Sandra Hauser | Die Thomas Akten und das Perlenlied

 

Sandra Hauser auf ihrem Blog „Integrales Christsein“ zum Jünger Jesu mit dem Namen „Thomas“:

Die Thomas Akten und das Perlenlied

 

„Hungrige Missionierende“ (4. Teil): Mangelhaftes Christentum, mangelhafte Mission

Die Bedeutung von Mängeln und Mangel für die Mission

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Von jobas (self-made from Other photos) via Wikimedia Commons – CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)

 

 

“Glücklich schätzen
können sich Menschen,
die hungrig und durstig sind
nach Gerechtigkeit.
Sie werden satt werden.”
.
(Worte von Jesus aus der Bergpredigt – Bibel, Neues Testament, Matthäus-Evangelium 5. Kapitel, Vers 6)

 

Mangelhaftes Christentum, mangelhafte Mission

Die neutestamentlichen Texte rauben einem Leser schnell die Illusion (soweit vorhanden), die Ausbreitung des Evangeliums wäre ein glorreicher Siegeszug vollkommener, liebevoller Menschen gewesen. In so manchem neutestamentlichen Brief werden Missstände unter Gläubigen angeprangert (z.B. Paulus’ Galaterbrief), und von Anfang an scheinen unter den Anhängern Jesu auch Menschen gewesen zu sein, welche Mission aus fragwürdigen Motiven heraus betrieben (Lk 9,54; Apg 8,18; 19,13-16; Phil 1,15-18).

 

Zwar verkünden manche nur deswegen die Botschaft von Christus, weil sie neidisch sind und mir eine erfolgreiche Missionsarbeit nicht gönnen; andere aber lassen sich von den besten Absichten leiten…
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Die anderen aber reden von Jesus Christus nur aus Eigennutz. Sie meinen es nicht ehrlich und wollen mir noch zusätzlich Kummer bereiten.“
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(Paulus im Brief an die Christen in Philippi 1,15-17 – Neues Testament)

 

Christentum und Mission waren von Anfang an mangelhaft. Spätestens seit der Verbrüderung des Christentums mit staatlicher Macht im 4. Jahrhundert (Konstantinische Wende) erscheint Mission und Christianisierung dann allerdings grundsätzlich in einem deutlich anderen Licht.

Schon die Verwendung der Begriffe “Mission” und “Christentum” in diesem Zusammenhang ist höchst problematisch. – Bis heute hat das Wort “Missionierung” selbst bei vielen Christen einen unangenehmen Beigeschmack. – Doch auch diese “Mission” diente der Überlieferung und Verbreitung jüdisch-christlicher Tradition, und sie diente außerdem der Stabilisierung gesellschaftlicher Systeme. Jedoch der Preis dafür war hoch.

 

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Erstes Konzil von Nicäa (325): Kaiser Konstantin entrollt den Text des Nicäno-Konstantinopolitanum; via Wikimedia Commons – [1],[2] [Public domain]

 

Das Christentum hatte sich bis zum Ende des 4. Jahrhunderts stark verändert. – Oder sollte man besser sagen, dass aus dem Christentum etwas grundsätzlich Anderes geworden war? – Wer auf 2000 Jahre Geschichte des Christentums und dessen Ausbreitung zurückblickt, kommt an dieser historischen Entwicklung nicht vorbei.

Auch das Einberufen von Konzilien, das Formulieren von Glaubensbekenntnissen und das Herstellen von Bibeln, war Teil dieses Prozesses, in dem das Christentum mit Macht und Gewalt normiert und verbreitet wurde. Das Christentum des 4. Jahrhunderts war nicht mehr dasselbe Christentum, das in der Urgemeinde der Schüler Jesu entstanden war.

 

“„Jésus annonçait le royaume, et c’est l’Église qui est venue.“ (dt.: “Jesus kündete das Reich Gottes an und gekommen ist die Kirche.”) – Alfred Loisy

 

Auch heutzutage gibt es viele Mängel in der Christenheit, und leider nicht nur die, über die in den Medien berichtet wird. Dazu kommt die eigenartige Situation, dass sich die “progressiven” Kräfte in unterschiedlichen christlichen Konfessionen in Mentalität und Positionen oft näher sind, als die “progressiven” und “konservativen” innerhalb derselben Konfession; und man streitet sich heftig.

All dies stellt die identitätsstiftende Funktion von Religion, die gestaltende Kraft des Christentums und auch den Sinn der entsprechenden Begriffe (“christlich”, “evangelisch”, “fromm”,…) in Frage. Darüber hinaus stellt die mangelhafte gegenwärtige Situation der Christenheit auch vieles andere in Frage: Die Qualität von 2000+ Jahren “Theologie”, die Kompetenz christlicher Profis, die Qualität kirchlicher Strukturen, sowie das Selbstverständnis und die Identität eines jeden Christen. Da alles mit allem zusammenhängt, ist auch irgendwie alles mit verantwortlich.

 

„Ich bete aber nicht nur für sie, sondern auch für die Menschen, die auf ihr Wort hin an mich glauben werden. Ich bete darum, dass sie alle eins sind – sie in uns, so wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin. Dann wird die Welt glauben, dass du mich gesandt hast.
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Die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, habe ich nun auch ihnen gegeben, damit sie eins sind, so wie wir eins sind. Ich in ihnen und du in mir – so sollen sie zur völligen Einheit gelangen, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und dass sie von dir geliebt sind, wie ich von dir geliebt bin.“
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(Jesus im Johannes-Evangelium 17,20-23 – Neues Testament)

 

Die jüdisch-christliche Überlieferung beinhaltet auch eine Tradition des Wahrnehmens von Mangel. Religionskritik am Judentum und Christentum kam nicht nur von außen, sondern auch von innen. So mahnten schon in der Geschichte Israels die Propheten Gottes die Mängel seines Volkes und seiner Führer an, und im Matthäus-Evangelium spricht Jesus in der Bergpredigt von Scheinheiligkeit und Hunger nach Gerechtigkeit. Christentum und Mission ereignen sich in einer Spannung zwischen Idealen und Wirklichkeit.

Man kann andere Texte über Mission schreiben als diesen, in denen man all das betont, was wir als Christen alles Positives besitzen. Aber auch solche Schreiber und Leser kämen an den Mängeln der Wirklichkeit nicht vorbei.

 

“Du sprichst: Ich bin reich und habe mehr als genug und brauche nichts!, und weißt nicht, dass du elend und jämmerlich bist, arm, blind und bloß.”

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(Offenbarung 3,17 – Neues Testament)

 

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Calvary Church bei Nacht; eine „non-denominational evangelical church“ in Charlotte, North Carolina; Foto von Fartbarker, via Wikimedia Commons – public domain

 

“Glücklich schätzen
können sich Menschen,
die hungrig und durstig sind
nach Gerechtigkeit.
Sie werden satt werden.”

 

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„Hungrige Missionierende“ (2. Teil): Liebevolle Mission

Die Bedeutung von Mängeln und Mangel für die Mission

 

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Robert Indianas 1977 „Liebes-Skulptur“ (Hebräisch: „ahava“), Israel Museum – GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)

 

“Glücklich schätzen
können sich Menschen,
die hungrig und durstig sind
nach Gerechtigkeit.
Sie werden satt werden.”
.
(Worte von Jesus aus der Bergpredigt – Bibel, Neues Testament, Matthäus-Evangelium 5. Kapitel, Vers 6)

 

Liebevolle Mission

Schon im Judentum hatte und hat die Liebe zu Gott und den Mitmenschen eine große Bedeutung. In den Evangelien und in anderen neutestamentlichen Texten kommt dies auch zum Ausdruck. Es gibt im Neuen Testament nichts anderes, dem eine ähnlich große Bedeutung zugesprochen wird, wie die Liebe (1 Kor 13; 1 Joh 4,16). Christliche Mission ist somit Mission aus Liebe und in Liebe, Dienen, aus Liebe heraus.

