Heimat

Am Anfang formte Gott die Erde. Er machte sie rund und schön. Er schuf Samen und warf ihn in den Wind. Und bald umhüllte ein schillernder grüner Mantel das Angesicht der Erde.

Dann formte er Fische und warf sie ins Meer, und sprach:

„Macht euch ein Zuhause!“

Und die Fische schwammen zu den Korallenriffen und in die Abgründe des Meeres und machten sich ein Zuhause in den Weiten der Ozeane.

Dann formte Gott die Vögel und warf sie in den Himmel, und sprach:

„Macht euch ein Zuhause!“

Und die Vögel breiteten ihre Schwingen aus und flogen über die Meere und flatterten auf die Berge, und bauten sich Nester in den Wipfel der Bäume und hoch auf den Gipfeln der Berge.

Dann formte Gott große Tiere mit Hufen und schickte sie in die Weite der Steppe, und sprach:

„Macht euch ein Zuhause!“

Und die großen Tiere stampften los, durchzogen die Steppe und machten sich ein Zuhause auf den Wiesen und in den Wäldern der Welt.

Dann formte Gott den Menschen und hauchte seinen Atem in dessen Nase. Da öffnete der Mensch seine Augen und blickte in das gütige Gesicht Gottes. Da lachte Gott, stellte den Menschen auf seine Füße und gab ihm einen Klaps auf seinen Po, und sprach:

„Mach dir ein Zuhause!“

Und der Mensch lief los und schwamm über die Meere der Erde und sah die Wale und Seeungeheuer. Und er lief durch die Steppen und die Wiesen und Wälder der Erde und sah Rinder und Rehe. Er kletterte sogar hoch auf die Berge und fand die Nester der Adler.

Da bemerkte der Mensch, dass er müde geworden war und schloss die Augen. Und als er sie wieder öffnete, machte er sich auf den Weg zurück zu Gott.

Und Gott sprach zum Menschen:

„Warum bist du wieder zurückgekommen?“

Da sprach der Mensch:

„Ich schwamm über alle Meere deiner Erde und sah all die Meerestiere, die du geschaffen hast. Und ich lief durch alle Landschaften deiner Welt und sah all die Landtiere, die du geschaffen hast. Und ich stieg sogar hinauf auf die Gipfel der Berge und fand die Nester der Adler. Dann merkte ich, dass ich müde geworden war und schloss die Augen. Und in meinem Geist sah ich dein Lächeln und hörte deine sanfte Stimme…“

Das Worthaus-Projekt – ein Blick in die falsche Richtung?

 

Worthaus

 

„Und Lots Frau sah hinter sich und ward zur Salzsäule.
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Abraham aber machte sich früh am Morgen auf an den Ort, wo er vor YHWH gestanden hatte, und wandte sein Angesicht gegen Sodom und Gomorra und alles Land dieser Gegend und schaute, und siehe, da ging ein Rauch auf vom Lande wie der Rauch von einem Schmelzofen.“
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(Bibel / Tanach / Altes Testament, Bereschith / Genesis / 1. Mose 19. Kapitel, Verse 26-28)

 

Meine persönliche Worthaus-Geschichte

Ich bin bekennender Worthaus-Fan. Habe 2016 das Projekt durch eine Freundin meiner Mutter kennengelernt und bin immer noch begeistert. Ich hab schon ganz viel von den Vorträgen gelernt, teile sie in den sozialen Netzwerken und empfehle sie oft und gerne weiter. – Ein herzliches Dankeschön an das ganze Worthaus-Team!

Der erste Vortrag, den ich gehört hab und durch den ich bei Worthaus hängen blieb, war dieser:

 

 

Seitdem habe ich schon viele andere Worthaus-Vorträge gesehen, z.T. zusammen mit anderen, und warte immer noch darauf, dass ich mal einen Vortrag erwische, den ich  nicht  gut finde.  😉

 

„… Die Schrift ist Gottes Atem. Sie soll uns unterweisen; sie hilft uns, unsere Schuld einzusehen, wieder auf den richtigen Weg zu kommen und so zu leben, wie es Gott gefällt. So werden wir reife Christen und als Diener Gottes fähig, in jeder Beziehung Gutes zu tun.“
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(Paulus im zweiten Brief an seinen Mitarbeiter Timotheus; Bibel, Neues Testament; 3. Kapitel, Verse 16-17)

 

Worthaus macht Sinn!

Die Bibel ist ein Buch mit überragender kulturgeschichtlicher Bedeutung – ganz besonders für unseren Teil der Welt. Deshalb macht Worthaus auch ganz viel Sinn.

Hören wir heute die Bibel noch so, wie die antiken Menschen die Texte gehört haben?

Natürlich nicht. Geht ja gar nicht. Wir haben eine andere Muttersprache und (fast) alle lesen die Texte in der Regel auch nicht in der Originalsprache. Außerdem leben wir in einer anderen Kultur und Zeit. An diesen krass anderen Voraussetzungen des Hörens hängt schon eine ganze Menge, und man braucht die Hilfe der Bibelwissenschaft, um sich in die Hörer der Antike hineinzuversetzen.

