12 JüngerInnen, neulich, beim Abendmahl

 

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Weintrauben am Weinstock; fir0002 | flagstaffotos.com.au [GFDL 1.2 (http://www.gnu.org/licenses/old-licenses/fdl-1.2.html)%5D, from Wikimedia Commons

 

(Vor ein paar Jahren, irgendwo beim Arbeitskreis Ökumene im Randbezirk einer deutschen Großstadt …)

 

Maria:  Mich hat herzlich verlangt, dieses Abendmahl mit euch zu feiern. Ich freu mich immer so …

Stefan:  Hat euer Papst euch das nicht eigentlich verboten? Kommst du da mit deinem Gewissen klar?

Dagmar:  Komm, lass sie in Ruhe. Falls Maria wegbleibt, sind Christine und ich wieder die einzigen Frauen hier.

Christine:  Es wird echt so langsam Zeit für eine Quotenregelung: 50% Frauen in jedem Gremium! Auch in der Kirche.

Gerhard:  Ich würde mich wohler fühlen, wenn die hier anwesenden Frauen schweigen würden. Es steht geschrieben „Wie es in allen Gemeinden der Heiligen ist, sollen die Frauen in den Gemeinden schweigen.“

Mischa:  Mensch, Gerhard …

Martin:  Ist das hier überhaupt eine Gemeinde?

Klaus-Peter zu Christine:  Nu lass uns mal erst einmal die Sache mit dem ökumenischen Abendmahl-/Eucharistie-Projekt machen. Wir müssen unsere Kräfte bündeln …

Martin zu Maria:  Weißt du, ich freu mich ja, dass du dich freust; aber im Moment wird mir das wirklich etwas zu stressig mit dem ökumenischen Abendmahl jede Woche …

Klaus-Peter:  Es muss unbedingt wöchentlich sein, wegen der Öffentlichkeitswirkung und um den kirchenpolitischen Druck aufrecht zu erhalten.

Tobias:  Also ich könnte jeden Tag Abendmahl feiern.

Paul zu Stefan:  Feiert ihr eigentlich das Abendmahl beim ICF?

Gerhard:  „Und jeden Tag waren sie beständig und einmütig im Tempel und brachen das Brot in den Häusern …“

Dietrich:  Ich finde, es besteht schon eine gewisse Gefahr, dass das Abendmahl zu etwas Alltäglichem wird, wenn man es jede Woche feiert.

Tobias:  Einmal die Woche ist doch nicht  all-täglich.  Ich könnte sogar mehrmals täglich Abendmahl feiern. Ich denke doch sowieso ständig an Jesus und das Kreuz und so …

Dagmar:  Also ich hab Familie. Ich muss auch noch mal an was anderes denken.

Mischa:  Das Abendmahl ist etwas sehr Wertvolles. Es ist für mich Nahrung für die Seele.

Thomas:  Also für mich ist es eher ein Mich-Erinnern an das Wesentliche …

Martin:  Ich könnte mal auf YouTube schauen, ob Siggi Zimmer was dazu sagt.

Dietrich:  „Dies  ist  mein Leib“, und „dies  ist  mein Blut“ …

Gerhard:  Worthaus ist nicht dasselbe wie die Heilige Schrift.

Paul:  Ich möchte nur einen kleinen Moment daran erinnern, dass wir uns nicht über dogmatische Fragen streiten wollten.

Martin:  Genau. Mir geht so viel Theorie auch echt auf den Keks.

(Schweigen)

Martin:  Und ich wollte euch noch sagen, dass ich schwul bin. Ich dachte, es ist besser, wenn ihr es von mir selber hört.

Gerhard zur Gruppe über Martin:  Entweder  ER  geht, oder  ICH  gehe.

Maria:  Gerhard!

Christine zu Gerhard:  Du bist homophob? Ich dachte, du bist Christ?

Dagmar:  Leute, wir haben das hier jetzt schon monatelang gemacht und hatten immer eine gute Zeit.

