Integrale Theologie

 

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Auf der Welt vorherrschende Religionen, nach Staaten – Quelle: Wikipedia; von Neitram [public domain]

 

„Integrale Theologie“ (oder „integral theology“). – Macht der Ausdruck Sinn? Braucht man, wenn man von der Integralen Theorie ausgeht, überhaupt noch Theologie?

Falls ja, wie müsste eine Integrale Theologie dann aussehen?

 

Theologie

Was war das noch mal, „Theologie“?

 

Theologie (griechisch θεολογία theología, von θεός theós ‚Gott‘ und λόγος lógos ‚Wort, Rede, Lehre‘) bedeutet „die Lehre von Gott“ oder Göttern im Allgemeinen und die Lehren vom Inhalt eines spezifischen religiösen Glaubens und seinen Glaubensdokumenten im Besonderen.

(Wikipedia)

 

Theologie an wissenschaftlichen Einrichtungen ist oft konfessionelle Theologie (Ev. Theologie, Kath. Theologie, …) und beschäftigt sich viel mit alten Dingen: Alte Sprachen, antike heilige Texte, Alte Geschichte, Kirchengeschichte, …

Was aber ist mit der religiösen Alltagswirklichkeit und der Zukunft? Müsste die praktische Theologie und die Eschatologie nicht mehr Gewicht in der theologischen Ausbildung haben? Wie sieht es aus mit dem praktischen Lebensbezug von Theologie und mit visionären Ansätzen für Kirche und Welt?

Es gibt einen z.T. riesigen Unterschied zwischen der „offiziellen“ Religion (Positionen, die von etablierten religiösen Institutionen wie den großen Kirchen vertreten werden) und der alltäglich erfahrenen und gelebten Religion ihrer Anhänger. Dazu kommt in einer globalisierten Welt die Herausforderung, jeden Tag gemeinsam mit Menschen unterschiedlicher religiösen Überzeugungen zu leben, zu arbeiten, Politik zu betreiben …

 

Qualitätskontrolle

Religiöse Einrichtungen scheinen sich manchmal als „von Gott gegeben“ zu verstehen und zeigen wenig Interesse an der Überprüfung der Qualität ihrer Arbeit. Dabei ist doch ganz entscheidend, was am Ende dabei herauskommt.

 

 Jeder gute Baum bringt gute Früchte hervor, ein schlechter Baum aber schlechte. Ein guter Baum kann keine schlechten Früchte hervorbringen und ein schlechter Baum keine guten.
Jeder Baum, der keine guten Früchte hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen.
An ihren Früchten also werdet ihr sie erkennen.
(Bibel, Neues Testament, Matthäus-Evangelium, 7. Kapitel, Verse 17-20)

 

Bei manchen Anhängern der Integralen Theorie ist der Integrale Weg die Antwort auf ein besonders tiefes Erlebnis, eine außergewöhnliche Belastung oder eine persönliche Krise. In guter biblischer Tradition wird hier die Hilfe Gottes als Rettung aus Not erfahren. Die Kraft Gottes zeigt sich ja gerade in ihrer Wirkung – und nicht in Dogmen oder Glaubenssätzen.

 

Die Frucht hingegen, die der Geist Gottes hervorbringt, besteht in Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Rücksichtnahme und Selbstbeherrschung. Gegen solches Verhalten hat kein Gesetz etwas einzuwenden.
(Paulus‘ Brief an die Christen in Galatien 5,22-23)

 

Integrale Theorie

Das „Integrale“ an der Integrale Theorie ist u.a., dass ältere Weltdeutungen nicht bekämpft, sondern integriert werden. So bleiben die unterschiedlichen religiösen und Weisheits-Traditionen nicht sich gegenseitig ausschließende Standpunkte, sondern werden zu sich ergänzenden Zugängen zur Wirklichkeit. Mit Tradition wird nicht gebrochen, sondern es wird an sie angeknüpft und sie wird in ein tieferes und weiteres Verstehen des Lebens geführt.

 

Es gibt sie schon.

Integrale Theologie ist eigentlich schon längst keine Theorie mehr. Sie wird schon betrieben. (Auch wenn sie an Universitäten bis jetzt kaum zu finden ist. – Warum wohl?)

Paul R. Smith, z.B., war jahrelanger Pastor einer Southern Baptist Gemeinde (evangelikal-konservativ). Unter seiner Pastorenschaft entwickelte sich die Gemeinde zu einer integralen Gemeinde. Er hat mittlerweile auch zwei Bücher vorgelegt, in denen er die Integrale Theorie auf die christliche Tradition und die biblischen Texte anwendet.

 

verwurzelt

Der Blick zurück ist wichtig. Man sollte nur nicht in der Vergangenheit hängen bleiben und das Leben verpassen. Der Blick zurück ist wichtig, um mit den eigenen Wurzeln verbunden zu bleiben und die Kontinuität von Tradition in einer Kultur zu gewährleisten.

Auch die Liebe zu meinen Mitmenschen gebietet, Veränderungen so zu vollziehen, dass Menschen, die nicht so schnell mitkommen, sich nicht als Heimatlose und Entwurzelte in einer „schönen neuen Welt“ wiederfinden und irgendwie auf der Strecke bleiben.

