Die allererste Bibel der Weltgeschichte

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Giulio Romano [Public domain], via Wikimedia Commons

 

Heute gibt es Bibelausgaben in einer fast unüberschaubaren Fülle. (Schon allein die vielen, vielen Übersetzungen in die unterschiedlichen Sprachen und Dialekte.) Darüber freue ich mich sehr, denn die Bibel ist mir in meinem eigenen Leben sehr wertvoll geworden. Ich muss allerdings zugeben, dass nicht alle Bibelausgaben gleich gut sind.

Dass es Bibeln gibt, war für mich immer eine Selbstverständlichkeit.  Auch kulturgeschichtlich ist die Präsenz der Bibel in unserer Region fest verankert.  Das war aber nicht immer so.

Ein Quantensprung in der Buchherstellung war die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern durch Gutenberg. Das erhöhte die Produktivität enorm und war für die Verbreitung der Bibel von größter Bedeutung. In der Zeit davor war das selbständige Lesen biblischer Texte einer kleinen Zahl besonders previligierter Menschen vorbehalten. Anderthalbtausend Jahre hatte das Christentum so existiert. Das sollte man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen.

Wann hat überhaupt jemand das erste Mal eine Bibel in der Hand gehalten?  Ich habe ein bisschen recherchiert, aber habe das noch nicht herausbekommen.

Vielleicht der Codex Sinaiticus?

Falsch!

Der Codex Sinaiticus war zwar ein Meilenstein in der Entwicklung der Buchherstellung im Allgemeinen und ist eine der bedeutendsten Handschriften der biblischen Texte überhaupt, er enthielt aber z.B. den Hirten des Hermas.  Viele Christen heutzutage würden ein Buch, welches den Hirten des Hermas enthält, nicht als „richtige“ Bibel akzeptieren.  Was eine „richtige“ Bibel denn aber überhaupt ist oder sein sollte, ist eine Frage, die nicht leicht zu beantworten ist. (Muss man sie überhaupt beantworten?)

Auch war der Codex so groß und schwer, dass man ihn schwerlich in einer Hand halten konnte. Seine Herstellung war ein beachtliches Projekt. Nur ein finanzstarker Investor konnte ein solches Projekt stemmen. Kein Wunder das Spekulationen aufkamen, dass kein geringer als der römische Kaiser selbst für die Herstellung verantwortlich gewesen sein könnte. Historisch ist allerdings nur wenig über die Entstehung dieser Handschrift aus dem 4. Jahrhundert bekannt.

Bekannt ist allerdings, dass Konstantin anscheinend die Produktion von „50 Bibeln“ in Auftrag gab. – Brauchte Konstantin eine einheitliche Textgrundlage für eine einheitliche christliche Religion zur Stabilisierung seines Reiches?

Die biblischen Texte waren schon im zweiten Jahrhundert unserer Zeitrechnung alle vorhanden und wurden überliefert und gelesen. Aber von wem? Es war Athanasius der Große, der das erste Mal in seinem „Osterbrief“ alle 27 Bücher des Neuen Testaments auflistet, die wir auch heute noch als Neues Testament in unseren Bibeln haben. Aber welche Autorität hat Athanasius bzgl. der Überlieferung des christlichen Glaubens? Und was ist mit der alttestamentlichen Sammlung? Wann wurde das erste Mal eine Bibel produziert, die alle 66 Bücher unserer protestantischen Bibel hatte? (Manche andere christliche Konfessionen haben übrigens bis heute „andere“ Bibeln.)

Wer war überhaupt durch all die Jahrhunderte für die Überlieferung und Verbreitung der Bibel verantwortlich? Wer hat es finanziert und warum? Verloren die biblischen Texte ihre Unschuld als sie zu Komplizen kirchlicher und weltlicher Machtansprüche gemacht worden sind? Es wäre nicht das erste Mal, dass heilige Texte instrumentalisiert werden.

Das obige Bild von der Taufe des römischen Kaisers Konstantin enthält auch ein Buch. Auch wenn das Gemälde Raffaels erst 1000 Jahre nach Konstantin entstanden ist und wohl kaum eine historische Szene darstellt, so bringt es doch etwas vom Verhältnis von Kirche und Macht zum Ausdruck und macht mich nachdenklich. Welche Rolle spielen heilige Texte im Verhältnis von Kirche und Macht?

