Integrale Theologie

 

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Auf der Welt vorherrschende Religionen, nach Staaten – Quelle: Wikipedia; von Neitram [public domain]

 

„Integrale Theologie“ (oder „integral theology“). – Macht der Ausdruck Sinn? Braucht man, wenn man von der Integralen Theorie ausgeht, überhaupt noch Theologie?

Falls ja, wie müsste eine Integrale Theologie dann aussehen?

 

Theologie

Was war das noch mal, „Theologie“?

 

Theologie (griechisch θεολογία theología, von θεός theós ‚Gott‘ und λόγος lógos ‚Wort, Rede, Lehre‘) bedeutet „die Lehre von Gott“ oder Göttern im Allgemeinen und die Lehren vom Inhalt eines spezifischen religiösen Glaubens und seinen Glaubensdokumenten im Besonderen.

(Wikipedia)

 

Theologie an wissenschaftlichen Einrichtungen ist oft konfessionelle Theologie (Ev. Theologie, Kath. Theologie, …) und beschäftigt sich viel mit alten Dingen: Alte Sprachen, antike heilige Texte, Alte Geschichte, Kirchengeschichte, …

Was aber ist mit der religiösen Alltagswirklichkeit und der Zukunft? Müsste die praktische Theologie und die Eschatologie nicht mehr Gewicht in der theologischen Ausbildung haben? Wie sieht es aus mit dem praktischen Lebensbezug von Theologie und mit visionären Ansätzen für Kirche und Welt?

Es gibt einen z.T. riesigen Unterschied zwischen der „offiziellen“ Religion (Positionen, die von etablierten religiösen Institutionen wie den großen Kirchen vertreten werden) und der alltäglich erfahrenen und gelebten Religion ihrer Anhänger. Dazu kommt in einer globalisierten Welt die Herausforderung, jeden Tag gemeinsam mit Menschen unterschiedlicher religiösen Überzeugungen zu leben, zu arbeiten, Politik zu betreiben …

 

Qualitätskontrolle

Religiöse Einrichtungen scheinen sich manchmal als „von Gott gegeben“ zu verstehen und zeigen wenig Interesse an der Überprüfung der Qualität ihrer Arbeit. Dabei ist doch ganz entscheidend, was am Ende dabei herauskommt.

 

 Jeder gute Baum bringt gute Früchte hervor, ein schlechter Baum aber schlechte. Ein guter Baum kann keine schlechten Früchte hervorbringen und ein schlechter Baum keine guten.
Jeder Baum, der keine guten Früchte hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen.
An ihren Früchten also werdet ihr sie erkennen.
(Bibel, Neues Testament, Matthäus-Evangelium, 7. Kapitel, Verse 17-20)

 

Bei manchen Anhängern der Integralen Theorie ist der Integrale Weg die Antwort auf ein besonders tiefes Erlebnis, eine außergewöhnliche Belastung oder eine persönliche Krise. In guter biblischer Tradition wird hier die Hilfe Gottes als Rettung aus Not erfahren. Die Kraft Gottes zeigt sich ja gerade in ihrer Wirkung – und nicht in Dogmen oder Glaubenssätzen.

 

Die Frucht hingegen, die der Geist Gottes hervorbringt, besteht in Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Rücksichtnahme und Selbstbeherrschung. Gegen solches Verhalten hat kein Gesetz etwas einzuwenden.
(Paulus‘ Brief an die Christen in Galatien 5,22-23)

 

Integrale Theorie

Das „Integrale“ an der Integrale Theorie ist u.a., dass ältere Weltdeutungen nicht bekämpft, sondern integriert werden. So bleiben die unterschiedlichen religiösen und Weisheits-Traditionen nicht sich gegenseitig ausschließende Standpunkte, sondern werden zu sich ergänzenden Zugängen zur Wirklichkeit. Mit Tradition wird nicht gebrochen, sondern es wird an sie angeknüpft und sie wird in ein tieferes und weiteres Verstehen des Lebens geführt.

 

Es gibt sie schon.

Integrale Theologie ist eigentlich schon längst keine Theorie mehr. Sie wird schon betrieben. (Auch wenn sie an Universitäten bis jetzt kaum zu finden ist. – Warum wohl?)

Paul R. Smith, z.B., war jahrelanger Pastor einer Southern Baptist Gemeinde (evangelikal-konservativ). Unter seiner Pastorenschaft entwickelte sich die Gemeinde zu einer integralen Gemeinde. Er hat mittlerweile auch zwei Bücher vorgelegt, in denen er die Integrale Theorie auf die christliche Tradition und die biblischen Texte anwendet.

