Lasst endlich die Kinder zu IHM kommen!

 

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Spielende Kinder, römisches Relief, 2. Jh. nach Chr.; Louvre [CC BY 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

 

Da sagte Jesus: »Lasst doch die Kinder! Hindert sie nicht, zu mir zu kommen; denn für Menschen wie sie steht Gottes neue Welt offen.« Dann legte er den Kindern segnend die Hände auf …
(Bibel, Neues Testament, Matthäus-Evangelium 19.Kapitel, Verse 14-15)

 

Ein beliebter Bibelvers. Viel wurde schon gesagt und geschrieben.

Es wird theologisch dogmatisiert und diskutiert über Kindertaufe, Kinder-Evangelisation, Religionsunterricht für Kinder, … – Das Thema geht uns aber noch viel tiefer und ganz persönlich an. Das Himmelreich beginnt bei mir: in meinem Herzen, meinem Alltag, meiner Familie, …

Eltern kennen das: Wir können uns den Mund fusselig reden … – doch Kinder machen oft nicht das, was wir sagen. Aber das Leben, das wir ihnen vorleben, bleibt in ihnen für den Rest ihres Lebens.

Eine rauchende Mutter mag ihrem Kind den guten Rat geben: „Fang bloß nicht an zu rauchen …“ – Aber Kinder scheinen sich mehr an dem zu orientieren, was wir vorleben, als an dem, was wir sagen.

Manche von uns haben viel Bibelwissen und können mitreden. Manche haben schon eine lange Geschichte als Christen und tragen mit sich viel liebgewordene christliche Tradition. Wir bringen das auch unseren Kindern bei: Glaubensbekenntnis, Katechismus, Christenlehre, Familienandachten, … – Christentum im Kopf und ein leeres Herz. In den Kirchen und Gemeinden sind wir engagiert und nett und zuhause geht die Familie den Bach runter …

 

Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer! Ihr Heuchler! Ihr versperrt anderen den Zugang zu Gottes himmlischem Reich. Denn ihr selbst geht nicht hinein, und die hineinwollen, hindert ihr auch noch daran.

(Matthäus-Evangelium 23,13)

 

Wir sind alle bedürftig. Es gibt so viel Mangel und Not …

Kinder sind klein und schwach und abhängig.

Wenn Jesus unser Leben ist, wenn ER uns lebt, dann können auch unsere Kinder zu ihm kommen. Sie werden mit hinein genommen in das göttliche Leben, das aus uns ausfließt.

 

Wer an mich glaubt, wird erfahren, was die Heilige Schrift sagt: Von seinem Inneren wird Leben spendendes Wasser ausgehen wie ein starker Strom.

(Johannes-Evangelium 7,38)

 

Heiligung. Gott macht unsere Seele gesund und „heilt all unsere Gebrechen“. Er ist der gute Hirte, der uns mit allem versorgt. Bei ihm ist kein Mangel. Wenn wir unser Altes loslassen, macht er alles neu.

Er fügt uns ein in die Gemeinschaft der Heiligen. Eine Generation aus Königen und Priestern. Wie  ein  Organismus wirken alle zusammen. Was einer nicht kann, kann der andere. Gott schenkt Befähigung, so wie es der Organismus braucht; und alle wachsen gemeinsam und zusammen der Ganzheit entgegen. Gott ist Liebe.

Christus in uns – die Hoffnung der Herrlichkeit. Immer wieder suchen wir seinen Frieden, und er wird uns geschenkt, in einer Weise, die wir nicht verstehen. Gottes Wirken erfasst uns und führt uns mit sich im Strom des Lebens.

Er macht unser Leben hell und führt uns auf einem guten Weg. Er gießt seine Liebe in unsere Herzen …

Wir sind das Licht der Welt. Unsere Kinder finden Sicherheit und Orientierung in dem Licht, das von uns ausgeht. Unsere Liebe wärmt ihre Seelen.

 

 Ich versichere euch: Wer sich Gottes Reich nicht wie ein Kind schenken lässt, der wird ganz sicher nicht hineinkommen.