Die meisten Christen erlebten ihren Glauben lange, lange Zeit nicht als etwas, wo sie selbst als mündige Gläubige die textlichen Grundlagen ihres Glaubens studieren konnten. Was also glaubten die Christen durch all die Jahrhunderte, und warum? Wie hat Christentum über einen so langen Zeitraum fuktioniert?

Jesus sagte zu den Menschen seiner Zeit:

Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir …

(Bibel, Neues Testament, Johannes-Evangelium, Kapitel 10, Vers 27)

 

Es ist mein Eindruck, dass die Verfügbarkeit der Bibel heutzutage auch nicht bei allen Frommen nur positive Auswirkungen hat. Man kann sich darüber freuen, dass man für alle Fälle ein Nachschlagewerk hat und es im Bücherregal verstauben lassen. (Und wollten die biblischen Texte überhaupt jemals ein Nachschlagewerk für alle Fälle werden?)

Die entscheidende Frage ist:  Glauben wir, dass Gott sich am besten in einem Menschen, Jesus aus Nazareth, offenbart hat, oder glauben wir, dass Gott sich am besten in einem Buch offenbart hat? Entweder – oder!

Es ist eine Frage der Priorität. Wenn ich glaube, dass Gott sich am besten im Menschen Jesus offenbart hat, dann sind die biblischen Texte für mich wichtig, weil sie die beste historische Quelle sind, um zu verstehen, wer Jesus ist. Wenn ich glaube, dass Gott sich am besten in einem Buch offenbart hat, tritt Jesus in den Hintergrund.

Ein großer Problem ist, dass in der christlichen Praxis vieles als Selbstverständlich vorausgesetzt wird, was nicht gut durchdacht oder klar definiert ist. Dadurch existieren Grauzonen, in denen christlicher Glaube sein Profil verliert.

Die Macht zu haben, eine Bibel als EIN Buch in die Hand nehmen zu können, beeinflusst auch unser Verhältnis zu ihr und unseren Umgang mit ihr. Und es kann auch die Art und Weise beeinflussen, wie wir unseren Glauben verstehen und leben. – Wir haben die Stimme Gottes in den Griff gekriegt!

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Ein neuer Mose – aber keine neue Tora!

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von José de Ribera  (Public domain, via Wikimedia Commons)

 

In der jüdischen Messiaserwartung haben, neben anderen, zwei Textstellen besondere Bedeutung. Die eine ist die Verheißung des ewigen Königtums an David im 2. Samuelbuch, Kapitel 7; die andere ein Vers aus dem 5. Teil der Tora:

 

Ich will ihnen einen Propheten, wie du [Mose] es bist, aus der Mitte ihrer Brüder erwecken und meine Worte in seinen Mund legen; der soll alles zu ihnen reden, was ich ihm gebieten werde.

(Die Bibel, Tanach / Altes Testament, Tora, Devarim / 5. Buch Mose / Deuteronomium, 18. Kapitel, Vers 18)

 

Es ist das zentrale Bekenntnis des christlichen Glaubens, dass Jesus der Christus, der Messias, ist. Der Autor des Matthäus-Evangeliums, zum Beispiel, versucht, zum Teil auf subtile Art und Weise, zu zeigen, dass der Jesus aus Nazareth jener Messias der jüdischen Erwartung ist.

Auffällig ist, dass dieser neue Mose aber keine neue Tora mit dabei hatte. Es gibt in der christlichen Überlieferung auch keinen anderen Text, der den Anspruch erhebt, von Jesus selbst geschrieben worden zu sein. Und auch die ersten Christen haben sich nicht zusammen gesetzt und eine neue Tora verfasst.

Warum?

 

Seht, es werden Tage kommen – Spruch des Herrn -, in denen ich mit dem Haus Israel und dem Haus Juda einen neuen Bund schließen werde, nicht wie der Bund war, den ich mit ihren Vätern geschlossen habe, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägypten herauszuführen. Diesen meinen Bund haben sie gebrochen, obwohl ich ihr Gebieter war Spruch des Herrn. Denn das wird der Bund sein, den ich nach diesen Tagen mit dem Haus Israel schließe – Spruch des Herrn: Ich lege mein Gesetz in sie hinein und schreibe es auf ihr Herz. Ich werde ihr Gott sein und sie werden mein Volk sein. Keiner wird mehr den andern belehren, man wird nicht zueinander sagen: Erkennt den Herrn!, sondern sie alle, Klein und Groß, werden mich erkennen – Spruch des Herrn. Denn ich verzeihe ihnen die Schuld, an ihre Sünde denke ich nicht mehr.

