Das Buch „Vom Großen Fisch“

 

pieter_lastman_-_jonah_and_the_whale_-_google_art_project
Jona und der Wal, Gemälde von Pieter Lastman, 1621, [Public domain], via Wikimedia Commons

 

Wäre dies nicht ein guter Titel für das Buch, das üblicherweise mit dem Titel „Jona“ verkauft wird? Jona im Fisch scheint zumindest oft der Aspekt zu sein, der die meisten an diesem Buch interessiert. Wäre auch ein sehr kinderfreundlicher Titel. Ohne seinen Freund den Fisch (der Fisch hat Jona ja schließlich vorm Ertrinken gerettet) wäre Jona bestimmt nicht einmal halb so bekannt.

Wer immer noch nicht sicher ist, von welchem Buch ich rede, muss nur mal in ihrer oder seiner Bibel nachschauen:

 

Der Herr aber ließ einen großen Fisch kommen, der verschlang Jona. Drei Tage und drei Nächte lang war Jona im Bauch des Fisches. Dort betete er zum Herrn, seinem Gott: »… du, Herr, bist mein Retter.«
Da befahl der Herr dem Fisch, ans Ufer zu schwimmen und Jona wieder auszuspucken.
(Bibel, Tanach / Altes Testament, Jona, 2. Kapitel)

 

Warum ist „Das Buch vom großen Fisch“ KEIN guter Titel?

( Warum ist diese Frage manipulativ?  😉 )

Ich finde, ein besserer Titel wäre z.B. „Buch von der großen Geduld und Barmherzigkeit Gottes gegenüber  ALLEN  Menschen“ (zugegebenerweise ein bisschen lang). Es geht ja um Gottes Geduld – mit den „Ungläubigen“, und sogar mit seinen Schein-Heiligen.

Wer sich mal die Mühe machen bzw. den Genuss erleben will, kann ja mal schnell das kleine Büchlein Jona durchlesen (nur 4. kurze Kapitel). Nach dem zweiten Kapitel wird schnell klar, dass die Episode mit dem Fisch nicht das Hauptthema des Buches ist.

 

Das Buch Jona

Es gibt natürlich auch einen Wikipedia-Artikel zu diesem Buch:

Jona.

Das Buch ist einer meiner Lieblingstexte in der Bibel. Eine einzigartige Erzählung. Ich kenne keinen zweiten antiken jüdischen Text, der diesem Buch ähnlich ist. Eine Karikatur eines (scheinbar) frommen Menschen. Allerdings offensichtlich auch von einem frommen Menschen geschrieben!  –  Vielleicht der einzige satirische Text in der Bibel?

 

Die „Gottlosen“ und Jona

Die Nicht-Juden kommen in diesem Text erstaunlich gut weg. Sogar die Niniviten (samt Tieren!) bereuen und zeigen sich einsichtig! Nur Jona erscheint wie ein bockiges Kind:

 

Aber Gott fragte ihn: »Hast du ein Recht dazu, wegen dieser Pflanze so zornig zu sein?« »Doch«, sagte Jona, »mit vollem Recht bin ich wütend. Am liebsten wäre ich tot!«

(Vers 9)

 

[ Nur gut, dass wir Christen nicht so eine Jona-Mentalität haben.  😉 ]

 

Der Rest der Bibel

Hat dieser Text andere biblische Autoren inspiriert?

Jesus (kein biblischer Autor) kannte laut den Evangelien diesen Text oder zumindest die Erzählung.

 

»Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des großen Fisches war, so wird auch der Menschensohn drei Tage und drei Nächte in der Tiefe der Erde sein.«

(Bibel, Neues Testament, Matthäus-Evangelium 12,40)

 

Die Jesus-Worte sind (abgesehen von  EINER alttestamentlichen Stelle in 2. Könige und dem Buch Jona selbst) auch die einzigen Verse, wo dieser Prophet „Jona“ in der Bibel auftaucht.

Warum wurde auf diese Erzählung von Jona nicht öfter in anderen Texten Bezug genommen?

 

»Diese verdorbene Generation verlangt dauernd nach einem Zeichen. Doch es wird ihnen keins gegeben werden – nur das des Propheten Jona. Denn wie Jona für die Menschen von Ninive ein Zeichen war, so wird es der Menschensohn für diese Generation sein.«

(Lukas-Evangelium 11,29-30)

 

Was ist eigentlich das „Zeichen des Jona“? Und warum haben sich die Einwohner von Ninive bekehrt? Warum eigentlich ausgerechnet Ninive? Und warum hat sich Jona geärgert? Und warum ist er dann doch noch in der Nähe von Ninive geblieben?

 

»Und mir sollte nicht diese große Stadt Ninive Leid tun, in der mehr als hundertzwanzigtausend Menschen leben, die rechts und links nicht unterscheiden können, und dazu noch das viele Vieh?«

 

Interessiert sich Gott wirklich für Tiere?

(„Viele Vieh“ sind übrigens auch wirklich die letzten beiden Worte des Buches im hebräischen Original.)

