Mutter unser

 

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Erdaufgang im Orbit um den Mond (Apollo 8); NASA / Bill Anders [Public domain], via Wikimedia Commons

 

Mutter unser im Himmel!
Dein Name werde geheiligt.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

 

Ich hatte nicht wirklich gedacht, dass ich der Erste bin, der auf die Idee kommt:

„Mutter unser“.

Schon 1999 gab es einen Artikel bei „Die Welt“ und 2014 einen bei „derFreitag.“ Beides offensichtlich Reaktionen auf eine Diskussion, die schon längst im Gange war. Und das Thema ist noch lange nicht vom Tisch.

Ist das Vater-unser nicht mehr gut genug? Geben wir als Christen mal wieder dem Zeitgeist nach? Passen uns an?

Ist ein „Mutterunser“ nicht eine Verfälschung der Bibel? Vielleicht sogar Gotteslästerung?

 

Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet …

(Die Bibel, Tanach / Altes Testament, Jesaja 66,13)

 

Gott ist kein Mann – das ist klar. Wo ist also das Problem von Gott als Mutter zu sprechen? Beides, „Vater“ und „Mutter“, sind sprachliche Bilder, um sich einer Wirklichkeit anzunähern, die sich mit Sprache nie einfangen lässt.

Wie so viele andere Diskussionen in der Christenheit, führt uns die Frage nach der Männlich- bzw. Weiblichkeit Gottes tief hinein in die Grundlagen unseres Glaubens:

  • Wie können wir heutzutage sinnvoll mit den antiken biblischen Texten umgehen?
  • Was ist die zeitlose Wahrheit des Evangeliums, und was ist ihr kultur- und zeitabhängiger Ausdruck?
  • Wer oder was ist eigentlich Gott, und wie können wir halbwegs angemessen von IHM/ IHR reden?

Und es gibt auch Fragen, die mir etwas über mich selbst offenbaren können:

  • Ist mir der Gedanke an einen männlichen, weiblichen oder sächlichen Gott sympathischer?
  • Warum?

 

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frei und fromm

 

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Sumerische Frömmigkeit: Statue von Gudea von Lagaš, Foto von Marie-Lan Nguyen (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons

Bist du „fromm“?

Bin ich „fromm“?

Ein altes deutsches Wort.

 

Denn die leibliche Übung ist wenig nütze; aber die Frömmigkeit ist zu allen Dingen nütze und hat die Verheißung dieses und des zukünftigen Lebens.

(Die Bibel, Neues Testament, 1. Brief des Paulus an Timotheus, 4. Kapitel, Vers 8, in der Luther-Übersetzung, 1984)

 

Ich mag das alte Wort „fromm“. Es hat mit dem Herzen zu tun. Ein frommer Christ ist nicht jemand mit einer christlichen Weltanschauung oder christlichen Werten und moralischen Grundsätzen, sondern jemand für den sein christlicher Glaube eine Herzensangelegenheit ist und der seinen Glauben ernst nimmt. Ein Mensch, in dessen Alltag sein Glaube wahrnehmbar ist. Kein Wischiwaschi oder abgehobener, distanzierter Theoretiker.

Echte Frömmigkeit bedeutet ein Sich-Ergeben in die Allmacht Gottes, ein Sich-Einordnen in das Wirken Gottes in seiner Schöpfung. Frömmigkeit hat eine mystische Qualität. Irgendwie ist man vom Geheimnis Gottes berührt und erfasst worden, und es lässt einen nicht mehr los.

Das alte Wort „fromm“ ist immer noch im Gebrauch. Es gibt sogar mindestens zwei sehr interessante Webseiten, die das Wort im Namen tragen:

https://frommundfrei.net/

https://www.frei-und-fromm.de/

Check it out!

Der Leiterblog | 50 Millionen singen ihre Songs …

Sprache der Seele …

Unser Plappern und unsere schlauen Worte schwimmen oft nur auf der Oberfläche unseres Bewusstseins. Graue Theorie. Gefiltert durch die Brillen, die wir tragen, und durch die Siebe in unserem Kopf. In einer Zeit, wo jeder andere zutexten kann oder sein Blog ins Internet stellen – so wie ich 😉 – ersticken wir unter einem Berg aus Buchstaben.