(Lukas-Evangelium 18,17)

 

Lasst doch endlich die Kinder zu ihm kommen …

 

Wer gab Adam seinen Namen?

 

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Maarten van Heemskerck [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

 

Namensgebung ist eine wichtige Sache. Wird es eine Junge oder ein Mädchen? Welchen Namen gibt man dem neuen Menschen mit auf dem Weg? – Schon der antike Mensch vermutete: nomen est omen.

Namensgebung spielt auch am Anfang der Tora eine Rolle:

 

“ … Und Gott … nannte das Licht ‚Tag‘ und die Finsternis ‚Nacht‘ … die Ausdehnung ‚Himmel‘ … “

(Tora / Bibel, Bereschit / Genesis / 1. Buch Mose, 1. Kapitel)

 

Es fällt auf, dass Gott nicht allem einen Namen gibt. All die Lebewesen und auch der Mensch (hebräisch „Adam“) werden von ihm nicht benannt.

In der Erzählung vom Garten Eden heißt es, dass Gott die Feldtiere und die Vögel aus Erde schuf und zum Menschen (hebr. Adam) brachte, um zu sehen, wie der Mensch sie nennen würde. Und bei der Namensfindung für all die Tiere viel auf, dass nichts Passendes für den Menschen dabei war. Der erste Mensch selbst wurde immer noch nicht benannt, und wird auch nie einen Eigennamen bekommen. Er bleibt auf ewig einfach nur „Mensch“ (hebr. Adam).

Beim ersten Rendezvous eines Mannes und einer Frau tauchen dann zwei neue Begriffe in der Erzählung auf: Isch & Ischa (hebr.) =  Mann & Männin  =  Mann & Frau. Ein Pendant zu den Begriffen „männlich“ und „weiblich“ aus der Schöpfungserzählung im ersten Kapitel. (Beim 23. Vers ist mir nicht klar, ob der Begriff „Männin“ vom Mann kommt oder vom Erzähler. Vielleicht eine Interessante Frage für alle Hebräisch-Kundigen: Kann man hier vom hebräischen Text her mehr erkennen?)

Erst nach der Verführung zum Bösen durch die Schlange (bzw. durch seine Frau) gibt der Mann seiner Frau eindeutig einen Namen – so wie er vorher den Tieren einen Namen gegeben hatte. Er nennt sie „Chawwa“ (woraus das deutsche „Eva“ wurde) = „die Leben Schenkende“.

 

Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde wirst, davon du genommen bist. Denn Staub bist du und zum Staub kehrst du zurück.
Und Adam nannte seine Frau Eva; denn sie wurde die Mutter aller, die da leben.
(Kapitel 3,19-20)

 

Beim Lesen der Bibel erkennt man leicht die hohe Qualität der Erzählungen. Es wird nicht viel herumgeschwafelt und so manche Assoziation schwingt nur unausgesprochen mit.

In der Erzählung vom sogenannten „Sündenfall“ wird der Acker von Gott verflucht und der rebellische Mann von Gott in den Staub gedrückt. Unmittelbar danach verpasst er seiner Frau – so wie er vorher den Tieren – einen Namen. Der Vorgesetzte benennt die Untergebene.

Während der Mann auf dem Acker schuften muss, bleibt die Frau „die Leben Schenkende“. – Lässt der Mann hier seinen Frust an seiner Frau aus? Namensgebung als Zeichen der Herrschaft und Unterdrückung?

Den ersten Mann benannte „zu seinen Lebzeiten“ niemand. Erst im Zuge späterer Überlieferung wurde „Adam“ zum Eigennamen für ihn. Gleichzeitig blieb „Adam“ aber auch im Hebräischen die Bezeichnung für alle Menschen: „Mensch“.

 

Um Gottes und der Menschen willen: Stürzt doch endlich das Bibel-Dogma vom Sockel!

