Ein Kurs zum GLAUBEN ? Oder eher Kurse zum Wundern?

 

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Foto von Pål Berge (http://www.flickr.com/photos/paalb/49636016/) via Wikimedia Commons – CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)

 

Glaubenskurse sind ziemlich populär. – Wo viel Religiöses nicht mehr funktioniert und Kirche „out“ ist, ist hier vielleicht ein Hoffnungsschimmer?

Sind Glaubenskurse nicht irgendwie auch cooler und auch frommer als Religions- oder Konfirmationsunterricht?

Aber kann man Glauben überhaupt lehren und lernen?

Der klassische „Glaubenslehrer“ in unserem Kulturkreis ist ja der Pfarrer, der ein Theologie-Studium absolviert hat; und an dieser Stelle läuft schon was schief:

Theologie = Wissenschaft von Gott? Kann es so etwas überhaupt geben? Und ist eine akademische Ausbildung an einer Universität dafür geeignet, Gott kennenzulernen? Oder sollte man eher zu einem Guru nach Indien fahren? Welche Qualifikationen müsste denn jemand besitzen, um ein Glaubenslehrer zu sein?

Inwieweit sind all die theoretischen akademischen Ausbildungen an den Universitäten überhaupt dazu geeignet, all die Studenten für ihren späteren harten Berufsalltag vorzubereiten? Wie sieht’s denn so aus mit den Soft Skills oder der Verwertbarkeit des Gelernten in der Praxis?

 

„… ohne Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen. Wer zu Gott kommen will, muss glauben, dass es ihn gibt und dass er die belohnt, die ihn aufrichtig suchen.“

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(Bibel, Neues Testament, Hebräerbrief, 11. Kapitel, Vers 6)

 

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In der lutherischen Tradition spielt Glaube eine überragende Rolle. Es ist der Glaube des Menschen, der über Himmel und Hölle entscheidet. Und dies hat Luther sich nicht neu ausgedacht. Es steht ja in so mancher Bibel:

 

Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.“

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(Markus-Evangelium; Neues Testament; 16,16)

 

Worum geht es eigentlich?

Oft, wenn über Glaube gesprochen wird, ist nicht ganz klar, was denn eigentlich gemeint ist.

 

„Das Wort Glaube (auch Glauben; lateinisch fides; indogermanisch leubh ‚begehren‘, ‚lieb haben‘, ‚für lieb erklären‘, ‚gutheißen‘, ‚loben‘) bezeichnet eine Grundhaltung des Vertrauens, vor allem im Kontext religiöser Überzeugungen.“

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(Wikipedia)

 

Wenn man Glauben so versteht, ist es viel mehr als ein theoretischer Inhalt oder Wissen, das man irgendwie versuchen kann in einem Glaubensbekenntnis zusammenzufassen oder das man in einer Theologie-Prüfung abfragen kann. Eine Grundhaltung ist etwas Tiefes, das bis ins Unterbewusste reicht.

Glauben hat mit Gedanken und mit meiner Vorstellungswelt zu tun. Aber auch mit meinem Gewissen, mit meinen Entscheidungen und mit meinem Verhalten. Als religiöser und kultureller Begriff ist „Glaube“ so dicht und vielschichtig, wie Religion und Kultur selbst es sind.

 

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Der Glaube (1752–53), Allegorie von L.S. Carmona; Foto von Luis García via Wikimedia Commons – GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)

 

Wer sich gerne Videos anschaut, kann hier einen interessanten Beitrag der Philosophin Prof. Dr. Alma von Stockhausen zum Thema Glaube sehen & hören:

 

 

Theorie und Praxis

Was ich in der Kirche als Glaubensbekenntnis mitspreche, muss nicht unbedingt mit dem übereinstimmen, was ich wirklich glaube, oder was andere sich bei demselben Glaubensbekenntnis darunter vorstellen.

Erst unser Leben macht deutlich, was wir wirklich glauben. Die Summe all der vielen kleinen und großen Entscheidungen jeden Tag erschafft meine Biographie; und an der kann man dann ablesen, was mir wichtig ist. Auch bei jemanden, der sich nie groß Gedanken darüber gemacht hat, was er glaubt, und dies niemals versucht hat, in Worte zu fassen, zeigt trotzdem das Leben, was dieser Mensch glaubt. Und sei es nur der Glaube, dass das Leben ein endloses Leiden ist.

