Das Buch „Vom Großen Fisch“

 

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Jona und der Wal, Gemälde von Pieter Lastman, 1621, [Public domain], via Wikimedia Commons

 

Wäre dies nicht ein guter Titel für das Buch, das üblicherweise mit dem Titel „Jona“ verkauft wird? Jona im Fisch scheint zumindest oft der Aspekt zu sein, der die meisten an diesem Buch interessiert. Wäre auch ein sehr kinderfreundlicher Titel. Ohne seinen Freund den Fisch (der Fisch hat Jona ja schließlich vorm Ertrinken gerettet) wäre Jona bestimmt nicht einmal halb so bekannt.

Wer immer noch nicht sicher ist, von welchem Buch ich rede, muss nur mal in ihrer oder seiner Bibel nachschauen:

 

Der Herr aber ließ einen großen Fisch kommen, der verschlang Jona. Drei Tage und drei Nächte lang war Jona im Bauch des Fisches. Dort betete er zum Herrn, seinem Gott: »… du, Herr, bist mein Retter.«
Da befahl der Herr dem Fisch, ans Ufer zu schwimmen und Jona wieder auszuspucken.
(Bibel, Tanach / Altes Testament, Jona, 2. Kapitel)

 

Warum ist „Das Buch vom großen Fisch“ KEIN guter Titel?

( Warum ist diese Frage manipulativ?  😉 )

Ich finde, ein besserer Titel wäre z.B. „Buch von der großen Geduld und Barmherzigkeit Gottes gegenüber  ALLEN  Menschen“ (zugegebenerweise ein bisschen lang). Es geht ja um Gottes Geduld – mit den „Ungläubigen“, und sogar mit seinen Schein-Heiligen.

Wer sich mal die Mühe machen bzw. den Genuss erleben will, kann ja mal schnell das kleine Büchlein Jona durchlesen (nur 4. kurze Kapitel). Nach dem zweiten Kapitel wird schnell klar, dass die Episode mit dem Fisch nicht das Hauptthema des Buches ist.

 

Das Buch Jona

Es gibt natürlich auch einen Wikipedia-Artikel zu diesem Buch:

Jona.

Das Buch ist einer meiner Lieblingstexte in der Bibel. Eine einzigartige Erzählung. Ich kenne keinen zweiten antiken jüdischen Text, der diesem Buch ähnlich ist. Eine Karikatur eines (scheinbar) frommen Menschen. Allerdings offensichtlich auch von einem frommen Menschen geschrieben!  –  Vielleicht der einzige satirische Text in der Bibel?

 

Die „Gottlosen“ und Jona

Die Nicht-Juden kommen in diesem Text erstaunlich gut weg. Sogar die Niniviten (samt Tieren!) bereuen und zeigen sich einsichtig! Nur Jona erscheint wie ein bockiges Kind:

 

Aber Gott fragte ihn: »Hast du ein Recht dazu, wegen dieser Pflanze so zornig zu sein?« »Doch«, sagte Jona, »mit vollem Recht bin ich wütend. Am liebsten wäre ich tot!«

(Vers 9)

 

[ Nur gut, dass wir Christen nicht so eine Jona-Mentalität haben.  😉 ]

 

Der Rest der Bibel

Hat dieser Text andere biblische Autoren inspiriert?

Jesus (kein biblischer Autor) kannte laut den Evangelien diesen Text oder zumindest die Erzählung.

 

»Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des großen Fisches war, so wird auch der Menschensohn drei Tage und drei Nächte in der Tiefe der Erde sein.«

(Bibel, Neues Testament, Matthäus-Evangelium 12,40)

 

Die Jesus-Worte sind (abgesehen von  EINER alttestamentlichen Stelle in 2. Könige und dem Buch Jona selbst) auch die einzigen Verse, wo dieser Prophet „Jona“ in der Bibel auftaucht.

Warum wurde auf diese Erzählung von Jona nicht öfter in anderen Texten Bezug genommen?

 

»Diese verdorbene Generation verlangt dauernd nach einem Zeichen. Doch es wird ihnen keins gegeben werden – nur das des Propheten Jona. Denn wie Jona für die Menschen von Ninive ein Zeichen war, so wird es der Menschensohn für diese Generation sein.«

(Lukas-Evangelium 11,29-30)

 

Was ist eigentlich das „Zeichen des Jona“? Und warum haben sich die Einwohner von Ninive bekehrt? Warum eigentlich ausgerechnet Ninive? Und warum hat sich Jona geärgert? Und warum ist er dann doch noch in der Nähe von Ninive geblieben?

 

»Und mir sollte nicht diese große Stadt Ninive Leid tun, in der mehr als hundertzwanzigtausend Menschen leben, die rechts und links nicht unterscheiden können, und dazu noch das viele Vieh?«

 

Interessiert sich Gott wirklich für Tiere?

(„Viele Vieh“ sind übrigens auch wirklich die letzten beiden Worte des Buches im hebräischen Original.)

 

Das Zwölfprophetenbuch

Das Buch Jona passt in seinem Charakter eigentlich gar nicht so richtig zu den sogenannten „Zwölf kleinen Propheten“. Man fragt sich, ob die Länge des Buches vielleicht der einzige Grund war, weshalb es in der Zwölfprophetensammlung gelandet ist. (Oder vielleicht die  Zeit  der Verfasserschaft?) Wer ist überhaupt dafür verantwortlich, dass dieser krasse Text in der Bibel gelandet ist?

 

Und wer hat das Buch überhaupt geschrieben?

Keine Ahnung.

Und das geht nicht nur mir so. Das Jona diese Erzählung über sich selbst auch noch selber aufgeschrieben hat, wird zumindest in den biblischen Texten meines Wissens nirgendwo behauptet. (Dass man nicht weiß, wer der Verfasser ist, betrifft auch nicht nur das sogenannte Buch „Jona“, sondern viele Texte in der Bibel.)

 

Wann wurde Jona geschrieben?