 

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Altarbibel auf einem lutherischen Altar; von Leon Brooks [Public domain], via Wikimedia Commons

 

[ Dies ist die Überarbeitung eines meiner älteren Artikel, der mit Abstand die heftigsten Reaktionen hervorgerufen hat. Hier findet ihr den älteren Artikel. ]

Dies ist kein Artikel gegen die Bibel. (Ich bin bekennender Bibel-Fan.) Es  ist  allerdings ein Artikel gegen einen schlechten Umgang mit ihr. Und es ist ein Artikel für einen wahrhaft christlichen Glauben im Sinne Jesu. – Es gibt etwas Besseres als Biblizismus: Evangelium! Es gibt eine gute Nachricht.

Die nicht ausreichend geklärte Frage unseres Umgangs mit der Bibel, ist eines der größten Probleme des Christentums. Wir haben einen Hunderte von Jahren alten Bibel-Mythos, der wie ein gewaltiger Klotz am Bein des wunderbaren Evangeliums ist. Es ist mehr als überfällig, dass das Dogma der Unfehlbarkeit der Bibel von seinem Sockel gestoßen wird, um zu einem Glauben im Sinne Jesu und der ersten Christen zurückzukehren. (Wenn all die Frommen der Jahrhunderte Jesus und die biblischen Texte ernster genommen hätten, wäre es nie zu diesem Dogma gekommen.)

 

Wehe euch Schriftgelehrten! Denn ihr beladet die Menschen mit unerträglichen Lasten …

Weh euch, … die ihr das Himmelreich zuschließt vor den Menschen! Ihr geht nicht hinein und die hinein wollen, lasst ihr nicht hineingehen.  … Weh euch, ihr verblendeten Führer …

(Jesus von Nazareth; Bibel, Neues Testament, Lukas-Evangelium 11. Kapitel, Vers 46 und Matthäus 23,13-16)

 

Nehmt doch endlich das Joch eurer Bibel-Verehrung von den Schultern so vieler Gläubiger! Jesus hat keinen heiligen Text aufgeschrieben und auch zu Pfingsten kam keine neue Tora vom Himmel. Es war gerade der normative Charakter heiliger Schriften, der in der frühen Christenheit zur Diskussion Stand. Um Gottes und der Menschen willen müssen wir DEUTLICH widersprechen:

Die Bibel ist NICHT das Wort Gottes !!!

Ich sage dies nicht, weil ich GEGEN die biblischen Texte bin, sondern FÜR sie! Und für die MENSCHEN, die sie lesen.

Wer es nicht glauben will, soll doch einfach selbst mal in seiner Bibel nachschauen:

Lukas, zum Beispiel. Behauptet der Verfasser des Lukas-Evangelium an irgendeiner Stelle, dass seine Worte die Worte Gottes wären oder dass er sie von Gott empfangen hätte? Gibt es irgendeinen anderen Vers in der Bibel, der  behauptet, dass das Lukas-Evangelium Gottes Worte sind? Wann hat überhaupt in der Kirchengeschichte sich zum ersten Mal jemand angemaßt zu behaupten, dass dies Evangelium Wort Gottes ist? Und warum?

Die biblischen Texte wurden im Glauben überliefert, dass sie Zeugnisse des Wirken Gottes sind. Dadurch werden sie aber nicht zu vollkommenen Worten Gottes für den modernen Leser. Nehmt doch die Texte selbst ernst, anstatt einfach eure liebgewonnenen Ideen in die Texte hineinzulesen! Und all dies auch noch unter dem Deckmantel von Frömmigkeit und mit dem Anspruch auf Wahrheit!!!

Ich glaube auch, dass Gott spricht. Ich glaube auch, dass er durch einen biblischen Text zu einem Menschen sprechen kann. Dies ist dann aber eine persönliche, subjektive religiöse Erfahrung und sollte auch als solche behandelt werden.

Auch Theologen, die Fundamentalismus ablehnen, sind in ihrem Gebrauch der biblischen Texte und in ihrem Reden über die Bibel nicht immer „sauber“. (Mich eingeschlossen.) Wir, die „Wissenden“, tragen aber Verantwortung dafür, wie wir die Bibel darstellen und welche Erwartungen an diese Texte wir erzeugen.