Wir brauchen Integrale Theologen, die nicht nur den Wert Integraler Theologie erkennen, sondern auch den Wert der Theologie und der religiösen Traditionen, die Menschen bis heute Halt gegeben haben.

 

Schalom – Frieden – Ganzheit

Big History. Es geht um das ganz Große: Die Vollendung der Schöpfung und des Wirkens Gottes.  Integrale Theologie, als religions-philosophischer und post-konfessioneller Ansatz, könnte ein Weg sein, um alle bisherigen Traditionen und Theologien umfassender und tiefer zu verstehen und einen Weg in die Zukunft der Menschheit zu weisen.

Vielleicht könnte eine Integrale Theologie einen Beitrag leisten, um Kulturen miteinander zu versöhnen und Frieden zu schaffen.

 

 Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.

(Bergpredigt, Matthäus-Evangelium 5,9)

 

Tobias Faix | Friedensgebet für Syrien. Jeden Freitag 17:00h. Facebook, Twitter & Co beten

 

Artikel von Tobias Faix auf seinem Blog „tobiasfaix.de“ für Syrien:

„Friedensgebet für Syrien. Jeden Freitag 17:00h. Facebook, Twitter & Co beten.“

 

Gottes extra scharfes Wort ǂ Bibel

 

Rasierklinge
Rasierklinge; von Hafenbar, via Wikimedia Commons (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en)

 

Denn das Wort Gottes ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und durchdringend bis zur Scheidung von Seele und Geist, sowohl der Gelenke als auch des Markes, und ein Richter der Gedanken und Gesinnungen des Herzens; und kein Geschöpf ist vor ihm unsichtbar, sondern alles bloß und aufgedeckt vor den Augen dessen, mit dem wir es zu tun haben. Da wir nun einen großen Hohenpriester haben, der durch die Himmel gegangen ist, Jesus, den Sohn Gottes, so lasst uns das Bekenntnis festhalten!
(Die Bibel, Neues Testament, Brief an die Hebräer, 4. Kapitel, Verse 12-14)

 

Ich bin aufgewachsen mit dem Vers „das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert …“ (Hebräer 4,12). Und irgendwie war immer klar, dass damit die Bibel gemeint sein sollte.

Dabei ist eigentlich offensichtlich, dass der Autor des Hebräerbriefs gar  nicht  die Bibel gemeint haben  kann , da diese ja noch gar nicht existiert hat.

Der Vergleich mit dem „zweischneidigen Schwert“ ist uns heute fremd. Aber die Bedeutung scheint klar: Das Wort Gottes ist ganz besonders scharf. Etwas, das extra scharf ist, schneidet besonders gut und man kann sich daran auch leicht verletzen. („Messer, Gabel, Scher‘ und Licht …“)

Nehmen wir einmal an, die Aussage „schärfer als jedes zweischneidige Schwert“ würde auch für die biblischen Texte gelten. Dann müssten wir mit diesen Texten sehr vorsichtig umgehen – denn man könnte leicht sich selbst oder andere verletzen. Und es gibt Menschen, die von solchen Verletzungen berichten.

 

… das Wort Gottes ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert …

(Hebräerbrief 4,12)

 

Woran dachte ein Christ des ersten Jahrhunderts, wenn er den Ausdruck „Wort Gottes“ hörte? An die Worte christlicher Propheten der frühen Christenheit? Die Worte, die in den christlichen Versammlungen verkündigt wurden? Die Worte der Apostel? Erzählungen über Jesus? Jesus Christus selbst? Worte, die der Christ selbst in seinem Herzen oder in Visionen zuvor gehört hatte?

Auf der Webseite eines Predigtpreises finden wir eine Predigt von Joost Reinke über Hebräer 4,12, in der er „Gottes Wort“ mit Jesus Christus identifiziert. Wenn man den Vers im Zusammenhang liest, sicherlich ein naheliegender Gedanke.

Wenn mich jemand fragt, wie ICH etwas gemeint habe, dann tue ich mich manchmal schwer. Mir ist selbst nicht immer ganz klar, was ich eigentlich meine. – Bezieht sich nicht auf diesen Beitrag.  😉 – Aber zumindest bin ich der richtige Ansprechpartner, um zu erklären, was ich mir denn bei meiner eigenen Aussage gedacht habe. (Falls ich überhaupt gedacht habe).

Bei der Aussage einer anderen Person ist das schon ganz etwas anderes. Wenn ich mich anschicke, eine andere Person zu interpretieren, dann sollte ich das mit Respekt, Sorgfalt und Zurückhaltung tun. Es handelt sich schließlich um das geistige Eigentum von jemand anderen.

Tja, wie ist das nun mit dem Wort Gottes?

Sind wir der richtige Ansprechpartner, um zu erklären, was Gott sich bei seinen Worten denkt? Welche Worte sind überhaupt GOTTES Worte? Inwieweit sind wir autorisiert, dazu etwas zu sagen? Und falls wir uns überhaupt trauen, etwas dazu zu sagen: Auf welche Art und Weise sollten wir dies tun?

