Gesucht: Führer für gesunde christliche Spiritualität

 

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Päpste bei der Anbetung des Lammes (Teilansicht des Genter Altars von Jan van Eyck); Hubert van Eyck [Public domain or Public domain], via Wikimedia Commons

 

»So spricht der HERR:
Wehe euch, ihr Führer meines Volkes! Ihr seid Hirten, die ihre Herde auseinandertreiben und zugrunde richten! Ich hatte euch befohlen, die Menschen meines Volkes wie Schafe zu weiden. Aber ihr habt sie zerstreut und davongejagt, anstatt für sie zu sorgen. Darum sorge ich nun dafür, dass eure Vergehen bestraft werden! Das sage ich, der HERR, der Gott Israels. Mein Wort gilt!
Ich selbst werde die Schafe sammeln, die noch von meiner Herde übrig geblieben sind. Aus allen Ländern, in die ich sie vertrieben habe, bringe ich sie in ihre Heimat zurück. Dort werden sie sich wieder vermehren und das Land bevölkern. Ich werde Hirten über sie einsetzen, die sie auf gute Weide führen. Dann werden sie sich nicht mehr fürchten und keine Angst mehr haben; niemand von ihnen geht verloren. Das verspreche ich, der HERR.
(Die Bibel, Tanach / Altes Testament, Jeremia 23. Kapitel, Verse 1-4)

 

„Na, was möchtest du mal werden, wenn du groß bist?“

Wie oft hört ein Kind wohl diese Frage? Und wie viel Wissen und wie viel Lebenserfahrung besitzt es, um auf diese Frage eine sinnvolle Antwort zu geben?

Wenn die Anzahl der Jahre bis zur Rente überschaubarer werden, fühlt sich die Frage, was man mit dem Rest seines Lebens machen will, noch etwas anders an. Manches, was man geleistet hat, erscheint rückblickend als wenig sinnvoll oder nachhaltig – auch als Christ. (Obgleich es sicherlich nicht unsere Aufgabe ist, ein abschließendes Urteil über unser Lebenswerk zu fällen.)

Ich hab mir die Frage gestellt: Wenn ich die freie Wahl hätte, auf welchem Arbeitsplatz würde ich gerne arbeiten? In was möchte ich meine restliche Arbeitskraft gerne investieren?

Führer für gesunde christliche Spiritualität

Wie wird man so etwas? Gibt es dafür irgendwo eine Ausbildung? Und, wenn man mit der Ausbildung fertig ist: Gibt es eine entsprechende Stelle, oder müsste so ein Arbeitsplatz erst noch geschaffen werden?

Ich bin schon als Kind christlich aufgewachsen und bin quasi seit fünf Jahrzehnten „Teil der Christenheit“. Ich habe den Eindruck, dass wir heutzutage nichts dringender brauchen als gesunde Spiritualität. Auch im Christentum.

Dass das Christentum entstanden ist, bedeutet nicht, dass es zu irgend einem Zeitpunkt jemals vollkommen gewesen ist. Vielmehr sehen wir schon in den neutestamentlichen Texten selbst, wie schwierig das Gestalten und die Ausbreitung einer gesunden christlichen Spiritualität schon von Anfang an gewesen ist.

Es reicht nicht zu glauben, dass Gott sich in Jesus offenbart hat; wir brauchen auch Wege, wie Christus sich heute, 2000 Jahre später, in und durch uns verwirklichen kann: als Einzelne, in unseren Herzen, unserem Alltag und Privatleben, und auch in unseren Gemeinschaften.

 

 Und so hat Christus denn auch seine Gemeinde beschenkt:
Er hat ihr die Apostel gegeben, die Propheten und Verkündiger der rettenden Botschaft, genauso wie die Hirten und Lehrer, welche die Gemeinde leiten und im Glauben unterweisen. Sie alle sollen die Christen für ihren Dienst ausrüsten, damit die Gemeinde, der Leib von Christus, aufgebaut und vollendet wird.
Dadurch werden wir im Glauben immer mehr eins werden und miteinander den Sohn Gottes immer besser kennen lernen. Wir sollen zu mündigen Christen heranreifen, zu einer Gemeinde, die ihn in seiner ganzen Fülle widerspiegelt.
(Neues Testament, Paulus‘ Brief an die Gemeinde in Ephesus, 4,11-13)

 

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In der Stille angekommen …

 

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Tonnengewölbe mit Gurtbögen: Abteikirche in Saint-Savin im Westen Frankreichs, by Lechat84 (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

 

Ich bin allein. Aber meine Seele kommt trotzdem noch nicht zur Ruhe, und in meinem Kopf wird es nicht still. Die Erlebnisse des Tages zerren noch an mir und eine Fülle von Eindrücken wirken noch nach. Und nachts, in den Träumen, steigen Bilder aus den Tiefen meiner Seele …

Wie macht man das, dass man in der Stille ankommt?

„In der Stille angekommen …“ – Einfache und schöne Worte … aber nicht ganz so leicht umzusetzen. Die Formulierung stammt von einem christlichen Lied von Christoph Zehendner. Wer neugierig geworden ist, kann es sich auf YouTube ansehen:

 

 

Zeit & Stille. Ein einfaches Konzept für unser gestresstes Leben.

Wir alle haben Zeit – theoretisch. Jeden Morgen neu, 24 Stunden am Tag. Wenn wir bewusst unseren Tag gestalten, unser Leben in die Hand nehmen und entscheiden, wofür wir unsere Zeit nutzen, dann haben wir die Chance, in unserem Leben zeitliche Freiräume zu schaffen für das, was wirklich wichtig ist. Noch besser wäre, wenn wir erfasst würden, von den wichtigen Fragen des Lebens selbst, getragen vom Wesentlichen, als nur Getriebene zu sein, von den alltäglichen Dringlichkeiten.

Der moderne Großstadtmensch findet Stille oft nur noch mit Ohren-Stöpseln. Manche suchen Stille in der Natur und auch dort hören wir das Flugzeug sich annähern und wieder entfernen. Es ist allerhöchste Zeit, in einer gestressten und reizüberfluteten Welt, dass wir in unserem eigenen Leben und in der Gesellschaft Freiräume für Zeit und Stille schaffen. Wir dürfen nicht darauf warten, dass das von alleine passiert oder es andere für uns tun – um unser selbst und anderer willen.