Es gibt eine Sprache, die all das durchbricht: Die Musik. Das Schlaflied der Mutter wirkt schon, bevor das Kind die Worte versteht. Musik kann streicheln, massieren und zuschlagen. Musik greift nach unserer Seele. Wir können uns ihrer Wirkung nur entziehen, indem wir uns die Ohren zuhalten.

Musik kontrolliert unsere Gefühle. Sie kann uns manipulieren und verändern – zumindest für den Moment. Musik hat Macht. In ihrem Schatten verblassen gut gemeinte Vorsätze und lösen sich Stricke des Bösen. Musik kann gefangen nehmen und frei machen, krank machen und heilen.

Es ist schon erstaunlich und nicht einfach zu erklären, wenn überhaupt! Wie kommt es, dass eine kleine Kirche in den Hügeln bei Sydney einen weltweiten Einfluss erlangt? Wie kommt es, dass ihre Jugendband Songs schreibt, die heute von über 50 Millionen Leuten an einem jeden Sonntag auf der ganzen Welt gesungen werden? Ein Phänomen. Auch in Europa. Auch in Deutschland!

»Championing the Cause of Local Churches Everywhere«, das will die Hillsong Church. Andere Kirchen ermutigen und ihnen zum Erfolg verhelfen! Jetzt ist eine Dokumentation zu »Hillsong United« und der Gemeinde auf Deutsch erschienen. Leiter können von ihr auch dann profitieren, wenn sie nicht alle Ansichten teilen und deren Wege mitgehen wollen. Wir stellen sie hier kurz vor:  

Ursprünglichen Post anzeigen 465 weitere Wörter

BIBEL. JETZT. (1)

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Paulus schreibt seine Briefe, Valentin de Boulogne [Public domain], via Wikimedia Commons

Ein altes Buch verstaubt im Schrank.

Bibel, Bibel, Bibel, … – oft erwähnt, nie ersehnt.

Warum jetzt?

Oft ge-kauft – schlecht ver-kauft.

Falscher Einband ist kein Einwand!

Alte Sprache? – Keine Sache!

Orientierung mit Buchstabierung.

Bibel. Jetzt.

Weiter zu: BIBEL. JETZT. (2) – Eine Liebeserklärung

BIBEL. JETZT. (6) – Bibel 4D (vier-dimensional)

tesseract
By Jason Hise at English Wikipedia (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons

Häh? 4D?

Das geht doch gar nicht. – Oder?

Dimensionen

Der Text, den du gerade liest, ist ein bzw. zwei-dimensional. Der Raum oder die Umgebung, in der du dich gerade befindest ist drei-dimensional: Breite x Höhe x Länge/Tiefe. So wie ein Würfel oder andere Körper.

In diesem Post geht es nun um Vier-Dimensionales. Aber, keine Angst, hier geht’s nicht um Mathematik; und es geht auch nicht, um ein neues Computer-Game zur Bibel, sondern …

 

„Darum gleicht jeder, der auf meine Worte hört und tut, was ich sage, einem klugen Mann, der sein Haus auf felsigen Grund baut. Wenn dann ein Wolkenbruch niedergeht und die Wassermassen heranfluten, wenn der Sturm tobt und an dem Haus rüttelt, stürzt es nicht ein, denn es ist auf Felsen gegründet. Doch wer meine Worte hört und sich nicht danach richtet, gleicht einem unvernünftigen Mann, der sein Haus einfach auf den Sand setzt. Wenn dann ein Wolkenbruch niedergeht und die Wassermassen heranfluten, wenn der Sturm tobt und an dem Haus rüttelt, bricht es zusammen und wird völlig zerstört.“

(Die Bibel, Neues Testament, Matthäus-Evangelium, 7. Kapitel, Verse 24-27)

 

Sicherheit und Denkgebäude

Wohl dem, der ein festes Fundament für sein Leben gefunden hat; und dies gilt ganz besonders für Menschen, die eine Familie gründen wollen oder auf andere Art und Weise Verantwortung für das Leben anderer Menschen übernehmen. Leben braucht Sicherheit und Orientierung.

Sinn-Zusammenhänge erkennen können sogar Tiere (sonst könnte man Tiere ja gar nicht dressieren); und auch schon für Säuglinge und Kleinkinder ist die richtige Deutung ihrer Wahrnehmungen und Erfahrungen überlebenswichtig. Deutung passiert nicht nur auf gedanklicher Ebene.

