AWAKE – Ein Reiseführer ins Erwachen

 

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Aussicht bei Sonnenuntergang von der Rückseite des Wasserfalls Seljalandsfoss (Island); von Diego Delso [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)%5D, via Wikimedia Commons  [Wird nicht im Film gezeigt.]

 

„Awake“. – Wikipedia kennt leider nur den US-amerikanischen Thriller aus dem Jahr 2007. Fünf Jahre später wurde allerdings eine österreichische Produktion mit demselben Titel veröffentlicht (Untertitel: „Ein Reiseführer ins Erwachen“) und erhielt im selben Jahr den „Cosmis Cine Award“.

 

Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht; denn Gott ist Liebe.

(Die Bibel, 1. Johannesbrief, 4. Kapitel, Vers 8)

 

„Awake“ ist kein christlicher Film. Die österreichische Regisseurin Catharina Roland machte sich – aus einer inneren Not heraus – auf eine Reise um die Welt, um mit Gelehrten und spirituellen Lehrern über die tiefen Fragen des Lebens zu sprechen. Herausgekommen ist ein beeindruckender Dokumentarfilm über praxistaugliche Spiritualität in unserer Zeit.

Zu Wort kommen in dem Film Menschen wie Bruce Lipton, Neale Donald Walsch, Rüdiger Dahlke, Dieter Broers, Ervin László, Arjuna Ardagh, Barbara Marx Hubbard, Eric Pearl, Kiara Windrider, Daniel Pinchbeck, Canamay-Te und Esther Kochte.

Zum Film gibt es ein Praxis-Buch, das die ganze Sache noch praxistauglicher macht. (Für alle, die gerne auch ein Buch zum Lesen haben …)

Wie immer, braucht man nicht mit allem Gesagten übereinstimmen, und kann dennoch Wertvolles für sich mitnehmen. Mit den Bildern und der Musik ist es auf jedem Fall einfach ein schöner Film.

Den YouTube-Trailer findet ihr hier.

Allen Christen, die über solche Produktionen die Nase rümpfen, sei gesagt:

Zeigt doch mal her, wie tiefgehend, einfach, belebend, schön, nachhaltig, in sich stimmig und praxistauglich das ist, was ihr anzubieten habt.  😉

 

Schließlich, meine lieben Brüder und Schwestern, orientiert euch an dem, was wahrhaftig, vorbildlich und gerecht, was redlich und liebenswert ist und einen guten Ruf hat. Beschäftigt euch mit den Dingen, die auch bei euren Mitmenschen als Tugend gelten und Lob verdienen.

(Neues Testament, Paulus‘ Brief an die Gemeide in Philippi, 4,8)

 

[ Allen Bibelvers-auswendig-Lernern ist wahrscheinlich aufgefallen, dass beide Bibelstellen der 8. Vers im 4. Kapitel sind.  🙂  ]

 

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Sandra Hauser | Eine integrale christliche Lebenspraxis?

 

Praxis-Artikel von Sandra Hauser auf ihrem Blog zum integralen Christsein:

Eine integrale christliche Lebenspraxis?

 

15 Tipps für ein glückliches Weihnachten

 

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By Braden Kowitz (Hugs!) [CC BY-SA 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)%5D, via Wikimedia Commons

 

Liebe ist geduldig, Liebe ist freundlich. Sie kennt keinen Neid, sie spielt sich nicht auf, sie ist nicht eingebildet. Sie verhält sich nicht taktlos, sie sucht nicht den eigenen Vorteil, sie verliert nicht die Beherrschung, sie trägt keinem etwas nach. Sie freut sich nicht, wenn Unrecht geschieht, aber wo die Wahrheit siegt, freut sie sich mit. Alles erträgt sie, in jeder Lage glaubt sie, immer hofft sie, allem hält sie stand.
(Die Bibel, Neues Testament, 1. Brief von Paulus an die Korinther, 13. Kapitel, Verse 4-7)
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Na, habt ihr alle 15 Tipps entdeckt?
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Wer die Tipps rechtzeitig vor Ablauf der Weihnachtsfrist am 26.12. in die Praxis umsetzt, hat die Chance auf ein glückliches Weihnachtsfest.  🙂
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Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.  😉
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Das offene Christus-Experiment Berlin