 

Da packte Elija die Angst und er lief um sein Leben … und ging eine Tagereise weit in die Wüste hinein … „Steh auf und iss! … Du hast einen weiten Weg vor dir.“
Er erhob sich, aß und trank und machte sich auf den Weg. Die Speise gab ihm so viel Kraft, dass er vierzig Tage und Nächte hindurch gehen konnte, bis er zum Gottesberg Horeb kam …
 Da kam ein heftiger Sturm herauf, der Felsen aus den Bergen riss und vor Jahwe zerschmetterte. Doch Jahwe war nicht im Sturm. Nach dem Sturm bebte die Erde, aber Jahwe war nicht im Beben. Nach dem Erdbeben ein Feuer, doch Jahwe war nicht im Feuer. Nach dem Feuer der Ton eines dahinschwebenden Schweigens …
Als Elija das hörte, verhüllte er sein Gesicht mit dem Mantel und stellte sich in den Eingang der Höhle. Da fragte ihn eine Stimme: „Was tust du hier, Elija?“ …
————————————————————————————————————————–
(Die Bibel, Tanach / Altes Testament, 1. Buch der Könige, 19. Kapitel, Verse 3-13)

 

Menschen suchten die Einsamkeit als einen Ort der Klärung und Berufung: Elija am Horeb (1. Kön. 19), Johannes der Täufer, Jesus (Mk 1,35), …

Das Motiv der Wüste taucht in biblischen Erzählungen immer wieder auf. Ein Ort der Einsamkeit, Kargheit, der Begegnung mit sich selbst. Ein Ort der Vorbereitung.

In der Geschichte waren und sind Klöster Orte der Kontemplation. Nicht unbedingt eine gute Idee für jeden oder für alle Zeit; aber wenn man für sich selbst, für den Augenblick, eine Lösung gefunden hat, um mehr Zeit für Stille zu finden, hat man schon eine ganze Menge gewonnen.

Habt ihr selbst schon ähnliche Erfahrungen gemacht? Oder habt ihr Tipps, wie man es schafft „in der Stille anzukommen“?

[Dies ist die Überarbeitung eines älteren Artikel. Den älteren Artikel mit Kommentaren findet ihr hier.]

 

Ver-trau dich!

 

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„Sky Walker – Heaven of Dreams“ von Hartwig HKD via flickr (CC BY-ND 2.0, https://creativecommons.org/licenses/by-nd/2.0)

 

Leben in Angst, zurückgezogen hinter die eigene Fassade. Privates Unglück in den eigenen vier Wänden. Mit dem Rücken zur Wand. Wer weiß schon, was da so alles gelebt wird, hinter deutschen Fenstern …

Wenn ein kleiner neuer Mensch in die Welt plumpst, sind hoffentlich Hände da, die es auffangen. Ein Baby braucht sich nicht den Kopf darüber zerbrechen, wem es vertrauen kann – es hat sowieso keine Wahl. Vertrauen ist für ein kleines Kind überlebenswichtig. Doch auch bei den besten Eltern und der am besten behüteten Kindheit wird irgendwann einmal der Moment kommen, wenn das Vertrauen eines Kindes enttäuscht wird. Es muss nicht einmal böse Absicht sein. In einer unvollkommenen Welt ist die Enttäuschung positiver Erwartungen vorprogrammiert.

Enttäuschungen kommen in einer großen Vielfalt: von  klitzeklein  bis  RIESENGROSS . Und es ist nicht nur das Ausbleiben von Erhofftem, mit dem Kinder konfrontiert werden. Irgendwann begegnen sie auch Leiden und Bösem, das sie bis dahin in ihrem noch jungen Leben nicht gekannt haben. Sie fangen an sich selbst wiederzufinden in einem Wechselspiel von Misstrauen, Trauen und Vertrauen, das ein Leben lang nicht mehr aufhören wird.

Leben ist nicht möglich, ohne zu vertrauen. Wir brauchen ein Minimum an Vertrauen, um überhaupt einen nächsten Schritt zu machen. „Trauen“ kommt  vor  „Vertrauen“. Aber es wäre leichtsinnig und potentiell lebensgefährlich, wenn man jedem und allem vertraut. – Wer oder was ist vertrauens-würdig ?

Und was macht man, wenn Vertrauen enttäuscht, oder sogar missbraucht worden ist? Wenn man Gewalterfahrungen am eigenen Körper gespürt hat? Vielleicht sogar durch Menschen, die einem nahe stehen, oder standen? Traumatisierungen der Seele stellen Vertrauen in Frage.

Und so manch einer ist von sich selbst enttäuscht worden. Man hatte sich hohe Ziele gesteckt und zu früh schlapp gemacht. Man hatte hohe moralische Maßstäbe, aber hat es nicht geschafft danach zu leben. Man weiß, dass es falsch ist, und macht es doch immer wieder. Man hat einen anderen Menschen geschädigt; man hat ein gesellschaftliches Tabu gebrochen; man hat das Unvorstellbare getan. Man kennt sich selbst nicht mehr und mag sich auch nicht mehr besser kennenlernen. – Wie kann man noch sich selbst oder irgend jemand anderem vertrauen, wenn man schon in sich selbst Ohnmacht und Bösem begegnet? Ist ein Leben im Misstrauen nicht notwendiger Realismus?

 

Wir bringen es zwar fertig, uns das Gute vorzunehmen; aber wir sind zu schwach, es auszuführen. Wir tun nicht das Gute, das wir wollen, sondern gerade das Böse, das wir nicht wollen. … Ich unglückseliger Mensch! Wer rettet mich aus dieser tödlichen Verstrickung?

(Der Apostel Paulus in seinem Brief an die Römer, Bibel, Neues Testament, 7. Kapitel, Verse 18-24)

 

In unserem Ringen um Vertrauen begegnet uns die optimistische Behauptung eines Mannes aus Nazareth: Das Friedensreich Gottes ist jetzt schon im Anbrechen!

