Du schaffst es nicht alleine!

 

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Säugling beim Babyschwimmkurs, by MasterFinally (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

 

„Was schaff‘ ich nicht alleine?“

Babys verbringen wohl die meiste Zeit mit Schlafen. Den Rest der Zeit kriegen sie dann noch damit rum, sich umsorgen zu lassen. Dabei lernen sie allerdings schon ungeheuer viel:  Die Umwelt wahrnehmen, sich mit dem Pflegepersonal vertraut machen, Körperbeherrschung, Gleichgewicht, …

Sobald sie dann etwas können, wollen sie es auch unbedingt selber machen: „Ich kann alleine!“ (sofern sie überhaupt schon sprechen können).

Im Alter, wenn der Mensch gebrechlicher wird, ist er oft auf Hilfsmittel angewiesen. Manchmal braucht er auch die Unterstützung von anderen Menschen, weil er nicht mehr alleine zurecht kommt. Und manche Menschen werden schon mit so starken Behinderungen geboren, dass sie ein Leben lang auf die Unterstützung durch andere Menschen angewiesen sind.

Gesunde Menschen können alleine aufstehen, sich anziehen, waschen, Einkaufen gehen, … – und dennoch sind auch fast alle gesunden Menschen keine 100%igen Selbstversorger. Und selbst die, die ihr Essen sogar selber anbauen können und ihre Kleidung selber nähen, würden bei Bedarf wahrscheinlich auch nicht auf die Hilfe von Polizei, Feuerwehr, Arzt, Krankenhauses, Apotheke, … verzichten wollen. Vom Internet ganz zu schweigen!

Wer Lust hat auszuprobieren, ob er es schafft, in der Wildnis zu überleben, kann das machen. Und wenn er das lang genug überlebt hat, kann er sich vielleicht auch noch entscheiden, ob er den Rest seines Lebens so verbringen will.

All dies lässt uns erkennen, dass so ziemlich alle Menschen für das Leben, das sie leben wollen, auf die Zusammenarbeit mit und Unterstützung durch andere Menschen angewiesen sind. Wir schaffen es nicht alleine!  –  Besonders für Menschen mit ausgeprägtem Unabhängigkeitsbedürfnis keine total angenehme Einsicht.

Wir sind soziale Wesen, social animals. Um glücklich oder wenigstens zufrieden zu sein, brauchen wir in der Regel noch ein paar Andere zum Kuscheln oder Lausen. Das geht auch nicht so gut alleine. Vom Fortpflanzen mal ganz abgesehen.  –  Wir brauchen einander, und gehen uns auf die Nerven.

Der christliche Glaube spricht noch von etwas Anderem: Dem Wirken Gottes in dieser Welt. Auch durch uns Menschen. Das Haus Gottes bauen, seine Herrschaft aufrichten, seine Gerechtigkeit durchsetzen, Gottes Frieden (Schalom) zu den Menschen, …  –  das schaffen wir auch nicht alleine. Gott selbst ist es, der dies wirkt. Und er will dafür zum Glück nicht nur mich allein benutzen, sondern alle, die mitmachen wollen. (Alleine würde ich es ja auch nicht schaffen.)

 

So wie unser Leib aus vielen Gliedern besteht und diese Glieder einen Leib bilden, so ist es auch bei Christus: Sein Leib, die Gemeinde, besteht aus vielen Gliedern und ist doch ein einziger Leib …
Nun besteht ein Körper aus vielen einzelnen Gliedern, nicht nur aus einem einzigen. Selbst wenn der Fuß behaupten würde: »Ich gehöre nicht zum Leib, weil ich keine Hand bin!«, er bliebe trotzdem ein Teil des Körpers. Und wenn das Ohr erklären würde: »Ich bin kein Auge, darum gehöre ich nicht zum Leib!«, es gehörte dennoch dazu.
Angenommen, der ganze Körper bestünde nur aus Augen, wie könnten wir dann hören? Oder der ganze Leib bestünde nur aus Ohren, wie könnten wir dann riechen? …
Darum kann das Auge nicht zur Hand sagen: »Ich brauche dich nicht!« Und der Kopf kann nicht zu den Füßen sagen: »Ihr seid überflüssig!« Vielmehr sind gerade die Teile des Körpers, die schwächer und unbedeutender erscheinen, besonders wichtig …
Nach seinem Willen soll unser Leib nämlich eine untrennbare Einheit sein, in der jeder einzelne Körperteil für den anderen da ist. Leidet ein Teil des Körpers, so leiden alle anderen mit, und wird ein Teil geehrt, freuen sich auch alle anderen …
Aber jeder Einzelne soll sich um die Gaben bemühen, die der Gemeinde am meisten nützen. Und jetzt zeige ich euch den einzigartigen Weg dahin …
Was bleibt, sind Glaube, Hoffnung und Liebe. Von diesen dreien aber ist die Liebe das Größte.
(Die Bibel, Neues Testament, der erste Brief von Paulus
an die Gemeinde in Korinth, 12. und 13. Kapitel)

 

In der Bibel wird das Bild des menschlichen Körpers benutzt: Verschiedene Körperteile für unterschiedliche Aufgaben. Nicht einer kann Alles, und nicht alle können genau Dasselbe. Von Paulus heißt es, dass er ein genau ausgewähltes Werkzeug war für die Aufgabe, die Gott für ihn hatte. Doch auch er zog nicht alleine als einsamer Superheld durch die Lande.

