„Hungrige Missionierende“ (7. Teil): Solidarität der Suchenden

Die Bedeutung von Mängeln und Mangel für die Mission

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Herbst, Foto von Martin.Heiss via Wikimedia Commons – GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)

 

“Glücklich schätzen
können sich Menschen,
die hungrig und durstig sind
nach Gerechtigkeit.
Sie werden satt werden.”
.
(Worte von Jesus aus der Bergpredigt – Bibel, Neues Testament, Matthäus-Evangelium 5. Kapitel, Vers 6)

 

Solidarität der Suchenden

Sattheit macht träge. Hunger setzt uns in Bewegung, auf der Suche nach etwas, das die Sehnsucht unseres Herzens stillt und Körper und Seele satt machen. Unsere Bedürfnisse sind allerdings je nach Lebensphase und -umständen unterschiedlich. Es gibt geistliche Reifungsprozesse…

Der Glaube eines Erwachsenden ist nicht dasselbe, wie der Glaube eines Kindes. Wenn ein Mensch ein Bekehrungserlebnis hin zum Christentum hat, sind damit noch nicht alle Fragen für alle Zeit beantwortet. Die Vielfalt des weltweiten Christentums heutzutage ist nicht identisch mit dem Christentum zur Zeit der ersten Apostel. Wir sind alle noch auf dem Weg und suchen Erfahrungen (Phil. 3,10-12) und Antworten…

 

„Um Christus allein geht es mir. Ihn will ich immer besser kennen lernen: Ich will die Kraft seiner Auferstehung erfahren, aber auch seine Leiden möchte ich mit ihm teilen und mein Leben ganz für Gott aufgeben, so wie es Jesus am Kreuz getan hat…
.
Dabei ist mir klar, dass ich dies alles noch lange nicht erreicht habe und ich noch nicht am Ziel bin. Doch ich setze alles daran, es zu ergreifen, weil ich von Jesus Christus ergriffen bin…“
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(Paulus im Brief an die Christen in Philippi 3,10-12)

 

Gute Erfahrungen machen uns Hoffnung, Ähnliches könnte sich noch einmal ereignen. Sie öffnen die Augen für die Schönheiten des Lebens: Es gibt erfahrbare Vergebung, die Kraft eines guten Gewissens, echte Liebe, Solidarität aus tiefer Überzeugung, Hilfsbereitschaft im Glauben an zeitlose Werte, Leben in einer größeren Dimension, tieferes Verstehen, erweitertes Bewusstsein, Sinn im Leben,…

Es gibt viele Menschen, die etwas suchen, und manchmal sind die Probleme und Fragen von Christen und Nichtchristen dieselben:

Wie können wir als Menschheit eine Zukunft haben? Wie können wir verantwortungsvoll und nachhaltig leben? Wie macht unser Alltag Sinn? Wie werde ich meine Depressionen los? Wie können wir in Frieden miteinander leben? Wie schaffe ich es, das Richtige zu tun? Wie werde ich glücklich? Wie findet und pflegt man belastbare Beziehungen? Wie funktioniert Familie? Wie wird meine Seele satt?…

Wie könnte Mission im Auftrag Gottes etwas anderes sein, als die Antwort auf die tiefsten Sehnsüchte des Menschen?

 

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Wolken über Afrika; Foto von Muhammad Mahdi Karim via Wikimedia Commons [GFDL 1.2 (http://www.gnu.org/licenses/old-licenses/fdl-1.2.html)%5D

 

Das Bild, das die Evangelien von Jesus malen, ist das Bild eines Menschen, der sich radikal mit allen Menschen solidarisiert. Er wendet sich den Ausgegrenzten zu und ruft sogar zur Feindesliebe auf. Der Gott dieses Jesus ist der Gott des Jona, welcher sich auch um die Feinde sorgt – und sogar um die Tiere (Jona 4,11; Matthäus 10,29; Johannes 2,15-16). In der Bergpredigt spricht er zu seinen Jüngern (!):

 

Bittet, so wird euch gegeben;  suchet, so werdet ihr finden;  klopfet an, so wird euch aufgetan.”

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(Matthäus-Evangelium 7,7 – Hervorhebung von mir)

 

Wir bräuchten in der Christenheit eine deutliche Zäsur: Weg von der Besserwisserei und hin zur Solidarität mit der Not und den Fragen jedes Menschen. Was sich in meinem Leben bewährt hat, sollte ich sicherlich nicht so einfach wieder aufgeben. Es gehört jedoch auch zu einem Leben im Geist Jesu, die Nöte und Fragen anderer wirklich ernst zu nehmen.