„Keine Ahnung!“ … stimmt hier nicht ganz. Man kann wahrscheinlich vom Text selbst ausgehend am besten einschätzen, wann der Text ungefähr geschrieben worden ist. Außerdem lässt das Auftreten des Begriffs „Zwölfprophetenbuch“ (bei Jesus Sirach, 49,10) eine spätere Entstehung kaum zu.

 

Noch etwas zum Titel

Benannt wird es im Allgemeinen nach dem „Anti-Helden“ der Erzählung: Jona. – Oder sollte es „Jonas“ heißen? (Interessant auch der Wikipedia-Artikel zum Namen „Jona(s)„. Da steht u.a. zur Herkunft und Bedeutung:

 

Die hebräische Version des Namens bedeutet Taube und stammt ursprünglich vom griechischen Wort οιωνός für Zeichen. Im antiken Griechenland glaubte man, dass Vögel als Zeichen der Götter an die Menschen geschickt wurden. Es wird daher angenommen, dass der Name Jonas für ein friedvolles Wesen steht. Die biblische Version des Namens umfasst die hebräische Bedeutung, aber auch die Bedeutung Zerstörer und Unterdrücker. Als Variante von Jonah kann der Name auch als mit erreichen und Geschenk Gottes in Verbindung gesetzt werden.

(Wikipedia)

 

Alles sehr interessante Gedanken, wenn man an den Inhalt des Buches und auch an die Worte Jesu denkt. Klingt fast wie eine ironische Randbemerkung zu Jona.

Dass das Buch nach Jona benannt wird, macht Sinn; steht er doch am Anfang und am Ende der Erzählung (neben Gott natürlich). Aber geht es wirklich um ihn als Person oder steht seine prophetische Figur und sein Verhalten für etwas Anderes?

Auch in der heutigen Zeit bemühen sich Menschen um die Überwindung von Feindseligkeit, Dualismus, und um ein höheres Bewusstsein.

Ein richtig guter Titel für das Buch wäre vielleicht:

 

die güte und geduld gottes

 

 

Reparation des kulturellen Imperialismus des Christentums

 

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Schriftrollen des Tanach; von Pete unseth (Own work) [CC0], via Wikimedia Commons

 

Dies sind die jüdischen Namen „unseres Alten Testaments“, des jüdischen Tanach, der vom Christentum annektiert worden ist:
תּוֹרָה – Tora („Weisung“, „Lehre“) = Pentateuch / 5 Bücher Mose

בְּרֵאשִׁית – Bereschit („Im Anfang“) = Genesis / 1. Mose
שִׁמוֹת – Schemot („Namen“) = Exodus / 2. Mose
ויקרא – Wajikra („Er rief“) = Leviticus / 3. Mose
במדבר – Bemidbar („In der Wüste“) = Numeri / 4. Mose
דברים – Devarim („Worte“) = Deuteronomium / 5. Mose
נְבִיאִים – Nevi’im („Propheten“)

יְהוֹשֻׁעַ – Jehoschua‘ („Josua“) = Josua
שופטים – Schoftim („Richter“) = Richter
שמואל – Schmu’el („Samuel“) = Erstes und Zweites Buch Samuel
מלכים – Melakhim („Könige“) = Erstes und Zweites Königsbuch
ישעיהו – Jescha’jahu („Jesaja“) = Jesaja
יִרְמְיָהוּ – Jirmejahu („Jeremia“) = Jeremia
יחזקאל – Jechesqel („Ezechiel“) = Ezechiel / Hesekiel

תרי עשׂר – Tre ‚Asar (Aramäisch „Zwölf“) = Zwölfprophetenbuch / Dodekapropheton

Im Einzelnen:

הושע – Hoschea‘ („Hosea“) = Hosea
יוֹאֵל – Joel = Joel
עמוס – ‚Amos = Amos
עֹבַדְיָה – ‚Obadja = Obadja
יוֹנָה – Jona = Jona
מִיכָה – Micha = Micha
נחום – Nachum = Nahum
חֲבַקּוּק – Chabakuk = Habakuk
צְפַנְיָה – Zefanja = Zefanja
חגי – Chaggai = Haggai
זְכַרְיָה – Secharja = Sacharja
מַלְאָכִי – Mal’achi = Maleachi
כְּתוּבִים‎‎ – Ketuvim („Schriften“)

Bestehend aus:

אמ“ת ספרי – Sifrei Emet („Emet“ ist das Akronym aus den 3 Anfangsbuchstaben)

תְּהִלִּים – Tehillim = Psalmen
אִיּוֹב – ‚Ijob = Ijob/Hiob
מִשְלֵי – Mischle = Buch der Sprichwörter

חמש מגילות – Megillot

Im Einzelnen:

רות – Rut – Rut
שִׁיר הַשִּׁירִים – Schir Haschirim – Hoheslied
קֹהֶלֶת – Kohelet – Kohelet
אֵיכָה – ‚Echa – Klagelieder Jeremias
אסתר – ‚Ester – Ester

Die übrigen Bücher

דָּנִיּאֵל – Dani’el – Daniel
עֶזְרָא נְחֶמְיָה – ‚Esra Nechemija – Esra-Nehemia
דִּבְרֵי הַיָּמִים – Divre Hajamim („Ereignisse der Tage“) – Erstes und Zweites Chronikbuch
Es gibt heute moderne Übersetzungen der Texte in Deutsch und in anderen Sprachen. Aber die Originale sind antike Texte in orientalischen, semitischen Sprachen, aus einem anderen Kulturbereich. Sollte dies nicht bei der Interpretation eine Rolle spielen?

Wie tief gehen die kulturellen Wurzeln des Christentums im „christlichen“ Abendland? Kaum ein biblischer Text wurde von einem Europäer geschrieben! (Vielleicht sogar gar keiner?)

Von einer europäischen Kultur zu sprechen, macht in der Antike noch weniger Sinn als heute. Der kulturelle Druck des Hellenismus aufs Judentum begann allerdings schon lange vor dem Auftreten des Christentums.