 

… stellt euch vor, ihr alle verkündet prophetische Botschaften. Wenn jetzt jemand dazukommt, der vom Glauben nichts oder nicht viel weiß, macht alles, was ihr sagt, ihm bewusst, dass er ein Sünder ist. Durch alles, was er hört, sieht er sich zur Rechenschaft gezogen, und seine verborgensten Gedanken kommen ans Licht. Er wird sich niederwerfen, um Gott anzubeten, und wird ausrufen: »Gott ist wirklich in eurer Mitte!«
(1. Korintherbrief 14,24-25)

 

Prophetisches Reden. Vielleicht etwas, dass mir und dir noch nicht so vertraut ist. Menschen, die von Gott inspiriert und aus ihm heraus in eine aktuelle Situation hinein sprechen. – Ist die Ähnlichkeit zur Aussage über das „Wort Gottes“ in Hebräer 4 nicht auffällig?

 

Das soll also euer Ziel sein: ein Leben, das von der Liebe bestimmt wird. Bemüht euch aber auch um die Fähigkeiten, die uns durch Gottes Geist gegeben werden, und wenn ich das sage, denke ich vor allem an die Gabe des prophetischen Redens.

(1. Korinther 14,1-2)

 

Paulus geht hier davon aus, dass prophetisches Reden eine Gabe Gottes ist. Wir können es uns also nicht einfach nehmen. Es ist ein Geschenk, das wir zwar erstreben sollen, bei dem wir aber auch darauf warten müssen, dass es uns gegeben wird.

Wir alle wollen mitreden. Kommunikation ist auch sehr wichtig. Wenn wir aber nicht aus Gott heraus, prophetisch, reden können, dann wäre es manchmal besser, unsere Klappe zu halten.

 

 

… das Wort Gottes ist LEBENDIG …

 

Gottes Wort ist lebendig. Es ist nicht einfach ein alter Text. Sobald etwas aufgeschrieben worden ist, ist es fixiert, starr, unabänderlich …

Es gibt einen Unterschied zwischen schriftlicher und mündlicher Überlieferung – insbesondere auch im Judentum. Solche Überlegungen führen uns sehr tief hinein in die Kulturgeschichte der Menschheit und in ein Nachdenken über Begriffe wie „Tradition“ und „Offenbarung“, starre und flexible kulturelle Systeme und den Umgang mit Literatur.

Dabei fällt auch auf, dass Jesus selbst es offensichtlich nicht für wichtig hielt, schriftliche Texte zu hinterlassen. Meines Wissens gibt es nicht eine einzige Handschrift, die für sich in Anspruch nimmt, von Jesus selbst geschrieben oder diktiert worden zu sein.

Wie viele Mythen und Märchen, so erzählen auch die biblischen Texte von dem epischen Kampf der Menschheit zwischen Gut und Böse.

 

… Seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke. Zieht an die Waffenrüstung Gottes, damit ihr bestehen könnt gegen die listigen Anschläge des Teufels. Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, mit den Herren der Welt, die über diese Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel. Deshalb ergreift die Waffenrüstung Gottes, damit ihr an dem bösen Tag Widerstand leisten und alles überwinden und das Feld behalten könnt. So steht nun fest, umgürtet an euren Lenden mit Wahrheit und angetan mit dem Panzer der Gerechtigkeit und beschuht an den Füßen, bereit für das Evangelium des Friedens. Vor allen Dingen aber ergreift den Schild des Glaubens, mit dem ihr auslöschen könnt alle feurigen Pfeile des Bösen, und nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes.
(Paulus‘ Brief an die Epheser, 6,10-17)

 

Paulus versteht unter dem „Wort Gottes“ hier etwas, das man „nehmen“ kann. Gesprochen zu einer Zeit, in der es noch keine Bibeln gab und auch die allermeisten Christen keine Tora-Rollen zu Hause hatten.

Die Idee des „Ergreifens des Wortes Gottes“ hat auch etwas Gefährliches an sich. Dies wird deutlich, wenn man vom „Instrumentalisieren“ des Wortes Gottes sprechen würde. Wenn wir über die Worte Gottes verfügen können, dann können wir sie auch missbrauchen.

Mit biblischen Texte ist dies in der Vergangenheit und Gegenwart auch immer wieder gemacht worden. Dabei wurde ihnen oft eine göttliche Autorität zugesprochen, die sie für sich selbst häufig gar nicht in Anspruch nehmen. (Welche biblischen Texte präsentieren sich denn explizit als die Worte Gottes?)

Bei allen warnenden Worten ist es allerdings auch sehr wichtig, dass wir den unschätzbaren Wert des Leben-schaffenden Reden Gottes erkennen.

Die biblischen Texte erzählen von einem Gott, der spricht. Noch bevor ein Menschenohr da war, um das Wort Gottes zu hören, sprach Gott unsere Welt aus dem Nichts ins Dasein (Genesis 1). Gottes Wort gestaltet. Er sendet es aus, und es verwirklicht seine gute Absicht. Im ersten Kapitel des Johannes-Evangeliums stehen die berühmten Worte über das „Logos„, durch das alles erschaffen worden war und das Fleisch geworden ist …

 

… In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen …

(Johannes 1)

 

Wenn wir einem gütigen Menschen begegnen, mag uns dies beschämen, weil wir erkennen, dass wir selbst nicht so sind. Die Begegnung spricht zu uns. Sie erhellt unser Leben. Güte ist anziehend – aber das Erkennen der eigenen Mangelhaftigkeit ist auch schmerzhaft.