Dementsprechend muss auch christliches Selbst- und Sendungsbewusstsein aussehen: Befähigt und gesandt, um zu lieben und zu dienen. Mission im Geist der Liebe. Die Werte Dienen und Liebe sind hier eng miteinander verbunden. Dienen ist der konkrete Ausdruck von Liebe.

 

„Gott ist Liebe, und die in der Liebe bleiben, bleiben in Gott, und Gott in ihnen.“

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(1. Johannesbrief, 4. Kapitel, Vers 16 – Neues Testament)

 

Dienen orientiert sich an den Bedürfnissen des Mitmenschen. Liebe macht Not und führt ins Leid. Wir leiden mit den Leidenden, und leiden auch an unserer eigenen Begrenztheit. Wir erleben die Not, oft nicht helfen zu können oder nicht zu wissen, was dem anderen wirklich gut tut. Wir empfinden Hilflosigkeit angesichts der eigenen Begrenztheit und der Größe der Aufgabe.

 

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Peronimo [CC BY 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/2.0)%5D, via Wikimedia Commons

 

Hinzu kommt die Last, die eigenen Bedürfnisse mit denen der anderen abzuwägen. Diese Balance zwischen Selbst- und Nächstenliebe ist eine der schwierigsten Aufgaben christlichen Dienens: Im Glauben an Gottes unbegrenzte Möglichkeiten dennoch die eigene Begrenztheit und Bedürftigkeit im Auge behalten. – Der Heilige Geist befähigt uns zu lieben und zu dienen (Röm 8; Gal 5,22-25); gleichzeitig bleibt dies allerdings auch ein lebenslanger Lernprozess.

Mission wird zur Bewegung der Liebe Gottes hin zu den Menschen. Als Schüler Jesu bin ich Teil dieser Bewegung. Die Autorität Jesu bestand in der Übereinstimmung mit diesem Wirken Gottes. Kein autoritärer Machtanspruch zur Befriedigung eigener Interessen, sondern Autorität durch Liebe im Werben um das Vertrauen von Menschen, und Überwindung des Bösen durch Leiden. – Gewaltlosigkeit ist wohl bis heute eines der auffälligsten Kennzeichen der Botschaft Jesu, und das Kreuz deren eindrucksvollstes Symbol.

 

“Wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis jetzt noch stöhnt und in Wehen liegt wie eine Frau bei der Geburt. Aber auch wir selbst, […] stöhnen ebenso in unserem Innern. Denn wir warten sehnsüchtig…”

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(Paulus im Brief an die Christen in Rom 8,22-23 – Neues Testament)

 

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Christusstatue auf dem Corcovado, Rio de Janeiro (Brasilien); Foto von Rafael Rabello de Barros, via Wikimedia Commons – CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)

 

“Glücklich schätzen
können sich Menschen,
die hungrig und durstig sind
nach Gerechtigkeit.
Sie werden satt werden.”

 

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„Hungrige Missionierende“ (1. Teil): Überlegenheit oder Unterordnung?

Die Bedeutung von Mängeln und Mangel für die Mission

 

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Der katholische Ritus der Fußwaschung (in Bezug auf die Fußwaschung Jesu) im Palast „Paço da Ribeira“ durchgeführt durch den portugiesischen König Johann V.; via Wikimedia Commons – public domain

 

“Glücklich schätzen
können sich Menschen,
die hungrig und durstig sind
nach Gerechtigkeit.
Sie werden satt werden.”
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(Worte von Jesus aus der Bergpredigt – Bibel, Neues Testament, Matthäus-Evangelium 5. Kapitel, Vers 6)

 

In einer Welt, in der Millionen von Menschen physisch hungern, erscheint es fast zynisch, das Wort “Hunger” als Metapher zu verwenden. Gleichzeitig steigt die Weltbevölkerung noch immer dramatisch an, und durch die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen und die atomare Bedrohung ist die Zukunft der Menschheit gefährdet wie niemals zuvor. Christliche Mission geschieht heute unter anderen Vorzeichen und Rahmenbedingungen als vor 2000 Jahren.

Mein Eindruck ist, dass vieles, was sich heute als christliche Mission präsentiert, diese Bezeichnung kaum verdient, wenn man die Überlieferung von Jesus als Maßstab nimmt. Der Begriff “christlich” ist dabei allerdings ähnlich problematisch wie eine 2000-jährige Geschichte von Christianisierung und Ansprüchen “christlicher” Deutungshoheit; wobei die Auswirkungen der Mängel umso gravierender sind, desto höher der Anspruch auf die eigene Deutung und Bedeutung ist.

 

„…Es sollten sich nicht so viele in der Gemeinde um die Aufgabe drängen, andere im Glauben zu unterweisen. Denn ihr wisst ja: Wir, die andere lehren, werden von Gott einmal nach besonders strengen Maßstäben beurteilt.“

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(Jakobusbrief 3,1 – Neues Testament)

 

Eine bessere Mission ist ohne ein besseres Christentum schwer vorstellbar. Es geht in diesem Text um Fragen nach dem Wesen des Christentums und christlicher Identität, sowie um die Unterscheidung zwischen besseren und schlechteren Ausdrucksformen christlicher Tradition. Es ist ein Text über die Bedeutung des Wahrnehmens von Mangel und Mängeln für die Erneuerung und Belebung von Christentum und Mission. Was ich im Einzelnen damit meine, kann ich in dieser kurzen Serie von Texten nur andeuten. Ich will auch versuchen einige Ansätze aufzuzeigen, wie sich diese Situation verbessern könnte.

Dies ist der erste Post zu einer Serie über Mission und Christentum. – Ich will dich mitnehmen auf einen Weg des Mangels…

 

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Vincent van Gogh: Der gute Samariter (nach Delacroix), 1890, via Wikimedia Commons – public domain

Der Weg Jesu

Ein Begriff ist nur sinnvoll, wenn verstanden wird, was damit gemeint ist. Der Begriff “christlich” wird heutzutage auf so vielfältige Weise benutzt, dass man Zusammenhänge und Hintergrundinformationen benötigt, um zu ahnen, was wohl genau verstanden werden soll. Mit der Verneinung “unchristlich” ist es ähnlich. – Dies alles hat auch mit dem Profil und der Vielfalt der christlichen Religion zu tun.

Da allerdings alles letztlich historisch auf den jüdischen Mann Jesus aus Nazareth zurückgeht, erscheint es mir sinnvoll bei der Überlieferung über diesen Mann anzufangen. Dabei zählen die biblischen Texte sicherlich zu den wichtigsten Quellen.

 

»…Für wen halten die Leute eigentlich den Menschensohn?«
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Die Jünger erwiderten:
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»Einige meinen, du seist Johannes der Täufer. Manche dagegen halten dich für Elia und manche für Jeremia oder einen anderen Propheten von früher.«
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»Und ihr – für wen haltet ihr mich?«, fragte er sie.
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Da antwortete Simon Petrus: »Du bist der Christus, der von Gott gesandte Retter! Du bist der Sohn des lebendigen Gottes.«
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(Matthäus-Evangelium 16,13-16)

 

Überlegenheit oder Unterordnung?