 

Das Zwölfprophetenbuch

Das Buch Jona passt in seinem Charakter eigentlich gar nicht so richtig zu den sogenannten „Zwölf kleinen Propheten“. Man fragt sich, ob die Länge des Buches vielleicht der einzige Grund war, weshalb es in der Zwölfprophetensammlung gelandet ist. (Oder vielleicht die  Zeit  der Verfasserschaft?) Wer ist überhaupt dafür verantwortlich, dass dieser krasse Text in der Bibel gelandet ist?

 

Und wer hat das Buch überhaupt geschrieben?

Keine Ahnung.

Und das geht nicht nur mir so. Das Jona diese Erzählung über sich selbst auch noch selber aufgeschrieben hat, wird zumindest in den biblischen Texten meines Wissens nirgendwo behauptet. (Dass man nicht weiß, wer der Verfasser ist, betrifft auch nicht nur das sogenannte Buch „Jona“, sondern viele Texte in der Bibel.)

 

Wann wurde Jona geschrieben?

„Keine Ahnung!“ … stimmt hier nicht ganz. Man kann wahrscheinlich vom Text selbst ausgehend am besten einschätzen, wann der Text ungefähr geschrieben worden ist. Außerdem lässt das Auftreten des Begriffs „Zwölfprophetenbuch“ (bei Jesus Sirach, 49,10) eine spätere Entstehung kaum zu.

 

Noch etwas zum Titel

Benannt wird es im Allgemeinen nach dem „Anti-Helden“ der Erzählung: Jona. – Oder sollte es „Jonas“ heißen? (Interessant auch der Wikipedia-Artikel zum Namen „Jona(s)„. Da steht u.a. zur Herkunft und Bedeutung:

 

Die hebräische Version des Namens bedeutet Taube und stammt ursprünglich vom griechischen Wort οιωνός für Zeichen. Im antiken Griechenland glaubte man, dass Vögel als Zeichen der Götter an die Menschen geschickt wurden. Es wird daher angenommen, dass der Name Jonas für ein friedvolles Wesen steht. Die biblische Version des Namens umfasst die hebräische Bedeutung, aber auch die Bedeutung Zerstörer und Unterdrücker. Als Variante von Jonah kann der Name auch als mit erreichen und Geschenk Gottes in Verbindung gesetzt werden.

(Wikipedia)

 

Alles sehr interessante Gedanken, wenn man an den Inhalt des Buches und auch an die Worte Jesu denkt. Klingt fast wie eine ironische Randbemerkung zu Jona.

Dass das Buch nach Jona benannt wird, macht Sinn; steht er doch am Anfang und am Ende der Erzählung (neben Gott natürlich). Aber geht es wirklich um ihn als Person oder steht seine prophetische Figur und sein Verhalten für etwas Anderes?

Auch in der heutigen Zeit bemühen sich Menschen um die Überwindung von Feindseligkeit, Dualismus, und um ein höheres Bewusstsein.

Ein richtig guter Titel für das Buch wäre vielleicht:

 

die güte und geduld gottes

 

 

Wer gab Adam seinen Namen?

 

m-_v-_heemskerck-musc3a9e_des_bx-arts_strasbourg-gc3a9dc3a9on-adam_eve-ausschnitt_2
Maarten van Heemskerck [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

 

Namensgebung ist eine wichtige Sache. Wird es eine Junge oder ein Mädchen? Welchen Namen gibt man dem neuen Menschen mit auf dem Weg? – Schon der antike Mensch vermutete: nomen est omen.

Namensgebung spielt auch am Anfang der Tora eine Rolle:

 

“ … Und Gott … nannte das Licht ‚Tag‘ und die Finsternis ‚Nacht‘ … die Ausdehnung ‚Himmel‘ … “

(Tora / Bibel, Bereschit / Genesis / 1. Buch Mose, 1. Kapitel)

 

Es fällt auf, dass Gott nicht allem einen Namen gibt. All die Lebewesen und auch der Mensch (hebräisch „Adam“) werden von ihm nicht benannt.

In der Erzählung vom Garten Eden heißt es, dass Gott die Feldtiere und die Vögel aus Erde schuf und zum Menschen (hebr. Adam) brachte, um zu sehen, wie der Mensch sie nennen würde. Und bei der Namensfindung für all die Tiere viel auf, dass nichts Passendes für den Menschen dabei war. Der erste Mensch selbst wurde immer noch nicht benannt, und wird auch nie einen Eigennamen bekommen. Er bleibt auf ewig einfach nur „Mensch“ (hebr. Adam).

Beim ersten Rendezvous eines Mannes und einer Frau tauchen dann zwei neue Begriffe in der Erzählung auf: Isch & Ischa (hebr.) =  Mann & Männin  =  Mann & Frau. Ein Pendant zu den Begriffen „männlich“ und „weiblich“ aus der Schöpfungserzählung im ersten Kapitel. (Beim 23. Vers ist mir nicht klar, ob der Begriff „Männin“ vom Mann kommt oder vom Erzähler. Vielleicht eine Interessante Frage für alle Hebräisch-Kundigen: Kann man hier vom hebräischen Text her mehr erkennen?)

