüttelt, am Ende gar nichts mehr übrig bleibt. – Ich hoffe, dass ihr auf meinem Blog genug Belege dafür findet, dass dies nicht der Fall ist.
[Dies ist die neuere Überarbeitung eines älteren Artikels, welchen ihr mit Kommentaren hier findet.]
Hi – allein schon das Wort ‚autoritativ‘ in der Selbsterklärung von „Ev.21“ zeugt von einem Gottesbild, das nicht meines ist. ‚Die‘ (eine) Wahrheit steht genau so wenig in der Bibel, wie dies eine ‚göttliche‘ Schrift ist – wir können Aussagen verkündigen, die wir der Schrift entnehmen, entleihen, aber ob sie (für sie/ihn etwas Wahres aussagen, kann nur jede*r selbst entscheiden. Biblia heißt zum Glück denn auch DIE heiligen Schriften, s. http://www.losungsblog.wordpress.com
LikeGefällt 1 Person
Danke für dein Plädoyer, dem man herrlich deine Leidenschaft für die Sache abspüren kann! Aber du weißt ja auch, das ist eben tiefstes Blau: Wir leben zur gleichen Zeit in ganz unterschiedlichen Zeiten – offenbar müssen manche im 21. Jahrhundert noch das Mittelalter nachholen, bevor sie für die Aufklärung startklar sind 😉
LikeGefällt 2 Personen
Bei manchen, die zum Integralen Christentum oder zur Integralen Bewegung gekommen sind, scheint ja eine Art Krise, persönliche Not, etc. der Auslöser gewesen zu sein (M. Küstenmacher, Paul Smith, …). Ich frage mich, ob man nicht auch bei denen, die noch recht zufrieden auf ihrer Stufe sind, irgendwie Neugier oder Bedürfnis nach mehr wecken kann. – Vielleicht bräuchte man hier ein paar Werbe-Profis 😉
LikeLike
oops, da sind deine Worte leider herausgefallen – ebendies sollten nach dem Doppelpunkt noch „erscheinen“:
Ich frage mich, ob man nicht auch bei denen, die noch recht zufrieden auf ihrer Stufe sind, irgendwie Neugier oder Bedürfnis nach mehr wecken kann
LikeLike
Na, da hat der Gegenspieler doch ganze Arbeit geleistet – noch ein Grabenkampf mehr…
Das ist das, wo Paulus und Johannes schon die „fette Baustelle“ erkannten.
Hast du das ernst gemeint, was in obigen Kommentar nahezu schon wie eine „Kastenbildung“ durchschimmert?:
Da macht der Emoji den Braten auch nicht fett. Sei doch bitte so gut, werter Christian, und sei so frei, mich diesbezüglich aufzuklären.
Mit bestem Dank und lieben Gruß,
Raffa.
LikeLike
Meinst du das mit den „Werbe-Profis“? Und was meinst du mit „Kastenbildung“? – Ich glaube, ich brauche hier noch ein bisschen Erklärung, um zu erklären. 🙂
LikeLike
Ich setze mal neu an:
<Na, da hat der Gegenspieler doch ganze Arbeit geleistet – noch ein Grabenkampf mehr…
Das ist das, wo Paulus und Johannes schon die „fette Baustelle“ erkannten.
Hast du das ernst gemeint, was in obigen Kommentar nahezu schon wie eine „Kastenbildung“ durchschimmert?:
<>
Da macht der Emoji den Braten auch nicht fett. Sei doch bitte so gut, werter Christian, und sei so frei, mich diesbezüglich aufzuklären.
Mit bestem Dank und lieben Gruß,
Raffa.>
Was meinst du mit: auf ihrer Stufe sind??? Darauf zielt meine Frage nach der „Kastenbildung“—
LikeGefällt 1 Person
Sandra und ich benutzen ja beide das Integrale Modell, um Menschen und kulturelle Entwicklung zu verstehen. Dieses Modell geht davon aus, dass man als Mensch in seinen unterschiedlichen Entwicklungslinien (emotional, rational, …) eine Entwicklung durchläuft, die bei allen Menschen ähnlich ist und in dieselbe Richtung geht, hin zu einer reifen Persönlichkeit.
Man kann (und sollte) dieses Modell natürlich auch diskutieren und kritisieren; es ist allerdings gut begründet und, wie ich finde, sehr brauchbar. (Das zeigt z.B. seine Popularität im Coaching.)
Wenn man dieses Modell auf die religiöse Entwicklung von Menschen anwendet, stellt man fest, dass viele Menschen religiös in einem „blauen“ Denken (normative Autorität von Kirche, Bibel oder Tradition, Gesetze, Ordnungen, feste Regeln, …) verhaftet sind. – Ich selbst hab das auch hinter mir. – Ich denke nun viel darüber nach, wie man helfen kann, solche Menschen in ihrer religiösen Entwicklung weiter zu bringen.
Man muss dabei natürlich aufpassen, dass Menschen sich nicht in eine Schublade gesteckt fühlen. (Das kann immer passieren, wenn man versucht Menschen zu verstehen und die Eindrücke, die man hat, mit den eigenen Erfahrungen und Denken abgleicht.)
Ich überlege, wie man es schafft, Menschen neugierig auf andere Perspektiven, neue Erkenntnisse etc. und ein religiöses Reifen zu machen. Das es so etwas, wie einen Reifungsprozess in religiöser Entwicklung gibt, ist, glaube ich, eigentlich so ziemlich Konsens. (Finden wir übrigens auch schon in den biblischen Texten.)