Angesichts der Geschichte und Gegenwart der Christenheit wäre ein Beharren auf der Position “man selbst vertrete aber die richtige Variante des Christentums” etwas peinlich. Gelebter Pluralismus und eine Kultur gesunden, konstruktiven Austauschs könnten selbstgemachtes Christentum überwinden (2 Kor 10, 4-5) und uns weit bringen. Da wir noch nicht am Ziel sind, können wir bereits Erreichtes immer wieder in Frage stellen. Wenn man bereit ist, Gutes loszulassen, könnte man vielleicht Besseres empfangen...

 

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Symbol der Ökumene; von Rechtfertigungslehre_St.-Anna_Augsburg, Emkaer derivative work: ARvєδuι via Wikimedia Commons – CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)

 

“Glücklich schätzen
können sich Menschen,
die hungrig und durstig sind
nach Gerechtigkeit.
Sie werden satt werden.”

 

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„Hungrige Missionierende“ (5. Teil): Mut zum Mangel

Die Bedeutung von Mängeln und Mangel für die Mission

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Judäische Wüste, Foto von Yuvalr, via Wikimedia Commons – CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)

 

“Glücklich schätzen
können sich Menschen,
die hungrig und durstig sind
nach Gerechtigkeit.
Sie werden satt werden.”
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(Worte von Jesus aus der Bergpredigt – Bibel, Neues Testament, Matthäus-Evangelium 5. Kapitel, Vers 6)

 

Mut zum Mangel

Schalom” ist einer der überragenden Begriffe der jüdisch-christlichen Überlieferung. Es ist die große Hoffnung jüdisch-christlicher Frömmigkeit, dass Gott selbst all unseren Mangel ausgleichen kann und wird. Das Evangelium ist eine Botschaft von Gnade, Hoffnung und dem Glauben an eine größere, gute Macht. Dies hilft, den Mut aufzubringen, Mängeln fest in die Augen zu sehen. – Mut zur Lücke. Das Kommen des Reiches Gottes hängt nicht davon ab, dass wir alles wissen, alles können und keine Fehler machen.

Buße und Um-denken (metanoia), von denen die neutestamentlichen Texte sprechen, beinhalten das Sehen und Anerkennen von Mangel, damit sich unsere Wahrnehmung und unser Bewusstsein verändern und es besser mit uns werden kann. Christen sind hungrig nach dem Hereinbrechen des Himmelreichs in unsere notleidende Welt und das Leben verlorener Menschen, und hungrig nach persönlicher Veränderung im eigenen Leben und Wachstum zur Fülle Christi hin. Das Wahrnehmen von Mängeln ist somit ein essentieller Bestandteil von Mission – und dabei sind es nicht nur die Ungläubigen, welche die Mängel haben.

 

„Unser Vater im Himmel!
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme…“
.
(Anfang des Vaterunsers – Matthäus-Evangelium, 6. Kapitel)

 

Eine wesentliche Aufgabe von Religion ist Stabilisierung. (Besonders für Menschen in schweren Lebenskrisen eine lebenswichtige Funktion.) Anzuerkennen, dass diese Stabilisierung nur vorläufig und mangelhaft und die eigene Erkenntnis begrenzt ist, erfordert Mut, da es diese Stabilität zu bedrohen scheint. Man kann auch nicht ständig alles in in Frage stellen; wir müssen auch Entscheidungen treffen, um leben zu können.

Man kann Entscheidungen allerdings in Demut und Bescheidenheit treffen, ohne den Anspruch zu erheben, dass alle anderen dieselben Entscheidungen treffen müssen. Wenn ich für mich selbst einen gangbaren Weg gefunden habe, dann ist das schon eine sehr gute Sache. In gewissem Sinne sind ja alle unsere Lösungen vorübergehend und provisorisch.

 

Sonnenuntergang über Lichtenrade
Sonnenuntergang über Lichtenrade, Foto von Sebastian Rittau, via flickr – creative commons CC BY 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/)

 

Hunger ist unangenehm bis schmerzhaft. Hunger macht Sinn, weil er (grundsätzlich) gestillt werden kann. Hunger ist ein Zustand des Leidens, den man vermeiden möchte, und zugleich eine lebenserhaltende Funktion unseres Körpers. Hunger macht uns rechtzeitig auf Mangel aufmerksam.