Mischa:  Es geht nicht darum, dass  wir  eine gute Zeit haben …

Dietrich:  Das mit der Homosexualität ist schon ein schwieriges Thema …

Christine zu Dietrich:  Martin ist nicht ein „Thema“!

Klaus-Peter:  Wir müssen uns auf das ökumenische Abendmahl konzentrieren, sonst verzetteln wir uns!

Gerhard:  Es heißt in der Heiligen Schrift „Tut den Bösen von euch selbst hinaus!“

Tobias:  Wir brauchen als Christen unbedingt mehr Ambiguitätstoleranz. Ein Minimum an social skills sollte man auch unter Christen erwarten können.

Dagmar:  Vor allem brauchen wir eine allgemeinverständliche Sprache, die auch die Frau und der Mann auf der Straße verstehen.

Martin:  Genau. Wir sind hier wieder der typische, gutbürgerliche, fromme Klub … – und ich bin das schwarze Quoten-Schaf.

Stefan:  Häh?

Thomas zu Martin:  Du kamst ja eigentlich auch mal aus gutem Hause, nich?

Tobias zu Stefan:  Er meint, er ist so wie aus dem Gleichnis vom verlorenen, schwarzen Schaf.

Klaus-Peter in die Runde:  Stimmt schon. So Arbeitermilieu oder Schlimmeres ist hier nicht gerade stark vertreten …

Thomas:  Liebe Brüder und Schwestern, wir sind Christen! Wir sollten eigentlich an unserer Liebe erkannt werden.

Stefan:  Liebe, Liebe, Liebe, … ich kann’s schon nicht mehr hören. Dadrunter versteht doch jeder, was er will.

(Schweigen)

Gerhard:  „es müssen auch Parteiungen unter euch sein, damit die Bewährten unter euch offenbar werden.“

Martin:  Wer sind denn die Bewährten?

Tobias zu Klaus-Peter:  Vielleicht sollten wir doch besser Einzelkelche nehmen.

Klaus-Peter:  Also, wir haben uns am Anfang für einen einzelnen Kelch entschieden. Wir rollen die Sache jetzt nicht noch einmal auf.

(Schweigen)

Paul:  Ich möchte euch dazu einladen, gemeinsam eine kleine Meditationsübung zu machen, damit wir uns wieder innerlich zentrieren und zu uns selbst finden.

Thomas:  Ich dachte, es geht hier um Jesus.

Mischa:  Jesus ist doch im Zentrum unserer Seelen.

Maria:  Das mit dem Meditieren ist nicht so mein Ding.

(Schweigen)

Mischa:  Irgendwie bin ich nicht mehr so richtig in Stimmung fürs Abendmahl.

Thomas:  Es kommt nicht auf dein Gefühl an.

Dagmar:  Der Appetit kommt beim Essen.

Maria:  Dagmar!

Paul:  Wir dürfen vielleicht alle noch einmal versuchen uns daran zu erinnern, was uns eigentlich hier zusammengeführt hatte.

(Schweigen)

Dietrich:  Jesus!

(Alle nicken langsam, zustimmend.)

Martin:  Durch Jesus bin ich von den Drogen weggekommen. Ohne ihn hätt ich das nicht geschafft.

Thomas:  „Christen“ kommt von „Christus“ –  „JESUS  CHRISTUS.

Christine:  Wie seid ihr eigentlich alle zum Glauben gekommen?

Gerhard:  Ich bin christlich aufgewachsen. Ich war mein Leben lang in derselben Gemeinde. Ich kenne gar nichts anderes.

Martin:  Oh Gott!

Gerhard:  „Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht zu Nichtigem aussprechen, denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen zu Nichtigem ausspricht.“

Martin:  Entschuldigung.

Christine flüstert Dagmar ins Ohr:  Ich frag mich, ob Gerhard überhaupt ein richtiger Christ ist.

Christine zu Gerhard:  Hast du nie mal gezweifelt oder ’ne Krise gehabt? So’n Bekehrungserlebnis?

Gerhard:  Nein, für mich war immer alles klar, mit Jesus und so. Und mit 14 hab ich mich dann taufen lassen, so mit all den anderen Jugendlichen.

