Sandra Hauser | Eine integrale christliche Lebenspraxis?

 

Praxis-Artikel von Sandra Hauser auf ihrem Blog zum integralen Christsein:

Eine integrale christliche Lebenspraxis?

 

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authentisch

 

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Frauen am Grabe Christi und Himmelfahrt (sog. „Reidersche Tafel“); Elfenbein; Mailand oder Rom, um 400 n. Chr., by Photo: Andreas Praefcke (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons

 

…  Ihr Heuchler! Ihr seid wie die weiß getünchten Grabstätten: Von außen erscheinen sie schön, aber innen ist alles voll stinkender Verwesung.

(Die Bibel, Neues Testament, Matthäus-Evangelium, 23. Kapitel, Vers 27)

 

Informationsflut. Beschallung auf allen Kanälen. Ansprechende Inhalte. Lockende Angebote und neueste Nachrichten. Reizüberflutung. Viele Eindrücke konkurrieren um unsere Aufmerksamkeit, schwächen unsere Konzentration und lenken uns vom Wesentlichen ab …

Was brauch ich eigentlich wirklich? Welche Nachrichten sind für mein Leben von Bedeutung?

 

…  Wir reden nur von dem, was wir wissen und gesehen haben, und erzählen es weiter  …

(Johannes-Evangelium, 3. Kapitel, Vers 11)

 

Es gibt heutzutage auch ein reichhaltiges christliches Angebot. Mehr christliche Inhalte in einer Fülle von medialen Formaten als man als Einzelner konsumieren kann. Auch eine Menge „guter Ratschläge“ gibt es. Aber wie viel von all dem ist selbst erlebt? Wie tief sind die Wurzeln im eigenen Leben und was ist nur erlernte Theorie? Wie authentisch ist mein Glaube? Was ist bloß äußerer Schein?

 

Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir geschaut und was unsere Hände angefasst haben, das verkünden wir: das Wort des Lebens. Denn das Leben wurde offenbart; wir haben gesehen und bezeugen und verkünden euch das ewige Leben, das beim Vater war und uns offenbart wurde. Was wir gesehen und gehört haben, das verkünden wir auch euch …

(Neues Testament, Erster Brief des Johannes, 1. Kapitel, Verse 1-3)

 

Die ersten Anhänger Jesu waren Augenzeugen. Sie erzählten von dem, was sie SELBST mit Jesus erlebt hatten, und auch von Jesu Hinrichtung. Es war ihnen nicht vergönnt gewesen, an der Seite ihres Rabbis alt zu werden. Jesus wurde durch einen gewaltsamen Tod aus ihrer Gemeinschaft und ihrem Leben gerissen. Jesus war noch nicht alt, als er starb …

Seit Jesu Tod gibt es Berichte von Menschen, die sagen, dass ihnen Jesus erschienen ist. Die Kraft, durch die das Christentum entstand, war die Kraft, die Jesus von den Toten auferweckt hat. Die Lebenskraft des Geistes Gottes. – Gute Nachricht: Jesus lebt!

Mittlerweile ist es fast 2000 Jahre her, dass Jesu Füße durch den Staub dieser Welt liefen und keiner von uns war selber dabei …

Ich bin christlich aufgewachsen und habe von Jesus gehört, solange ich denken kann. Mir ist Jesus nicht persönlich erschienen – dennoch habe ich durch das, was ich über ihn gelernt hatte, vertrauen zu ihm gefasst und mich entschlossen, auf ihn zu hören.

Danach habe ich auch anderen von Jesus erzählt – aber oft war das nur Theorie. Ehrwürdige Glaubensbekenntnisse und Dogmen mit langer Geschichte. Argumente, welche ich von denen gelernt hatte, die schon vor mir gläubig waren.

Manchmal habe ich mich hinter den breiten Schultern bedeutender Christen und hinter imposanten theologischen Denkgebäuden versteckt. Manchmal versuchte ich anderen zu erklären, was ich selbst nicht wirklich verstand. Ich war noch nicht einmal besonders erfolgreich darin, mir selbst gegenüber Rechenschaft zu geben, warum ich denn eigentlich glaube.