Die Bereitschaft zum (geistlichen) Hunger und zum Leiden ist eine wichtige Voraussetzung, um Mängel wahrzunehmen und zu lernen und zu reifen, und eine wichtige Voraussetzung für ein besseres Christentum und eine bessere Mission. Andere Menschen und sich selbst zu lieben, bedeutet auch, bereit zu sein genau hinzuschauen, um besser verstehen und besser helfen zu können. – Der Geist Jesu ist auch ein Geist des kritischen Blicks.

 

“Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge und nimmst nicht wahr den Balken in deinem Auge? Oder wie kannst du sagen zu deinem Bruder:

‚Halt, ich will dir den Splitter aus deinem Auge ziehen!‘ –

und siehe, ein Balken ist in deinem Auge?

Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge; danach kannst du sehen und den Splitter aus deines Bruders Auge ziehen.”

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(Jesus in der Bergpredigt, Mt 7,3-5)

 

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„Dieses Toilettenpapier hat einen Produktionsfehler, eignet sich möglicherweise aber noch zum gewöhnlichen Gebrauch.“ via Wikimedia Commons – slgckgc [CC BY 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/2.0)%5D

 

“Glücklich schätzen
können sich Menschen,
die hungrig und durstig sind
nach Gerechtigkeit.
Sie werden satt werden.”

 

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„Hungrige Missionierende“ (4. Teil): Mangelhaftes Christentum, mangelhafte Mission

Die Bedeutung von Mängeln und Mangel für die Mission

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Von jobas (self-made from Other photos) via Wikimedia Commons – CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)

 

 

“Glücklich schätzen
können sich Menschen,
die hungrig und durstig sind
nach Gerechtigkeit.
Sie werden satt werden.”
.
(Worte von Jesus aus der Bergpredigt – Bibel, Neues Testament, Matthäus-Evangelium 5. Kapitel, Vers 6)

 

Mangelhaftes Christentum, mangelhafte Mission

Die neutestamentlichen Texte rauben einem Leser schnell die Illusion (soweit vorhanden), die Ausbreitung des Evangeliums wäre ein glorreicher Siegeszug vollkommener, liebevoller Menschen gewesen. In so manchem neutestamentlichen Brief werden Missstände unter Gläubigen angeprangert (z.B. Paulus’ Galaterbrief), und von Anfang an scheinen unter den Anhängern Jesu auch Menschen gewesen zu sein, welche Mission aus fragwürdigen Motiven heraus betrieben (Lk 9,54; Apg 8,18; 19,13-16; Phil 1,15-18).

 

Zwar verkünden manche nur deswegen die Botschaft von Christus, weil sie neidisch sind und mir eine erfolgreiche Missionsarbeit nicht gönnen; andere aber lassen sich von den besten Absichten leiten…
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Die anderen aber reden von Jesus Christus nur aus Eigennutz. Sie meinen es nicht ehrlich und wollen mir noch zusätzlich Kummer bereiten.“
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(Paulus im Brief an die Christen in Philippi 1,15-17 – Neues Testament)

 

Christentum und Mission waren von Anfang an mangelhaft. Spätestens seit der Verbrüderung des Christentums mit staatlicher Macht im 4. Jahrhundert (Konstantinische Wende) erscheint Mission und Christianisierung dann allerdings grundsätzlich in einem deutlich anderen Licht.

Schon die Verwendung der Begriffe “Mission” und “Christentum” in diesem Zusammenhang ist höchst problematisch. – Bis heute hat das Wort “Missionierung” selbst bei vielen Christen einen unangenehmen Beigeschmack. – Doch auch diese “Mission” diente der Überlieferung und Verbreitung jüdisch-christlicher Tradition, und sie diente außerdem der Stabilisierung gesellschaftlicher Systeme. Jedoch der Preis dafür war hoch.

 

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Erstes Konzil von Nicäa (325): Kaiser Konstantin entrollt den Text des Nicäno-Konstantinopolitanum; via Wikimedia Commons – [1],[2] [Public domain]

 

Das Christentum hatte sich bis zum Ende des 4. Jahrhunderts stark verändert. – Oder sollte man besser sagen, dass aus dem Christentum etwas grundsätzlich Anderes geworden war? – Wer auf 2000 Jahre Geschichte des Christentums und dessen Ausbreitung zurückblickt, kommt an dieser historischen Entwicklung nicht vorbei.

