Vom Tag des Möhreneintopfs

 

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Daucus glochidiatus, eine Möhrenart (daucus = Möhre); Foto von Mark Marathon, via Wikimedia Commons – CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)

 

Frau und Herr Feldmann saßen am Abendbrottisch. Während Frau Feldmann ihre Stulle schmierte, fragte sie ihren Mann:

„Schatz, was gibt es denn morgen zum Mittag?“

Herr Feldmann: „Möhreneintopf!“

Frau Feldmann: „Ach,… Möhreneintopf mag ich eigentlich nicht besonders. Hast du die Zutaten schon gekauft?“

Herr Feldmann: „Nein, ich besorge sie morgen Vormittag.“

Frau Feldmann: „Können wir dann nicht etwas anderes essen?“

Herr Feldmann: „Nein. Wir essen morgen Möhreneintopf.“

Frau Feldmann: „Aber warum müssen wir denn morgen unbedingt Möhreneintopf essen?“

Herr Feldmann: „Ich möchte morgen gerne Möhreneintopf essen.“

Frau Feldmann: „Können wir nicht etwas essen, das wir beide morgen gerne essen würden?“

Herr Feldmann: „Nein. Wir werden morgen Möhreneintopf essen.“

Frau Feldmann: „Das verstehe ich jetzt nicht. Warum ist es denn so wichtig, dass wir morgen Möhreneintopf essen?“

Herr Feldmann: „Darüber möchte ich nicht sprechen.“

All dies geschah am Vorabend des 6. März. Am nächsten Tag aßen Frau und Herr Feldmann Möhreneintopf, und der Tag ging als Tag des Möhreneintopfs in die Familiengeschichte ein. – Warum auch immer…

[P.S.  Ich kenne kein Ehepaar Feldmann. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind ganz bestimmt nur Zufall.]


Ist dies eine gute Geschichte? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum nicht? Was für Gefühle werden beim Lesen bei euch wach?


 

Der hässlichste Mensch der Welt

 

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Eine „Freak Show“ in Rutland, Vermont, 1941; von Jack Delano, für das „Office of War Information“, via Wikimedia Commons – Public domain

 

Es war einmal…

… der hässlichste Mensch der Welt.

Da er nicht länger der hässlichste Mensch der Welt sein wollte, nahm er sich das Leben.

Nun war der zweithässlichste Mensch plötzlich zum hässlichsten Menschen der Welt geworden. Auch er wollte nicht der hässlichste Mensch der Welt sein und nahm sich das Leben.

So ging es weiter…

… bis eines Tages der allerschönste Mensch der Welt plötzlich zum gleichzeitig hässlichsten Menschen der Welt wurde, da er nun der einzige Mensch war, der von allen noch übrig geblieben war. Und kein anderer Mensch war mehr da, um zu sagen, dass er hässlich sei, oder, um seine Schönheit zu bewundern.

 

„Er schoss auf vor ihm wie ein Reis und wie eine Wurzel aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt und Hoheit. Wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte.

Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet.

Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.

Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der HERR warf unser aller Sünde auf ihn…

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(Tanach / Bibel / Altes Testament, Jesaja, 53. Kapitel, Verse 2-6)

 

Sandra Hauser | Spirituelle Misshandlung

 

Sandra Hauser schreibt auf ihrem Blog „Integrales Christsein“ über

spirituelle Misshandlung.

 

Gastfreundschaft

 

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Philemon und Baucis bewirten Jupiter und Merkur. Gemälde von Adam Elsheimer, via Wikimedia Commons – Public domain

 

Die langen Finger der Dunkelheit
greifen nach Büschen und Hügeln.
Bald sind Häuser und Bäume eingehüllt
in den Mantel der Nacht.
Kalter Wind erfüllt die Weite.

Mond und Sterne bleiben verborgen.
Menschen spenden das letzte Licht.
Insekten schwirren um einsame Laternen,
und die Fenster der Häuser leuchten
von Ferne wie Sterne.

Ich klopfe an eine Tür.
Nach einem kurzen Moment
öffnet sie sich schwungvoll.
Wärme und der Duft von frischem Essen
begrüßen mich herzlich…

 

Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt!

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(Hebräerbrief 13. Kapitel, Vers 2 – Bibel, Neues Testament)

 

Heimat

Am Anfang formte Gott die Erde. Er machte sie rund und schön. Er schuf Samen und warf ihn in den Wind. Und bald umhüllte ein schillernder grüner Mantel das Angesicht der Erde.

Dann formte er Fische und warf sie ins Meer, und sprach:

„Macht euch ein Zuhause!“

Und die Fische schwammen zu den Korallenriffen und in die Abgründe des Meeres und machten sich ein Zuhause in den Weiten der Ozeane.

