Angeli44 (Seniorenportal) | Eugen Drewermann

 

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Eugen Drewermann; von M. Beier Mabim2002 (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons

Eugen Drewermann. Nicht nur für Senioren.

Eugen Drewermann

 

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Glaube als Konsumartikel?

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By collection by User:jobas (self-made from Other photos) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

Auch Christen sind Konsumenten. Und da fragt man sich dann halt so, als Otto-Normalchrist, was das Christentum so im Angebot hat.

Das Sortiment ist leider etwas unübersichtlich. Auch steht außen leider nicht immer auch das drauf, was innen drin ist. Mogelpackungen sind leider keine Seltenheit. (Und das auch noch im Namen Gottes!) Auch der Preis stimmt nicht immer. Manches wird als kostenlos angepriesen, was dann am Ende ziemlich teuer wird. Versteckte Kosten. Qualitätsstandards sind auch noch ein Thema für sich. Oder gesetzliche Regulierung.

Da gibt es die richtig alten Kirchen. Römisch-katholisch oder orthodox? Optisch oft sehr beeindruckend, und mit dem Staub von Jahrhunderten.

Oder vielleicht etwas Protestantisches für die, die etwas moderner und aufgeklärter sein wollen? Leider ist im protestantischen Segment die Vielfalt so unübersichtlich, dass es kaum möglich ist, eine allgemeine Bewertung oder Empfehlung abzugeben. Interessierten dürfte es da schwer fallen, eine Entscheidung zu treffen, und fast täglich kommen neue Produkte dazu.

Wie wär’s mit etwas Mystischem oder Charismatischem? Diese Artikel sind leider manchmal etwas schwer zu finden, da diese Marke noch nicht fest etabliert ist, und der Markt sich noch nicht so richtig konsolidiert hat.

Ganz aktuell gibt es jetzt auch Anbetung im Stil von Rockkonzerten für die jungen Menschen von heute. Die Qualität kann leider nicht immer mit weltlichen Konzerten mithalten, aber es soll uns schließlich keiner vorwerfen können, unser Sortiment wäre veraltet und wir gingen nicht mit der Mode.

Bio-Produkte selbstverständlich. Viele Kirchengemeinden haben Umweltprojekte, die auf der Webseite schnell zu finden sind.

Es gibt natürlich auch Spezialprodukte für Sondergruppen, wie ethnische Kirchengemeinden oder Gruppen für Menschen mit speziellen Problemen. Da ist das Angebot dann auch oft recht übersichtlich, wenn man weiß, wo man suchen muss.

Auch Regionales ist im Angebot. Christliche Gruppen, die sich besonders für ihre Nachbarschaft einsetzen und dort präsent sind.

Rundum-sorglos-Pakete findet man natürlich auch, von Gemeinden, die größer und finanziell etwas besser gestellt sind. Mit professioneller Kinderbetreuung, eigenen Seelsorgern und Sozialarbeitern. Spezielle Kleingruppen für alle Altersklassen und Selbsthilfegruppen für alle Probleme, die so anfallen. Gruppengefühl und praktische Hilfe fürs Diesseits und den Freifahrtschein fürs Jenseits.

Was darf’s denn sein?

Und hätten Sie gerne die Standard-Mitgliedschaft oder darf’s auch ein bisschen mehr sein? Wollen Sie vielleicht sogar Miteigentümer als Genossenschaftsmitglied werden? Oder stehen Sie mehr auf Aktien mit Dividenden? Warum sollte man von seiner Frömmigkeit nicht auch ein bisschen profitieren?

Die Anzahl der Menschen, die sich für Religion interessieren, ist begrenzt. Manchmal hat man den Eindruck, dass das Angebot größer ist als die Nachfrage. Das führt natürlich zu verschärftem Konkurrenzkampf. Da braucht man Kundenbindungsprogramme, um seine Schäfchen an sich zu binden, und gleichzeitig eine aggressivere Werbung nach außen. Deutliche Abgrenzung von Mitbewerbern durch ein geschärftes eigenes Profil.

Was war nochmal das Wesentliche am Christentum?

Christlicher Glaube ist KEIN Konsumartikel. Und christliche Gruppen, die den Glauben so präsentieren, sind schon auf die schiefe Bahn geraten. Wenn Christentum kein gesellschaftliches Korrektiv mehr ist, hat es seine Existenzberechtigung verloren. Das Himmelreich muss eine erkennbare Alternative zur Welt sein. Licht in der Dunkelheit. Keine künstlichen, selbstgemachten Leuchten aus grellen, blinkenden Neon-Schriftzügen, sondern Licht von Gott, das scheint durch Menschen, die ihm gehören.

Ich hatte schon oft eine Diskussion über christliche Vielfalt mit meiner Mutter. Sie findet es ganz toll, dass es so viele verschiedene Konfessionen und Gemeinschaften gibt, weil dann jeder etwas Passendes für sich findet. Ich halte dagegen, dass Vielfalt nichts bringt, wenn sie nicht für den Einzelnen in seiner Glaubensgemeinschaft erlebbar ist. Ich kann von den Ansichten, Traditionen und Erfahrungen eines anderen Christen nur etwas lernen, wenn ich sie kennenlerne. Solange all die Frommen zusammenklucken, die einer Meinung sind, schmoren sie nur im eigenen Saft.

Auch für Menschen, die auf der Suche sind, wirkt das unüberschaubare Angebot und die Streitereien zwischen Christen wohl eher abschreckend. Wäre es nicht viel besser, wenn Menschen sehen könnten, wie herzlich lieb wir Christen einander haben, und wie wir in einer Nachbarschaft gemeinsam unseren Glauben leben trotz ernsthafter Meinungsunterschiede? Würde nicht gerade die Einheit in der Vielfalt auch mit Schwierigkeiten deutlich machen, worauf es eigentlich ankommt?

Was eigentlich besagt das Christentum?

Hier dazu mehr:  http://www.patmos.de/wendepunkte-p-8508.html

WENDEPUNKTE – Was eigentlich besagt das Christentum?

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Das Kreuz und der Fisch sind zwei der bekanntesten Symbole für Jesus Christus. Die Buchstaben des griechischen Wortes ΙΧΘΥΣ Ichthýs (Fisch) bilden als Akrostichon das Glaubensbekenntnis Jesus Christus, Sohn Gottes, Erlöser. Bleiglasfenster von Wilhelm Schmitz-Steinkrüger in der Kirche St. Johannes Baptist (Nideggen), um 1952, by Reinhardhauke (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

Der Titel stammt nicht von mir, sondern ist der Titel eines der letzten Bücher von Eugen Drewermann. Meiner Meinung nach, einer der klügsten Köpfe unserer Zeit. (Ich bin bekennender „Drewermann-Fan“.  😉  )

Ich hab den Vortrag, den er zu diesem Buch hier in Berlin an der Urania gehalten hat, schon gehört und hab‘ (nachdem ich kurz in das Inhaltsverzeichnis geschaut hab‘) mir heute das Buch dazu bestellt. Gebraucht und online. (Internet ist toll.  🙂  )

Das Christentum spricht natürlich nicht mit einer Stimme. Dennoch gibt es Ideen, die unter Christen weit verbreitet sind und in der Kirchengeschichte eine wichtige Rolle gespielt haben. Und viele dieser Ideen kommen von Bibeltexten oder haben zumindest mit ihnen zu tun.

Bin schon ganz gespannt auf das Buch. (Weitere Infos, wenn ich Zeit gefunden habe, das Buch zu lesen.  😉  )