Auch das Einberufen von Konzilien, das Formulieren von Glaubensbekenntnissen und das Herstellen von Bibeln, war Teil dieses Prozesses, in dem das Christentum mit Macht und Gewalt normiert und verbreitet wurde. Das Christentum des 4. Jahrhunderts war nicht mehr dasselbe Christentum, das in der Urgemeinde der Schüler Jesu entstanden war.

 

“„Jésus annonçait le royaume, et c’est l’Église qui est venue.“ (dt.: “Jesus kündete das Reich Gottes an und gekommen ist die Kirche.”) – Alfred Loisy

 

Auch heutzutage gibt es viele Mängel in der Christenheit, und leider nicht nur die, über die in den Medien berichtet wird. Dazu kommt die eigenartige Situation, dass sich die “progressiven” Kräfte in unterschiedlichen christlichen Konfessionen in Mentalität und Positionen oft näher sind, als die “progressiven” und “konservativen” innerhalb derselben Konfession; und man streitet sich heftig.

All dies stellt die identitätsstiftende Funktion von Religion, die gestaltende Kraft des Christentums und auch den Sinn der entsprechenden Begriffe (“christlich”, “evangelisch”, “fromm”,…) in Frage. Darüber hinaus stellt die mangelhafte gegenwärtige Situation der Christenheit auch vieles andere in Frage: Die Qualität von 2000+ Jahren “Theologie”, die Kompetenz christlicher Profis, die Qualität kirchlicher Strukturen, sowie das Selbstverständnis und die Identität eines jeden Christen. Da alles mit allem zusammenhängt, ist auch irgendwie alles mit verantwortlich.

 

„Ich bete aber nicht nur für sie, sondern auch für die Menschen, die auf ihr Wort hin an mich glauben werden. Ich bete darum, dass sie alle eins sind – sie in uns, so wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin. Dann wird die Welt glauben, dass du mich gesandt hast.
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Die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, habe ich nun auch ihnen gegeben, damit sie eins sind, so wie wir eins sind. Ich in ihnen und du in mir – so sollen sie zur völligen Einheit gelangen, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und dass sie von dir geliebt sind, wie ich von dir geliebt bin.“
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(Jesus im Johannes-Evangelium 17,20-23 – Neues Testament)

 

Die jüdisch-christliche Überlieferung beinhaltet auch eine Tradition des Wahrnehmens von Mangel. Religionskritik am Judentum und Christentum kam nicht nur von außen, sondern auch von innen. So mahnten schon in der Geschichte Israels die Propheten Gottes die Mängel seines Volkes und seiner Führer an, und im Matthäus-Evangelium spricht Jesus in der Bergpredigt von Scheinheiligkeit und Hunger nach Gerechtigkeit. Christentum und Mission ereignen sich in einer Spannung zwischen Idealen und Wirklichkeit.

Man kann andere Texte über Mission schreiben als diesen, in denen man all das betont, was wir als Christen alles Positives besitzen. Aber auch solche Schreiber und Leser kämen an den Mängeln der Wirklichkeit nicht vorbei.

 

“Du sprichst: Ich bin reich und habe mehr als genug und brauche nichts!, und weißt nicht, dass du elend und jämmerlich bist, arm, blind und bloß.”

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(Offenbarung 3,17 – Neues Testament)

 

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Calvary Church bei Nacht; eine „non-denominational evangelical church“ in Charlotte, North Carolina; Foto von Fartbarker, via Wikimedia Commons – public domain

 

“Glücklich schätzen
können sich Menschen,
die hungrig und durstig sind
nach Gerechtigkeit.
Sie werden satt werden.”

 

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„Hungrige Missionierende“ (3. Teil): Einladung zum Leiden

Die Bedeutung von Mängeln und Mangel für die Mission

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Tragödien-Maske an der Fassade des Königlichen Dramatischen Theaters in Stockholm; von Holger.Ellgaard via Wikimedia Commons – CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)

 

“Glücklich schätzen
können sich Menschen,
die hungrig und durstig sind
nach Gerechtigkeit.
Sie werden satt werden.”
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(Worte von Jesus aus der Bergpredigt – Bibel, Neues Testament, Matthäus-Evangelium 5. Kapitel, Vers 6)

 

Einladung zum Leiden

In den ersten drei Jahrhunderten des Christentums war meist klar, dass eine Einladung zum Leben mit Jesus auch eine Einladung zum Leiden war. Paulus sieht seine eigenen Leiden als Fortsetzung des Leidens Jesu (Röm 8,17), und bei den Synoptikern fordert Jesus die Menschen auf, ihr Kreuz auf sich zu nehmen (Mt 10,38; Mk 8,34; Lk 9,23). Auch die Verehrung von Märtyrern hatte in den ersten Jahrhunderten eine große Bedeutung.