Seitdem der Wanderprediger und Wunderheiler Jesus aus Nazareth über die staubigen Wege Palästinas gegangen ist, versuchen Menschen zu verstehen, welche Bedeutung Leben und Tod dieses Mannes für sie hat. Entstehung und Fortbestand des Christentums sind Zeugnis von der außerordentlichen Wirkung dieses Menschen. Gleichzeitig fällt allerdings auch auf, dass sich seine Anhänger noch nie völlig einig gewesen zu sein scheinen, was die Deutung dieses Phänomens “Jesus” betrifft. Ein Mangel an Einheitlichkeit scheint auch die öffentliche Wahrnehmung dieses Mannes von Anfang an begleitet zu haben (Mt 16,13-16).

Die Entstehung des Christentums bezeugt sowohl die Anziehungskraft, als auch den missionarischen Eifer der Anhängerschaft von Jesus. Bis heute fühlen sich manche Menschen vom christlichen Glauben und christlicher Gemeinschaft angezogen. Auch gibt es viele, welche ein tiefgreifendes Bekehrungserlebnis in Hinwendung zum Christentum erfahren.

 

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Sonnenaufgang von Fondachelli-Fantina (Montagna di Verná / Monti Peloritani, Gebirge im Nordosten von Sizilien) Foto von Girtompir, via Wikimedia Commons – CC0

 

Mission geschieht nicht nur aus Gehorsam gegenüber einem Auftrag, sondern auch aus einem inneren Drang heraus, Wertvolles, welches man selbst empfangen hat, mit anderen zu teilen. Dabei merkt man jedoch schnell, dass die meisten Menschen den Wert einer christlichen Botschaft nicht erkennen; und man merkt auch bald, dass sich selbst die Christen nicht darüber einig sind, was denn genau diese Botschaft überhaupt ist. Die neutestamentlichen Texte erzählen in unterschiedlicher Weise von Jesus, und auch schon im Judentum zur Zeit Jesu waren die messianischen Vorstellungen unterschiedlich.

In der Botschaft vom Kreuz (1 Kor 1,18) verdichtet sich dann allerdings ein Aspekt des Lebens Jesu, welcher knapp in dem Vers zusammengefasst ist:

 

“Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.”

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(Markus-Evangelium 10,45 – Neues Testament)

 

Das Vorbild Jesu wird zur Vorgabe für die innere Haltung christlicher Mission: Nicht von oben herab, sondern als Dienende. Der Geist Jesu ist ein Geist der Demut (Mt 12,15-23; Lk 4,16-22), und Missionieren im Sinne Jesu bedeutet dienen. Dieser Dienst macht nicht einmal vor den Feinden oder dem Sterben für die eigene Überzeugung halt. Der Dienst am Nächsten wurde zu einem grundlegenden Wert des Christentums.

 

“Glücklich schätzen
können sich Menschen,
die hungrig und durstig sind
nach Gerechtigkeit.
Sie werden satt werden.”

 

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Lernen, schwach zu sein

 

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Cethosia cyane, by AirBete via Wikipedia, (CC BY-SA 3.0) https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/

 

schwach

Warum sollte man das lernen wollen? Schwach sein, ist ja nicht gerade erstrebenswert, oder?

 

… Was nach dem Urteil der Welt ungebildet ist, das hat Gott erwählt, um die Klugheit der Klugen zunichte zu machen, und was nach dem Urteil der Welt schwach ist, das hat Gott erwählt, um die Stärke der Starken zunichte zu machen.

 

(Bibel, Neues Testament, Paulus‘ erster Brief an die Christen in Korinth, 1. Kapitel, Vers 27)

 

stark

Demonstration von Stärke ist eine Lebens- und Überlebensstrategie: Imponiergehabe, Muskeln, Beeindrucken, Macht, Abschreckung, Waffen, Einschüchtern, Gewaltandrohung …

 

Der Weg Jesu

Der Weg Jesu erscheint als ein Entgegengesetzter: Das Leben von Schwachheit als Übereinstimmung mit der Wirklichkeit.

 

 Von sich aus kann der Sohn gar nichts tun, sondern er tut nur das, was er den Vater tun sieht. Was immer aber der Vater tut, das tut auch der Sohn!

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(Neues Testament, Johannes-Evangelium 5,19)

 

zerbrechlich

Schwachheit ist eine grundlegende Lebenserfahrung aller Menschen – vielleicht die grundlegendste überhaupt. Bevor wir die Welt uns er-denken, werden wir im Bauch unser Mutter herumgetragen. Passivität. Geboren-werden. Wir erleiden all die Dinge, die uns als Werdende entgegenkommen.

Auch in der vollen Blüte des Lebens, des Er-wachsen-seins und der Fruchtbarkeit, ist Leben ständig bedroht. Leben existiert nur im Schatten des Todes. Von einer Sekunde zur nächsten kann das Leben zu Ende sein oder eine Katastrophe über uns hereinbrechen, dass nichts mehr so ist, wie wir es kennen.

 

vergänglich

Der Vergänglichkeit unterworfen. Wenn es uns geschenkt ist, alt zu werden, spüren wir, wie die Kräfte nachlassen und wir zerbrechlicher werden. – Es ist nicht erstrebenswert, schwach zu sein; aber die Zerbrechlichkeit menschlichen Lebens zu erkennen und anzuerkennen, ist eine Frage der Wahrheit.

 

Was ist denn der Mensch, Herr, dass du ihn beachtest? Was bedeutet er dir, der vergängliche Mensch, dass du dich mit ihm abgibst? Wie ein Hauch ist der Mensch und sein Leben gleicht dem schwindenden Schatten.

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(Altes Testament / Tanach, Psalm 144, Verse 3-4)

 

Das Wahrnehmen, Bejahen, Annehmen dieser Tatsache erscheint mir als grundlegend für den Weg Jesu.

 

Dem Leben vertrauen

Leben ist ein Geschenk. Jeder Atemzug. Nichts ist selbstverständlich oder verdient, könnte eingefordert werden. Unser Leben kann nur bestehen als Teil von etwas Größerem, das wir nicht in der Hand haben oder kontrollieren können.

Wir brauchen Vertrauen und Mut, um schwach sein zu können. Verabschiedung von Selbsttäuschung. Nachhaltigkeit, anstelle von kurzsichtigen Zielen.

 

… Gott tritt den Stolzen entgegen, den Demütigen aber schenkt er seine Gnade. Ordnet euch also Gott unter …

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(Neues Testament, Jakobusbrief 4,6-7)

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Du umschließt mich von allen Seiten und legst deine Hand auf mich.

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(Psalm 139,5)

 

weich, flexibel und formbar

Starrheit zerbricht, Flexibeles gibt nach. Beim harten Aufschlag geht etwas kaputt – Weichheit kann Energie aufnehmen und einen Schlag abfedern. Elastisch.

 

Der Klügere gibt nach!

 

Ich kann ein Teil des Problems sein, oder ein Teil der Lösung.

Die Bibel benutzt manchmal das Bild des Töpferns. Wir sind der weiche, formbare Ton, und Gott ist der Töpfer, der aus uns etwas machen will, das ihm gefällt.