Mischa:  Wow!

Tobias:  Na, ich weiß nicht, ob das so gut ist …

Dagmar flüstert zurück in Christines Ohr:  Das ist nicht deine Aufgabe, das zu beurteilen.

Dietrich:  Jesus ist mein Leben. Ich wüsste gar nicht, wie ich anders leben könnte.

Thomas:  Ich hab mich lange rumgequält mit dem Sinn des Lebens und so. Meine Eltern sind Atheisten. Durch einen Kollegen hab ich dann die Bibel kennengelernt, und das mit Jesus hat mich echt angesprochen und überzeugt.

Martin:  Manchmal ist mir das echt alles zu viel, mit all den Bibelversen und den Streitereien und so. Aber dann denke ich an Jesus und merke: Der lässt mich irgendwie nicht los …

(Schweigen)

(Mischa nimmt das Brot, bricht es und gibt es in die Runde.)

Dietrich:  „Nehmet hin und esset: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Solches tut zu meinem Gedächtnis.“

(Maria nimmt den Kelch, nimmt einen Schluck und reicht ihn weiter.)

Dagmar:  „Dieser Kelch ist der neue Bund zwischen Gott und euch, der durch mein Blut besiegelt wird. Sooft ihr aus diesem Kelch trinkt, denkt an mich und an das, was ich für euch getan habe!“

(Schweigen.)

(Christine fängt an zu singen, und die anderen stimmen ein:)

„Seid still und erkennt, dass ich Gott bin …“

(Thomas hat noch ein paar Kekse mitgebracht und Klaus-Peter ein paar Chips. Maria holt eine Flasche Mineralwasser heraus, und Stefan, Tobias und Dagmar teilen sich den Rest vom Rotwein. – Sie unterhalten sich noch eine ganze Weile über alles Mögliche. Dann verabschieden und umarmen sie sich und gehen nach Hause.)

 

Sandra Hauser | Die Entwicklungspsychologie als wissenschaftliche Grundlage der integralen Theorie

 

Sandra Hauser auf ihrem Blog „Integrales Christsein“ über

Die Entwicklungspsychologie als wissenschaftliche Grundlage der integralen Theorie

 

Integrales Christentum

 

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Ken Wilber; Foto von Kanzeon Zen Center ([1]) [CC BY 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/2.0)%5D, via Wikimedia Commons

 

Kirchentag auf dem Weg in Leipzig

Im letzten Jahr war ich als Pressevertreter für das Online-Magazin „theologiestudierende.de“ auf dem „Kirchentag auf dem Weg“ in Leipzig. Dort veranstaltete das „Forum für Gemeinschaft und Theologie“ eine Podiumsdiskussion, an der u.a. Marion Küstenmacher teilnahm (ecclesia semper reformanda).

Marion Küstenmacher erzählte wie sie und ihr Mann, Werner Tiki Küstenmacher, die Integrale Theorie kennenlernten und deren Bedeutung für die Religionen und das Christentum erkannten. Sie rechneten damit, dass sich die Universitäts-Theologie des Themas annehmen würde, aber nichts passierte. So taten sie sich mit Tilmann Haberer zusammen und schrieben selbst ein Buch: „Gott 9.0″.

 

Gott 9.0

Nicht gerade ein typischer Titel für ein theologisches oder christliches Buch. Untertitel: „Wohin unsere Gesellschaft spirituell wachsen wird.“

Inspiriert von der Veranstaltung in Leipzig kauft ich mir gleich das Buch und begann zu lesen. Vieles, was ich schon in den Jahren davor bruchstückhaft kennengelernt hatte und wonach ich mich sehnte, wurde durch die Integrale Theorie zu einem in sich stimmigen Ganzen. – Ich war begeistert.

 

Die Integrale Theorie

Bekanntestes Gesicht der Integralen Theorie dürfte Ken Wilber sein. Dies ist auch kein Zufall, denn Wilber hat die Theorie entwickelt. Dabei baute er auf den Arbeiten von Jean Gebser, Sri Aurobindo, Habermas, Schelling, Hegel, u.a. auf.