Jesus zu glauben und zu lieben und zu dienen, bedeutet zu leiden. Leiden ist eine Grunderfahrung der Schüler von Jesus. Der Geist Jesu führt ins Leid (Mt 4,1; 2 Kor 4,7-12; 7,10). Die Welt und sich selbst im Geiste Jesu wahrzunehmen, das Schöne und das Hässliche, bedeutet zu leiden. Die Entscheidung, an der Seite Jesu eine bessere Welt herbeizuglauben, ist eine Entscheidung zum Leiden. Es ist ein Leiden in der Hoffnung, dass dieses Leiden einen Sinn hat.

 

„Wir allerdings sind für diesen kostbaren Schatz, der uns anvertraut ist, nur wie zerbrechliche Gefäße, denn es soll deutlich werden, dass die alles überragende Kraft, die in unserem Leben wirksam ist, Gottes Kraft ist und nicht aus uns selbst kommt.

Von allen Seiten dringen Schwierigkeiten auf uns ein, und doch werden wir nicht erdrückt. Oft wissen wir nicht mehr weiter, und doch verzweifeln wir nicht. Wir werden verfolgt und sind doch nicht verlassen; wir werden zu Boden geworfen und kommen doch nicht um. Auf Schritt und Tritt erfahren wir am eigenen Leib, was es heißt, am Sterben Jesu teilzuhaben.

Aber gerade auf diese Weise soll auch sichtbar werden, dass wir schon jetzt, in unserem irdischen Dasein, am Leben des auferstandenen Jesus teilhaben. Ja, mitten im Leben sind wir um Jesu willen ständig dem Tod ausgeliefert, und eben dadurch soll sich in unserem sterblichen Dasein zeigen, dass wir auch am Leben von Jesus Anteil haben. Unser Dienst bringt es also mit sich, dass an uns der Tod zur Auswirkung kommt; aber er führt auch dazu, dass an euch das Leben wirksam ist.“

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(Paulus im zweiten Brief an die Christen in Korinth 4,7-12)

 

Empathie hat im Christentum eine große Bedeutung. Wir leiden an uns selbst, an unseren Mitmenschen, an den Schwestern und Brüdern der Christenheit und am real-existierenden Christentum und seiner Geschichte. – Die neue Schöpfung kommt nicht auf leichte, angenehme Weise…

 

“Nicht alle, die sterben, weinen, alle aber weinen, die geboren werden.”

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(Ficino, Theologia Platonica, XVI 8 – zitiert nach Lauster: Die Verzauberung der Welt)

 

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Kreuz an der Ostsee von Caspar David Friedrich (Schloss Carlottenburg, Neuer Pavillon) [Public domain], via Wikimedia Commons

“Glücklich schätzen
können sich Menschen,
die hungrig und durstig sind
nach Gerechtigkeit.
Sie werden satt werden.”

 

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„Hungrige Missionierende“ (2. Teil): Liebevolle Mission

Die Bedeutung von Mängeln und Mangel für die Mission

 

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Robert Indianas 1977 „Liebes-Skulptur“ (Hebräisch: „ahava“), Israel Museum – GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)

 

“Glücklich schätzen
können sich Menschen,
die hungrig und durstig sind
nach Gerechtigkeit.
Sie werden satt werden.”
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(Worte von Jesus aus der Bergpredigt – Bibel, Neues Testament, Matthäus-Evangelium 5. Kapitel, Vers 6)

 

Liebevolle Mission

Schon im Judentum hatte und hat die Liebe zu Gott und den Mitmenschen eine große Bedeutung. In den Evangelien und in anderen neutestamentlichen Texten kommt dies auch zum Ausdruck. Es gibt im Neuen Testament nichts anderes, dem eine ähnlich große Bedeutung zugesprochen wird, wie die Liebe (1 Kor 13; 1 Joh 4,16). Christliche Mission ist somit Mission aus Liebe und in Liebe, Dienen, aus Liebe heraus.

