Paul Smith | The Jesus Path to Awakening

 

Hier mal ein englischer Beitrag. In deutscher Sprache scheint das Thema „Integrales Christentum“ noch nicht so richtig angekommen zu sein:

The Jesus Path to Awakening

 

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Was ist mit den Teenagern los?

 

Tennager in Moskau
Teenager in Moskau, von Alagich Katya [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)%5D, via Wikimedia Commons

 

Sorgt sich unsere Gesellschaft um ihre Jugend? Besteht Anlass zur Sorge? Wer oder was beeinflusst und prägt die Jugendlichen, und welche Interessengruppen versuchen, sie an sich zu binden?

 

Wer die Jugend hat, hat die Zukunft.

Napoléon Bonaparte

 

Wenn wir zurückblicken in unsere deutsche Geschichte, finden wir schnell Beispiele für die gezielte Beeinflussung der Jugend (Nationalsozialismus, DDR, …). Es muss auch nicht die gesamte Jugend sein, die erreicht und überzeugt wird. Eine ausreichende Zahl, eine kritische Masse, ist genug. Ein nachhaltiges System der Beeinflussung von Kindern und Jugendlichen dient der Stabilisierung einer Bewegung, einer Organisation oder eines Systems.

Darüber hinaus hat die Erziehung von Kindern und Jugendlichen natürlich auch einfach die Aufgabe, das Fortbestehen und Wohlergehen der eigenen Familie oder Gruppe zu sichern. Früher war diese Erziehungsaufgabe noch gleichförmiger. Durch den beschleunigten historischen Wandel in den vergangenen beiden Jahrhunderten (gesteigerte Produktivität, Industrialisierung, moderne Wissenschaft, technische Neuerungen, …) ist es heute allerdings gar nicht mehr so leicht zu sagen, was eine gute Erziehung ist. Auf was für eine Zukunft sollen wir die Kinder und Jugendlichen denn vorbereiten? Und vor welchen Gefahren müssen wir sie ständig beschützen?

Wenn es nicht gelingt, Jugendliche dafür zu gewinnen, sich auf positive Weise in die Gesellschaft miteinzubringen und für ein nachhaltiges Gemeinwohl der Menschheit zu sorgen, so wird es genug Interessengruppen geben, die mehr als bereit sind, Geld, Kraft und Zeit von Jugendlichen für ihre eigenen Zwecke zu gebrauchen. Jugendliche sind eine wichtige Konsumentengruppe und potentielle Mitarbeiter und Unterstützer für alles Mögliche.

Welche Rolle spielt der christliche Glaube in diesem Zusammenhang? Gibt es ein spezielles Interesse des Christentums an der Jugend? Vielleicht sogar eine Art christliche Theologie für junge Leute?

Religion im Allgemeinen und der christliche Glaube im Besonderen haben kulturgeschichtlich eine gewaltige Bedeutung für die Erziehung, auch wenn diese nicht immer positiv war und ist. Glaube kann helfen, Leben zu deuten und sich in ihm zurechtzufinden. Wir glauben ja sowieso alle etwas, auch wenn unser Glaube nicht immer eine religiöse Gestalt hat. Religion hat den Vorteil, dass die Tradition einer religiösen Gemeinschaft die individuelle Prägung durch die Eltern relativieren und so vor den immer vorhandenen Macken und Einseitigkeiten schützen kann. Sie erweitert das Familienleben, gibt einen weiten Horizont.

Im Gegensatz zum Judentum, wo Religion doch sehr eine ethnische Angelegenheit ist, ist das Christentum nicht die Religion eines bestimmten Volkes. Man wird auch nicht Christ durch die Geburt, sondern dadurch, dass man irgendwann, wenn man von der Wahrheit des christlichen Glaubens überzeugt worden ist, die Entscheidung trifft, mit Jesus zu leben. Wie sollte oder kann eine Erziehung aussehen, die Jugendliche zu diesem Glauben führt?

Ein klassischer Bibelvers zur Jugend dürfte wohl dieser sein:

 

Niemand verachte dich wegen deiner Jugend; du aber sei den Gläubigen ein Vorbild im Wort, im Wandel, in der Liebe, im Glauben, in der Reinheit.