 

Spiral Dynamics

Wilber hat u.a. auch das psychosoziale Entwicklungsmodell „Spiral Dynamics“ integriert, welches auf den Arbeiten von Clare Graves beruht. Dessen Schüler Cowan und Beck bauten auf seinen Arbeiten auf und schrieben das Buch „Spiral Dynamics“. Unter demselben Namen wird die entsprechende Theorie auch kommerziell vermarktet. Becks Arbeiten bekamen in den 80er Jahren auch geopolitische Bedeutung, als er mit der südafrikan. Regierung und Nelson Mandela am Friedensprozess in Südafrika mitarbeitete.

 

Integrales Christentum

Das Buch „Gott 9.0“ erschien 2010. Im Juli diesen Jahres soll dann ein auf Gott 9.0 aufbauendes, weiteres Buch von Marion Küstenmacher (ebenfalls beim Gütersloher-Verlagshaus) erscheinen: Integrales Christentum.

Ein ähnliches Buch auf Englisch existiert schon längst: „Integral Christianity“ von Paul Smith. Kein Wunder, kommt die ganze Integrale Theorie ja auch aus den USA. Dort gibt es auch schon seit einiger Zeit integrale Gemeinden. So, z.B., in St. Petersburg, Florida und Kansas City, Kansas. Unter der Pastorenschaft von Paul Smith wurde die Broadway Church (Southern Baptist!) in Kansas City zu einer integralen Gemeinde. Dies allein zeigt schon das enorme Potential des integralen Christentums.

Ähnliche Formen des Christentums gibt es auch schon seit einiger Zeit in Indien. Aufgrund der religiösen Situation und Geschichte in Indien auch nicht verwunderlich. So war ja auch die ökumenische Bewegung in Indien ein bisschen schneller als im Rest der Welt.

Da die Integrale Theorie über religiöse Traditionen hinausgeht bzw. diese miteinschließt, existiert auch Integrales Judentum, und auch die Möglichkeit bzw. Notwendigkeit eines integralen Islam wird diskutiert.

 

Deutschland

Leider scheint Integrales Christentum noch nicht so richtig im deutschen Sprachraum angekommen zu sein. Die Integrale Theorie, hingegen, ist auch in Deutschland längst durchaus präsent und hat auch eine spirituelle Dimension. Dies zeigt leider mal wieder, wie verstaubt real-existierendes Christentum oft ist und wie es gesellschaftlichen Entwicklungen  leider oft hinterherläuft anstatt selbst visionär und kreativ zu sein.

Es gibt allerdings Hoffnung, wie nicht nur die Bücher von Marion Küstenmacher und die anderen aus dem Amerikanischen übersetzten Bücher zeigen. Es existiert schon seit einiger Zeit eine Facebook-Gruppe „Gott 9.0“ und auch ein Blog zum Thema: „Integrales Christsein“.

 

Einladung

Integrales Christentum ist keine kurzlebige Modeerscheinung. Wie Richard Rohr (kein Unbekannter in der progressiven christlichen Szene) im Vorwort zu Gott 9.0 schreibt, reichen die Wurzeln bis tief in die Geschichte und Anfänge des Christentums. Laut Rohr herrscht über die Stufen menschlicher Entwicklung und spirituellen Wachstums „ein ruhiger, klarer Konsens“ (Gott 9.0, S.8).

Integrales Christentum ist eine Einladung. Es ist ein Werben für ein erneuertes Christentum im Geiste Jesu, für alle, die von alten christlichen Traditionen nicht mehr satt werden und die es hinzieht zum Wirken Gottes im Hier-und-Jetzt in unserer Zeit.

An alle, die es zum Integralen Christentum hinzieht, eine herzliche Einladung: Bitte vernetzt euch mit mir und lasst uns gemeinsam Teil sein des Wirkens Gottes in unserer Zeit!

 

Sandra Hauser | Steckt die Integrale Theorie Menschen in Schubladen?