 

Spucke, ein Schuh, „Barfüßer“ und Todesstrafe bei Coitus Interruptus

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Judaic halizah shoe for declining to marry a childless widow, United States, NY, shoe museum, by Daderot (Own work) [CC0], via Wikimedia Commons

 

Klingt etwas krass – kann man aber in seiner Bibel nachlesen:

 

Juda nahm dann für seinen erstgeborenen Sohn Ger eine Frau namens Thamar. Aber Ger, der Erstgeborene Judas, zog sich das Missfallen des HERRN zu; daher ließ der HERR ihn sterben. Da sagte Juda zu Onan: »Gehe zu der Frau deines Bruders ein und leiste ihr die Schwagerpflicht, damit du das Geschlecht deines Bruders fortpflanzest!« Da Onan aber wusste, dass die Kinder nicht als seine eigenen gelten würden, ließ er, sooft er zu der Frau seines Bruders einging, (den Samen) zur Erde fallen, um seinem Bruder keine Nachkommen zu verschaffen. Dieses sein Tun missfiel aber dem HERRN, und so ließ er auch ihn sterben.

(Die Bibel / Tanach, Tora, Bereschith / Genesis / 1. Mose, 38. Kapitel, Verse 6-10)

 

Die Hauptfigur dieser Erzählung ist eigentlich eine Frau: Tamar. „Berühmt“ geworden ist diese Erzählung allerdings durch den Begriff „Onanie“, eine alternative Bezeichnung für Masturbation, abgeleitet von dem Mann Onan in dieser Erzählung, der von Gott mit dem Tode bestraft wird.

Onan hat allerdings weder masturbiert, noch wurde er bestraft, weil er Coitus Interruptus praktiziert hat, sondern er wurde bestraft, weil er seiner verwitweten Schwägerin keine Kinder machen wollte. Dieser Text hatte leider in der Geschichte „christlicher“ Sexualethik keine gute Wirkungsgeschichte; wie so manch anderer Text auch.

Um es noch einmal deutlich zu sagen: Es geht in dieser Erzählung also weder um Masturbation noch um Coitus Interruptus, sondern um die Verweigerung Onans, seiner verwitweten Schwägerin, und damit seinem verstorbenen Bruder, Kinder zu machen. Man spricht hier auch von „Schwagerehe“ oder „Leviratsehe„, zu der auch ein paar andere Verse in der Tora etwas zu sagen haben:

 

Wenn ein verheirateter Mann kinderlos stirbt und in der Nähe ein Bruder von ihm lebt, muss dieser die Witwe zur Frau nehmen. Sie soll keinen Mann außerhalb der Familie heiraten, sondern ihren Schwager. Der erste Sohn, den sie dann zur Welt bringt, soll als Sohn des Verstorbenen gelten, damit sein Name in Israel weiterlebt. Will aber der Bruder seine Schwägerin nicht heiraten, dann soll sie zu den führenden Männern gehen, die am Stadttor Gericht halten. Sie soll sagen: »Mein Schwager weigert sich, mich zu heiraten. Er will nicht dafür sorgen, dass der Name seines Bruders weiterlebt.« Die führenden Männer der Stadt sollen ihn rufen und ihn zur Rede stellen. Bleibt er bei seiner Ablehnung, dann soll seine Schwägerin ihm dort vor den führenden Männern einen Schuh ausziehen, ihm ins Gesicht spucken und ausrufen: »So behandelt man jemanden, der die Familie seines Bruders nicht am Leben erhalten will.« Ganz Israel soll es erfahren und ihn und seine Familie von da an
»Barfüßer« nennen.

(Die Bibel / Tanach, Tora, Devarim / Deuteronomium / 5. Mose, 25,5-10)

 

Besonders interessant ist diese Regelung, da sie moderne „christliche“ Moralvorstellungen vom Sex in einer monogamen Beziehung etwas stört. Der Bruder, der seine verwitwete Schwägerin heiraten soll, wird, wenn er alt genug gewesen ist, in der Regel zur damaligen Zeit auch schon verheiratet gewesen sein. Dennoch soll er, auf Gottes Gebot hin, seine Schwägerin heiraten, ohne dass dies als Ehebruch gewertet wird oder moralisch verwerflich ist. Im Gegenteil, wird die  Verweigerung  dieser moralischen und religiösen Pflicht als verwerflich eingestuft und entsprechend geahndet.

Dies ist selbstverständlich KEIN Freibrief für Sex außerhalb einer Beziehung. Die Regelung zeigt aber, dass es in der Bibel kein durchgehendes ABSOLUTES Verbot für Sex außerhalb einer monogamen Beziehung gibt, bzw. auch Polygamie in der Tora für diesen Fall möglich war. Die gesamte Vorstellung mancher Konservativen, dass sich das Sexualverhalten von Christen eindeutig durch Bibelverse regeln lässt, ist an sich natürlich schon eine abenteuerliche Vorstellung.

 

Alles ist mir erlaubt – aber nicht alles nützt mir. Alles ist mir erlaubt, aber nichts soll Macht haben über mich.

(Die Bibel, Neues Testament, 1. Brief von Paulus an die Gemeinde in Korinth 6,12)

Alles ist erlaubt – aber nicht alles nützt. Alles ist erlaubt – aber nicht alles baut auf. Denkt dabei nicht an euch selbst, sondern an die anderen.

(1. Korintherbrief 10,23-24)

 

Die Frage: „Wie weit darf ich denn gehen ohne gegen Gottes Willen zu verstoßen?“ verrät an sich schon ein schlechtes Verständnis von der Freiheit eines Christen. Vor Gott hat ein Christ  volle  Freiheit und  volle  Verantwortung.

 

Endlich !!! Nach Jahrhunderten des Wartens : Das BIBEL-PORTAL

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Dies ist NICHT ein Foto vom Bibel-Portal, sondern vom alten Leseraum des British Museum. Was das British Museum mit dem Bibel-Portal zu tun hat? – Artikel lesen! – FOTO-NACHWEIS: By Diliff (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html), CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/) or CC BY 2.5 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.5)%5D, via Wikimedia Commons

 

Ein großartiges Bild : Der alte Leseraum des British Museum.

Eine geniale Idee : Wie wäre es, wenn es EINEN Ort gäbe, von dem aus man möglichst viel über die Bibel lernen kann? Am besten auch noch in möglichst vielen Sprachen; und natürlich möglichst auf den neuesten Stand der Forschung. – Schließlich ist die Bibel ja wohl das bedeutendste Buch der Kulturgeschichte!