Erst nach der Verführung zum Bösen durch die Schlange (bzw. durch seine Frau) gibt der Mann seiner Frau eindeutig einen Namen – so wie er vorher den Tieren einen Namen gegeben hatte. Er nennt sie „Chawwa“ (woraus das deutsche „Eva“ wurde) = „die Leben Schenkende“.

 

Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde wirst, davon du genommen bist. Denn Staub bist du und zum Staub kehrst du zurück.
Und Adam nannte seine Frau Eva; denn sie wurde die Mutter aller, die da leben.
(Kapitel 3,19-20)

 

Beim Lesen der Bibel erkennt man leicht die hohe Qualität der Erzählungen. Es wird nicht viel herumgeschwafelt und so manche Assoziation schwingt nur unausgesprochen mit.

In der Erzählung vom sogenannten „Sündenfall“ wird der Acker von Gott verflucht und der rebellische Mann von Gott in den Staub gedrückt. Unmittelbar danach verpasst er seiner Frau – so wie er vorher den Tieren – einen Namen. Der Vorgesetzte benennt die Untergebene.

Während der Mann auf dem Acker schuften muss, bleibt die Frau „die Leben Schenkende“. – Lässt der Mann hier seinen Frust an seiner Frau aus? Namensgebung als Zeichen der Herrschaft und Unterdrückung?

Den ersten Mann benannte „zu seinen Lebzeiten“ niemand. Erst im Zuge späterer Überlieferung wurde „Adam“ zum Eigennamen für ihn. Gleichzeitig blieb „Adam“ aber auch im Hebräischen die Bezeichnung für alle Menschen: „Mensch“.

 

BIBEL. JETZT. (7) – heftig und klettig

arctiumlappa4
Christian Fischer [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

 

… „Komm, wir gehen aufs Feld hinaus.“ Als sie dort waren, fiel Kain über seinen Bruder her und schlug ihn tot.

Da fragte der Herr Kain: „Wo ist dein Bruder Abel? … Das Blut deines Bruders schreit zu mir? … Von jetzt an sollst du ein Flüchtling sein, der heimatlos von Ort zu Ort irrt.“

Kain entgegnete dem Herrn: „Meine Strafe ist zu hart, ich kann sie nicht ertragen!“

                                                                 (Die Bibel, Tanach / Altes Testament, Bereschith / Genesis / 1. Mose, 4. Kapitel, Verse 8-13)

 

Es gibt krasse Szenen in der Bibel, in denen es an die Substanz menschlichen Zusammenlebens geht. Gleich auf den ersten Seiten ermordet Kain seinen nichts ahnenden Bruder. Ein paar Seiten später werden zwei Schwestern von ihrem Vater schwanger, und ein Mann ist bereit seinen eigenen Sohn für Gott zu schlachten.

 

Als sie an den Ort kamen, den ihm Gott genannt hatte, baute Abraham den Altar, schichtete das Holz auf, fesselte seinen Sohn Isaak und legte ihn auf den Altar, oben auf das Holz. Schon streckte Abraham seine Hand aus und nahm das Messer, um seinen Sohn zu schlachten.

(Bereschith / Genesis / 1. Mose 22,9-10)

 

Viele biblische Erzählungen sind nicht glatt und geschmeidig und rutschen mal so eben gefällig durch das Gehirn; sondern sie sind sperrig und verstörend. – Gott lässt fast die ganze Menschheit, inkl. vieler Tiere, in einer gewaltigen Flut absaufen. Nur ein paar überleben in einer Rettungskapsel – und dann fängt wieder alles von vorne an …

Wer etwas Kuscheliges zum Einschlafen sucht, sollte besser zu einem anderen Buch greifen. Es gibt zwar einige utopische Texte und Verse, in denen eine bessere Welt beschrieben oder verheißen wird, aber die meisten biblischen Texte beschreiben keine heile Welt, sondern sind Texte des realen Lebens: Menschen, Alltag, Macht, Freude und Leid, Blut und Schweiß und Tränen. Sie laden nicht nur zum Nachdenken ein, sondern sie berühren im Kern der eigenen Existenz. Sie fordern uns heraus, indem sie verlangen, dass wir alles auf eine Karte setzen.

Eine der großen Sünden der Christenheit ist das Glattbügeln biblischer Texte und Aussagen. Wir hätten gerne ein harmonisches, erbauliches Ganzes; aber was wir haben, ist eine Sammlung von Texten, die nicht so geschmeidig zusammen passen und die auch nicht gefallen wollen. Die Bibel ist das historische Zeugnis eines Prozesses des Nachdenkens und des Austauschs von Gott-Suchenden und Glaubenden. Gemeinschaft von Frommen als Diskursgemeinschaft.