(Tanach / Altes Testament, Jeremia 31,31-34)

 

Der Autor des Hebräerbriefes deutet die Vergebung, von der hier gesprochen wird, als die Vergebung, die durch Jesu Opfer gekommen ist (Hebräerbrief 10,14-18), und erklärt, wie das Neue in Jesus besser ist als das Alte.

Welche Bedeutung haben dann noch die Tora oder die anderen Texte? Gibt es im neuen Bund noch göttliche Regeln? heilige Texte?

 

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Vorbereitung aufs Paradies (1. Teil)

 

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Bundesarchiv, Bild 183-R79742 / CC-BY-SA 3.0 [CC BY-SA 3.0 de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)%5D, via Wikimedia Commons

 

Du sollst nicht schreien!
Du sollst still halten!
Du sollst den Mund aufmachen!
Du sollst nicht alles in den Mund stecken!
Du sollst nicht heulen!
Du sollst nicht alles anfassen!
Du sollst endlich begreifen …!
Du sollst nicht weglaufen!
Du sollst nicht blöd ‚rumstehen!
Du sollst aufpassen, wo du hintrittst!
Du sollst nicht alles kaputt machen!
Du sollst nicht pupsen und rülpsen!
Du sollst nicht in der Nase popeln!
Du sollst nicht herumzappeln!
Du sollst gerade sitzen!
Du sollst genug essen!
Du sollst beim Essen nicht lesen!
Du sollst nicht Sachen durch die Gegend werfen!
Du sollst endlich dein Zimmer aufräumen!
Du sollst nicht auf den Gehwegen Ball spielen!
Du sollst nicht auf die Straße laufen!
Du sollst dich etwas mehr bewegen!
Du sollst nicht so laut schmatzen!
Du sollst nicht so viel Lärm machen!
Du sollst die Rasenfläche nicht betreten!
Du sollst nicht herumschreien!
Du sollst zuhören, wenn man mit dir redet!
Du sollst dir die Zähne putzen!
Du sollst nach dem Zähneputzen nichts mehr essen!
Du sollst nicht lügen!
Du sollst auch genug trinken!
Du sollst auf deine Eltern hören!
Du sollst mich nicht stören!
Du sollst mir zurücktexten!
Du sollst dir die Hände waschen!
Du sollst dich nicht so ‚rumfletzen!
Du sollst nicht bei Rot über die Ampel gehen!
Du sollst das Licht an deinem Fahrrad anmachen!
Du sollst nicht mit fremden Männern mitgehen!
Du sollst während der Klassenarbeit nicht mit deinem Nachbarn reden!
Du sollst dich auf dem Pausenhof nicht kloppen!
Du sollst nicht zurückschlagen!
Du sollst dir nicht alles gefallen lassen!
Du sollst nicht so viel naschen!
Du sollst alles aufessen!
Du sollst nicht so gierig sein!
Du sollst nicht neidisch sein!
Du sollst nicht hassen!
Du sollst nicht fluchen!
Du sollst nicht schwören!
Du sollst still sitzen!
Du sollst morgens nicht faul im Bett bleiben!
Du sollst pünktlich sein!
Du sollst fleißig sein!
Du sollst schön sein!
Du sollst den Müll rausbringen!
Du sollst die Schnürsenkel zubinden!
Du sollst nicht so viel fernsehen!
Du sollst cool sein!
Du sollst dich nicht so stressen!
Du sollst nicht so lahm sein!
Du sollst nicht die falschen Freunde haben!
Du sollst nicht so vulgär sein!
Du sollst dir was Sauberes anziehen!
Du sollst die richtige Musik hören!
Du sollst mithelfen!
Du sollst auf dein Äußeres achten!
Du sollst nicht so spießig sein!
Du sollst nicht der totale loser sein!
Du sollst nicht die ganze Zeit mit deinem Handy rummachen!
Du sollst mir eine SMS schicken!
Du sollst dich zusammenreißen!
Du sollst dich an die Spielregeln halten!
Du sollst lernen!
Du sollst mit dem Hund Gassi gehen!
Du sollst die richtigen Marken tragen!