Für Kinder werden zusätzlich dann noch Regeln aufgestellt. Geht auch gar nicht anders. „Nicht auf die Straße rennen!“ – „Nicht die heiße Herdplatte anfassen!“ – Bevor wir das so richtig kapieren, finden wir uns in einer Art Denk-Gebäude wieder aus Regeln, Traditionen, Gewohnheiten, Argumenten, Fakten, Vermutungen, … und wir arbeiten dann unser Leben lang an diesem Puzzle des Lebens, um Sinnzusammenhänge richtig zu deuten und uns auf sie einzustellen.

Gut zu leben, bedeutet u.a. seine Wahrnehmungen und Erfahrungen richtig deuten zu können: Was ist da gerade passiert? Was hat derjenige gemeint? Warum ist die Sache wieder schief gegangen? Warum mag mich keiner? …

Als Erwachsener hat man sich in der Regel irgendwann sein „Denk-System“ aus Meinungen, Wertevorstellungen, Überzeugungen, usw. zusammengebastelt und hofft, in diesem Fahrzeug gut durchs Leben zu rollen. Mit dem Bild des Hauses gesprochen: Man sitzt in seinem Denkgebäude und guckt aus dem Fenster. Doch,

 

„… wenn der HERR nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen. Wenn der HERR nicht die Stadt behütet, so wacht der Wächter umsonst.“

(Die Bibel, Tanach / Altes Testament, Psalm 127, Vers 1)

 

Die vierte Dimension

Leben bleibt nicht stehen. Die Uhr tickt, und der Zeiger dreht sich weiter. Das ist die vierte Dimension. Leben ist nicht statisch, eingefroren oder einbetoniert. Es ist gerade das eigentliche Wesensmerkmal des Lebens, dass Lebewesen wachsen, sich verändern und bewegen. Leben ist VIER-dimensional: Bewegung und Veränderung im Laufe der Zeit. (Die obige Animation dient übrigens nur dazu, Bewegungen im drei-dimensionalen Raum zu illustrieren.)

Bibel 4D

Die Bibel ist eine Sammlung von ein bzw. zwei-dimensionalen Texten. Buchstabe hinter Buchstabe, Wort für Wort, Satz für Satz. Wörter auf einem platten Blatt Papier bzw. einer Schriftrolle. Aber diese Worte sind im Leben entstanden; und das auch nicht zu EINEM festen Zeitpunkt, sondern über eine lange Zeit erstreckt. Die Bibel ist weder das Stillleben eines Malers, noch das Standbild in einem Film.

Dieser vier-dimensionale Zusammenhang der Bibel ist in den Texten selbst nicht vollständig erhalten. Wir können allerdings versuchen, so gut es eben geht, den geschichtlichen Zusammenhang und das Leben der Menschen von damals zu rekonstruieren, und dann versuchen die Texte in diesem Zusammenhang zu verstehen.

Schon die Verfasser der biblischen Texte selber versuchten durch das Schreiben der Texte, ihre Erfahrungen zu verarbeiten und zu deuten. Die religiöse jüdische Geschichtsschreibung ist ein andauerndes Ringen darum zu verstehen, warum Gott so mit ihnen umgegangen ist. Die Texte selbst schon eröffnen einen Deutungsraum, in dem es darum geht, Gottes Wirken in seiner Schöpfung zu erkennen und zu verstehen; und dieser Deutungsraum erstreckt sich durch die Zeit bis zu uns heute.

Das Buch Hiob, z.B., beschäftigt sich mit einer der schwersten Frage überhaupt: unverdientes, schweres Leid. Die Frage wird in dem Buch diskutiert, und die Rahmenhandlung erklärt auch den Grund für Hiobs Leiden. Ob dies jedoch immer und überall eine ausreichende Erklärung für Leid ist, bleibt dem Urteil des Lesers überlassen.

Die Bible-Community

Die biblischen Texte sind nicht zum Zeitpunkt des Verfassens versiegelt worden, so dass wir heute die ersten Leser wären, die diese Texte zu Gesicht bekämen und über sie diskutieren könnten. (Sie wurden ja auch gar nicht direkt für uns geschrieben.) Vielmehr sind die Texte über all die Jahrhunderte Teil des religiösen Lebens der Menschen gewesen, die diese Texte geschätzt, gelesen und diskutiert haben.