Vielleicht ist das auch der beste Zugang zu der Bibelstelle, zu der schon so viel gesagt worden ist:

 

… Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen.

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(Neues Testament, Matthäus-Evangelium 18,3)

 

wahrhaftig

Wenn wir die Perfektion, Heiligkeit, Vollkommenheit, zu der wir aufgefordert werden, versuchen darzustellen, sind wir zum Burnout verdammt. Allein das AUSSTRECKEN nach Vollkommenheit ist leb-bar. Ein Leben aus Gnade und Vergebung, des Immer-neu-anfangen-dürfens. Authentisch.

 

Wenn wir behaupten, ohne Schuld zu sein, betrügen wir uns selbst und verschließen uns der Wahrheit.

(1. Brief des Johannes 1,8)

 

Unser Wille und Denken stören, solange wir nicht mit der Wirklichkeit und dem Wirken Gottes übereinstimmen.

 

Im Fluss

Ob wir Öl oder Sand im Getriebe der Herrschaft Gottes sind, entscheidet sich daran, wie sehr wir mit seinem Wesen im Einklang sind. Wir können entweder ein festverwurzelter Stein im Fluss sein, an dem sich das Wasser bricht, oder wir können uns ausrichten an der Strömung des Wirkens Gottes und uns mitnehmen lassen, dahin, wohin Gott uns trägt.

 

… die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Kinder Gottes.

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(Paulus‘ Brief an die Christen in Rom, 8,14)

 

sterben und auferstehen

Manche Menschen, die schon dem Tode nahe, vielleicht todkrank, waren, haben dadurch zu einem intensiven Leben gefunden. Als Christen leben wir unser Leben im Schatten des Kreuzes Jesu, an dem Gott schwach wurde und an dem wir selbst gestorben sind, um zu einem besseren Leben aufzuerstehen.

 

[Dies ist die neuere Überarbeitung eines älteren Artikels, welchen ihr mit Kommentaren hier findet.]

 

Das Ev. Johannesstift. Ein christliches Dorf.

 

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Die Stiftskirche des Ev. Johannesstifts; von Wolfgang Kern (Evangelisches Johannesstift Berlin) [Public domain], via Wikimedia Commons
 
Ein paar Straßen und viele Häuser, in der Mitte die Kirche. Das Evangelische Johannesstift wirkt wie ein christliches Dorf. Wohnhäuser, Büros, ein Lebensmittelgeschäft, Frisör, Kita, Schule, Turnhalle, Sportplatz, Restaurants und Cafés, eine Buchhandlung, Arztpraxen, Diakonie-Station, Berufsfachschulen, ein Festsaal, ein Hotel, eine Wäscherei, eine Tischlerei und andere Werkstätten, eine Gärtnerei, Betriebshöfe, eins der ältesten Hallenschwimmbäder Berlins, eine Reithalle mit Pferdekoppel, ein Senioren-Zentrum, Jugendhilfe-Einrichtungen, ein Krankenhaus und zwei Hospize, Therapie- und Pflegeeinrichtungen, ein Wasserwerk. Auf dem Lageplan bekommt man einen guten Überblick.

[ Ich habe dieses Semester im Rahmen meines Theologie-Studiums auch einen interessanten Kurs zum Thema Diakonie belegt. Dort hielt ich ein Referat über den Johannesstift. Dieser Artikel geht darauf zurück. ]

 

Geschichte

In diesem Jahr feiert das Johannesstift seinen 160. Geburtstag. Der gesellschaftliche Wandel im 19. Jahrhundert hatte zu sozialer Not in den wachsenden Städten geführt. Christen reagierten darauf u.a. mit der Gründung entsprechender Institutionen: Rauhes Haus (1833), Kaiserswerther Diakonie (1836), Magdalenenstift (1840/41), Diakonissenanstalt Dresden (1844), Neukirchener Erziehungsverein (1845), Diakonie Neuendettelsau (1954), Diakonissenhaus Elisabethenstift (1858), Siechenhaus Bethesda (1863), Bethel (1867), Oberlinverein (1871), Gallneukirchen (1877), Caritas (1897), Lobetal (1905), Bethanien/Lötzen (1909), …

Schon davor, im Mittelalter, hatte die zunehmende Urbanisierung der Bevölkerung zur Gründung von sozialen Einrichtungen wie Hospitälern geführt, um den mit der Urbanisierung verbundenen sozialen Problemen zu begegnen. Je weiter sich der Mensch im Laufe der Geschichte von seiner ursprünglichen, natürlichen Lebensweise distanzierte, desto mehr musste er die damit verbundene Not kompensieren.

Johann Hinrich Wichern war es (auf den auch das Rauhe Haus in Hamburg und die Innere Mission in der Ev. Kirche zurückgehen), der 1858 das Ev. Johannesstift gründete. Der ursprüngliche Standort war allerdings in Plötzensee (Berlin, Charlottenburg-Nord). Um 1900 musste das Johannesstift dann von dort weichen, um dem Bau des Westhafens Platz zu machen. Mancher mag darin die Verdrängung der Nicht-Leistungsfähigen an den Rand der Gesellschaft erkennen.

 

Lage

Heute liegt das Johannesstift wunderschön im Spandauer Forst, am Berliner Stadtrand im Nordwesten Spandaus. Für einen Menschen, der in seiner Mobilität eingeschränkt ist, ist es allerdings ein langer Weg bis zu den kulturellen Angeboten der Innenstadt. Man muss erst den Bus nehmen, um am Rathaus Spandau zu U- und S-Bahnanschluss zu gelangen; und selbst dort befindet man sich noch westlich der Havel. Die Entfernung zum Johannesstift war für mich auch der Grund gewesen, warum ich eine Bewerbung auf ein Stellenangebot des Johannesstifts wieder zurückzog. Ich hätte noch vor 4 Uhr morgens aus dem Haus gehen müssen, um rechtzeitig zum Dienstwechsel um 5:45 Uhr auf Arbeit zu sein.

 

Hospitation

Nachdem meine letzte Berufstätigkeit geendet hatte, hatte ich mich u.a. auf ein Stellenangebot hin auch als Betreuungshilfskraft beim Johannesstift beworben und wurde zu einem Bewerbungsgespräch und einer Hospitation eingeladen. Die Begegnung mit den Menschen dort hat mich tief berührt.

Die Bushaltestelle ist nur ein paar Schritte vom Haupteingang und Informations-Pavillion entfernt. Auf dem Gelände selbst war ich dann allerdings noch etliche Minuten unterwegs, bis ich endlich das entsprechende Haus und das richtige Zimmer fand. Bei den Menschen, die ich im Johannesstift traf, hatte ich immer den Eindruck, dass sie gerne dort leben und arbeiten. – Ein Dorf mit einer besonderen Atmosphäre.

Die Begegnung mit den schwerstbehinderten Menschen in einer betreuten Wohngemeinschaft
war eine emotionale Herausforderung. Ich war verunsichert. Ich verstand kaum etwas von dem, was die Bewohner kommunizierten und war mir nicht sicher, wie ich mich verhalten sollte. – Die Betreuer hingegen, welche die Bewohner dort zum Teil über viele Jahre begleitet hatten, konnten sich gut mit den Bewohnern verständigen. – Es verunsicherte mich auch, kaum Augenkontakt zu bekommen. Das Kennenlernen war hier anders, als ich es bis dahin kannte.