 

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Meditierende Menschen im Madison Square Park, Manhattan, New York City; von Beyond My Ken (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY-SA 4.0-3.0-2.5-2.0-1.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0-3.0-2.5-2.0-1.0)%5D, via Wikimedia Commons
Ich konnte leider noch kein Foto vom „Offenen Christus-Experiment Berlin“ machen, da das erste Treffen ja noch nicht stattgefunden hat.  😉

 

„… Stellt mich auf die Probe“, sagt der Herr, der Herrscher der Welt, „macht den Versuch …“

(Die Bibel, Altes Testament, Maleachi 3,10)

 

Na, neugierig? – Falls ihr selbst nicht in Berlin & Umgebung wohnt, wäre es toll, wenn ihr die Info weiterleitet an Leute, die das vielleicht interessieren könnte.

 

ZUM NAMEN

„Das offene Christus Experiment“. Dies könnte fast eine Bezeichnung für die Geschichte der Christenheit sein. Mir geht es hier allerdings um ein konkretes Projekt in Berlin, bei dem man sich wöchentlich trifft. Die Idee ist geboren. Jetzt brauche ich noch ein paar Leute, die mitmachen. (Ihr verpflichtet euch dabei zu nichts.)

 

DIE IDEE

Es geht um eine kleine Gruppe, ca. 12 Personen, die sich jede Woche 2 Stunden lang treffen. (Darüber hinaus können sich die Teilnehmer natürlich so oft treffen wie sie wollen und Zeit haben). Genaue Uhrzeit und Ort können wir verhandeln, sobald sich ein paar Interessenten gefunden haben.

 

„offen“

Dies soll ein „offenes“ Experiment sein:

  • Keine Begrenzung von Gottes Möglichkeiten durch unsere Konzepte.
  • Keine Festlegung auf eine Konfession oder Tradition.
  • Offenes Ende: Das Langzeit-Experiment endet, wenn keiner mehr da ist bzw. Gott es beendet. (Jeder kann jederzeit aussteigen.)
  • Wir fangen an mit ca. 12 Teilnehmern, aber sind offen für unbegrenztes Wachstum.

 

„Christus“

 

„… wie lautet dieses Geheimnis? Christus in euch – die Hoffnung auf Gottes Herrlichkeit!“

(Neues Testament, Paulus‘ Brief an die Gemeinde in Kolossai, 1,27)

 

Ein Glaube an Gottes Wirken durch Jesus Christus in uns ist die Grundlage dieses Experiments:

  • Ohne Gott kann ich gar nichts. Gott jedoch kann alles.
  • Wir fangen mit nichts an (kein Kirchengebäude, kein Geld, kein Pfarrer, keine Organisation, kein Spenderkreis, …) und erwarten Alles von Gott.
  • Wir bitten nicht um Gottes Segen für unsere Pläne, sondern stellen uns einfach IHM zur Verfügung und achten darauf, was er mit uns macht.
  • Christus verbindet alle, die ihm vertrauen. In seiner Liebe werden wir zu einer Art „Organismus“ (Leib Jesu).
  • Gott wirkt auf ein gutes Ziel seiner Schöpfung hin, und mit seiner Hilfe sind wir in der Lage dieses Wirken in unserem Leben und in einer Gruppe aufzuspüren.
  • Wir begegnen uns nicht als Habende, Wissende und Fähige, sondern als Bedürftige. Tag für Tag brauchen wir Gott, um zu leben. Und wir brauchen auch einander, um für ihn richtig brauchbar zu werden.

 

„Experiment“

Ich weiß nicht, was Gott mit dieser Gruppe machen wird. Die Welt heutzutage ist nicht dieselbe wie im Neuen Testament in der Apostelgeschichte. Worum es geht?

  • Es geht um die Praxis, nicht nur um schöne Theorie.
  • Was funktioniert, entscheidet sich im Leben.
  • Das Ergebnis hängt von Gott ab – und von uns.

 

WAS IST ANDERS ?  WAS IST NEU ?