Diese einfache Botschaft ist eine Kampfansage an die vornehme Zurückhaltung der Agnostiker und den Zynismus der Skeptiker. Eine Einladung zum Vertrauen. Es gibt ein Ziel, ein Happy End, einen Sinn fürs Leben. Es gibt Licht in der Dunkelheit und eine Wahrheit, die frei macht. Wir dürfen uns aufrichten, weil Gott selbst uns wieder aufrichtet. Er selbst ist es, der Leben neu möglich macht und seine Friedensherrschaft aufrichtet, die in Zeit und Raum keine Grenzen kennt. Gott hat ein gutes Ziel und wird es auch erreichen. Und wir dürfen mitmachen!

Den Weg Jesu kann man ausprobieren. Man muss nicht die Katze im Sack kaufen:

 

Wer von euch bereit ist, Gottes Willen zu tun, der wird erkennen, ob diese Worte von Gott kommen oder ob es meine eigenen Gedanken sind.

(Neues Testament, Johannes-Evangelium 7,17)

 

Wer meine Worte hört und danach handelt, der ist klug. Man kann ihn mit einem Mann vergleichen, der sein Haus auf felsigen Grund baut. Wenn ein Wolkenbruch niedergeht, das Hochwasser steigt und der Sturm am Haus rüttelt, wird es trotzdem nicht einstürzen, weil es auf Felsengrund gebaut ist.

(Matthäus-Evangelium 7,24-25)

 

In den Worten Jesu steht eine Menge darüber, wie man richtig leben kann. Das kann man ausprobieren und seine Erfahrungen machen. Und man kann auch das Leben anderer Menschen beobachten und aus dem, was man gelernt hat, seine Schlüsse ziehen.

Für manchen klingt die gute Nachricht von Jesus leider nicht mehr so gut. Im Namen Jesu ist schon in der Vergangenheit viel Unrecht geschehen und auch heute wird sein Name vielfach missbraucht.Und so manch einer, der sich schon einmal für Jesus interessiert hat, hat das Interesse wieder verloren – viele verschiedene Gründe. Aufrufen zum Glauben wird oft misstraut (und oft zu Recht). – Wie kann jemand sich trauen, Gott noch einmal zur vertrauen, wenn es schon einmal nicht richtig geklappt hat?

Vertrauen braucht ein Fundament und ein Gegenüber. Es ist nur die Wirklichkeit Gottes selbst, die einen Menschen zum Glauben locken kann. Gott ist die Quelle des Lebens. Er allein ist absolut – all unser menschliches Denken und Tun ist immer relativ. Menschen können enttäuschen, lügen und missbrauchen.

Unsere Seele braucht einen Anker beim ewigen Gott. Wohl dem, der sein Leben fest macht in der Unendlichkeit. Absolutes Vertrauen ist nur gesund, wenn es Vertrauen in Gott ist. Alles andere Vertrauen ist damit automatisch immer eingeschränkt. Von Jesus sind die Worte überliefert: „Ihr könnt nicht gleichzeitig zwei verschiedenen Herren dienen!“

Manchmal wird die Botschaft von Jesus verkündigt als ein Denkgebäude aus heiligen Versen und theologischen Argumenten. Sich selbst, seinen eigenen Gefühlen und seinem Verstand soll man misstrauen, aber dafür auf die Worte eines Predigers hören, sich einer christlichen Tradition anschließen und ein Glaubensbekenntnis unterschreiben. Manchmal landen Menschen sogar in Sekten, und man mag staunen, dass manche ziemlich zufrieden dabei zu sein scheinen, sich sagen zu lassen, was sie zu denken und zu tun haben.

Vor langer Zeit schon hatten Propheten ein andere Vision:

 

… das ist der Bund, den ich mit dem Haus Israel nach jenen Tagen schließen werde, spricht der HERR: Ich werde mein Gesetz in ihr Inneres legen und werde es auf ihr Herz schreiben. Und ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein. Dann wird nicht mehr einer seinen Nächsten oder einer seinen Bruder lehren und sagen: Erkennt den HERRN! Denn sie alle werden mich erkennen von ihrem Kleinsten bis zu ihrem Größten, spricht der HERR. Denn ich werde ihre Schuld vergeben und an ihre Sünde nicht mehr denken.

(Altes Testament, Jeremia 31,33-34)

 

Es kommt die Zeit, da werde ich meinen Geist ausgießen über alle Menschen. Eure Männer und Frauen werden dann zu Propheten; Alte und Junge haben Träume und Visionen. Sogar über die Knechte und Mägde werde ich zu jener Zeit meinen Geist ausgießen.

(Joel 3,1-2)

 

Denkt daran: Der Heilige Geist, mit dem Christus euch gesalbt hat, ist in euch und bleibt in euch. Deshalb seid ihr nicht darauf angewiesen, dass euch jemand belehrt. Nein, der Geist Gottes, mit dem ihr ausgerüstet seid, gibt euch über alles Aufschluss, und was er euch lehrt, ist wahr und keine Lüge. Darum bleibt in Christus, wie Gottes Geist es euch gelehrt hat!

(Neues Testament, 1. Johannesbrief 2,27)

 

Kaum raus aus deinem Schneckenhaus! Lass dich ziehen und tragen von einer Kraft, die größer ist als du selbst!

 

[Dies ist die Überarbeitung eines älteren Posts. Den älteren Post mit Kommentaren findet ihr hier: https://schmillblog.wordpress.com/2016/12/14/ver-trau-dich/ ]

 

Ein biblisches Ruhekissen

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Friedrich Wilhelm Schadow [Public domain], via Wikimedia Commons

 

Es gibt eine Schläfrigkeit, die zum Tod führt, und manch einer, der so vor sich hin döst, hat sich mit Bibelversen gut abgepolstert.

Gesunder Schlaf ist wichtig. Schlafstörungen können eine große Belastung sein und haben die Macht, das Leben auf den Kopf zu stellen. Manche Menschen schlafen nicht gut, weil der fernsehende Nachbar schwerhörig oder die Matratze zu weich ist. Andere schlafen nicht gut, weil ihre Seele aus dem Gleichgewicht gekommen ist. Auch wenn der Körper erschöpft ist, kann der ganze Mensch sich doch nicht entspannen.