Wie wäre es, wenn wir endlich einmal eine Bibelausgabe hätten, wo nicht „Bibel“ oder sogar „Heilige Schrift“ drauf steht, sondern „Sammlung der grundlegenden Schriften des Christentums“? Das Wort „Bibel“ allein suggeriert schon eine Homogenität des Buches, die nicht gegeben ist. (Wer weiß schon, dass das Wort „Bibel“ eigentlich ein Plural ist?)

Denen, die sich schon freuen, dass sie jetzt vielleicht auch als Christen endlich machen dürfen, was Spaß macht, sei gesagt:  Ihr durftet schon immer machen, was Spaß macht; es ist nur nicht alles gut!  😉

 

Alles ist mir erlaubt – aber nicht alles nützt mir. Alles ist mir erlaubt – aber nichts soll Macht haben über mich.

Alles ist erlaubt – aber nicht alles nützt. Alles ist erlaubt – aber nicht alles baut auf.

(Paulus‘ erster Brief an die Gemeinde in Korinth; 6,12 und 10,23)

 

Das Bibel-Dogma aufzugeben, bedeutet überhaupt nicht, dass christlicher Glaube dadurch beliebig würde, es keine Orientierung mehr gäbe oder die Nachfolge Jesu weniger verbindlich wäre. Aber so vielfältig wie Kulturen und Menschen und das Leben selbst, so vielfältig müssen auch unsere Antworten sein. – Und wer sagt überhaupt, dass ich selbst die richtige Antwort für einen anderen Menschen haben muss?

Haben wir Angst vor der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes?

 

Alle, die sich von Gottes Geist regieren lassen, sind Kinder Gottes. Denn der Geist Gottes, den ihr empfangen habt, führt euch nicht in eine neue Sklaverei, in der ihr wieder Angst haben müsstet. Er hat euch vielmehr zu Gottes Söhnen und Töchtern gemacht. Jetzt können wir zu Gott kommen und zu ihm sagen: »Abba, lieber Vater!
(Paulus‘ Brief an die Gemeinde in Rom; 8,14-15)

 

motiviert und voller energie

 

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Judäische Wüste; Foto von Yuvalr [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, from Wikimedia Commons

 

Er ist ein außergewöhnliches Kind. Seine Mama hat das schon immer gewusst. Auch Nachbarn und Bekannte machen immer wieder Andeutungen: „Aus dir wird noch mal was ganz Besonderes!“

Doch nichts passiert.

Er wächst auf wie die anderen Jungs in seinem Kaff, irgendwo auf dem Land, weit ab von der Metropole, wo das Leben spielt. Im Schoß seiner Familie wächst er heran, und wird ein Mann.

Eines Tages hört er, wie Leute erzählen, dass im Süden jemand angefangen hat zu predigen, und dass alle Leute zu diesem Prediger rennen. In der Nähe Jerusalems, auf der östlichen Seite des Jordans, hört man die Worte:

 

„Wenn ihr nicht ändert, wie ihr lebt, kommt es zur Katastrophe! Hört endlich auf, das Falsche zu machen und tut das Richtige!“

 

Da verlässt er sein Dorf und seine Familie, und macht sich auf den Weg.

Schon von Weitem sieht er die große Menschenmenge und hört die kräftige Stimme des Predigers. Einige Menschen gehen ins Wasser des Jordan hinein und lassen sich dort untertauchen, um zu zeigen, dass sie entschlossen sind, einen neuen Anfang zu machen. Und auch er steigt hinein in den Jordan und lässt sich untertauchen.

Für einen Augenblick ist er begraben im kalten Wasser. Dann richtet er sich auf. Das Wasser tropft von ihm herab, und er reibt es sich aus den Augen.

Als er die Augen öffnet, erblickt er eine Erscheinung, wie eine Taube, die vom Himmel auf ihn herabkommt, und er hört eine neue Stimme, die vom Himmel kommt:

 

„Du bist  mein  Kind! Ich freu‘ mich so über dich.“

 

Langsam steigt er wieder aus dem Wasser heraus und bahnt sich einen Weg durch die Menschenmenge. Er will allein sein. Es zieht ihn in die Einsamkeit …

Wüste. Nur Himmel über ihm. Nachts leuchten die Sterne.