 

verwurzelt

Der Blick zurück ist wichtig. Man sollte nur nicht in der Vergangenheit hängen bleiben und das Leben verpassen. Der Blick zurück ist wichtig, um mit den eigenen Wurzeln verbunden zu bleiben und die Kontinuität von Tradition in einer Kultur zu gewährleisten.

Auch die Liebe zu meinen Mitmenschen gebietet, Veränderungen so zu vollziehen, dass Menschen, die nicht so schnell mitkommen, sich nicht als Heimatlose und Entwurzelte in einer „schönen neuen Welt“ wiederfinden und irgendwie auf der Strecke bleiben.

Wir brauchen Integrale Theologen, die nicht nur den Wert Integraler Theologie erkennen, sondern auch den Wert der Theologie und der religiösen Traditionen, die Menschen bis heute Halt gegeben haben.

 

Schalom – Frieden – Ganzheit

Big History. Es geht um das ganz Große: Die Vollendung der Schöpfung und des Wirkens Gottes.  Integrale Theologie, als religions-philosophischer und post-konfessioneller Ansatz, könnte ein Weg sein, um alle bisherigen Traditionen und Theologien umfassender und tiefer zu verstehen und einen Weg in die Zukunft der Menschheit zu weisen.

Vielleicht könnte eine Integrale Theologie einen Beitrag leisten, um Kulturen miteinander zu versöhnen und Frieden zu schaffen.

 

 Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.

(Bergpredigt, Matthäus-Evangelium 5,9)

 

Sabine Bobert | Du findest den Himmel überall – Schweigen und Meditation als Weg zu Einheitserfahrungen

 

Hochaktuell für die evangelischen Kirchen – Theologie-Professorin Sabine Bobert auf ihrem Blog „Mystik & Coaching“ zu den Themen Schweigen und Meditation:

Du findest den Himmel überall – Schweigen und Meditation als Weg zu Einheitserfahrungen

 

Eintauchen ins Leid

 

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Vincent van Gogh: Der gute Samariter (nach Delacroix), 1890 [Public domain], via Wikimedia Commons

 

Wir leben in einer Multi-Options-Gesellschaft. Wir genießen das vielfältige Angebot. – Aber wer würde schon gern freiwillig leiden? Ist das nicht Masochismus? Krank?

 

… stark wie der Tod ist die Liebe
und ihre Leidenschaft so unentrinnbar wie das Totenreich.
Ihre Glut lodert wie Feuer;
sie ist eine Flamme des Herrn.
Große Wassermassen können die Liebe nicht auslöschen,
Ströme sie nicht überfluten.
Und wenn einer seinen ganzen Besitz hergäbe, um sich die Liebe zu erkaufen,
so würde man nur über ihn spotten …
(Bibel / Tanach, Hoheslied, 8. Kapitel, Verse 6-7)

 

Liebe ist freiwillig. Man kann sie nicht kaufen und nicht erzwingen. Sie wendet sich aus sich selbst heraus dem anderen zu – weil dies ihr Wesen ist.

Liebe führt mich ins Leiden. Mitleid ereignet sich spontan in mir, weil ich mich selbst in meinem Menschsein in dir wiedererkenne. Du bist ich – und ich bin du. Dein Schmerz ist mein Schmerz. Die Liebe jedoch ist es, die nicht zulässt, dass ich mich abwende, um mich selbst zu schützen. Sie macht mein Herz weich und wendet mich dir zu. Sie führt mich ins Leiden.

Alles ist miteinander verbunden. Die Menschheit ist eine Schicksalsgemeinschaft, von der ich mich nicht verabschieden kann. Wir sind wie  ein Organismus. Dein Problem ist auch mein Problem.

 

 … der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.

(Neues Testament, Lukas-Evangelium 19,10)

 

Ich bin nicht gut im Leiden. Ich mag es überhaupt nicht, wenn ich mich nicht wohl fühle. Aber es ist die göttliche Liebe, die mich magisch anzieht; das Vorbild von Jesus und alles Leid um mich herum, die nicht locker lassen …

 

… Angst und Entsetzen überfielen Jesus …
»Ich zerbreche beinahe unter der Last, die ich zu tragen habe …«
»Abba, Vater, alles ist dir möglich. Lass diesen bitteren Kelch des Leidens an mir vorübergehen …«
Und er betete in seiner Angst noch inständiger und sein Schweiß war wie Blut, das auf die Erde tropfte.
(Markus-Evangelium 12,33-36; Lukas-Evangelium 22,44)

 

Jesus hat uns vorgelebt, was wir ihm nachmachen sollen. Er ist dem Leiden nicht ausgewichen – um unsertwillen.

