jetzt, und hier

 

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Die Insel Vulcano. Foto von Brisk g, von Wikimedia Commons (public domain).

 

 

spürt ihr es nicht ?
wie die erde bebt
völker erzittern
mächte sich verbinden
dicht unter der oberfläche

nur noch eine kleine weile
nur noch ein augenblick
und es bricht sich bahn
wie eine gewaltige flut

 

 

Mich erinnern unsere Tage an die Zeit zwischen den Weltkriegen.

 

 

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Eine expressionistische Lyrik-Anthologie (1919/1920) vom Ernst Rowohlt Verlag, Berlin.  Antiquariaat Die Schmiede. Wikimedia Commons (public domain).

 

 

Ich reihe mich  nicht  ein, in die Zahl der Weltuntergangs-Propheten.

Es ist etwas im Anbrechen. Etwas Großes. Das Alte verblasst. Mächte schwinden und neue stehen auf; und immer mehr Menschen haben ein anderes Bewusstsein. Die alten Antworten haben für sie keine Kraft mehr.

 

… Siehe, ich mache alles neu! …

.
(Bibel, Neues Testament, Offenbarung, 21. Kapitel, Vers 5)

 

Gott ist nicht nur der Erschaffer am Anfang, sondern auch der Erhalter seiner Schöpfung. Er ist das Leben und die Wirklichkeit selbst. Die kreative Kraft. – Die Zellen unseres Körpers erneuern sich alle paar Jahre. Gott macht ständig alles neu.

 

Aus der Vergangenheit kann jeder lernen.
Heute kommt es darauf an, aus der Zukunft zu lernen.

(Hermann Kahn)

 

Man muss nicht ein studierter Gesellschafts- und Politik-Analyst sein, um das Ausmaß der aktuellen Veränderungen zu spüren.

Wenn man in Worte fasst, was man selbst wahrnimmt, entsteht Klarheit. Wenn man darüber mit anderen spricht, entsteht Wirklichkeit.

 

Wenn wir gewillt sind,
das Leben loszulassen,
das wir geplant haben,
können wir das Leben empfangen,
das auf uns wartet.

(Joseph Campbell)

 

Wir blicken aus großer Höhe herab auf einen Hochgeschwindigkeitszug, der über die Oberfläche unserer Welt gleitet. Es ist eine klitzekleine Weiche, die darüber entscheidet, ob der Zug an dem einen Ende der Erde ankommt, oder am anderen.

Wir treffen jeden Tag eine Fülle von Entscheidungen. Große und kleine.

Probieren – geht über studieren.

 

Würdest du mir bitte sagen, wie ich von hier aus weitergehen soll?
– Das hängt zum großen Teil davon ab, wohin du möchtest, sagte die Katze.

(Lewis Caroll, Alice im Wunderland)

 

 

Baum fürs Leben

 

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Zweig einer Nordmann-Tanne; Foto von Simon A. Eugster [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, from Wikimedia Commons

 

Er hielt den besten Vortrag, den ich je gehört habe. Der ganze Mann, seine Worte und sein Leben sind eine Offenbarung.

 

er stand
tief verwurzelt
fest wie ein baum

lernend
gelehrt in der einsamkeit
und durchs wissen der alten
gebildet durch die weisheit des waldes

mut, aus einer größeren kraft geboren
geworden aus dem reichtum des waldes
getragen von einer größeren macht

erprobt in der krise
gewachsen in den stürmen des lebens
ein fester stand

seinen weg suchend
und findend, in der stille
bewährt im zweifel

seinen widersachern trotzend
den frieden bewahrend
in vergebung überwindend

seine wurzeln reichen tief
umgeben von seiner familie
belehrt von den ahnen

geborgen im haus aus baum
verbunden mit freunden und kameraden
vernetzt über alle grenzen

botschafter eines gesundes lebens
reich durch die schätze der erde
balsam zur heilung der völker

im strom des lebens
fließt der segen
und er greift nach den sternen

 

Man versteht das Gedicht besser, nachdem man den Vortrag gehört hat:

Erwin Thoma: „Die geheime Sprache der Bäume“

Mehr Infos findet man auf seiner Webseite. Am 8. November spricht er an der Urania bei uns in Berlin. – Dafür lohnt es sich vielleicht sogar nach Berlin zu kommen.  🙂

 

… Wie geht es zu, wenn Gott seine Herrschaft aufrichtet? Womit kann ich das vergleichen?

