Jesus. Revolution.

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„Rebranding Jesus“ by Daniel Silliman (CC BY-NC-ND 2.0, https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/)

 

Ich bin gekommen, um auf der Erde ein Feuer anzuzünden; ich wünschte, es würde schon brennen!

Jesus aus Nazareth

 

In der abendländischen Kultur begegnet uns Jesus etwas angestaubt und vergilbt in Kirchen und Museen. Als die Füße dieses Wanderpredigers jedoch noch über die staubigen Straßen Palästinas liefen, war Jesus nicht so harmlos …

 

Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, nicht Frieden, sondern Entzweiung. Von jetzt an wird es so sein: Wenn fünf Menschen unter einem Dach leben, werden sich drei gegen zwei stellen und zwei gegen drei. Der Vater wird sich gegen den Sohn stellen und der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter und die Tochter gegen die Mutter, die Schwiegermutter gegen die Schwiegertochter und die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter.

 

Nichts, was verborgen ist, bleibt verborgen; alles wird ans Licht kommen. Und nichts, was geheim ist, bleibt geheim; alles wird bekannt gemacht werden. … Fürchtet euch nicht vor denen, die euch das irdische Leben nehmen können; sie können euch darüber hinaus nichts anhaben. … Fürchtet den, der nicht nur töten kann, sondern auch die Macht hat, in die Hölle zu werfen. Ja, ich sage euch: Ihn müsst ihr fürchten!

 

Wehe euch, ihr Reichen! Ihr habt euer Glück schon auf Erden genossen. Wehe euch, ihr Satten! Ihr werdet Hunger leiden. Wehe euch, die ihr jetzt sorglos lacht! Ihr werdet trauern und weinen. Wehe euch, die ihr jetzt von allen umschmeichelt werdet, denn die falschen Propheten waren schon immer beliebt.

 

Wenn dich dein rechtes Auge zur Sünde verführt, dann reiß es heraus und wirf es weg! Besser, du verlierst eins deiner Glieder, als dass du unversehrt in die Hölle geworfen wirst. Und wenn dich deine rechte Hand zum Bösen verführt, so hack sie ab und wirf sie weg! Es ist besser, verstümmelt zu sein, als unversehrt in die Hölle geworfen zu werden.

Der Diener, der den Willen seines Herrn kennt und sich nicht vorbereitet und nicht tut, was sein Herr will, wird hart bestraft werden. Wer hingegen den Willen seines Herrn nicht kennt und etwas tut, was Strafe verdient, wird weniger hart bestraft werden. Wem viel gegeben wurde, von dem wird viel gefordert, und wem viel anvertraut wurde, von dem wird umso mehr verlangt.

 

Wer von euch mir nachfolgen will, muss sich selbst verleugnen und sein Kreuz auf sich nehmen und mir nachfolgen. Wer versucht, sein Leben zu behalten, wird es verlieren. Doch wer sein Leben für mich aufgibt, wird das wahre Leben finden. Was nützt es, die ganze Welt zu gewinnen und dabei seine Seele zu verlieren? Gibt es etwas Kostbareres als die Seele?

 

Jesus rief die Kinder zu sich und sagte: Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Reich Gottes. Amen, das sage ich euch: Wer das Reich Gottes nicht so annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.

 

Freut euch, ihr Armen! Ihr werdet mit Gott leben in seiner neuen Welt. Freut euch, die ihr jetzt Hunger habt! Gott wird euch satt machen. Freut euch, die ihr jetzt weint! Bald werdet ihr lachen. Freuen dürft ihr euch, wenn euch die Leute hassen, ja, wenn sie euch aus ihrer Gemeinschaft ausstoßen und beschimpfen und verleumden, weil ihr euch zum Menschensohn bekennt! Freut euch und springt vor Freude, wenn das geschieht; denn Gott wird euch reich belohnen.

 

Ich bin gekommen, um ihnen das Leben in ganzer Fülle zu schenken. Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte opfert sein Leben für die Schafe.

 

Mir ist alle Macht im Himmel und auf der Erde gegeben. Darum geht zu allen Völkern und macht sie zu Jüngern. … Ich bin immer bei euch bis ans Ende der Zeit.