 

… Wer mir folgen will, muss sich und seine Wünsche aufgeben, sein Kreuz auf sich nehmen und auf meinem Weg hinter mir hergehen.

(Markus-Evangelium 8,34)

 

Christsein ist kein Spaziergang, und die Liebe Christi in uns ist ein todesmutiger Trieb. Das Blut der Märtyrer bezeugt dies durch die Jahrhunderte bis zum heutigen Tag.

 

Glücklich zu preisen sind die, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Glücklich zu preisen seid ihr, wenn man euch um meinetwillen beschimpft und verfolgt und euch zu Unrecht die schlimmsten Dinge nachsagt. Freut euch und jubelt! Denn im Himmel wartet eine große Belohnung auf euch. Genauso hat man ja vor euch schon die Propheten verfolgt. Ihr seid das Salz der Erde …
(Matthäus-Evangelium 5,10-13)

 

In vieler Hinsicht ist das Christentum eine Gegenkultur zur weltlichen Kultur, die uns alltäglich umgibt. Himmelreich an Stelle von egoistischen Individualismus, und Erbarmen anstatt Spaßkultur.

 

Schlechte Nachrichten – Gute Nachrichten

 

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TV-Übertragungswagen des englischsprachigen, staatlich finanzierten Fernsehsenders Russia Today in Moskau; von Jürg Vollmer / Maiakinfo [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, from Wikimedia Commons

 

Nachrichten fallen nicht vom Himmel.

Nachrichten sind Produkte von Journalisten, hergestellt in menschlicher Handarbeit mit subtiler Raffinesse. Im hart umkämpften Nachrichtenmarkt müssen Nachrichten attraktiv sein …

Es gibt Großhändler von Nachrichten:  Die „Deutsche Presse-Agentur (dpa)“, Associated Press (AP), Reuters, usw.  Mit diesen Firmen hat der Endverbraucher normalerweise nichts zu tun. Er/sie kauft seine/ihre Nachrichten beim „Einzelhändler“.

Nachrichten- und Presseagenturen

Zum deutschen Markt heißt es bei Wikipedia (Stichwort „Nachrichten- und Presseagentur„):

Die Marktanteile bei Tageszeitungskunden waren 2006 folgende: 95,7 % DPA, AP 47,1 %, AFP 47,8 %, Reuters 33,3 %, ddp 30,4 % – wobei ddp mittlerweile (Stand: 2016) aufgrund einer Insolvenz vom Markt verschwunden ist.

(abgerufen am 26.05.2018, 21:30 Uhr)

Die Agentur mit dem größten Marktanteil (dpa) ist eine GmbH. Zur Deutschen Presse-Agentur GmbH heißt es bei Wikipedia (Deutsche Presse-Agentur):

Die 185 Gesellschafter der dpa sind ausschließlich Medienunternehmen wie Verlage und Rundfunkanstalten. Damit sind Gesellschafter und Kunden der Agentur größtenteils identisch.

(abgerufen am 26.05.2018, 21:31 Uhr)

Die Medien

Das Objektivitäts-Ideal des Journalismus ist lobenswert. Aber in welchem Umfang lässt sich dieses Ideal in der Nachrichten-Industrie aufrecht erhalten? Und wie viele von denen, die an der Nachrichtenproduktion und -präsentation beteiligt sind, haben an Objektivität noch ein leidenschaftliches Interesse?

Vor fast vier Jahren (29.04.2014), z.B., wurde beim politischen Kabarett „Die Anstalt“ (ZDF) auf Verbindungen zwischen Journalisten und Lobbyisten hingewiesen. Aufgrund von juristischem Druck, entfernte das ZDF später die Folge. Bei YouTube ist sie zur Zeit noch zu finden.

Mir geht es nicht darum, alle Journalisten unter Generalverdacht zu stellen. Andererseits wäre jedoch auch ein blindes Vertrauen in einen sauberen Journalismus angesichts der Gegebenheiten verantwortungslos.

