Das Jahr 2020 – Twennytwenny

 

Sonnenaufgang (bearbeitet)
Foto von Girtompir via Wikimedia Commons (bearbeitet) – CC0

 

Für alle Freunde der Arithmetik und biblischer Zahlensymbolik:

20 + 20 = 40

Und wie Bibelkenner wissen, spielt die Zahl „40“ eine besondere Rolle in biblischen Texten:

 

Es regnete 40 Tage und Nächte als die Sintflut kam…

Als Isaak 40 Jahre alt war, nahm er Rebekka zur Frau…

Die Israeliten aßen 40 Jahre lang Manna…

Mose war 40 Tage und Nächte auf dem Berg…

Nach 40 Tagen kehrten die Kundschafter zurück…

Ein Schuldiger soll 40 mal geschlagen werden…

Das Land hatte jeweils 40 Jahre Ruhe unter den Richtern Otniël und Gideon…

Eli war Richter 40 Jahre lang…

Isch-Boschet, Sauls Sohn, war vierzig Jahre alt, als er König wurde über Israel…

David regiert 40 Jahre…

… und Jesus wurde versucht vom Bösen, nachdem er 40 Tage in der Wüste gefastet hatte…

… und vierzig Tage lang erschien er als der Auferstandene und redete vom Reich Gottes…

 

Die Zahl „40“ deutet in biblischen Texten manchmal auf Epochen hin. Nächstes Jahr ist das Jahr 2020 der christlichen Zeitrechnung.

Neulich meinte jemand, das Christentum würde noch in den Kinderschuhen stecken. Vielleicht ist ja endlich die Zeit gekommen für eine bessere Theologie und ein besseres Christentum …  😉

 

Die Bibel ist NICHT Gottes Wort!

 

lutherbibel
Die erste vollständige Bibelübersetzung von Martin Luther 1534, Druck Hans Lufft in Wittenberg, Titelholzschnitt von Meister MS. Foto von Torsten Schleese (Selbstfotografiert im Lutherhaus Wittenberg), via Wikimedia Commons – Public domain

 

„Die Bibel ist  NICHT  Gottes Wort!“

Dies wird in der Christenheit nicht deutlich genug gemacht. – Es gibt leider auch viele Christen, die dem sogar energisch widersprechen würden. – Deswegen möchte ich dies in diesem Artikel so deutlich wie möglich machen.

Mir geht es dabei um all die Menschen, die sich schon für die Bibel interessieren, und auch jene, welche vielleicht in der Zukunft zur Bibel greifen werden, weil sie Gott suchen und Antworten auf drängende Fragen ihres Lebens haben möchten.

Die biblischen Texte könnten für uns so viel wertvoller sein, wenn wir besser mit ihnen umgingen…

 

Gott ist kein Schriftsteller

 

Die Aussage

die Bibel ist das Wort Gottes“

ist

unbiblisch,

unchristlich

ungeistlich

und frech.

 

 

1. Die Aussage „die Bibel ist das Wort Gottes“ ist  unbiblisch !

Diese Tatsache ist so offensichtlich, dass es schon fast peinlich ist, überhaupt darüber zu reden. Da manche Christen in diesem Zusammenhang allerdings sogar von einem „Selbstzeugnis“ der Bibel sprechen, ist es leider wirklich nötig, ausdrücklich darauf hinzuweisen.

Der letzte der biblischen Texte wurde um das Jahr 100 verfasst. Bibeln wurden aber erst ab dem 4. Jahrhundert hergestellt. Demzufolge kann die Aussage „die Bibel ist das Wort Gottes“ in keinem der biblischen Texte zu finden sein, da es Bibeln zur Zeit des Abfassens noch gar nicht gab. Die Aussage ist somit unbiblisch.

 

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Eine Seite des Codex Sinaiticus, eine der bedeutendsten Bibel-Ausgaben aus dem 4. Jahrhundert; via Wikimedia Commons – Public domain

 

2. Die Aussage „die Bibel ist das Wort Gottes“ ist  unchristlich !

Das stimmt allerdings nicht ganz bzw. muss näher erklärt werden.

Da viele Christen behaupten, dass die Bibel das Wort Gottes ist, könnte man auch sagen, es wäre somit im weiteren Sinn „eine christliche Aussage“. Die Christen der ersten Jahrhunderte konnten allerdings gar nicht behaupten, dass die Bibel das Wort Gottes ist, da es unseren Begriff „Bibel“ (bzw. die entsprechenden Begriffe in anderen Sprachen) noch überhaupt nicht gab. Wenn man also auf die Anfänge des Christentums schaut, stellt man fest, dass die Aussage „die Bibel ist Gottes Wort“ damals keine christliche Aussage war und auch nicht sein konnte.