  • Wir orientieren uns weniger an Vergangenem und mehr an der Gegenwart und Zukunft.
  • Wir achten die Erfahrungen und Überzeugungen der Einzelnen und bemühen uns, gemeinsam zu lernen. Die Worte jedes Einzelnen sind wichtig.
  • Wir achten auf die Wirkung dessen, was in der Gruppe passiert. Gott ist gut. Sein Wirken ist heilsam für uns Menschen.
  • Wir verwirklichen nicht ein vorbereitetes Konzept, sondern entscheiden gemeinsam als Gruppe, wie wir auf dem Weg mit Gott vorangehen.

 

ZU MEINER PERSON

Die Frage nach einem besseren Christentum beschäftigt mich schon, solange ich denken kann. Ich bin christlich erzogen und in einer familiären, fundamentalistischen Freikirche mit sehr intensiver Gemeinschaft groß geworden. Später distanzierte ich mich von meinen Wurzeln und bin jetzt Mitglied in der Ev. Kirche und arbeite als Mitarbeiter für Jugendliche im Kirchenkreis Berlin Nord-Ost. Außerdem studiere ich Ev. Theologie an der Humboldt Unversität zu Berlin in Teilzeit.

Dieses Experiment ist mein „Privatvergnügen“ und hat direkt nichts mit meiner Anstellung bei der Kirche oder mit meinem Studium zu tun. Es ist auch kein Experiment im wissenschaftlichen Sinn, sondern es geht konkret nur um die Menschen, die an diesem Experiment teilnehmen und darum, was Gott aus uns macht.

Noch mehr Infos über mich? – Hier klicken.

 

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Der Traum von einem besseren Christentum

 

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Abraham by József Molnár [Public domain], via Wikimedia Commons

 

Und ich blickte auf, und ich sah ein Meer aus Menschen, die keiner zählen konnte. Menschen aus allen Kirchen und christlichen Organisationen.

Sie waren aufgestanden und haben sich auf den Weg gemacht, ohne den Ort zu kennen, den sie suchen …

 

Dieser Artikel ist kein Aufruf dazu, dass du deine Gruppe verlässt. Es kann zwar sein, dass du dich innerlich schon längst verabschiedet hast und auf der Suche bist. Aber ob und wann der Zeitpunkt zu gehen gekommen ist, musst du selbst entscheiden. Vielleicht ändert sich auch was, und du wirst bleiben?!

Es gibt schon unzählige frustrierte Christen, die allen christlichen Gemeinden und Gruppen den Rücken gekehrt haben und versuchen, allein zurecht zu kommen. Privates Christentum.

 

 

Mit ihm [Jesus] seid ihr begraben worden durch die Taufe; mit ihm seid ihr auch auferstanden durch den Glauben aus der Kraft Gottes, der ihn auferweckt hat von den Toten.

(Die Bibel, Neues Testament, Paulus‘ Brief an die Kolosser, Kapitel 2, Vers 12)

 

Abraham ist ein wichtiger Mensch im Judentum, Christentum und Islam. Deshalb werden diese drei Religionen manchmal auch als die „abrahamitischen“ Religionen bezeichnet.

Paulus bezeichnet Abraham im Brief an die Gemeinde in Rom als „Vater aller, die glauben“ (Römerbrief 4,11). Das Richtige, was Abraham getan hatte, war, Gott zu vertrauen. Auf Gottes Wort hin zog er aus seinem vertrauten Leben in eine nicht-vertraute Zukunft. Abraham war Migrant.

Auch die Männer und Frauen, die sich um Jesus als ihren Lehrer geschart hatten, hatten sich im Vertrauen auf Gott auf einen neuen Weg eingelassen. Und dieselbe Lebenskraft Gottes, welche Jesus aus dem Totenreich zurückgeholt hatte, befähigte seine Anhänger dann zu Pfingsten als Zeugen seiner Auferstehung aufzutreten. Petrus zitiert bei dieser Gelegenheit die alte Schrift des jüdischen Propheten Joel, in der es heißt:

 

… dann gieße ich über alle Menschen meinen Geist aus. Männer und Frauen in Israel werden dann zu Propheten. Junge Leute haben Visionen und die Alten prophetische Träume. Über alle, die mir dienen, Männer und Frauen, gieße ich zu jener Zeit meinen Geist aus und sie werden als Propheten reden.