Was hat diese Einsicht für Konsequenzen? Was bedeutet sie für meine Strategie und Taktik?

Team-Work.

Und das nicht nur als programmatischen Vorsatz, sondern im Leben. Jeden Tag. Sonntag. Alltag. Gemeinsam leben. Gemeinsam arbeiten. Für Gott.

 

Denn ich sehne mich sehr danach, euch persönlich kennenzulernen, damit ich euch etwas von dem weitergeben kann, was Gott mir geschenkt hat, und ihr gestärkt werdet – besser gesagt, damit wir, wenn ich bei euch bin, durch unseren gemeinsamen Glauben gegenseitig ermutigt werden.

(Die Bibel, Neues Testament, Paulus‘ Brief an die Gemeinde in Rom: Kapitel 1,Verse 11-12)

 

Es mag vorkommen, dass ich mich mal irgendwo als Einzelkämpfer Gottes wiederfinde … – aber grundsätzlich arbeiten die Mitarbeiter Gottes im Team. Die klassische Ein-Pastor-Gemeinde, wie sie leider noch mancherorts vorkommt, ist Frage-würdig. Auch als christlicher Individualist, irgendein Projekt allein durchziehen zu wollen, ist fragwürdig. Wenn bei meinem Projekt keiner mitmachen will, ist es dann wirklich trotzdem das richtige Projekt zur richtigen Zeit? Und wenn ich mich mit anderen nicht so gut verstehe und nicht so gern zusammenarbeite, stimmt dann vielleicht etwas mit mir nicht? Und kann man da was machen?

Das gemeinsame Leben und Arbeiten ist nicht einfach nur eine gute Strategie, es ist das Sichtbarwerden unseres Wesens: Wir sind als Menschen für das gemeinsame Leben geschaffen und sind in Christus auch spirituell untrennbar miteinander verbunden. Wir stärken einander, und schwächen einander. Wir leiden an einander, und genießen einander.

 

 

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Andacht

 

Andacht
Von mir.  🙂   [public domain]

 

 

… Mein Vater, wenn es möglich ist, dann lass den Kelch an mir vorübergehen und erspare mir dieses Leiden! Aber nicht was ich will, sondern was du willst, soll geschehen.

 

(Jesus in Gethsemane – Bibel, Neues Testament, Matthäus-Evangelium, 26. Kapitel, Vers 39)

 

 

Sich fügen in den Willen Gottes. Jede Ausrede und jeder Widerspruch verstummt. In der Klarheit des Weges verblassen alle Alternativen. Die innere Gewissheit ist der Kompass, der die Richtung gibt.

 

 

… ich bin mit Christus gekreuzigt. Nicht mehr ich bin es, der lebt, nein, Christus lebt in mir. Und solange ich noch dieses irdische Leben habe, lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mir seine Liebe erwiesen und sich selbst für mich hingegeben hat.

 

(Neues Testament, Paulus‘ Brief an die Galater, 2,19-20)

 

Andacht. Denken an das Wesentliche. Kontemplation. Ich versenke mich in das, was mich unbedingt angeht. Kein Wenn, kein Aber. Ich füge mich in das große Ganze, von dem ich ein Teil bin. Ich ordne mich ein in den Willen Gottes. Ich lass mich erfassen vom Wirken Gottes in seiner Welt …

 

… Richtet eure Gedanken ganz auf die Dinge, die wahr und achtenswert, gerecht, rein und unanstößig sind und allgemeine Zustimmung verdienen; beschäftigt euch mit dem, was vorbildlich ist und zu Recht gelobt wird. Haltet euch bei allem, was ihr tut, an die Botschaft, die euch verkündet worden ist und die ihr angenommen habt; lebt so, wie ich es euch gesagt und vorgelebt habe. Dann wird der Gott des Friedens mit euch sein.

 

(Philipperbrief 4,8-9)

 

 

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„Die Opferung von Isaak“ von Caravaggio, via Wikipedia, public domain

 

Die Übermacht ist zu groß, der Gegner zu stark, der Feind zu unnachgiebig und unangreifbar. Ich hab keine Chance. – Was kann man da noch machen? Und was machen solche Erfahrungen mit uns?

 

Jeden Tag werde ich zum Opfer. Ich erleide Dinge, die ich nicht gewollt oder verdient habe. Oft nur Kleinigkeiten, aber manchmal auch traumatische Erfahrungen, die mich zu einem anderen Menschen machen.

 

 Ihr Väter, behandelt eure Kinder nicht zu streng, damit sie nicht ängstlich und mutlos werden.

(Die Bibel, Neues Testament, Kolosserbrief, 3, Kapitel, Vers 21)

 

Die einzigen Götter, die wir jemals kennengelernt haben, waren unsere Eltern. Vielleicht war es auch eine alleinerziehende Mama oder der einsame Papa, eine Kinderkrankenschwester oder ein Erzieher im Kinderheim. Die großen Hände, die uns hochgenommen, und die starken Arme, die uns gehalten haben, garantierten Geborgenheit und Umsorgtsein – oder auch nicht.