 

Jesus erwiderte: »Ich sage dir eins: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht ins Reich Gottes hineinkommen. Natürliches Leben bringt natürliches Leben hervor; geistliches Leben wird aus dem Geist geboren.  Darum sei nicht erstaunt, wenn ich dir sage: Ihr müsst von neuem geboren werden.

(Johannes-Evangelium 3,5-7)

 

Glaube ist ein Geschenk und das Ergebnis des Wirkens Gottes. Es ist wichtig, dass jemand, der sich für Jesus interessiert, versteht, dass das Vertrauen zu Gott und Jesus nicht etwas ist, dass er sich selbst erarbeiten kann. Was er selbst tun kann, ist, über Jesus zu lernen und in sich selbst zu klären, ob er denn bereit wäre, Jesus zu folgen, wenn Gott ihn von der Wahrheit des Evangeliums überführt.

Und was WIR tun können, ist, davon zu erzählen, wie es bei uns SELBST damals war, als wir vertrauen zu Jesus fassten. Können wir von unserem persönlichen Weg des Glaubens so erzählen, dass er für den anderen nachvollziehbar wird?

Glaube ist nur möglich, wo auch Zweifel oder Unglaube möglich sind. Und Glaube ist immer auch Entscheidung. Wir glauben letztendlich alle das, was wir glauben wollen. Wir brauchen uns nicht dafür zu entschuldigen, wenn wir ihm vertrauen WOLLEN, oder uns dafür zu schämen, wenn wir so leben wollen, wie Jesus gelebt hat.

Wenn wir Gott wirklich vertrauen, können wir auch den Mut und die Gelassenheit haben, anderen Menschen in der Schwachheit und Zerbrechlichkeit unserer eigenen Existenz und unseres eigenen Glaubens zu begegnen. Denn das Reich Gottes hängt nicht an uns, sondern es besteht in IHM.

 

Gesucht: Führer für gesunde christliche Spiritualität

 

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Päpste bei der Anbetung des Lammes (Teilansicht des Genter Altars von Jan van Eyck); Hubert van Eyck [Public domain or Public domain], via Wikimedia Commons

 

»So spricht der HERR:
Wehe euch, ihr Führer meines Volkes! Ihr seid Hirten, die ihre Herde auseinandertreiben und zugrunde richten! Ich hatte euch befohlen, die Menschen meines Volkes wie Schafe zu weiden. Aber ihr habt sie zerstreut und davongejagt, anstatt für sie zu sorgen. Darum sorge ich nun dafür, dass eure Vergehen bestraft werden! Das sage ich, der HERR, der Gott Israels. Mein Wort gilt!
Ich selbst werde die Schafe sammeln, die noch von meiner Herde übrig geblieben sind. Aus allen Ländern, in die ich sie vertrieben habe, bringe ich sie in ihre Heimat zurück. Dort werden sie sich wieder vermehren und das Land bevölkern. Ich werde Hirten über sie einsetzen, die sie auf gute Weide führen. Dann werden sie sich nicht mehr fürchten und keine Angst mehr haben; niemand von ihnen geht verloren. Das verspreche ich, der HERR.
(Die Bibel, Tanach / Altes Testament, Jeremia 23. Kapitel, Verse 1-4)

 

„Na, was möchtest du mal werden, wenn du groß bist?“

Wie oft hört ein Kind wohl diese Frage? Und wie viel Wissen und wie viel Lebenserfahrung besitzt es, um auf diese Frage eine sinnvolle Antwort zu geben?

Wenn die Anzahl der Jahre bis zur Rente überschaubarer werden, fühlt sich die Frage, was man mit dem Rest seines Lebens machen will, noch etwas anders an. Manches, was man geleistet hat, erscheint rückblickend als wenig sinnvoll oder nachhaltig – auch als Christ. (Obgleich es sicherlich nicht unsere Aufgabe ist, ein abschließendes Urteil über unser Lebenswerk zu fällen.)

Ich hab mir die Frage gestellt: Wenn ich die freie Wahl hätte, auf welchem Arbeitsplatz würde ich gerne arbeiten? In was möchte ich meine restliche Arbeitskraft gerne investieren?