Viele biblischen Verse sind Worte mit Widerhaken – wie Kletten. Sie setzen sich fest. Sie berühren, und sie stören und verstören. Sie nagen an unseren Vorstellungen und Sehnsüchten von Gott und der Welt. Bleiben irgendwo hängen und werden weitergetragen …

 

… Ein Sämann ging aufs Feld, um zu säen. Als er säte, fiel ein Teil der Körner auf den Weg und die Vögel kamen und fraßen sie. Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war; als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte. Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat. Ein anderer Teil schließlich fiel auf guten Boden und brachte Frucht …

(Neues Testament, Matthäus-Evangelium, 13,3-8)

 

Evangelium. Eine gute Nachricht für eine ausgehungerte Welt. Licht in der Dunkelheit. Worte des Vertrauens und der Liebe, die uns drängen, Teil der Bewegung Gottes in seiner Welt zu werden und uns selbst ganz hinzugeben. Der Mann des Leidens aus Nazareth hat Gott vertraut und das Himmelreich für uns aufgeschlossen.

 

Was wir auch tun, wir tun es aus der Liebe, die Christus uns geschenkt hat – sie lässt uns keine andere Wahl. Wir sind davon überzeugt: Weil einer für alle Menschen starb, sind sie alle gestorben. Und Christus ist deshalb für alle gestorben, damit alle, die leben, nicht länger für sich selbst leben, sondern für Christus, der für sie gestorben und auferstanden ist.

(Paulus‘ 2. Brief an die Gemeinde in Korinth, 5,14-15)

 

Weiter zu: BIBEL. JETZT. (8) – Kontext, Kontext, Kontext  –  zurück zu: BIBEL. JETZT. (6) – Bibel 4D

In der Stille angekommen …

 

SONY DSC
Tonnengewölbe mit Gurtbögen: Abteikirche in Saint-Savin im Westen Frankreichs, by Lechat84 (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

 

Ich bin allein. Aber meine Seele kommt trotzdem noch nicht zur Ruhe, und in meinem Kopf wird es nicht still. Die Erlebnisse des Tages zerren noch an mir und eine Fülle von Eindrücken wirken noch nach. Und nachts, in den Träumen, steigen Bilder aus den Tiefen meiner Seele …

Wie macht man das, dass man in der Stille ankommt?

„In der Stille angekommen …“ – Einfache und schöne Worte … aber nicht ganz so leicht umzusetzen. Die Formulierung stammt von einem christlichen Lied von Christoph Zehendner. Wer neugierig geworden ist, kann es sich auf YouTube ansehen:

 

 

Zeit & Stille. Ein einfaches Konzept für unser gestresstes Leben.

Wir alle haben Zeit – theoretisch. Jeden Morgen neu, 24 Stunden am Tag. Wenn wir bewusst unseren Tag gestalten, unser Leben in die Hand nehmen und entscheiden, wofür wir unsere Zeit nutzen, dann haben wir die Chance, in unserem Leben zeitliche Freiräume zu schaffen für das, was wirklich wichtig ist. Noch besser wäre, wenn wir erfasst würden, von den wichtigen Fragen des Lebens selbst, getragen vom Wesentlichen, als nur Getriebene zu sein, von den alltäglichen Dringlichkeiten.

Der moderne Großstadtmensch findet Stille oft nur noch mit Ohren-Stöpseln. Manche suchen Stille in der Natur und auch dort hören wir das Flugzeug sich annähern und wieder entfernen. Es ist allerhöchste Zeit, in einer gestressten und reizüberfluteten Welt, dass wir in unserem eigenen Leben und in der Gesellschaft Freiräume für Zeit und Stille schaffen. Wir dürfen nicht darauf warten, dass das von alleine passiert oder es andere für uns tun – um unser selbst und anderer willen.

 

Da packte Elija die Angst und er lief um sein Leben … und ging eine Tagereise weit in die Wüste hinein … „Steh auf und iss! … Du hast einen weiten Weg vor dir.“
Er erhob sich, aß und trank und machte sich auf den Weg. Die Speise gab ihm so viel Kraft, dass er vierzig Tage und Nächte hindurch gehen konnte, bis er zum Gottesberg Horeb kam …
 Da kam ein heftiger Sturm herauf, der Felsen aus den Bergen riss und vor Jahwe zerschmetterte. Doch Jahwe war nicht im Sturm. Nach dem Sturm bebte die Erde, aber Jahwe war nicht im Beben. Nach dem Erdbeben ein Feuer, doch Jahwe war nicht im Feuer. Nach dem Feuer der Ton eines dahinschwebenden Schweigens …
Als Elija das hörte, verhüllte er sein Gesicht mit dem Mantel und stellte sich in den Eingang der Höhle. Da fragte ihn eine Stimme: „Was tust du hier, Elija?“ …
————————————————————————————————————————–
(Die Bibel, Tanach / Altes Testament, 1. Buch der Könige, 19. Kapitel, Verse 3-13)

 

Menschen suchten die Einsamkeit als einen Ort der Klärung und Berufung: Elija am Horeb (1. Kön. 19), Johannes der Täufer, Jesus (Mk 1,35), …

Das Motiv der Wüste taucht in biblischen Erzählungen immer wieder auf. Ein Ort der Einsamkeit, Kargheit, der Begegnung mit sich selbst. Ein Ort der Vorbereitung.