DIESES BIBEL-PORTAL IST IM ENTSTEHEN !!!

Und jeder kann mitmachen! Sogar Frauen (!) können sich miteinbringen.

Erreichbar ist es von (fast) überall. Benutzung kostenlos. Alles, was man braucht, ist Internet.

Der jüdische Tanach (unser „Altes Testament“) ist natürlich auch mit an Bord. (Den haben wir als Christen ja, sozusagen, kulturell und religiös für uns vereinnahmt. Kann ich schon verstehen, wenn Juden dabei gemischte Gefühle haben.)

Ein robuster und bewährter „Partner“ ist auch mit dabei: WIKIPEDIA !

(Ich bin bekennender Wikipedia-Fan. 🙂 – Ist ein Leben ohne Wikipedia überhaupt noch vorstellbar? – Die freie Enzyklopädie. Wenn es Wikipedia nicht schon gäbe, müsste sie erfunden werden.)

https://de.wikipedia.org/wiki/Portal:Bibel

Es gibt Artikel zu großen Themen wie Bibel oder Tanach; und auch Artikel zu spezielleren Themen wie GottebenbildlichkeitSeraphQumranBibelfilm oder Bibeltelefon.

Das Bibel-Portal kommt sogar mit Bibel-Quiz, wo man sein Wissen testen kann (Traut euch!), Artikel des Monats (aktuell: Die Volx-Bibel), aktuelle Nachrichten zur Bibel („Aktuell“) und Verlinkung zu weiteren Bibel-Portalen.

In der Regel scheinen die in deutschen Artikeln auftauchenden Bibelstellen mit bibleserver.com verlinkt zu sein. Dies ist ein Projekt von ERF Medien. – Was für ein wunderbares Beispiel für die Zusammenarbeit von Menschen, die sich für das Gemeinwohl einsetzen, und ein tolles praktisches Werkzeug des Lernens.

Viele Begriffe, die in den Artikeln auftauchen, verlinken natürlich weiter zu anderen Wikipedia-Artikeln und auch Links zu anderen Webseiten gibt es reichlich. Hinter dem unscheinbaren Design des Bibel-Portals verbirgt sich also eine sich weit erstreckende Landschaft des Wissens; und wenn man an einer Stelle anfängt zu lesen, explodiert das eigene Lernen schnell in ein weitverzweigtes Netz aus Stichworten und Webseiten. – Was braucht man mehr? (Man muss nur ab und zu mal auf Toilette gehen und ein Bisschen schlafen.)

Es gibt auch sehr viele Themen, die direkt oder indirekt mit den biblischen Texten zu tun haben. Artikel zu den biblischen Sprachen oder zur Geschichte der Region, in der die biblischen Texte entstanden sind, haben einen offensichtlichen Bezug zur Bibel. Aber auch andere Themen wie Judaistik, Theologie, Islamwissenschaft, Religionswissenschaft, Kulturgeschichte, Literaturwissenschaft, Sprachwissenschaft, Archäologie, Papyrologie, Anthropologie, Architektur, Soziologie, Psychologie, Philosophie, Politik, Musikwissenschaft, Kunst, Seefahrt, Erziehungswissenschaft und weitere Themen haben Bedeutung für einzelne biblische Texte oder die Themen, die in den biblischen Texten behandelt werden.

Bei Wikipedia https://www.wikipedia.org/ gibt es derzeit über 5 MILLIONEN Artikel in englischer Sprache, über 2 Millionen in Deutsch und noch Millionen von anderen Artikeln in anderen Sprachen. Und das sind nicht nur Texte, sondern auch Bilder, Grafiken, Tabellen, …

Was für eine herrliche Quelle an Informationen für alle Christen, die selber denken und nicht einfach ihrem Hirten hinterlaufen wollen. (Ich meine mit „Hirten“ Päpste und Pastoren, und nicht Jesus.) Ein Werkzeug des Lernens für den mündigen Gläubigen. – Bedeutet Christsein nicht „von Jesus LERNEN“? Kann man von Jesus lernen, ohne sich mit den biblischen Texten vertraut zu machen?

Ein Ort, an dem eigene Traditionen in den Hintergrund treten, und man sich um das Verstehen dieser so wichtigen Texte bemüht. Ökumene zum Anfassen! Vielleicht sogar ein Ort der Begegnung von Juden und Christen; sind es doch die heiligen Texte der Juden, die zur Grundlage des Christentums geworden sind. (Ohne diese jüdischen Texte gäbe es unser „christliches“ Neues Testament gar nicht; und würde man alle alttestamentlichen Zitate aus dem Neuen Testament herausstreichen wäre es NOCH dünner.) – Wie gut kennen wir als Christen eigentlich diesen dickeren, älteren Teil unserer Bibeln?

Oder haben wir für die gründliche Beschäftigung mit unseren heiligen Texten keine Zeit? Zu beschäftigt mit den Wellness-Programmen unserer Gemeinden? Worauf gründet sich eigentlich unser Glaube? Sind wir selbstzufrieden mit unserer eigenen konfessionellen Tradition oder geht es uns wirklich um die Sache Gottes und Jesu?

 

„Ihr Heuchler, richtig hat Jesaja von euch geweissagt und gesprochen: ‚Dies Volk ehrt mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist fern von mir; vergeblich dienen sie mir, weil sie lehren solche Lehren, die nichts als Menschengebote sind.'“

(Die Bibel, Neues Testament, Matthäus-Evangelium, 15. Kapitel, Vers 9)

 

Gesprochen von Jesus zu den Frommen seiner Zeit. Menschen, die zufrieden waren mit ihrer Tradition und sich dafür, worum es bei den Wurzeln ihrer Tradition ging, nicht mehr interessierten. Trauriger Zustand eines religiösen Establishments. Wenn es erst einmal kirchliche Funktionäre mit Eigeninteressen gibt, ist das Himmelreich in Gefahr. Strukturen des Bösen machen nicht an der Kirchentür halt; und die Mitgliederliste der wahren Kirche Jesu hat nur Gott.