(Neues Testament, 1. Brief des Paulus an Timotheus, 4. Kapitel, Vers 12)

 

Auch Kinder und Jugendliche tragen Verantwortung, und mit wachsenden Fähigkeiten und größer werdender Freiheit wächst diese mit. Ich denke, es ist gut, sie schon früh an das bewusste Übernehmen von Verantwortung heranzuführen. Dies eröffnet die Möglichkeit, Potential zu entfalten und Persönlichkeit und Charakter zu formen. Manche Kinder werden künstlich klein gehalten, indem die Eltern und andere Menschen im Leben der Kinder viele Aufgaben übernehmen.

Übernehmen von Verantwortung setzt die Fähigkeit eigenverantwortlichen Denkens und Handelns voraus. Diese Fähigkeit zu fördern, ist eine der wichtigsten erzieherischen Aufgaben. Bei einer christlichen Erziehung betrifft dies dann auch den Glauben:

Erziehung zu einem mündigen Glauben.

Jugendliche sind Teil einer Kultur, die das gesamte zukünftige gesellschaftliche Leben beeinflussen wird. Deswegen ist es sehr wichtig, dass die Jugend auch eine Stimme hat, die gehört wird – auch in den Kirchen und Gemeinden. Wir brauchen engagierte Jugendliche, die sprachfähig und kreativ sind, um ihrer Stimme Gehör zu verschaffen, und wir brauchen eine Kultur, die solche Jugendliche hervorbringt.

Teenager. Kein Kind mehr, aber auch noch nicht ganz erwachsen. Ein Vorrecht und eine wichtige Aufgabe der Jugend ist zu hinterfragen. Das Leben muss dahingehend abgeklopft werden herauszufinden, was zukunftstauglich ist. Ein Glaube und Traditionen, die Jugendliche nicht mehr erreichen, werden wohl bald in der Bedeutungslosigkeit verschwinden.

Was ist mit den Teenagern los?

Diese Frage können wohl am besten die Teenager selbst beantworten. Und wir täten gut daran, hinzuhören …

 

Jahreslosung 2018 im Zusammenhang

 

Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst

(Die Bibel, Neues Testament, Offenbarung, 21. Kapitel, Vers 6)

 

[Die Worte „Gott spricht“ scheinen im Originaltext gar nicht vorzukommen, sondern der Jahreslosung hinzugefügt worden zu sein. Wenn ich den Text lese, ist mir gar nicht gleich klar, wer denn derjenige ist, der hier spricht.]

 

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I, Kbh3rd [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html), CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/) or CC BY-SA 2.5-2.0-1.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5-2.0-1.0)%5D, via Wikimedia Commons
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Wie nett. Wiedereinmal ein schöner Bibelvers, der uns angenehm berührt:

Man wird bedient mit einem frischen Durstlöscher – und es kostet gar nix!

Angeboten wird frisches, kühles Mineralwasser. Kein lauwarmes, muffig schmeckendes, abgestandenes altes Wasser aus einer verstaubten Flasche oder einem trüben Tümpel. – Wenn das realexistierende Christentum doch bloß auch immer so frisch und lebendig schmecken würde …

Gratis! Dies ist ein Angebot, das sich jeder leisten kann. Kein Luxus-Angebot (nur echt, wenn teuer) für eine Zwei-oder-mehr-Klassengesellschaft. Gerechtigkeit. Chancengleichheit. Hier hat sich offensichtlich schon ein großzügiger Sponsor gefunden, der dieses Angebot finanziert.

Das apokalyptische Buch der Offenbarung ist voll von Bildern. Auch bei der Jahreslosung geht es eigentlich nicht um Wasser, sondern um das, was wir unbedingt zum Leben brauchen. Und das in sehr guter Qualität. Jeder darf hier seiner Fantasie freien Lauf lassen, was der Verfasser der Offenbarung schreiben würde, wenn er seinen Text heutzutage verfassen würde …

Die Jahreslosung in diesem Jahr stammt aus dem vorletzten Kapitel des Buches der Offenbarung. Sie wurde von der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen ausgewählt.