Wenn wir die Bibel lesen, stellen wir bald fest, dass manche biblischen Aussagen schon ihrerseits auf noch ältere biblische Texte Bezug nehmen. Die Bibel zitiert sozusagen sich selbst. Dies zeigt uns, wie diese Texte Teil des geistlichen Lebens von religiösen Gemeinschaften gewesen sind. Man las die alten Texte und schrieb neue. Als Bibel-Leser tauchen wir ein in eine Welt von „Bibel-Leuten“, sozusagen eine Bible-Community, die sich über Zeit und Raum erstreckt bis hin zu zu mir.

Deutungsraum

Die Freunde von Skizzen und Modellen können versuchen sich das so vorzustellen (auf eine optische Darstellung habe ich aus naheliegenden Gründen verzichtet):

Menschen schreiben Texte für Menschen, und Menschen lesen diese Texte (Horizontale Beziehungsebene). Menschen sprechen zu Gott (Gebet, Hilferuf, Schwur, Lob, Dank, …), und Gott spricht zu den Menschen (Propheten, Engel, Traum, brennender Dornbusch, …) – vertikale Beziehungsebene.

Horizontale: Kommunikation zwischen Menschen
Vertikale: Gott spricht zu Menschen und Menschen sprechen zu Gott

Da dies alles allerdings nicht zu einem einzigen Zeitpunkt stattfand und -findet, dehnt sich dieser Raum auch zeitlich aus. Sozusagen in einer vierten Dimension. (Kann man sich logischerweise optisch nicht mehr räumlich vorstellen.) Es entsteht ein zeitlich-räumlicher Deutungsraum des Redens über, zu und von Gott her. Die Wirkung der biblischen Texte dehnt sich sozusagen in einem vierdimensionalen Deutungsraum aus bis hin zu meinem Stuhl (falls ich im Sitzen lese).

Platte Deutungen biblischer Texte sind fragwürdig. Wahrheit ist nicht eindimensional; und Sprache transportiert mehr, als dem Sprechenden oder Schreibenden bewusst ist. Wie man richtig oder gewinnbringend (nicht finanziell gemeint) mit biblischen Texten umgeht, ist eine für das Christentum entscheidende Frage.

Wirkung

In der Literaturwissenschaft betrachtet man immer auch die Wirkungsgeschichte von Texten und deren „Rezeption“; d.h. man untersucht, wer die Texte wo zitiert hat, welche Wirkungen sie gehabt haben, wie der Stoff weiter verarbeitet worden ist, usw. In den letzten 100 Jahren sind auch viele Bücher verfilmt worden – darunter auch die Bibel oder biblische Texte.

Durch die Jahrhunderte wurden die biblischen Texte und ihre Wirkungen ein wesentlicher Teil der Menschheitsgeschichte, insbesondere in der westlichen Welt und im Vorderen Orient. Man kann sich kaum vorstellen, wie unsere Welt die letzten 2000+ Jahre ausgesehen hätte, wenn es diese Texte nicht gegeben hätte. Nicht alle Wirkungen waren allerdings positiv; und auch heute noch kann „Bibel“ Menschen auch Schaden, wenn schlecht damit umgegangen wird.

Manche scheinen zu glauben, dass heilige Texte über solche kritische, literaturwissenschaftliche Untersuchungen erhaben sind. Aber nichts in unserer Welt ist so heilig, dass es nicht auch missverstanden oder missbraucht werden könnte. Gerade bei Texten, die einen göttlichen Anspruch haben, ist es unbedingt notwendig genau hinzuschauen, wie sie benutzt werden und welche Wirkungen sie haben.

Ich komme regelmäßig an einem kleinen Büro vorbei, in dem mitgearbeitet wird am Entstehen einer internationalen, Englisch-sprachigen Enzyklopädie über die Bibel und ihre Wirkungsgeschichte: „Encyclopedia of the Bible and its Reception“.