 

Sandra Hauser diskutiert auf ihrem Blog eine kritische Anfrage an die Integrale Theorie:

Steckt die Integrale Theorie Menschen in Schubladen?

 

Das Ende vom biblischen Theoretisieren

 

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Sonnenaufgang über der Mojave-Wüste; von Jessie Eastland (Own work) [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)%5D, via Wikimedia Commons

 

… ich werde bald bei euch sein, wenn der Herr es zulässt! Dann interessieren mich nicht die großen Sprüche dieser aufgeblasenen Leute, sondern was dahintersteckt. Denn Gottes Reich gründet sich nicht auf Worte, sondern auf seine Kraft.
.
(Die Bibel, Neues Testament, 1. Brief von Paulus an die Gemeinde in Korinth, 4. Kapitel, Verse 19-20)

 

Wir reden uns den Mund fusselig. Die Kraft unserer Worte zeigt sich in ihrer Wirkung. Worte, die nichts bewirken, sind Worte, die keiner braucht.

 

… und seine Stimme dröhnte wie das Tosen einer mächtigen Brandung. In seiner rechten Hand hielt er sieben Sterne, und aus seinem Mund kam ein scharfes, doppelschneidiges Schwert. Sein Gesicht leuchtete strahlend hell wie die Sonne. Als ich das sah, fiel ich wie tot vor seinen Füßen nieder …
.
(Neues Testament, Offenbarung des Johannes, 1,15-17)

 

Jüdisch-christliche Traditionen werden schon seit langer Zeit überliefert. Imperien sind aufgestiegen und wieder verschwunden. Die biblischen Texte haben die Zeit überdauert. Es gibt heute immer noch Millionen von Menschen, die aus diesen Überlieferungen Hoffnung und Kraft für ihr Leben schöpfen.

Der Artikel auf meinem Blog, der die größte Aufmerksamkeit erregt hat, scheint dieser zu sein:

STÜRZT DAS BIBEL-DOGMA VOM SOCKEL !

Seit fast 2000 Jahren theoretisieren Christen über biblische Texte und den christlichen Glauben. Dieses Theoretisieren hat auch seinen Platz – aber es ist begrenzt durch unsere Fähigkeiten zu verstehen und in Worte zu fassen. Der Wert unserer Theorien zeigt sich in ihrer Wirkung.

Die Vorstellung, dass wir aus einem geschlossenen, in sich stimmigen christlichen Glaubenssystem alles Wichtige für Glauben & Leben ableiten können, ist Illusion, Irrlehre und Götzendienst; und die schädigenden Auswirkungen solchen Denkens sind in Vergangenheit und Gegenwart des Christentums wahrnehmbar.

Die biblischen Texte selbst sind mehr als Theorie. Sie berühren unsere Seele. Gute Texte begleiten uns auf unserem Weg, helfen uns und machen uns zu besseren Menschen.

 

… Die Schrift ist Gottes Atem. Sie soll uns unterweisen; sie hilft uns, unsere Schuld einzusehen, wieder auf den richtigen Weg zu kommen und so zu leben, wie es Gott gefällt. So werden wir reife Christen und als Diener Gottes fähig, in jeder Beziehung Gutes zu tun.
 .

(Paulus in der Bibel, Neues Testament, der zweite Brief an Timotheus, 3. Kapitel, Verse 16-17)

 

Mein Anliegen ist nicht, dass wir die biblischen Texte weniger ernst nehmen oder uns weniger mit ihnen beschäftigen. Mir geht es darum, dass wir so mit ihnen umgehen, dass sie Gottes Wirken in unserer Zeit nicht behindern, sondern fördern.

Ich habe den Eindruck, dass in unserer postmodernen Zeit die Bedeutung „biblischen Theoretisierens“ immer mehr zum Ende kommt. Die Herausforderungen für uns Menschen heutzutage sind überwältigend, und es hängt alles davon ab, dass wir Worte sprechen und hören, welche die Macht haben, Trost und Kraft zu spenden und uns aufzurichten.