Allmächtig, allwissend, oberste Autorität. Kein Wenn, kein Aber. Stimme und Augen, die trösten und leiten. Ihre Worte und ihr Verhalten lehrten Denken und Sprechen. Sie waren eine rätselhafte Quelle von Freud und Leid.

 

Dann griff er nach dem Messer, um seinen Sohn zu töten. ‚Abraham, Abraham!‘, rief da der Engel des Herrn vom Himmel … ‚Leg das Messer beiseite, und tu dem Jungen nichts! …

(Tanach/Bibel, Tora, Bereschith/Genesis/1. Mose, 22. Kapitel, Verse 10-12)

 

Wie oft schon ist das Glück von Kindern auf den Altären von Ideologien oder persönlichen Interessen geopfert worden? – Keine Zeit für Kinder; wir sind gerade so beschäftigt …

Wie oft schon sind Kinder von ihrem Schicksal erlöst worden, weil jemand Erbarmen mit einem schwachen Kind hatte und eingriff und eine Wendung herbeiführte; weil sich jemand fand, der Zeit hatte …

Erinnerst du dich noch an deine Kindheit? An Freud und Leid? An die glücklichsten Momente?

 

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Sigmund Freund Porträt von Max Halberstadt [Public domain], via Wikimedia Commons

 

Kindheit kann sehr harmonisch sein, wenn die Rahmenbedingungen stimmen und sich Eltern und Kinder aufeinander einlassen und sich gut aufeinander eingestellt haben. Alles eine Frage der Einstellung. Früher oder später, jedoch, wird auch eine solche Harmonie gestört. und das Aushalten auftretender Spannungen und das Verarbeiten entsprechender Konflikte ist ein notwendiger Teil des Erwachsenwerdens für Kinder und Eltern.

Wir beginnen als Kinder in einem Zustand völliger Abhängigkeit und werden zunehmend Selbst-bewusster und mündiger. Dennoch werden wir uns niemals völlig lösen von der Verbundenheit zu all den Generationen, die vor uns gewesen sind. (Wir haben’s in den Genen und im Gedächtnis.) Wir werden immer auf den Schultern derer stehen, die vor uns gelebt haben.

Wenn wir älter werden und dann vielleicht auch irgendwann einmal selbst Kinder haben, verstehen wir immer besser, dass auch unsere Eltern nur Menschen waren wie wir; dass sie selbst auch einmal die kleinen Kinder von Oma & Opa waren, welche wiederum mal die kleinen Kinder von Uroma & Uropa gewesen waren, welche wiederum … – Wir fangen an zu verstehen, dass wir alle Glieder einer Kette sind, über die das Geheimnis menschlichen Lebens von einer Generation an die nächste weitergegeben wird und immer wieder neu Gestalt annimmt.

Eltern sind nicht allmächtig. Wieviele Eltern wollten schon, dass es ihre Kinder einmal besser haben sollten? Man hatte so viele Wünsche und Pläne … und es kam ganz anders, als man gehofft hatte.

Eltern und Kinder. Ein Thema so alt wie die Menschheit. Es gibt Tausende von Büchern und Experten, und doch muss jede Generation und jede Familie immer wieder neu dieses Abenteuer bewältigen. Gibt es Ratschläge, die für alle und immer gut sind?

 

Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, wie dir der Herr, dein Gott, geboten hat, auf dass du lange lebest und dir’s wohlgehe in dem Lande, das dir der Herr, dein Gott, geben wird.

(Tanach/Bibel, Tora, Devarim/Deuteronomium/5.Mose 5,16)

 

Und viele Jahrhunderte später kommentiert einer der ersten Christen, Paulus:

 

Ihr Kinder, seid gehorsam euren Eltern in dem Herrn; denn das ist recht. ‚Ehre Vater und Mutter‘, das ist das erste Gebot, das eine Verheißung hat: ‚auf dass dir’s wohlgehe und du lange lebest auf Erden‘. Und ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn, sondern erzieht sie in der Zucht und Ermahnung des Herrn.

(Die Bibel, Neues Testament, 1. Brief von Paulus an die Gemeinde in Ephesus, 6,1-4)

 

Unsere Eltern zu achten und uns entsprechend zu verhalten, ist wichtig für uns selbst und unsere Gesellschaft. Es ist grundlegend für die Weitergabe des Lebens von Generation zu Generation – und das nicht nur aus praktischen Erwägungen.

Jesus lehrt in der Bergpredigt, gleich im Anschluss an das sogenannte „Vaterunser“:

 

Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.

(Matthäus-Evangelium 6,15).

 

Dies gilt im Allgemeinen für alle Menschen – und für Eltern im Besonderen. Wenn ich meinen Eltern nicht vergebe, ist das Band der Generationen an dieser Stelle gerissen; und wenn ich sie nicht annehme, wie sie sind, bleibe ich verwaist zurück.

Kann man ein Gleichgewicht finden zwischen Abhängigkeit und sinnloser Verbitterung? Einen Weg finden vom Zorn und Schmerz zum Trost? Wie könnte man Eltern vergeben? Vielleicht wenn man Liebe kennenlernt, die man nicht verdienen musste?

 

Gott hingegen beweist uns seine Liebe dadurch, dass Christus für uns starb, als wir noch Sünder waren.