Kultur

Letztendlich ist das Weltbild, das durch die Medien vermittelt wird, eine Art „Fantasiewelt“. Die erzeugte Illusion mag weitgehend mit der Wirklichkeit übereinstimmen; jedoch ist es dem Einzelnen in der Regel nicht möglich nachzuprüfen, in welchen Punkten und in welchem Umfang die Darstellungen der Medien von der Wirklichkeit abweichen.

Es geht allerdings auch nicht nur um Wirklichkeit. Es geht auch um das Bedienen der Interessen der Konsumenten; wozu u.a. auch die Schaffung bzw. Aufrechterhaltung eines gesellschaftlichen Narrativs gehört.

Ein Narrativ stiftet Identität und dient der Wertevermittlung. Vielleicht wird gerade deswegen vermehrt über Narrative gesprochen, weil wir als deutsches Volk kein einheitliches Narrativ besitzen. Früher war es einfacher eine Antwort auf die Frage zu geben: „Was ist deutsch?“ (Auch wenn die Antwort vielleicht falsch wahr.)

Etwas muss wohl dran sein an der Idee des Narrativs. Nach dem Begriff der „linguistischen Wende“ existiert ja seit einiger Zeit auch der Begriff der „narrativen Wende“. In unserer Multi-Options-Gesellschaft gibt es selbstverständlich nicht nur ein Narrativ, sondern es ist eine Vielfalt an Narrativen im Angebot. Kultur als Selbstbedienungsladen: „Bitte bedienen Sie sich!“

Die Verantwortung des Konsumenten

Wenn wir uns als Konsumenten mehr unserer Macht bewusst wären (wir sind ja schließlich diejenigen, die alles finanzieren), dann könnten wir, von unserer Seite der Wirtschaft aus, die Märkte und das Wirtschaftsleben gestalten, anstatt uns mit der Opfer-Rolle zufrieden zu geben. Wir könnten unser eigenes „Nachrichten-Verhalten“ kritisch überprüfen und alle zu Kultur-Erschaffenden werden. Aktivität statt Passivität. Aus der Couch erheben …

Welche Nachrichtenkanäle benutze ich? Welche Zeitung kaufe ich? Welche Webseiten klicke ich an? Welche Nachrichten teile ich? Was für Neuigkeiten frage ich nach? Auf welche Skandale und Eilmeldungen reagiere ich? Welchen Raum gebe ich dem „Aktuellen“ in meinem Leben?

Wo und wann frage ich kritisch nach? Bin ich bereit für Qualitäts-Journalismus auch Geld auszugeben? Mische ich mich selbst ein und trage bei zur Verbreitung von gut gemachten Nachrichten?

Wir können trotz aller eigenen Begrenztheit uns zumindest bemühen, einen sauberen Journalismus zu unterstützen und die Kritik an der Macht der Medien wach zu halten.

Was tun wir als Christen?

Den Kopf in den Sand zu stecken und als Christ nur noch die Bibel zu lesen, kann wohl kaum eine verantwortbare Alternative zum Nachrichten-Konsum sein. Auch als Christen leben wir in einer Informationsgesellschaft, in der Medien eine gewaltige Rolle spielen. Selbst wenn wir nicht mehr mitspielten, würden die anderen ohne uns weiter machen.

Wir können unsere Sinne schärfen. Welche Wirkung hat mein Nachrichten-Konsum in meinem Leben? Was nützt er mir und welche Auswirkungen hat er auf andere Menschen?

Und wir können ein himmlisches Narrativ den Narrativen dieser Welt entgegensetzen:

Gute Nachricht!

Die Gute Nachricht von der Herrschaft Gottes wurde geboren, als der Himmel und die Erde sich küssten. Jesus aus Nazareth. Kreuz und Auferstehung.

Liebe statt Hass. Licht anstelle von Dunkelheit. Aufrichtigkeit statt Lügen. Statt Verirrungen ein Weg der ans Ziel führt. Entschlossenheit statt Ablenkungen. Geduld und Hartnäckigkeit anstelle von Sinnlosigkeit. Kraft statt Erschöpfung. Frieden statt Krieg und Streit. Herz statt Kopf, und Gemeinwohl anstelle von Einzelinteressen. Gemeinschaft statt Egoismus, Befreiung statt Sklaverei. Gerechtigkeit anstelle von Profit-Steigerung. Verantwortung statt Spaßkultur. Einfachheit anstelle von Optimierungswahn. Vertrauen statt Perspektivlosigkeit, Vergebung anstelle von Schulden. Statt Müll und der Zerstückelung des Lebens, das Ewige, Heilige berühren. Leben statt Tod. Menschheitsfamilie statt Einsamkeit.