Dementsprechend muss auch christliches Selbst- und Sendungsbewusstsein aussehen: Befähigt und gesandt, um zu lieben und zu dienen. Mission im Geist der Liebe. Die Werte Dienen und Liebe sind hier eng miteinander verbunden. Dienen ist der konkrete Ausdruck von Liebe.

 

„Gott ist Liebe, und die in der Liebe bleiben, bleiben in Gott, und Gott in ihnen.“

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(1. Johannesbrief, 4. Kapitel, Vers 16 – Neues Testament)

 

Dienen orientiert sich an den Bedürfnissen des Mitmenschen. Liebe macht Not und führt ins Leid. Wir leiden mit den Leidenden, und leiden auch an unserer eigenen Begrenztheit. Wir erleben die Not, oft nicht helfen zu können oder nicht zu wissen, was dem anderen wirklich gut tut. Wir empfinden Hilflosigkeit angesichts der eigenen Begrenztheit und der Größe der Aufgabe.

 

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Peronimo [CC BY 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/2.0)%5D, via Wikimedia Commons

 

Hinzu kommt die Last, die eigenen Bedürfnisse mit denen der anderen abzuwägen. Diese Balance zwischen Selbst- und Nächstenliebe ist eine der schwierigsten Aufgaben christlichen Dienens: Im Glauben an Gottes unbegrenzte Möglichkeiten dennoch die eigene Begrenztheit und Bedürftigkeit im Auge behalten. – Der Heilige Geist befähigt uns zu lieben und zu dienen (Röm 8; Gal 5,22-25); gleichzeitig bleibt dies allerdings auch ein lebenslanger Lernprozess.

Mission wird zur Bewegung der Liebe Gottes hin zu den Menschen. Als Schüler Jesu bin ich Teil dieser Bewegung. Die Autorität Jesu bestand in der Übereinstimmung mit diesem Wirken Gottes. Kein autoritärer Machtanspruch zur Befriedigung eigener Interessen, sondern Autorität durch Liebe im Werben um das Vertrauen von Menschen, und Überwindung des Bösen durch Leiden. – Gewaltlosigkeit ist wohl bis heute eines der auffälligsten Kennzeichen der Botschaft Jesu, und das Kreuz deren eindrucksvollstes Symbol.

 

“Wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis jetzt noch stöhnt und in Wehen liegt wie eine Frau bei der Geburt. Aber auch wir selbst, […] stöhnen ebenso in unserem Innern. Denn wir warten sehnsüchtig…”

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(Paulus im Brief an die Christen in Rom 8,22-23 – Neues Testament)

 

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Christusstatue auf dem Corcovado, Rio de Janeiro (Brasilien); Foto von Rafael Rabello de Barros, via Wikimedia Commons – CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)

 

“Glücklich schätzen
können sich Menschen,
die hungrig und durstig sind
nach Gerechtigkeit.
Sie werden satt werden.”

 

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 In solchem Vertrauen gehorchte Abraham, als Gott ihn rief…

Er vertraute Gott. Das gab ihm die Kraft…

Er wartete auf die Stadt, die feste Fundamente hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott selbst ist…

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(Hebräerbrief, 11. Kapitel, Verse 8-10 – Bibel, Neues Testament)

 

[ Ausnahmsweise mal wieder was Englisches … 😉 ]

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When you look into my eyes
And you see the crazy gypsy in my soul
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It always comes as a surprise
When I feel my withered roots begin to grow
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Well, I never had a place that I could call my very own
But that’s all right, my love, cause you’re my home
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When you touch my weary head
And you tell me everything will be all right
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You say, „Use my body for your bed
And my love will keep you warm throughout the night“
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Well I’ll never be a stranger and I’ll never be alone
Wherever we’re together, that’s my home
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Home can be the Pennsylvania Turnpike
Indiana’s early morning dew
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High up in the hills of California
Home is just another word for you

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Well, I never had a place that I could call my very own
That’s all right, my love, cause you’re my home
.
If I travel all my life
And I never get to stop and settle down
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Long as I have you by my side
There’s a roof above and good walls all around
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You’re my castle, you’re my cabin and my instant pleasure dome
I need you in my house cause you’re my home
.
You’re my home

 

[ Liedtext von William („Billy“) M. Joel ]

 

 

 

 Ich bete darum, dass sie alle eins sind – sie in uns, so wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin. Dann wird die Welt glauben, dass du mich gesandt hast.

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(Johannes-Evangelium 17,21 – Bibel, Neues Testament)