Mir geht es hier nicht um irgendeinen Glauben, sondern mir geht es um Glauben, der für einen Menschen „funktioniert“; Glaube, der in sich stimmig ist und im harten Alltag auch die Früchte wachsen lässt, die man erwarten würde. „Ganzheitlicher Glaube“ sozusagen, der für den Glaubenden selbst und auch für sein Umfeld positive Auswirkungen hat. Glaube, der retten und erlösen kann.

 

„Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

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(Johannes-Evangelium; Neues Testament; 3,16)

 

Christlicher Glaube

Kann man  diesen  Glauben lernen? Jesuanischen Glauben? An Gott so glauben, wie Jesus es vorgelebt hat? Glaube, der von Jesus ausgeht und durch ihn möglich wird?

Zur Frage, ob man diesen christlichen Glauben lernen kann, fallen mir dann gleich noch mehr Fragen ein:

Falls „Ja.“ – Wie lernt man dann diesen Glauben?

Falls „Nein“ – Warum kann man diesen Glauben nicht lernen?

Ich habe in meinem Leben schon verschiedene Antworten auf diese Frage kennengelernt.

 

„Dem einen wird durch den Geist ein Wort der Weisheit gegeben … einem andern Glaube …“
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(Paulus im Brief an die Christen in Korinth 12,9)

 

Antwort: „Nein“

1.  „Nein.“ – Glaube kann man nicht lernen, weil er ein Geschenk ist und eine Frucht des Heiligen Geistes. (Galaterbrief 5,22 in der Lutherübersetzung von 1956!)

2.  „Nein.“ – Glaube ist eine Entscheidung, ein Willensakt. Deshalb kann auch dazu aufgerufen werden. Man kann ihn aber nicht erlernen.

Ich habe so auf Anhieb in meiner Bibel auch keinen Vers gefunden, wo vom „Glauben lernen“ die Rede ist.

 

„… dass sie Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten …“

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(Paulus in der Apostelgeschichte, 17,27)

 

Antwort: „Ja“

Um sich für Jesus entscheiden zu können, muss man erst einmal die Überlieferung über Jesus kennenlernen. Alles zusammen ist also auch ein Lernvorgang.

 

„Den Herrn anrufen kann man nur, wenn man an ihn glaubt. An ihn glauben kann man nur, wenn man von ihm gehört hat. Von ihm hören kann man nur, wenn jemand da ist, der die Botschaft von ihm verkündet …

Wie wir gesehen haben, setzt der Glaube das Hören der Botschaft von Christus voraus.“
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(Paulus im Brief an die Christen in Rom 10,14-17)

 

„spürbar“

Ich war 2016 auf einer Informationsveranstaltung zum Glaubenskurs „spürbar“(www.spuerbar.org). Dies ist nicht der allererste Glaubenskurs, der erfunden worden ist und wahrscheinlich auch nicht der letzte. Für diesen „Nachfolge-Kurs“ zeichnet das Evangelische Werk für Diakonie und Entwicklung e. V. verantwortlich. Er ist wohl als eine Art Aufbaukurs zu spur8 gedacht.

Ein Untertitel auf dem Flyer heißt „Spüren Sie in acht Veranstaltungen auf, wie der Glaube lebendig wird.“  – Klingt ein bisschen wie ein Wiederbelebungskurs für einen toten Glauben.

Das Konzept und die Vorstellung des Kurses war mir sympathisch. Lebensnah und mit Offenheit für die Erfahrungen der Teilnehmer. Ich bin mir allerdings noch nicht sicher, ob auch deutlich wird, an was oder wem man glaubt.

Soll man dem Kursleiter glauben? Oder einander? An die christliche Überlieferung? Und falls ja: Welche Version des Christentums denn? Es hat ja anscheinend noch nie eine einheitliche christliche Lehre gegeben …

Das ist wohl ein grundsätzliches Problem aller Glaubenskurse: Auf welcher Grundlage befindet man sich? Was ist das Ziel? Wie viel Bedeutung haben die persönlichen Lebenserfahrungen der Teilnehmer? Wie wägt man die unterschiedlichen Interessen gegen einander ab? In welche Richtung leitet man ein Gespräch? Leitet man überhaupt, oder schaut man einfach zu, was sich ereignet?

