Tobias Faix | Warum ist Spiritualität so in und Kirche so out?

 

Tobias Faix auf seinem Blog über seinen Vortrag bei der Bundestagung der Baptisten:

„Warum ist Spiritualität so in und Kirche so out, Herr Faix?“ Ein paar Anmerkungen um die Kontroversen meines Vortrags bei der Bundestagstagung der Baptisten.

 

Sabine Bobert im Interview mit Matthias Morgenroth über Mystik

 

Interview von Theologie-Professorin Sabine Bobert durch Matthias Morgenroth; auf ihrem Blog „Mystik & Coaching“:

Interview mit Matthias Morgenroth über Mystik

 

Großstadtpredigten | Was ist Gott?

 

Eine Predigt von Tilmann Haberer, inspiriert von einem Vortrag von Marcus J. Borg, auf dem Blog „Großstadtpredigten – Spirituelle Reden aus St. Markus, München“:

Was ist Gott?

 

Marion Küstenmacher: Integrales Christentum

 

Vor zwei Wochen erschien Marion Küstenmachers Buch „Integrales Christentum – Einübung in eine neue spirituelle Intelligenz.“ Ein Buch, das die deutschsprachige Christenheit hoffentlich endlich ein bisschen mehr in Bewegung setzen wird. Bei Amazon gibt es schon zwei Rezensionen.

Kennt jemand von euch noch andere Rezensionen?

Wer auf Facebook ist, findet hier in der Gruppe „Gott 9.0 – Wohin unsere Gesellschaft spirituell wachsen wird“ (eine Diskussionsgruppe zum „Vorgänger-Buch“ von Frau Küstenmacher) eine Diskussion zur Erscheinung des Buches.  🙂

 

Ich bin. Punkt.

 

Makingpottery
Töpfern; Foto von Randy Oostdyk (via Wikimedia Commons; GNU License)

 

 

Ich bin an einem Punkt im Leben, wo eigentlich ein Komma sein sollte.

(meta bene)

 

Mir begegnete der Satz neulich irgendwo im Internet, und ich fand ihn gleich genial. Humor, Leben, spielerischer Umgang mit Sprache …

Ich weiß nicht genau, was sich der kreative Kopf hinter diesem Vers gedacht hat.  Mir  fällt dazu jedenfalls so einiges ein:

 

Am Ende

Sackgasse. Plötzlich geht es nicht weiter. Ich bin an ein Ende gekommen, mit dem ich nicht gerechnet habe. Punkt. – Und ich dachte, es geht einfach immer so weiter …

In einem Leben kann sich vieles ereignen: Unfall, Verlust der Wohnung, Krankheit, Behinderung, Verlust des Arbeitsplatzes, Tod eines Angehörigen, Verlust des Partners, finanzieller Ruin, … – Und manchmal verlieren wir sogar unsere Hoffnung.

Oft sind es noch nicht einmal die Umstände, die uns zu schaffen machen, sondern der Zustand unserer Beziehungen und unserer Seele. – Wir hätten doch eigentlich viele Gründe zufrieden und glücklich zu sein, aber trotzdem fühlen wir uns leer. Unsere Seele hungert … und wir wissen nicht, was wir machen können. Wir grübeln, zweifeln und drehen uns im Kreis.

Ich habe das in meinem Leben schon oft erlebt und habe meistens nicht verstanden, wie es sein kann, dass halbwegs intelligente, gut-meinende, vielleicht sogar tief religiöse Menschen in ihrem Leben immer wieder gegen dieselben Wände prallen. – Punkt. Ende. Aus. – Heißt es nicht „die Hoffnung stirbt zuletzt“? Aber wer kann da noch hoffen? Und auf was?

 

Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

.

(Bibel, Neues Testament, Paulus‘ erster Brief an die Gemeinde in Korinth, 13. Kapitel, Vers 13)

 

Punkt.

Ein Punkt in unserem Leben, wo ein Komma sein sollte. – Das kann man auch anders herum sehen: Vielleicht ist ein Grund für so manche Sackgasse in unserem Leben, dass wir immer wieder Kommas setzen, wo eigentlich ein Punkt sein sollte.