Du sollst dir das angesagte Computerspiel besorgen!
Du sollst an deine Grenzen gehen!
Du sollst dich nicht überanstrengen!
Du sollst kein Spielverderber sein!
Du sollst deine Talente entwickeln!
Du sollst nicht so laut Musik hören!
Du sollst nicht die Nacht zum Tage machen!
Du sollst Allergene vermeiden!
Du sollst die Klappe halten!
Du sollst den Mund aufmachen, wenn du was siehst!
Du sollst mitanpacken!
Du sollst dich nicht überall einmischen!
Du sollst dich nicht selbst bemitleiden!
Du sollst dein Handy aufladen!
Du sollst das neueste Modell haben!
Du sollst dich am Gespräch beteiligen!
Du sollst kein Feigling sein!
Du sollst nicht die ganze Zeit vor’m Computer sitzen!
Du sollst endlich deine Hausaufgaben machen!
Du sollst die Schuhe putzen!
Du sollst auf den Lehrer hören!
Du sollst deinen eigenen Stil leben!
Du sollst mal „Piep“ sagen“
Du sollst nicht so still sein!
Du sollst dich miteinbringen!
Du sollst nicht doof bleiben!
Du sollst nicht abseits stehen!
Du sollst nicht so aussehen, als wärst du gerade aus dem Bett gekommen!
Du sollst fit bleiben!
Du sollst auf Deine Atmung achten!
Du sollst den Kohlendioxidausstoß verringern!
Du sollst öffentliche Verkehrsmittel benutzen!
Du sollst die Heftklammer vom Papieretikett des Teebeutels der Wiederverwertung zuführen!
Du sollst Ausgleichsport machen!
Du sollst weniger fliegen!
Du sollst die zulässige Geschwindigkeit nicht überschreiten!
Du sollst die Blumen gießen!
Du sollst nicht so viel Kaffee trinken!
Du sollst die Hose flicken!
Du sollst deine Software updaten!
Du sollst jetzt bloß die Gelegenheit nicht verpassen!
Du sollst nicht der Dumme sein!
Du sollst nicht stehlen!
Du sollst den neuen Film sehen!
Du sollst die Absätze bei deinen Schuhen machen lassen!
Du sollst das Waschbecken sauber machen!
Du sollst die Reifen aufpumpen!
Du sollst kaufen!
Du sollst nicht so viel Müll produzieren!
Du sollst nicht zu viel bezahlen!
Du sollst ausreichend Vitamine, Mineral- und Vitalstoffe zu dir nehmen!
Du sollst dich engagieren!
Du sollst mal wieder zum Friseur gehen!
Du sollst Elektro-Smog verringern!
Du sollst die Sicherheitshinweise beachten!
Du sollst mit dem Rauchen aufhören!
Du sollst die Sache nicht unnötig kompliziert machen!
Du sollst deine Geräte regelmäßig warten lassen!
Du sollst deine Anträge rechtzeitig einreichen!
Du sollst dich um deine Kontaktlinsen kümmern!
Du sollst meinen Brief beantworten!
Du sollst den Bestseller lesen!
Du sollst das Auto waschen!
Du sollst nicht so viel Alkohol trinken!
Du sollst dir abends mehrere Wecker stellen!
Du sollst das Kloh putzen!
Du sollst dir deinen Rabatt sichern!
Du sollst dich nicht verarschen lassen!
Du sollst dich an die Arbeitsanweisungen halten!
Du sollst den Knopf annähen!
Du sollst nicht das Essen schlecht werden lassen!
Du sollst ein Teamplayer sein!
Du sollst den Koffer packen!
Du sollst mal für jemanden einspringen!
Du sollst deine Hemden bügeln!
Du sollst den Duschvorhang nicht vergammeln lassen!
Du sollst machen, was der Chef sagt!
Du sollst dich nicht als Fußabtreter benutzen lassen!
Du sollst dich mal wieder rasieren!
Du sollst einfach deine Arbeit machen!
Du sollst ein bisschen mehr Eigeninitiative zeigen!
Du sollst auf deine Gesundheit achten!
Du sollst nicht ständig Knoblauch fressen!
Du sollst Versicherungen abschließen!