In der Geschichte waren und sind Klöster Orte der Kontemplation. Nicht unbedingt eine gute Idee für jeden oder für alle Zeit; aber wenn man für sich selbst, für den Augenblick, eine Lösung gefunden hat, um mehr Zeit für Stille zu finden, hat man schon eine ganze Menge gewonnen.

Habt ihr selbst schon ähnliche Erfahrungen gemacht? Oder habt ihr Tipps, wie man es schafft „in der Stille anzukommen“?

[Dies ist die Überarbeitung eines älteren Artikel. Den älteren Artikel mit Kommentaren findet ihr hier.]

 

Der FUNDAMENTALISTEN-TEST

explosion_near_summit_of_west_mata_submarine_volcano
Eruption eines submarinen Vulkans; by NOAA/National Science Foundation [Public domain], via Wikimedia Commons

Liebe fundamentalistische Schwester und Brüder. Wo euch die Bibel ja doch so wichtig ist, lasst uns mal sehen, wie gut eure Bibelkenntnisse sind. (Keine Angst, es kommen keine exotischen Spezial-Fragen, sondern Elementares.)

Wir fangen am Anfang an: 1. Kapitel. Die Schöpfung.

FRAGE : Wann und wie erschafft Gott das Wasser? (Grundlage allen Lebens.)

Vielleicht am ersten Tag? Oder schon davor? (Geht das überhaupt? Gibt es eine „Stunde Null“?)

Jetzt denken die Meisten von euch wahrscheinlich gleich an „Evolution oder Schöpfung“, doch darum geht es mir hier nur am Rand. Mir geht es hauptsächlich um ein aufmerksames Lesen und Ernstnehmen des Textes. Diejenigen, denen die Bibel angeblich so wichtig ist, die sollten doch auch die biblischen Texte wirklich ernst nehmen, oder?

Also : Woher kommt das Wasser?

(Und wo wir schon dabei sind, können wir auch gleich noch darauf achten, wo die Finsternis, die Tiefe und die Erde herkommen.)

Die ersten Kapitel der Bibel gehören übrigens zu meinen Lieblingstexten. 🙂 Bevor ihr weiterlest, solltet ihr vielleicht schnell mal das erste Kapitel lesen, falls es euch nicht mehr so vertraut im Kopf ist. Dauert ja nicht lange.

Fertig? – Gut.

Bei der Finsternis und der Tiefe könnte man einwenden „das is ja nix … nur leerer Raum“ – leerer Weltraum sozusagen. OK., vielleicht. – Aber was ist mit der Erde und dem Wasser? Das sind ja nun wirklich zwei wichtige Zutaten.

Beim Lesen fällt jedem die sorgfältige, fast poetische Gestaltung des Textes auf. Reim-artig kehren dieselben Formulierungen immer wieder, wie bei einem Gedicht oder Lied. Gott erschafft Himmel und Erde und alles andere allein dadurch, dass er spricht. Und es geschieht! – So hatte ich es jedenfalls in Erinnerung. Aber wird es auch so erzählt?

Wir schauen genauer hin :

Am ersten Tag erschafft Gott das Licht. Am zweiten die Wölbung (im Wasser) = Himmel. Am dritten Tag Gras / Kraut und Bäume. Am vierten Sonne, Mond und Sterne. Am fünften Tag Wassertiere und Vögel. Am sechsten Tag: Vieh, kriechende Tiere, wilde Tiere und die Menschen – quasi die land-gebundenen Lebewesen.

Noch ein paar Kleinigkeiten :

Mir fällt auf, dass es sogar MEHR als 6-mal heißt „und Gott sprach“, aber nur genau 6-mal „und es geschah so“. Auf die Wendung „es wurde Abend, und es wurde Morgen“ folgt immer ein „und Gott sprach“. Bis auf den 6. Tag. Nach ihm ist Gott fertig und es folgt kein „Und Gott sprach …“.

Am ersten Tag heißt es, dass das Licht gut war. Am zweiten Tag sagt Gott NICHT, dass etwas gut ist. Am dritten Tag heißt es dafür gleich 2-mal, dass etwas gut ist. Das erste Mal, nachdem sich das Wasser gesammelt hat und Erdboden zum Vorschein gekommen ist; das zweite Mal nach der Erschaffung der Pflanzen.

Auch am vierten Tag, nach der Erschaffung von Sonne, Mond und Sterne, heißt es, dass es gut war; und genauso am fünften Tag, nach der Erschaffung von Wassertieren und Vögeln. Am sechsten Tag beurteilt Gott wieder 2-mal: Nach der Erschaffung der Landtiere sieht Gott, dass es gut ist, und nach der Erschaffung des Menschen, als Gott seine Schöpfung vollendet hat, sieht er sogar, dass es „sehr gut“ ist.

Der zweite Tag ist der einzige Tag, an dem es nicht heißt, dass es gut oder sehr gut war. Zufall?

