Lernen, schwach zu sein

[Eine neuere Überarbeitung des Artkels findet ihr hier.]

 

Cethosia_cyane
Cethosia cyane, by AirBete via Wikipedia, (CC BY-SA 3.0) https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/

 

Warum sollte man das lernen wollen? Schwach sein, ist ja nicht gerade erstrebenswert, oder?

Demonstration von Stärke ist eine Lebensstrategie: Imponiergehabe, Muskeln, Beeindrucken, Macht, Abschreckung, Waffen, Einschüchtern, Gewaltandrohung …

Der Weg Jesu erscheint als ein Entgegengesetzter: Das Leben von Schwachheit als Übereinstimmung mit der Wirklichkeit.

Schwachheit ist eine grundlegende Lebenserfahrung aller Menschen – vielleicht die grundlegendste überhaupt. Bevor wir die Welt uns er-denken, werden wir im Bauch unser Mutter herumgetragen. Passivität. Geboren-werden. Wir erleiden all die Dinge, die uns als Werdende entgegenkommen.

Auch in der vollen Blüte des Lebens, des Er-wachsen-seins und der Fruchtbarkeit, ist Leben ständig bedroht. Leben existiert nur im Schatten des Todes. Von einer Sekunde zur nächsten kann das Leben zu Ende sein oder eine Katastrophe über uns hereinbrechen, dass nichts mehr so ist, wie wir es kennen.

Der Vergänglichkeit unterworfen. Wenn es uns geschenkt ist, alt zu werden, spüren wir, wie die Kräfte nachlassen und wir zerbrechlicher werden. – Es ist nicht erstrebenswert, schwach zu sein; aber die Zerbrechlichkeit menschlichen Lebens zu erkennen und anzuerkennen, ist eine Frage der Wahrheit.

„Was ist denn der Mensch, Herr, dass du ihn beachtest? Was bedeutet er dir, der vergängliche Mensch, dass du dich mit ihm abgibst? Wie ein Hauch ist der Mensch und sein Leben gleicht dem schwindenden Schatten.“  (Psalm 144, Verse 3-4)

Das Wahrnehmen, Bejahen, Annehmen dieser Tatsache erscheint mir als grundlegend für den Weg Jesu. Leben ist ein Geschenk. Jeder Atemzug. Nichts ist selbstverständlich oder verdient, könnte eingefordert werden. Unser Leben kann nur bestehen als Teil von etwas Größerem, das wir nicht in der Hand haben oder kontrollieren. Wir brauchen Vertrauen und Mut, um schwach sein zu können. Verabschiedung von Selbsttäuschung. Nachhaltigkeit, anstelle von kurzsichtigen Zielen.

„… Gott tritt den Stolzen entgegen, den Demütigen aber schenkt er seine Gnade. Ordnet euch also Gott unter …“  (Jakobus 4,6-7)

„Du umschließt mich von allen Seiten und legst deine Hand auf mich.“  (Psalm 139,5)

Starrheit zerbricht, Flexibeles gibt nach. Beim harten Aufschlag geht etwas kaputt – Weichheit kann Energie aufnehmen und einen Schlag abfedern. Elastisch. „Der Klügere gibt nach!“ Ich kann ein Teil des Problems sein, oder ein Teil der Lösung.

Vielleicht ist das auch der beste Zugang zu der Bibelstelle, zu der schon so viel gesagt worden ist:

„… Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen.“  (Matthäus 18,3)

Wenn wir die Perfektion, Heiligkeit, Vollkommenheit, zu der wir aufgefordert werden, versuchen darzustellen, sind wir zum Burnout verdammt. Allein das AUSSTRECKEN nach Vollkommenheit ist leb-bar. Ein Leben aus Gnade und Vergebung, des Immer-neu-anfangen-dürfens.

„Wenn wir behaupten, ohne Schuld zu sein, betrügen wir uns selbst und verschließen uns der Wahrheit.“  (1. Johannes 1,8)

Unser Wille und Denken stören, solange wir nicht mit der Wirklichkeit und dem Wirken Gottes übereinstimmen. Ob wir Öl oder Sand im Getriebe der Herrschaft Gottes sind, entscheidet sich daran, wie sehr wir mit seinem Wesen im Einklang sind. Wir können entweder ein festverwurzelter Stein im Fluss sein, an dem sich das Wasser bricht, oder wir können uns ausrichten an der Strömung des Wirkens Gottes und uns mitnehmen lassen, dahin, wohin Gott uns trägt.

Manche Menschen, die schon dem Tode nahe, vielleicht todkrank, waren, haben dadurch zu einem intensiven Leben gefunden. Als Christen leben wir unser Leben im Schatten des Kreuzes Jesu, an dem Gott schwach wurde und an dem wir selbst gestorben sind.

[Eine neuere Überarbeitung des Artkels findet ihr hier.]

 

4 Kommentare zu „Lernen, schwach zu sein

  1. Sehr gut beschrieben, habe lange versucht stark aus mir zu sein.

    ich denke aber die schwachheit soll einbischen spezifiziert werden. Es gibt durchaus situationen wo aufgefordert wird stark zu sein z.B.

    „“.Habe ich dir nicht geboten, dass du stark und mutig sein sollst? Sei unerschrocken und sei nicht verzagt; denn der Herr, dein Gott, ist mit dir überall, wo du hingehst!
    Josua 1:9 SCH2000″“

    Doch paulus scheint dem zu wiedersprechen

    „“Und er hat zu mir gesagt: Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft wird in der Schwachheit vollkommen! Darum will ich mich am liebsten vielmehr meiner Schwachheiten rühmen, damit die Kraft des Christus bei mir wohne.
    2. Korinther 12:9 SCH2000″“

    Was ist nun richtig? Ich glaube wir müssen stark sein im vertrauen auf gott, stark im ausharren und hoffen auf gott. Doch unsere schwacheit eingestehen im vergleich zu gottes stärke.
    Gestehen wir ein dass gott stärker ist und wir dadurch schwäche eingestehen, öffnen wir gott den wirkungsbereich in uns. Wandeln wir unser „ich kann“, in ein „gott kann besser“. Dann erst lassen wir gottes wirken zu. Doch dazu braucht es extreme stärke im vertrauen. Um schwach zu sein im paulus sinn,benötigt es also eine extreme stärke im josuas sinn. Das finde ich noch interessant. Eine stärke wird im weltlichem sinn zu einer schwäche, damit gott uns mit seiner stärke durch die decke boosten kann:)

    Liken

    1. Gut bemerkt. Ich dachte auch, nachdem ich den Post geschrieben hatte: Wenn jetzt jemand ganz schlapp macht und gar nichts mehr tut, ist das ja auch nicht gut. Aber Vertrauen setzt uns wieder in Bewegung, auch wenn es nur klein wie ein Senfkorn ist. So wie Petrus sagt „…, aber auf Dein Wort hin …“

      Gott ist nicht nur stärker als wir, auch alle unsere Möglichkeiten kommen von ihm. „Ohne mich könnt ihr nichts tun.“

      „Wenn er nur an sich dächte, seinen Geist und Odem an sich zöge, so würde alles Fleisch miteinander vergehen, und der Mensch würde wieder zu Staub werden.“ (Hiob 34,14-15)

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