Du sollst Staub wischen!
Du sollst auf die Feinstaubbelastung achten!
Du sollst deinen Blutdruck kontrollieren!
Du sollst bereit sein, Verantwortung zu übernehmen!
Du sollst endlich mal was machen, was dir Spaß macht!
Du sollst politisch korrekt sein!
Du sollst nicht so verklemmt sein!
Du sollst mal so richtig aus dir herausgehen!
Du sollst dich nicht lächerlich machen!
Du sollst dein Gerät auf Zimmerlautstärke einstellen!
Du sollst dich der Polizei nicht widersetzen!
Du sollst dich nicht herumkommandieren lassen!
Du sollst nicht so faul ‚rumsitzen!
Du sollst dich von Zwängen befreien!
Du sollst nicht fremd gehen!
Du sollst Rücksicht nehmen!
Du sollst deine Miete pünktlich zahlen!
Du sollst dir nicht wieder irgendwas andrehen lassen!
Du sollst nicht so viel Geld ausgeben!
Du sollst über deinen Tellerrand gucken!
Du sollst endlich den Abwasch machen!
Du sollst die Umwelt schützen!
Du sollst dich um deine Familie kümmern!
Du sollst nicht ehebrechen!
Du sollst beim gemeinsamen Frühstück nicht Zeitung lesen!
Du sollst den kaputten Reißverschluss zum Änderungsschneider bringen!
Du sollst mal wieder zum Zahnarzt gehen!
Du sollst mehr lachen!
Du sollst nicht so albern sein!
Du sollst die Windel wechseln!
Du sollst schnell den Fleck rausmachen!
Du sollst dem Baby das Fläschchen geben!
Du sollst für ausreichend Schlaf sorgen!
Du sollst endlich das Fahrrad reparieren!
Du sollst den Meerschweinchenkäfig sauber machen!
Du sollst dich gründlich informieren!
Du sollst nicht alles glauben, was man dir erzählt!
Du sollst endlich den Keller aufräumen!
Du sollst das Altpapier in den Keller bringen!
Du sollst vor der Not in der Welt nicht die Augen verschließen!
Du sollst deine Brille putzen!
Du sollst spenden!
Du sollst nicht so verschwenderisch mit deinem Geld umgehen!
Du sollst nicht so viel Fleisch essen!
Du sollst nicht so viel sitzen!
Du sollst deine Steuererklärung machen!
Du sollst nicht lügen!
Du sollst eine fundierte Entscheidung treffen!
Du sollst dich weiterbilden!
Du sollst dich dringend melden!
Du sollst nicht so viel Zucker zu dir nehmen!
Du sollst dich gesund ernähren!
Du sollst dich um den Aufbau deines Vermögens kümmern!
Du sollst nicht so geizig sein!
Du sollst für’s Alter vorsorgen!
Du sollst ruckartige Bewegungen vermeiden!
Du sollst die Fenster putzen!
Du sollst nicht so altmodisch sein!
Du sollst zur Gesundheitsvorsorge gehen!
Du sollst endlich den Kühlschrank sauber machen!
Du sollst all deine Pillen schlucken!
Du sollst keine Drogen nehmen!
Du sollst deinen Horizont erweitern!
Du sollst dein Körpergewicht reduzieren!
Du sollst deinen Bart schneiden!
Du sollst nicht so viel allein sein!
Du sollst nicht schlecht über andere reden!
Du sollst kein falsch Zeugnis ablegen wider deinen Nächsten!
Du sollst dich rechtzeitig um einen Platz im Altenheim bemühen!
Du sollst nicht mit dem Bonbonpapier im Gottesdienst knistern!
Du sollst dir helfen lassen!
Du sollst nicht ständig jammern!
Du sollst deinen Angehörigen nicht zur Last fallen!
Du sollst in der Bibel lesen!
Du sollst stark im Glauben sein!
Du sollst deine Gaben finden!
Du sollst beten!
Du sollst dienen!
Du sollst dir keine bösen Gedanken machen!
Du sollst keine schlechten Gefühle haben!
Du sollst dich entspannen!
Du sollst kein schlechtes Gewissen haben!
Du sollst jetzt bloß nicht schlapp machen!