Sein Name ist übrigens „Jeschu;“ eine Kurzform des beliebten alten hebräischen Namens „Jehoschua.“ – Ein berühmter Mann mit demselben Namen hatte einmal vor langer, langer Zeit das Volk Gottes in das gelobte Land geführt.

Ob der Name wohl eine Bedeutung hat? „Gott ist großzügig“? „Gott rettet“?

Jeschu isst nichts, während er in der Wüste wartet. Und nachdem viele Tage vergangen sind, ist er schwach, und es quält ihn der Hunger.

Nun begegnet er dem Bösen …

„Na, mach doch Brot aus diesem Stein hier! Du Ebenbild Gottes! Als Kind Gottes müsstest du das doch eigentlich können, oder?“

Doch Jeschu antwortet nur:

 

„Um wirklich zu leben, braucht man mehr als Essen.“

 

Eine Weile vergeht.

Ein Abgrund tut sich vor ihm auf. – Heißt es nicht in der Heiligen Schrift: „Er wird Engel schicken, um mich zu retten?“

„Alles loslassen, mich einfach fallen und Gott machen lassen …“

 

„Nein! Es ist nicht gut, Gott herauszufordern. Ich kann Gottes Eingreifen nicht erzwingen …“

 

Wieder vergeht eine Weile.

Immer noch hat Jeschu nichts gegessen; und erneut tritt der Böse an ihn heran:

„Ich habe mehr als du brauchst. Mir ist Alles in dieser Welt  GEGEBEN WORDEN.  Mir gehören alle Mächtigen, alles Geld, aller Reichtum, …

Du brauchst das bloß anzuerkennen, und die Welt wird dir zu Füßen liegen. Ich werde dir  alles  geben, wenn du dich endlich vor mir beugst.“

Da öffnet Jeschu seinen Mund und spricht langsam die Worte:

 

„Hau ab, du Teufel! – Ich weiß nur eins: Gott regiert!“

 

Und der Spuk ist vorbei. Die Engel Gottes kommen zu ihm, herab vom Himmel, und versorgen ihn mit allem, was er braucht.

Vollmacht.

Befähigt, und erfüllt mit der Kraft Gottes, wendet er sich nach Norden. Er lässt die Wüste hinter sich. Auch den Mittelpunkt seines Volkes, Jerusalem, Tempel, Priester und König, die Reichen und Mächtigen lässt er hinter sich und geht zu seinen Leuten aufs Land – zu den einfachen Menschen.

Er trifft die Menschen in den Synagogen und auf den Marktplätzen und spricht mit ihnen. Er sagt:

 

„Das Himmelreich ist schon da! Hier, und jetzt. Es ist schon mitten unter euch. – Es ist in euch.“

 

Und all die kaputten Menschen kommen zu ihm …

und werden heil.

 

(Die Bibel, Neues Testament; Matthäus-Evangelium, Kapitel 1-4)

 

Man nannte ihn „Jochanan“

 

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By Hansueli Krapf This file was uploaded with Commonist. [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

 

Langes Warten auf das Eingreifen Gottes. Die Lage im Land spitzt sich zu. Sehnsucht nach Freiheit, und nach der Herrschaft Gottes. Die Zeit ist reif …

Man hatte ihn Jochanan genannt – „Gott ist gnädig.“ Eigentlich wollte man ihm einen Namen gemäß der Familientradition geben, aber sein Vater hatte geschrieben: Er soll „Jochanan“ heißen!

Später zog er sich zurück in die Wüste.

Wüste. Einsamkeit. Nur der Himmel über ihm.

Ort der Vorbereitung – Ort der Klärung.

Wie hatte wohl sein Leben bis zu diesem Zeitpunkt ausgesehen?

Wir haben keine Ahnung. Er selbst hat keine Memoiren zurückgelassen, und es wurden auch keine Biografien über ihn geschrieben.

Der kleinbürgerliche Lebensweg im Schoß der Familie war für ihn nicht in Frage gekommen. – So darf es in unserer Heimat doch nicht weitergehn!