(Neues Testament, Apostelgeschichte, Kapitel 2, Verse 17-18; Joel, Kapitel 3, Verse 1-2)

 

Die ersten Christen hatten durch Jesus eine neue Identität bekommen. Sie waren nicht länger nur Juden, die die Traditionen der Vorväter pflegten, sondern sie waren auch Anhänger des Messias Gottes, Jesus Christus. Sie verstanden sich als Menschen, die unmittelbar von Gottes Geist befähigt werden, Neues zu sehen, von Gott her zu reden und sich von Gott gebrauchen zu lassen.

In der Apostelgeschichte wird für die Nachfolge Jesu auch der Begriff „Weg“ benutzt (Apostelgeschichte, Kapitel 9, Vers 2; Kapitel 19, Vers 23); Nachfolger Jesu wurden als Anhänger „des Weges“ bezeichnet. Sie hatten, wie Abraham, ihre Zelte abgerissen und sich auf einen neuen Weg eingelassen.

Wie innovativ ist das Christentum heute noch? Sind wir inspirierte und von Gottes Geist bewegte Menschen? Vorwärts-gewandt? Unfertig, noch auf dem Weg und lernbereit? Hat christlicher Glaube noch eine kreative Kraft? Oder pflegen wir nur die alten Traditionen unserer Vorfahren und streiten uns über unsere Unterschiede?

Wenn es irgendwo klemmt, liegt es manchmal an mir, manchmal an den anderen und oft an uns allen. Oft wird es keine Veränderung in meinem Leben geben, wenn ich nicht bereit bin, mich selbst zu ändern. Ich kann andererseits Veränderung aber auch nicht alleine leben. Wir brauchen einander, so wie sich unsere Körperteile gegenseitig brauchen und ergänzen. – Leib Jesu.

Viele neue Kirchen oder christliche Projekte sind nach einer Weile wieder verschwunden oder haben ihre Kraft verloren. Ich vermute, dass dabei zwei Dinge eine entscheidende Rolle gespielt haben:

  1. Wir kommen nicht klar mit unseren Unterschieden.
  2. Wir verlieren die Verbindung zu einander. Ein Teil geht voran, während zu viele zurück bleiben.

Vor einer Weile bin ich auf ein Buch aufmerksam geworden, dass wahrscheinlich nach der Bibel das wichtigste Buch in meinem Leben sein wird: „Gott 9.0„. (Und ich habe schon viele Bücher gelesen…)  Ich stimme zwar nicht mit allem überein, aber habe durch das Buch entscheidende Klarheit über unsere Unterschiede und mein eigenes geistliches Wachstum bekommen. Nach dem Lesen werden die meisten sicherlich auch die Geschichte und die gegenwärtige Situation der Menschheit in einem anderen Licht sehen.

In christlichen Kirchen und Gruppen geht es noch zu viel um die richtige Theorie und man macht sich zu wenig Gedanken über die Praxis. Wenn es uns gelänge, eine Kultur des Aufeinander-achtens zu etablieren, bei der sich Menschen nicht bedrängt oder in ihrer Privatsphäre verletzt fühlen, dann würden auch nicht so leicht Menschen zurückfallen.

Verbindung hat auch mit Verbindlichkeit zu tun. Verbindliches gemeinsames Leben, Beten, Arbeiten, Anbeten, …  – Ein geduldiges und hartnäckiges Warten auf das Wirken Gottes.

 

… »Ich lasse dich nicht eher los, bis du mich gesegnet hast!«

(Altes Testament / Tanach, Bereschit / Genesis / 1. Mose 32,27)

 

 

Die erste Bibel

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Giulio Romano [Public domain], via Wikimedia Commons

 

Heutzutage gibt es Bibelausgaben in einer fast unüberschaubaren Fülle. (Schon allein die vielen, vielen Übersetzungen in die unterschiedlichen Sprachen und Dialekte …) Darüber freue ich mich sehr, denn die Bibel ist mir in meinem eigenen Leben sehr wertvoll geworden, und deshalb freue ich mich, wenn möglichst viele Menschen die Chance haben, sie kennenzulernen. – Ich muss allerdings zugeben, dass nicht alle Bibelausgaben gleich gut sind.