Die ersten Christen erlebten die Offenbarung Gottes auch nicht nur in einem Buch. Im Menschen Jesus aus Nazareth und im Heiligen Geist war Gott selbst zu ihnen gekommen, und Gott sprach nun zu ihnen z.B. auch durch die christliche Schwester und den christlichen Bruder, und er lehrte vor allem den einzelnen Gläubigen in seinem Herzen durch den Heiligen Geist.

 

„Doch der Heilige Geist, den euch Christus gegeben hat, er bleibt in euch. Deshalb braucht ihr keine anderen Lehrer, der Heilige Geist selbst ist in allen Fragen euer Lehrer. Was er euch sagt, ist wahr und ohne Lüge…“

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(Erster Brief von Johannes, 2. Kapitel, Vers 27 – Bibel, Neues Testament)

 

Dies führt uns gleich zu dem nächsten Punkt…

 

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Die Taube des Heiligen Geistes von Bernini (Rom, Vatikan, Petersdom); Foto von Dnalor 01 via Wikimedia Commons – CC BY-SA 3.0 at (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/at/deed.en)

 

3. Die Aussage „die Bibel ist das Wort Gottes“ ist  ungeistlich !

Die Jesus-Bewegung war eine „spirituelle Bewegung“. Zum frühen Christentum gehörte wesentlich die Gegenwart und die Wirkungen des Heiligen Geistes. Dies sieht man besonders in der Bekehrung  und im Wirken von Paulus. Das Wesen der Frömmigkeit hatte sich geändert: Weg vom Leben nach Texten, und hin zu einem innigen Leben in der Gegenwart des Heiligen Geistes.

 

„… der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig.“

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(Paulus im zweiten Brief an die Christen in Korinth 3,6 – Neues Testament)
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„… Wenn ihr aber mit der Kraft des Geistes euer selbstsüchtiges Verhalten tötet, werdet ihr leben. Alle, die sich von Gottes Geist regieren lassen, sind Kinder Gottes.“

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(Paulus im Brief an die Christen in Rom 8,13-14 – Neues Testament)

 

Die Bibel-Ideologie und Bibel-Frömmigkeit, welche sich in der Kirchengeschichte entwickelt haben, sind ein Rückschritt. Anstatt einem Leben im Geist Gottes zu vertrauen, klammert man sich wieder an heilige Texte.

Das Ganze ist auch eine Machtfrage in den religiösen Systemen der Christenheit:

Über Texte kann man verfügen (Bibelzitate, Dogmen, Bibel-Ausleger,…) – über den Heiligen Geist nicht!

 

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Fruchttaube, Foto von Lip Kee Yap [CC BY-SA 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)%5D, via Wikimedia Commons

 

4. Die Aussage „die Bibel ist das Wort Gottes“ ist  frech !

Viele biblischen Texte nehmen für sich überhaupt nicht in Anspruch „Wort Gottes“ oder besonders „inspiriert“ zu sein.

Das Lukas-Evangelium ist dafür ein gutes Beispiel. Im Unterschied zu den anderen Evangelien, macht der Verfasser hier wenigstens Angaben über die Umstände der Entstehung des Textes. Er nimmt dabei allerdings gar nicht in Anspruch, irgendwie göttlich inspiriert worden zu sein. Im Gegenteil! Er schreibt, er habe gründlich recherchiert (Lukas 1,3).

Dennoch zu behaupten, die biblischen Texte sein „Gottes Wort“ ist frech, denn man geht damit – aus welchen Gründen auch immer – eindeutig über das hinaus, was viele der biblischen Texte für sich selbst in Anspruch nehmen.

Und es ist vor allem frech, weil man damit auch etwas über Gott sagt, was er selbst gar nicht gesagt hat.

 

„Es sollten sich nicht so viele in der Gemeinde um die Aufgabe drängen, andere im Glauben zu unterweisen. Denn ihr wisst ja: Wir, die andere lehren, werden von Gott einmal nach besonders strengen Maßstäben beurteilt.“

.
(Jakobusbrief 3,1 – Neues Testament)

 

Warum nehmen wir die biblischen Texte nicht einfach so, wie sie sind?

Wir wären überrascht, welche Wirkung sie entfalten können, wenn man sie von den Ketten von Bibel-Ideologie und menschlicher Instrumentalisierung befreit. – Ein Buch des Lebens…

 

„Hungrige Missionierende“ (1. Teil): Überlegenheit oder Unterordnung?