 

„… Wenn ich jetzt etwas erkenne, erkenne ich immer nur einen Teil des Ganzen; dann aber werde ich alles so kennen, wie Gott mich jetzt schon kennt …“

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(Paulus im ersten Brief an die Christen in Korinth 13,12)

 

Die Illusion des unverstellten Blicks

Das man eigentlich gar keinen unverstellten Blick auf die Bibel haben kann, wissen auch die Macher von Worthaus. Deshalb heißt ihr Slogan ja auch „unverstellterer Blick“. „Unverstellterer“ als die traditionelle Sicht auf die Bibel, aber halt auch nicht ganz unverstellt. Wir haben nun mal alle unsere Brillen, durch die wir die Wirklichkeit wahrnehmen.

Eine Idee von Worthaus ist, sich der eigenen Vorstellungen bewusst zu werden, mit denen man an die Bibel herangeht, und zu versuchen die biblischen Texte so zu lesen, wie sie die ursprünglichen Adressaten gelesen haben. In diesem Prozess kann man sich dann auch fragen, was die Texte uns heute noch zu sagen haben.

 

“ … Es lenkt uns ab von der Aufgabe, die Gott uns gegeben hat und die wir im Glauben ausführen.
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Die Unterweisung in der Lehre unseres Glaubens hat nur das eine Ziel: die Liebe, die aus einem reinen Herzen, einem guten Gewissen und einem aufrichtigen Glauben kommt.“
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(Paulus im ersten Brief an seinen Mitarbeiter Timotheus 1,4-5)

 

Die Bibel-Falle

Die Beschäftigung mit der Bibel ist unbedingt notwendig, und Worthaus ist das beste Bibel-Projekt, das ich kenne. Aber die Beschäftigung mit der Bibel kann immer auch zur Falle werden.

Die Bibel hat die Aura eines Heiligen Buches. Als solches kann sie schnell auch zum Götzen werden. – Nichts, was wir als Menschen produzieren, ist vollkommen. Und die biblischen Texte sind Texte von Menschen für die Menschen einer anderen Zeit.

 

„Ihr sucht in den Schriften, denn ihr meint, ihr habt das ewige Leben darin; und sie sind’s, die von mir zeugen; aber ihr wollt nicht zu mir kommen …“
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(Jesus im Johannes-Evangelium 5,39)

 

Veraltetes Christentum

Die biblischen Texte führen uns in unseren Gedanken und unserer Vorstellungswelt immer zurück in ein antikes Christentum. Unsere Welt hat sich seit dem aber dramatisch verändert. Wenn wir nicht aufpassen, schenken wir der Vergangenheit zu viel Aufmerksamkeit und bleiben an veralteten Denkmustern kleben.

Die Beschäftigung mit der Bibel kann auch eine Form von Weltflucht sein. Wir sind als Christen aber nicht nur aus der Welt herausgerufen, wir werden auch von Gott zu den Menschen geschickt. Und das sind Menschen des 21. Jahrhunderts, von denen sich die meisten nicht besonders für antike Religion interessieren.

Manche Menschen verbringen einen großen Teil ihres Lebens mit der Bibel. Man kann dies tun und trotzdem verpassen, worum es in den biblischen Texten im Wesentlichen geht.

 

Ich kenne deine Werke, dass du weder kalt noch warm bist. Ach dass du kalt oder warm wärest! Weil du aber lau bist und weder warm noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde.
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Du sprichst: Ich bin reich und habe mehr als genug und brauche nichts!, und weißt nicht, dass du elend und jämmerlich bist, arm, blind und bloß.“
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(Offenbarung 3,15-17)

 

Die Persönlichkeit des Theologen – Bedeutungs-Sucht

Was sind Theologen für Menschen?

Die Referenten von Worthaus finde ich eigentlich alle ganz toll. Aber da ich mich auch selber ein bisschen kenne, mach ich mir auch ein bisschen Sorge.

Wir haben alle eine Sehnsucht danach, dass unser eigenes kleines Leben Bedeutung hat. Das ist auch gut so. – Wenn man die Bibel, und vielleicht dazu sogar noch Theologie studiert hat, hat man sicherlich den Wunsch, dass das alles nicht umsonst gewesen ist.

Die Herausforderungen unserer Zeit fragen allerdings nicht nach unseren Hobbies und unserem Wissen, und lassen sich nicht durch theologische Qualifikationen beeindrucken. Es kommt darauf an, was funktioniert und wo Kraft erfahrbar ist, die verändert. Auch Theologen müssen die Bedeutung ihrer Arbeit daran messen lassen, welche positiven Wirkungen davon für die Menschen unserer Zeit ausgehen.