 

„Das Ende vom biblischen Theoretisieren“

 

Dieser Titel ist auch Ausdruck von Hoffnung. Hoffnung, dass unser Glaube vom Kopf ins Herz rutscht. – Gott will unser Herz! – Hoffnung, dass der Glaube vom Kopf wieder auf die Füße gestellt wird.

Wir brauchen Worte, die aus geisterfülltem Leben entstehen und auf offene Ohren stoßen. Worte, die vom Herzen verstanden werden, die uns berichtigen und auf einen guten Weg bringen.

 

Gottes Geist allein schafft Leben. Ein Mensch kann dies nicht. Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe, sind Geist und sind Leben.

(Johannes-Evangelium 6,63)

 

 

authentisch

 

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Frauen am Grabe Christi und Himmelfahrt (sog. „Reidersche Tafel“); Elfenbein; Mailand oder Rom, um 400 n. Chr., by Photo: Andreas Praefcke (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons

 

…  Ihr Heuchler! Ihr seid wie die weiß getünchten Grabstätten: Von außen erscheinen sie schön, aber innen ist alles voll stinkender Verwesung.

(Die Bibel, Neues Testament, Matthäus-Evangelium, 23. Kapitel, Vers 27)

 

Informationsflut. Beschallung auf allen Kanälen. Ansprechende Inhalte. Lockende Angebote und neueste Nachrichten. Reizüberflutung. Viele Eindrücke konkurrieren um unsere Aufmerksamkeit, schwächen unsere Konzentration und lenken uns vom Wesentlichen ab …

Was brauch ich eigentlich wirklich? Welche Nachrichten sind für mein Leben von Bedeutung?

 

…  Wir reden nur von dem, was wir wissen und gesehen haben, und erzählen es weiter  …

(Johannes-Evangelium, 3. Kapitel, Vers 11)

 

Es gibt heutzutage auch ein reichhaltiges christliches Angebot. Mehr christliche Inhalte in einer Fülle von medialen Formaten als man als Einzelner konsumieren kann. Auch eine Menge „guter Ratschläge“ gibt es. Aber wie viel von all dem ist selbst erlebt? Wie tief sind die Wurzeln im eigenen Leben und was ist nur erlernte Theorie? Wie authentisch ist mein Glaube? Was ist bloß äußerer Schein?

 

Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir geschaut und was unsere Hände angefasst haben, das verkünden wir: das Wort des Lebens. Denn das Leben wurde offenbart; wir haben gesehen und bezeugen und verkünden euch das ewige Leben, das beim Vater war und uns offenbart wurde. Was wir gesehen und gehört haben, das verkünden wir auch euch …

(Neues Testament, Erster Brief des Johannes, 1. Kapitel, Verse 1-3)

 

Die ersten Anhänger Jesu waren Augenzeugen. Sie erzählten von dem, was sie SELBST mit Jesus erlebt hatten, und auch von Jesu Hinrichtung. Es war ihnen nicht vergönnt gewesen, an der Seite ihres Rabbis alt zu werden. Jesus wurde durch einen gewaltsamen Tod aus ihrer Gemeinschaft und ihrem Leben gerissen. Jesus war noch nicht alt, als er starb …

Seit Jesu Tod gibt es Berichte von Menschen, die sagen, dass ihnen Jesus erschienen ist. Die Kraft, durch die das Christentum entstand, war die Kraft, die Jesus von den Toten auferweckt hat. Die Lebenskraft des Geistes Gottes. – Gute Nachricht: Jesus lebt!

Mittlerweile ist es fast 2000 Jahre her, dass Jesu Füße durch den Staub dieser Welt liefen und keiner von uns war selber dabei …

Ich bin christlich aufgewachsen und habe von Jesus gehört, solange ich denken kann. Mir ist Jesus nicht persönlich erschienen – dennoch habe ich durch das, was ich über ihn gelernt hatte, vertrauen zu ihm gefasst und mich entschlossen, auf ihn zu hören.