Was ist die beste Methode, um Glauben zu lernen?

 

„Der Wind weht, wo er will. Du hörst zwar sein Rauschen, aber woher er kommt und wohin er geht, weißt du nicht. So ist es bei jedem, der aus dem Geist geboren ist.“

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(Johannes-Evangelium 3,8)

 

„Ein Kurs in Wundern“

„Was soll denn das sein?“ – Hab ich mich jedenfalls gefragt …

Kennt den „Kurs in Wundern“ jemand von euch und hat vielleicht sogar persönliche Erfahrungen damit gemacht? – Mir ist der Name des Kurses in letzter Zeit öfter mal begegnet.

 

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Helen Schucman; Porträt von Brian Whelan (1981), via Wikimedia Commons – CC BY 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/3.0)

 

Glaube und/oder Spiritualität?

Es fällt auf, dass in letzter Zeit das Wort „Spiritualität“ immer mehr in Mode kommt. Anscheinend können viele Menschen mit dem alten Wort „Glaube“ nicht mehr so viel anfangen.

Wo Christen sich seit Jahrhunderten streiten, sich gegenseitig Unglaube oder Ketzertum oder Mangel an Heiligem Geist vorwerfen und auf Scheiterhaufen verbrannt haben, ist das ja irgendwo auch verständlich.

Es gibt ein Christsein und ein Verständnis des christlichen Glaubens, das in unsere postmoderne Zeit passt und unser Menschsein ganzheitlich erkennt. So könnten wir auch die Bedeutung des christlichen Glaubens als Teil der Kulturgeschichte der Menschheit besser verstehen.

 

„… Gott ist Liebe, und die in der Liebe bleiben, bleiben in Gott, und Gott in ihnen.“

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(Erster Johannesbrief 4,16b)

 

[Dies ist die neuere Überarbeitung eines älteren Artikels, welchen ihr mit Kommentaren hier findet.]

 

Bibel – 1. Johannesbrief 4,16

 

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Graffito in Osttimor; Foto von Tatoli ba Kultura (Tatoli ba Kultura) [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

 

Bibel, Neues Testament, Erster Brief von Johannes, 4. Kapitel, Vers 16 b

 

Ὁ θεὸς ἀγάπη ἐστίν, καὶ ὁ μένων ἐν τῇ ἀγάπῃ ἐν τῷ θεῷ μένει, καὶ ὁ θεὸς ἐν αὐτῷ μένει.

(Original, Alt-Griechisches/Koine-Neues-Testament)

 

Deus caritas est : et qui manet in caritate, in Deo manet, et Deus in eo.

(Vulgata)

 

Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.

(Lutherbibel 2017)

 

Gott ist Liebe. Wer in der Liebe lebt, lebt in Gott und Gott lebt in ihm.

(Gute Nachricht Bibel)

 

Gott ist Liebe, und wer in dieser Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.

(Hoffnung-für-Alle-Übersetzung)

 

Gott ist Liebe, und wer sich von der Liebe bestimmen lässt, lebt in Gott, und Gott lebt in ihm.

(Neue Genfer Übersetzung)

 

God is love; and he that dwelleth in love dwelleth in God, and God in him.

(King James Version)

 

God is love, and whoever abides in love abides in God, and God abides in him.

(English Standard Version)

 

God is love. Whoever lives in love lives in God, and God in them.

(New International Version)

 

God is love. Anyone who leads a life of love shows that he is joined to God. And God is joined to him.

(New International Readers Version)

 

Dieu est amour : celui qui demeure dans l’amour demeure en Dieu, et Dieu demeure en lui.

(Bible du Semeur)

 

Dio è amore, e chi vive nell’amore vive in Dio, e Dio vive in lui.

(La Parola è Vita)

 

Dio è amore; e chi rimane nell’amore rimane in Dio e Dio rimane in lui.

(Nuova Riveduta 2006)

 

Dios es amor. El que permanece en amor, permanece en Dios, y Dios en él.

(Nueva Versión Internacional)

 

God is liefde. Wie blijft liefhebben, blijft één met God.

(Het Boek)

 

Gud er kjærlighet, og den som lever i kjærlighet, lever med Gud og Gud lever med ham.