Bei Bibelversen ist es immer keine schlechte Idee sich den Zusammenhang anzuschauen:

 

Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr.
Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen!
Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.
Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss! Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. Wer überwindet, der wird dies ererben, und ich werde sein Gott sein und er wird mein Sohn sein.
Die Feigen aber und Ungläubigen und Frevler und Mörder und Hurer und Zauberer und Götzendiener und alle Lügner, deren Teil wird in dem Pfuhl sein, der mit Feuer und Schwefel brennt; das ist der zweite Tod.
(Verse 1-8)

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Im 21. Kapitel der Offenbarung wird „das neue Jerusalem“ in einer herrlichen Vision als die Belohnung für die „Überwinder“ dargestellt. Gegensatz dazu bildet ein brennender Pfuhl, mit dem die Übeltäter bestraft werden.

Lob und Tadel. Belohnung und Bestrafung. Zuckerbrot und Peitsche. Erfolg oder Gefängnis. Himmel oder Hölle. Ein Dualismus der unser ganzes Leben begleitet.

Wenn man die Jahreslosung im Zusammenhang liest, klingt sie nicht mehr ganz so freundlich; denn im Hintergrund drohen die Qualen des brennenden Pfuhls für die Ungehorsamen. Das herrliche Leben ist offensichtlich doch nicht ganz so billig, wie es den Anschein haben mag, wenn man nur den einzelnen Vers der Jahreslosung liest.

Die Jahreslosung ist sicherlich gut gemeint. Wir alle brauchen Hoffnung. Sie zeigt allerdings auch mal wieder, wie problematisch es ist, einfach einzelne Bibelverse zu zitieren, und sie damit notwendigerweise aus dem Zusammenhang zu reißen.

Die Jahreslosung ist kein Gratis-Angebot für Menschen, die Jesus noch nicht kennen. Das neutestamentliche Buch „Offenbarung“ wurde für Christen geschrieben, um ihnen Mut zu machen und sie herauszufordern, alle Hindernisse zu überwinden, indem sie Gott und Christus vertrauen.

Glaube wird oft Missverstanden als ein Lippenbekenntnis zu einer bestimmten religiösen Weltanschauung. Scheinbar billige Gnade. Aber echter Glaube ist in Wirklichkeit immer lebensgestaltend. Ein Glaube, der keine Wirkung hat, ist ein toter Glaube.

Und die Wirkung deines Glaubens sollte sich eigentlich zu allererst in deinem persönlichen Leben zeigen – deinem Alltag, deinen Beziehungen, Freundschaften, in deiner Familie, in der Schule, an deinem Arbeitsplatz, in deiner Nachbarschaft, an deinem Konsumverhalten, deinen Interessen & Hobbys, …

Was wir wirklich glauben, zeigt sich nicht durch das Bejahen eines Glaubensbekenntnisses, sondern in unserem Leben:

Lass mich sehen, wie du lebst, und ich sage dir, was du glaubst!

Die Behauptung der Jahreslosung ist (in guter jüdisch-christlicher Tradition):

Es lohnt sich, Gott zu suchen und ihm treu zu sein. Gott macht unsere Seele satt und gibt uns Zukunft.

 

Glücklich zu preisen sind die, die nach der Gerechtigkeit hungern und dürsten; denn sie werden satt werden.

(Matthäus-Evangelium, Bergpredigt, Seligpreisungen, 5. Kapitel, Vers 6)

 

 

Geliebt und gehasst: Christmas is coming soon to a place near you

 

New Life
By The Cookiemonster [CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)%5D, via Wikimedia Commons

 

Weihnachten. Nur eine leere Verpackung? Tradition ohne Bedeutung? Hübsch eingepackt – aber nichts drin? Eine Mogelpackung?

Was feiern wir noch mal?

Auch für die Menschen, die wirklich noch die Erzählung von der Geburt von Jesus aus Nazareth ernst nehmen, stellt sich die Frage, welchen Sinn das Feiern von etwas macht, das 2000 Jahre her ist? Mit welchen frommen, oder auch weniger frommen, Weihnachtstricks können wir diesem Spitzenprodukt christlicher Tradition wieder Bedeutung für das Leben der Menschen verschaffen? Und ist dieses Anliegen überhaupt sinnvoll? Gibt es vielleicht Wichtigeres zu tun?