Es existiert eine gute Nachricht, für alle Menschen dieser Welt. Geboren aus einem guten Geist, auf dem Weg zur Heilung der Welt. Wo Herzen sich berühren und Leben sich verwandelt in Herrlichkeit. Himmel auf Erden …

 

Lasst endlich die Kinder zu IHM kommen!

 

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Spielende Kinder, römisches Relief, 2. Jh. nach Chr.; Louvre [CC BY 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

 

Da sagte Jesus: »Lasst doch die Kinder! Hindert sie nicht, zu mir zu kommen; denn für Menschen wie sie steht Gottes neue Welt offen.« Dann legte er den Kindern segnend die Hände auf …
(Bibel, Neues Testament, Matthäus-Evangelium 19.Kapitel, Verse 14-15)

 

Ein beliebter Bibelvers. Viel wurde schon gesagt und geschrieben.

Es wird theologisch dogmatisiert und diskutiert über Kindertaufe, Kinder-Evangelisation, Religionsunterricht für Kinder, … – Das Thema geht uns aber noch viel tiefer und ganz persönlich an. Das Himmelreich beginnt bei mir: in meinem Herzen, meinem Alltag, meiner Familie, …

Eltern kennen das: Wir können uns den Mund fusselig reden … – doch Kinder machen oft nicht das, was wir sagen. Aber das Leben, das wir ihnen vorleben, bleibt in ihnen für den Rest ihres Lebens.

Eine rauchende Mutter mag ihrem Kind den guten Rat geben: „Fang bloß nicht an zu rauchen …“ – Aber Kinder scheinen sich mehr an dem zu orientieren, was wir vorleben, als an dem, was wir sagen.

Manche von uns haben viel Bibelwissen und können mitreden. Manche haben schon eine lange Geschichte als Christen und tragen mit sich viel liebgewordene christliche Tradition. Wir bringen das auch unseren Kindern bei: Glaubensbekenntnis, Katechismus, Christenlehre, Familienandachten, … – Christentum im Kopf und ein leeres Herz. In den Kirchen und Gemeinden sind wir engagiert und nett und zuhause geht die Familie den Bach runter …

 

Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer! Ihr Heuchler! Ihr versperrt anderen den Zugang zu Gottes himmlischem Reich. Denn ihr selbst geht nicht hinein, und die hineinwollen, hindert ihr auch noch daran.

(Matthäus-Evangelium 23,13)

 

Wir sind alle bedürftig. Es gibt so viel Mangel und Not …

Kinder sind klein und schwach und abhängig.

Wenn Jesus unser Leben ist, wenn ER uns lebt, dann können auch unsere Kinder zu ihm kommen. Sie werden mit hinein genommen in das göttliche Leben, das aus uns ausfließt.

 

Wer an mich glaubt, wird erfahren, was die Heilige Schrift sagt: Von seinem Inneren wird Leben spendendes Wasser ausgehen wie ein starker Strom.

(Johannes-Evangelium 7,38)

 

Heiligung. Gott macht unsere Seele gesund und „heilt all unsere Gebrechen“. Er ist der gute Hirte, der uns mit allem versorgt. Bei ihm ist kein Mangel. Wenn wir unser Altes loslassen, macht er alles neu.

Er fügt uns ein in die Gemeinschaft der Heiligen. Eine Generation aus Königen und Priestern. Wie  ein  Organismus wirken alle zusammen. Was einer nicht kann, kann der andere. Gott schenkt Befähigung, so wie es der Organismus braucht; und alle wachsen gemeinsam und zusammen der Ganzheit entgegen. Gott ist Liebe.

Christus in uns – die Hoffnung der Herrlichkeit. Immer wieder suchen wir seinen Frieden, und er wird uns geschenkt, in einer Weise, die wir nicht verstehen. Gottes Wirken erfasst uns und führt uns mit sich im Strom des Lebens.

Er macht unser Leben hell und führt uns auf einem guten Weg. Er gießt seine Liebe in unsere Herzen …

Wir sind das Licht der Welt. Unsere Kinder finden Sicherheit und Orientierung in dem Licht, das von uns ausgeht. Unsere Liebe wärmt ihre Seelen.