Die Bedeutung von Mängeln und Mangel für die Mission

 

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Der katholische Ritus der Fußwaschung (in Bezug auf die Fußwaschung Jesu) im Palast „Paço da Ribeira“ durchgeführt durch den portugiesischen König Johann V.; via Wikimedia Commons – public domain

 

“Glücklich schätzen
können sich Menschen,
die hungrig und durstig sind
nach Gerechtigkeit.
Sie werden satt werden.”
.
(Worte von Jesus aus der Bergpredigt – Bibel, Neues Testament, Matthäus-Evangelium 5. Kapitel, Vers 6)

 

In einer Welt, in der Millionen von Menschen physisch hungern, erscheint es fast zynisch, das Wort “Hunger” als Metapher zu verwenden. Gleichzeitig steigt die Weltbevölkerung noch immer dramatisch an, und durch die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen und die atomare Bedrohung ist die Zukunft der Menschheit gefährdet wie niemals zuvor. Christliche Mission geschieht heute unter anderen Vorzeichen und Rahmenbedingungen als vor 2000 Jahren.

Mein Eindruck ist, dass vieles, was sich heute als christliche Mission präsentiert, diese Bezeichnung kaum verdient, wenn man die Überlieferung von Jesus als Maßstab nimmt. Der Begriff “christlich” ist dabei allerdings ähnlich problematisch wie eine 2000-jährige Geschichte von Christianisierung und Ansprüchen “christlicher” Deutungshoheit; wobei die Auswirkungen der Mängel umso gravierender sind, desto höher der Anspruch auf die eigene Deutung und Bedeutung ist.

 

„…Es sollten sich nicht so viele in der Gemeinde um die Aufgabe drängen, andere im Glauben zu unterweisen. Denn ihr wisst ja: Wir, die andere lehren, werden von Gott einmal nach besonders strengen Maßstäben beurteilt.“

.
(Jakobusbrief 3,1 – Neues Testament)

 

Eine bessere Mission ist ohne ein besseres Christentum schwer vorstellbar. Es geht in diesem Text um Fragen nach dem Wesen des Christentums und christlicher Identität, sowie um die Unterscheidung zwischen besseren und schlechteren Ausdrucksformen christlicher Tradition. Es ist ein Text über die Bedeutung des Wahrnehmens von Mangel und Mängeln für die Erneuerung und Belebung von Christentum und Mission. Was ich im Einzelnen damit meine, kann ich in dieser kurzen Serie von Texten nur andeuten. Ich will auch versuchen einige Ansätze aufzuzeigen, wie sich diese Situation verbessern könnte.

Dies ist der erste Post zu einer Serie über Mission und Christentum. – Ich will dich mitnehmen auf einen Weg des Mangels…

 

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Vincent van Gogh: Der gute Samariter (nach Delacroix), 1890, via Wikimedia Commons – public domain

Der Weg Jesu

Ein Begriff ist nur sinnvoll, wenn verstanden wird, was damit gemeint ist. Der Begriff “christlich” wird heutzutage auf so vielfältige Weise benutzt, dass man Zusammenhänge und Hintergrundinformationen benötigt, um zu ahnen, was wohl genau verstanden werden soll. Mit der Verneinung “unchristlich” ist es ähnlich. – Dies alles hat auch mit dem Profil und der Vielfalt der christlichen Religion zu tun.

Da allerdings alles letztlich historisch auf den jüdischen Mann Jesus aus Nazareth zurückgeht, erscheint es mir sinnvoll bei der Überlieferung über diesen Mann anzufangen. Dabei zählen die biblischen Texte sicherlich zu den wichtigsten Quellen.

 

»…Für wen halten die Leute eigentlich den Menschensohn?«
.
Die Jünger erwiderten:
.
»Einige meinen, du seist Johannes der Täufer. Manche dagegen halten dich für Elia und manche für Jeremia oder einen anderen Propheten von früher.«
.
»Und ihr – für wen haltet ihr mich?«, fragte er sie.
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Da antwortete Simon Petrus: »Du bist der Christus, der von Gott gesandte Retter! Du bist der Sohn des lebendigen Gottes.«
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(Matthäus-Evangelium 16,13-16)

 

Überlegenheit oder Unterordnung?