Wir versuchen oft uns vor notwendigen Auseinandersetzungen zu drücken. Auch davor, uns mit unseren eigenen Macken zu konfrontieren. Die Beschäftigung mit der Bibel ist eine hervorragende scheinheilige Methode, um der Wirklichkeit der eigenen spirituellen Armut auszuweichen. Auf diese Weise zementieren wir unseren eigenen Mangel und unsere institutionalisierte Mangelhaftigkeit des Christentums.

 

„… bloßes Wissen macht überheblich. Was uns wirklich voranbringt, ist die Liebe.“

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(Paulus im ersten Brief an die Christen in Korinth 8,1)

 

Kopf und Herz und authentische Spiritualität

Wir brauchen eine einfache, ganzheitliche Spiritualität für die Menschen unserer Zeit. Nicht nur für den Kopf, sondern auch für das Herz und die Seele, und tief genug, dass sie auch das Unbewusste erfasst.

Nicht nur heilige Texte können uns spirituell inspirieren. Auch die Sprache selbst, mit der wir uns verstehen, hat z.B. schon eine transzendente Qualität.

Ich werde mir bestimmt auch weiterhin Worthaus-Vorträge ansehen und weiterempfehlen, aber ich mache mich auch mit aktuellen spirituellen Bewegungen vertraut.

 

„… der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig.“

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(Paulus im zweiten Brief an die Christen in Korinth 3,6)

 

Der Blick nach vorn

Wir haben die großen Schätze der Religionen und Weisheits-Traditionen. Wir haben moderne Wissenschaft und interdisziplinäre Forschung. Wir haben globale spirituelle Bewegungen, inter-religiösen Dialog, ein Weltethos-Projekt und vieles mehr …

Wir haben schon mehr als genug, um den Blick nach vorn zu richten.

 

„Reformation war gestern. Die Zukunft des Christentums gehört der Transformation.“

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(Marion Küstenmacher auf dem Buchrücken ihres Buches „Integrales Christentum„)

 

[Dies ist die neuere Überarbeitung eines älteren Artikels, welchen ihr mit Kommentaren hier findet.]

 

Sie waren nackt, und sie schämten sich nicht.

 

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Erschaffung Adams (Sixtinische Kapelle) von Michelangelo; Fotografie von Jörg Bittner Unna (Own work) [CC BY 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

 

Der trennende Gott

Worauf wohl der sehnsüchtige Blick Adams gerichtet ist? Und welche Gefühle wohl im Blick Evas zum Ausdruck kommen?

In den Medien ist oft nur ein kleiner Ausschnitt dieses Deckenfreskos zu sehen. – Was auch immer sich Michelangelo bei diesem Gemälde gedacht haben mag; er platzierte jedenfalls einen verhüllten Gott zwischen die nackten Menschen.

 

nackt

Nackt werden wir geboren. Auch die ersten Menschen der zweiten Schöpfungserzählung unserer Bibeln sind nackt. Keine Scham.

 

Die beiden aber, der Mensch und seine Frau, waren nackt, und sie schämten sich nicht.

 

(Tanach / Bibel, Bereschith / Genesis / 1. Buch Mose, 2. Kapitel, Vers 25)

 

Es gibt nur wenige Verse in der Bibel, die mich so tief berühren wie dieser. – Keine Scham. Keine Angst. Schamlose Verletzbarkeit.

Doch schon in jungen Jahren lernen wir, dass Nacktheit ein Problem sein kann …

 

Scham

Die Angst davor, nicht gut genug zu sein unter den kritischen Blicken der anderen, ist wohl eine der tiefsten Überzeugungen, welche wir in uns tragen. Viele kränkende Erfahrungen haben uns dies gelehrt.

Wie wäre es, wenn es Augen gäbe, die bis auf den Grund unserer Seele sähen, ohne dass wir uns schämten?

 

Dein blaues Auge hält so still,
Ich blicke bis zum Grund.
Du fragst mich, was ich sehen will?
Ich sehe mich gesund.

Es brannte mich ein glühend Paar,
Noch schmerzt, noch schmerzt das Nachgefühl:
Das deine ist wie See so klar
Und wie ein See so kühl.

(Klaus Groth)

 

schamlos leben

Wenn ein neuer Mensch in die Welt kommt, sind Hände da, die ihn auffangen und umsorgen, Augen der Liebe, die ihn betrachten. – Auf den ersten Menschen ruhte der wohlwollende Blick ihres Schöpfers.

Wenn wir einander so ansehen könnten, wie Gott uns sieht …

 

Jesus sah ihn voller Liebe an:
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»Etwas fehlt dir noch: Geh, verkaufe alles, was du hast, und gib das Geld den Armen. Damit wirst du im Himmel einen Reichtum gewinnen, der niemals verloren geht. Und dann komm und folge mir nach!«
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Als er das hörte, war der Mann tief betroffen. Traurig ging er weg, denn er besaß ein großes Vermögen.
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(Bibel, Neues Testament, Markus-Evangelium, 10,21-22)