LikeGefällt 1 Person
Danke werter Christian für die kurze Aufklärung – ja, so kann man das Thema auch angehen.
LikeGefällt 1 Person
„biblisch“ ist nicht etwas deshalb, weil es in der Bibel steht. Texte haben ihren Kontext. Und der Gesamtkontext ist die Bibel. Beide Kontexte müssen berücksichtigt werden. Dann sind es Aussagen einer Biblischen Theologie.
Deshalb kann man sagen: Die Bibel (einzelne Texte) erklären sich selber (in ihren Kontexten). Luther nannte diese Auslegung: Herausfinden „was Chrisuts treibet“. Also inwieweit der Text Aussagen über den Zielpunkt Christus macht. Deshalb gibt es eine Heilsgeschichte. Deshalb gibt es einen roten Faden durh die Bibel. Deshalb ist die Handschrfit eines einzigen Geistes, des Heiligen Geistes zu erkennen. Deshalb spricht dieser Heilige Geist auch heute durch die Bibel zu uns und durch uns.
LikeGefällt 1 Person
Mit einer Christus-zentrierten Auslegung kann man es allerdings auch „über-treiben“ (s. Matthäus 2,23). Die Gefahr ist groß, dass man „christliche“ Sichtweisen den jüdischen Texten aufdrängt. (Besonders jetzt nach fast 2000 Jahren „christlicher“ Geschiche.) – Kontext halt ich auch für ganz wichtig. Allerdings nicht nur den „biblischen“ Kontext, sondern den Kontext der Entstehung der Texte; und da haben wir dann leider das Problem, dass dieser Kontext uns oft weitgehend unbekannt ist.
LikeLike
Ich halte mich an Luther, freie Entscheidung auf Grundlage des Gewissens, die aber auf der Grundlage der Bibel bestätigt oder widerlegt werden muss!
Die Bibel ist durch den Heiligen Geist inspiriert und daher durchaus glaubwürdig. Sie erschließt sich jedoch nur im Glauben an den Herrn Jesus Christus und Leitung durch den heiligen Geist.
Die Bibel dem Zeitgeist zu unterstellen führt niemals zu einem guten Ausgang!
Der Zeitgeist führte zur falschen Auslegung und dadurch z. B. zur Hexenverbrennung oder zu „heiligen Kreuzzügen“!
Drum prüfe alles (anhand der Liebe Christi UND der Bibel) und behalte das Gute (frei nach Paulus)
LikeLike
Die Bibel normativ zu verwenden ist ziemlich problematisch. Die Texte waren offensichtlich eigentlich auch gar nicht dafür gedacht. Die Christenheit hat jetzt fast 2000 Jahre Zeit gehabt, alle Fragen zu klären, und mit dem Protestantismus ist die Vielfalt „christlicher“ Überzeugungen eher noch unübersichtlicher geworden. Und alle beziehen sich irgendwie auf die biblischen Texte.
LikeLike
Wie kommst du zu so einer Aussage?
Offensichtlich hat Jesus die Bibel (zumindest das AT) normativ verstanden! Hier einige Beispiele:
Was heißt das denn wenn Jesus sagt, dass die Schriften nicht aufgelöst werden können (Joh 10,35), dass kein Iota oder Strichlein vom Gesetz vergeht bis alles geschehen ist (Mt 5,17-20) und dass er sie bei der Frage nach der Scheidung auf die Einsetzung der Ehe bei Adam und Eva verweist (Mt 19,3-9). Ist „was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden“ etwa keine normative Aussage? Das Argument, dass durch die Kirchengeschichte hindurch Menschen die Texte immer wieder unterschiedlich verstanden hätten ist nicht stichhaltig. Bloß weil sich viele Menschen geirrt haben, heißt das nicht, dass die Autoren (Die Apostel bzw. Jesus selbst) diesem Irrtum zustimmen oder dass die Autoren gar nicht verstanden werden wollten. Bloß weil im Namen Jesu in der Kirchengeschichte leider viel Unrecht mit Bibeltexten begründet wurde, heißt das nicht, dass die Autoren selbst dieses Unrecht befürwortet hätten bzw. dass die Lehre der Autoren (das Evangelium) falsch oder unerkennbar ist. Hast du dir die Mühe gemacht die Quellen (das NT) selbst zu studieren? Kannst du mir aus dem NT einen Text nennen, der deine Behauptung, dass die Bibel gar nicht normativ verstanden werden will belegt?
LikeLike
Ich bin fundamentalistisch-christlich aufgewachsen und beschäftige mich schon mein ganzes Leben lang mit der Bibel. Im Moment studiere ich am TSB Gemeindegründung und -erneuerung (Theologie, Sozialraum und Innovation) und bin gerade dabei, mein biblisches Griechisch ein bisschen aufzufrischen. Das alles heißt natürlich nicht, dass ich mich nicht auch irren kann. Auch zwischen den hochqualifiziertesten Theolog*innen (zu denen ich nicht gehöre) besteht ja kein Konsens. – Lass mich dich eine Frage stellen: Kannst du mir auch nur einen einzigen Vers im NT nennen, der aussagt, dass es einmal ein heiliges Buch wie die Bibel geben wird, welches dann Grundlage fürs Christentum sein wird?
LikeLike