Weihnachten ist kein jüdisches Fest und es war auch kein Feiertag der ersten Christen. Die Frage, ob Weihnachten überhaupt ein christliches Fest ist, kann man stellen. Und das in mehr als einer Hinsicht.

Wenn man in diesen Tagen um sich schaut, können einem bei dem Marktführer christlicher Feiertage schon Zweifel kommen: die umsatzstärkste Zeit des Jahres, ein Exzess unseres Wirtschaftssystems, Hochkonjunktur für die Müllabfuhr … und wir alle machen mit – alle Jahre wieder.

Aber inmitten aller „Jingle Bells“ ist auch noch eine kleine, leise Stimme zu hören –
für alle, die lauschen:

 

Und ein Spross wird hervorgehen aus dem Stumpf Isais,
und ein Schössling aus seinen Wurzeln wird Frucht bringen.
Und auf ihm wird ruhen der Geist des HERRN,
der Geist der Weisheit und des Verstandes,
der Geist des Rates und der Kraft,
der Geist der Erkenntnis und Furcht des HERRN

(Die Bibel / Tanach, Jesaja, 11. Kapitel, Verse 1-2)

 

Es ist ein Ros entsprungen
aus einer Wurzel zart,
wie uns die Alten sungen,
von Jesse kam die Art
und hat ein Blümlein bracht
mitten im kalten Winter,
wohl zu der halben Nacht.

 

(https://de.wikipedia.org/wiki/Es_ist_ein_Ros_entsprungen)

 

 

Hat der Weihnachtsfrust und die enttäuschten Erwartungen auf familiäre Harmonie vielleicht auch etwas damit zu tun, dass wir den Mittelpunkt des Lebens verloren haben?

Gleichgewicht verloren. Sinn aus den Fugen geraten. Verirrte müssten sich wieder finden lassen …

Hoffnung. Licht in der Dunkelheit. Ein Gedenktag, der Orientierung geben kann. Gott wird Mensch. Majestät wird zum Kind. Großes ganz klein. Große Erwartungen nicht an uns selbst, unsere Familie und Verwandten oder an einen alljährlichen Feiertag, sondern große Erwartungen an den, der aus dem Senfkorn einen Baum wachsen lässt. Glaube, der Berge versetzt.

Auch heute noch suchen Menschen einen Ort der Ruhe und Sicherheit – wie Maria & Josef. Und auch heute noch sucht Jesus eine Welt, die er auf den Kopf stellen kann. Vielleicht kann der Advent Gottes in seine Welt noch einmal, diese Welt verzaubern. Vielleicht fängt es in deinem Leben an.

 

Gott, hörst du mich?

 

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Orthodoxe jüdische Frauen beten im Tunnel der Klagemauer, von David Shankbone (David Shankbone) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)%5D, via Wikimedia Commons

 

Für fromme Menschen ist Beten die Antwort des Menschen auf die Offenbarungen des Göttlichen. Das Verständnis der Offenbarungen wird durch die Überlieferungen der religiösen Gemeinschaft von Generation zu Generation weitergegeben. Oft wird das Beten schon kleinen Kindern beigebracht.

Das Gebet ist keine typisch christliche oder jüdische Angelegenheit. Wir finden es in unserer Zeit und auch in der Geschichte in vielen verschiedenen Kulturen. – Gibt es eine Religion, in der nicht gebetet wird? – Es ist wie das Atmen des Glaubens.

Beten ist Ausdruck von Frömmigkeit. Gott ist so wichtig geworden, dass man aktiv wird und sich im Gebet an ihn wendet. Gebet ist etwas Persönliches und Intimes. Es ist Ausdruck von Not und Hoffnung. Hoffnung auf Gehört-werden und Erhörung.

 

Wenn du beten willst, dann geh in dein Zimmer, schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird dich dafür belohnen.