Führer für gesunde christliche Spiritualität

Wie wird man so etwas? Gibt es dafür irgendwo eine Ausbildung? Und, wenn man mit der Ausbildung fertig ist: Gibt es eine entsprechende Stelle, oder müsste so ein Arbeitsplatz erst noch geschaffen werden?

Ich bin schon als Kind christlich aufgewachsen und bin quasi seit fünf Jahrzehnten „Teil der Christenheit“. Ich habe den Eindruck, dass wir heutzutage nichts dringender brauchen als gesunde Spiritualität. Auch im Christentum.

Dass das Christentum entstanden ist, bedeutet nicht, dass es zu irgend einem Zeitpunkt jemals vollkommen gewesen ist. Vielmehr sehen wir schon in den neutestamentlichen Texten selbst, wie schwierig das Gestalten und die Ausbreitung einer gesunden christlichen Spiritualität schon von Anfang an gewesen ist.

Es reicht nicht zu glauben, dass Gott sich in Jesus offenbart hat; wir brauchen auch Wege, wie Christus sich heute, 2000 Jahre später, in und durch uns verwirklichen kann: als Einzelne, in unseren Herzen, unserem Alltag und Privatleben, und auch in unseren Gemeinschaften.

 

 Und so hat Christus denn auch seine Gemeinde beschenkt:
Er hat ihr die Apostel gegeben, die Propheten und Verkündiger der rettenden Botschaft, genauso wie die Hirten und Lehrer, welche die Gemeinde leiten und im Glauben unterweisen. Sie alle sollen die Christen für ihren Dienst ausrüsten, damit die Gemeinde, der Leib von Christus, aufgebaut und vollendet wird.
Dadurch werden wir im Glauben immer mehr eins werden und miteinander den Sohn Gottes immer besser kennen lernen. Wir sollen zu mündigen Christen heranreifen, zu einer Gemeinde, die ihn in seiner ganzen Fülle widerspiegelt.
(Neues Testament, Paulus‘ Brief an die Gemeinde in Ephesus, 4,11-13)

 

Was ist mit den Teenagern los?

 

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Teenager in Moskau, von Alagich Katya [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)%5D, via Wikimedia Commons

 

Sorgt sich unsere Gesellschaft um ihre Jugend? Besteht Anlass zur Sorge? Wer oder was beeinflusst und prägt die Jugendlichen, und welche Interessengruppen versuchen, sie an sich zu binden?

 

Wer die Jugend hat, hat die Zukunft.

Napoléon Bonaparte

 

Wenn wir zurückblicken in unsere deutsche Geschichte, finden wir schnell Beispiele für die gezielte Beeinflussung der Jugend (Nationalsozialismus, DDR, …). Es muss auch nicht die gesamte Jugend sein, die erreicht und überzeugt wird. Eine ausreichende Zahl, eine kritische Masse, ist genug. Ein nachhaltiges System der Beeinflussung von Kindern und Jugendlichen dient der Stabilisierung einer Bewegung, einer Organisation oder eines Systems.

Darüber hinaus hat die Erziehung von Kindern und Jugendlichen natürlich auch einfach die Aufgabe, das Fortbestehen und Wohlergehen der eigenen Familie oder Gruppe zu sichern. Früher war diese Erziehungsaufgabe noch gleichförmiger. Durch den beschleunigten historischen Wandel in den vergangenen beiden Jahrhunderten (gesteigerte Produktivität, Industrialisierung, moderne Wissenschaft, technische Neuerungen, …) ist es heute allerdings gar nicht mehr so leicht zu sagen, was eine gute Erziehung ist. Auf was für eine Zukunft sollen wir die Kinder und Jugendlichen denn vorbereiten? Und vor welchen Gefahren müssen wir sie ständig beschützen?

Wenn es nicht gelingt, Jugendliche dafür zu gewinnen, sich auf positive Weise in die Gesellschaft miteinzubringen und für ein nachhaltiges Gemeinwohl der Menschheit zu sorgen, so wird es genug Interessengruppen geben, die mehr als bereit sind, Geld, Kraft und Zeit von Jugendlichen für ihre eigenen Zwecke zu gebrauchen. Jugendliche sind eine wichtige Konsumentengruppe und potentielle Mitarbeiter und Unterstützer für alles Mögliche.