Danach habe ich auch anderen von Jesus erzählt – aber oft war das nur Theorie. Ehrwürdige Glaubensbekenntnisse und Dogmen mit langer Geschichte. Argumente, welche ich von denen gelernt hatte, die schon vor mir gläubig waren.

Manchmal habe ich mich hinter den breiten Schultern bedeutender Christen und hinter imposanten theologischen Denkgebäuden versteckt. Manchmal versuchte ich anderen zu erklären, was ich selbst nicht wirklich verstand. Ich war noch nicht einmal besonders erfolgreich darin, mir selbst gegenüber Rechenschaft zu geben, warum ich denn eigentlich glaube.

 

Jesus erwiderte: »Ich sage dir eins: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht ins Reich Gottes hineinkommen. Natürliches Leben bringt natürliches Leben hervor; geistliches Leben wird aus dem Geist geboren.  Darum sei nicht erstaunt, wenn ich dir sage: Ihr müsst von neuem geboren werden.

(Johannes-Evangelium 3,5-7)

 

Glaube ist ein Geschenk und das Ergebnis des Wirkens Gottes. Es ist wichtig, dass jemand, der sich für Jesus interessiert, versteht, dass das Vertrauen zu Gott und Jesus nicht etwas ist, dass er sich selbst erarbeiten kann. Was er selbst tun kann, ist, über Jesus zu lernen und in sich selbst zu klären, ob er denn bereit wäre, Jesus zu folgen, wenn Gott ihn von der Wahrheit des Evangeliums überführt.

Und was WIR tun können, ist, davon zu erzählen, wie es bei uns SELBST damals war, als wir vertrauen zu Jesus fassten. Können wir von unserem persönlichen Weg des Glaubens so erzählen, dass er für den anderen nachvollziehbar wird?

Glaube ist nur möglich, wo auch Zweifel oder Unglaube möglich sind. Und Glaube ist immer auch Entscheidung. Wir glauben letztendlich alle das, was wir glauben wollen. Wir brauchen uns nicht dafür zu entschuldigen, wenn wir ihm vertrauen WOLLEN, oder uns dafür zu schämen, wenn wir so leben wollen, wie Jesus gelebt hat.

Wenn wir Gott wirklich vertrauen, können wir auch den Mut und die Gelassenheit haben, anderen Menschen in der Schwachheit und Zerbrechlichkeit unserer eigenen Existenz und unseres eigenen Glaubens zu begegnen. Denn das Reich Gottes hängt nicht an uns, sondern es besteht in IHM.

 

Das offene Christus-Experiment Berlin

 

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Meditierende Menschen im Madison Square Park, Manhattan, New York City; von Beyond My Ken (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY-SA 4.0-3.0-2.5-2.0-1.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0-3.0-2.5-2.0-1.0)%5D, via Wikimedia Commons
Ich konnte leider noch kein Foto vom „Offenen Christus-Experiment Berlin“ machen, da das erste Treffen ja noch nicht stattgefunden hat.  😉

 

„… Stellt mich auf die Probe“, sagt der Herr, der Herrscher der Welt, „macht den Versuch …“

(Die Bibel, Altes Testament, Maleachi 3,10)

 

Na, neugierig? – Falls ihr selbst nicht in Berlin & Umgebung wohnt, wäre es toll, wenn ihr die Info weiterleitet an Leute, die das vielleicht interessieren könnte.

 

ZUM NAMEN

„Das offene Christus Experiment“. Dies könnte fast eine Bezeichnung für die Geschichte der Christenheit sein. Mir geht es hier allerdings um ein konkretes Projekt in Berlin, bei dem man sich wöchentlich trifft. Die Idee ist geboren. Jetzt brauche ich noch ein paar Leute, die mitmachen. (Ihr verpflichtet euch dabei zu nichts.)

 

DIE IDEE

Es geht um eine kleine Gruppe, ca. 12 Personen, die sich jede Woche 2 Stunden lang treffen. (Darüber hinaus können sich die Teilnehmer natürlich so oft treffen wie sie wollen und Zeit haben). Genaue Uhrzeit und Ort können wir verhandeln, sobald sich ein paar Interessenten gefunden haben.