Dann formte Gott die Vögel und warf sie in den Himmel, und sprach:

„Macht euch ein Zuhause!“

Und die Vögel breiteten ihre Schwingen aus und flogen über die Meere und flatterten auf die Berge, und bauten sich Nester in den Wipfel der Bäume und hoch auf den Gipfeln der Berge.

Dann formte Gott große Tiere mit Hufen und schickte sie in die Weite der Steppe, und sprach:

„Macht euch ein Zuhause!“

Und die großen Tiere stampften los, durchzogen die Steppe und machten sich ein Zuhause auf den Wiesen und in den Wäldern der Welt.

Dann formte Gott den Menschen und hauchte seinen Atem in dessen Nase. Da öffnete der Mensch seine Augen und blickte in das gütige Gesicht Gottes. Da lachte Gott, stellte den Menschen auf seine Füße und gab ihm einen Klaps auf seinen Po, und sprach:

„Mach dir ein Zuhause!“

Und der Mensch lief los und schwamm über die Meere der Erde und sah die Wale und Seeungeheuer. Und er lief durch die Steppen und die Wiesen und Wälder der Erde und sah Rinder und Rehe. Er kletterte sogar hoch auf die Berge und fand die Nester der Adler.

Da bemerkte der Mensch, dass er müde geworden war und schloss die Augen. Und als er sie wieder öffnete, machte er sich auf den Weg zurück zu Gott.

Und Gott sprach zum Menschen:

„Warum bist du wieder zurückgekommen?“

Da sprach der Mensch:

„Ich schwamm über alle Meere deiner Erde und sah all die Meerestiere, die du geschaffen hast. Und ich lief durch alle Landschaften deiner Welt und sah all die Landtiere, die du geschaffen hast. Und ich stieg sogar hinauf auf die Gipfel der Berge und fand die Nester der Adler. Dann merkte ich, dass ich müde geworden war und schloss die Augen. Und in meinem Geist sah ich dein Lächeln und hörte deine sanfte Stimme…“

Mirra Alfassa, Stadtgründerin

 

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Mirra Alfassa – Foto von Henri Cartier Bresson (via Wikimedia Commons) – Public domain

 

Ich interessiere mich für Mirra Alfassa, weil sie gemacht hat, was ich selbst gerne machen würde. Sie ist keine typische Sozialunternehmerin. Sie hat nicht ein einzelnes Unternehmen gegründet, sondern eine ganze Stadt.

 

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Modell des Stadtkerns von Auroville – Foto von IM3847 (via Wikimedia Commons) – CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)

 

Warum Auroville?

Meine letzte Stelle als Gemeindepädagoge war bei der ev. Vaterunser-Kirchengemeinde in Berlin-Wilmersdorf. Dort hielt eine Frau einen Vortrag über ihre Reise nach Auroville. Der Name „Auroville“ fiel mir auf, da ich durch den vorletzten Kirchentag auf die Integrale Bewegung und Integrales Christentum gestoßen war. Sri Aurobindo ist eine der vielen Quellen der Integralen Theorie, und er kann auch als „Vater“ von Auroville gesehen werden.

 

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Sri Aurobindo (via Wikimedia Commons) – Public domain

 

Sri Aurobindo Ghose

Aurobindo wird manchmal als Philosoph bezeichnet. Er selbst verstand sich allerdings als Politiker und Poet. Noch vor Gandhi war er ein indischer Revolutionär und saß ein Jahr in britischer Untersuchungshaft in einer Einzelzelle, wurde dann allerdings frei gesprochen. Im Jahr vor seiner Inhaftierung praktizierte er bereits Yoga. Dies und folgende spirituelle Erfahrungen während der Haft wurden grundlegend für sein späteres Wirken.

 

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Mirra Alfassa als Kind, ca. 1885 (via Wikimedia Commons) – Public domain

 

Mirra Alfassa

Mirra Alfassa wurde 1878 in eine wohlhabende Familie jüdischer Abstammung geboren – ein türkisch-persischer Vater und eine ägyptische Mutter. Die Eltern waren kurz zuvor in Frankreich immigriert.

Schon als Kind hat Mirra Alfassa mystische Erfahrungen. Sie hatte auch Berührungen mit anderen Mystikern und war später dann der erste Mensch aus dem Westen der in Indien als Guru verehrt wurde.

1914 traf sie Sri Aurobindo und zog dann 1920 nach Indien. Dort leitete sie bald den Aschram, der sich um Aurobindo gebildet hatte. Der Aschram existiert immer noch, hat mittlerweile ca. 1500 Mitglieder, betreibt eine Schule und hat internationale Aktivitäten – u.a. auch in Berlin.

