Lasst endlich die Kinder zu IHM kommen!

 

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Spielende Kinder, römisches Relief, 2. Jh. nach Chr.; Louvre [CC BY 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

 

Da sagte Jesus: »Lasst doch die Kinder! Hindert sie nicht, zu mir zu kommen; denn für Menschen wie sie steht Gottes neue Welt offen.« Dann legte er den Kindern segnend die Hände auf …
(Bibel, Neues Testament, Matthäus-Evangelium 19.Kapitel, Verse 14-15)

 

Ein beliebter Bibelvers. Viel wurde schon gesagt und geschrieben.

Es wird theologisch dogmatisiert und diskutiert über Kindertaufe, Kinder-Evangelisation, Religionsunterricht für Kinder, … – Das Thema geht uns aber noch viel tiefer und ganz persönlich an. Das Himmelreich beginnt bei mir: in meinem Herzen, meinem Alltag, meiner Familie, …

Eltern kennen das: Wir können uns den Mund fusselig reden … – doch Kinder machen oft nicht das, was wir sagen. Aber das Leben, das wir ihnen vorleben, bleibt in ihnen für den Rest ihres Lebens.

Eine rauchende Mutter mag ihrem Kind den guten Rat geben: „Fang bloß nicht an zu rauchen …“ – Aber Kinder scheinen sich mehr an dem zu orientieren, was wir vorleben, als an dem, was wir sagen.

Manche von uns haben viel Bibelwissen und können mitreden. Manche haben schon eine lange Geschichte als Christen und tragen mit sich viel liebgewordene christliche Tradition. Wir bringen das auch unseren Kindern bei: Glaubensbekenntnis, Katechismus, Christenlehre, Familienandachten, … – Christentum im Kopf und ein leeres Herz. In den Kirchen und Gemeinden sind wir engagiert und nett und zuhause geht die Familie den Bach runter …

 

Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer! Ihr Heuchler! Ihr versperrt anderen den Zugang zu Gottes himmlischem Reich. Denn ihr selbst geht nicht hinein, und die hineinwollen, hindert ihr auch noch daran.

(Matthäus-Evangelium 23,13)

 

Wir sind alle bedürftig. Es gibt so viel Mangel und Not …

Kinder sind klein und schwach und abhängig.

Wenn Jesus unser Leben ist, wenn ER uns lebt, dann können auch unsere Kinder zu ihm kommen. Sie werden mit hinein genommen in das göttliche Leben, das aus uns ausfließt.

 

Wer an mich glaubt, wird erfahren, was die Heilige Schrift sagt: Von seinem Inneren wird Leben spendendes Wasser ausgehen wie ein starker Strom.

(Johannes-Evangelium 7,38)

 

Heiligung. Gott macht unsere Seele gesund und „heilt all unsere Gebrechen“. Er ist der gute Hirte, der uns mit allem versorgt. Bei ihm ist kein Mangel. Wenn wir unser Altes loslassen, macht er alles neu.

Er fügt uns ein in die Gemeinschaft der Heiligen. Eine Generation aus Königen und Priestern. Wie  ein  Organismus wirken alle zusammen. Was einer nicht kann, kann der andere. Gott schenkt Befähigung, so wie es der Organismus braucht; und alle wachsen gemeinsam und zusammen der Ganzheit entgegen. Gott ist Liebe.

Christus in uns – die Hoffnung der Herrlichkeit. Immer wieder suchen wir seinen Frieden, und er wird uns geschenkt, in einer Weise, die wir nicht verstehen. Gottes Wirken erfasst uns und führt uns mit sich im Strom des Lebens.

Er macht unser Leben hell und führt uns auf einem guten Weg. Er gießt seine Liebe in unsere Herzen …

Wir sind das Licht der Welt. Unsere Kinder finden Sicherheit und Orientierung in dem Licht, das von uns ausgeht. Unsere Liebe wärmt ihre Seelen.