Wir verdanken die wunderbaren Artikel des Bibel-Portals all den netten Menschen, die sich die Zeit nehmen, sie zu schreiben und ins Netz zu stellen. Die Artikel könnten allerdings noch wunderbarer sein, wenn es noch mehr nette Menschen gäbe, die sie verbessern und aktualisieren würden. Manche Artikel existieren auch noch gar nicht. 😦 (Man kann allerdings auf der Webseite des Bibel-Portals auch Wünsche äußern.)

Man kann bei Wikipedia natürlich nicht einfach so rumlabern wie in einer Bibelstunde oder in einer Predigt. Hier geht es ja nicht um persönliche Meinungen und Spekulationen, sondern um belegbare Informationen! Da kann man nicht einfach seine eigenen Ideen zusammenschreiben, sondern man muss richtig wissenschaftlich arbeiten, so mit Quellenangaben und allem Drum und Dran. Das darf dann auch mal ein bisschen anstrengend sein.

Hab selber auch schon mal drüber nachgedacht, bei Wikipedia mitzumachen. Man muss ja auch nicht immer alles selbst recherchieren. Auch wenn man einen schon vorhandenen Artikel verbessert oder in eine weitere Sprache übersetzt, leistet man einen sehr wichtigen Beitrag. Wikipedia ist ja auch ein Ort des Wissensaustauschs zwischen Sprachräumen.

Manche Christen reißen sich ein Bein aus, um das Christentum zu verbreiten und zu stärken. Warum nicht nutzen, was schon da ist? Infrastruktur des Internet. Kostenlos. (Man darf natürlich auch für Wikipedia spenden, denn von Sonne und Luft leben die auch nicht.) – Vielleicht kommen ja sogar ein paar Christen auf die Idee, sich zu verabreden, um das Bibel-Portal auszubauen (sozusagen, eine „Konzertierte Aktion“)?! Wenn man sich dabei nicht zu blöd anstellt, könnte vielleicht sogar was daraus werden. Heißt es von Jesus nicht:

 

„Da lobte der Herr den ungetreuen Verwalter dafür, dass er so klug gehandelt hatte. In der Tat, die Menschen dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Menschen des Lichts.“

(Lukas-Evangelium 16,8)

 

Die Mitarbeit bei einem solchen Projekt berührt allerdings einen wunden Punkt in der Christenheit: Sind wir überhaupt bereit, unseren Glauben hinterfragen zu lassen? Ist unser Glaube stark genug, dass wir es auch aushalten können, wenn jemand eine andere Meinung hat? Können wir im Gespräch mit anderen über diese „unseren“ Texte auch Rede und Antwort stehen?

Es gibt, andererseits, natürlich auch keine „neutrale“ Wissenschaft. Auch Wissenschaftler sind sündige Menschen, und Wissenschaft entstand und entsteht nicht in einem interessenfreien Raum. Es ist, allerdings, das erklärte Ideal der Wissenschaft, vorurteilsfreie und überprüfbare Erkenntnis anzustreben. Wäre es nicht geradezu Aufgabe der Christen, Wissenschaftler zu „entlarven“, die gegen ihr eigenes Ideal verstoßen, und auch bei den erkenntnistheoretischen Fragen, die aller Wissenschaft zu Grunde liegen, mitzureden?

Auf welchem Stand wären wir Christen mit unseren Bibelübersetzungen, wenn es nicht über Jahrhunderte Sprachwissenschaftler gegeben hätte und immer noch gäbe, die mit akribischer Sorgfalt sich bemühen, die antiken Sprachen zu rekonstruieren? Wie könnten wir überhaupt die Richtigkeit einer Übersetzung überprüfen? (Es gibt natürlich auch ein paar Amerikanische Christen, die meinen, dass die King-James-Übersetzung das Non-plus-ultra ist. Pech nur für Leute, die kein Englisch sprechen. Außerdem ist das Englisch von heute auch nicht mehr das, was es mal war – zu Shakespeare’s Zeiten.)

Kommunikation funktioniert nur im Zusammenhang. Was würden wir über die Welt der Bibel wissen, wenn Archäologen nicht gegraben und Historiker nicht geforscht hätten, um uns diese Welt zu erschließen?

Man kann als Pastor natürlich auch immer wieder davor warnen, dass bei Wikipedia auch nicht die absolute Wahrheit steht; aber verhindern, dass die eigenen Schäfchen sich bei Wikipedia schlau machen, kann man doch nicht. – Wäre es nicht sinnvoll, daran mitzuarbeiten, dass diese Bibel-Artikel so gut sind, wie sie nur irgend sein können? Ist es nicht eine wunderbare Plattform, um biblische Inhalte im Internet auszustreuen? – Möge der Same da aufgehen und wachsen, wo er hinfällt!

Meist werden in Wikipedia-Artikeln auch verschiedene Positionen oder Theorien zu einem Thema vorgestellt. Bei einem wissenschaftlichen Ansatz ja auch eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Der Leser soll sich ja einen Überblick verschaffen können, um dann seine eigenen Schlüsse zu ziehen oder Ausgangspunkte zu haben, von denen aus er weiter denken und forschen kann.

 

„Prüft aber alles und das Gute behaltet.“

(1. Brief von Paulus an die Thessalonicher 5,21)

 

MACH MIT !

 

 

„… Das Himmelreich gleicht einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und auf seinen Acker säte; das ist das kleinste unter allen Samenkörnern; wenn es aber gewachsen ist, so ist es größer als alle Kräuter und wird ein Baum, sodass die Vögel unter dem Himmel kommen und wohnen in seinen Zweigen. … Das Himmelreich gleicht einem Sauerteig, den eine Frau nahm und unter einen halben Zentner Mehl mengte, bis es ganz durchsäuert war.“

(Matthäus 13,31-33)

 

ZUM FOTO:

Dieses Foto war bei Wikimedia Commons Kandidat für „Picture of the Year 2006„. Es zeigt den alten Lesesaal des British Museum.