Welche Rolle spielt der christliche Glaube in diesem Zusammenhang? Gibt es ein spezielles Interesse des Christentums an der Jugend? Vielleicht sogar eine Art christliche Theologie für junge Leute?

Religion im Allgemeinen und der christliche Glaube im Besonderen haben kulturgeschichtlich eine gewaltige Bedeutung für die Erziehung, auch wenn diese nicht immer positiv war und ist. Glaube kann helfen, Leben zu deuten und sich in ihm zurechtzufinden. Wir glauben ja sowieso alle etwas, auch wenn unser Glaube nicht immer eine religiöse Gestalt hat. Religion hat den Vorteil, dass die Tradition einer religiösen Gemeinschaft die individuelle Prägung durch die Eltern relativieren und so vor den immer vorhandenen Macken und Einseitigkeiten schützen kann. Sie erweitert das Familienleben, gibt einen weiten Horizont.

Im Gegensatz zum Judentum, wo Religion doch sehr eine ethnische Angelegenheit ist, ist das Christentum nicht die Religion eines bestimmten Volkes. Man wird auch nicht Christ durch die Geburt, sondern dadurch, dass man irgendwann, wenn man von der Wahrheit des christlichen Glaubens überzeugt worden ist, die Entscheidung trifft, mit Jesus zu leben. Wie sollte oder kann eine Erziehung aussehen, die Jugendliche zu diesem Glauben führt?

Ein klassischer Bibelvers zur Jugend dürfte wohl dieser sein:

 

Niemand verachte dich wegen deiner Jugend; du aber sei den Gläubigen ein Vorbild im Wort, im Wandel, in der Liebe, im Glauben, in der Reinheit.

(Neues Testament, 1. Brief des Paulus an Timotheus, 4. Kapitel, Vers 12)

 

Auch Kinder und Jugendliche tragen Verantwortung, und mit wachsenden Fähigkeiten und größer werdender Freiheit wächst diese mit. Ich denke, es ist gut, sie schon früh an das bewusste Übernehmen von Verantwortung heranzuführen. Dies eröffnet die Möglichkeit, Potential zu entfalten und Persönlichkeit und Charakter zu formen. Manche Kinder werden künstlich klein gehalten, indem die Eltern und andere Menschen im Leben der Kinder viele Aufgaben übernehmen.

Übernehmen von Verantwortung setzt die Fähigkeit eigenverantwortlichen Denkens und Handelns voraus. Diese Fähigkeit zu fördern, ist eine der wichtigsten erzieherischen Aufgaben. Bei einer christlichen Erziehung betrifft dies dann auch den Glauben:

Erziehung zu einem mündigen Glauben.

Jugendliche sind Teil einer Kultur, die das gesamte zukünftige gesellschaftliche Leben beeinflussen wird. Deswegen ist es sehr wichtig, dass die Jugend auch eine Stimme hat, die gehört wird – auch in den Kirchen und Gemeinden. Wir brauchen engagierte Jugendliche, die sprachfähig und kreativ sind, um ihrer Stimme Gehör zu verschaffen, und wir brauchen eine Kultur, die solche Jugendliche hervorbringt.

Teenager. Kein Kind mehr, aber auch noch nicht ganz erwachsen. Ein Vorrecht und eine wichtige Aufgabe der Jugend ist zu hinterfragen. Das Leben muss dahingehend abgeklopft werden herauszufinden, was zukunftstauglich ist. Ein Glaube und Traditionen, die Jugendliche nicht mehr erreichen, werden wohl bald in der Bedeutungslosigkeit verschwinden.

Was ist mit den Teenagern los?