 

 Ich versichere euch: Wer sich Gottes Reich nicht wie ein Kind schenken lässt, der wird ganz sicher nicht hineinkommen.

(Lukas-Evangelium 18,17)

 

Lasst doch endlich die Kinder zu ihm kommen …

 

AWAKE – Ein Reiseführer ins Erwachen

 

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Aussicht bei Sonnenuntergang von der Rückseite des Wasserfalls Seljalandsfoss (Island); von Diego Delso [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)%5D, via Wikimedia Commons  [Wird nicht im Film gezeigt.]

 

„Awake“. – Wikipedia kennt leider nur den US-amerikanischen Thriller aus dem Jahr 2007. Fünf Jahre später wurde allerdings eine österreichische Produktion mit demselben Titel veröffentlicht (Untertitel: „Ein Reiseführer ins Erwachen“) und erhielt im selben Jahr den „Cosmis Cine Award“.

 

Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht; denn Gott ist Liebe.

(Die Bibel, 1. Johannesbrief, 4. Kapitel, Vers 8)

 

„Awake“ ist kein christlicher Film. Die österreichische Regisseurin Catharina Roland machte sich – aus einer inneren Not heraus – auf eine Reise um die Welt, um mit Gelehrten und spirituellen Lehrern über die tiefen Fragen des Lebens zu sprechen. Herausgekommen ist ein beeindruckender Dokumentarfilm über praxistaugliche Spiritualität in unserer Zeit.

Zu Wort kommen in dem Film Menschen wie Bruce Lipton, Neale Donald Walsch, Rüdiger Dahlke, Dieter Broers, Ervin László, Arjuna Ardagh, Barbara Marx Hubbard, Eric Pearl, Kiara Windrider, Daniel Pinchbeck, Canamay-Te und Esther Kochte.

Zum Film gibt es ein Praxis-Buch, das die ganze Sache noch praxistauglicher macht. (Für alle, die gerne auch ein Buch zum Lesen haben …)

Wie immer, braucht man nicht mit allem Gesagten übereinstimmen, und kann dennoch Wertvolles für sich mitnehmen. Mit den Bildern und der Musik ist es auf jedem Fall einfach ein schöner Film.

Den YouTube-Trailer findet ihr hier.

Allen Christen, die über solche Produktionen die Nase rümpfen, sei gesagt:

Zeigt doch mal her, wie tiefgehend, einfach, belebend, schön, nachhaltig, in sich stimmig und praxistauglich das ist, was ihr anzubieten habt.  😉

 

Schließlich, meine lieben Brüder und Schwestern, orientiert euch an dem, was wahrhaftig, vorbildlich und gerecht, was redlich und liebenswert ist und einen guten Ruf hat. Beschäftigt euch mit den Dingen, die auch bei euren Mitmenschen als Tugend gelten und Lob verdienen.

(Neues Testament, Paulus‘ Brief an die Gemeide in Philippi, 4,8)

 

[ Allen Bibelvers-auswendig-Lernern ist wahrscheinlich aufgefallen, dass beide Bibelstellen der 8. Vers im 4. Kapitel sind.  🙂  ]

 

Gesucht: Führer für gesunde christliche Spiritualität

 

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Päpste bei der Anbetung des Lammes (Teilansicht des Genter Altars von Jan van Eyck); Hubert van Eyck [Public domain or Public domain], via Wikimedia Commons

 

