selbstverständlich

 

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This image is in the public domain because it contains materials that originally came from the U.S. National Oceanic and Atmospheric Administration, taken or made as part of an employee’s official duties. Via Wikimedia Commons.

 

selbstverständlich

selbst – verständlich

das ist doch selbstverständlich

da muss man sich doch nicht extra bedanken

wieso  weshalb  warum

ich wache auf

es ist morgen

ich liege in meinem bett

selbstverständlich kann nicht jeder mensch erwarten immer in seinem bett aufzuwachen

manche menschen erwachen im krankenhaus

manche im sarg

manche sind unterwegs

manche auf der flucht

selbstverständlich wird nicht überall frühstück angeboten

selbstverständlich gibt es auch menschen die sich genau überlegen müssen wann sie was essen weil sie nicht genug haben

selbstverständlich gibt es nicht überall offene arbeitsstellen oder andere möglichkeiten sich seinen lebensunterhalt zu finanzieren

selbstverständlich können nicht alle familien und staaten sich leisten alle kinder zur schule zu schicken

selbstverständlich gibt es auch viele alleinstehende

selbstverständlich gehören leiden und schmerzen zum leben

selbstverständlich kann man nicht erwarten das unglücke immer nur die anderen treffen

selbstverständlich können menschen nicht immer friedlich miteinander leben

selbstverständlich kommt es bei militärischen auseinandersetzungen auch zu zivilen opfern

selbstverständlich müssen wir alle einmal sterben

selbstverständlich geht auch dieser text einmal zu ende

 

Die Güte des HERRN hat kein Ende, sein Erbarmen hört niemals auf,
es ist jeden Morgen neu! …
(Die Bibel, Buch der Klagelieder, 3. Kapitel, Vers 22-23)
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DAS BUCH VOM GROSSEN FISCH

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Jona und der Wal, Gemälde von Pieter Lastman, 1621, [Public domain], via Wikimedia Commons

Wäre das nicht ein guter Titel für das Buch, das üblicherweise unter dem Titel „Jona“ gehandelt wird? Das scheint zumindest oft der Aspekt zu sein, der die meisten an diesem Buch interessiert. Wäre auch ein sehr kinderfreundlicher Titel. Ohne seinen Freund den Fisch (hat Jona ja schließlich vor’m Ertrinken gerettet) wäre Jona bestimmt nicht einmal halb so bekannt.

Warum ist „Das Buch vom großen Fisch“ KEIN guter Titel?  (Ist diese Frage manipulativ?)  😉

Ich finde ein guter Titel wäre: „Buch von der großen Geduld und Barmherzigkeit Gottes – gegenüber ALLEN Menschen“ (allerdings ein bisschen lang). ALLE in Bezug auf Juden UND Nicht-Juden, gegenüber „Ungläubigen“ und auch Gottes Schein-Heiligen.

Gibt natürlich auch einen Wikipedia-Artikel zu diesem Buch:

https://de.wikipedia.org/wiki/Buch_Jona

Dieses Buch ist einer meiner Lieblingstexte in der Bibel. Eine einzigartige Erzählung. Ich kenne keinen zweiten antiken jüdischen Text, der diesem Buch ähnlich ist. Eine Karikatur jüdischer Frömmigkeit …  –  und offensichtlich von einem Juden geschrieben!  –  Vielleicht der einzige satirische Text in der Bibel?

Die Nicht-Juden kommen in diesem Text erstaunlich gut weg. Sogar die Niniviten (samt Tieren!) bereuen und zeigen sich einsichtig! Nur Jona erscheint wie ein bockiges Kind:  „Mit vollem Recht bin ich wütend, am liebsten wäre ich tot!“  –  Nur gut, dass wir Christen nicht so eine Jona-Einstellung haben.  😉

Hat dieser Text andere biblische Autoren inspiriert? Jesus (kein biblischer Autor) kannte laut den Evangelien diesen Text oder zumindest die Erzählung. Die Jesus-Worte sind (abgesehen von EINER alttestamentlichen Stelle in 2. Könige!) auch die einzigen Verse, wo der Name „Jona“ in der Bibel auftaucht. Warum wurde auf diese Erzählung von Jona nicht öfter in anderen Texten Bezug genommen?

Was ist eigentlich das „Zeichen des Jona“? Und warum haben sich die Einwohner von Ninive bekehrt? Warum eigentlich ausgerechnet Ninive? Und warum hat sich Jona geärgert? Und warum ist er dann doch noch in der Nähe von Ninive geblieben? Und interessiert sich Gott wirklich für die Tiere in Ninive?

Das Buch passt in seinem Charakter eigentlich auch gar nicht richtig in die Zwölfprophetensammlung. Die Königsbücher mit den Elia-Erzählungen (in denen ja die einzige andere alttestamentliche Bibelstelle ist, welche Jona erwähnt) passen eigentlich besser zum Stil des Buches. Man fragt sich, ob die Länge des Buches vielleicht der einzige Grund war, weshalb es in der Zwölfprophetensammlung gelandet ist. (Oder vielleicht auch die ZEIT der Verfasserschaft?) Wer ist überhaupt dafür verantwortlich, dass dieser krasse Text in der Bibel gelandet ist?

Wer hat das Buch überhaupt geschrieben?

Keine Ahnung.

Und das geht nicht nur mir so. Das Jona diese Erzählung über sich selbst auch noch selber aufgeschrieben hat, wird zumindest in den biblischen Texten meines Wissens nirgendwo behauptet. (Dass man nicht weiß, wer der Verfasser ist, betrifft auch nicht nur das sogenannte Buch „Jona“, sondern viele Texte in der Bibel.)

Wann wurde Jona geschrieben?

„Keine Ahnung!“

Stimmt hier nicht ganz. Man kann wahrscheinlich vom Text selbst ausgehend am besten einschätzen, wann der Text WAHRSCHEINLICH UNGEFÄHR geschrieben worden ist. Außerdem lässt das Auftreten des Begriffs „Zwölfprophetenbuch“ (bei Jesus Sirach, 49,10) eine spätere Entstehung kaum zu.

Benannt wird es im Allgemeinen nach dem „Anti-Helden“ der Erzählung: Jona. Oder sollte es „Jonas“ heißen?. Interessant auch der Wikipedia-Artikel zum Namen „Jona(s)“:

https://de.wikipedia.org/wiki/Jonas

Da steht u.a. zur Herkunft und Bedeutung:

„Die hebräische Version des Namens bedeutet Taube und stammt ursprünglich vom griechischen Wort οιωνός für Zeichen. Im antiken Griechenland glaubte man, dass Vögel als Zeichen der Götter an die Menschen geschickt wurden. Es wird daher angenommen, dass der Name Jonas für ein friedvolles Wesen steht. Die biblische Version des Namens umfasst die hebräische Bedeutung, aber auch die Bedeutung Zerstörer und Unterdrücker. Als Variante von Jonah kann der Name auch als mit erreichen und Geschenk Gottes in Verbindung gesetzt werden.“

Alles sehr interessante Gedanken, wenn man an den Inhalt des Buches und auch an die Worte Jesu denkt. Klingt fast wie eine ironische Randbemerkung zum Buch.

Dass das Buch nach Jona benannt wird, macht Sinn; steht er doch am Anfang und am Ende der Erzählung (neben Gott natürlich). Geht es um ihn als historische Person oder steht seine prophetische Figur und sein Verhalten für etwas Anderes?

Ein richtig guter Titel für das Buch wäre vielleicht:  “ die güte gottes “

Vielleicht ein bisschen Lust gemacht, mein Lieblingsbuch (mal wieder) zu lesen?