Heimat

Am Anfang formte Gott die Erde. Er machte sie rund und schön. Er schuf Samen und warf ihn in den Wind. Und bald umhüllte ein schillernder grüner Mantel das Angesicht der Erde.

Dann formte er Fische und warf sie ins Meer, und sprach:

„Macht euch ein Zuhause!“

Und die Fische schwammen zu den Korallenriffen und in die Abgründe des Meeres und machten sich ein Zuhause in den Weiten der Ozeane.

Dann formte Gott die Vögel und warf sie in den Himmel, und sprach:

„Macht euch ein Zuhause!“

Und die Vögel breiteten ihre Schwingen aus und flogen über die Meere und flatterten auf die Berge, und bauten sich Nester in den Wipfel der Bäume und hoch auf den Gipfeln der Berge.

Dann formte Gott große Tiere mit Hufen und schickte sie in die Weite der Steppe, und sprach:

„Macht euch ein Zuhause!“

Und die großen Tiere stampften los, durchzogen die Steppe und machten sich ein Zuhause auf den Wiesen und in den Wäldern der Welt.

Dann formte Gott den Menschen und hauchte seinen Atem in dessen Nase. Da öffnete der Mensch seine Augen und blickte in das gütige Gesicht Gottes. Da lachte Gott, stellte den Menschen auf seine Füße und gab ihm einen Klaps auf seinen Po, und sprach:

„Mach dir ein Zuhause!“

Und der Mensch lief los und schwamm über die Meere der Erde und sah die Wale und Seeungeheuer. Und er lief durch die Steppen und die Wiesen und Wälder der Erde und sah Rinder und Rehe. Er kletterte sogar hoch auf die Berge und fand die Nester der Adler.

Da bemerkte der Mensch, dass er müde geworden war und schloss die Augen. Und als er sie wieder öffnete, machte er sich auf den Weg zurück zu Gott.

Und Gott sprach zum Menschen:

„Warum bist du wieder zurückgekommen?“

Da sprach der Mensch:

„Ich schwamm über alle Meere deiner Erde und sah all die Meerestiere, die du geschaffen hast. Und ich lief durch alle Landschaften deiner Welt und sah all die Landtiere, die du geschaffen hast. Und ich stieg sogar hinauf auf die Gipfel der Berge und fand die Nester der Adler. Dann merkte ich, dass ich müde geworden war und schloss die Augen. Und in meinem Geist sah ich dein Lächeln und hörte deine sanfte Stimme…“

Jesus, obdachlos.

 

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Obdachloser mit Hund in Bremen (2014), Foto von Peronimo via Wikimedia Commons – CC BY 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/2.0)

 

„… Die Füchse haben ihren Bau und die Vögel ihre Nester; aber der Menschensohn hat keinen Ort, wo er sich ausruhen kann.“

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(Jesus im Matthäus-Evangelium; Bibel, Neues Testament; 8. Kapitel, Vers 20)

 

Was machen unsere Lebensverhältnisse mit unserem Glauben?

Und wie verändert unser Glaube unseren Lebensstil?

Wie würden wir an Gott glauben, wenn wir nicht wüssten, wo wir heute Abend schlafen oder was wir morgen essen?

 

„Unser tägliches Brot gib uns heute.“

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(Jesus in der Bergpredigt; Matthäus-Evangelium 6,11)

 

Sind wir vielleicht auch deshalb so zufrieden mit einer mangelhaften Theologie und einem desaströsen Zustand der Christenheit, weil wir so komfortabel leben?

Wie viel ist die Christenheit Menschen in Not schon schuldig geblieben?

W.W.J.D.–What would Jesus do?