»So spricht der HERR:
Wehe euch, ihr Führer meines Volkes! Ihr seid Hirten, die ihre Herde auseinandertreiben und zugrunde richten! Ich hatte euch befohlen, die Menschen meines Volkes wie Schafe zu weiden. Aber ihr habt sie zerstreut und davongejagt, anstatt für sie zu sorgen. Darum sorge ich nun dafür, dass eure Vergehen bestraft werden! Das sage ich, der HERR, der Gott Israels. Mein Wort gilt!
Ich selbst werde die Schafe sammeln, die noch von meiner Herde übrig geblieben sind. Aus allen Ländern, in die ich sie vertrieben habe, bringe ich sie in ihre Heimat zurück. Dort werden sie sich wieder vermehren und das Land bevölkern. Ich werde Hirten über sie einsetzen, die sie auf gute Weide führen. Dann werden sie sich nicht mehr fürchten und keine Angst mehr haben; niemand von ihnen geht verloren. Das verspreche ich, der HERR.
(Die Bibel, Tanach / Altes Testament, Jeremia 23. Kapitel, Verse 1-4)

 

„Na, was möchtest du mal werden, wenn du groß bist?“

Wie oft hört ein Kind wohl diese Frage? Und wie viel Wissen und wie viel Lebenserfahrung besitzt es, um auf diese Frage eine sinnvolle Antwort zu geben?

Wenn die Anzahl der Jahre bis zur Rente überschaubarer werden, fühlt sich die Frage, was man mit dem Rest seines Lebens machen will, noch etwas anders an. Manches, was man geleistet hat, erscheint rückblickend als wenig sinnvoll oder nachhaltig – auch als Christ. (Obgleich es sicherlich nicht unsere Aufgabe ist, ein abschließendes Urteil über unser Lebenswerk zu fällen.)

Ich hab mir die Frage gestellt: Wenn ich die freie Wahl hätte, auf welchem Arbeitsplatz würde ich gerne arbeiten? In was möchte ich meine restliche Arbeitskraft gerne investieren?

Führer für gesunde christliche Spiritualität

Wie wird man so etwas? Gibt es dafür irgendwo eine Ausbildung? Und, wenn man mit der Ausbildung fertig ist: Gibt es eine entsprechende Stelle, oder müsste so ein Arbeitsplatz erst noch geschaffen werden?

Ich bin schon als Kind christlich aufgewachsen und bin quasi seit fünf Jahrzehnten „Teil der Christenheit“. Ich habe den Eindruck, dass wir heutzutage nichts dringender brauchen als gesunde Spiritualität. Auch im Christentum.

Dass das Christentum entstanden ist, bedeutet nicht, dass es zu irgend einem Zeitpunkt jemals vollkommen gewesen ist. Vielmehr sehen wir schon in den neutestamentlichen Texten selbst, wie schwierig das Gestalten und die Ausbreitung einer gesunden christlichen Spiritualität schon von Anfang an gewesen ist.

Es reicht nicht zu glauben, dass Gott sich in Jesus offenbart hat; wir brauchen auch Wege, wie Christus sich heute, 2000 Jahre später, in und durch uns verwirklichen kann: als Einzelne, in unseren Herzen, unserem Alltag und Privatleben, und auch in unseren Gemeinschaften.

 

 Und so hat Christus denn auch seine Gemeinde beschenkt:
Er hat ihr die Apostel gegeben, die Propheten und Verkündiger der rettenden Botschaft, genauso wie die Hirten und Lehrer, welche die Gemeinde leiten und im Glauben unterweisen. Sie alle sollen die Christen für ihren Dienst ausrüsten, damit die Gemeinde, der Leib von Christus, aufgebaut und vollendet wird.
Dadurch werden wir im Glauben immer mehr eins werden und miteinander den Sohn Gottes immer besser kennen lernen. Wir sollen zu mündigen Christen heranreifen, zu einer Gemeinde, die ihn in seiner ganzen Fülle widerspiegelt.
(Neues Testament, Paulus‘ Brief an die Gemeinde in Ephesus, 4,11-13)

 

BIBEL. JETZT. (7) – heftig und klettig

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Christian Fischer [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

 

… „Komm, wir gehen aufs Feld hinaus.“ Als sie dort waren, fiel Kain über seinen Bruder her und schlug ihn tot.