Schwachheit und Hilfsbedürftigkeit zu begegnen, kann uns etwas darüber offenbaren, wer wir wirklich sind und was Menschsein und menschliche Gemeinschaft ausmacht. Vielleicht kommt man sogar dahin zu hinterfragen, wer denn die Schwachen und wer die Starken sind …

Die Erfahrungen im Johannesstift erinnerten mich an die Lebensgeschichte von Henri Nouwen, von der ich oft gehört hatte. Er verließ seine Theologie-Professur an der Harvard University, um mit behinderten Menschen zu leben. Die Behinderten wurden zu seinen Lehrern, und durch die Bücher, die er in jener Zeit schrieb, wurde er zu einem international beachteten spirituellen Schriftsteller und Lehrer. Es ist sicherlich auch kein Zufall, dass wir in den Evangelien fiel von Begegnungen Jesu mit hilfsbedürftigen Menschen lesen.

In modernen Gesellschaften wird die Erfahrung menschlichen Lebens zunehmend zerstückelt: Geboren wird im Krankenhaus, gestorben wird im Krankenhaus; Kinder sind in der KiTa, Schüler in der Schule, die Eltern auf Arbeit; die Großeltern wohnen wo anders, die Nachbarn kennt man nicht und behinderte Menschen werden in abgesonderten Einrichtungen betreut.

Alles hat Vor- und Nachteile. Ein entscheidender Nachteil unserer modernen Lebensweise ist, dass man die Fülle des Lebens immer weniger als etwas stimmiges Ganzheitliches in einer vertrauten Welt (Zuhause, Heimat) erfahren kann. Inklusion ist nach wie vor ein grundlegendes, wichtiges Thema. Der selbst mit einer Behinderung lebende Theologe Ulrich Bach hat dazu auch wichtige Impulse gegeben.

Das Johannesstift ist leider (noch) nicht ganz ein christliches Dorf, weil es keine natürlich gewachsene, gemischte Bevölkerungsstruktur hat. Aber was nicht ist, kann ja noch werden …

 

Integral

Wir verändern uns alle – kollektiv und auch persönlich; und wenn wir Glück haben, bedeutet Veränderung mehr als nur älter werden. Je umfassender und tiefgehender wir mit dem Menschlichen und Menschlichkeit vertraut werden, desto eher können Veränderungen auch positive Reifungsprozesse sein.

Den umfassendsten, interdisziplinären Ansatz, den ich kenne, ist die Integrale Theorie Ken Wilbers. Da sie alle Aspekte des Menschseins umfasst, finden wir auch Begriffe wie „Integrale Medizin“, „Integrale Wirtschaft“, „Integrale Ökologie“ und „Integrale Spiritualität“. Obwohl die aus dem Amerikanischen kommende Integrale Theorie nicht mehr ganz neu ist, ist sie im deutschen Sprachraum doch noch nicht so weit verbreitet. – In diesem Monat kommt das Buch „Integrales Christentum“ von Marion Küstenmacher heraus.

Es bleibt zu hoffen (für das Johannesstift, alle ähnlichen Einrichtungen, unsere Gesellschaft und die ganze Welt), dass wir Schwachheit, Krankheit, Behinderung, Altern, Ohnmacht und Sterben nicht länger aus dem gemeinsamen gesellschaftlichen Leben verdrängen, sondern sie wieder immer mehr integrieren und zu einer gemeinsamen Lebenserfahrung und einem Schatz für die Gegenwart und Zukunft werden lassen.

Schwachheit und Sterben ist ein Lebensprinzip des Himmelreichs.

 

Integrales Christentum

 

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Ken Wilber; Foto von Kanzeon Zen Center ([1]) [CC BY 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/2.0)%5D, via Wikimedia Commons

 

Kirchentag auf dem Weg in Leipzig

Im letzten Jahr war ich als Pressevertreter für das Online-Magazin „theologiestudierende.de“ auf dem „Kirchentag auf dem Weg“ in Leipzig. Dort veranstaltete das „Forum für Gemeinschaft und Theologie“ eine Podiumsdiskussion, an der u.a. Marion Küstenmacher teilnahm (ecclesia semper reformanda).

Marion Küstenmacher erzählte wie sie und ihr Mann, Werner Tiki Küstenmacher, die Integrale Theorie kennenlernten und deren Bedeutung für die Religionen und das Christentum erkannten. Sie rechneten damit, dass sich die Universitäts-Theologie des Themas annehmen würde, aber nichts passierte. So taten sie sich mit Tilmann Haberer zusammen und schrieben selbst ein Buch: „Gott 9.0″.

 

Gott 9.0

Nicht gerade ein typischer Titel für ein theologisches oder christliches Buch. Untertitel: „Wohin unsere Gesellschaft spirituell wachsen wird.“

Inspiriert von der Veranstaltung in Leipzig kauft ich mir gleich das Buch und begann zu lesen. Vieles, was ich schon in den Jahren davor bruchstückhaft kennengelernt hatte und wonach ich mich sehnte, wurde durch die Integrale Theorie zu einem in sich stimmigen Ganzen. – Ich war begeistert.

 

Die Integrale Theorie

Bekanntestes Gesicht der Integralen Theorie dürfte Ken Wilber sein. Dies ist auch kein Zufall, denn Wilber hat die Theorie entwickelt. Dabei baute er auf den Arbeiten von Jean Gebser, Sri Aurobindo, Habermas, Schelling, Hegel, u.a. auf.

 

Spiral Dynamics

Wilber hat u.a. auch das psychosoziale Entwicklungsmodell „Spiral Dynamics“ integriert, welches auf den Arbeiten von Clare Graves beruht. Dessen Schüler Cowan und Beck bauten auf seinen Arbeiten auf und schrieben das Buch „Spiral Dynamics“. Unter demselben Namen wird die entsprechende Theorie auch kommerziell vermarktet. Becks Arbeiten bekamen in den 80er Jahren auch geopolitische Bedeutung, als er mit der südafrikan. Regierung und Nelson Mandela am Friedensprozess in Südafrika mitarbeitete.

 

Integrales Christentum

Das Buch „Gott 9.0“ erschien 2010. Im Juli diesen Jahres soll dann ein auf Gott 9.0 aufbauendes, weiteres Buch von Marion Küstenmacher (ebenfalls beim Gütersloher-Verlagshaus) erscheinen: Integrales Christentum.

Ein ähnliches Buch auf Englisch existiert schon längst: „Integral Christianity“ von Paul Smith. Kein Wunder, kommt die ganze Integrale Theorie ja auch aus den USA. Dort gibt es auch schon seit einiger Zeit integrale Gemeinden. So, z.B., in St. Petersburg, Florida und Kansas City, Kansas. Unter der Pastorenschaft von Paul Smith wurde die Broadway Church (Southern Baptist!) in Kansas City zu einer integralen Gemeinde. Dies allein zeigt schon das enorme Potential des integralen Christentums.

Ähnliche Formen des Christentums gibt es auch schon seit einiger Zeit in Indien. Aufgrund der religiösen Situation und Geschichte in Indien auch nicht verwunderlich. So war ja auch die ökumenische Bewegung in Indien ein bisschen schneller als im Rest der Welt.

Da die Integrale Theorie über religiöse Traditionen hinausgeht bzw. diese miteinschließt, existiert auch Integrales Judentum, und auch die Möglichkeit bzw. Notwendigkeit eines integralen Islam wird diskutiert.