Viele Menschen sehnen sich nach Geborgenheit. Wir brauchen einen Ort, wo wir uns sicher fühlen können. Kein Mensch kann pausenlos kämpfen. Und wenn wir ein Bedürfnis haben, machen wir uns auf die Suche …

 

Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.

(Jesus aus Nazareth in: Die Bibel, Neues Testament, Matthäus-Evangelium, 11. Kapitel, Vers 28)

 

Der Weg Jesu ist nicht der leichte, breite Weg. Das Evangelium ist kein attraktives Angebot für Schnäppchenjäger. Es kostet das ganze Leben und ist gleichzeitig gratis. Geschenkt. Gefragt ist nicht, was wir haben, sondern wer wir sind. Die Ruhe, die Jesus verspricht, erwächst aus Vertrauen. Vertrauen zu Gott. Gott schenkt Frieden, der über unser Verstehen hinausgeht.

Aber um unsere Angst im Zaum zu halten, suchen wir Sicherheit, und um Bedrohungen abzuwenden, wollen wir kontrollieren. Glaube ist Antwort auf die Stimme Gottes. Völlige Hingabe an ein himmlisches Du, das wir nicht sehen können, über das wir nicht verfügen können, das wir nicht beweisen, nicht kontrollieren und nicht vorzeigen können. Die einzige Sicherheit, die wir im Glauben haben, ist die Sicherheit, die aus diesem Vertrauen erwächst. Dies ist dann allerdings eine Sicherheit mit ewigen Dimensionen.

Für viele Menschen ist der Verlust der eigenen Kontrolle eine Horrorvorstellung. Wir alle haben nicht nur gute Erfahrungen im Umgang mit Menschen gehabt; und die Vorstellung von Gott sprengt sowieso all unsere Vorstellungskraft. Unbekanntes kann Angst machen.

 

Als das ganze Volk erlebte, wie es blitzte und donnerte, Posaunenschall ertönte und der Berg rauchte, bekam es große Angst und blieb zitternd in weiter Ferne stehen. Die Leute sagten zu Mose: »Wir haben Angst, wenn Gott so mit uns redet. Wir werden noch alle umkommen! Sprich du an seiner Stelle zu uns, wir wollen auf dich hören.« Da sagte Mose zum Volk: »Ihr müsst keine Angst haben. Gott ist nur gekommen, um euch auf die Probe zu stellen …

(Altes Testament, Tora, 2. Mose / Exodus / Schemot 20,18-20)

 

Nur Vertrauen kann Angst überwinden. Ver-trauen hat auch etwas mit trauen zu tun. Sich trauen ein Wagnis einzugehen und Schritte ins Ungewisse zu gehen – in ein neues Land des Vertrauens, das Gott uns zeigt. Wie Abraham, Vater des Glaubens für Juden und Christen.

Weil wir Gott nicht vertrauen wollen, suchen wir uns Sicherheiten, über die wir mehr Kontrolle haben: Glücksbringer; Rituale, die wir nach Bedarf anwenden können; Glück, das man sich kaufen kann; Argumente, die wir verstehen; Bibelverse, die man auswendig lernen kann und ein Denkgebäude, das uns Halt gibt; ein christliches Glaubenssystem, das uns einleuchtet, und das man auch anderen erklären kann; Dogmen, die uns sagen können, das alles in Ordnung ist.

Wir erzählen einander nicht mehr die biblischen Geschichten oder von den Erfahrungen des Glaubens aus unserem eigenen Leben, sondern lernen den „richtigen“ Glauben aus Katechismen und vom Predigerpult. Wir haben uns in den vergangenen 2000 Jahren ein Denkgebäude aus Bibelversen gebaut, in dem wir meinen sicher zu sein. Mit dem Dogma von der Unfehlbarkeit der Bibel haben wir uns ein Machtinstrument geschaffen, um unsere Bedürfnisse zu befriedigen und unsere Interessen zu verteidigen. Eine selbst-gemachte Religion, und die Bibel als Götze.

 

So riss sich denn das ganze Volk die goldenen Ringe ab, die an ihren Ohren hingen, und sie brachten sie zu Aaron … und machte ein gegossenes Kalb … Und sie sagten: Das ist dein Gott, Israel, der dich aus dem Land Ägypten heraufgeführt hat. Als Aaron das sah, baute er einen Altar vor ihm, und Aaron rief aus und sagte: Ein Fest für JAHWE ist morgen!

(2. Mose / Exodus / Schemot 32,3-5)

 

Vielleicht entsteht bei manch einem, der meine Texte liest, der Eindruck, ich wollte Gläubige verunsichern. Das stimmt nicht ganz. Ich möchte eine falsche Sicherheit erschüttern, um wahre Sicherheit zu finden – Sicherheit des Glaubens, Geborgenheit und Orientierung durch Jesus. Eine selbst-gemachte Sicherheit ist ein marodes Fundament. Jesus sagt lapidar: „Meine Schafe hören meine Stimme.“ (Johannes 10,27)

 

Wer meine Worte hört und danach handelt, der ist klug. Man kann ihn mit einem Mann vergleichen, der sein Haus auf felsigen Grund baut. Wenn ein Wolkenbruch niedergeht, das Hochwasser steigt und der Sturm am Haus rüttelt, wird es trotzdem nicht einstürzen, weil es auf Felsengrund gebaut ist. Wer sich meine Worte nur anhört, aber nicht danach lebt, der ist so unvernünftig wie einer, der sein Haus auf Sand baut. Denn wenn ein Wolkenbruch kommt, die Flut das Land überschwemmt und der Sturm um das Haus tobt, wird es aus allen Fugen geraten und krachend einstürzen.

(Matthäus-Evangelium 7,24-27)

 

Das feste Fundament von dem Jesus in der Bergpredigt spricht, ist weder die Bibel noch ein in sich geschlossenes christliches Glaubenssystem aus Bibelversen. Es ist das Hören UND TUN der Worte Jesu. Ein Leben aus dem Vertrauen zu Gott.