Leben für Betonköpfe

Es ist ein zentrales Problem aller Buchreligionen: Texte sind starr – das Leben nicht. Im Laufe der Kirchengeschichte ist vielerorts das christliche Denken erstarrt. Obwohl das Leben ständig weitergeht, versuchen manche Christen ihren Glauben aus einem perfekten „Glaubenssystem“ abzuleiten, dass sie sich aus Bibelversen, Glaubensbekenntnissen und Dogmen konstruiert haben. Ein frag-würdiges Projekt. Schon Paulus wusste:

 

„… der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig.“

(Neues Testament, 2. Brief von Paulus an die Gemeinde in Korinth, 3. Kapitel, Vers 6)

 

Steinernde Herzen

Wie wir die Bibel lesen, hat auch damit zu tun, was für Menschen wir sind. Manch einem ist die Sicherheit eines starren Denkgebäudes lieber als die Unsicherheit des Lebens und des Glaubens. Kinder brauchen auch noch mehr Regeln als erfahrene Erwachsene. Und manche hat schon das Leben hart gemacht.

 

„Ich will euch ein anderes Herz und einen neuen Geist geben. Ich nehme das versteinerte Herz aus eurer Brust und gebe euch ein lebendiges Herz. Mit meinem Geist erfülle ich euch, damit ihr nach meinen Weisungen lebt, meine Gebote achtet und sie befolgt.“

(Tanach / Altes Testament, Hesekiel 36,26-27)

 

In Jesus nahm das Wort Gottes menschliche Züge an und lebte unter uns, wie wir. Gott wohnt bei seinen Menschen. Und auch nach Jesu Aufnahme in den Himmel hat er uns hier nicht allein gelassen.

Ein für allemal: JESUS !

 

„… zu ermahnen, dass ihr für den Glauben kämpft, der ein für alle Mal den Heiligen überliefert ist.“

(Neues Testament, Judas-Brief, Vers 3)

 

Manche Menschen haben Angst vor Veränderungen – andere sehnen sich danach.

Ist unser christlicher Glaube nicht etwas Unveränderliches, auf das man sich verlassen kann?

Die Gestalt unseres Glaubens ist Jesus. Auf IHN können wir uns verlassen. Das allein ist christlicher Glaube.

Lebendiger Glaube – Haben oder sein

Glaube ist kein Besitz, den man sich in die Tasche stecken kann. LEBEN-diger Glaube kann nur ge-LEBT werden; und Leben ist Vier-dimensional. Vier-dimensional müsste auch die Art und Weise sein, wie biblische Texte gelesen und verstanden werden, und wie sie für Menschen heute noch wertvoll werden können.

Bibellesen im Geiste Gottes und Jesu. Das ist das Ziel, dem ich in dieser Artikelreihe auf die Spur zu kommen suche. Dazu gehört es, sensibel zu werden für Veränderungen und genau hinzuschauen, welche Gestalt der Glaube an den EINEN Gott in den unterschiedlichen biblischen Texten gefunden hat. Wie ging Jesus mit seinen heiligen Texten um? Und wie unterscheidet sich Paulus‘ Verständnis vom Leben im Geist vom Dienst des Buchstabens?

In diesem Artikel geht es nicht darum, dass sich die Texte verändern würden, sondern darum, dass sich UNSER VERSTÄNDNIS der Texte verändert und die WIRKUNG die sie haben. Ich lese heute die biblischen Texte nicht mehr so, wie ich sie vor 40 Jahren gelesen habe. Je vertrauter uns die Texte und ihre Welt werden, desto eher verstehen wir auch den ursprünglichen Sinn.

Die Bibel ist ein Buch des Lebens: Aus dem Leben heraus entstanden und in das Leben von Menschen hinein gesprochen. Wenn wir lernen würden, Bibel 4-dimensional zu denken, könnten wir vielleicht die Engstirnigkeiten überwinden, die geistliches Leben so oft behindern.

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HEILIGE TEXTE

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By Tinette. (Created by Tinette user of Italian Wikipedia.) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)%5D, via Wikimedia Commons

… gibt es nicht nur im Christentum. Von allen Religionen sind es allerdings besonders das Judentum, das Christentum und der Islam, die als Buch-Religionen bekannt sind. So schreibt Wikipedia: „Der klassische Typ der Buchreligion wird durch Judentum, Christentum und Islam verkörpert.“ Es gibt sogar einen ganzen Wikipedia-Artikel zum Thema „Buchreligion“:

https://de.wikipedia.org/wiki/Buchreligion

Die fundamentale Bedeutung der heiligen Texte für die abrahamitischen Religionen (Judentum, Christentum und Islam) hat positive und negative Aspekte, und alle drei sind in diesem Sinne fundamentalistisch.