 

(Jesus in der Bibel, Neues Testament, Evangelien: Matthäus 5,29-30; 16,24-26; 28,18-20; Lukas 6,20-26; 12,2-5.47-49.51-53; 18,16-17; Johannes 10,10-11)

 

Bedeutet Christsein heutzutage wirklich nicht mehr, als in einem Taufregister eingetragen zu sein, einen Mitgliedsbeitrag an eine Kirche zu überweisen, eine christliche Weltanschauung zu teilen oder an christlichen Veranstaltungen teilzunehmen?

Heute wie damals leben verirrte Menschen, wie Schafe, die keinen Hirten haben …

 

Zuschlagen!

 

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Denkmal in Roseland, Chicago (US), mit einem Stein für jedes Kind, das in Roseland gewaltsam ums Leben gebracht wurde. (By Victorgrigas (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons)

 

Später schlug Kain seinem Bruder Abel vor: »Komm, wir gehen aufs Feld hinaus.«

Als sie dort waren, fiel Kain über seinen Bruder her und schlug ihn tot.

Da fragte der Herr Kain: »Wo ist dein Bruder Abel?«

»Ich weiß es nicht«, entgegnete Kain. »Soll ich etwa ständig auf ihn aufpassen?«

Doch der Herr sprach: »Was hast du getan? Hörst du nicht: Das Blut deines Bruders schreit zu mir? Deshalb sollst du verflucht sein … Von jetzt an sollst du ein Flüchtling sein, der heimatlos von Ort zu Ort irrt.«

Kain entgegnete dem Herrn: »Meine Strafe ist zu hart, ich kann sie nicht ertragen! …«

(Die Bibel, Bereschith / Genesis / 1. Buch Mose, 4. Kapitel, Verse 8-13)

 

In der biblischen Erzählung bricht die Gewalt über den Menschen herein wie ein Tsunami über die Badenden am Strand. Im Paradies wussten die Menschen zunächst noch nichts vom Bösen. Aber nach der Verführung, schon auf den ersten Seiten der Bibel, erschlägt ein Mensch seinen eigenen Bruder. Das Blut versickert im Acker. Die trauernden Eltern verlieren ihre beiden Kinder, an einem Tag der Gewalt.

Gewalt ist eine Gefahr auf unseren Straßen, in den Schulen und hinter den Fenstern unserer Wohnungen. Sogar in der Familie, dort wo ein Mensch sicher sein sollte, machen Menschen Gewalt-Erfahrungen am eigenen Körper, verursacht durch Menschen, die sie einmal geliebt haben, und es vielleicht immer noch tun.

Die Erfahrung körperlicher Gewalt ist eine prägende Erfahrung. Sie erschüttert uns bis hinab in die Tiefen unserer Seele, taucht wieder auf in unseren Träumen und verändert den Menschen, der wir sind. Das Leben danach ist nicht mehr dasselbe wie davor.

Gewalt ist das hässliche Gesicht der Menschheit. Eine Erinnerung an eine in uns schlummernde Gefahr, an die wir lieber nicht erinnert werden. Aggressives Potential, das vernichten kann. Ein andauerndes In-Frage-stellen unserer Menschlichkeit, und viele weitere offene Fragen …

WÜRDEST DU DEIN KIND LAMECH NENNEN ?

Lamech ist nicht gerade eine der bedeutenden Gestalten in der Bibel. Dennoch gibt es sogar einen Wikipedia-Artikel zu diesem Namen:  https://de.wikipedia.org/wiki/Lamech

Lamech. Ein Nachkomme des Brudermörders Kain. Ein Name der für immer mit der Eskalation von Gewalt verbunden sein wird. Sein Sohn wurde Waffenproduzent. Lamechs kurzes Lied „gilt als die älteste erhaltene Dichtung in der Bibel“ (Wikipedia). Es ist ein Lied der Gewalt:

 

Ihr meine Frauen, Ada, Zilla, hört!
Passt auf, wie Lamech sich sein Recht verschafft:
Ich töte einen Mann für meine Wunde
und einen Jungen, wenn mich jemand schlägt!
Ein Mord an Kain – so hat es Gott bestimmt –
verlangt als Rache sieben Menschenleben;
für Lamech müssen siebenundsiebzig sterben!

(Bereschith /Genesis / 1. Mose, 4,23-24)

 

DIE ZAHL 777

Es gibt noch einen zweiten Lamech in der Bibel, gleich im nächsten Kapitel. Der zweite Lamech ist ein Nachkomme von Set (das Kind, das Eva & Adam bekamen, nachdem sie Abel und Kain verloren hatten). Lamech lebte also nicht unter Kains Fluch.