 

readpraylove | Emergent Forum – Nachklänge

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Bild: Emergent Forum / Rolf Krueger

Da bin ich wieder. Nach dem Emergent Forum 2016. Inspiriert. Dankbar. Angestachelt. Sehnsüchtig. Aufgewühlt. Gesegnet. Ich hatte ein großartiges Wochenende! Das hatte ich zwar erwartet. Aber selbstverständlich ist es ja doch nicht. Mein Kopf und mein Herz sind noch voll mit Menschen und Begegnungen, mit Wortkunstwerken, mit Gedankenanstößen und mit anstößigen Gedanken, mit Erkenntnissen und…

über Emergent Forum – Nachklänge —

Stürzt das Bibel-Dogma vom Sockel !!!

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Die nicht ausreichend geklärte Frage unseres Umgangs mit der Bibel, ist eines der größten Probleme des Christentums. Wir haben einen Hunderte von Jahren alten Bibel-Mythos, der wie ein gewaltiger Klotz am Bein des wunderbaren Evangeliums ist. Es ist mehr als überfällig, dass das Dogma der Unfehlbarkeit der Bibel von seinem Sockel gestoßen wird, um zum Jesus-Glauben zurückzukehren. Wenn all die Frommen der Jahrhunderte Jesus und die biblischen Texte ernster genommen hätten, wäre es nie zu diesem Dogma gekommen.

 

Wehe euch Schriftgelehrten! Denn ihr beladet die Menschen mit unerträglichen Lasten …

Weh euch, … die ihr das Himmelreich zuschließt vor den Menschen! Ihr geht nicht hinein und die hinein wollen, lasst ihr nicht hineingehen.  … Weh euch, ihr verblendeten Führer …

(Jesus von Nazareth, in Lukas 11,46 und Matthäus 23,13-16)

 

Nehmt doch endlich das Joch eurer Bibel-Verehrung von den Schultern so vieler Gläubiger! Jesus hat keinen heiligen Text aufgeschrieben und auch zu Pfingsten kam keine neue Tora vom Himmel. Es war gerade der normative Charakter heiliger Schriften, der in der frühen Christenheit zur Diskussion Stand. Um Gottes und der Menschen willen müssen wir DEUTLICH widersprechen:

Die Bibel ist NICHT das Wort Gottes !!!

(Auch wenn Luther und manche andere sich an dieser Stelle vielleicht im Grabe umdrehen.)

Ich sage dies nicht, weil ich GEGEN die biblischen Texte bin, sondern FÜR sie! Und für die MENSCHEN, die sie lesen. – Wer es nicht glauben will, soll doch einfach selbst mal in seiner Bibel nachschauen:

Lukas, zum Beispiel. – Behauptet der Verfasser des Lukas-Evangelium an irgendeiner Stelle, dass seine Worte die Worte Gottes sind oder er sie von Gott empfangen hat? Gibt es irgendeinen anderen Vers in der Bibel, der  behauptet, dass das Lukas-Evangelium Gottes Worte sind? Wann hat überhaupt in der Kirchengeschichte sich zum ersten Mal jemand angemaßt zu behaupten, dass dies Evangelium Wort Gottes ist? Und warum?

Die biblischen Texte wurden im Glauben überliefert, dass sie Zeugnisse des Wirken Gottes sind. Dadurch werden sie aber nicht zu vollkommenen Worten Gottes. Nehmt doch die Texte selbst ernst, anstatt einfach eure liebgewonnenen Ideen in die Texte hineinzulesen! Und all dies auch noch unter dem Deckmantel von Frömmigkeit und mit dem Anspruch auf Wahrheit!!!

Auch Theologen, die Fundamentalismus ablehnen, sind in ihrem Gebrauch der biblischen Texte und in ihrem Reden über die Bibel nicht immer „sauber“ (mich eingeschlossen). Wir, die „Wissenden“, tragen Verantwortung dafür, wie wir die Bibel darstellen und welche Erwartungen an diese Texte wir erzeugen. Wie wäre es, wenn wir endlich einmal eine Bibelausgabe hätten, wo nicht „Bibel“ oder sogar „Heilige Schrift“ drauf steht, sondern „Sammlung der grundlegenden Schriften des Christentums“? Das Wort „Bibel“ allein suggeriert schon eine Homogenität des Buches, die nicht gegeben ist. (Wer weiß schon, dass das Wort „Bibel“ eigentlich ein Plural ist?)