Interessant ist auch, dass mehrfach etwas nicht auf Gottes Wort hin wie aus dem Nichts entsteht, sondern Gott „gestaltend“ wirkt. Gott scheidet Licht und Finsternis und er scheidet die Wasser. Er befiehlt dem Wasser unter dem Himmel sich zu sammeln und befiehlt der Erde hervorzubringen. Auffällt auch, dass es bei der Erschaffung des Menschen weder heißt „es werde Mensch“ noch „Gott befahl der Erde den Menschen hervorzubringen“.

Wir sehen in dieser Erzählung sowohl ein Ins-Dasein-Rufen als auch ein Ordnen des Bestehenden. Gott schafft ganz neu, und er schafft Lebensraum und Möglichkeiten des Lebens, indem er das Geschaffene ordnet.

Wann nun wurden die Erde und das Wasser erschaffen?  In welchem Vers steht: „Erde!“ oder „Es werde Wasser!“

Diese Verse gibt es nicht! Es wird nicht ausdrücklich gesagt, wann oder wie die Erde und das Wasser geschaffen wurden.

Bei der Erde könnte man sagen „steht doch gleich im ersten Vers“. Im ersten Vers steht aber auch das Gott den Himmel schuf, und in den Versen 7-8 wird dann erklärt, wie er das gemacht hat. Wie die Erde gemacht worden ist, wird nirgends erklärt, und auch nicht, wie das Wasser gemacht worden ist.

Bei der offensichtlich sorgfältigen Gestaltung des Textes dürfen wir vermuten, dass keine Formulierungen hier rein zufällig sind. Daher die Frage, warum die Erschaffung des Universums (= Himmel & Erde) hier so erzählt wird?

Falls der Text wirklich erzählen wollte, wie ALLES entstanden ist, warum bleiben dann Fragen offen? Oder geht es in diesem Text vielleicht wirklich eher um etwas Anderes?

Zur Frage, wie und wann das Wasser und die Erde geschaffen wurden, sagt die Erzählung jedenfalls überraschenderweise gar nichts.

Besonders interessant wird die ganze Geschichte, wenn man sie mit dem babylonischen Schöpfungsmythos  Enūma eliš vergleicht . Während im babylonischen Schöpfungsmythos Himmel und Erde durch Gewalt und Tod im Kampf der Götter erschaffen werden, ist in der biblischen Schöpfungserzählung alles harmonisch. Es gibt noch nicht einmal eine Spur von Konkurrenz zur gestaltenden Macht Gottes. Alles gut! (bzw. sehr gut)

Wichtig für die Interpretation sind natürlich auch die Fragen: Für wen wurde die Erzählung geschrieben und was sollte sie bewirken? Welche Assoziationen hatten die ursprünglichen Leser (Hörer)? Wurde die ursprüngliche Fassung vielleicht sogar überarbeitet? Wann entstand die endgültige Fassung und wer war dafür verantwortlich?

Bin gespannt auf eure Kommentare …

[Dies ist die Überarbeitung eines älteren Posts. Den älteren Post findet ihr hier.]