 

Glücklich sind, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott sehen … Liebt eure Feinde und betet für alle, die euch verfolgen! So erweist ihr euch als Kinder eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne für Böse wie für Gute scheinen, und er lässt es regnen für Fromme und Gottlose … Wenn du beten willst, geh in dein Zimmer, schließ die Tür, und dann bete zu deinem Vater, der auch im Verborgenen gegenwärtig ist; und dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird dich belohnen … euer Vater weiß genau, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn um etwas bittet … sammelt euch Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Wurm sie zerstören und keine Diebe einbrechen und sie stehlen. Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz … Zerbrecht euch also nicht mehr den Kopf mit Fragen wie: ‚Werden wir genug zu essen haben? Und was werden wir trinken? Was sollen wir anziehen?‘ Mit solchen Dingen beschäftigen sich nur Menschen, die Gott nicht kennen. Euer Vater im Himmel weiß doch genau, dass ihr dies alles braucht. Sorgt euch vor allem um Gottes neue Welt, und lebt nach Gottes Willen! Dann wird er euch mit allem anderen versorgen. Deshalb sorgt euch nicht um morgen … Bittet Gott, und er wird euch geben! Sucht, und ihr werdet finden! Klopft an, und euch wird die Tür geöffnet … Wenn schon ihr hartherzigen Menschen euren Kindern Gutes gebt, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes schenken, die ihn darum bitten …

(Bergpredigt, Matthäus 5-7)

 

Manche arbeiten an einem Bibelverständnis und einem theologischen System, welches dann den Gläubigen Sicherheit für ihren Glauben und ihr Leben liefern soll, und Antworten auf alle Fragen. – Was für eine Sicherheit wird das dann sein?

Fundamentalismus ist ein Konzept, das nicht zum Leben passt. Es tut uns selbst nicht gut, und auch nicht anderen. Ich bin selbst in einer fundamentalistischen Gemeinde aufgewachsen und habe mich jahrelang mit dieser Tradition herumgeschlagen und lange gebraucht, um zu verstehen, dass man mit den biblischen Texten auch anders umgehen kann.

Ich verstehe, dass Menschen ein unterschiedliches Bedürfnis nach Sicherheit haben. Dies ist auch abhängig von unseren Lebensumständen und von der Erfahrung im Glauben. Ich möchte nicht, jemandes Glauben an Jesus beschädigen, sondern zu einem besseren Verstehen beitragen. Paulus sagt im Galaterbrief, dass die Tora den Gläubigen als etwas Vorübergehendes gegeben wurde, solange sie noch nicht mündig waren, wie Kinder. Jetzt aber ist die Zeit gekommen, wo wir durch den Geist Gottes im Glauben mündig und erwachsen werden können und sollen.

Man kann sich aus Bibelversen eine Hängematte stricken, in der sich gut ein Nickerchen machen lässt – und man verpennt das Leben. Man kann sich aber auch immer wieder von diesen alten Texten inspirieren und herausfordern lassen und von Jesus lernen, Gott zu vertrauen.

 

Jeder weiß, dass ihr selbst ein Brief Christi seid, den wir in seinem Auftrag geschrieben haben; nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes; nicht auf steinerne Gesetzestafeln wie bei Mose, sondern in menschliche Herzen. Das wagen wir nur deshalb zu sagen, weil wir Gott vertrauen … Wir verkünden nicht länger die Herrschaft des geschriebenen Gesetzes, sondern das neue Leben durch Gottes Geist. Denn der Buchstabe tötet, Gottes Geist aber schenkt Leben.

(Paulus im 2. Korintherbrief 3,3-6)

 

Aber viele Christen schlafen weiter in ihrem aus Bibelversen gezimmerten Denkgebäude – bis der Sturm kommt …

[Dies ist die Überarbeitung eines älteren Artikels. Den älteren Artikel mit Kommentaren findet ihr hier: https://schmillblog.wordpress.com/2016/11/23/mit-der-bibel-schlafen.]

 

Ver-trau dich!

 

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„Sky Walker – Heaven of Dreams“ von Hartwig HKD via flickr (CC BY-ND 2.0, https://creativecommons.org/licenses/by-nd/2.0)

 

Leben in Angst, zurückgezogen hinter die eigene Fassade. Privates Unglück in den eigenen vier Wänden. Mit dem Rücken zur Wand. Wer weiß schon, was da so alles gelebt wird, hinter deutschen Fenstern …

Wenn ein kleiner neuer Mensch in die Welt plumpst, sind hoffentlich Hände da, die es auffangen. Ein Baby braucht sich nicht den Kopf darüber zerbrechen, wem es vertrauen kann – es hat sowieso keine Wahl. Vertrauen ist für ein kleines Kind überlebenswichtig. Doch auch bei den besten Eltern und der am besten behüteten Kindheit wird irgendwann einmal der Moment kommen, wenn das Vertrauen eines Kindes enttäuscht wird. Es muss nicht einmal böse Absicht sein. In einer unvollkommenen Welt ist die Enttäuschung positiver Erwartungen vorprogrammiert.

Enttäuschungen kommen in einer großen Vielfalt: von  klitzeklein  bis  RIESENGROSS . Und es ist nicht nur das Ausbleiben von Erhofftem, mit dem Kinder konfrontiert werden. Irgendwann begegnen sie auch Leiden und Bösem, das sie bis dahin in ihrem noch jungen Leben nicht gekannt haben. Sie fangen an sich selbst wiederzufinden in einem Wechselspiel von Misstrauen, Trauen und Vertrauen, das ein Leben lang nicht mehr aufhören wird.

Leben ist nicht möglich, ohne zu vertrauen. Wir brauchen ein Minimum an Vertrauen, um überhaupt einen nächsten Schritt zu machen. „Trauen“ kommt  vor  „Vertrauen“. Aber es wäre leichtsinnig und potentiell lebensgefährlich, wenn man jedem und allem vertraut. – Wer oder was ist vertrauens-würdig ?

Und was macht man, wenn Vertrauen enttäuscht, oder sogar missbraucht worden ist? Wenn man Gewalterfahrungen am eigenen Körper gespürt hat? Vielleicht sogar durch Menschen, die einem nahe stehen, oder standen? Traumatisierungen der Seele stellen Vertrauen in Frage.