Jesus war ein lebendiger Mensch aus Fleisch und Blut wie wir. Er erlitt höllische Qualen. Er wurde zu Tode gefoltert. Aber seine Hinrichtung ist unsere Berichtigung. Durch seinen Schaden und sein Leiden werden wir heil.

Die Jesus-Bewegung endete nicht am Kreuz. Jesus ist auferstanden. Er lebt in uns und begegnet uns auch im bedürftigen Nächsten. Ich bin du – und du bist ich. In Christus vereint Gott alle Menschen.

 

In der Vergangenheit hat Gott immer wieder und auf vielfältige Weise durch die Propheten zu unseren Vorfahren gesprochen. Doch jetzt, in dieser letzten Zeit, sprach Gott durch seinen Sohn zu uns. Durch ihn schuf Gott Himmel und Erde, und ihn hat er auch zum Erben über alles eingesetzt. In dem Sohn zeigt sich die göttliche Herrlichkeit seines Vaters, denn er ist ganz und gar Gottes Ebenbild …
(Hebräer 1)

 

In den biblischen Texten redet Gott auf vielfältige Weise: in Träumen, durch Engel, durch Menschen, seine Propheten, durch Jesus oder auch selbst direkt vom Himmel.

Wie redet Gott heute zu mir und dir? Wohin gehen wir, um seine Stimme zu hören?

 

… Heute, wenn ihr meine Stimme hört, dann verschließt eure Herzen nicht …
(Hebräer 3,7-9)

 

Auch wenn’s weh tut …

Gottes Sprechen dient unserer Heilung und der Verwirklichung seines herrlichen Friedens. Schalom.

 

[Dies ist die Überarbeitung eines älteren Artikels. Den älteren Artikel mit Kommentaren findet ihr hier.]

Kraft

 

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Wurzeln des Kapokbaums, von Chrishibbard7, English Wikipedia (Self-photographed) [Public domain], via Wikimedia Commons

 

… Das Himmelreich gleicht einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und auf seinen Acker säte; das ist das kleinste unter allen Samenkörnern; wenn es aber gewachsen ist, so ist es größer als alle Kräuter und wird ein Baum, dass die Vögel unter dem Himmel kommen und wohnen in seinen Zweigen.

 

(Jesus Christus; Bibel, Neues Testament, Matthäus-Evangelium, Kapitel 13, Verse 31-32)

 

Die Tage werden länger. Mehr Licht und Sonne. Ein lauer Wind kommt auf. Wärme schmilzt Schnee und Eis. Auferweckung. Verschlafenes Leben bricht hervor, aus Erde, die gefroren war. Bunte Blüten begrüßen freundlich. Farben-Freude. Farben-Fülle. Düfte hängen in der Luft. Lebendiges regt sich und summt durch die Luft. Vögel zwitschern. Ich pack die schwere Winterkleidung zurück in den Schrank und lasse Luft und Sonne an meine Haut.

 

… Ich werde euch Atem einhauchen und euch wieder lebendig machen!

 

(Die Bibel, Tanach / Altes Testament, Hesekiel 37. Kapitel, Vers 5)

 

Spazierengehen. Fahrradfahren. Kinder spielen im Freien. Fenster werden geöffnet – frische Luft. Die Welt klingt anders. Frühjahrsputz. Samen werden gesät. Leben pflanzt sich fort.

 

 Ich mache deine Nachkommen so zahlreich wie die Sterne am Himmel und … durch deine Nachkommen werden alle Völker der Erde gesegnet sein

 

(1. Mose / Genesis / Bereschit 26,4)

 

Frühjahrsstürme – Unruhe des Wandels. Frühling. Vorbote des Sommers. Ferien, Sonne und Meer. Früchte reifen, Menschen entspannen sich im Park und feiern im Garten. Lautes Lachen und leises Murmeln – bis tief in die Nacht.

 

… die ihre Hoffnung auf den Herrn setzen, bekommen neue Kraft. Sie sind wie Adler, denen mächtige Schwingen wachsen. Sie gehen und werden nicht müde, sie laufen und sind nicht erschöpft.

 

(Jesaja 40,31)

 

Auferweckung. Jesus verlässt das Grab. Leben von den Toten. Licht in die Dunkelheit. Heiliger Geist weht in die Schöpfung. Frauen und Männer werden erfasst. Schalom. Gottes ewiges Friedensreich bricht herein. Friedfertige beenden kalten Krieg. Schwerter zu Pflugscharen – Nahrung statt Waffen. Menschen treten in die Freiheit; legen Altes ab und Neues an. Öffnen ihre Herzen, ihre Türen und ihr Leben; laden ein. Lassen sich berühren und machen sich verletzbar.

Seelen heilen. Nervosität weicht der Gelassenheit, Lärm der Ruhe. Die Atmosphäre ist anders geworden. Ein neues Aroma hängt in der Luft. Menschen reichen sich die Hände. Worte der Versöhnung beenden das Schweigen. Verlorenes wird gesucht, Verirrtes findet den Weg. Früchte des Lebens reifen. Mehr als ein neuer Lebensstil. Ein Mensch aus Galiläa: Jesus von Nazareth. Messias. Immanuel. Gott wohnt bei seinen Menschen. Ein neuer Weg.