Es gibt wohl kaum ein Museum, das größere Bedeutung für die Kulturgeschichte der Region hat, in der die biblischen Texte entstanden sind. Das British Museum hat u.a. eine Abteilung für den Vorderen Orient, Ägypten, Griechenland und das Römische Reich. Während seiner Arbeit am British Museum macht z.B. der Assyriologe Michael Jursa eine Entdeckung:

https://www.britishmuseum.org/about_us/news_and_press/press_releases/2007/biblical_archaeology_find.aspx

Von T. C. Mitchell gibt es das Buch „The Bible in the British Museum“ und von Anderson & Edwards „Through the British Museum with the Bible„, die Zeugen-Jehovas bieten „Bibel-Führungen“ durch das British Museum an und 2015 wurde im British Museum sogar der Codex Sinaiticus im Rahmen einer Ausstellung als Leihgabe der British Library ausgestellt:

https://www.theguardian.com/books/2015/aug/27/british-library-lends-worlds-oldest-bible-british-museum

Bei Wikipedia findet man zahlreiche Artikel zum British Museum und seinen Ausstellungsstücken; beispielsweise ein Artikel zum „Stein von Rosette
(bedeutender Fund für das Verständnis Ägyptischer Hieroglyphen), zum „Atraḫasis-Epos“ (mit einem Foto eines Bruchstücks des Epos aus dem British Museum) und zum „Adam and Eve Cylinder Seal„. Informationen zum Codex Sinaiticus gibt’s selbstverständlich auch.

Wenn man „British Museum“ + „Bibel“ oder „bible“ in eine Suchmaschine eingibt findet man eine Menge; und beim Cultural Institute von Google kann man das British Museum sogar virtuell besuchen:

https://www.google.com/culturalinstitute/beta/partner/the-british-museum

 

HEBRÄISCH

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By W.pseudon (Own work) [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)%5D, via Wikimedia Commons

Mehr als alle anderen Sprachen ist Hebräisch die Sprache der Bibel, und damit auch die grundlegende Sprache der jüdisch-christlichen Überlieferung vom Glauben an den einen Gott. Die meisten biblischen Texte wurden ursprünglich in Hebräisch verfasst, und auch die heiligen Texte der ersten Christen waren fast alles hebräische Texte (auch wenn sie in der Regel in griechischer Übersetzung gelesen wurden).

In antiken Gesellschaften war Schreiben ein Luxus, der nur von einer kleinen Elite beherrscht wurde. Parallel zur Textproduktion gab es eine breite mündliche Erzähltradition, von der uns natürlich nur das überliefert ist, was in Textform für die Nachwelt erhalten blieb. Hebräisch war zunächst nur eine gesprochene Sprache; und auch nach der Erfindung von hebräischer Schrift war der weit überwiegende Sprachgebrauch selbstverständlich mündlich.

Wie alle Sprachen, so hat auch Hebräisch eine Herkunft und Geschichte. Und wie alle anderen lebendigen Sprachen auch, so hat auch Hebräisch Einflüsse aus anderen Sprachen aufgenommen. Die augenscheinlichste Folge „fremder“ Einflüsse ist die hebräische Quadratschrift selbst, welche noch heute in Gebrauch ist. Diese Schrift wurde vom Reichsaramäisch entlehnt, das Verkehrssprache im Persischen Reich war und auch noch lange nach Alexander dem Großen große Bedeutung in der Region hatte. Aramäisch war sicherlich auch die Muttersprache Jesu, und wir finden Spuren davon auch im Neuen Testament. (So sind z.B. die letzten Worte Jesu „Eli, Eli, lama asabtani“ ein Zitat aus dem 22. Psalm in ARAMÄISCHER Übersetzung.)

Mit Alexander breitete sich die griechische Sprache und der Hellenismus im Mittelmeerraum aus, sodass bald auch unter den Diaspora-Juden der Bedarf an griechischer Übersetzung wuchs. Es war dann die Septuaginta, die  große Bedeutung als griechische Übersetzung der hebräischen heiligen Texte erlangte.

Jeder, der schon einmal eine Fremdsprache gelernt hat, weiß, dass es unmöglich ist, eine andere Sprache zu lernen, ohne nicht auch etwas mit der fremden Kultur vertraut zu werden. Sprache transportiert Kultur und ist an sie gebunden. Der kulturelle Druck, der durch die verbreitete griechische Sprache und dem Hellenismus auf die jüdische Tradition ausgeübt wurde, war enorm, und die Übertragung der heiligen Texte in eine fremde Sprache eine große Herausforderung. Bei Übersetzungen geht zwangsläufig immer etwas verloren. Es ist nur selten möglich den Spielraum für Deutung und Assoziation exakt in einer anderen Sprache zu reproduzieren. Und wie übersetzt man überhaupt ein grammatikalisches System, das grundsätzlich ein bisschen anders funktioniert?

Nach den Griechen kamen die Römer, und in der Kirchengeschichte gewann Latein zunehmend an Bedeutung. Der im Judentum und der hebräischen Sprache verwurzelte Glaube an Jesus den Messias wurde in „fremden“ Sprachen gedacht, formuliert, gepredigt und erklärt. Ist dabei vielleicht etwas Wesentliches verlorengegangen? Ist „theos“ oder „deus“ derselbe wie JHWH? Und hatten Christen beim Titel „Christus“ noch dieselben Assoziationen wie Juden beim erwarteten Maschiach?

Ich bin gerade dabei Hebräisch zu lernen und empfinde es als wunderbare Bereicherung zum Verstehen der biblischen Texte. Ist allerdings wirklich nicht einfach. Und auch mit Hebräisch-Kenntnissen und dem „Urtext“ lassen sich nicht alle Fragen beantworten. Auch führt das gründlichere Studium dieser Texte nicht automatisch zu mehr oder besserem Glauben.

Schreiben von Gott ist der stammelnde Versuch mit Worten menschlicher Kategorien das Geheimnis des ewigen Gottes mit Buchstaben auf Papier zu heften. Wie funktioniert so etwas überhaupt? Und wie kann es dann noch in eine andere Kultur übertragen werden? Ist das mündliche inspirierte Wort vielleicht besser als alte Texte? Solange Erzählungen noch mündlich überliefert werden, können sie sich an eine veränderte Wirklichkeit anpassen. Wenn sie erst in Textform erstarrt sind, veralten sie, während das Leben weitergeht.