 

Ich liebe dich, aber …

Ich bin ein Mensch, der …

Ich würde ja gerne, aber …

Ich bin zufrieden, obwohl …

„Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, dass …“

(Neues Testament, Lukas-Evangelium 9,61)

 

Wir machen Entschuldigungen, sind unentschlossen, leben im Konjunktiv („Ich würde / sollte / hätte / könnte …“), machen faule Kompromisse, verzetteln uns, verlieren uns im Theoretisieren, führen endlose Diskussionen, treffen halbherzige Entscheidungen, machen immer wieder andere Pläne, sind hin und her gerissen, …

 

Ganz – im Hier und Jetzt

 

»Wenn ihr heute die Stimme Gottes hört, dann verschließt euch seinem Reden nicht!« …
.
… es ist noch eine vollkommene Ruhe vorhanden für das Volk Gottes.
.
(Hebräerbrief 4,7-9)

 

Wir verbringen viel Zeit in der Vergangenheit (Schwelgen in Erinnerungen, Grübeln über mögliche Fehler, Leiden unter Schuld, …) und in der Zukunft (Träume, Pläne, Sorgen, Hinausschieben von Aufgaben …). Das hat an sich auch seinen Platz in unserem Leben. Aber die Gefahr ist groß, dass wir den Reichtum und die Möglichkeiten des gegenwärtigen Augenblicks verpassen, wenn wir zu viel in Vergangenheit oder Zukunft leben.

Die Vergangenheit ist vorbei. Wir können sie nicht mehr ändern oder die Uhr zurück drehen, um sie noch einmal zu erleben.

Die Zukunft ist noch nicht da. Wir können auch nicht über sie bestimmen oder zukünftige Ereignisse kontrollieren.

Alles, was wir haben, ist der jetzige Moment. Und das Ruhen im Augenblick schafft eine genauere Wahrnehmung von uns selbst und den Menschen, Lebewesen und Dingen um uns herum. Eine Vertiefung des Lebens. Eine Erweiterung des Bewusstseins.

Ich bin. Ich lebe – jetzt und hier. Punkt.

Aber wer ist das „ich“?

 

HERR, was ist schon der Mensch! Warum schenkst du ihm überhaupt Beachtung? Warum kümmerst du dich um ihn?
Sein Leben ist vergänglich und gleicht einem Schatten, der vorüberhuscht.
(Psalm 144,3-4)
.
Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?
Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, du hast ihn gekrönt mit Pracht und Herrlichkeit. Du hast ihn als Herrscher eingesetzt über die Werke deiner Hände, alles hast du gelegt unter seine Füße …
(Psalm 8,5-7)

 

„Haben oder Sein“

Den Titel dieses Buches von Erich Fromm fand ich schon immer toll. Der Inhalt scheint im Wesentlichen auch immer noch hochaktuell zu sein.

Wer bin „ich“?

Wer bin ich wirklich? … unter der Motorhaube? … wenn der Lack oder das Make-up ab ist, und man genauer hinschaut? … wenn meine Statussymbole weg sind? … wenn ich niemanden mehr mit meinem Besitz oder meinem Wissen beeindrucken kann?

 

… Ihr Heuchler! Ihr seid wie die weiß getünchten Grabstätten: Von außen erscheinen sie schön, aber innen ist alles voll stinkender Verwesung.

(Matthäus-Evangelium 23-27)

 

Wer ist der Mensch hinter meinen Masken? Ist das, was man kennenlernt, auch dasselbe, was wirklich drin steckt? Bin ich authentisch?

Was liegt da noch alles für Müll in den Tiefen meiner Seele? Woran möchte ich mich lieber nicht erinnern? Sind da noch Leichen in meinem Keller? Gespenster in meinen Alpträumen?

Worüber definiere ich mich?

Definiere ich mich über meine Aktivitäten und Leistungen? – Aber was, wenn ich nicht mehr so aktiv sein kann? Was, wenn meine Leistungen nicht anerkannt werden und vielleicht wirklich nicht so toll waren, wie ich dachte?

Womit identifiziere ich mich?

 

 Nicht mehr ich bin es, der lebt, nein, Christus lebt in mir.

(Paulus‘ Brief an die Christen in Galatien 2,20)

 

Identifikation und Authentizität. – Die Frage „Wer bin ich?“ ist eine der wichtigsten Fragen in unserem Leben. – Ob Jesus sich diese Frage wohl auch gestellt hat? Vielleicht, als er die 40 Tage in der Wüste war?

 

… Gott ist Liebe. Wer in der Liebe lebt, lebt in Gott und Gott lebt in ihm.

(Der erste Brief des Johannes, 4,16)

 

Ton und Töpfer

Biblische Texte benutzen manchmal das Bild des Töpfers. Gott, der Töpfer, formt mit seinen behutsamen und geschickten Händen den Menschen.

Dies ist eine der tiefsten Antworten, die wir auf die Frage „Wer bin ich?“ geben können: Wir sind Geschöpfe Gottes – und wir sind noch im Werden.

Wohl dem, der sagen kann:

 

Ich bin weicher, formbarer Ton in den Händen meines Schöpfers. Er kann mit mir machen, was er will.

Punkt.

 

Der Punkt. – Eine runde Sache.  🙂