Dass es Bibeln gibt, war für mich immer eine Selbstverständlichkeit, und auch kulturgeschichtlich ist die Präsenz der Bibel in unserer Region fest verankert. Das war aber nicht immer so …

Ein Quantensprung in der Buchherstellung war die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern durch Gutenberg. Das erhöhte die Produktivität enorm und war für die Verbreitung der Bibel von größter Bedeutung. In der Zeit davor war das selbständige Lesen biblischer Texte einer kleinen Zahl besonders previligierter Menschen vorbehalten. Anderthalbtausend Jahre hatte das Christentum so existiert. Diese historische Tatsache sollten sich alle Bibel-Fans einmal auf der Zunge zergehen lassen.

Wann hat überhaupt jemand das erste Mal eine Bibel in der Hand gehalten? Ich habe ein bisschen recherchiert, aber habe die Antwort auf diese Frage leider noch nicht herausbekommen. (Weiß es vielleicht jemand von euch?)

… vielleicht der Codex Sinaiticus?

Falsch!

Der Codex Sinaiticus war zwar ein Meilenstein in der Entwicklung der Buchherstellung im Allgemeinen und ist eine der bedeutendsten Handschriften der biblischen Texte überhaupt, er enthielt aber z.B. den Hirten des Hermas. Viele Christen heutzutage würden ein Buch, welches den Hirten des Hermas enthält, nicht als „richtige“ Bibel akzeptieren. Was eine „richtige“ Bibel denn aber überhaupt ist oder sein sollte, ist eine Frage, die nicht leicht zu beantworten ist. (Muss man sie überhaupt beantworten?)

Auch war der Codex so groß und schwer, dass man ihn schwerlich in einer Hand halten konnte. Seine Herstellung war ein beachtliches Projekt. Nur ein finanzstarker Investor konnte ein solches Projekt stemmen. Kein Wunder das Spekulationen aufkamen, dass kein geringer als der römische Kaiser selbst für die Herstellung verantwortlich gewesen sein könnte. Historisch ist allerdings nur wenig über die Entstehung dieser Handschrift aus dem 4. Jahrhundert bekannt.

Bekannt ist allerdings, dass Konstantin anscheinend die Produktion von „50 Bibeln“ in Auftrag gab. – Brauchte Konstantin eine einheitliche Textgrundlage für eine einheitliche christliche Religion zur Stabilisierung seines Reiches?

Die biblischen Texte waren schon im zweiten Jahrhundert unserer Zeitrechnung alle vorhanden und wurden überliefert und gelesen. Aber von wem? Es war Athanasius der Große, der das erste Mal in seinem „Osterbrief“ alle 27 Bücher des Neuen Testaments auflistet, die wir auch heute noch als Neues Testament in unseren Bibeln haben. Aber welche Autorität hat Athanasius bzgl. der Überlieferung des christlichen Glaubens? Und was ist mit der alttestamentlichen Sammlung? Wann wurde das erste Mal eine Bibel produziert, die alle 66 Bücher unserer protestantischen Bibel hatte? (Manche andere christliche Konfessionen haben übrigens bis heute „andere“ Bibeln.)

Wer war überhaupt durch all die Jahrhunderte für die Überlieferung und Verbreitung der Bibel verantwortlich? Wer hat es finanziert und warum? Verloren die biblischen Texte ihre Unschuld als sie zu Komplizen kirchlicher und weltlicher Machtansprüche gemacht worden sind? Es wäre nicht das erste Mal gewesen, dass heilige Texte zur Durchsetzung von Interessen instrumentalisiert wurden …

Das obige Bild von der Taufe des römischen Kaisers Konstantin enthält auch ein Buch. Auch wenn das Gemälde Raffaels erst 1000 Jahre nach Konstantin entstanden ist und wohl kaum eine historische Szene darstellt, so bringt es doch etwas vom Verhältnis von Kirche und Macht zum Ausdruck und macht mich nachdenklich. Welche Rolle spielen heilige Texte im Verhältnis von Kirche und Macht, und wie haben sie durch die gesamte Geschichte hindurch funktioniert?

Die meisten Christen erlebten ihren Glauben lange, lange Zeit nicht als etwas, wo sie selbst als mündige Gläubige die textlichen Grundlagen ihres Glaubens studieren konnten. Was also glaubten die Christen durch all die Jahrhunderte, und warum? Wie hat Christentum über einen so langen Zeitraum fuktioniert?

