Worte in der Wüste

 

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Caravaggio [Public domain], via Wikimedia Commons

 

Worte einer Stimme, die gewaltsam für immer zum Schweigen gebracht wird – wie so viele andere Stimmen davor und danach. Menschen, die niemandem Gewalt angetan hatten und doch Gewalt erlitten und erleiden.

Wüste. Ort der Klärung und Findung. Ort der Begegnung mit Gott und Satan. Ort der Veränderung und Berufung. Ort der Vorbereitung. – Gott führt in die Wüste, und aus ihr heraus.

 

Eine Stimme ruft: Bahnt für den Herrn einen Weg durch die Wüste! Baut in der Steppe eine ebene Straße für unseren Gott! Jedes Tal soll sich heben, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, und was hüglig ist, werde eben. Dann offenbart sich die Herrlichkeit des Herrn, alle Sterblichen werden sie sehen …

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(Die Bibel, Tanach / Altes Testament, Jesaja, 40. Kapitel, Verse 3-5)

 

Die Menschen verließen das Treiben der Stadt, um eine Stimme in der Wüste zu hören. Viele beschlossen ihr Leben zu ändern.

Aber nicht alle waren begeistert. Licht und Schatten. Die Botschaft führt in die Krise, und die Entscheidungen fallen unterschiedlich aus. Es ist ein langer Weg bis die Herrlichkeit des Herrn anbricht.

Eine Situation vieler Paare: Man sehnt sich nach einem Kind, aber es kommt keins. Von Natur aus hängt die Entstehung von Leben nicht nur von einer menschlichen Entscheidung ab. Jetzt waren sie schon alt – wie Sara und Abraham. Und als der Engel dem Priester Zacharias seinen zukünftigen Sohn Johannes ankündigt, kann dieser es kaum glauben.

In den ersten Kapiteln aller vier Evangelien wird von Johannes dem Täufer erzählt. Lukas erzählt sogar von seiner Geburt und, dass seine Mutter und Maria, die Mutter von Jesus, verwandt sind. Dennoch wissen wir kaum etwas über die Beziehung zwischen Jesus und Johannes bis Jesus von Johannes getauft wird. (Übrigens ein sehr beliebtes Motiv in der Kunstgeschichte. – Warum?) Auch in der Apostelgeschichte taucht Johannes‘ Name auf.

Es gibt kaum eine andere Gestalt im Neuen Testament (mit Ausnahme von Jesus), die von so großer Bedeutung ist wie Johannes der Täufer, und gleichzeitig so geheimnisvoll. Und obwohl er, wie Jesus, relativ jung gestorben ist und sein Leben nun schon fast 2000 Jahre zurückliegt, reden wir heute immer noch über ihn.

 

Was habt ihr von Johannes erwartet, als ihr zu ihm in die Wüste hinausgegangen seid? Wolltet ihr ein Schilfrohr sehen, das bei jedem Windhauch hin- und herschwankt? … Oder wolltet ihr einem Propheten begegnen? Ja, Johannes ist ein Prophet, und mehr als das … ich versichere euch: Von allen Menschen, die je geboren wurden, ist keiner bedeutender als Johannes der Täufer … Seit Johannes der Täufer da ist, beginnt Gottes neue Welt, wenn auch andere das mit Gewalt verhindern wollen.

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(Neues Testament, Matthäus-Evangelium 11,7-12)

 

Wie kann es sein, dass jemand, über den Jesus so große Worte sagte, in der christlichen Dogmatik kaum eine Rolle spielt? Hätte Jesus nicht einfach so auf der Bildfläche erscheinen können, ohne dass ihn jemand ankündigt? (Die Juden hatten doch sowieso schon auf den Messias gewartet.) Was hat dieser Mann heilsgeschichtlich für eine Rolle? Was bedeutet „Vorbereitung“? Was bedeutet das für uns?

Welche Wirkung hatte Johannes auf seine Zeitgenossen? Was machte er in der Wüste und warum taufte er ausgerechnet auf der Ost-Seite des Jordans und nicht etwa im See Genezareth bei den Fischern? Welche Bedeutung hatte er für das Auftreten von Jesus?

Wer war dieser Mann?

Worthaus: Johannes der Täufer – ein prophetisches Phänomen

 

Zeit & Stille

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Tonnengewölbe mit Gurtbögen: Abteikirche in Saint-Savin im Westen Frankreichs, by Lechat84 (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

 

Ein einfaches Konzept für unser gestresstes Leben.

Wir alle haben Zeit – theoretisch. Jeden Morgen neu, 24 Stunden am Tag. Wenn wir bewusst unseren Tag gestalten, unser Leben in die Hand nehmen und entscheiden, wofür wir unsere Zeit nutzen, dann haben wir die Chance, in unserem Leben zeitliche Freiräume zu schaffen für das, was wirklich wichtig ist. Noch besser wäre, wenn wir erfasst würden, von den wichtigen Fragen des Lebens selbst, getragen vom Wesentlichen, als Getriebene zu sein, von den alltäglichen Dringlichkeiten.

Der moderne Großstadtmensch findet Stille oft nur noch mit Ohren-Stöpseln. Manche suchen Stille in der Natur und auch dort hören wir das Flugzeug sich annähern und wieder entfernen. Es ist allerhöchste Zeit, in einer gestressten und reizüberfluteten Welt, dass wir in unserem eigenen Leben und in der Gesellschaft Freiräume für Zeit und Stille schaffen. Wir dürfen nicht darauf warten, dass das von alleine passiert oder es andere für uns tun – um unser selbst und anderer willen.

Vorbilder gibt es: Elija am Horeb (1. Kön. 19), Johannes der Täufer, Jesus (Mk 1,35), …

Das Motiv der Wüste taucht in biblischen Erzählungen immer wieder auf. Ein Ort der Einsamkeit, Kargheit, der Begegnung mit sich selbst, … – ein Ort der Vorbereitung.

In der Geschichte waren und sind Klöster Orte der Kontemplation. Nicht unbedingt eine gute Idee für jeden oder für alle Zeit; aber wenn man für sich selbst, für den Augenblick, eine Lösung gefunden hat, um mehr Zeit für Stille zu finden, hat man schon eine ganze Menge gewonnen.

[Eine neuere Überarbeitung dieses Artikels findet ihr hier.]