Da fragte der Herr Kain: „Wo ist dein Bruder Abel? … Das Blut deines Bruders schreit zu mir? … Von jetzt an sollst du ein Flüchtling sein, der heimatlos von Ort zu Ort irrt.“

Kain entgegnete dem Herrn: „Meine Strafe ist zu hart, ich kann sie nicht ertragen!“

                                                                 (Die Bibel, Tanach / Altes Testament, Bereschith / Genesis / 1. Mose, 4. Kapitel, Verse 8-13)

 

Es gibt krasse Szenen in der Bibel, in denen es an die Substanz menschlichen Zusammenlebens geht. Gleich auf den ersten Seiten ermordet Kain seinen nichts ahnenden Bruder. Ein paar Seiten später werden zwei Schwestern von ihrem Vater schwanger, und ein Mann ist bereit seinen eigenen Sohn für Gott zu schlachten.

 

Als sie an den Ort kamen, den ihm Gott genannt hatte, baute Abraham den Altar, schichtete das Holz auf, fesselte seinen Sohn Isaak und legte ihn auf den Altar, oben auf das Holz. Schon streckte Abraham seine Hand aus und nahm das Messer, um seinen Sohn zu schlachten.

(Bereschith / Genesis / 1. Mose 22,9-10)

 

Viele biblische Erzählungen sind nicht glatt und geschmeidig und rutschen mal so eben gefällig durch das Gehirn; sondern sie sind sperrig und verstörend. – Gott lässt fast die ganze Menschheit, inkl. vieler Tiere, in einer gewaltigen Flut absaufen. Nur ein paar überleben in einer Rettungskapsel – und dann fängt wieder alles von vorne an …

Wer etwas Kuscheliges zum Einschlafen sucht, sollte besser zu einem anderen Buch greifen. Es gibt zwar einige utopische Texte und Verse, in denen eine bessere Welt beschrieben oder verheißen wird, aber die meisten biblischen Texte beschreiben keine heile Welt, sondern sind Texte des realen Lebens: Menschen, Alltag, Macht, Freude und Leid, Blut und Schweiß und Tränen. Sie laden nicht nur zum Nachdenken ein, sondern sie berühren im Kern der eigenen Existenz. Sie fordern uns heraus, indem sie verlangen, dass wir alles auf eine Karte setzen.

Eine der großen Sünden der Christenheit ist das Glattbügeln biblischer Texte und Aussagen. Wir hätten gerne ein harmonisches, erbauliches Ganzes; aber was wir haben, ist eine Sammlung von Texten, die nicht so geschmeidig zusammen passen und die auch nicht gefallen wollen. Die Bibel ist das historische Zeugnis eines Prozesses des Nachdenkens und des Austauschs von Gott-Suchenden und Glaubenden. Gemeinschaft von Frommen als Diskursgemeinschaft.

Viele biblischen Verse sind Worte mit Widerhaken – wie Kletten. Sie setzen sich fest. Sie berühren, und sie stören und verstören. Sie nagen an unseren Vorstellungen und Sehnsüchten von Gott und der Welt. Bleiben irgendwo hängen und werden weitergetragen …

 

… Ein Sämann ging aufs Feld, um zu säen. Als er säte, fiel ein Teil der Körner auf den Weg und die Vögel kamen und fraßen sie. Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war; als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte. Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat. Ein anderer Teil schließlich fiel auf guten Boden und brachte Frucht …

(Neues Testament, Matthäus-Evangelium, 13,3-8)

 

Evangelium. Eine gute Nachricht für eine ausgehungerte Welt. Licht in der Dunkelheit. Worte des Vertrauens und der Liebe, die uns drängen, Teil der Bewegung Gottes in seiner Welt zu werden und uns selbst ganz hinzugeben. Der Mann des Leidens aus Nazareth hat Gott vertraut und das Himmelreich für uns aufgeschlossen.