 

Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir …

(Jesus aus Nazareth, in der Bibel, Neues Testament, Johannes-Evangelium, Kapitel 10, Vers 27)

 

Es ist mein Eindruck, dass die Verfügbarkeit der Bibel heutzutage auch nicht bei allen Frommen nur positive Auswirkungen hat. Man kann sich darüber freuen, dass man für alle Fälle ein Nachschlagewerk hat und es im Bücherregal verstauben lassen. (Wollten die biblischen Texte überhaupt jemals ein Nachschlagewerk für alle Fälle sein?)

Die entscheidende Frage ist: Glauben wir, dass Gott sich am besten in einem Menschen, Jesus aus Nazareth, offenbart hat, oder glauben wir, dass Gott sich am besten in einem Buch offenbart hat? Entweder – oder!

Es ist eine Frage der Priorität. Wenn ich glaube, dass Gott sich am besten im Menschen Jesus offenbart hat, dann sind die biblischen Texte für mich wichtig, weil sie die beste historische Quelle sind, um zu verstehen, wer Jesus ist. Wenn ich glaube, dass Gott sich am besten in einem Buch offenbart hat, tritt Jesus in den Hintergrund, und ich habe mit den Texten etwas, über das ich verfügen und das ich instrumentalisieren kann. Es ist eine Machtfrage: Benutze ich etwas oder lasse ich mich benutzen (von Jesus)?

Ein großer Problem ist, dass in der christlichen Praxis vieles als Selbstverständlich vorausgesetzt wird, was nicht gut durchdacht oder klar definiert ist. Dadurch existieren Grauzonen, in denen christlicher Glaube sein Profil verliert.

Die Macht zu haben, eine Bibel als EIN Buch in die Hand nehmen zu können, beeinflusst auch unser Verhältnis zu ihr und unseren Umgang mit ihr. Und es kann auch die Art und Weise beeinflussen, wie wir unseren Glauben verstehen und leben: „Wir haben die Stimme Gottes in den Griff gekriegt!“

Wie sollten wir mit den biblischen Texten umgehen? Wie wollen wir mit den biblischen Texten umgehen?

Wir haben es in der Hand …

[Dies ist die Überarbeitung eines älteren Artikels. Den älteren Artikel findet ihr hier: https://schmillblog.wordpress.com/2016/11/19/die-allererste-bibel-der-weltgeschichte]

 

Allergisch auf Frommes

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Allergietest auf der Haut, by Wolfgang Ihloff (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY-SA 4.0-3.0-2.5-2.0-1.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0-3.0-2.5-2.0-1.0)%5D, via Wikimedia Commons

Es ist mal wieder so weit. Die meiste Zeit des Jahres kann ich mit meiner Pollenallergie ganz gut leben; aber im Moment ist sie wirklich lästig. – Haaatschi!!! – Probleme lassen sich halt nur bis zu einem gewissen Grad ausblenden. Schon blöd, dass mein Körper sich von etwas bedroht fühlt, was eigentlich gar nicht gefährlich ist.

Manche Menschen reagieren allergisch auf Christliches oder Religiöses. Ein Gefühl der Abneigung und des Unbehagens, das sie vielleicht nicht einmal selbst ganz verstehen. Es gibt sogar welche, die sich aufregen und aggressiv werden …

Ich bin in einer frommen Familie und einer kleinen christlichen Freikirche aufgewachsen. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich als Heranwachsender manchmal dachte: „Ich mag das ganze Fromme eigentlich nicht so wirklich …“ – Worauf sich dann natürlich ein entsprechendes schlechtes Gewissen einstellte. Frommes muss man doch mögen, oder?

Gefühle hat man einfach. Auch wenn sie stören, kann man sie nicht sofort abschalten. Sinnvoller als abschalten wäre sowieso sich zu fragen, wo die Gefühle herkommen und welche Bedeutung sie haben.

Wenn Menschen allergisch auf „Frommes“ reagieren, müssen sie irgendwann & irgendwie einmal Frommes als etwas Negatives kennengelernt haben. Dies kann einfach ein Vorurteil oder eine Geschmacksfrage sein. Es ist allerdings leider auch gut möglich, dass sich etwas Schlechtes als fromm präsentiert hat, obwohl es echter Frömmigkeit gar nicht entsprach. Wer echten, gesunden christlichen Glauben nicht kennt, hat kaum eine Chance eine „Fälschung“ zu erkennen.