Heuschrecken und Honig. -Seine heiligen Texte erzählen von einem anderen Mann vor langer Zeit, der auch schon in auffälliger Kleidung herumgelaufen war …

Die Lage in der römischen Provinz am Rande des Imperiums ist angespannt. Da ertönt die einsame Stimme eines Rufenden in der Wüste:

 

„Es fehlt nur noch ein Augenblick! Die Axt liegt schon am Fuß des Baumes an. Gleich holt ER aus und dann …

Fangt bei euch selbst, in eurem eigenen Leben an! Ändert euer Leben, solange ihr es noch könnt …“

(Die Bibel, Neues Testament, Matthäus-Evangelium, 3. Kapitel, Markus 1, Lukas 3, Johannes 1)

 

Und sie kamen. Viele Menschen aus der Großstadt gingen hinaus in die Einöde zu dem Rufer in der Wüste. Sie hatten Hoffnung geschöpft … – Sie waren bereit einen neuen Anfang zu machen.

Aber nicht alle waren begeistert. Seine Autorität wurde in Frage gestellt. – „Was bildet dieser Mann sich überhaupt ein?“  „Was denkst du, wer du bist?“

Er antwortete: „Ich bin eine Stimme, die in der Wüste ruft: Ebnet den Weg für den Herrn!“

Und dann trat ein Mann auf, aus einem Kaff in Galiläa; und der Himmel tat sich auf …

 

Das Himmelreich ist schon da. Hier, und jetzt!

Es ist mitten unter euch,

und es ist in euch.

(Lukas-Evangelium 17,20)

 

 

 

Transformierte Bibel

 

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Fruchttaube, Foto von Lip Kee Yap [CC BY-SA 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)%5D, via Wikimedia Commons

 

„Transformation“ ist ein populärer Begriff geworden. Man spricht z.B. von der Transformation gesellschaftlicher Verhältnisse. Auch religiöse Vorstellungen und Praktiken können transformiert werden, und für die Zukunft der Menschheit ist dies von großer Bedeutung.

Transformation bedeutet nicht, dass man sich Utopien ausdenkt, sondern dass man bei den bestehenden Verhältnissen ansetzt und Veränderung entstehen lässt.

 

Wie kommt es, dass du den Splitter im Auge deines Bruders siehst, aber den Balken in deinem eigenen Auge nicht bemerkst?

(Die Bibel, Neues Testament, Matthäus-Evangelium 7. Kapitel, Vers 3)

 

Für eine Verbesserung des real-existierenden Christentums sollten wir bei uns selbst beginnen. Eine bessere Christenheit entsteht durch bessere Christen.

Dazu brauchen wir auch ein besseres Verständnis und einen besseren Umgang mit den biblischen Texten. Wir brauchen eine Transformation unserer Bibel-Idee; denn die biblischen Texte sind fürs Christentum fundamental.

 

„Transformierte Bibel“

Dieser Titel ist so schwammig, wie der Begriff „Bibel“. Denn die „Original-Bibel“, geschrieben von antiken Propheten und Aposteln, gibt es ja gar nicht. Was wir haben, ist ein Korpus aus antiken Handschriften, durch deren Vergleich Bibelwissenschaftler versuchen ein mögliches Original zu rekonstruieren. Wir haben da bei den biblischen Texten in Prinzip dieselbe Situation wie bei fast allen anderen antiken Texten, wo die Originale nicht mehr vorhanden sind.

Die  Idee  von der Bibel, als von einem vollkommenen, göttlichen Buch, stimmt nicht mit der Wirklichkeit überein. Alle Bibelausgaben, die es gibt, – auch die Altar-Bibeln – sind keine vollkommenen, göttlichen Bücher, sondern immer menschliche Rekonstruktions- und Übersetzungsversuche, bei denen immer auch die Erkenntnis und Interpretation der Bibelwissenschaftler mit einfließt.

Alle Bibeln sind menschliche Produkte. In aller Unvollkommenheit sind sie allerdings auch Zeugnisse antiker jüdischer Frömmigkeit und urchristlichen Glaubens; und als solche Zeugnisse sind sie für uns von unschätzbarem Wert. Es ist eine Frage von Wahrhaftigkeit und von gesunder Spiritualität, dass wir Bibelausgaben so gestalten, dass transparent ist, was sie wirklich sind.