Diese Frage können wohl am besten die Teenager selbst beantworten. Und wir täten gut daran, hinzuhören …

 

Jens Stangenberg

 

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Jens Stangenberg (Mitte), Quelle: Senatskanzlei Bremen (Pressestelle)

 

Vielleicht ein Name, den man in der christlichen Szene kennen sollte:

Zellgemeinde Bremen

Serve the City Bremen

Mir ist Jens Stangenberg beim Emergent Forum 2016 begegnet und sein Name noch einige Male danach. Sein Name taucht sogar bei Wikipedia auf:

Radikale Reformation (Weblinks)

Ich verweise auf meinem Blog normalerweise nicht auf Podcasts. Diesmal mach‘ ich es aber:

RADIKALE REFORMATION # 41 : Schwärmender Christus

 

Geliebt und gehasst: Christmas is coming soon to a place near you

 

New Life
By The Cookiemonster [CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)%5D, via Wikimedia Commons

 

Weihnachten. Nur eine leere Verpackung? Tradition ohne Bedeutung? Hübsch eingepackt – aber nichts drin? Eine Mogelpackung?

Was feiern wir noch mal?

Auch für die Menschen, die wirklich noch die Erzählung von der Geburt von Jesus aus Nazareth ernst nehmen, stellt sich die Frage, welchen Sinn das Feiern von etwas macht, das 2000 Jahre her ist? Mit welchen frommen, oder auch weniger frommen, Weihnachtstricks können wir diesem Spitzenprodukt christlicher Tradition wieder Bedeutung für das Leben der Menschen verschaffen? Und ist dieses Anliegen überhaupt sinnvoll? Gibt es vielleicht Wichtigeres zu tun?

Weihnachten ist kein jüdisches Fest und es war auch kein Feiertag der ersten Christen. Die Frage, ob Weihnachten überhaupt ein christliches Fest ist, kann man stellen. Und das in mehr als einer Hinsicht.

Wenn man in diesen Tagen um sich schaut, können einem bei dem Marktführer christlicher Feiertage schon Zweifel kommen: die umsatzstärkste Zeit des Jahres, ein Exzess unseres Wirtschaftssystems, Hochkonjunktur für die Müllabfuhr … und wir alle machen mit – alle Jahre wieder.

Aber inmitten aller „Jingle Bells“ ist auch noch eine kleine, leise Stimme zu hören –
für alle, die lauschen:

 

Und ein Spross wird hervorgehen aus dem Stumpf Isais,
und ein Schössling aus seinen Wurzeln wird Frucht bringen.
Und auf ihm wird ruhen der Geist des HERRN,
der Geist der Weisheit und des Verstandes,
der Geist des Rates und der Kraft,
der Geist der Erkenntnis und Furcht des HERRN

(Die Bibel / Tanach, Jesaja, 11. Kapitel, Verse 1-2)

 

Es ist ein Ros entsprungen
aus einer Wurzel zart,
wie uns die Alten sungen,
von Jesse kam die Art
und hat ein Blümlein bracht
mitten im kalten Winter,
wohl zu der halben Nacht.

 

(https://de.wikipedia.org/wiki/Es_ist_ein_Ros_entsprungen)

 

 

Hat der Weihnachtsfrust und die enttäuschten Erwartungen auf familiäre Harmonie vielleicht auch etwas damit zu tun, dass wir den Mittelpunkt des Lebens verloren haben?

Gleichgewicht verloren. Sinn aus den Fugen geraten. Verirrte müssten sich wieder finden lassen …

Hoffnung. Licht in der Dunkelheit. Ein Gedenktag, der Orientierung geben kann. Gott wird Mensch. Majestät wird zum Kind. Großes ganz klein. Große Erwartungen nicht an uns selbst, unsere Familie und Verwandten oder an einen alljährlichen Feiertag, sondern große Erwartungen an den, der aus dem Senfkorn einen Baum wachsen lässt. Glaube, der Berge versetzt.

Auch heute noch suchen Menschen einen Ort der Ruhe und Sicherheit – wie Maria & Josef. Und auch heute noch sucht Jesus eine Welt, die er auf den Kopf stellen kann. Vielleicht kann der Advent Gottes in seine Welt noch einmal, diese Welt verzaubern. Vielleicht fängt es in deinem Leben an.

 

Progressive Theologie

 

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Innenansicht eines Stanford-Torus. Gemälde von Donald E. Davis [Public domain], via Wikimedia Commons

Seit September gibt es die Facebook-Gruppe „Progressive Theologie“ mit inzwischen 50 Mitgliedern, schon über 100 Beiträgen und Diskussion.