 

Deutschland

Leider scheint Integrales Christentum noch nicht so richtig im deutschen Sprachraum angekommen zu sein. Die Integrale Theorie, hingegen, ist auch in Deutschland längst durchaus präsent und hat auch eine spirituelle Dimension. Dies zeigt leider mal wieder, wie verstaubt real-existierendes Christentum oft ist und wie es gesellschaftlichen Entwicklungen  leider oft hinterherläuft anstatt selbst visionär und kreativ zu sein.

Es gibt allerdings Hoffnung, wie nicht nur die Bücher von Marion Küstenmacher und die anderen aus dem Amerikanischen übersetzten Bücher zeigen. Es existiert schon seit einiger Zeit eine Facebook-Gruppe „Gott 9.0“ und auch ein Blog zum Thema: „Integrales Christsein“.

 

Einladung

Integrales Christentum ist keine kurzlebige Modeerscheinung. Wie Richard Rohr (kein Unbekannter in der progressiven christlichen Szene) im Vorwort zu Gott 9.0 schreibt, reichen die Wurzeln bis tief in die Geschichte und Anfänge des Christentums. Laut Rohr herrscht über die Stufen menschlicher Entwicklung und spirituellen Wachstums „ein ruhiger, klarer Konsens“ (Gott 9.0, S.8).

Integrales Christentum ist eine Einladung. Es ist ein Werben für ein erneuertes Christentum im Geiste Jesu, für alle, die von alten christlichen Traditionen nicht mehr satt werden und die es hinzieht zum Wirken Gottes im Hier-und-Jetzt in unserer Zeit.

An alle, die es zum Integralen Christentum hinzieht, eine herzliche Einladung: Bitte vernetzt euch mit mir und lasst uns gemeinsam Teil sein des Wirkens Gottes in unserer Zeit!

 

Um Gottes und der Menschen willen: Stürzt doch endlich das Bibel-Dogma vom Sockel!

 

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Altarbibel auf einem lutherischen Altar; von Leon Brooks [Public domain], via Wikimedia Commons

 

[ Dies ist die Überarbeitung eines meiner älteren Artikel, der mit Abstand die heftigsten Reaktionen hervorgerufen hat. Hier findet ihr den älteren Artikel. ]

Dies ist kein Artikel gegen die Bibel. (Ich bin bekennender Bibel-Fan.) Es  ist  allerdings ein Artikel gegen einen schlechten Umgang mit ihr. Und es ist ein Artikel für einen wahrhaft christlichen Glauben im Sinne Jesu. – Es gibt etwas Besseres als Biblizismus: Evangelium! Es gibt eine gute Nachricht.

Die nicht ausreichend geklärte Frage unseres Umgangs mit der Bibel, ist eines der größten Probleme des Christentums. Wir haben einen Hunderte von Jahren alten Bibel-Mythos, der wie ein gewaltiger Klotz am Bein des wunderbaren Evangeliums ist. Es ist mehr als überfällig, dass das Dogma der Unfehlbarkeit der Bibel von seinem Sockel gestoßen wird, um zu einem Glauben im Sinne Jesu und der ersten Christen zurückzukehren. (Wenn all die Frommen der Jahrhunderte Jesus und die biblischen Texte ernster genommen hätten, wäre es nie zu diesem Dogma gekommen.)

 

Wehe euch Schriftgelehrten! Denn ihr beladet die Menschen mit unerträglichen Lasten …

Weh euch, … die ihr das Himmelreich zuschließt vor den Menschen! Ihr geht nicht hinein und die hinein wollen, lasst ihr nicht hineingehen.  … Weh euch, ihr verblendeten Führer …

(Jesus von Nazareth; Bibel, Neues Testament, Lukas-Evangelium 11. Kapitel, Vers 46 und Matthäus 23,13-16)

 

Nehmt doch endlich das Joch eurer Bibel-Verehrung von den Schultern so vieler Gläubiger! Jesus hat keinen heiligen Text aufgeschrieben und auch zu Pfingsten kam keine neue Tora vom Himmel. Es war gerade der normative Charakter heiliger Schriften, der in der frühen Christenheit zur Diskussion Stand. Um Gottes und der Menschen willen müssen wir DEUTLICH widersprechen:

Die Bibel ist NICHT das Wort Gottes !!!

Ich sage dies nicht, weil ich GEGEN die biblischen Texte bin, sondern FÜR sie! Und für die MENSCHEN, die sie lesen.

Wer es nicht glauben will, soll doch einfach selbst mal in seiner Bibel nachschauen:

Lukas, zum Beispiel. Behauptet der Verfasser des Lukas-Evangelium an irgendeiner Stelle, dass seine Worte die Worte Gottes wären oder dass er sie von Gott empfangen hätte? Gibt es irgendeinen anderen Vers in der Bibel, der  behauptet, dass das Lukas-Evangelium Gottes Worte sind? Wann hat überhaupt in der Kirchengeschichte sich zum ersten Mal jemand angemaßt zu behaupten, dass dies Evangelium Wort Gottes ist? Und warum?

Die biblischen Texte wurden im Glauben überliefert, dass sie Zeugnisse des Wirken Gottes sind. Dadurch werden sie aber nicht zu vollkommenen Worten Gottes für den modernen Leser. Nehmt doch die Texte selbst ernst, anstatt einfach eure liebgewonnenen Ideen in die Texte hineinzulesen! Und all dies auch noch unter dem Deckmantel von Frömmigkeit und mit dem Anspruch auf Wahrheit!!!

Ich glaube auch, dass Gott spricht. Ich glaube auch, dass er durch einen biblischen Text zu einem Menschen sprechen kann. Dies ist dann aber eine persönliche, subjektive religiöse Erfahrung und sollte auch als solche behandelt werden.

Auch Theologen, die Fundamentalismus ablehnen, sind in ihrem Gebrauch der biblischen Texte und in ihrem Reden über die Bibel nicht immer „sauber“. (Mich eingeschlossen.) Wir, die „Wissenden“, tragen aber Verantwortung dafür, wie wir die Bibel darstellen und welche Erwartungen an diese Texte wir erzeugen.

Wie wäre es, wenn wir endlich einmal eine Bibelausgabe hätten, wo nicht „Bibel“ oder sogar „Heilige Schrift“ drauf steht, sondern „Sammlung der grundlegenden Schriften des Christentums“? Das Wort „Bibel“ allein suggeriert schon eine Homogenität des Buches, die nicht gegeben ist. (Wer weiß schon, dass das Wort „Bibel“ eigentlich ein Plural ist?)

Denen, die sich schon freuen, dass sie jetzt vielleicht auch als Christen endlich machen dürfen, was Spaß macht, sei gesagt:  Ihr durftet schon immer machen, was Spaß macht; es ist nur nicht alles gut!  😉

 

Alles ist mir erlaubt – aber nicht alles nützt mir. Alles ist mir erlaubt – aber nichts soll Macht haben über mich.

Alles ist erlaubt – aber nicht alles nützt. Alles ist erlaubt – aber nicht alles baut auf.

(Paulus‘ erster Brief an die Gemeinde in Korinth; 6,12 und 10,23)

 

Das Bibel-Dogma aufzugeben, bedeutet überhaupt nicht, dass christlicher Glaube dadurch beliebig würde, es keine Orientierung mehr gäbe oder die Nachfolge Jesu weniger verbindlich wäre. Aber so vielfältig wie Kulturen und Menschen und das Leben selbst, so vielfältig müssen auch unsere Antworten sein. – Und wer sagt überhaupt, dass ich selbst die richtige Antwort für einen anderen Menschen haben muss?