Alle Buchreligionen haben das Problem, dass sich göttliche Offenbarung nicht auf vollkommene Weise in Texten konservieren lässt, weil Sprache sich verändert und erfolgreiche Kommunikation immer vom Zusammenhang abhängt. (Sollte das „richtige“ Verstehen der uralten heiligen Texte wirklich einer kleinen Elite von Altertumswissenschaftlern und Philologen vorbehalten sein, die den ursprünglichen Sinn noch am ehesten rekonstruieren können?)

Paulus gab schon vor fast 2000 Jahren einem Mitarbeiter einen Rat:

“ … Damals habe ich dich gebeten, in Ephesus zurückzubleiben und dafür zu sorgen, dass bestimmte Leute dort keine falschen Lehren verbreiten. Sie sollten sich nicht mit uferlosen Spekulationen über die Anfänge der Welt und die ersten Geschlechterfolgen befassen; denn das führt nur zu unfruchtbaren Spitzfindigkeiten, anstatt dem Heilsplan Gottes zu dienen, der auf den Glauben zielt. Jede Unterweisung der Gemeinde muss nämlich zur Liebe hinführen, die aus einem reinen Herzen, einem guten Gewissen und einem aufrichtigen Glauben kommt. Davon haben sich einige abgewandt und haben sich in leeres Gerede verloren. Sie wollen Lehrer des göttlichen Gesetzes sein; aber sie wissen nicht, was sie sagen, und haben keine Ahnung von dem, worüber sie so selbstsicher ihre Behauptungen aufstellen.“

(Die Bibel, Neues Testament, der erste Brief von Paulus an Timotheus, 1. Kapitel, Vers 3-7)

Wir brauchen ein gründlicheres Nachdenken über göttliche Offenbarung und darüber, wie wir authentisch von Gott reden können – erfasst vom Wirken Gottes in dieser Welt und himmlisch inspiriert. Vielleicht könnte man dann das traditionelle Theologisieren auf niedrigem Niveau überwinden. Die kolossalen kulturellen Umbrüche, die wir heute erleben, sind eine Chance, das Wesentliche am christlichen Glauben neu zu entdecken; und vielleicht kann uns ein besseres Verständnis unserer jüdischen Wurzeln dabei helfen.