Denen, die sich schon freuen, dass sie jetzt vielleicht auch als Christen endlich machen dürfen, was Spaß macht, sei gesagt:  Ihr durftet schon immer machen, was Spaß macht; es ist nur nicht alles gut! (1. Korinther 6,12; 10,23)

Das Bibel-Dogma aufzugeben bedeutet überhaupt nicht, dass christlicher Glaube dadurch beliebig wird, es keine Orientierung mehr gibt oder die Nachfolge Jesu weniger verbindlich wird. Aber so vielfältig wie Kulturen und Menschen und das Leben müssen auch unsere Antworten sein. Und wer sagt überhaupt, dass ich die richtige Antwort für jemand anderen haben muss?

Haben wir Angst vor „der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes“?  (Römer 8)

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Erziehen zum Glauben

 

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„Lasst doch die Kinder zu mir kommen, und hindert sie nicht daran! Gottes Reich ist ja gerade für solche wie sie bestimmt.“ (Markus 10,14) Gemälde von Carl Heinrich Bloch, 19. Jahrhundert [Public domain], via Wikimedia Commons

 

Geht das überhaupt? Oder ist der Titel schon schlecht formuliert? Und ist Erziehung zum Glauben an Jesus dasselbe wie „christliche Erziehung“ oder gibt es da einen Unterschied?

„Ich habe deinen aufrichtigen Glauben vor Augen, den Glauben, der zuerst deine Großmutter Loïs und deine Mutter Eunike erfüllte und der nun auch – da bin ich ganz sicher – dein Leben bestimmt.“  (Die Bibel, Neues Testament, Der zweite Brief von Paulus an seinen Schüler Timotheus, 1. Kapitel, Vers 5)

Dies dürfte wohl einer der klassischen Bibelverse zu diesem Thema sein. Einen interessanten Artikel dazu von Tobias Faix gibt es hier:

„Ist Glaube machbar? Über den Sinn und Unsinn christlicher Erziehung“

 

Was haben Atommüll-Endlager und die Bibel gemeinsam? (Fundamentalismus-Kritik)

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Behälter mit radioaktivem Abfall in den USA; Foto der Nuclear Regulatory Commission via Wikimedia Commons – public domain

 

Die Suche nach einem stabilen Aufbewahrungsort.

 

Bei der Suche nach einem Atommüll-Endlager geht es sogar nicht nur um einen Ort, wo über sehr lange Zeit sehr wenig Veränderung ist, um radioaktives Material relativ sicher einlagern zu können, sondern man diskutiert auch über die Möglichkeit der Rückholbarkeit des Mülls, falls dies nötig wird.

Die Verstehbarkeit von Sprache und Texten ist kein stabiler Ort, um göttliche Offenbarung für alle Zeit zu konservieren.

Schon, wenn man mit jemandem redet, den man sehr gut kennt (Partner, Kind, Eltern, …) kann es zu Missverständnissen kommen. Bei schriftlicher Kommunikation passiert das oft noch schneller, weil der Klang der Stimme, Mimik und Gestik fehlen. Bei älteren Texten wird das Verstehen noch schwerer, weil eine lebendige Sprache sich verändert. Wir müssen nur an das deutsche Wort „toll“ denken, dessen Bedeutung sich völlig umgekehrt hat.

Auch die literarischen Gattungen, welche wir heute haben, sind nicht identisch mit den literarischen Gattungen der Antike. Ist das Buch Jona, z.B., der Bericht eines Wissenschaftlers, eine Kurzgeschichte oder eine Satire, oder vielleicht eine Gattung, die es heute gar nicht mehr gibt? Oder ein Unikat, das man gar keiner Gattung zuordnen kann? Und spielte das für das Verstehen des Textes bei den Menschen damals und bei uns heute eine Rolle? Haben wir etwas richtig verstanden, nur weil uns keine zweite Deutung einfällt?