Seitdem der Wanderprediger und Wunderheiler Jesus aus Nazareth über die staubigen Wege Palästinas gegangen ist, versuchen Menschen zu verstehen, welche Bedeutung Leben und Tod dieses Mannes für sie hat. Entstehung und Fortbestand des Christentums sind Zeugnis von der außerordentlichen Wirkung dieses Menschen. Gleichzeitig fällt allerdings auch auf, dass sich seine Anhänger noch nie völlig einig gewesen zu sein scheinen, was die Deutung dieses Phänomens “Jesus” betrifft. Ein Mangel an Einheitlichkeit scheint auch die öffentliche Wahrnehmung dieses Mannes von Anfang an begleitet zu haben (Mt 16,13-16).

Die Entstehung des Christentums bezeugt sowohl die Anziehungskraft, als auch den missionarischen Eifer der Anhängerschaft von Jesus. Bis heute fühlen sich manche Menschen vom christlichen Glauben und christlicher Gemeinschaft angezogen. Auch gibt es viele, welche ein tiefgreifendes Bekehrungserlebnis in Hinwendung zum Christentum erfahren.

 

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Sonnenaufgang von Fondachelli-Fantina (Montagna di Verná / Monti Peloritani, Gebirge im Nordosten von Sizilien) Foto von Girtompir, via Wikimedia Commons – CC0

 

Mission geschieht nicht nur aus Gehorsam gegenüber einem Auftrag, sondern auch aus einem inneren Drang heraus, Wertvolles, welches man selbst empfangen hat, mit anderen zu teilen. Dabei merkt man jedoch schnell, dass die meisten Menschen den Wert einer christlichen Botschaft nicht erkennen; und man merkt auch bald, dass sich selbst die Christen nicht darüber einig sind, was denn genau diese Botschaft überhaupt ist. Die neutestamentlichen Texte erzählen in unterschiedlicher Weise von Jesus, und auch schon im Judentum zur Zeit Jesu waren die messianischen Vorstellungen unterschiedlich.

In der Botschaft vom Kreuz (1 Kor 1,18) verdichtet sich dann allerdings ein Aspekt des Lebens Jesu, welcher knapp in dem Vers zusammengefasst ist:

 

“Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.”

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(Markus-Evangelium 10,45 – Neues Testament)

 

Das Vorbild Jesu wird zur Vorgabe für die innere Haltung christlicher Mission: Nicht von oben herab, sondern als Dienende. Der Geist Jesu ist ein Geist der Demut (Mt 12,15-23; Lk 4,16-22), und Missionieren im Sinne Jesu bedeutet dienen. Dieser Dienst macht nicht einmal vor den Feinden oder dem Sterben für die eigene Überzeugung halt. Der Dienst am Nächsten wurde zu einem grundlegenden Wert des Christentums.

 

“Glücklich schätzen
können sich Menschen,
die hungrig und durstig sind
nach Gerechtigkeit.
Sie werden satt werden.”

 

Weiter zum 2. Teil

 

Würde Gott in einer persönlichen Beziehung nicht auch persönlich reden?

 

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Erschaffung Adams von Michelangelo (Sixtinische Kapelle), Foto von Jörg Bittner Unna (Own work), via Wikimedia Commons – CC BY 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)

 

„Persönliche Beziehung zu Gott bzw. Jesus“ scheint eine beliebte Formulierung in bestimmten christlichen Milieus zu sein. – Meines Wissens nicht gerade eine biblische Formulierung…

Gleichzeitig wird dann allerdings oft von denselben Leuten behauptet, die Bibel sei Gottes Wort, und gemeint ist dabei, die Bibel wäre Gottes Wort für alle Menschen, aller Kulturen, aller Zeiten (zumindest seitdem es Bibeln gibt).

 

„Viele Male und auf verschiedenste Weise sprach Gott in der Vergangenheit durch die Propheten zu unseren Vorfahren.“

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(Hebräerbrief, 1. Kapitel, Vers 1 – Bibel, Neues Testament)

 

In den biblischen Texten selbst lesen wir, dass Gott bzw. Jesus  nicht  allen Menschen, aller Kulturen zu allen Zeiten dasselbe sagt.

 

„Und es trat ein Schriftgelehrter herzu und sprach zu ihm:

‚Meister, ich will dir folgen, wohin du gehst.‘

Jesus sagt zu ihm:

‚Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.‘

Ein anderer aber, einer seiner Jünger, sprach zu ihm:

‚Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe.‘

Aber Jesus spricht zu ihm:

‚Folge mir nach und lass die Toten ihre Toten begraben!'“

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(Jesus im Matthäus-Evangelium 8,19-22 – Bibel, Neues Testament)

 

Sollte Gott wirklich seine Art des Redens geändert haben und sagt heute mit Bibelversen allen Menschen dasselbe?