(Römerbrief 5,8)

 

Als kleine Kinder erleben wir unsere Eltern wie Götter, und später hören wir Menschen von Gott reden. Gott ist anders als unsere Eltern, aber haben unsere Vorstellungen von Gott vielleicht trotzdem damit zu tun, wie wir unsere Eltern erfahren haben?

Ohnmächtig, so erscheinen wir oft oder fühlen uns selbst. Erfahren wir Gott in unserem Leben nur als eine Macht, der wir ohnmächtig gegenüber stehen, oder auch als eine, die uns befähigt und ermächigt?

 

Liebe fragt. Frag würdig!

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Mutter mit Kind. Fotografie von Gertrude Käsebier (1890) [Public domain], via Wikimedia Commons

Religion ist schon längst nicht mehr selbstverständlich. Als ein frommer Mensch wird man hinterfragt. Und manche Fragen könnten vielleicht sogar beiden weiterhelfen: Dem Fragenden und dem Hinterfragten.

Es gibt viel Frag-würdiges in unserer Welt – auch in der Christenheit. Fragen an einen Christen könnten vielleicht sein:

  • Wenn dir die Bibel so wichtig ist, warum liest du dann so wenig darin?
  • Wie kannst du Aussagen über die gesamte Bibel machen, wenn du die Texte darin gar nicht so gut kennst?
  • Wozu liest du in der Bibel (wenn du denn mal darin liest)?
  • Mit welchen Erwartungen gehst du an die Bibel heran? Welche Fragen meinst du, durch das Studium der Bibel beantworten zu können, und welche nicht?
  • Ist eine gute Bibelkenntnis alles, was wir heute brauchen, um gut im Glauben leben zu können, oder brauchen wir noch etwas Anderes? Was wäre gegebenenfalls das Andere?

Manchmal trampeln wir einfach weiter auf einem ausgetretenen Pfad, weil wir uns nie gefragt haben, ob es auch anders geht.

Manches ist fragwürdig, weil es einfach „problematisch“ ist. Es kann dann allerdings auch sein, dass eine Sache so sehr problematisch ist, dass sie schon die Zeit gar nicht wert ist, sich damit zu beschäftigen.

Es gibt einfache Fragen, die relativ schnell zu beantworten sind, und es gibt Fragen, die gehen so tief und weit, dass eine umfassende Antwort gar nicht möglich ist.

In manchen Fällen muss man erst einmal schon eine ganze Menge verstanden haben, um bei einem Problem, genau die richtige Frage stellen zu können. Und es gibt Momente, da lässt sich in einer einzigen Frage die ganze Situation auf den Punkt bringen – auch wenn noch keiner eine Antwort hat. – Gut Fragen ist eine Kunst.

Auf der Webseite von Forbes wird auf Sokrates hingewiesen: Die Fähigkeit, gute Fragen stellen zu können, als Leadership Skill. Sokrates scheint ein Meister des Fragens gewesen zu sein. Die „Sokratische Methode“ ist ja sogar ein fester Begriff geworden, für den es sogar einen eigenen Wikipedia-Artikel gibt.

 

Auch von Jesus sind Fragen überliefert. Hier eine Auswahl:

 

Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich im Haus meines Vaters sein muss?

(Die Bibel, Neues Testament, Lukas-Evangelium, 2. Kapitel, Vers 49)

Was sucht ihr?

(Johannes-Evangelium 1,38)

Ist es deine Sache, liebe Frau, mir zu sagen, was ich zu tun habe?

(Johannes 2,4)

Willst du gesund werden?

(Johannes 5,6)

Als Jesus die Menschenmenge sah, die zu ihm kam, fragte er Philippus: »Wo können wir so viel Brot kaufen, dass alle diese Leute zu essen bekommen?« Jesus wollte ihn mit dieser Frage auf die Probe stellen …

(Johannes 6,5-6)

Warum habt ihr solche Angst, ihr Kleingläubigen?

(Matthäus 8,26)

Habt ihr das alles verstanden?

(Matthäus-Evangelium 13,51)

Du als Lehrer Israels weißt das nicht?

(Johannes 3,10)

Und da ihr mir nicht einmal glaubt, wenn ich über die irdischen Dinge zu euch rede, wie werdet ihr mir dann glauben können, wenn ich über die himmlischen Dinge zu euch rede?

(Johannes 3,12)

Wie solltet ihr auch glauben können?

(Johannes 5,44)

Wenn ihr aber dem nicht glaubt, was Mose geschrieben hat, wie wollt ihr dann dem glauben, was ich euch sage?

(Johannes 5,47)

Warum seid ihr so empört?

(Johannes 6,43)

Wollt ihr etwa auch weggehen?

(Johannes 6,67)

 

Am Anfang der Bibel tritt auch eine Schlange auf und stellt eine Frage an Eva, um sie zu verführen (Bereschith / Genesis / 1. Mose 3,1); und im Buch Hiob stellt sogar der Satan eine Frage an Gott (Hiob 1,9).

Sogar Gott selbst fragt. (Wo Gott es doch nun bestimmt nicht nötig hat, sich Informationen einzuholen.) Gleich auf den ersten Seiten der Bibel geht’s los:

 

Adam, wo bist du?

(Bereschith / Genesis / 1. Mose 3,9)

Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist?

(3,11)

Hast du etwa von den Früchten gegessen, die ich euch verboten habe?