Und so manch einer ist von sich selbst enttäuscht worden. Man hatte sich hohe Ziele gesteckt und zu früh schlapp gemacht. Man hatte hohe moralische Maßstäbe, aber hat es nicht geschafft danach zu leben. Man weiß, dass es falsch ist, und macht es doch immer wieder. Man hat einen anderen Menschen geschädigt; man hat ein gesellschaftliches Tabu gebrochen; man hat das Unvorstellbare getan. Man kennt sich selbst nicht mehr und mag sich auch nicht mehr besser kennenlernen. – Wie kann man noch sich selbst oder irgend jemand anderem vertrauen, wenn man schon in sich selbst Ohnmacht und Bösem begegnet? Ist ein Leben im Misstrauen nicht notwendiger Realismus?

 

„Wir bringen es zwar fertig, uns das Gute vorzunehmen; aber wir sind zu schwach, es auszuführen. Wir tun nicht das Gute, das wir wollen, sondern gerade das Böse, das wir nicht wollen. … Ich unglückseliger Mensch! Wer rettet mich aus dieser tödlichen Verstrickung?“

(Der Apostel Paulus in seinem Brief an die Römer, Bibel, Neues Testament, 7. Kapitel, Verse 18-24)

 

In unserem Ringen um Vertrauen begegnet uns die optimistische Behauptung eines Mannes aus Nazareth: Das Friedensreich Gottes ist jetzt schon im Anbrechen!

Diese einfache Botschaft ist eine Kampfansage an die vornehme Zurückhaltung der Agnostiker und den Zynismus der Skeptiker. Eine Einladung zum Vertrauen. Es gibt ein Ziel, ein Happy End, einen Sinn fürs Leben. Es gibt Licht in der Dunkelheit und eine Wahrheit, die Freiheit macht. Wir dürfen uns aufrichten, weil Gott selbst uns wieder aufrichtet. Er selbst ist es, der Leben neu möglich macht und seine Friedensherrschaft aufrichtet, die in Zeit und Raum keine Grenzen kennt. Gott hat ein gutes Ziel und wird es auch erreichen. Und wir dürfen mitmachen!

Den Weg Jesu kann man ausprobieren. Man muss nicht die Katze im Sack kaufen:

 

„Wer von euch bereit ist, Gottes Willen zu tun, der wird erkennen, ob diese Worte von Gott kommen oder ob es meine eigenen Gedanken sind.“

(Neues Testament, Johannes-Evangelium 7,17)

 

„Wer meine Worte hört und danach handelt, der ist klug. Man kann ihn mit einem Mann vergleichen, der sein Haus auf felsigen Grund baut. Wenn ein Wolkenbruch niedergeht, das Hochwasser steigt und der Sturm am Haus rüttelt, wird es trotzdem nicht einstürzen, weil es auf Felsengrund gebaut ist.“

(Matthäus-Evangelium 7,24-25)

 

In den Worten Jesu steht eine Menge darüber, wie man richtig leben kann. Das kann man ausprobieren und seine Erfahrungen machen. Und man kann auch das Leben anderer Menschen beobachten und seine Schlüsse ziehen.

Für manchen klingt die gute Nachricht von Jesus leider nicht mehr so gut. Im Namen Jesu ist schon in der Vergangenheit viel Unrecht geschehen und auch heute wird sein Name vielfach missbraucht.Und so manch einer, der sich schon einmal für Jesus interessiert hat, hat das Interesse wieder verloren – viele verschiedene Gründe. Aufrufen zum Glauben wird oft misstraut (und oft zu Recht). – Wie kann jemand sich trauen, Gott noch einmal zur vertrauen, wenn es schon einmal nicht richtig geklappt hat?

Vertrauen braucht ein Fundament und ein Gegenüber. Es ist nur die Wirklichkeit Gottes selbst, die einen Menschen zum Glauben locken kann. Gott ist die Quelle des Lebens. Er allein ist absolut – all unser menschliches Denken und Tun ist immer relativ. Menschen können enttäuschen, lügen und missbrauchen.

Unsere Seele braucht einen Anker beim ewigen Gott. Wohl dem, der sein Leben fest macht in der Unendlichkeit. Absolutes Vertrauen ist nur gesund, wenn es Vertrauen in Gott ist. Alles andere Vertrauen ist damit automatisch immer eingeschränkt. Von Jesus sind die Worte überliefert: „Ihr könnt nicht gleichzeitig zwei verschiedenen Herren dienen!“

Manchmal wird die Botschaft von Jesus verkündigt als ein Denkgebäude aus heiligen Versen und theologischen Argumenten. Sich selbst, seinen eigenen Gefühlen und seinem Verstand soll man misstrauen, aber dafür auf die Worte eines Predigers hören, sich einer christlichen Tradition anschließen und ein Glaubensbekenntnis unterschreiben. Manchmal landen Menschen sogar in Sekten, und man mag staunen, dass manche ziemlich zufrieden dabei zu sein scheinen, sich sagen zu lassen, was sie zu denken und zu tun haben.

Vor langer Zeit schon hatten Propheten ein andere Vision:

 

„… das ist der Bund, den ich mit dem Haus Israel nach jenen Tagen schließen werde, spricht der HERR: Ich werde mein Gesetz in ihr Inneres legen und werde es auf ihr Herz schreiben. Und ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein. Dann wird nicht mehr einer seinen Nächsten oder einer seinen Bruder lehren und sagen: Erkennt den HERRN! Denn sie alle werden mich erkennen von ihrem Kleinsten bis zu ihrem Größten, spricht der HERR. Denn ich werde ihre Schuld vergeben und an ihre Sünde nicht mehr denken.“

(Altes Testament, Jeremia 31,33-34)

 

„Es kommt die Zeit, da werde ich meinen Geist ausgießen über alle Menschen. Eure Männer und Frauen werden dann zu Propheten; Alte und Junge haben Träume und Visionen. Sogar über die Knechte und Mägde werde ich zu jener Zeit meinen Geist ausgießen.“

(Joel 3,1-2)

 

„Denkt daran: Der Heilige Geist, mit dem Christus euch gesalbt hat, ist in euch und bleibt in euch. Deshalb seid ihr nicht darauf angewiesen, dass euch jemand belehrt. Nein, der Geist Gottes, mit dem ihr ausgerüstet seid, gibt euch über alles Aufschluss, und was er euch lehrt, ist wahr und keine Lüge. Darum bleibt in Christus, wie Gottes Geist es euch gelehrt hat!“

(1. Johannesbrief 2,27)

 

Kaum raus aus deinem Schneckenhaus! Lass dich ziehen und tragen von einer Kraft, die größer ist als du selbst!