… Es ging auf und wuchs und wurde zu einem Baum, und die Vögel bauten ihre Nester in seinen Zweigen.
.
(Bibel, Neues Testament, Lukas-Evangelium, 13. Kapitel, Verse 18-19)

 

Ein Märchen von Jesus

 

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Napoleon krönt sich selbst in der Notre Dame 1804 zum Kaiser. [Gemälde von Jacques-Louis David 1806–1807 (Louvre), public domain, via Wikimedia Commons]

 

Es war einmal, vor langer, langer Zeit,
da lebte ein Mann.

Dieser Mann heißt Jesus.

Jesus hilft Menschen und erzählt ihnen von Gott.
Frauen und Männer sind bei ihm, um von ihm zu lernen.

Eines Tages ist er mit seinen Schülern unterwegs. Sie gehen von einem Dorf zu einem anderen. Die Schüler von Jesus reden miteinander. Einer sagt:

„Wisst ihr noch, wie ich Jesus das Wasser von der Quelle gebracht habe? Jesus hat sich so darüber gefreut!“

Ein anderer Schüler sagt:

„Aber über die Früchte, die  ich  ihm später gebracht habe, hat er sich noch mehr gefreut!“

Und noch ein anderer Schüler sagt:

„Ich glaube, er isst am liebsten Brot. Als  ich  ihm gestern das Brot gebacken hab, hat er gesagt, es wäre das beste Brot, das er je gegessen hat.“

Und so gehen die Schüler von Jesus mit ihm auf dem Weg und zanken sich.

Abends setzen sie sich zum Abendessen hin. Jesus fragt sie:

„Worüber habt ihr auf dem Weg geredet?“

Und seine Schüler schweigen. Sie wollen nicht zugeben, dass sie sich gestritten haben.

Da fragt Jesus sie:

„Wollt ihr wissen, wer von euch der Beste ist? Wen ich am meisten mag?“

Da bekommen seine Schüler große Ohren, und sie bitten Jesus:

„Ja, Jesus, bitte sag doch, wen du von uns am besten findest!“

Und Jesus sagt:

„Wer nicht so viel an sich denkt, sondern auch an alle anderen, ist der Beste von euch.“

Da schämen sich alle Schüler von Jesus. Sie merken, dass sie alle nur an sich gedacht haben.

 

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Kampf auf der Karriereleiter. Plastik von Peter Lenk an der Invesitionsbank, Bundesallee 210, Berlin; von Bukk [Public domain, via Wikimedia Commons]

 

[frei nach: Bibel, Zweiter Teil / NT, Markus-Evangelium, 9. Kapitel, Verse 33-35]

 

 

Tobias Faix | Nelson Mandela – Widerstandskämpfer, Vorbild, Visionär.

 

Tobias Faix auf seinem Blog anlässlich des 100. Geburtstags von Nelson Mandela:

Nelson Mandela – Widerstandskämpfer, Vorbild, Visionär. Ein paar persönliche Gedanken zum 100. Geburtstag.

 

Integrale Theologie

 

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Auf der Welt vorherrschende Religionen, nach Staaten – Quelle: Wikipedia; von Neitram [public domain]

 

„Integrale Theologie“ (oder „integral theology“). – Macht der Ausdruck Sinn? Braucht man, wenn man von der Integralen Theorie ausgeht, überhaupt noch Theologie?

Falls ja, wie müsste eine Integrale Theologie dann aussehen?

 

Theologie

Was war das noch mal, „Theologie“?

 

Theologie (griechisch θεολογία theología, von θεός theós ‚Gott‘ und λόγος lógos ‚Wort, Rede, Lehre‘) bedeutet „die Lehre von Gott“ oder Göttern im Allgemeinen und die Lehren vom Inhalt eines spezifischen religiösen Glaubens und seinen Glaubensdokumenten im Besonderen.

(Wikipedia)

 

Theologie an wissenschaftlichen Einrichtungen ist oft konfessionelle Theologie (Ev. Theologie, Kath. Theologie, …) und beschäftigt sich viel mit alten Dingen: Alte Sprachen, antike heilige Texte, Alte Geschichte, Kirchengeschichte, …

Was aber ist mit der religiösen Alltagswirklichkeit und der Zukunft? Müsste die praktische Theologie und die Eschatologie nicht mehr Gewicht in der theologischen Ausbildung haben? Wie sieht es aus mit dem praktischen Lebensbezug von Theologie und mit visionären Ansätzen für Kirche und Welt?