 

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Auroville Beach, ca. 12 km östlich von Auroville am Golf von Bengalen (Indischer Ozean) – Foto von Karthikragu 19 (via Wikimedia Commons) – CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)

 

Auroville – Die grüne Stadt der Zukunft

Auroville, „The City of Dawn“. – Der Name „Auroville“ bedeutet „Stadt der Morgendämmerung“ (von französisch „aurore“ und „ville“). Er kann allerdings auch als als Wortspiel mit dem Namen „Auro-bindo“ verstanden werden. – Während Aurobindo der „Vater“ von Auroville ist, ist Mirra Alfassa „die Mutter“ („The Mother“), wie sie auch von vielen Anhängern genannt wird.

 

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Der Auroville Banyan Baum. Foto von Bagavath G via Wikimedia Commons – CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)

 

Auroville versteht sich als Labor für die ganze Menschheit. Die Vision von Aurobindo wurde von Alfassa nach Aurobindos Tod weiter vorangetrieben und erhielt 1966 Unterstützung durch die UNESCO. Das Schlagwort „lebenslanges Lernen“ hat in Auroville die Gestalt einer menschlichen Gemeinschaft und eines neuen Lebensstiles angenommen.

1968 wurde Auroville dann um einen einzelnen Baum herum in einer wüsten, unwirtlichen Gegend gegründet. Bei der Gründung waren Vertreter der meisten Staaten Indiens und der Welt anwesend und hatten jeweils Erde aus ihrer Heimat mitgebracht, welche dort in einer großen Urne aufbewahrt wird. Später kam noch das Matrimandir als zentraler Sakralbau hinzu.

 

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Das Matrimandir in Auroville – Foto von sillybugger (via Wikimedia Commons) – CC BY 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/2.0)

 

In Auroville bemüht man sich um die Vermeidung von Hierarchie und Regeln. Grundlage des Zusammenlebens ist die Charta, welche bei der Gründung 1968 live im indischen Rundfunk übertragen wurde:

 

Die Charta Aurovilles

  1. Auroville gehört niemandem im besonderen. Auroville gehört der ganzen Menschheit. Aber um in Auroville zu leben, muss man bereit sein, dem Göttlichen Bewusstsein zu dienen.
  2. Auroville wird der Ort des lebenslangen Lernens, ständigen Fortschritts und einer Jugend sein, die niemals altert.
  3. Auroville möchte die Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft sein. Durch Nutzung aller äußeren und inneren Entdeckungen wird Auroville zukünftigen Verwirklichungen kühn entgegenschreiten.
  4. Auroville wird der Platz materieller und spiritueller Forschung für eine lebendige Verkörperung einer wirklichen menschlichen Einheit sein.

 

Neugierig?

Hier findet ihr eine Dokumentation vom SRF (Schweizer Radio und Fernsehen):

 

 

Ein nettes, kurzes (10 min.)  Video könnt ihr hier sehen (Engl., mit schwer zu verstehendem Akzent, aber schönen Bildern):

 

 

Eine weitere ausführlichere Doku gibt es hier:

 

 

Wär das nicht was? Eine „Aurostadt“, eine „Zukunftsstadt“ in Brandenburg, ganz in der Nähe von Berlin? Eine von vielen Städten eines Auroville-Netzwerkes einer besseren Zivilisation? – Es gibt auch in Deutschland Menschen, die sich für eine bessere Zukunft engagieren…

 

 

Die Idee einer Stadt der Zukunft ist keine ganz neue Idee…

 

Der Engel zeigte mir auch einen Strom, der wie Kristall glänzte; es war der Strom mit dem Wasser des Lebens. Er entspringt bei dem Thron Gottes und des Lammes und fließt die breite Straße entlang, die mitten durch die Stadt führt.

An beiden Ufern des Stroms wächst der Baum des Lebens. Zwölfmal im Jahr trägt er Früchte, sodass er jeden Monat abgeerntet werden kann, und seine Blätter bringen den Völkern Heilung.

In dieser Stadt wird es nichts mehr geben, was unter dem Fluch Gottes steht. Der Thron Gottes und des Lammes wird in der Stadt sein, und alle ihre Bewohner werden Gott dienen und ihn anbeten. Sie werden sein Angesicht sehen und werden seinen Namen auf ihrer Stirn tragen.

Es wird auch keine Nacht mehr geben, sodass man keine Beleuchtung mehr braucht. Nicht einmal das Sonnenlicht wird mehr nötig sein; denn Gott selbst, der Herr, wird ihr Licht sein. Und zusammen mit ihm werden sie für immer und ewig regieren.“

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(Das Buch der Offenbarung, 22. Kapitel, Verse 1-5 – Bibel, Neues Testament)