BIBEL. JETZT. (2) – Eine Liebeserklärung

aleppo_codex_joshua_1_1
By see en:Aleppo Codex; scanned by http://www.aleppocodex.org (http://www.aleppocodex.org) [Public domain], via Wikimedia Commons
Uralte Texte. Geheiligt durch Jahrhunderte des Vorlesens und Hörens und Nach-Denkens. Ein kulturgeschichtliches Gewebe, dass sich durch die Jahrhunderte jüdisch-christlich geprägter Gesellschaften zieht.Gebetet. Gesungen. Von Eltern den Kindern zum Einschlafen vorgelesen.Worte, die darstellen, beschreiben, erregen, informieren, orientieren, berichten, erzählen, verzaubern, erinnern, bezeugen, klagen, anbeten, beruhigen, trösten, ermutigen, belehren, predigen, verkündigen, proklamieren, korrigieren, ermahnen, stören, anklagen, reizen, provozieren, bloß stellen, schockieren, drohen, beunruhigen, Angst machen, verheißen, zerstören, enthüllen, offenbaren, erschaffen, formen, inspirieren …Wild und ungezähmt wie das Leben. Klärend und verstörend. Eine lange Geschichte des Menschlichen …wie Menschen im Paradies: sorglos im Überfluss leben …
wie Adam, endlich einen Partner bekommen, der zu einem passt …
wie Kinder, nackt sein, ohne sich zu schämen …
wie Eva, sich zu einer Komplizin des Bösen machen lassen …
wie Adam & Eva, schlauer sein, nachdem es schief gelaufen ist …
wie Kain, eine Schuld nicht ertragen können …
wie Kain’s Frau, Mutter eines Städtebauers werden …
wie Lamech, die Gewalt eskalieren lassen …
wie Ada und Zilla, Frauen von einem Großkotz sein …
wie Methusalem, uralt werden …
wie eine schöne Menschentochter, von einem Gottessohn geschnappt werden …
wie solche schönen Menschentöchter, Mütter von Superhelden werden …
wie Noah, auf den Fluten der Strafe Gottes schwimmen …
wie die Anfänger einer neuen Menschheit, Füße auf festen Boden setzen …
wie Sem und Jafet, den nackten, besoffenen Vater zudecken …
wie Nimrod, Regierungschef werden, weil man gut im Erjagen ist …
wie in Babel, hoch hinaus wollen und sich dann nicht mehr verstehen …
wie Abram und Sarai, seine Heimat zurücklassen …
wie Abraham, ein Heimatloser sein mit einer besseren Zukunft …
wie die Töchter Lots, sich auf gerad’krummem Weg Babys verschaffen …
wie Sara, sich ein Lachen nicht verkneifen können …
wie Isaak, sich über’s Ohr hauen lassen …
wie Rebekka, sich von ihrer Familie verabschieden …
wie Laban, ein Verwandter mit Geschäftssinn sein …
wie Jakob, betrügen und betrogen werden …
wie Rahel, den eigenen Vater überlisten …
wie Lea, nur Zweite Wahl sein …
wie Ruben, mit der Stiefmutter Sex haben …
wie Levi, Ur-ur-uropa eines Priestergeschlechts werden …
wie Simeon, mal eben Lynchjustiz praktizieren …
wie Juda, Ur-ur-uropa eines zeitlosen Königsgeschlechts werden …
wie Tamar, vom Schwiegervater schwanger werden …
wie Sebulon, eine rätselhafte Beziehung zum Wasser haben …
wie Issachar, mit einem Esel verglichen werden …
wie Bilha und Silpa, keine weitere Beachtung finden …
wie Dan, zu Recht!
wie Gad, „Erstgeborener“ der dritten (!) Frau sein …
wie Ascher, gut essen …
wie Naftali, einem Hirsch ähneln …
wie Benjamin, Papa’s Liebling sein …
wie Dina, vergewaltigt werden – obwohl sie 12 Brüder hatte …
wie Josef, aus einem tiefen Loch gezogen werden und in einem anderen landen …
wie Potifar’s Frau, sich an einen anständigen Mann ranmachen …
wie Reguël, sich einen Schwiegersohn angeln …
wie Zippora, einen Gentleman heiraten …
wie Mose, einen Auftrag bekommen, den man gar nicht haben möchte …
wie Mirjam, die Leitung der Liturgie ergreifen …
wie Josua, in viel zu große Fußstapfen treten …
wie Rahab, überleben, indem man seine eigenen Leute verrät …
wie Debora, die Führung übernehmen, wenn die Männer schlapp machen …
wie Barak, Autorität erkennen …
wie Ruth, einen Menschen an der Seite haben, mit der frau nicht gerechnet hat
wie Samuel, eine Stimme in der Nacht hören …
wie Saul, auf die schiefe Bahn geraten …
wie Michal, Ehefrau eines Frauenlieblings sein …
wie David, es gut meinen, und dafür Ärger bekommen …
wie Bathseba, Objekt der Begierde eines Mächtigen werden …
wie Absalom, seinen eigenen Vater entthronen wollen …
wie Salomo, superschlau sein und doch am Ziel vorbei …
wie Elija, alles auf eine Karte setzen …
wie Isebel, Interessenvertreterin ihrer Religion sein …
wie Elischa, den Jordan mit einem Mantel teilen …
wie Gehasi zum Wohlstandsekel werden …
wie Asaf, Musikerkarriere machen …
wie Jesaja, schnallen, dass Gott auf einem Thron sitzt …
wie eine schwangere junge Frau, ein Kind kriegen, das Immanuel heißt …
wie Jeremia, auf der falschen Seite stehen …
wie Hesekiel, von Gottes Geist erfasst, angehoben und weggeweht werden …
wie Nebukadnezar, unfreiwillig Veganer werden …
wie Israel, der Strafe Gottes nicht entgehen können …
wie Gomer, eine problematische Erwerbstätigkeit haben …
wie Jona, ankommen, wo man eigentlich nicht hin wollte …
wie Verliebte, das Feuer Jahwes fühlen …
wie Hiob, Schmerzen erleiden, die man nicht verdient hat …
wie Johannes, den Weg für einen anderen ebenen …
wie Maria, sich in den Plan Gottes fügen …
wie Hanna, das Baby einer fremden Frau in den Armen halten …
wie Josef, das eigene Leben riskieren, um ein anderes zu retten …
wie Teenie Jesus, andere mit seiner Erkenntnis beeindrucken …
wie Maria, Stress mit einem hochbegabten Kind haben …
wie Jesus, vom Geist Gottes ergriffen werden …
wie der verlorene Sohn, gefunden werden …
wie Kinder, versuchen an Jesus ranzukommen …
wie Maria, die Schwester die Arbeit machen lassen …
wie Martha, sich das nicht einfach gefallen lassen …
wie Matthäus, die falsche Berufsentscheidung getroffen haben …
wie die Tocher von Jaïrus, Hunger haben, nachdem frau ein bisschen tot war …
wie Zachäus, unerwartet Besuch bekommen …
wie Maria Magdalena, die Kontrolle über ihr Leben zurückbekommen …
wie Jakobus, zu Jesus‘ Clique gehören …
wie Petrus‘ Schwiegermutter, wegen Krankheit (fast) ausfallen …
wie Johannes, einen eigenartigen Spitznamen bekommen …
wie die unhygienische Frau, als Unberührbare den Superstar berühren …
wie Bartholomäus, zu einem super Team gehören …
wie Johanna, Sponsorin Jesu mit guten Beziehungen …
wie Jakobus, Sohn des Alphäus: dabei sein ist alles …
wie die Samariterin, die unwahrscheinlichste Kandidatin für den Mulitplikatoren-Job …
wie Simon, Widerstandskämpfer mit neuer Orientierung …
wie eine namenlose Frau, als Sünderin berühmt werden …
wie Andreas, im Schatten des Bruders stehen …
wie Susanna, zusammen mit anderen geheilten Frauen Jesus‘ Groupie
wie Thaddäus, eine unscheinbare Berühmtheit …
wie Maria, superteures Parfum verschwenden und dafür gelobt werden …
wie Philippus, Gott sehen wollen …
wie Petrus sich krass überschätzen und jämmerlich versagen …
wie Judas, an sich selbst verzweifeln …
wie die Emmaus-Jünger, einen fremden Menschen erkennen …
wie Thomas, kaum über eine Enttäuschung hinwegkommen …
wie Paulus, Alles geben und völlig falsch liegen …
wie Tabita, ein Wohlfahrtsunternehmen
wie Barnabbas, einen Namen haben, der zu einem passt …
wie Markus, ein zweite Chance bekommen …
wie Lydia, einem das Herz aufgeht …
wie Timotheus, schon als junger Mensch Verantwortung übernehmen …
wie Phoebe, eine Frau sein, auf die Mann zählen kann …
wie der Seher Johannes, in der Fremde eine Vision von einer neuen Welt haben …Bilder von Menschen, die uns in die Erzählungen mit hinein nehmen, und doch auch den großen zeitlichen Abstand einer antiken Welt spüren lassen.