 

„transformiert“

Es geht nicht darum, die Texte zu verändern oder die biblischen Inhalte so zu verbiegen, dass moderne Übersetzungen besser in unsere heutige Zeit passen, sondern es geht darum, unsere  Idee  von „Bibel“ zu verbessern und sorgfältiger in unserem Sprachgebrauch („biblisch“, „unbiblisch“) und in unserem Umgang mit diesen Texten zu sein. Die Wirkungsgeschichte biblischer Texte ist nicht nur ein Ruhmesblatt des Christentums.

Bei der Transformation der Bibel-Idee ist es wichtig, bei all dem Guten anzuknüpfen, das diese Texte in der Geschichte der Christenheit und der Menschheit bewirkt haben, und die große Bedeutung zu respektieren, die diese Texte für Millionen von Menschen haben. Bibelworte sind manchmal der Strohhalm, der einen Menschen vorm Untergehen bewahrt …

 

Das geknickte Schilfrohr wird er nicht abbrechen und den glimmenden Docht nicht auslöschen …

(Matthäus-Evangelium 12,20)

 

Transformation bedeutet nicht, jetzt alles anders zu machen und mit der Vergangenheit zu brechen, sondern es geht darum, Wertvolles zu bewahren, Schädliches abzulegen und unbrauchbaren Ballast loszulassen.

 

Sie sollen endlich mit diesem sinnlosen Nachforschen in Legenden und Abstammungsverzeichnissen aufhören; das führt zu nichts als zu nutzlosem Gerede und Streit. Es lenkt uns ab von der Aufgabe, die Gott uns gegeben hat und die wir im Glauben ausführen.
Die Unterweisung in der Lehre unseres Glaubens hat nur das eine Ziel: die Liebe, die aus einem reinen Herzen, einem guten Gewissen und einem aufrichtigen Glauben kommt. Doch es gibt Leute, die sich darüber hinwegsetzen und sich lieber mit nutzlosem Geschwätz abgeben.
(Paulus‘ erster Brief an Timotheus, 1,4-6)

 

Vom heiligen Buch zum Buch des Lebens

Bibeln sind menschliche Bücher. Von Menschen hergestellt, übersetzt, rekonstruiert, überliefert, abgeschrieben und ursprünglich auch einmal verfasst. Und sie erzählen von Menschen. Von Heiligen und Unheiligen, von Höhen und Tiefen. Und von Jesus aus Nazareth.

 

 In ihm war das Leben, und dieses Leben war das Licht für alle Menschen.

(Johannes-Evangelium 1,4)

 

Menschen, die vom heiligen Geist des Lebens berührt worden sind, erkennen ihn auch in den Seiten der Bibel. Geisterfüllte Spiritualität führt auch zu einem gesunden Umgang mit den biblischen Texten. Im Dialog mit den Texten lernen wir, besser zu verstehen, worum es in der jüdisch-christlichen Überlieferung geht, wer Jesus war und was das Evangelium ist, und wer wir selber sind.

 

Was ist da schon der Mensch, dass du an ihn denkst?
Wie klein und unbedeutend ist er,
und doch kümmerst du dich um ihn.
Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als die Engel,
ja, mit Ruhm und Ehre hast du ihn gekrönt.
Du hast ihm den Auftrag gegeben, über deine Geschöpfe zu herrschen.
Alles hast du ihm zu Füßen gelegt …
(Psalm 8,5-7)
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Viele Christen sind schon in den Startlöchern, bereit Altes loszulassen und sich von Gottes Geist in seine gute, neue Zukunft tragen zu lassen …
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Worthaus | Unsere Geschichte

 

Es lohnt sich, übrigens, auch mal auf der Worthaus-Webseite herumzulesen. Gut (bzw. sehr gut) sind nämlich nicht nur die Vorträge, sondern auch das gesamte Konzept. – Da haben sich ein paar Leute mal richtig Gedanken gemacht …  😉

Die Geschichte von „Worthaus“