[Eine neuere Überarbeitung des Artikels findet ihr hier.]

MIT DER BIBEL SCHLAFEN

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Friedrich Wilhelm Schadow [Public domain], via Wikimedia Commons

Gesunder Schlaf ist wichtig. Schlafstörungen sind eine Last und haben die Macht, das Leben auf den Kopf zu stellen.

Manche Menschen schlafen nicht gut, weil der fernsehende Nachbar schwerhörig oder die Matratze zu weich ist. Andere schlafen nicht gut, weil ihre Seele aus dem Gleichgewicht gekommen ist. Auch wenn der Körper erschöpft ist, kann der ganze Mensch sich doch nicht entspannen.

Viele Menschen sehnen sich nach Geborgenheit. Wir brauchen einen Ort, wo wir uns sicher fühlen können. Kein Mensch kann pausenlos kämpfen. Und wenn wir ein Bedürfnis haben, machen wir uns auf die Suche.

„Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.“

(Jesus aus Nazareth in: Die Bibel, Neues Testament, Matthäus-Evangelium, 11. Kapitel, Vers 28)

Der Weg Jesu ist nicht der leichte, breite Weg. Das Evangelium ist kein attraktives Angebot für Schnäppchenjäger. Es kostet das ganze Leben und ist gleichzeitig gratis. Geschenkt. Gefragt ist nicht, was wir haben, sondern wer wir sind. Die Ruhe, die Jesus verspricht, erwächst aus Vertrauen. Vertrauen zu Gott. Gott schenkt Frieden, der über unser Verstehen hinausgeht. Er führt uns zur ewigen Sabbatruhe: Schalom, die Vollendung seiner sehr guten Schöpfung.

Aber um unsere Angst im Zaum zu halten, suchen wir Sicherheit; und um Bedrohungen abzuwenden, wollen wir kontrollieren. Glaube ist Antwort auf die Stimme Gottes. Völlige Hingabe an ein himmlisches Du, das wir nicht sehen können, über das wir nicht verfügen können, das wir nicht beweisen, nicht kontrollieren und nicht vorzeigen können. Die einzige Sicherheit, die wir im Glauben haben, ist die Sicherheit, die aus diesem Vertrauen erwächst. Dies ist dann allerdings eine Sicherheit mit ewigen Dimensionen.

Für viele Menschen ist der Verlust der eigenen Kontrolle eine Horrorvorstellung. Wir alle haben nicht nur gute Erfahrungen im Umgang mit Menschen gehabt. Und die Vorstellung von Gott sprengt sowieso all unsere Vorstellungskraft. Unbekanntes kann Angst machen.

„Als das ganze Volk erlebte, wie es blitzte und donnerte, Posaunenschall ertönte und der Berg rauchte, bekam es große Angst und blieb zitternd in weiter Ferne stehen. Die Leute sagten zu Mose: »Wir haben Angst, wenn Gott so mit uns redet. Wir werden noch alle umkommen! Sprich du an seiner Stelle zu uns, wir wollen auf dich hören.«  Da sagte Mose zum Volk: »Ihr müsst keine Angst haben. Gott ist nur gekommen, um euch auf die Probe zu stellen …“

2. Mose / Exodus / Schemot  20,18-20

Nur Vertrauen kann Angst überwinden. Ver-trauen hat auch etwas mit trauen zu tun. Sich trauen ein Wagnis einzugehen und Schritte ins Ungewisse zu gehen – in ein neues Land des Vertrauens, das Gott uns zeigt. Wie Abraham, Vater des Glaubens für Juden und Christen.

Weil wir Gott  nicht  vertrauen wollen, suchen wir uns Sicherheiten, über die wir mehr Kontrolle haben:  Glücksbringer; Rituale, die wir nach Bedarf anwenden können; Glück, das man sich kaufen kann; Argumente, die wir verstehen; Bibelverse, die man auswendig lernen kann und ein Denkgebäude, das uns Halt gibt; ein christliches Glaubenssystem, das uns einleuchtet, und das man auch anderen erklären kann; Dogmen, die uns sagen können, das alles in Ordnung ist.

Wir erzählen einander nicht mehr die biblischen Geschichten oder von den Erfahrungen des Glaubens aus unserem eigenen Leben, sondern lernen den „richtigen“ Glauben aus Katechismen und vom Predigerpult. Wir haben uns in den vergangenen 2000 Jahren ein Denkgebäude aus Bibelversen gebaut, in dem wir meinen sicher zu sein. Mit dem Dogma von der Unfehlbarkeit der Bibel haben wir uns ein Machtinstrument geschaffen, um unsere Bedürfnisse zu befriedigen und unsere Interessen zu verteidigen. Eine selbst-gemachte Religion, und die Bibel als Götze.

„So riss sich denn das ganze Volk die goldenen Ringe ab, die an ihren Ohren hingen, und sie brachten sie zu Aaron … und machte ein gegossenes Kalb … Und sie sagten: Das ist dein Gott, Israel, der dich aus dem Land Ägypten heraufgeführt hat. Als Aaron das sah, baute er einen Altar vor ihm, und Aaron rief aus und sagte: Ein Fest für  JAHWE  ist morgen!“

2. Mose / Exodus / Schemot 32,3-5

Vielleicht entsteht bei manch einem, der meine Texte liest, der Eindruck, ich wollte Gläubige verunsichern. Das stimmt nicht ganz. Ich möchte eine falsche Sicherheit erschüttern, um wahre Sicherheit zu finden – Sicherheit des Glaubens, Geborgenheit und Orientierung durch Jesus. Eine selbst-gemachte Sicherheit ist ein marodes Fundament. Jesus sagt lapidar: Meine Schafe hören meine Stimme.