 

„Und Lots Frau sah hinter sich und ward zur Salzsäule.“

(Bereschit / Genesis / 1. Mose 19,26)

 

Theologie ist oft rückwärtsgewandt und beschäftigt sich mit Ideen aus der Vergangenheit. In dieser Gruppe geht es um gute, bessere Theologie für die Zukunft. Mir ist dabei auch ganz wichtig, dass es nicht eine Diskussion zwischen „Experten“ ist, sondern dass die wichtigen theologischen Themen endlich auch mehr in die breite Christenheit hineinkommen.

Theologie wird meist auf Professoren-Schreibtischen gemacht. Dort bringt sie noch nicht viel. Was wir brauchen, ist ein Denken über Gott und ein Reden von Gott, dass für Menschen funktioniert und im Alltag spürbar ist. Kann dies eine Theologie sein, die von Profis dem einfachen Gläubigen verklickert werden muss?

 

So spricht der HERR: Es kommt die Zeit, in der ich mit dem Volk Israel und dem Volk von Juda einen neuen Bund schließe. Er ist nicht mit dem zu vergleichen, den ich damals mit ihren Vorfahren schloss, als ich sie bei der Hand nahm und aus Ägypten befreite. Diesen Bund haben sie gebrochen, obwohl ich doch ihr Herr war! Der neue Bund, den ich dann mit dem Volk Israel schließe, wird ganz anders aussehen: Ich schreibe mein Gesetz in ihr Herz, es soll ihr ganzes Denken und Handeln bestimmen. Ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein.Niemand muss dann den anderen noch belehren, keiner braucht seinem Bruder mehr zu sagen: ›Erkenne doch den HERRN!‹ Denn alle – vom Kleinsten bis zum Größten – werden erkennen, wer ich bin. Ich vergebe ihnen ihre Schuld und denke nicht mehr an ihre Sünden …

(Die Bibel, Tanach / Altes Testament, Jirmejahu / Jeremia, 31. Kapitel, Verse 31-34)

 

Schon in den biblischen Texten selbst erkennen wir eine Veränderung des Verhältnisses zwischen Gott und seinen Menschen. Manche sprechen von einer fortschreitenden Offenbarung. Eine grundlegende Frage in der Christenheit ist, in welchem Umfang sich das Reden von Gott nach dem Abfassen der biblischen Texte noch ändern darf. Das Beantworten dieser Frage ist von entscheidender Bedeutung für das geistliche Leben der Christenheit heute und für das christliche Leben eines jeden einzelnen. Dabei ist zu erwarten, dass verschiedene Christen diese Frage auch unterschiedlich beantworten werden, denn unsere Traditionen sind unterschiedlich und unsere persönlichen Erfahrungen und Rahmenbedingungen auch.

Es gibt schon viele gute Projekte und Webseiten zu Themen wie Bibel, Theologie, christlicher Glaube, Kirche, Religionen, …  Die Beschäftigung mit Vergangenem nimmt bei Religionen notwendigerweise auch einen großen Raum ein, da Überlieferung wichtig ist, damit gute Traditionen nicht abreißen und wichtige Werte nicht verloren gehen.

Gerade in der jüdisch-christlichen Überlieferung begegnet uns allerdings auch eine starke Ausrichtung auf die Zukunft (messianische Erwartungen, Wiederkunft Christi, …). Der Geist Gottes ist eine innovative Kraft. In dieser Facebook-Gruppe soll es darum gehen, wie unsere Überlieferung für die Zukunft fruchtbar sein kann und was wir an Neuem brauchen. Auf der Facebook-Seite der Gruppe findet ihr schon Links zu interessanten Inhalten, Projekten, …

Ich habe beim flüchtigen Googeln keinen einheitlichen Begriff „Progressive Theologie“ gefunden. Er wird z.B. auch für bestimmte islamische Theologie benutzt. Könnt ihr euch erinnern, ob und in welchem Zusammenhang ihr den Begriff schon einmal gehört habt? (Im Englischen gibt auch den Begriff „Progressive Christianity„.)