 

„offen“

Dies soll ein „offenes“ Experiment sein:

  • Keine Begrenzung von Gottes Möglichkeiten durch unsere Konzepte.
  • Keine Festlegung auf eine Konfession oder Tradition.
  • Offenes Ende: Das Langzeit-Experiment endet, wenn keiner mehr da ist bzw. Gott es beendet. (Jeder kann jederzeit aussteigen.)
  • Wir fangen an mit ca. 12 Teilnehmern, aber sind offen für unbegrenztes Wachstum.

 

„Christus“

 

„… wie lautet dieses Geheimnis? Christus in euch – die Hoffnung auf Gottes Herrlichkeit!“

(Neues Testament, Paulus‘ Brief an die Gemeinde in Kolossai, 1,27)

 

Ein Glaube an Gottes Wirken durch Jesus Christus in uns ist die Grundlage dieses Experiments:

  • Ohne Gott kann ich gar nichts. Gott jedoch kann alles.
  • Wir fangen mit nichts an (kein Kirchengebäude, kein Geld, kein Pfarrer, keine Organisation, kein Spenderkreis, …) und erwarten Alles von Gott.
  • Wir bitten nicht um Gottes Segen für unsere Pläne, sondern stellen uns einfach IHM zur Verfügung und achten darauf, was er mit uns macht.
  • Christus verbindet alle, die ihm vertrauen. In seiner Liebe werden wir zu einer Art „Organismus“ (Leib Jesu).
  • Gott wirkt auf ein gutes Ziel seiner Schöpfung hin, und mit seiner Hilfe sind wir in der Lage dieses Wirken in unserem Leben und in einer Gruppe aufzuspüren.
  • Wir begegnen uns nicht als Habende, Wissende und Fähige, sondern als Bedürftige. Tag für Tag brauchen wir Gott, um zu leben. Und wir brauchen auch einander, um für ihn richtig brauchbar zu werden.

 

„Experiment“

Ich weiß nicht, was Gott mit dieser Gruppe machen wird. Die Welt heutzutage ist nicht dieselbe wie im Neuen Testament in der Apostelgeschichte. Worum es geht?

  • Es geht um die Praxis, nicht nur um schöne Theorie.
  • Was funktioniert, entscheidet sich im Leben.
  • Das Ergebnis hängt von Gott ab – und von uns.

 

WAS IST ANDERS ?  WAS IST NEU ?

  • Wir orientieren uns weniger an Vergangenem und mehr an der Gegenwart und Zukunft.
  • Wir achten die Erfahrungen und Überzeugungen der Einzelnen und bemühen uns, gemeinsam zu lernen. Die Worte jedes Einzelnen sind wichtig.
  • Wir achten auf die Wirkung dessen, was in der Gruppe passiert. Gott ist gut. Sein Wirken ist heilsam für uns Menschen.
  • Wir verwirklichen nicht ein vorbereitetes Konzept, sondern entscheiden gemeinsam als Gruppe, wie wir auf dem Weg mit Gott vorangehen.

 

ZU MEINER PERSON

Die Frage nach einem besseren Christentum beschäftigt mich schon, solange ich denken kann. Ich bin christlich erzogen und in einer familiären, fundamentalistischen Freikirche mit sehr intensiver Gemeinschaft groß geworden. Später distanzierte ich mich von meinen Wurzeln und bin jetzt Mitglied in der Ev. Kirche und arbeite als Mitarbeiter für Jugendliche im Kirchenkreis Berlin Nord-Ost. Außerdem studiere ich Ev. Theologie an der Humboldt Unversität zu Berlin in Teilzeit.

Dieses Experiment ist mein „Privatvergnügen“ und hat direkt nichts mit meiner Anstellung bei der Kirche oder mit meinem Studium zu tun. Es ist auch kein Experiment im wissenschaftlichen Sinn, sondern es geht konkret nur um die Menschen, die an diesem Experiment teilnehmen und darum, was Gott aus uns macht.

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