Schon der Begriff „fromm“ selbst ist problematisch. Auch manche Christen empfinden ihn als negativ, weil man leicht eine oberflächliche Form von Religiosität damit verbindet. Ich selbst mag das alte Wort „fromm“, weil ich dabei an Charakter und Lebensstil denke. Eine mögliche Alternative „gläubig“, oder vielleicht sogar „christlich gläubig“, wird leider zu oft sehr theoretisch verstanden. Beim christlichen Glauben geht es aber unbedingt darum, wie man (auch im Alltag) lebt und was für ein Mensch man wirklich ist.

Ich habe lange gebraucht, unterscheiden zu lernen, zwischen dem, was als „christlich“ präsentiert wird, und dem, was wirklich der Überlieferung des Mannes aus Nazareth entspricht; und ich bin damit auch noch lange nicht fertig.

Unser „christliches“ Abendland wurde so nachhaltig durch „christliches“ Gedankengut und kirchliche Praxis geprägt, dass man genau hinschauen muss, um erkennen zu können, wieviel davon wirklich auf den jüdischen Messias Jesus zurückgeht und was nur als „christlich“ etikettiert wurde. Was wir brauchen, ist nichts Geringeres als eine neue Reformation. Aber diesmal richtig.

Ich hasse und verachte eure religiösen Feste und kann eure feierlichen Zusammenkünfte nicht riechen. Ich will eure Brand- und Speiseopfer nicht haben; die Friedensopfer eurer Mastkälber will ich nicht sehen! Hört auf mit dem Lärm eures Lobpreises! Eure Anbetungsmusik werde ich mir nicht anhören. Stattdessen will ich Recht fließen sehen wie Wasser und Gerechtigkeit wie einen Fluss, der niemals austrocknet.

(Die Bibel, Tanach / Altes Testament, das Buch des Propheten Amos, 5. Kapitel, Verse 21-24)

Religionskritik an der eigenen Religion ist ein Wesensmerkmal der jüdisch-christlichen Überlieferung. Und es ist oft gerade diese selbstkritische Distanz zur eigenen Überzeugung und Praxis, die bei denen fehlt, die den christlichen Glauben für ihre eigenen Zwecke instrumentalisieren.

Es gibt zu viel Falsches und Missverständliches, was mit dem Brustton der eigenen Überzeugung als die absolute „christliche Wahrheit“ präsentiert wird. Zu viel „christlichen“ Murx, der in einer Aura von Heiligkeit und mit dem Anspruch auf Vollkommenheit einherschreitet. Der eigene Glaube wird mit „doch so einleuchtenden und logischen“ Argumenten verteidigt, welche nur die überzeugen können, die sich sowieso überzeugen lassen wollen, und welche statt brillianter Intelligenz eher ein zu niedriges intellektuelles Niveau offenbaren.

So manche „christliche“ Institution ist eine geistliche und geistige Ruine. Kritische Fragen sind nicht erwünscht. Alle sind schon gleichgeschaltet und auf Linie gebracht. Statt Echtheit und Natürlichkeit trifft man auf Heuchelei und Verstellung. Es ist eng, muffig und stickig, bedrückend und beklemmend. Kein Ort, wo kranke Seelen aufatmen können.

Das alte Deutsch einer Lutherübersetzung oder von schönen alten Kirchenliedern ist nicht christlich, sondern einfach alt. Viele Kirchen mögen Christen über lange Zeit ein wertvoller Versammlungsort gewesen sein – aber verstaubt sind sie trotzdem. Talare, Weihrauch, Altäre, Kirchenglocken, etc. stammen aus einer vergangenen Zeit. Ob sie in der Zukunft geeignet sein werden, etwas von Jesus deutlich werden zu lassen, ist die Frage. (Man kann sich auch fragen, ob sie das überhaupt jemals wirklich getan haben.)