 

Denn Gottes Reich gründet sich nicht auf Worte, sondern auf seine Kraft.

 

(1. Korinther 4,20)

 

Wie viel wurde schon geredet, geschrieben und gestritten. Gerade auch im Namen des Christentums. Auf Facebook, in Hauskreisen und von der Kanzel: Streit darum wer recht hat, wer biblisch ist, wer die Wahrheit vertritt, …

Das Reich Gottes findet man nicht bei den besten theologischen Erklärungen, sondern dort, wo Gottes Kraft wahrnehmbar ist. Veränderung. Wachstum. Leben. Vertrauen. Liebe. Herrlichkeit. – Wann werden wir endlich aufhören, die Sache Gottes in unsere eigenen Kategorien pressen zu wollen, und die Augen öffnen für das Offensichtliche?

 

… die Frucht, die der Geist wachsen lässt, ist: Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung …
.
(Galater 5,22-23)

 

So bringt jeder gute Baum gute Früchte, aber der faule Baum bringt schlechte Früchte … an ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.
.
(Bergpredigt, Matthäus-Evangelium 7,17-20)

 

[Dies ist die Überarbeitung eines älteren Artikels. Den älteren Artikel findet ihr hier.]

organisch auferstehen

 

bauchorgane
By de:Bild:BauchOrgane.png + my_update (de:Benutzer:ErnstA, ru:User:Ustas) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)%5D, via Wikimedia Commons

 

Bist du schon organisch auferstanden?

Keine Angst, hier geht es nicht um die menschliche Anatomie oder eine weitere neue Erfindung der schillernden spirituellen Szene im deutschsprachigen Raum, sondern um die Wiederentdeckung einer urchristlichen Erkenntnis.

 

Weil ihr Gottes reiche Barmherzigkeit erfahren habt, fordere ich euch auf, liebe Brüder und Schwestern, euch mit eurem ganzen Leben Gott zur Verfügung zu stellen. …
Unser Körper besteht aus vielen Teilen, die ganz unterschiedliche Aufgaben haben. Ebenso ist es mit uns Christen. Gemeinsam bilden wir alle den Leib von Christus, und jeder Einzelne ist auf die anderen angewiesen. Gott hat jedem von uns unterschiedliche Gaben geschenkt. …
Seid in herzlicher Liebe miteinander verbunden, gegenseitige Achtung soll euer Zusammenleben bestimmen.
(Die Bibel, Neues Testament, Paulus‘ Brief an die Römer, 12. Kapitel, Verse 1-10)

 

Robinson Crusoe findet auf seiner einsamen Insel eine Bibel, die an den Strand gespült worden ist, liest und durch das Wirken des Geistes Gottes wird ein neuer Mensch geboren. Halleluja! Auferstehung zu einem neuen Leben.

Auf der Insel stößt Robinson auf einen anderen Menschen. Aber Robinson geht dem anderen Menschen aus dem Weg. Der andere Mensch ist sogar auch Christ, aber Robinson vermeidet ihn trotzdem und pflegt seine neu gefundene private Frömmigkeit.

Was stimmt bei dem Bild nicht?

 

Alle, die zum Glauben an Jesus gefunden hatten, waren ein Herz und eine Seele. Niemand betrachtete sein Eigentum als privaten Besitz, sondern alles gehörte ihnen gemeinsam.

(Neues Testament, Apostelgeschichte 4,32)

 

Wie könnte es möglich sein, dass jemand, der von Gottes Liebe berührt worden ist und verstanden hat, dass Gott Liebe ist, nicht dann auch andere Menschen liebt? Liebe ist nicht ein Gefühl oder eine Idee im Kopf, sondern etwas, das sich im praktischen Verhalten verwirklicht. Eine Liebe, die nicht auch in irgendeiner Weise Ausdruck findet, ist nur eine Illusion.

Christen sind wie Magneten: Sie ziehen einander mit Macht an. Der Geist Gottes führt sie zu einander und die Liebe schafft eine herzliche Verbindung. Wie einzelne Wassertropfen, die in Kontakt kommen, fließen sie in einander. Wo auch immer dies nicht geschieht, stimmt etwas nicht mit dem Christentum oder mit dem Christsein.

 