(En Levende Bok)

 

Gud är kärlek, och den som lever i denna kärlek, fortsätter att leva i gemenskap med Gud, och Gud bor i honom.

(Nya Levande Bibeln)

 

Gud er kærlighed, og de, der lever i kærlighed, lever med Gud, og Gud lever i dem.

(Bibelen på hverdagsdansk)

 

Bůh je láska a ten, kdo miluje, zůstává s Bohem v živém spojení.

(Slovo na cestu)

 

Bůh láska jest, a kdož v lásce přebývá, v Bohu přebývá, a Bůh v něm.

(Bible Kralická)

 

Boh je láska a ten, kto miluje, zostáva s Bohom v živom spojení.

(Nádej pre kazdého)

 

Isten szeretet. Aki szeretetben marad, Istenben marad, és Isten is őbenne.

(Ungarisch)

 

Бог е любов1; и който стои в любовта, стои в Бога, и Бог – в него.

(Veren)

 

Bog je ljubav; tko živi u ljubavi, živi u Bogu i Bog živi u njemu.

(Knjiga O Kristu)

 

Tanrı sevgidir. Sevgide yaşayan Tanrı’da yaşar, Tanrı da onda yaşar.

(Türkçe)

 

Wie abgenutzt ist deine Liebe?

 

 

[Quelle des Originaltextes: bibelwissenschaft.de, Quelle der Übersetzungen: bibleserver.com]

 

Tobias Faix | Warum ist Spiritualität so in und Kirche so out?

 

Tobias Faix auf seinem Blog über seinen Vortrag bei der Bundestagung der Baptisten:

„Warum ist Spiritualität so in und Kirche so out, Herr Faix?“ Ein paar Anmerkungen um die Kontroversen meines Vortrags bei der Bundestagstagung der Baptisten.

 

Sandra Hauser | Steckt die Integrale Theorie Menschen in Schubladen?

 

Sandra Hauser diskutiert auf ihrem Blog eine kritische Anfrage an die Integrale Theorie:

Steckt die Integrale Theorie Menschen in Schubladen?

 

Netzwerk Theologie in der Kirche | Allein mit der Schrift.

 

Zur innerprotestantischen Ökumene von Tobias Graßmann   Die Formulierung „innerprotestantische Ökumene“ hat den Beiklang des Paradoxen. Die meisten Christen dürften bei „Ökumene“ erst einmal a…

Weiterlesen auf netzwerktheologie.wordpress.com:

Allein mit der Schrift. – Netzwerk Theologie in der Kirche

 

Andacht

 

Andacht
Von mir.  🙂   [public domain]

 

 

… Mein Vater, wenn es möglich ist, dann lass den Kelch an mir vorübergehen und erspare mir dieses Leiden! Aber nicht was ich will, sondern was du willst, soll geschehen.

 

(Jesus in Gethsemane – Bibel, Neues Testament, Matthäus-Evangelium, 26. Kapitel, Vers 39)

 

 

Sich fügen in den Willen Gottes. Jede Ausrede und jeder Widerspruch verstummt. In der Klarheit des Weges verblassen alle Alternativen. Die innere Gewissheit ist der Kompass, der die Richtung gibt.

 

 

… ich bin mit Christus gekreuzigt. Nicht mehr ich bin es, der lebt, nein, Christus lebt in mir. Und solange ich noch dieses irdische Leben habe, lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mir seine Liebe erwiesen und sich selbst für mich hingegeben hat.

 

(Neues Testament, Paulus‘ Brief an die Galater, 2,19-20)

 

Andacht. Denken an das Wesentliche. Kontemplation. Ich versenke mich in das, was mich unbedingt angeht. Kein Wenn, kein Aber. Ich füge mich in das große Ganze, von dem ich ein Teil bin. Ich ordne mich ein in den Willen Gottes. Ich lass mich erfassen vom Wirken Gottes in seiner Welt …

 

… Richtet eure Gedanken ganz auf die Dinge, die wahr und achtenswert, gerecht, rein und unanstößig sind und allgemeine Zustimmung verdienen; beschäftigt euch mit dem, was vorbildlich ist und zu Recht gelobt wird. Haltet euch bei allem, was ihr tut, an die Botschaft, die euch verkündet worden ist und die ihr angenommen habt; lebt so, wie ich es euch gesagt und vorgelebt habe. Dann wird der Gott des Friedens mit euch sein.