Blödheit wird nicht dadurch besser, dass man es für Gott oder Jesus tut. Auch wirkt so manches Gut-gemeinte verkrampft und angestrengt, ängstlich und besorgt, und aus manchem Frommen leuchtet nur ein schwacher Schein des Wesen Jesu hervor. Und Gott weiß, wie oft das bei mir selbst der Fall war und ist. – Herr, erbarme dich!

„Bessere Lieder müßten sie mir singen, daß ich an ihren Erlöser glauben lerne: erlöster müßten mir seine Jünger aussehen!“

(aus Nietzsches „Also sprach Zarathustra“)

Das Leben wäre oft einfacher, wenn wir in einer Schwarz-Weiß-Welt leben würden: Gut oder schlecht? Richtig oder falsch? Ja oder Nein? – Aber unsere Welt ist bunt mit unendlich vielen Schattierungen. Oft müssen wir sagen: Sowohl, als auch. Nicht ganz falsch, und nicht ganz richtig. Etwas hat Vor- und Nachteile.

Auch das real-existierende Christentum ist seinem Selbstverständnis nach eigentlich mangelhaft und relativ. Nur Gott ist absolut und allmächtig. Wir hingegen sind begrenzt, und unser Tun und Verstehen bleibt immer bruchstückhaft und unvollkommen. Nichts Konkretes in dieser Welt ist so heilig, dass es nicht auch Schattenseiten hätte. Gerade unser Mangel begründet unser Bedürfnis nach Gott, den wir selbstverständlich auch weiterhin brauchen, nachdem wir Christ geworden sind.

Von Christus heißt es, dass er sich erniedrigte und Mensch wurde, und dass er sich nicht geschämt hat, uns Schwester und Brüder zu nennen (Bibel, Neues Testament, Paulus‘ Brief an die Philipper 2,5-8; Hebräerbrief 2,11). Sollten nicht gerade Christen, die als begnadigte Sünder leben, kein Problem damit haben, Mängel und Fehler zuzugeben und anderen Sündern einladend zu begegnen? Anstelle als Glaubenshelden und Superheilige umherzuwandeln, dürfen wir andere unsere Schwächen und Fehler sehen lassen. Schwachheit ist eine Strategie des Wirken Gottes in dieser Welt. Jesus bejahte menschliche Schwachheit, um für uns zu leben und zu sterben.

Ist Bescheidenheit nicht auch eine christliche Tugend? Wäre es nicht dem Weg Jesu angemessener, die Kompliziertheit vieler Entscheidungen anzuerkennen und auf die eigene Begrenztheit hinzuweisen, als mit irgendwelchen Auslegungstricks Antworten auch auf die schwierigsten Fragen herbeizuzaubern? An der Seite von Menschen mit zu leiden und ungelöste Probleme auszuhalten, anstatt durch „theologische“ Schnellschüsse die Intaktheit des eigenen, mangelhaften Weltbildes zu beschützen?

Wenn Menschen auf „Frommes“ allergisch reagieren, so ist dies leider allzu oft eine richtige und gesunde Reaktion, weil das, was sich fromm gibt, nicht wirklich der Frömmigkeit von Jesus entspricht.

Liebe ist geduldig, Liebe ist freundlich. Sie kennt keinen Neid, sie spielt sich nicht auf, sie ist nicht eingebildet. Sie verhält sich nicht taktlos, sie sucht nicht den eigenen Vorteil, sie verliert nicht die Beherrschung, sie trägt keinem etwas nach. Sie freut sich nicht, wenn Unrecht geschieht, aber wo die Wahrheit siegt, freut sie sich mit. Alles erträgt sie, in jeder Lage glaubt sie, immer hofft sie, allem hält sie stand. Die Liebe vergeht niemals …

… was wir erkennen, ist immer nur ein Teil des Ganzen …

(Die Bibel, Neues Testament, der erste Brief des Apostel Paulus
an die Gemeinde in Korinth, 13,4-9)

… Richtet eure Gedanken ganz auf die Dinge, die wahr und achtenswert, gerecht, rein und unanstößig sind und allgemeine Zustimmung verdienen; beschäftigt euch mit dem, was vorbildlich ist und zu Recht gelobt wird.

(Paulus‘ Brief an die Philipper, 4,8)

[Dies ist die Überarbeitung eines älteren Artikels. Den älteren Artikel mit Kommentar findet ihr hier.]