Ein positiver Aspekt ist, dass Texte uns auf eine Art und Weise mit den Menschen der Vergangenheit verbinden, wie es keine anderen historischen Quellen tun können. Die überlieferten heiligen Texte schenken uns auf vielfältige Weise Einblick in das Leben von frommen Menschen der Vergangenheit. Auch sind es keine banalen Alltagstexte, sondern Texte, die überliefert worden sind, weil man glaubte, dass sie auch für die Zukunft von Bedeutung sein werden.

Ein negativer Aspekt ist, dass in Texten immer nur ein Bruchstück der ursprünglichen Kommunikation konserviert ist; nämlich gerade das, was mit den Buchstaben einer Schrift auf einem Schreibmaterial codiert werden kann. Der gesamte außertextliche Zusammenhang, der uns erklärt, wie der Text zur Zeit, als er verfasst wurde, genau funktioniert hat, kann nur durch mühsame historische und literaturwissenschaftliche Arbeit erschlossen werden; und auch das nur unter Vorbehalt, denn auch unser Wissen über die Zeitgeschichte der Texte und die Umstände, unter denen sie verfasst wurden, bleibt natürlich immer unvollständig.

Es ist selbstverständlich die Überzeugung der abrahamitischen Religionen, dass in diesen Texten etwas überliefert worden ist, das zeitlose Bedeutung hat. Mit dieser Überzeugung bewegen wir uns jetzt allerdings auf der Ebene des Glaubens; ein wissenschaftlicher Zugang kommt hier an seine Grenzen. Die Frage, was wir denn glauben WOLLEN, schwingt hier immer mit und ist für jeden von uns, egal ob fromm, Atheist, Agnostiker oder irgendwas anderes, eine ganz ent-scheidende Frage.

Keiner der jüdischen oder christlichen heiligen Texte präsentiert sich als ein Text, der vom Himmel gefallen ist. Alle diese Texte sind irgendwann einmal aufgeschrieben und danach weiter überliefert worden. Im Prozess der Überlieferung sind auch zumindest kleinere und vielleicht/wahrscheinlich auch größere Veränderungen vorgenommen worden, und in den meisten biblischen Texten wird kaum etwas zur Erstellung des endgültigen Textes gesagt.

Das Lukas-Evangelium im Neuen Testament fällt auf, denn der Verfasser sagt am Anfang etwas darüber, warum er diesen Text verfasst hat. Er bezieht sich ausdrücklich auf ältere Quellen, sagt aber nichts zu einem göttlichen Auftrag oder göttlicher Inspiration. Da fragt man sich dann schon, woher z.B. die evangelische Allianz ihr Bekenntnis „zur göttlichen Inspiration der Heiligen Schrift, ihrer völligen Zuverlässigkeit und höchsten Autorität in allen Fragen des Glaubens und der Lebensführung“ hat. (http://www.ead.de/die-allianz/basis-des-glaubens.html) Hat man sich da vielleicht selber etwas gemacht, das man gerne hätte? Die evangelische Allianz hat dies natürlich auch nicht neu erfunden, sondern steht damit selbst in einer noch älteren Tradition.

Das entscheidende Problem heiliger Texte ist, dass nur ein kleiner, „vertexteter“ Ausschnitt der Kommunikation konserviert und überliefert wird und sich die Texte dann immer weiter vom Leben entfernen, in dem sie entstanden sind. Texte können konserviert und überliefert werden, die Lebensumstände nicht. Noch nicht einmal die Sprache, in der die Texte verfasst wurden, blieb gleich. Moderne Griechen können die altgriechischen Texte des Neuen Testaments nicht mehr richtig lesen und verstehen, und wir brauchen Sprachwissenschaftler, um uns unsere modernen Übersetzungen zu machen.

Wenn es allerdings stimmen sollte, dass wir durch diese Texte etwas lernen können über Gottes Wirken in seiner Welt, dann hätten wir ein großen Schatz. Ob durch diese Texte auch heute noch etwas Gutes mit uns passieren kann, das kann jeder ausprobieren.