… Lebt so, dass Gott dadurch geehrt wird; er hat euch ja berufen, seine Kinder zu sein. Überhebt euch nicht über andere, seid freundlich und geduldig! Geht in Liebe aufeinander ein!
Setzt alles daran, dass die Einheit, wie sie der Geist Gottes schenkt, bestehen bleibt. Sein Friede verbindet euch miteinander. Gott hat uns in seine Gemeinde berufen. Darum sind wir ein Leib, und es ist ein Geist, der in uns wirkt. Uns erfüllt ein und dieselbe Hoffnung.
Wir haben einen Herrn, einen Glauben und eine Taufe. Und wir haben einen Gott. Er ist unser Vater, der über allen steht, der durch alle und in allen wirkt. Jedem Einzelnen von uns aber hat Christus besondere Gaben geschenkt … Jetzt ist er Herr über den Himmel und erfüllt das ganze Weltall mit seiner Gegenwart und Macht … , damit die Gemeinde, der Leib von Christus, aufgebaut und vollendet wird.
Dadurch werden wir im Glauben immer mehr eins werden und miteinander den Sohn Gottes immer besser kennen lernen. Wir sollen zu mündigen Christen heranreifen, zu einer Gemeinde, die ihn in seiner ganzen Fülle widerspiegelt.
Dann sind wir nicht länger wie unmündige Kinder, die sich von jeder beliebigen Lehrmeinung aus der Bahn werfen lassen und die leicht auf geschickte Täuschungsmanöver hinterlistiger Menschen hereinfallen.
Stattdessen wollen wir die Wahrheit in Liebe leben und in allem zu Christus hinwachsen, dem Haupt der Gemeinde. Durch ihn ist der Leib fest zusammengefügt, denn er verbindet die Körperteile durch die verschiedenen Gelenke miteinander. Jeder einzelne Teil leistet seinen Beitrag. So wächst der Leib und wird aufgebaut durch die Liebe. Darum fordere ich euch im Namen des Herrn eindringlich auf: Lebt nicht länger wie Menschen, die Gott nicht kennen!
(Paulus‘ Brief an die Epheser 4,1-17)

 

Unser Gott ist ein Gott, der zur Einheit führt, zum ewigen Frieden. Schalom. Wiederherstellung einer gestörten Schöpfung. Verirrte Menschen finden wieder zurück nach Hause. Verlorenes wird wiedergefunden. Ausgestoßene finden wieder zurück in die Gemeinschaft. Schuld wird vergeben. Kaputte Beziehungen werden gesund, zerrüttete Familien finden Heilung.

 

Ihr werdet sehen: Noch bevor der große und schreckliche Tag kommt, an dem ich Gericht halte, schicke ich den Propheten Elia zu euch. Er wird Eltern und Kinder wieder miteinander versöhnen, damit ich euch und euer Land nicht völlig vernichten muss, wenn ich komme.«
(Altes Testament, Maleachi 3,23-24)

 

Dies sind die letzten beiden Verse unseres Alten Testaments.

Christwerden bedeutet, den wunderbaren Weg des Jesus von Nazareth zu betreten und auf ihm zu gehen. Wer erschöpft ist, findet dort immer wieder neue Kraft. Wer hinfällt, dem wird wieder aufgeholfen. Wer scheitert, erlebt, dass es mit Gott immer weiter geht. Wer mit der eigenen Kraft ans Ende kommt, erlebt die wahre Auferstehung durch die ewige Kraft des Lebens Gottes.

Sterben muss jeder für sich allein. Immer wieder neu. Als einzelner Mensch kapitulieren. Sünde bekennen, vergeben und versöhnen.

Auferstehen können wir nur gemeinsam. Geeint in Christus und verbunden in Liebe und dem Heiligen Geist. Die globale Bewegung und Community der Anhänger des Jesus aus Nazareth, die sich überall dort kristallisiert, wo es Christen zu einander zieht, Leben verändert, und wo das Evangelium dadurch auch für andere Menschen wahrnehmbar wird.

 

 Ihr seid das Licht, das die Welt erhellt.

(Neues Testament, Matthäus-Evangelium 5,14)

 

Andacht

 

Andacht
Von mir.  🙂   [public domain]

 

 

… Mein Vater, wenn es möglich ist, dann lass den Kelch an mir vorübergehen und erspare mir dieses Leiden! Aber nicht was ich will, sondern was du willst, soll geschehen.

 

(Jesus in Gethsemane – Bibel, Neues Testament, Matthäus-Evangelium, 26. Kapitel, Vers 39)

 

 

Sich fügen in den Willen Gottes. Jede Ausrede und jeder Widerspruch verstummt. In der Klarheit des Weges verblassen alle Alternativen. Die innere Gewissheit ist der Kompass, der die Richtung gibt.

 

 

… ich bin mit Christus gekreuzigt. Nicht mehr ich bin es, der lebt, nein, Christus lebt in mir. Und solange ich noch dieses irdische Leben habe, lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mir seine Liebe erwiesen und sich selbst für mich hingegeben hat.

 

(Neues Testament, Paulus‘ Brief an die Galater, 2,19-20)

 

Andacht. Denken an das Wesentliche. Kontemplation. Ich versenke mich in das, was mich unbedingt angeht. Kein Wenn, kein Aber. Ich füge mich in das große Ganze, von dem ich ein Teil bin. Ich ordne mich ein in den Willen Gottes. Ich lass mich erfassen vom Wirken Gottes in seiner Welt …

 

… Richtet eure Gedanken ganz auf die Dinge, die wahr und achtenswert, gerecht, rein und unanstößig sind und allgemeine Zustimmung verdienen; beschäftigt euch mit dem, was vorbildlich ist und zu Recht gelobt wird. Haltet euch bei allem, was ihr tut, an die Botschaft, die euch verkündet worden ist und die ihr angenommen habt; lebt so, wie ich es euch gesagt und vorgelebt habe. Dann wird der Gott des Friedens mit euch sein.

 

(Philipperbrief 4,8-9)

 

 

Ein biblisches Ruhekissen

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Friedrich Wilhelm Schadow [Public domain], via Wikimedia Commons

 

Es gibt eine Schläfrigkeit, die zum Tod führt, und manch einer, der so vor sich hin döst, hat sich mit Bibelversen gut abgepolstert.