(Jesus in der Bergpredigt, Die Bibel, Neues Testament, Matthäus-Evangelium, 6. Kapitel, Vers 6)

 

Viele fromme Menschen erleben trotzdem das Gefühl ins Leere zu reden oder gegen die Wand. – „Mein Gebet reicht nur bis zur Zimmerdecke.“ – Wir beten in die Unendlichkeit Gottes hinein und manchmal scheint unser Gebet in der Unendlichkeit zu verpuffen …

 

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne. Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht, und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe.
(Die Bibel, Tanach / Altes Testament, Sefer TehillimPsalm 22,2-3)

 

Vor 3 Jahren war ich an einem Punkt in meinem Leben, wo ich über Vieles verunsichert war. Zu Gott zu beten kam mir fast arrogant vor: Wie kann ich als kleiner Mensch mir anmaßen, mich an den ewigen Schöpfer des Universums zu wenden? Wie kann ich glauben, dass Gott mich wirklich hört wie ein Papa sein Kind? Woher weiß ich überhaupt, dass da ein Gegenüber ist, das für mich persönlich Bedeutung hat?

Die beiden Glaubenskämpfer von Hossa-Talk haben einen hörenswerten Podcast zum Thema „Gebet“, wo es um die harten Fragen geht:

Will Gott nicht, oder kann er nicht?

Gebet ist wie kaum etwas Anderes mit unseren Gotteserfahrungen und Gottesvorstellungen und den Tiefen unserer eigenen Seele verbunden. Der Zustand unseres persönlichen Glaubens bekommt Gestalt in unseren Gebeten: So wie wir glauben, so beten wir; und die Stimme des Beters offenbart, wie er wirklich glaubt.

Mehr als Wissen ist der Glaube eine Entscheidung: Glaube ist der Entschluss, sich dem Geheimnis des Göttlichen anzuvertrauen. Und natürlich gibt es Gründe, warum manche Menschen es machen, und andere nicht.

Dem Leben und Gott vertrauen zu können, ist der größte Schatz.

 

Von guten Mächten wunderbar geborgen erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen, und ganz gewiß an jedem neuen Tag.

(Dietrich Bonhoeffer)

 

Lösen von Vertrautem

 

Wellenreiten
„Wellenreiter“ von Jon Sullivan via Wikimedia Commons [public domain]

 

Gottes Kommen kündigt sich darin an, dass wir fühlen: So darf ich nicht bleiben!

(Friedrich Rittelmeyer, protestantischer Pfarrer und Gründer der Christengemeinschaft; zitiert aus „Gott 9.0“, S.19)

 

Vertrautes gibt uns Sicherheit und macht unser Leben leichter …

… und die Zufriedenheit mit dem Vertrautem ist der größte Feind des Besseren. – Warum etwas Gutes aufgeben, wenn ich noch nicht kenne, was vielleicht besser sein könnte?

 

»Herr, wenn du es bist, dann befiehl mir, auf dem Wasser zu dir zu kommen!« – »Komm!«, sagte Jesus. Petrus stieg aus dem Boot und ging auf dem Wasser auf Jesus zu. Doch als er merkte, wie heftig der Sturm war, fürchtete er sich. Er begann zu sinken. »Herr«, schrie er, »rette mich!« Sofort streckte Jesus seine Hand aus und hielt ihn fest. »Du Kleingläubiger«, sagte er, »warum hast du gezweifelt?«

(Die Bibel, Neues Testament, Matthäus-Evangelium, 14. Kapitel, Verse 28-31)

 

Ein anderes Bild:

Der Wasserspiegel steigt. Noch sitzt das Boot fest auf dem Grund. Aber dann kommt der Moment, wo ich merke, dass sich das ganze Boot bewegt und schwankt. Das Boot hat die Bodenhaftung verloren. Ich bin unterwegs. Die Landratte ist auf dem Weg ins offene Meer hinaus. Und mein Boot trägt.

Wer meint „ich glaube nur, was ich sehe,“ täuscht sich selbst. Realismus ist eine Illusion. Wir erfassen nie die gesamte Wirklichkeit. Wir wissen noch nicht einmal genug, um abschätzen zu können, wie viel uns zur Allwissenheit noch fehlt. Wir können nicht beurteilen, ob wir viel oder wenig wissen, und wir können auch nicht sicher sein, welchen Wert unser Wissen im Zusammenhang mit dem großen Ganzen hat, da wir das große Ganze noch nicht vollständig kennen.

Darum aber geht es im Glauben an Gott: Um das große Ganze. Das Unbegrenzte, Absolute. – Wir, hingegen, sind begrenzt. Unsere Wahrnehmungen und unser Verstehen sind ganz offensichtlich mangelhaft.