(3,11)

Was hast du bloß getan?

(3,13)

Warum bist du so zornig und blickst so grimmig zu Boden?

(4,6)

Wo ist dein Bruder Abel?

(4,9)

 

Es gibt in unserem Leben manche Themen und Situationen, wo es die Sache nicht wert ist nachzufragen. Jeder Mensch, wäre aber eigentlich schon unserer Fragen würdig, und die Zeit wert, um mit ihm oder ihr zu reden. Jeder Mensch – unendlich geliebt, unendlich wertvoll. Die Würde des Menschen ist begreifbar. Auch wenn miteinander reden manchmal echt schwer ist, und es sicherlich auch Situationen gibt, wo man ein Gespräch besser abbricht.

Es gibt Scharen von Menschen, die so gerne mit jemand reden würden, der auch zuhört. Eins der wertvollsten Geschenke ist ein offenes Ohr. Und manche Menschen wollen schon gar nicht mehr reden, weil es zu oft schief gegangen ist.

Menschen sind würdig unserer Fragen, unserer Neugier. Wie viel Unentdecktes schlummert in einem Menschen? Wie viel Schönheit, die noch nie jemand gesehen hat? Wie viel Einsamkeit? Es gibt noch so viele wichtige Fragen zu stellen – zum richtigen Zeitpunkt. Zum Beispiel:

Gibt es in deinem Leben Platz für mich?

Wie viel Liebe könnten Menschen erfahren, wenn unsere Fragen zeigen würden, dass uns an ihnen liegt? Wie viel Rohes, könnte beim Sprechen Gestalt gewinnen und verstanden werden? Wie viel Ängste und Schuld, von denen keiner weiß? Wie viel Heilung könnte geschehen? Wie viel Verirrtes einen Weg finden?

Es kann manchmal auch passieren, dass sich jemand verarscht vorkommt, wenn wir Fragen stellen; nämlich dann, wenn wir Fragen stellen, aber nicht wirklich an der Antwort interessiert sind. Manchmal stellt man Fragen, weil man hofft dadurch dann ein Sprungbrett zu haben, um seine eigenen Ideen loszuwerden. Der Andere fühlt sich dann zu Recht getäuscht.

Echtes Fragen ist auf den Anderen gerichtet. Es ist ein Ausdruck von wirklichem Interesse. Im Fragen kann Nächstenliebe – vielleicht sogar Feindesliebe – sichtbar werden.

Wenn wir fragen, sollten wir würdig fragen (d.h. auf eine würdige Art und Weise), mit Respekt vor der Privat- und Intimsphäre des Anderen und auch vor der Bedeutung des Themas. Unsere Worte und der Klang unserer Stimme könnten Interesse und Wohlwollen erkennen lassen. Und das natürlich nicht geheuchelt, sondern aus der Aufrichtigkeit unseres Herzens.

Liebe und tu, was du willst.“ (Augustinus)

Wäre es nicht toll, wenn wir Christen einen Ruf hätten als Menschen, die nachfragen?

„Christen … das sind doch die, die immer nachfragen!“
[Dies ist die Überarbeitung eines älteren Artikels. Den älteren Artikel mit Kommentaren findet ihr hier.]

 

Eine andere Christenheit

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Fra Angelico (circa 1395–1455) [Public domain], via Wikimedia Commons

Was wäre …

… wenn wir um die Begrenztheit unseres eigenen Verstehens wissen würden, anstatt anderen unsere Meinung als die christliche Wahrheit unter die Nase zu reiben?

… wenn wir neugierig wären, Neues zu lernen und unser Denken verändern zu lassen, anstelle uns aus Unsicherheit ans Alte zu klammern?

… wenn wir bereit werden zu prüfen, wie sinnvoll unsere kirchliche Praxis ist, anstelle einfach immer so weiter zu machen?

… wenn wir all unsere mehr oder weniger liebgewonnenen Traditionen in Frage stellen würden und zurückkehrten zum Ursprung und Wesentlichen unseres Glaubens?

… wenn das Geheimnis des Mannes aus Nazareth mehr Bedeutung für uns hätte als die Dogmen der Kirchengeschichte?

… wenn der Glaube unseres Messias Jesus uns wichtiger wäre als unsere eigenen Glaubensbekenntnisse?

… wenn wir neugierig wären, unsere jüdischen Wurzeln kennenzulernen, anstelle Juden überzeugen zu wollen, dass wir recht haben?

… wenn wir uns die Mühe machten, die biblischen Texte zu studieren, anstatt uns mit Losungen, Kalenderblättchen und Andachtsbüchern zu begnügen?

… wenn wir uns von den Texten  inspirieren ließen, anstatt uns über die Inspiration der Bibel zu streiten? Wenn wir mehr nach der Stimme Gottes lauschen würden als zu predigen?

… wenn wir fantasievoll und kreativ darin wären, uns selbst und anderen einen Zugang zu diesen alten Texten zu verschaffen, anstelle alte Bücher zur Bibel neu aufzulegen?

… wenn Liebe uns beflügeln würde, die biblischen Worte so zu gebrauchen, dass Menschen dadurch in ihrer Seele gesund werden?