Haben wir Angst vor der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes?

 

Alle, die sich von Gottes Geist regieren lassen, sind Kinder Gottes. Denn der Geist Gottes, den ihr empfangen habt, führt euch nicht in eine neue Sklaverei, in der ihr wieder Angst haben müsstet. Er hat euch vielmehr zu Gottes Söhnen und Töchtern gemacht. Jetzt können wir zu Gott kommen und zu ihm sagen: »Abba, lieber Vater!
(Paulus‘ Brief an die Gemeinde in Rom; 8,14-15)

 

ökumenisch Bibel lesen

 

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By Friedrich Meier-Vermeersch (Eigenes Werk) [CC0], via Wikimedia Commons

 

Viele Christen sehnen sich, nach einer innigeren Verbundenheit und größeren Einigkeit in der Christenheit.

 

Alle, die zum Glauben an Jesus gefunden hatten, waren ein Herz und eine Seele. Niemand betrachtete sein Eigentum als privaten Besitz, sondern alles gehörte ihnen gemeinsam.

(Die Bibel, Neues Testament, Die Apostelgeschichte, 4. Kapitel, Vers 32)

 

Die Christenheit hat manchmal ein schlechtes Image, und das liegt u.a. an ihrer Zerstrittenheit. Das Problem ist nicht, dass es verschiedene christliche Traditionen gibt. Das Problem ist, dass sich Christen bewusst von einander abgrenzen.

Im Ortsteil von Berlin, wo ich wohne, gibt es mindestens vier verschiedene christliche Gemeinden, die mehr oder weniger ihr eigenes Ding machen. Der wesentliche Grund dafür ist, dass die Menschen, die dort hingehen, sich einbinden in Traditionen und Strukturen, die sich von einander abgrenzen. „Christliche“ Glaubensbekenntnisse dienen oft dazu, sich von den „falschen Christen“ zu distanzieren.

Ich bin aufgewachsen in einer kleinen exklusiven Freikirche („Gemeinde Christi“), wo manche glaubten, dass sie die einzig wahren Christen sind, weil sie biblischer sind als alle anderen. Ein „unbiblischer Christ“ ist nach dieser Logik gar kein Christ, und man erhält so eine „künstliche“ Einheit von Christen, die alle dieselbe Meinung haben.

 

 »Ich versichere dir«, entgegnete Jesus, »nur wer durch Wasser und durch Gottes Geist neu geboren wird, kann in Gottes Reich kommen! Ein Mensch kann immer nur menschliches Leben hervorbringen. Wer aber durch Gottes Geist geboren wird, bekommt neues Leben.«
(Neues Testament, Johannes-Evangelium 3,5-6)

 

EIN  LEIB

Die Gemeinschaft der Christen, der Leib Jesu (Epheser 4,4), ist nicht etwas, das wir Christen schaffen und verwalten können, sondern sie ist eine neue Schöpfung Gottes. Die biblischen Texte sind etwas Gemeinsames, das uns verbindet. Aber der eigentliche Grund für unsere Verbundenheit ist nicht ein einheitliches Bibelverständnis.

Viele Veränderungen reifen in unserem Kopf heran. Unsere Wahrnehmung und unser Denken verändern sich, und wir haben dann die Chance, dass sich auch unser Verhalten und die Wirklichkeit verändern.

Wir leben in einer Zeit, wo wir besser als je zuvor verstehen, das Alles mit Allem zusammenhängt. Quantenphysik und Ökosysteme sind dazu nur zwei Stichworte. Dieses neue Bewusstsein trifft in besonderer und tiefer Weise auch auf die Christenheit zu. Wir SIND als Christen ein Organismus, und alles, was die Verbundenheit zwischen Christen stört oder sie von einander trennt, beschädigt diesen Organismus.

Wenn alle Christen die Christenheit als Organismus wahrnehmen und denken lernen, besteht die Chance, dass wir auch praktisch im Alltag immer enger und tiefer mit einander verbunden leben.

 

öKuBi

Dies könnte eine niedliche Abkürzung für eine schöne Sache sein: „Ökumenischer Bibelkreis“. Vielleicht an manchen Orten ein erster Schritt zu einer besseren Christenheit.

Mehr als 6.000 Suchergebnisse für „Ökumenischer Bibelkreis“ in meiner Ecosia-Suchmaschine (die, die Bäume pflanzt). Viele solche Gruppen gibt es offensichtlich schon!

Leider habe ich noch keine zentrale Webseite gesehen, wo es mehr Informationen oder Austausch dazu gäbe. – Wäre es nicht toll, wenn alle, die sich dafür interessieren oder über Erfahrungen austauschen möchten, ein Internet-Portal dafür hätten? Wäre das nicht ein sinnvoller Beitrag für die Ökumene im deutschsprachigen Raum? (Vielleicht sogar mehrsprachig?)

Der Begriff erklärt sich fast von selbst. Es geht um Menschen verschiedener christlicher Traditionen (eben „ökumenisch“), die zusammenkommen, um in der  Bibel zu lesen und darüber zu sprechen. Man muss sich nicht darüber streiten, welche Bibelausgabe man benutzen sollte. Jeder nimmt einfach die Bibel, die er/sie gerne liest, und man tauscht sich aus. Vielfalt schafft unterschiedliche Perspektiven und Bereicherung.

Warum machen Menschen so etwas?

Weiß ich nicht. Ich hab noch keinen gefragt. Ich wünschte, ich hätte schon die Zeit gefunden, mir so etwas einmal persönlich anzuschauen. Jede Gruppe ist natürlich immer nur so gut wie die Menschen, die grad da sind. Ökubi’s sind ganz bestimmt nicht alle gleich.

Ein paar Ideen hätte ich schon, warum so etwas sinnvoll sein kann:

Wenn Christen sich immer nur im Rahmen ihrer eigenen Gruppe und Tradition bewegen, ist der Horizont doch stark begegrenzt. „Ökumenisch“ erweitert den Horizont! Anhänger Jesu sollten sich sowieso für einander und das GEMEINSAME interessieren – egal wo und wie sie zum Glauben gefunden haben. So eine „gemischte“ Gruppe erfordert natürlich Respekt für die Tradition und Glaubenserfahrungen des anderen. (Sollte man ja aber eigentlich sowieso haben. Gerade als Christ!)

Ein zweiter Punkt (der offensichtlich mit dem ersten zusammenhängt) ist das Finden des Wesentlichen am christlichen Glauben. Schon zur Zeit Jesu gab es eine Vielzahl von Texten, Traditionen und religiösen Gruppen im Judentum. Jetzt, nach 2000 Jahren Christentum, ist die Fülle an „Christlichem“ schier unüberschaubar. Es ist unbedingt notwendig zu fragen: Was wollte Jesus von Nazareth eigentlich? Und was hat das mit uns heute zu tun?

Ziel kann auch kaum die Ökumene um jeden Preis sein. Selbst wenn es christliche Kirchen schaffen sollten, sich zu vereinigen, ist damit noch nicht garantiert, dass am Ende auch etwas Gutes dabei herausgekommen ist. Wir brauchen unbedingt ein klares Verständnis von dem, was eigentlich „christlich“ ist!