 

Gottesfurcht ist Anfang der Erkenntnis …

(Tanach / Altes Testament, Sprüche 1,7)

 

Glauben heißt, sich vom Vertrauten zu lösen. Leap of Faith. Sprung des Glaubens. Es ist ein Lebensstil, der dem Wissen um die eigene Begrenztheit entspricht und der offen ist für neue Erfahrungen; offen dafür, Neues zu lernen. Umso schlimmer ist es, wenn sich vermeintlich „Gläubige“ als die „Wissenden“ präsentieren, die alle Antworten besitzen. Besserwisser, die es offensichtlich nicht mehr nötig haben, von anderen zu lernen, da sie ja schon die Wahrheit besitzen.

So, wie es nicht möglich ist, alles zu wissen, so ist es allerdings auch nicht möglich zu leben, ohne Entscheidungen zu treffen. Wir müssen uns durchs Leben wurschteln, obwohl wir wissen, dass unser Verstehen der Wirklichkeit mangelhaft ist. Wir sind schwach und bedürftig. Menschen, die Hilfe und Orientierung brauchen.

Um glauben zu können, muss man auch nicht alles aufgeben, was sich schon bewährt hat. Aber man muss die totale Selbstkontrolle und seine Eigenwilligkeit aufgeben, wenn man will, dass man von  Gott  bewegt wird und für ihn brauchbar ist. Man muss Gott das Ruder überlassen. Kontrollfreaks tun sich schwer mit dem Evangelium.

Ich hab mich im Leben schon oft im Kreis gedreht. Gegrübelt und gegrübelt und bin immer wieder an denselbem Punkt angekommen. Auch so manche Diskussion zwischen Christen erscheint als festgefahren. Vielleicht ließen sich sinnlose Debatten und Spaltungen der Christenheit überwinden, wenn wir mehr bereit wären loszulassen und uns von Gott auf eine höhere Ebene heben ließen.

Was wir brauchen ist eine gute Kraft, die uns trägt und ans Ziel bringt. Eine Kraft, die über unsere eigenen Möglichkeiten hinaus geht. Es geht schließlich nicht nur um uns, sondern um alle Menschen und die gesamte Schöpfung. Wir brauchen einen Lebensstil, der einladend ist, und offen für die Möglichkeiten Gottes; Konzepte, durch die sich die guten Absichten Gottes verwirklichen können.

 

Darum gleicht jeder, der meine Worte hört und danach handelt, einem klugen Mann, der sein Haus auf felsigen Grund baut. Wenn dann ein Wolkenbruch niedergeht und die Wassermassen heranfluten und wenn der Sturm tobt und mit voller Wucht über das Haus hereinbricht, stürzt es nicht ein; es ist auf felsigen Grund gebaut.

(Matthäus-Evangelium 7,24-25)

 

Dieses feste Fundament findet man nur in der relativen Unsicherheit des Glaubens.

 

Das offene Christus-Experiment Berlin

 

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Meditierende Menschen im Madison Square Park, Manhattan, New York City; von Beyond My Ken (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY-SA 4.0-3.0-2.5-2.0-1.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0-3.0-2.5-2.0-1.0)%5D, via Wikimedia Commons
Ich konnte leider noch kein Foto vom „Offenen Christus-Experiment Berlin“ machen, da das erste Treffen ja noch nicht stattgefunden hat.  😉

 

„… Stellt mich auf die Probe“, sagt der Herr, der Herrscher der Welt, „macht den Versuch …“

(Die Bibel, Altes Testament, Maleachi 3,10)

 

Na, neugierig? – Falls ihr selbst nicht in Berlin & Umgebung wohnt, wäre es toll, wenn ihr die Info weiterleitet an Leute, die das vielleicht interessieren könnte.

 

ZUM NAMEN

„Das offene Christus Experiment“. Dies könnte fast eine Bezeichnung für die Geschichte der Christenheit sein. Mir geht es hier allerdings um ein konkretes Projekt in Berlin, bei dem man sich wöchentlich trifft. Die Idee ist geboren. Jetzt brauche ich noch ein paar Leute, die mitmachen. (Ihr verpflichtet euch dabei zu nichts.)