Gesunder Schlaf ist wichtig. Schlafstörungen können eine große Belastung sein und haben die Macht, das Leben auf den Kopf zu stellen. Manche Menschen schlafen nicht gut, weil der fernsehende Nachbar schwerhörig oder die Matratze zu weich ist. Andere schlafen nicht gut, weil ihre Seele aus dem Gleichgewicht gekommen ist. Auch wenn der Körper erschöpft ist, kann der ganze Mensch sich doch nicht entspannen.

Viele Menschen sehnen sich nach Geborgenheit. Wir brauchen einen Ort, wo wir uns sicher fühlen können. Kein Mensch kann pausenlos kämpfen. Und wenn wir ein Bedürfnis haben, machen wir uns auf die Suche …

 

Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.

(Jesus aus Nazareth in: Die Bibel, Neues Testament, Matthäus-Evangelium, 11. Kapitel, Vers 28)

 

Der Weg Jesu ist nicht der leichte, breite Weg. Das Evangelium ist kein attraktives Angebot für Schnäppchenjäger. Es kostet das ganze Leben und ist gleichzeitig gratis. Geschenkt. Gefragt ist nicht, was wir haben, sondern wer wir sind. Die Ruhe, die Jesus verspricht, erwächst aus Vertrauen. Vertrauen zu Gott. Gott schenkt Frieden, der über unser Verstehen hinausgeht.

Aber um unsere Angst im Zaum zu halten, suchen wir Sicherheit, und um Bedrohungen abzuwenden, wollen wir kontrollieren. Glaube ist Antwort auf die Stimme Gottes. Völlige Hingabe an ein himmlisches Du, das wir nicht sehen können, über das wir nicht verfügen können, das wir nicht beweisen, nicht kontrollieren und nicht vorzeigen können. Die einzige Sicherheit, die wir im Glauben haben, ist die Sicherheit, die aus diesem Vertrauen erwächst. Dies ist dann allerdings eine Sicherheit mit ewigen Dimensionen.

Für viele Menschen ist der Verlust der eigenen Kontrolle eine Horrorvorstellung. Wir alle haben nicht nur gute Erfahrungen im Umgang mit Menschen gehabt; und die Vorstellung von Gott sprengt sowieso all unsere Vorstellungskraft. Unbekanntes kann Angst machen.

 

Als das ganze Volk erlebte, wie es blitzte und donnerte, Posaunenschall ertönte und der Berg rauchte, bekam es große Angst und blieb zitternd in weiter Ferne stehen. Die Leute sagten zu Mose: »Wir haben Angst, wenn Gott so mit uns redet. Wir werden noch alle umkommen! Sprich du an seiner Stelle zu uns, wir wollen auf dich hören.« Da sagte Mose zum Volk: »Ihr müsst keine Angst haben. Gott ist nur gekommen, um euch auf die Probe zu stellen …

(Altes Testament, Tora, 2. Mose / Exodus / Schemot 20,18-20)

 

Nur Vertrauen kann Angst überwinden. Ver-trauen hat auch etwas mit trauen zu tun. Sich trauen ein Wagnis einzugehen und Schritte ins Ungewisse zu gehen – in ein neues Land des Vertrauens, das Gott uns zeigt. Wie Abraham, Vater des Glaubens für Juden und Christen.

Weil wir Gott nicht vertrauen wollen, suchen wir uns Sicherheiten, über die wir mehr Kontrolle haben: Glücksbringer; Rituale, die wir nach Bedarf anwenden können; Glück, das man sich kaufen kann; Argumente, die wir verstehen; Bibelverse, die man auswendig lernen kann und ein Denkgebäude, das uns Halt gibt; ein christliches Glaubenssystem, das uns einleuchtet, und das man auch anderen erklären kann; Dogmen, die uns sagen können, das alles in Ordnung ist.

Wir erzählen einander nicht mehr die biblischen Geschichten oder von den Erfahrungen des Glaubens aus unserem eigenen Leben, sondern lernen den „richtigen“ Glauben aus Katechismen und vom Predigerpult. Wir haben uns in den vergangenen 2000 Jahren ein Denkgebäude aus Bibelversen gebaut, in dem wir meinen sicher zu sein. Mit dem Dogma von der Unfehlbarkeit der Bibel haben wir uns ein Machtinstrument geschaffen, um unsere Bedürfnisse zu befriedigen und unsere Interessen zu verteidigen. Eine selbst-gemachte Religion, und die Bibel als Götze.

 

So riss sich denn das ganze Volk die goldenen Ringe ab, die an ihren Ohren hingen, und sie brachten sie zu Aaron … und machte ein gegossenes Kalb … Und sie sagten: Das ist dein Gott, Israel, der dich aus dem Land Ägypten heraufgeführt hat. Als Aaron das sah, baute er einen Altar vor ihm, und Aaron rief aus und sagte: Ein Fest für JAHWE ist morgen!