 

GEFAHREN

Es gibt grundsätzliche Probleme bzgl. ökumenischen Bibelkreisen:

  1.   Die Bibel ist ein dickes Buch. Wie entscheidet man, was man liest? Wo fängt man an?
  2.  Der Teufel steckt im Detail. Man kann sich mit biblischen Detailfragen beschäftigen, bis man schwarz wird. Hat da jemand was davon?
  3.  Die Bibel ist eine Sammlung antiker Schriften. Wenn wir die Bibel lesen, blicken wir zurück in eine längst vergangene Zeit. Es geht aber darum, etwas für heute zu lernen. Wenn man den Blick nicht nach vorne richtet, bleibt man im Alten verhaftet.
  4.  Es ist der Geist, der Leben schafft. Texte sind begrenzte Hilfsmittel – auch heilige Texte. Wir brauchen die Öffnung für und das Streben nach den unbegrenzten Möglichkeiten Gottes. Wo der Geist ist, da ist Freiheit.
  5. Bibelstudium ist nicht Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck. (2. Timotheus 3,16-17)
  6.  Es kommt auf die Wirkung an. Gottes Geist hat bestimmte Wirkungen (Galater 5,22-23). Können die Teilnehmer eines Bibelkreises spüren, dass das gemeinsame Bibellesen diese Wirkungen bei ihnen hat? Können die anderen Teilnehmer der Gruppe wahrnehmen, dass der Einzelne sich zum Positiven verändert?
  7.  Es kommt auf die Liebe an (1. Korinther 13). Lieblos ist auch die Bibel für die Katz.

Hat jemand von euch schon persönliche Erfahrungen mit ökumenischen Bibelkreisen?

 

[Dies ist die Überarbeitung eines älteren Posts. Den älteren Post mit Kommentar findet ihr hier.]

 

Das offene Christus-Experiment Berlin

 

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Meditierende Menschen im Madison Square Park, Manhattan, New York City; von Beyond My Ken (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY-SA 4.0-3.0-2.5-2.0-1.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0-3.0-2.5-2.0-1.0)%5D, via Wikimedia Commons
Ich konnte leider noch kein Foto vom „Offenen Christus-Experiment Berlin“ machen, da das erste Treffen ja noch nicht stattgefunden hat.  😉

 

„… Stellt mich auf die Probe“, sagt der Herr, der Herrscher der Welt, „macht den Versuch …“

(Die Bibel, Altes Testament, Maleachi 3,10)

 

Na, neugierig? – Falls ihr selbst nicht in Berlin & Umgebung wohnt, wäre es toll, wenn ihr die Info weiterleitet an Leute, die das vielleicht interessieren könnte.

 

ZUM NAMEN

„Das offene Christus Experiment“. Dies könnte fast eine Bezeichnung für die Geschichte der Christenheit sein. Mir geht es hier allerdings um ein konkretes Projekt in Berlin, bei dem man sich wöchentlich trifft. Die Idee ist geboren. Jetzt brauche ich noch ein paar Leute, die mitmachen. (Ihr verpflichtet euch dabei zu nichts.)

 

DIE IDEE

Es geht um eine kleine Gruppe, ca. 12 Personen, die sich jede Woche 2 Stunden lang treffen. (Darüber hinaus können sich die Teilnehmer natürlich so oft treffen wie sie wollen und Zeit haben). Genaue Uhrzeit und Ort können wir verhandeln, sobald sich ein paar Interessenten gefunden haben.

 

„offen“

Dies soll ein „offenes“ Experiment sein:

  • Keine Begrenzung von Gottes Möglichkeiten durch unsere Konzepte.
  • Keine Festlegung auf eine Konfession oder Tradition.
  • Offenes Ende: Das Langzeit-Experiment endet, wenn keiner mehr da ist bzw. Gott es beendet. (Jeder kann jederzeit aussteigen.)
  • Wir fangen an mit ca. 12 Teilnehmern, aber sind offen für unbegrenztes Wachstum.

 

„Christus“

 

„… wie lautet dieses Geheimnis? Christus in euch – die Hoffnung auf Gottes Herrlichkeit!“

(Neues Testament, Paulus‘ Brief an die Gemeinde in Kolossai, 1,27)

 

Ein Glaube an Gottes Wirken durch Jesus Christus in uns ist die Grundlage dieses Experiments:

  • Ohne Gott kann ich gar nichts. Gott jedoch kann alles.
  • Wir fangen mit nichts an (kein Kirchengebäude, kein Geld, kein Pfarrer, keine Organisation, kein Spenderkreis, …) und erwarten Alles von Gott.
  • Wir bitten nicht um Gottes Segen für unsere Pläne, sondern stellen uns einfach IHM zur Verfügung und achten darauf, was er mit uns macht.
  • Christus verbindet alle, die ihm vertrauen. In seiner Liebe werden wir zu einer Art „Organismus“ (Leib Jesu).
  • Gott wirkt auf ein gutes Ziel seiner Schöpfung hin, und mit seiner Hilfe sind wir in der Lage dieses Wirken in unserem Leben und in einer Gruppe aufzuspüren.
  • Wir begegnen uns nicht als Habende, Wissende und Fähige, sondern als Bedürftige. Tag für Tag brauchen wir Gott, um zu leben. Und wir brauchen auch einander, um für ihn richtig brauchbar zu werden.

 

„Experiment“

Ich weiß nicht, was Gott mit dieser Gruppe machen wird. Die Welt heutzutage ist nicht dieselbe wie im Neuen Testament in der Apostelgeschichte. Worum es geht?

  • Es geht um die Praxis, nicht nur um schöne Theorie.
  • Was funktioniert, entscheidet sich im Leben.
  • Das Ergebnis hängt von Gott ab – und von uns.

 

WAS IST ANDERS ?  WAS IST NEU ?

  • Wir orientieren uns weniger an Vergangenem und mehr an der Gegenwart und Zukunft.
  • Wir achten die Erfahrungen und Überzeugungen der Einzelnen und bemühen uns, gemeinsam zu lernen. Die Worte jedes Einzelnen sind wichtig.
  • Wir achten auf die Wirkung dessen, was in der Gruppe passiert. Gott ist gut. Sein Wirken ist heilsam für uns Menschen.
  • Wir verwirklichen nicht ein vorbereitetes Konzept, sondern entscheiden gemeinsam als Gruppe, wie wir auf dem Weg mit Gott vorangehen.

 

ZU MEINER PERSON

Die Frage nach einem besseren Christentum beschäftigt mich schon, solange ich denken kann. Ich bin christlich erzogen und in einer familiären, fundamentalistischen Freikirche mit sehr intensiver Gemeinschaft groß geworden. Später distanzierte ich mich von meinen Wurzeln und bin jetzt Mitglied in der Ev. Kirche und arbeite als Mitarbeiter für Jugendliche im Kirchenkreis Berlin Nord-Ost. Außerdem studiere ich Ev. Theologie an der Humboldt Unversität zu Berlin in Teilzeit.

Dieses Experiment ist mein „Privatvergnügen“ und hat direkt nichts mit meiner Anstellung bei der Kirche oder mit meinem Studium zu tun. Es ist auch kein Experiment im wissenschaftlichen Sinn, sondern es geht konkret nur um die Menschen, die an diesem Experiment teilnehmen und darum, was Gott aus uns macht.

Noch mehr Infos über mich? – Hier klicken.

 

NOCH FRAGEN ?  –  Hier klicken.