… wenn wir eintreten würden in die ernsthafte Erforschung und Diskussion der biblischen Texte, anstatt mit unseren Lieblings-Versen Ping-Pong zu spielen?

… wenn wir ein Bewusstsein für die Weite und Tiefe der Themen und Fragen hätten, anstatt die Wahrheit der Bibel auf unser Niveau herabzuziehen?

… wenn wir ergriffen wären von den Botschaften der Texte, anstatt zu versuchen, die Bibel in den Griff zu kriegen?

… wenn wir Bibelausgaben als Sammlung von Rekonstruktionsversuchen antiker jüdischer und christlicher religiöser Texte transparent machen würden, anstelle die theologische Entgleisung eines Glaubens an ein göttliches Buch weiter zu befördern?

… wenn Kinder und Menschen, die noch jung im Glauben sind, durch unser Vorbild eine demütige und gesunde Wertschätzung der Texte lernen würden, und einen entsprechenden Umgang mit ihnen?

… wenn das Leben eines Menschen für uns wertvoller wäre als die Regeln der Kirche?

… wenn wir weniger Angst vor der Hölle hätten und mehr Vertrauen zu Gott?

… wenn wir Interesse hätten, andere Menschen zu verstehen, anstelle ihnen erklären zu wollen, dass wir die Wahrheit besitzen?

… wenn die eigene Authentizität und Integrität uns wichtiger wäre als die Zustimmung unserer Glaubensgenossen?

… wenn die Einsamkeit bei Jesus uns lieber wäre als die Geborgenheit im Schoß unserer Gruppe?

… wenn wir uns selbst und unsere Kirche reformieren würden, anstatt eine 500 Jahre alte Reformation aus einer anderen Zeit zu feiern?

… wenn wir uns den richtigen Glauben von Jesus erklären ließen und nicht von Katechismen?

… wenn wir darum ringen würden, die richtigen Worte für unseren Glauben zu finden, anstatt Auswendiggelerntes nachzuplappern?

… wenn wir konsequent wären in der Trennung von Kirche und Staat, anstatt uns durch alte Privilegien korrumpieren zu lassen und dem Staat das Eintreiben der Kirchensteuer und das Verwalten der Kirchenaustritte zu überlassen?

… wenn ein klares Profil wichtiger wäre als Mitgliederzahlen?

… wenn wir Menschen auf das Bekenntnis ihres Glaubens hin in einem Wassergrab untertauchen würden, anstatt Säuglinge nass zu machen?

… wenn wir zur Erinnerung an Jesus Brot und Wein in unseren Wohnungen teilen würden, anstatt einen Profi ein Ritual auf einer Bühne zelebrieren zu lassen?

… wenn wir zu Gott Vertrauen hätten wie ein Senfkorn, anstelle zu versuchen, die Angelegenheiten Gottes zu verwalten?

(Vor ein paar Hundert Jahren wäre ich für so einen Text wahrscheinlich von Menschen, die sich Christen nannten, auf einem Scheiterhaufen verbrannt worden.)

 

… „Komm, ich will dir die Braut zeigen, die Frau des Lammes!“

Gottes Geist ergriff mich und führte mich auf einen großen, hohen Berg. Dort zeigte er mir die heilige Stadt Jerusalem, wie sie von Gott aus dem Himmel herabkam. Die Stadt erstrahlte im Glanz der Herrlichkeit Gottes …

Nirgendwo in der Stadt sah ich einen Tempel. Ihr Tempel ist der Herr selbst, der allmächtige Gott, und mit ihm das Lamm. Die Stadt braucht als Lichtquelle weder Sonne noch Mond, denn in ihr leuchtet die Herrlichkeit Gottes und das Licht des Lammes. In diesem Licht werden die Völker der Erde leben, … Weil es keine Nacht gibt, werden die Tore niemals geschlossen; sie stehen immer offen.

Nun zeigte mir der Engel den Fluss, in dem das Wasser des Lebens fließt. Er entspringt am Thron Gottes und des Lammes, und sein Wasser ist so klar wie Kristall. An beiden Ufern des Flusses, der neben der großen Straße der Stadt fließt, wachsen Bäume des Lebens. Sie tragen zwölfmal im Jahr Früchte, jeden Monat aufs Neue. Mit den Blättern dieser Bäume werden die Völker geheilt.

In der Stadt wird nichts und niemand mehr unter dem Fluch Gottes stehen. Denn der Thron Gottes und des Lammes steht in ihr, und alle Einwohner werden Gott dienen …

(Die Bibel, Neues Testament, Offenbarung an Johannes, Kapitel 21-22)

 

[Dies ist die Überarbeitung eines älteren Posts, den ihr mit Kommentar hier findet.]

#emfo16 : was bleibt

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Bild: Emergent Forum / Rolf Krüger

EF16 – was war das noch mal?

Ein künstlicher Lebensmittel-Zusatzstoff? – Oder vielleicht doch eher ein gesunder Vitamin-Stoß für das geistliche Leben im deutschsprachigen Raum?

Das „Emergent Forum 2016“ (EF16) fand vom 09.-11. September in Eschborn-Niederhöchstadt bei Frankfurt/M. statt. Perfect location und tolles Wetter – mit Park gleich vor der Tür. Nach mehreren Foren in den letzten Jahren, ein weiteres Forum von Emergent Deutschland.