Lamech war ein Sohn des legendären Methusalem, des ältesten Menschen in der Bibel. Er war auch der Papa des berühmten Noach (genau, der mit der Arche), was ihn ja eigentlich schon einmal ziemlich „aufwertet“. Er gehörte also zur letzten Generation, die alt und lebenssatt starb, bevor Gott fast die gesamte Menschheit durch eine globale Katastrophe gewaltsam vernichtete.

In der Bibel sind es manchmal Kleinigkeiten, die einem Leser, der mit den biblischen Erzählungen vertraut ist, große Zusammenhänge erahnen lassen. Ein einzelnes Wort kann dem Bibel-Kenner Themen und Motive in Erinnerung rufen.

777. Von solchen „Drillings-Zahlen“ gibt es ja nicht allzu viele in der Bibel. (Dem Bibelkenner fällt natürlich gleich die Zahl 666 ein.) Hier haben wir dreimal die Zahl 7. In sieben Tagen hatte Gott die Welt erschaffen. Kain sollte siebenmal gerächt werden, und der erste Lamech verlangte siebenundsiebzigfache Rache.

Ich halte nichts von übertriebener Zahlenakrobatik mit biblischen Zahlen. Manchmal haben Zahlen in der Bibel aber wirklich eine offensichtlich symbolische Bedeutung. Die Zahl 7 ist dabei eine der symbolträchtigeren Zahlen. Mit der Zahl 7 kann die Bedeutung von Vollständigkeit oder Vollkommenheit mitschwingen bzw. zum Ausdruck kommen.

 

Da wandte sich Petrus an Jesus und fragte: »Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er immer wieder gegen mich sündigt? Siebenmal?« – »Nein«, gab Jesus ihm zur Antwort, »nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal!«

(Die Bibel, Neues Testament, Matthäus-Evangelium, 18. Kapitel, Verse 21-22)

 

Erinnert dieser Dialog vielleicht an das Rache-Lied von Lamech?

Das Alter des zweiten Lamechs, die Zahl 777 im 5. Kapitel der Bibel, erscheint mir wie ein Fingerzeig auf die fortgeschrittene Eskalation der Gewalt zwischen den Menschen. Nicht die Schöpfung Gottes ist ans Ziel gelangt, sondern das ertragbare Maß an Gewalt und Bösen ist an seine Grenzen gestoßen. „Als aber die Zeit erfüllet war …“ (Neues Testament). Das Maß an Bosheit und Gewalt ist voll!

Das Zunehmen der Bosheit führt zur (scheinbaren) Endlösung: Die Sintflut. Die Zeit ist reif für einen Neubeginn. Die gute Familie des Noachs (oder sollte man besser sagen: die Familie des guten Noachs) sind die einzigen Menschen, die gerettet werden – für einen Neuanfang. Sicherlich eine Strategie, an die viele schon einmal gedacht haben: Man müsste nur alle bösen Menschen ausrotten …

Aber auch diese Superlative der Gewalt in Form der Sintflut wird keine Lösung sein. Nach der Sintflut geht es genau so weiter wie vorher. Die Eskalation der Gewalt geht immer weiter und gipfelt im Tod Jesu am Kreuz, wo nicht die Menschheit, sondern der Unschuldige die Strafe erträgt. Gott selbst kommt zu seinen Menschen, und seine Menschen schlagen ihn ans Kreuz; und die Möglichkeit der Versöhnung für alle Menschen wird eröffnet.

Der Geschichte der Menschheit durchzieht auch eine blutige Spur der Gewalt im Namen Gottes. Und auch jetzt, und auch in unserem Land ist diese Gefahr, und die Angst davor, real. Eine Stimme zu dieser Gefahr ist die des jüdischen Rabbiners Lord Jonathan Sacks, der vor zwei Jahren ein viel beachtetes Buch dazu veröffentlicht hat: „Not in Gods Name

Den vielen offenen Fragen in Bezug auf Gewalt können wir die Antworten von Erlösung, Vergebung und Versöhnung entgegenstellen. Wir sind der Gewalt nicht mittellos ausgeliefert. Das Wirken Gottes unter seinen Menschen wird auch durch Gewalt nicht zurückgehalten. Es kann sogar Akte der Gewalt in Versöhnung umwandeln. Der bedeutendste Ausdruck dafür ist der Tod Jesu am Kreuz und seine Auferstehung. Das Zentrum des christlichen Glaubens.