(2. Mose / Exodus / Schemot 32,3-5)

 

Vielleicht entsteht bei manch einem, der meine Texte liest, der Eindruck, ich wollte Gläubige verunsichern. Das stimmt nicht ganz. Ich möchte eine falsche Sicherheit erschüttern, um wahre Sicherheit zu finden – Sicherheit des Glaubens, Geborgenheit und Orientierung durch Jesus. Eine selbst-gemachte Sicherheit ist ein marodes Fundament. Jesus sagt lapidar: „Meine Schafe hören meine Stimme.“ (Johannes 10,27)

 

Wer meine Worte hört und danach handelt, der ist klug. Man kann ihn mit einem Mann vergleichen, der sein Haus auf felsigen Grund baut. Wenn ein Wolkenbruch niedergeht, das Hochwasser steigt und der Sturm am Haus rüttelt, wird es trotzdem nicht einstürzen, weil es auf Felsengrund gebaut ist. Wer sich meine Worte nur anhört, aber nicht danach lebt, der ist so unvernünftig wie einer, der sein Haus auf Sand baut. Denn wenn ein Wolkenbruch kommt, die Flut das Land überschwemmt und der Sturm um das Haus tobt, wird es aus allen Fugen geraten und krachend einstürzen.

(Matthäus-Evangelium 7,24-27)

 

Das feste Fundament von dem Jesus in der Bergpredigt spricht, ist weder die Bibel noch ein in sich geschlossenes christliches Glaubenssystem aus Bibelversen. Es ist das Hören UND TUN der Worte Jesu. Ein Leben aus dem Vertrauen zu Gott.

 

Glücklich sind, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott sehen … Liebt eure Feinde und betet für alle, die euch verfolgen! So erweist ihr euch als Kinder eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne für Böse wie für Gute scheinen, und er lässt es regnen für Fromme und Gottlose … Wenn du beten willst, geh in dein Zimmer, schließ die Tür, und dann bete zu deinem Vater, der auch im Verborgenen gegenwärtig ist; und dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird dich belohnen … euer Vater weiß genau, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn um etwas bittet … sammelt euch Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Wurm sie zerstören und keine Diebe einbrechen und sie stehlen. Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz … Zerbrecht euch also nicht mehr den Kopf mit Fragen wie: ‚Werden wir genug zu essen haben? Und was werden wir trinken? Was sollen wir anziehen?‘ Mit solchen Dingen beschäftigen sich nur Menschen, die Gott nicht kennen. Euer Vater im Himmel weiß doch genau, dass ihr dies alles braucht. Sorgt euch vor allem um Gottes neue Welt, und lebt nach Gottes Willen! Dann wird er euch mit allem anderen versorgen. Deshalb sorgt euch nicht um morgen … Bittet Gott, und er wird euch geben! Sucht, und ihr werdet finden! Klopft an, und euch wird die Tür geöffnet … Wenn schon ihr hartherzigen Menschen euren Kindern Gutes gebt, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes schenken, die ihn darum bitten …

(Bergpredigt, Matthäus 5-7)

 

Manche arbeiten an einem Bibelverständnis und einem theologischen System, welches dann den Gläubigen Sicherheit für ihren Glauben und ihr Leben liefern soll, und Antworten auf alle Fragen. – Was für eine Sicherheit wird das dann sein?

Fundamentalismus ist ein Konzept, das nicht zum Leben passt. Es tut uns selbst nicht gut, und auch nicht anderen. Ich bin selbst in einer fundamentalistischen Gemeinde aufgewachsen und habe mich jahrelang mit dieser Tradition herumgeschlagen und lange gebraucht, um zu verstehen, dass man mit den biblischen Texten auch anders umgehen kann.

Ich verstehe, dass Menschen ein unterschiedliches Bedürfnis nach Sicherheit haben. Dies ist auch abhängig von unseren Lebensumständen und von der Erfahrung im Glauben. Ich möchte nicht, jemandes Glauben an Jesus beschädigen, sondern zu einem besseren Verstehen beitragen. Paulus sagt im Galaterbrief, dass die Tora den Gläubigen als etwas Vorübergehendes gegeben wurde, solange sie noch nicht mündig waren, wie Kinder. Jetzt aber ist die Zeit gekommen, wo wir durch den Geist Gottes im Glauben mündig und erwachsen werden können und sollen.

Man kann sich aus Bibelversen eine Hängematte stricken, in der sich gut ein Nickerchen machen lässt – und man verpennt das Leben. Man kann sich aber auch immer wieder von diesen alten Texten inspirieren und herausfordern lassen und von Jesus lernen, Gott zu vertrauen.

 

Jeder weiß, dass ihr selbst ein Brief Christi seid, den wir in seinem Auftrag geschrieben haben; nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes; nicht auf steinerne Gesetzestafeln wie bei Mose, sondern in menschliche Herzen. Das wagen wir nur deshalb zu sagen, weil wir Gott vertrauen … Wir verkünden nicht länger die Herrschaft des geschriebenen Gesetzes, sondern das neue Leben durch Gottes Geist. Denn der Buchstabe tötet, Gottes Geist aber schenkt Leben.

(Paulus im 2. Korintherbrief 3,3-6)

 

Aber viele Christen schlafen weiter in ihrem aus Bibelversen gezimmerten Denkgebäude – bis der Sturm kommt …

[Dies ist die Überarbeitung eines älteren Artikels. Den älteren Artikel mit Kommentaren findet ihr hier: https://schmillblog.wordpress.com/2016/11/23/mit-der-bibel-schlafen.]