Es gibt einen z.T. riesigen Unterschied zwischen der „offiziellen“ Religion (Positionen, die von etablierten religiösen Institutionen wie den großen Kirchen vertreten werden) und der alltäglich erfahrenen und gelebten Religion ihrer Anhänger. Dazu kommt in einer globalisierten Welt die Herausforderung, jeden Tag gemeinsam mit Menschen unterschiedlicher religiösen Überzeugungen zu leben, zu arbeiten, Politik zu betreiben …

 

Qualitätskontrolle

Religiöse Einrichtungen scheinen sich manchmal als „von Gott gegeben“ zu verstehen und zeigen wenig Interesse an der Überprüfung der Qualität ihrer Arbeit. Dabei ist doch ganz entscheidend, was am Ende dabei herauskommt.

 

 Jeder gute Baum bringt gute Früchte hervor, ein schlechter Baum aber schlechte. Ein guter Baum kann keine schlechten Früchte hervorbringen und ein schlechter Baum keine guten.
Jeder Baum, der keine guten Früchte hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen.
An ihren Früchten also werdet ihr sie erkennen.
(Bibel, Neues Testament, Matthäus-Evangelium, 7. Kapitel, Verse 17-20)

 

Bei manchen Anhängern der Integralen Theorie ist der Integrale Weg die Antwort auf ein besonders tiefes Erlebnis, eine außergewöhnliche Belastung oder eine persönliche Krise. In guter biblischer Tradition wird hier die Hilfe Gottes als Rettung aus Not erfahren. Die Kraft Gottes zeigt sich ja gerade in ihrer Wirkung – und nicht in Dogmen oder Glaubenssätzen.

 

Die Frucht hingegen, die der Geist Gottes hervorbringt, besteht in Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Rücksichtnahme und Selbstbeherrschung. Gegen solches Verhalten hat kein Gesetz etwas einzuwenden.
(Paulus‘ Brief an die Christen in Galatien 5,22-23)

 

Integrale Theorie

Das „Integrale“ an der Integrale Theorie ist u.a., dass ältere Weltdeutungen nicht bekämpft, sondern integriert werden. So bleiben die unterschiedlichen religiösen und Weisheits-Traditionen nicht sich gegenseitig ausschließende Standpunkte, sondern werden zu sich ergänzenden Zugängen zur Wirklichkeit. Mit Tradition wird nicht gebrochen, sondern es wird an sie angeknüpft und sie wird in ein tieferes und weiteres Verstehen des Lebens geführt.

 

Es gibt sie schon.

Integrale Theologie ist eigentlich schon längst keine Theorie mehr. Sie wird schon betrieben. (Auch wenn sie an Universitäten bis jetzt kaum zu finden ist. – Warum wohl?)

Paul R. Smith, z.B., war jahrelanger Pastor einer Southern Baptist Gemeinde (evangelikal-konservativ). Unter seiner Pastorenschaft entwickelte sich die Gemeinde zu einer integralen Gemeinde. Er hat mittlerweile auch zwei Bücher vorgelegt, in denen er die Integrale Theorie auf die christliche Tradition und die biblischen Texte anwendet.

 

verwurzelt

Der Blick zurück ist wichtig. Man sollte nur nicht in der Vergangenheit hängen bleiben und das Leben verpassen. Der Blick zurück ist wichtig, um mit den eigenen Wurzeln verbunden zu bleiben und die Kontinuität von Tradition in einer Kultur zu gewährleisten.

Auch die Liebe zu meinen Mitmenschen gebietet, Veränderungen so zu vollziehen, dass Menschen, die nicht so schnell mitkommen, sich nicht als Heimatlose und Entwurzelte in einer „schönen neuen Welt“ wiederfinden und irgendwie auf der Strecke bleiben.

Wir brauchen Integrale Theologen, die nicht nur den Wert Integraler Theologie erkennen, sondern auch den Wert der Theologie und der religiösen Traditionen, die Menschen bis heute Halt gegeben haben.

 

Schalom – Frieden – Ganzheit

Big History. Es geht um das ganz Große: Die Vollendung der Schöpfung und des Wirkens Gottes.  Integrale Theologie, als religions-philosophischer und post-konfessioneller Ansatz, könnte ein Weg sein, um alle bisherigen Traditionen und Theologien umfassender und tiefer zu verstehen und einen Weg in die Zukunft der Menschheit zu weisen.

Vielleicht könnte eine Integrale Theologie einen Beitrag leisten, um Kulturen miteinander zu versöhnen und Frieden zu schaffen.

 

 Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.

(Bergpredigt, Matthäus-Evangelium 5,9)