„Wer meine Worte hört und danach handelt, der ist klug. Man kann ihn mit einem Mann vergleichen, der sein Haus auf felsigen Grund baut. Wenn ein Wolkenbruch niedergeht, das Hochwasser steigt und der Sturm am Haus rüttelt, wird es trotzdem nicht einstürzen, weil es auf Felsengrund gebaut ist. Wer sich meine Worte nur anhört, aber nicht danach lebt, der ist so unvernünftig wie einer, der sein Haus auf Sand baut. Denn wenn ein Wolkenbruch kommt, die Flut das Land überschwemmt und der Sturm um das Haus tobt, wird es aus allen Fugen geraten und krachend einstürzen.“

Matthäus-Evangelium 7,24-27

Das feste Fundament von dem Jesus in der Bergpredigt spricht, ist weder die Bibel noch ein in sich geschlossenes christliches Glaubenssystem aus Bibelversen. Es ist das Hören  UND TUN  der Worte Jesu. Ein Leben aus dem Vertrauen zu Gott.

„Glücklich sind, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott sehen … Liebt eure Feinde und betet für alle, die euch verfolgen! So erweist ihr euch als Kinder eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne für Böse wie für Gute scheinen, und er lässt es regnen für Fromme und Gottlose … Wenn du beten willst, geh in dein Zimmer, schließ die Tür, und dann bete zu deinem Vater, der auch im Verborgenen gegenwärtig ist; und dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird dich belohnen … euer Vater weiß genau, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn um etwas bittet … sammelt euch Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Wurm sie zerstören und keine Diebe einbrechen und sie stehlen. Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz … Zerbrecht euch also nicht mehr den Kopf mit Fragen wie: ‚Werden wir genug zu essen haben? Und was werden wir trinken? Was sollen wir anziehen?‘ Mit solchen Dingen beschäftigen sich nur Menschen, die Gott nicht kennen. Euer Vater im Himmel weiß doch genau, dass ihr dies alles braucht. Sorgt euch vor allem um Gottes neue Welt, und lebt nach Gottes Willen! Dann wird er euch mit allem anderen versorgen. Deshalb sorgt euch nicht um morgen … Bittet Gott, und er wird euch geben! Sucht, und ihr werdet finden! Klopft an, und euch wird die Tür geöffnet … Wenn schon ihr hartherzigen Menschen euren Kindern Gutes gebt, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes schenken, die ihn darum bitten …“

Bergpredigt

Manche arbeiten an einem Bibelverständnis und einem theologischen System, welches dann den Gläubigen Sicherheit für ihren Glauben und ihr Leben liefern soll und Antworten auf alle Fragen. Was für eine Sicherheit wird das dann sein?

Fundamentalismus ist ein Konzept, das nicht zum Leben passt. Es tut uns selbst nicht gut, und auch nicht anderen. Ich bin selbst in einer fundamentalistischen Gemeinde aufgewachsen und habe mich jahrelang mit dieser Tradition herumgeschlagen und lange gebraucht, um zu verstehen, dass man mit den biblischen Texten auch anders umgehen kann.

Ich verstehe, dass Menschen ein unterschiedliches Bedürfnis nach Sicherheit haben.  Dies ist auch abhängig von unseren Lebensumständen und von der Erfahrung im Glauben. Ich möchte nicht, jemandes Glauben an Jesus beschädigen, sondern zu einem besseren Verstehen beitragen. Paulus sagt im Galaterbrief, dass die Tora den Gläubigen als etwas Vorübergehendes gegeben wurde, solange sie noch nicht mündig waren, wie Kinder. Jetzt aber ist die Zeit gekommen, wo wir durch den Geist Gottes im Glauben mündig und erwachsen werden können und sollen.

Man kann sich aus Bibelversen eine Hängematte stricken, in der sich gut ein Nickerchen machen lässt – und man verpennt das Leben. Man kann sich auch immer wieder von diesen alten Texten inspirieren und herausfordern lassen und von Jesus lernen, Gott zu vertrauen.

„Jeder weiß, dass ihr selbst ein Brief Christi seid, den wir in seinem Auftrag geschrieben haben; nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes; nicht auf steinerne Gesetzestafeln wie bei Mose, sondern in menschliche Herzen. Das wagen wir nur deshalb zu sagen, weil wir Gott vertrauen … Wir verkünden nicht länger die Herrschaft des geschriebenen Gesetzes, sondern das neue Leben durch Gottes Geist. Denn der Buchstabe tötet, Gottes Geist aber schenkt Leben.“

Paulus in 2. Korinther 3,3-6

Aber viele Christen schlafen weiterhin in ihrem Bibelhaus am Leben vorbei –
bis der Sturm kommt.

[Eine neuere Überarbeitung des Artikels findet ihr hier.]

SIE WAREN NACKT UND SIE SCHÄMTEN SICH NICHT. (Gen. 2,25)

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Erschaffung Adams (Sixtinische Kapelle), by Jörg Bittner Unna (Own work) [CC BY 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

Gewaltige Worte.

Die Angst davor, nicht gut genug zu sein, ist eine der tiefsten Überzeugungen, welche wir in uns tragen. Wie wäre das, wenn es Augen gäbe, die bis auf den Grund unserer Seele sähen, und wir würden uns dennoch nicht schämen?

„Dein blaues Auge hält so still,
Ich blicke bis zum Grund.
Du fragst mich, was ich sehen will?
Ich sehe mich gesund.

Es brannte mich ein glühend Paar,
Noch schmerzt, noch schmerzt das Nachgefühl:
Das deine ist wie See so klar
Und wie ein See so kühl.“

(Klaus Groth)

Wenn ein neuer Mensch in die Welt kommt, sind Hände da, die ihn umsorgen und Augen der Liebe, die ihn anblicken. Auf Adam und Eva ruhte der wohlwollende Blick ihres Schöpfers.

Wenn wir einander so anblicken könnten, wie Gott uns sieht …