 

DIE IDEE

Es geht um eine kleine Gruppe, ca. 12 Personen, die sich jede Woche 2 Stunden lang treffen. (Darüber hinaus können sich die Teilnehmer natürlich so oft treffen wie sie wollen und Zeit haben). Genaue Uhrzeit und Ort können wir verhandeln, sobald sich ein paar Interessenten gefunden haben.

 

„offen“

Dies soll ein „offenes“ Experiment sein:

  • Keine Begrenzung von Gottes Möglichkeiten durch unsere Konzepte.
  • Keine Festlegung auf eine Konfession oder Tradition.
  • Offenes Ende: Das Langzeit-Experiment endet, wenn keiner mehr da ist bzw. Gott es beendet. (Jeder kann jederzeit aussteigen.)
  • Wir fangen an mit ca. 12 Teilnehmern, aber sind offen für unbegrenztes Wachstum.

 

„Christus“

 

„… wie lautet dieses Geheimnis? Christus in euch – die Hoffnung auf Gottes Herrlichkeit!“

(Neues Testament, Paulus‘ Brief an die Gemeinde in Kolossai, 1,27)

 

Ein Glaube an Gottes Wirken durch Jesus Christus in uns ist die Grundlage dieses Experiments:

  • Ohne Gott kann ich gar nichts. Gott jedoch kann alles.
  • Wir fangen mit nichts an (kein Kirchengebäude, kein Geld, kein Pfarrer, keine Organisation, kein Spenderkreis, …) und erwarten Alles von Gott.
  • Wir bitten nicht um Gottes Segen für unsere Pläne, sondern stellen uns einfach IHM zur Verfügung und achten darauf, was er mit uns macht.
  • Christus verbindet alle, die ihm vertrauen. In seiner Liebe werden wir zu einer Art „Organismus“ (Leib Jesu).
  • Gott wirkt auf ein gutes Ziel seiner Schöpfung hin, und mit seiner Hilfe sind wir in der Lage dieses Wirken in unserem Leben und in einer Gruppe aufzuspüren.
  • Wir begegnen uns nicht als Habende, Wissende und Fähige, sondern als Bedürftige. Tag für Tag brauchen wir Gott, um zu leben. Und wir brauchen auch einander, um für ihn richtig brauchbar zu werden.

 

„Experiment“

Ich weiß nicht, was Gott mit dieser Gruppe machen wird. Die Welt heutzutage ist nicht dieselbe wie im Neuen Testament in der Apostelgeschichte. Worum es geht?

  • Es geht um die Praxis, nicht nur um schöne Theorie.
  • Was funktioniert, entscheidet sich im Leben.
  • Das Ergebnis hängt von Gott ab – und von uns.

 

WAS IST ANDERS ?  WAS IST NEU ?

  • Wir orientieren uns weniger an Vergangenem und mehr an der Gegenwart und Zukunft.
  • Wir achten die Erfahrungen und Überzeugungen der Einzelnen und bemühen uns, gemeinsam zu lernen. Die Worte jedes Einzelnen sind wichtig.
  • Wir achten auf die Wirkung dessen, was in der Gruppe passiert. Gott ist gut. Sein Wirken ist heilsam für uns Menschen.
  • Wir verwirklichen nicht ein vorbereitetes Konzept, sondern entscheiden gemeinsam als Gruppe, wie wir auf dem Weg mit Gott vorangehen.

 

ZU MEINER PERSON

Die Frage nach einem besseren Christentum beschäftigt mich schon, solange ich denken kann. Ich bin christlich erzogen und in einer familiären, fundamentalistischen Freikirche mit sehr intensiver Gemeinschaft groß geworden. Später distanzierte ich mich von meinen Wurzeln und bin jetzt Mitglied in der Ev. Kirche und arbeite als Mitarbeiter für Jugendliche im Kirchenkreis Berlin Nord-Ost. Außerdem studiere ich Ev. Theologie an der Humboldt Unversität zu Berlin in Teilzeit.

Dieses Experiment ist mein „Privatvergnügen“ und hat direkt nichts mit meiner Anstellung bei der Kirche oder mit meinem Studium zu tun. Es ist auch kein Experiment im wissenschaftlichen Sinn, sondern es geht konkret nur um die Menschen, die an diesem Experiment teilnehmen und darum, was Gott aus uns macht.

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