Sprache lässt sich nie von ihrem kulturellen Zusammenhang trennen, und weder Sprache noch Kultur sind einheitlich. Auch im alten Israel gab es Dialekte, und das Entstehen der Texte erstreckte sich über eine sehr lange Zeit. Es ist eine Illusion zu glauben, man bräuchte nur Wörterbücher für die biblischen Sprachen, um richtig verstehen zu können, was die Texte den Menschen damals sagen wollten. Wir brauchen auch entsprechend gute Kenntnisse der damaligen Kultur. Wenn wir z.B. flächendeckend aus allen sozialen Schichten und allen Epochen die Tagebücher von Menschen hätten, in denen wir lesen könnten, wie sie gedacht, gefühlt und gelebt haben, dann hätten wir eine viel bessere Chance, die biblischen Texte richtig zu verstehen.

Gott ist absolut. – Texte sind es nicht!

Brauchen wir überhaupt ein stabiles Endlager für göttliche Offenbarung?

Nein.

Gott ist lebendig und offenbart sich ständig überall. Und sein Geist weht, wo er will.

Die biblischen Texte können auch heute noch für uns wertvoll sein, weil es zeitlose menschliche und göttliche Wahrheiten gibt, die wir beim Lesen finden können. Aber dies passiert auf der subjektiven Ebene in einem Menschen  und ist keine objektive Wahrheit, die wir eindeutig und unmissverständlich sprachlich formulieren und für spätere Zeiten aufbewahren können. Gottes vollkommene Offenbarung lässt sich nicht Vergegenständlichen – auch nicht in Sprache oder einem Text. Der Mensch Jesus ist das Wort Gottes. Dieser Mensch lebt heute nicht mehr. Aber in den neutestamentlichen Texten lesen wir über die Wirkung, die er damals auf andere Menschen gehabt hat. „In Christus wohnt die ganze Fülle Gottes.“

Aber es werden wohl weiterhin biblische Besserwisser die Texte der Bibel missbrauchen, um ihrer eigenen Meinung göttliche Autorität zu  verleihen. Sicherlich oft gut gemeint – aber schlecht gemacht. Und Ausdruck mangelnder Selbsterkenntnis. Vielleicht werden Fundamentalisten auch deshalb manchmal wenig ernst genommen, weil sie kaum in der Lage zu sein scheinen, ihre eigene Begrenztheit wahrzunehmen. Auch ein schöner Glaube an Jesus kann abrutschen in Engstirnigkeit.

Wenn doch das Christentum bloß zurückkehren würde zu seinem eigentlichen Wesen und die Christenheit zu ihrem eigentlichen Mittelpunkt:

Jesus.

[Eine neuere Überarbeitung dieses Artikels findet ihr hier.]

 

Emergente Christina Brudereck

 

Christina wer? Ich war mir nicht sicher, ob ich den Namen schon einmal gehört hatte. – Kann von mir leider nicht behaupten, dass ich schon den großen Überblick über die christliche Szene habe.  😦

Ich hätte an dieser Stelle auch gerne ihr Foto eingebaut, war mir aber nicht sicher, wie das ist mit einem Pressefoto und dem Urheberrecht bei einer privaten Webseite. Ihr findet das Foto jedenfalls auf ihrer Webseite:

http://www.christinabrudereck.de/

Es gibt sogar einen Wikipedia-Artikel über sie:

https://de.wikipedia.org/wiki/Christina_Brudereck

(Das ist immerhin fast so gut, wie eine Briefmarke bei der Deutschen Post.)

Kai Darnstaedt veröffentlichte 2016 einen lesenswerten Post auf dem Emergent Deutschland Blog:  10 Fragen an Christina Brudereck

 

Hossa Talk

 

Christusmonogramm
Das Christusmonogramm mit den griechischen Buchstaben Alpha und Omega. Das „X“ und das „P“ sind die beiden griechischen Buchstaben Chi und Rho und die beiden Anfangsbuchstaben von Christus, by Sychrist.jpg via Wikipedia

 

Was ist Hossa Talk?

Ein interessantes Projekt zwei offen-redender Jesus-Anhänger …

Was ist Hossa Talk?

Folge # 38 : Was glauben wir eigentlich noch?

Katharina Haubold, Jugendreferentin beim Bibellesebund, befragt die Hossa-Talker (über den Bibelbastelbogen u.a.)