BIBEL. JETZT. (2) – Eine Liebeserklärung

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By see en:Aleppo Codex; scanned by http://www.aleppocodex.org (http://www.aleppocodex.org) [Public domain], via Wikimedia Commons
Uralte Texte. Geheiligt durch Jahrhunderte des Vorlesens und Hörens und Nach-Denkens. Ein kulturgeschichtliches Gewebe, dass sich durch die Jahrhunderte jüdisch-christlich geprägter Gesellschaften zieht.Gebetet. Gesungen. Von Eltern den Kindern zum Einschlafen vorgelesen.Worte, die darstellen, beschreiben, erregen, informieren, orientieren, berichten, erzählen, verzaubern, erinnern, bezeugen, klagen, anbeten, beruhigen, trösten, ermutigen, belehren, predigen, verkündigen, proklamieren, korrigieren, ermahnen, stören, anklagen, reizen, provozieren, bloß stellen, schockieren, drohen, beunruhigen, Angst machen, verheißen, zerstören, enthüllen, offenbaren, erschaffen, formen, inspirieren …Wild und ungezähmt wie das Leben. Klärend und verstörend. Eine lange Geschichte des Menschlichen …wie Menschen im Paradies: sorglos im Überfluss leben …
wie Adam, endlich einen Partner bekommen, der zu einem passt …
wie Kinder, nackt sein, ohne sich zu schämen …
wie Eva, sich zu einer Komplizin des Bösen machen lassen …
wie Adam & Eva, schlauer sein, nachdem es schief gelaufen ist …
wie Kain, eine Schuld nicht ertragen können …
wie Kain’s Frau, Mutter eines Städtebauers werden …
wie Lamech, die Gewalt eskalieren lassen …
wie Ada und Zilla, Frauen von einem Großkotz sein …
wie Methusalem, uralt werden …
wie eine schöne Menschentochter, von einem Gottessohn geschnappt werden …
wie solche schönen Menschentöchter, Mütter von Superhelden werden …
wie Noah, auf den Fluten der Strafe Gottes schwimmen …
wie die Anfänger einer neuen Menschheit, Füße auf festen Boden setzen …
wie Sem und Jafet, den nackten, besoffenen Vater zudecken …
wie Nimrod, Regierungschef werden, weil man gut im Erjagen ist …
wie in Babel, hoch hinaus wollen und sich dann nicht mehr verstehen …
wie Abram und Sarai, seine Heimat zurücklassen …
wie Abraham, ein Heimatloser sein mit einer besseren Zukunft …
wie die Töchter Lots, sich auf gerad’krummem Weg Babys verschaffen …
wie Sara, sich ein Lachen nicht verkneifen können …
wie Isaak, sich über’s Ohr hauen lassen …
wie Rebekka, sich von ihrer Familie verabschieden …
wie Laban, ein Verwandter mit Geschäftssinn sein …
wie Jakob, betrügen und betrogen werden …
wie Rahel, den eigenen Vater überlisten …
wie Lea, nur Zweite Wahl sein …
wie Ruben, mit der Stiefmutter Sex haben …
wie Levi, Ur-ur-uropa eines Priestergeschlechts werden …
wie Simeon, mal eben Lynchjustiz praktizieren …
wie Juda, Ur-ur-uropa eines zeitlosen Königsgeschlechts werden …
wie Tamar, vom Schwiegervater schwanger werden …
wie Sebulon, eine rätselhafte Beziehung zum Wasser haben …
wie Issachar, mit einem Esel verglichen werden …
wie Bilha und Silpa, keine weitere Beachtung finden …
wie Dan, zu Recht!
wie Gad, „Erstgeborener“ der dritten (!) Frau sein …
wie Ascher, gut essen …
wie Naftali, einem Hirsch ähneln …
wie Benjamin, Papa’s Liebling sein …
wie Dina, vergewaltigt werden – obwohl sie 12 Brüder hatte …
wie Josef, aus einem tiefen Loch gezogen werden und in einem anderen landen …
wie Potifar’s Frau, sich an einen anständigen Mann ranmachen …
wie Reguël, sich einen Schwiegersohn angeln …
wie Zippora, einen Gentleman heiraten …
wie Mose, einen Auftrag bekommen, den man gar nicht haben möchte …
wie Mirjam, die Leitung der Liturgie ergreifen …
wie Josua, in viel zu große Fußstapfen treten …
wie Rahab, überleben, indem man seine eigenen Leute verrät …
wie Debora, die Führung übernehmen, wenn die Männer schlapp machen …
wie Barak, Autorität erkennen …
wie Ruth, einen Menschen an der Seite haben, mit der frau nicht gerechnet hat
wie Samuel, eine Stimme in der Nacht hören …
wie Saul, auf die schiefe Bahn geraten …
wie Michal, Ehefrau eines Frauenlieblings sein …
wie David, es gut meinen, und dafür Ärger bekommen …
wie Bathseba, Objekt der Begierde eines Mächtigen werden …
wie Absalom, seinen eigenen Vater entthronen wollen …
wie Salomo, superschlau sein und doch am Ziel vorbei …
wie Elija, alles auf eine Karte setzen …
wie Isebel, Interessenvertreterin ihrer Religion sein …
wie Elischa, den Jordan mit einem Mantel teilen …
wie Gehasi zum Wohlstandsekel werden …
wie Asaf, Musikerkarriere machen …
wie Jesaja, schnallen, dass Gott auf einem Thron sitzt …
wie eine schwangere junge Frau, ein Kind kriegen, das Immanuel heißt …
wie Jeremia, auf der falschen Seite stehen …
wie Hesekiel, von Gottes Geist erfasst, angehoben und weggeweht werden …
wie Nebukadnezar, unfreiwillig Veganer werden …
wie Israel, der Strafe Gottes nicht entgehen können …
wie Gomer, eine problematische Erwerbstätigkeit haben …
wie Jona, ankommen, wo man eigentlich nicht hin wollte …
wie Verliebte, das Feuer Jahwes fühlen …
wie Hiob, Schmerzen erleiden, die man nicht verdient hat …
wie Johannes, den Weg für einen anderen ebenen …
wie Maria, sich in den Plan Gottes fügen …
wie Hanna, das Baby einer fremden Frau in den Armen halten …
wie Josef, das eigene Leben riskieren, um ein anderes zu retten …
wie Teenie Jesus, andere mit seiner Erkenntnis beeindrucken …
wie Maria, Stress mit einem hochbegabten Kind haben …
wie Jesus, vom Geist Gottes ergriffen werden …
wie der verlorene Sohn, gefunden werden …
wie Kinder, versuchen an Jesus ranzukommen …
wie Maria, die Schwester die Arbeit machen lassen …
wie Martha, sich das nicht einfach gefallen lassen …
wie Matthäus, die falsche Berufsentscheidung getroffen haben …
wie die Tocher von Jaïrus, Hunger haben, nachdem frau ein bisschen tot war …
wie Zachäus, unerwartet Besuch bekommen …
wie Maria Magdalena, die Kontrolle über ihr Leben zurückbekommen …
wie Jakobus, zu Jesus‘ Clique gehören …
wie Petrus‘ Schwiegermutter, wegen Krankheit (fast) ausfallen …
wie Johannes, einen eigenartigen Spitznamen bekommen …
wie die unhygienische Frau, als Unberührbare den Superstar berühren …
wie Bartholomäus, zu einem super Team gehören …
wie Johanna, Sponsorin Jesu mit guten Beziehungen …
wie Jakobus, Sohn des Alphäus: dabei sein ist alles …
wie die Samariterin, die unwahrscheinlichste Kandidatin für den Mulitplikatoren-Job …
wie Simon, Widerstandskämpfer mit neuer Orientierung …
wie eine namenlose Frau, als Sünderin berühmt werden …
wie Andreas, im Schatten des Bruders stehen …
wie Susanna, zusammen mit anderen geheilten Frauen Jesus‘ Groupie
wie Thaddäus, eine unscheinbare Berühmtheit …
wie Maria, superteures Parfum verschwenden und dafür gelobt werden …
wie Philippus, Gott sehen wollen …
wie Petrus sich krass überschätzen und jämmerlich versagen …
wie Judas, an sich selbst verzweifeln …
wie die Emmaus-Jünger, einen fremden Menschen erkennen …
wie Thomas, kaum über eine Enttäuschung hinwegkommen …
wie Paulus, Alles geben und völlig falsch liegen …
wie Tabita, ein Wohlfahrtsunternehmen
wie Barnabbas, einen Namen haben, der zu einem passt …
wie Markus, ein zweite Chance bekommen …
wie Lydia, einem das Herz aufgeht …
wie Timotheus, schon als junger Mensch Verantwortung übernehmen …
wie Phoebe, eine Frau sein, auf die Mann zählen kann …
wie der Seher Johannes, in der Fremde eine Vision von einer neuen Welt haben …Bilder von Menschen, die uns in die Erzählungen mit hinein nehmen, und doch auch den großen zeitlichen Abstand einer antiken Welt spüren lassen.

Bilder und Gedanken, die sich wie Kletten an die Seele heften. Deutungen, die Leben erklären und zum Widerspruch reizen. Fragen beantworten und Fragen aufwerfen. Die beschleunigen und bremsen. Umarmen und bedrängen. Stabilisieren und den Boden unter den Füßen wegziehen.

Worte des Glaubens.

Ein Chor von Stimmen, die, dieser Welt trotzend, Hoffnung ins Leben rufen.

(Fundamentalistische Kinderstube hat auch ein paar Vorteile …)

Kein Anspruch auf Vollständigkeit!  –  Vielleicht macht ihr ja eure eigene Listen?

 

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