 

(Philipperbrief 4,8-9)

 

 

In der Stille angekommen …

 

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Tonnengewölbe mit Gurtbögen: Abteikirche in Saint-Savin im Westen Frankreichs, by Lechat84 (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

 

Ich bin allein. Aber meine Seele kommt trotzdem noch nicht zur Ruhe, und in meinem Kopf wird es nicht still. Die Erlebnisse des Tages zerren noch an mir und eine Fülle von Eindrücken wirken noch nach. Und nachts, in den Träumen, steigen Bilder aus den Tiefen meiner Seele …

Wie macht man das, dass man in der Stille ankommt?

„In der Stille angekommen …“ – Einfache und schöne Worte … aber nicht ganz so leicht umzusetzen. Die Formulierung stammt von einem christlichen Lied von Christoph Zehendner. Wer neugierig geworden ist, kann es sich auf YouTube ansehen:

 

 

Zeit & Stille. Ein einfaches Konzept für unser gestresstes Leben.

Wir alle haben Zeit – theoretisch. Jeden Morgen neu, 24 Stunden am Tag. Wenn wir bewusst unseren Tag gestalten, unser Leben in die Hand nehmen und entscheiden, wofür wir unsere Zeit nutzen, dann haben wir die Chance, in unserem Leben zeitliche Freiräume zu schaffen für das, was wirklich wichtig ist. Noch besser wäre, wenn wir erfasst würden, von den wichtigen Fragen des Lebens selbst, getragen vom Wesentlichen, als nur Getriebene zu sein, von den alltäglichen Dringlichkeiten.

Der moderne Großstadtmensch findet Stille oft nur noch mit Ohren-Stöpseln. Manche suchen Stille in der Natur und auch dort hören wir das Flugzeug sich annähern und wieder entfernen. Es ist allerhöchste Zeit, in einer gestressten und reizüberfluteten Welt, dass wir in unserem eigenen Leben und in der Gesellschaft Freiräume für Zeit und Stille schaffen. Wir dürfen nicht darauf warten, dass das von alleine passiert oder es andere für uns tun – um unser selbst und anderer willen.

 

Da packte Elija die Angst und er lief um sein Leben … und ging eine Tagereise weit in die Wüste hinein … „Steh auf und iss! … Du hast einen weiten Weg vor dir.“
Er erhob sich, aß und trank und machte sich auf den Weg. Die Speise gab ihm so viel Kraft, dass er vierzig Tage und Nächte hindurch gehen konnte, bis er zum Gottesberg Horeb kam …
 Da kam ein heftiger Sturm herauf, der Felsen aus den Bergen riss und vor Jahwe zerschmetterte. Doch Jahwe war nicht im Sturm. Nach dem Sturm bebte die Erde, aber Jahwe war nicht im Beben. Nach dem Erdbeben ein Feuer, doch Jahwe war nicht im Feuer. Nach dem Feuer der Ton eines dahinschwebenden Schweigens …
Als Elija das hörte, verhüllte er sein Gesicht mit dem Mantel und stellte sich in den Eingang der Höhle. Da fragte ihn eine Stimme: „Was tust du hier, Elija?“ …
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(Die Bibel, Tanach / Altes Testament, 1. Buch der Könige, 19. Kapitel, Verse 3-13)

 

Menschen suchten die Einsamkeit als einen Ort der Klärung und Berufung: Elija am Horeb (1. Kön. 19), Johannes der Täufer, Jesus (Mk 1,35), …

Das Motiv der Wüste taucht in biblischen Erzählungen immer wieder auf. Ein Ort der Einsamkeit, Kargheit, der Begegnung mit sich selbst. Ein Ort der Vorbereitung.

In der Geschichte waren und sind Klöster Orte der Kontemplation. Nicht unbedingt eine gute Idee für jeden oder für alle Zeit; aber wenn man für sich selbst, für den Augenblick, eine Lösung gefunden hat, um mehr Zeit für Stille zu finden, hat man schon eine ganze Menge gewonnen.

Habt ihr selbst schon ähnliche Erfahrungen gemacht? Oder habt ihr Tipps, wie man es schafft „in der Stille anzukommen“?

[Dies ist die Überarbeitung eines älteren Artikel. Den älteren Artikel mit Kommentaren findet ihr hier.]