 

Was wir auch tun, wir tun es aus der Liebe, die Christus uns geschenkt hat – sie lässt uns keine andere Wahl. Wir sind davon überzeugt: Weil einer für alle Menschen starb, sind sie alle gestorben. Und Christus ist deshalb für alle gestorben, damit alle, die leben, nicht länger für sich selbst leben, sondern für Christus, der für sie gestorben und auferstanden ist.

(Paulus‘ 2. Brief an die Gemeinde in Korinth, 5,14-15)

 

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Geliebt und gehasst: Christmas is coming soon to a place near you

 

New Life
By The Cookiemonster [CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)%5D, via Wikimedia Commons

 

Weihnachten. Nur eine leere Verpackung? Tradition ohne Bedeutung? Hübsch eingepackt – aber nichts drin? Eine Mogelpackung?

Was feiern wir noch mal?

Auch für die Menschen, die wirklich noch die Erzählung von der Geburt von Jesus aus Nazareth ernst nehmen, stellt sich die Frage, welchen Sinn das Feiern von etwas macht, das 2000 Jahre her ist? Mit welchen frommen, oder auch weniger frommen, Weihnachtstricks können wir diesem Spitzenprodukt christlicher Tradition wieder Bedeutung für das Leben der Menschen verschaffen? Und ist dieses Anliegen überhaupt sinnvoll? Gibt es vielleicht Wichtigeres zu tun?

Weihnachten ist kein jüdisches Fest und es war auch kein Feiertag der ersten Christen. Die Frage, ob Weihnachten überhaupt ein christliches Fest ist, kann man stellen. Und das in mehr als einer Hinsicht.

Wenn man in diesen Tagen um sich schaut, können einem bei dem Marktführer christlicher Feiertage schon Zweifel kommen: die umsatzstärkste Zeit des Jahres, ein Exzess unseres Wirtschaftssystems, Hochkonjunktur für die Müllabfuhr … und wir alle machen mit – alle Jahre wieder.

Aber inmitten aller „Jingle Bells“ ist auch noch eine kleine, leise Stimme zu hören –
für alle, die lauschen:

 

Und ein Spross wird hervorgehen aus dem Stumpf Isais,
und ein Schössling aus seinen Wurzeln wird Frucht bringen.
Und auf ihm wird ruhen der Geist des HERRN,
der Geist der Weisheit und des Verstandes,
der Geist des Rates und der Kraft,
der Geist der Erkenntnis und Furcht des HERRN

(Die Bibel / Tanach, Jesaja, 11. Kapitel, Verse 1-2)

 

Es ist ein Ros entsprungen
aus einer Wurzel zart,
wie uns die Alten sungen,
von Jesse kam die Art
und hat ein Blümlein bracht
mitten im kalten Winter,
wohl zu der halben Nacht.

 

(https://de.wikipedia.org/wiki/Es_ist_ein_Ros_entsprungen)

 

 

Hat der Weihnachtsfrust und die enttäuschten Erwartungen auf familiäre Harmonie vielleicht auch etwas damit zu tun, dass wir den Mittelpunkt des Lebens verloren haben?

Gleichgewicht verloren. Sinn aus den Fugen geraten. Verirrte müssten sich wieder finden lassen …

Hoffnung. Licht in der Dunkelheit. Ein Gedenktag, der Orientierung geben kann. Gott wird Mensch. Majestät wird zum Kind. Großes ganz klein. Große Erwartungen nicht an uns selbst, unsere Familie und Verwandten oder an einen alljährlichen Feiertag, sondern große Erwartungen an den, der aus dem Senfkorn einen Baum wachsen lässt. Glaube, der Berge versetzt.

Auch heute noch suchen Menschen einen Ort der Ruhe und Sicherheit – wie Maria & Josef. Und auch heute noch sucht Jesus eine Welt, die er auf den Kopf stellen kann. Vielleicht kann der Advent Gottes in seine Welt noch einmal, diese Welt verzaubern. Vielleicht fängt es in deinem Leben an.