 

„Emergent Deutschland ist ein ökumenisch ausgerichtetes Netzwerk, das den Dialog über die Gestalt des christlichen Glaubens und kirchlicher Arbeit in der Gegenwart sucht und fördert.“

(von der emergent-deutschland.de-Webseite)

 

September 2016. Ein halbes Jahr. – Was ist geblieben von den Eindrücken, Gesprächen und Anregungen?

An diesem Wochenende findet schon das nächste Treffen, in Heidelberg, statt: CON:FUSION 2017. Thema: Christentum und Rechtspopulismus. – Bestimmt werden sich dort viele vom letzten Jahr wiedersehen.

Letztes Jahr gab es slow brew coffee an der Brewbar der Berliner Refugio Baristas auf der Terrasse des Bürgerzentrums. Seitdem hatten auch die Gedanken und Eindrücke vom Forum Ruhe und Zeit langsam ihr Aroma in unserem Leben zu entfalten.

Ein halbes Jahr. Genug Zeit für eine Zwischenbilanz.

Aber lohnt sich das überhaupt? Sind Rückblicke nicht Zeitverschwendung in unserer schnelllebigen Zeit? Schnee von gestern? Brauchen wir nicht eher „instant solutions“? Schnell vorzeigbare Ergebnisse in einer Zeit in der am Abend die Nachrichten vom Morgen schon alt sind?

Lernen braucht Zeit. Leben wächst über Jahre. Nachhaltigkeit braucht Verbindungen; Vernetzung von Menschen, Ereignissen und Wirkungen über das aktuelle Tagesgeschehen und sogar Generationen hinweg. Wachstum wie Senfkorn und Sauerteig. – Wir selbst sind nicht Gott, und schaffen es nicht alleine das Himmelreich auf die Erde zu bringen. Aber wir können uns dem Wirken Gottes zur Verfügung stellen; uns Zeit nehmen, um Gottes Wirken in unserer Welt aufzuspüren …

 

„… Ich habe geeifert für den HERRN … und ich bin allein …“

(Bibel, Tanach / Altes Testament, Sepher M’lakhim / 1. Buch der Könige, 19. Kapitel, Vers 10)

 

Vielleicht die wertvollste Erfahrung vom emfo16 war für mich, Menschen zu treffen, die dieselbe Sehnsucht herumtreibt wie mich. Ich kannte schon ein paar Namen aus der virtuellen Welt; aber jetzt konnte ich sie live sehen, hören und erleben. Gesichter und persönliche Eindrücke gesellten sich zu Namen und Internet-Botschaften.

Und ich hab ganz viele Menschen getroffen, die ich noch gar nicht kannte. Sogar eine Kommilitonin von meiner Uni in Berlin, die wie ich dort Theologie studiert!

 

Bilder

Auf der Webseite vom emfo16 findet man Bilder zu Freitag und Samstag.

 

Eindrücke & Anmerkungen

Natürlich wurden schon am ersten Tag des Forums in den sozialen Netzwerken gepostet. Auf der Webseite von Emergent Deutschland sind einige Facebook- und Twitter-Posts verlinkt, und man findet auch Link und Hashtag für Instagram und Verlinkungen zu Blog-Posts und Artikeln:

Rückblicke auf das Emergent Forum 2016

Einer der großen Vorteile unserer Zeit: das kollektive Gedächtnis im Internet. Jederzeit und überall abrufbar. Wenn man sich selbst nicht mehr so gut erinnern kann, findet man es vielleicht noch im Netz. – Digitale Erzählkultur.

 

Das Thema

EmFo16. Das Motto: „Kirche für alle, aber …“ – Hat Gottes Gnade Grenzen? Und was bedeutet das für die Kirche?

 

„Und der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.“

(Neues Testament, Lukas-Evangelium 19,10)

 

Ich hatte schon letztes Jahr (noch unter dem frischen Eindruck des Forums) ein paar Gedanken zu dem Thema aufgeschrieben:

https://schmillblog.wordpress.com/2016/09/14/emergent-forum-2016/

Und das Thema ist nach bloß einem halben Jahr natürlich immer noch genauso aktuell. Manche Dinge ändern sich nur langsam, und andere bleiben anscheinend für immer eine chronische Herausforderung.

Wenn ich auf Veranstaltungen von Kirchen und Gemeinden bin, denke ich oft, dass es viele Menschen gibt, die da nicht gut rein passen oder gar nicht erst kommen, weil sie schon wissen, dass sie sich dabei nicht wohl fühlen. – Was muss man im Kirchenalltag alles ertragen, um „religiöse Gemeinschaft“ genießen zu können?

 

… wie ein Duft, der sich ausbreitet. Von mir geht das Aroma der Botschaft vom Messias aus – Herrlichkeit Gottes.

(2. Brief von Paulus an die Gemeinde in Korinth 2,14-15)

 

Die Hautrednerinnen

Die starken Stimmen von zwei Frauen: Nadia Bolz-Weber und Christina Brudereck. – Könnte weibliche Einsicht etwas sein, wovon das Christentum noch ein bisschen mehr braucht? Nach fast 2000 Jahren Männer-Dominanz! (und noch kein Ende in Sicht)
Suchet, und ihr werdet nichts finden!

