selbstverständlich

 

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selbstverständlich

selbst – verständlich

das ist doch selbstverständlich

da muss man sich doch nicht extra bedanken

wieso  weshalb  warum

ich wache auf

es ist morgen

ich liege in meinem bett

selbstverständlich kann nicht jeder mensch erwarten immer in seinem bett aufzuwachen

manche menschen erwachen im krankenhaus

manche im sarg

manche sind unterwegs

manche auf der flucht

selbstverständlich wird nicht überall frühstück angeboten

selbstverständlich gibt es auch menschen die sich genau überlegen müssen wann sie was essen weil sie nicht genug haben

selbstverständlich gibt es nicht überall offene arbeitsstellen oder andere möglichkeiten sich seinen lebensunterhalt zu finanzieren

selbstverständlich können nicht alle familien und staaten sich leisten alle kinder zur schule zu schicken

selbstverständlich gibt es auch viele alleinstehende

selbstverständlich gehören leiden und schmerzen zum leben

selbstverständlich kann man nicht erwarten das unglücke immer nur die anderen treffen

selbstverständlich können menschen nicht immer friedlich miteinander leben

selbstverständlich kommt es bei militärischen auseinandersetzungen auch zu zivilen opfern

selbstverständlich müssen wir alle einmal sterben

selbstverständlich geht auch dieser text einmal zu ende

 

Die Güte des HERRN hat kein Ende, sein Erbarmen hört niemals auf,
es ist jeden Morgen neu! …
(Die Bibel, Buch der Klagelieder, 3. Kapitel, Vers 22-23)
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Ich bin nicht gut im Leiden

 

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Tragic mask on the façade of the Royal Dramatic Theatre in Stockholm, by Holger.Ellgaard (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

 

Es hat mich erwischt: Eine Erkältung. Nicht gerade dramatisch. Aber schon drängt sich die alte Frage wieder auf: Wie war das  doch mit Gottes Liebe und dem Leiden?

Schon meinen Heuschnupfen find ich nicht gut. Zahn- und Kopfschmerzen sind auch nicht gerade toll. Gleichzeitig ist das Jammern natürlich auch ein Bisschen peinlich, wenn man an all die Menschen denkt, die wirklich schwer krank sind. Ich war zum Glück noch nie so richtig schwer krank. Einmal hatte ich allerdings so starke Zahnschmerzen, dass ich es kaum noch aushielt.  –  Ich bin nicht gut im Leiden.

Es gab einmal einen Profi im Leiden. Ist sogar deutsches Kulturgut geworden: Die Hiobs-Botschaft. Ein Mann, der Nachrichten bekommen hat, die selbst dem gestandensten Mann den Boden unter den Füßen weghauen können. Hiob hatte alles verloren: Seinen Besitz und seine Kinder.

Pardon, FAST alles. Seine Frau hatte er noch. Die hatte übrigens ja auch alles verloren (waren ja wohl auch ihre Kinder dabei; scheint wohl eine patriarchalische Erzählung zu sein). Und seine Frau hatte Gott anscheinend schon aufgegeben (falls sie überhaupt fromm gewesen war). Und als Hiob dann heftig krank wird, lädt seine Frau (die ihm noch übrig geblieben war von allem) ein, sich von Gott zu verabschieden und ins Gras zu beißen!

Hiob jedoch blieb Gott treu – aber er fand das Leiden auch nicht toll; und er klagte Gott heftig an. Im hebräischen Original soll das Buch sogar so krass sein, dass ein jüdischer Rabbiner wohl mal gesagt haben soll, mal sollte das Buch besser nicht alleine, sondern mindestens zu zweit lesen (wahrscheinlich, damit man nicht seine Fassung oder seinen Glauben verliert).  –  Übrigens eins meiner Lieblingsbücher in der Bibel.  –  Nebenbei bemerkt: Ich glaube nicht, dass dieses Buch ein Beleg dafür ist, dass Männer besser sind im Leiden als Frauen. Und es gibt auch GlaubensheldINNEN in unseren heiligen Texten.

Es gab da auch noch jemand, der schwer gelitten hat. Und sogar freiwillig!!! (Wie geht das denn?)  –  Jesus aus Nazareth.

Aber auch Jesus fand das Leiden nicht toll. Er ging nicht freudestrahlend, mit geschwollener Brust, todesverachtend und das Leiden umarmend zu seiner Folter und Hinrichtung. In Gethsemane war er todtraurig und bat Gott so heftig für einen Ausweg, dass ihm der Schweiß von der Stirn tropfte.  –  Und doch ergab er sich in den Willen Gottes.

Jesus musste gewusst haben, was für eine ungeheure Provokation sein Erscheinen in Jerusalem für das religiöse Establishment war: Der Einzug in Jerusalem und sein Auftreten im Tempel …  –  „Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn, der König von Israel!“ – „Mein Haus soll ein Haus des Gebets sein!“ – Und er lehrte täglich im Tempel. Doch es gab für Jesus keinen anderen Weg, als den Willen Gottes zu tun. Für uns alle.