Angenommen, Gott würde durch die biblischen Texte unterschiedlich zu Menschen sprechen, welche Bedeutung hätte dann noch die Formulierung „die Bibel ist Gottes Wort“? Wie könnte man dann Bibelkommentare schreiben und die Texte für andere Menschen „auslegen“?

Tatsache ist, dass die meisten biblischen Texte für sich selbst überhaupt nicht den Anspruch erheben, Wort Gottes zu sein.

Sollten wir vielleicht auch alle mit unseren Ansprüchen ein bisschen bescheidener sein?

Würde es nicht reichen zu bezeugen „Gott hat durch einen Bibeltext zu mir gesprochen“ (wenn man davon überzeugt ist), anstatt zu versuchen, die eigene Erkenntnis auch anderen aufzuzwingen? – Paulus jedenfalls scheint der Meinung gewesen zu sein, dass all unsere Erkenntnis noch mangelhaft ist.

 

„Jetzt sehen wir nur ein undeutliches Bild wie in einem trüben Spiegel. Einmal aber werden wir Gott von Angesicht zu Angesicht sehen. Jetzt erkenne ich nur Bruchstücke, doch einmal werde ich alles klar erkennen, so deutlich, wie Gott mich jetzt schon kennt.

 Was bleibt, sind Glaube, Hoffnung und Liebe. Von diesen dreien aber ist die Liebe das Größte.“

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(Paulus im ersten Brief an die Christen in Korinth 13,12-13)

 

Sandra Hauser | „Integrales Christentum“ von Marion Küstenmacher

 

Sandra Hauser auf ihrem Blog „Integrales Christsein“ über einen Meilenstein in der Geschichte christlicher Bücher:

„Integrales Christentum“ von Marion Küstenmacher

 

Sandra Hauser  | Ken Wilber über integrales Christsein

 

Sandra Hauser gibt auf ihrem Blog „Integrales Christsein“ eine Zusammenfassung eines Vortrags den Ken Wilber 2015 auf einer christlich integralen Versammlung gehalten hat:

Ken Wilber über integrales Christsein

 

Die Christengemeinschaft, Rudolf Steiner und Anthroposophie

 

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Kirchenraum der Johannes-Kirche der Christengemeinschaft in Dresden, Foto von Odysseetheater via Wikimedia Commons – CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)

 

„Die Christengemeinschaft wurde 1922 gegründet und war zwischen 1941 und 1945 in Deutschland verboten. Von der Gründung an wirkt sie als selbständige christliche Kirche.“

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(Die Christengemeinschaft international – Bewegung für religiöse Erneuerung)

 

Die Christengemeinschaft

In meiner fundamentalistisch-christlichen Jugend hatte ich Rudolf Steiner, Anthroposophie und die Christengemeinschaft als etwas Seltsames in meinem Gedächtnis abgespeichert. Jetzt stelle ich fest, dass das alles interessante Themen sind. Vorher hatte ich schon besonders positive Erfahrungen in einem anthroposophischen Krankenhaus gemacht.

Offenbar gab es Anfang der 20er Jahre eine Gruppe von Menschen, die ihre Reformbemühungen nicht innerhalb der bestehenden christlichen Kirchen umsetzen konnten. Deshalb wurde 1922 die Christengemeinschaft gegründet.

 

„Die Christengemeinschaft, Bewegung für religiöse Erneuerung, ist eine christliche Kirche, die sich als der Anthroposophie nahestehende, aber selbständige Kultusgemeinschaft versteht. Sie wurde nach Anregungen Rudolf Steiners, der den Kultus entwarf, am 16. September 1922 in Dornach (Schweiz) von einer Gruppe von 45 Theologen, Pfarrern und Studierenden überwiegend evangelischer Herkunft unter der Leitung von Friedrich Rittelmeyer gegründet.“

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(Wikipedia)

 

KristiyhteisC3B6_hki
Altar der Christengemeinschaft in Helsinki, Foto von Kristiyhteisö, Helsinki via Wikimedia Commons – GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)

 

Rudolf Steiner und Anthroposophie

Sebastian Gronbach ist eine umstrittene Person. (Mehr Infos dazu findet ihr z.B. hier.) Ich finde das Video von ihm dennoch sehenswert. Dort spricht er über die Verehrung, die er für Rudolf Steiner empfindet und über die Bedeutung von Mystik und Anthroposophie in der modernen spirituellen Szene.