 

Glaube an die Bibel ǂ Glaube an Jesus

 

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Christus Pantokrator, Ikone im Katharinenkloster auf dem Sinai (6. Jh), ,by Anonymous ([1]) [Public domain], via Wikimedia Commons

 

Ein Glaube an die Bibel ist nicht dasselbe wie ein Glaube an Jesus, sondern geht über den Glauben an Jesus hinaus. Die allerersten Christen hatten noch keine „christliche“ Bibel, so wie wir sie kennen. Die neutestamentlichen Schriften entstanden erst in den nachfolgenden Jahrzehnten. Die ersten Christen waren Juden, die dieselben heiligen Texte lasen, wie die anderen frommen Juden ihrer Zeit. Die „christliche“ Bibel als Sammlung in einem Buch ist sogar erst Jahrhunderte später entstanden.

Für einen Glauben an Jesus brauchen wir natürlich gute historische Zeugnisse, denn das Leben und Sterben von Jesus waren ja historische Ereignisse. Wir haben da sicherlich auch kaum bessere Quellen als die neutestamentlichen Texte; deshalb sind diese Texte für uns auch unendlich wertvoll. Die neutestamentlichen Texte selbst präsentieren sich allerdings nicht als heilige Texte. Wir haben im Neuen Testament keine Texte, die sich selbst so darstellen wie z.B. die jüdische Tora oder die Schriftpropheten in unserem Alten Testament (abgesehen vielleicht von der Offenbarung des Johannes).

 

Siehe, ich habe dir heute vorgelegt das Leben und das Gute, den Tod und das Böse. Wenn du gehorchst den Geboten des HERRN, deines Gottes, die ich dir heute gebiete, …
Die Bibel, Tanach / Altes Testament, Devarim / Deuteronomium / 5. Mose, 30. Kapitel, Verse 15-16)

 

Die ersten Christen gingen mit ihren Texten auch anders um, als es viele Christen heutezutage mit ihren Bibeln tun. Das frühe Christentum war keine Buchreligion, mit der „christlichen“ Bibel als heiliges Buch. Dies macht deutlich, dass sich das Christentum verändert hat. Die Jesus-Anhänger wurden ja auch „Christen“ und nicht „Biblianer“ genannt.

Wir sehen im Neuen Testament selbst wie z.B. Paulus um seine Anerkennung unter den Gläubigen kämpfen musste (er war ja auch nicht einer von den Zwölf Aposteln). Heute würde vielleicht jemand sagen: „Hey Leute, natürlich hat Paulus recht. Seine Briefe stehen doch in der Bibel!“  😉

Den biblischen, insbesondere den neutestamentlichen Texten, wurde eine Bibel-Ideologie übergestülpt, weil man ein einheitliches heiliges Buch haben wollte. Dies war auch eine Macht-Frage. Aus einer spirituellen Jesus-Bewegung wurde eine erstarrte Buchreligion unter der viele fromme Christen noch heute leiden. Verbunden mit einer Menge kirchlicher Strukturen, etablierten religiösen Traditionen und so mancher Schein-Heiligkeit.

 

„Jésus annonçait le royaume, et c’est l’Église qui est venue.“  /

„Jesus kündete das Reich Gottes an und gekommen ist die Kirche.“

(Alfred Loisy)

 

Natürlich beinhaltet ein Bibel-Glaube auch einen gewissen Jesus-Glauben. Entscheidend ist allerdings, ob ich Jesus auch die vollständige Macht über mein Leben gebe, oder ob ich es lieber versuche mit einem heiligen Buch zu regeln. Texte lassen sich leichter kontrollieren als der Geist Gottes …

Der Weg Jesu ist ein spiritueller Weg. Er reicht hinab bis in die Abgründe unserer Seele. Er heilt die Wurzel unseres Lebens. Durch den Entschluss, Kontrolle und Macht aufzugeben, eröffnet sich ein Raum des Vertrauens, in dem Gott uns verändern und gebrauchen kann für die Heilung und Vollendung seiner Schöpfung.