 

 Ich versichere euch: Wer sich Gottes Reich nicht wie ein Kind schenken lässt, der wird ganz sicher nicht hineinkommen.

(Lukas-Evangelium 18,17)

 

Lasst doch endlich die Kinder zu ihm kommen …

 

Macht

 

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Judäische Wüste; Foto von Yuvalr [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, from Wikimedia Commons

 

ER  IST  ein außergewöhnliches Kind. Seine Mama hat das schon immer gewusst. Auch Nachbarn und Bekannte machen immer wieder Andeutungen:

 

„Aus dir wird noch mal was ganz Besonderes!“

 

Und dann passiert …

nichts.

Er wächst eigentlich einfach so auf wie die anderen Jungs in seinem Kaff, irgendwo auf dem Land, weit ab von den Metropolen, wo das Leben spielt …

Keine Ahnung.

Die Zeit vergeht …

Jahr für Jahr, für Jahr …

Im Schoß seiner Familie wächst er heran.
Aus dem Jungen wird ein Mann.

Eines Tages kommt eine Frau ins Dorf und erzählt:

 

Leute, stellt euch vor! Unten im Süden, noch auf der östlichen Seite des Jordan, in der Nähe Jerusalems, hat so’n komischer Typ angefangen öffentlich zu predigen:

„Gottes Gericht steht kurz bevor! Tut Buße! Wenn ihr nicht ändert, wie ihr lebt, kommt es zur Katastrophe! Hört endlich auf, das Falsche zu machen und fangt an richtig zu leben!“

Und die ganzen Leute rennen zu ihm hin und lassen sich im Jordan taufen; als Zeichen, dass sie wirklich mit ihrem alten Leben brechen wollen, und um sich vorzubereiten auf das, was kommt …

 

Da verlässt er seine Familie und sein Dorf, und macht sich auf den langen Weg nach Süden.

Schon von Weitem sieht er die große Menschenmenge, und hört die kräftige Stimme des Predigers. Er bahnt sich einen Weg durch die Menschen und reiht sich ein in die Schar derer, die sich taufen lassen.

Für einen Augenblick ist er begraben im kalten Wasser des Jordan …

Dann richtet er sich auf.

Das Wasser tropft von ihm herab, und er reibt es sich aus den Augen. Als er die Augen öffnet, erblickt er eine Erscheinung am Himmel, wie eine Taube, die vom Himmel auf ihn herabkommt, und er hört eine Stimme:

 

„Du bist  mein  Kind!

Ich bin so stolz auf dich.“

 

Ganz langsam steigt er aus dem Wasser heraus und bahnt sich erneut einen Weg durch die Menge. Er flieht vor den Menschen. Er braucht jetzt Zeit für sich allein, und er geht in die nahe gelegene Wüste. Es zieht ihn in die Einsamkeit …

Wüste. Nur Himmel über ihm. Nachts leuchten die Sterne.

Sein Name ist übrigens „Jeschua;“ eine Kurzform des beliebten alten hebräischen Namens „Jehoschua.“ – Ein berühmter Mann mit demselben Namen hatte einmal vor langer, langer Zeit nicht weit von hier das Volk Gottes in das gelobte Land geführt.

Der Name hatte ursprünglich sicherlich auch einmal eine Bedeutung. Vielleicht sollte er bedeuten „Gott ist großzügig“ oder „Gott rettet“.

Jeschua isst nichts, während er in der Wüste wartet. Und nachdem vierzig Tage vergangen sind, ist er völlig entkräftet, und der Hunger quält ihn …

Da begegnet er dem Bösen.

„Na, du Ebenbild Gottes! Mach doch einfach Brot aus diesem Stein hier! Als Kind Gottes müsstest du das doch eigentlich können, oder?“

Doch Jeschua antwortet nur:

 

„Um wirklich zu leben, braucht ein Mensch mehr als Essen.“

 

Eine Weile vergeht.

Dann tut sich ein Abgrund vor ihm auf. Es zieht seinen Blick in die Tiefe …

„Ich kann nicht mehr.“

„Einfach loslassen … mich fallen lassen … Gott machen lassen …“

„Heißt es nicht in den Heiligen Schriften: ‚Er wird Engel schicken, um mich zu retten?‘ “

 

„Nein, …. nein! Ich darf Gott nicht herausfordern. Ich kann Gottes Eingreifen doch nicht erzwingen …“

 

Wieder vergeht eine Weile.