Bilder und Gedanken, die sich wie Kletten an die Seele heften. Deutungen, die Leben erklären und zum Widerspruch reizen. Fragen beantworten und Fragen aufwerfen. Die beschleunigen und bremsen. Umarmen und bedrängen. Stabilisieren und den Boden unter den Füßen wegziehen.

Worte des Glaubens.

Ein Chor von Stimmen, die, dieser Welt trotzend, Hoffnung ins Leben rufen.

(Fundamentalistische Kinderstube hat auch ein paar Vorteile …)

Kein Anspruch auf Vollständigkeit!  –  Vielleicht macht ihr ja eure eigene Listen?

 

Zurück zu: BIBEL. JETZT. (1) – weiter zu: BIBEL. JETZT. (3)

ZEIT & STILLE

SONY DSC
Tonnengewölbe mit Gurtbögen: Abteikirche in Saint-Savin im Westen Frankreichs, by Lechat84 (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

Ein einfaches Konzept für unser gestresstes Leben.

Wir alle haben Zeit – theoretisch. Jeden Morgen neu, 24 Stunden am Tag. Wenn wir bewusst unseren Tag gestalten, unser Leben in die Hand nehmen und entscheiden, wofür wir unsere Zeit nutzen, dann haben wir die Chance, in unserem Leben zeitliche Freiräume zu schaffen für das, was wirklich wichtig ist. Noch besser wäre, wenn wir erfasst würden, von den wichtigen Fragen des Lebens selbst, getragen vom Wesentlichen, als Getriebene zu sein, von den alltäglichen Dringlichkeiten.

Der moderne Großstadtmensch findet Stille oft nur noch mit Ohren-Stöpseln. Manche suchen Stille in der Natur und auch dort hören wir das Flugzeug sich annähern und wieder entfernen. Es ist allerhöchste Zeit, in einer gestressten und reizüberfluteten Welt, dass wir in unserem eigenen Leben und in der Gesellschaft Freiräume für Zeit und Stille schaffen. Wir dürfen nicht darauf warten, dass das von alleine passiert oder es andere für uns tun – um unser selbst und anderer willen.

Vorbilder gibt es: Elija am Horeb (1. Kön. 19), Johannes der Täufer, Jesus (Mk 1,35), …

Das Motiv der Wüste taucht in biblischen Erzählungen immer wieder auf. Ein Ort der Einsamkeit, Kargheit, der Begegnung mit sich selbst, … – ein Ort der Vorbereitung.

In der Geschichte waren und sind Klöster Orte der Kontemplation. Nicht unbedingt eine gute Idee für jeden oder für alle Zeit; aber wenn man für sich selbst, für den Augenblick, eine Lösung gefunden hat, um mehr Zeit für Stille zu finden, hat man schon eine ganze Menge gewonnen.

[Eine neuere Überarbeitung dieses Artikels findet ihr hier.]