Hab bei YouTube nach emfo16 u.ä. gesucht, aber leider nichts gefunden. Habe vielleicht auch mit meiner Ecosia-Suchmaschine einen Baum gepflanzt, aber leider kein Audio oder Video zum Emergent Forum 2016 gefunden. Auch keine Skripts. – Hab ich da was übersehen oder nicht lange genug gesucht? – Wenn man die Möglichkeit hat, so was Tolles zu veranstalten und all die Zeit und Kraft investiert, wäre es doch auch toll, wenn man es im Netz zum Anhören, Anschauen und Nachlesen anbietet, oder?

Hat mich allerdings sehr gefreut, dass zumindest der Vortrag von Christina Brudereck „Ich möchte nicht das Aber sein, sondern das Und. – Die grenzenlose Liebe & unsere Lieblingsgrenzen“ auf der Emergent-Deutschland-Webseite zu hören ist.
Was bleibt

Eins bleibt ganz bestimmt: Schokolade reimt sich auf Gnade. (Natürlich. Ohne Zusatzstoffe.) Und Gottes frischer Geist weht wie der Wind: Man sieht nicht woher es kommt, und nicht, wohin es geht.

 

>>> AN ALLE DIE DA WAREN ODER VON DEN AUSWIRKUNGEN WAS ABGEKRIEGT HABEN:

Lasst doch mal hören, was bei euch nach einem halben Jahr vom EmFo16 noch hängengeblieben ist! (Andenken, Erinnerungen, Gedankenfetzen, Musik, Bilder, Texte, Erfahrungen …)

BIBEL. JETZT. (7) – heftig und klettig

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Christian Fischer [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

 

… „Komm, wir gehen aufs Feld hinaus.“ Als sie dort waren, fiel Kain über seinen Bruder her und schlug ihn tot.

Da fragte der Herr Kain: „Wo ist dein Bruder Abel? … Das Blut deines Bruders schreit zu mir? … Von jetzt an sollst du ein Flüchtling sein, der heimatlos von Ort zu Ort irrt.“

Kain entgegnete dem Herrn: „Meine Strafe ist zu hart, ich kann sie nicht ertragen!“

                                                                 (Die Bibel, Tanach / Altes Testament, Bereschith / Genesis / 1. Mose, 4. Kapitel, Verse 8-13)

 

Es gibt krasse Szenen in der Bibel, in denen es an die Substanz menschlichen Zusammenlebens geht. Gleich auf den ersten Seiten ermordet Kain seinen nichts ahnenden Bruder. Ein paar Seiten später werden zwei Schwestern von ihrem Vater schwanger, und ein Mann ist bereit seinen eigenen Sohn für Gott zu schlachten.

 

Als sie an den Ort kamen, den ihm Gott genannt hatte, baute Abraham den Altar, schichtete das Holz auf, fesselte seinen Sohn Isaak und legte ihn auf den Altar, oben auf das Holz. Schon streckte Abraham seine Hand aus und nahm das Messer, um seinen Sohn zu schlachten.

(Bereschith / Genesis / 1. Mose 22,9-10)

 

Viele biblische Erzählungen sind nicht glatt & geschmeidig und rutschen mal so eben gefällig durch das Gehirn; sondern sind sperrig und verstörend. – Gott lässt fast die ganze Menschheit, inkl. vieler Tiere, in einer gewaltigen Flut absaufen. Nur ein paar überleben in einer Rettungskapsel. Und dann geht alles wieder von vorne los.

Wer etwas Kuscheliges zum Einschlafen sucht, sollte besser zu einem anderen Buch greifen. Es gibt zwar einige utopische Texte und Verse, in denen eine bessere Welt beschrieben oder verheißen wird; aber die meisten biblischen Texte beschreiben keine heile Welt, sondern Blut und Schweiß und Tränen. Sie laden auch nicht nur zum Nachdenken ein, sondern sie berühren im Kern der eigenen Existenz. Sie fordern heraus, indem sie verlangen, dass man alles auf eine Karte setzt.

Es sind Gedanken mit Widerhaken – wie Kletten. Sie setzen sich fest. Sie nagen an unseren Vorstellungen und Sehnsüchten von Gott und der Welt. Sie stören und verstören. Bleiben irgendwo hängen und werden weitergetragen …

 

… Ein Sämann ging aufs Feld, um zu säen. Als er säte, fiel ein Teil der Körner auf den Weg und die Vögel kamen und fraßen sie. Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war; als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte. Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat. Ein anderer Teil schließlich fiel auf guten Boden und brachte Frucht …

(Neues Testament, Matthäus-Evangelim, 13,3-8)

 

Evangelium. Eine gute Nachricht für eine ausgehungerte Welt. Licht in der Dunkelheit. Der Mann des Leidens aus Nazareth hat Gott vertraut und das Himmelreich für uns aufgeschlossen.

 

Was wir auch tun, wir tun es aus der Liebe, die Christus uns geschenkt hat – sie lässt uns keine andere Wahl. Wir sind davon überzeugt: Weil einer für alle Menschen starb, sind sie alle gestorben. Und Christus ist deshalb für alle gestorben, damit alle, die leben, nicht länger für sich selbst leben, sondern für Christus, der für sie gestorben und auferstanden ist.

(Paulus‘ 2. Brief an die Gemeinde in Korinth, 5,14-15)

 

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