Immer noch hat Jeschua nichts gegessen, und noch einmal tritt der Versucher an ihn heran und flüstert in sein Ohr:

„Ich habe mehr als du brauchst. Mir ist Alles in dieser Welt  GEGEBEN WORDEN.  Mir gehören doch alle Mächtigen, alles Geld, aller Reichtum, …

Du brauchst das bloß endlich anerkennen, und die Welt wird dir zu Füßen liegen. Mit mir kriegst du  alles , wenn du dich nur endlich vor mir beugst.“

Da öffnet Jeschua seinen Mund und spricht langsam die Worte:

 

„Hau ab, du Teufel! – Ich weiß nur eins: Gott regiert!“

 

Und im selben Augenblick ist der Spuk vorbei. Die Engel Gottes kommen zu ihm, herab vom Himmel, und versorgen ihn mit allem, was er braucht.

Voll-Macht.

Gestärkt, befähigt, und erfüllt mit der Kraft Gottes, wendet sich Jeschua nun nach Norden. Er lässt die Wüste hinter sich. Auch den Mittelpunkt seines Volkes, Jerusalem, Tempel, Priester und König, die Reichen und Mächtigen lässt er hinter sich und geht zurück zu seinen Leuten aufs Land – zu den einfachen Menschen.

Er trifft sie in den Synagogen und auf den Marktplätzen und spricht mit ihnen. Er sagt ihnen:

 

Das Himmelreich ist schon da! – Hier, und jetzt.

Es ist schon mitten unter euch.

Es ist in euch.

 

Und all die kaputten Menschen kommen zu IHM …

… und werden heil.

 

(Die Bibel, Neues Testament; Matthäus-Evangelium, Kapitel 1-4)

 

Man nannte ihn „Jochanan“

 

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By Hansueli Krapf This file was uploaded with Commonist. [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

 

Langes Warten auf das Eingreifen Gottes. Die Lage im Land spitzt sich zu. Sehnsucht nach Freiheit, und nach der Herrschaft Gottes. Die Zeit ist reif …

Man hatte ihn Jochanan genannt – „Gott ist gnädig.“ Eigentlich wollte man ihm einen Namen gemäß der Familientradition geben, aber sein Vater hatte geschrieben: Er soll „Jochanan“ heißen!

Später zog er sich zurück in die Wüste.

Wüste. Einsamkeit. Nur der Himmel über ihm.

Ort der Vorbereitung – Ort der Klärung.

Wie hatte wohl sein Leben bis zu diesem Zeitpunkt ausgesehen?

Wir haben keine Ahnung. Er selbst hat keine Memoiren zurückgelassen, und es wurden auch keine Biografien über ihn geschrieben.

Der kleinbürgerliche Lebensweg im Schoß der Familie war für ihn nicht in Frage gekommen. – So darf es in unserer Heimat doch nicht weitergehn!

Heuschrecken und Honig. -Seine heiligen Texte erzählen von einem anderen Mann vor langer Zeit, der auch schon in auffälliger Kleidung herumgelaufen war …

Die Lage in der römischen Provinz am Rande des Imperiums ist angespannt. Da ertönt die einsame Stimme eines Rufenden in der Wüste:

 

„Es fehlt nur noch ein Augenblick! Die Axt liegt schon am Fuß des Baumes an. Gleich holt ER aus und dann …

Fangt bei euch selbst, in eurem eigenen Leben an! Ändert euer Leben, solange ihr es noch könnt …“

(Die Bibel, Neues Testament, Matthäus-Evangelium, 3. Kapitel, Markus 1, Lukas 3, Johannes 1)

 

Und sie kamen. Viele Menschen aus der Großstadt gingen hinaus in die Einöde zu dem Rufer in der Wüste. Sie hatten Hoffnung geschöpft … – Sie waren bereit einen neuen Anfang zu machen.

Aber nicht alle waren begeistert. Seine Autorität wurde in Frage gestellt. – „Was bildet dieser Mann sich überhaupt ein?“  „Was denkst du, wer du bist?“

Er antwortete: „Ich bin eine Stimme, die in der Wüste ruft: Ebnet den Weg für den Herrn!“

Und dann trat ein Mann auf, aus einem Kaff in Galiläa; und der Himmel tat sich auf …

 

Das Himmelreich ist schon da. Hier, und jetzt!

Es ist mitten unter euch,

und es ist in euch.

(Lukas-Evangelium 17,20)