DIE AfC – ALTERNATIVE FÜR’S CHRISTENTUM

DIE ALTERNATIVE …

… zu einem Christentum, das nicht mehr christlich ist; zu einem Fundament, das nicht mehr trägt; zu einem Heil, das keine Heilung mehr bringt; zu Traditionen, die nicht mehr verstanden werden; zu Bekenntnissen, die keine innere Überzeugung mehr sind; zu Geboten, die keine Orientierung mehr bieten; zu Dogmen, die einfach geglaubt werden müssen; zu Worten, die keinen Sinn mehr ergeben; zu einer Sprache, die keine Sehnsucht mehr weckt; zu Veranstaltungen, auf denen man trotzdem einsam ist; zu Gruppen, die einengen; zu einer Freiheit, die nicht mehr gefühlt wird; zu Liebe, die erst einmal definiert werden muss; zu einer Rettung, bei der man nicht weiß von was; zu einer Gnade, die von keinen Schuldgefühlen befreit.

„Was ist denn die ALTERNATIVE?“ wird manchmal gefragt. „Wenn wir unser Bekenntnis in Frage stellen, bricht Gottes Reich zusammen!“  „Wenn wir aufgeben, was wir zu haben meinen, haben wir ja gar nichts mehr!“

Die Alternative ist sich von toten Dingen zu lösen und sich auf die Suche nach dem Leben zu machen. Die Alternative ist, den Mut aufzubringen, Verantwortung für sein eigenes Leben zu übernehmen, anstatt die Verantwortung an geistliche Führer oder heilige Texte zu delegieren. Die Alternative ist ein Christentum, das das Geheimnis des Mannes aus Nazareth zu ergründen sucht. Die Alternative ist die Liebe und das Vertrauen, von denen die Evangelien erzählen. Die Alternative ist sich erfassen zu lassen von der ewigen Kraft Gottes. Die Alternative ist die Entscheidung, alles auf eine Karte zu setzen; sich selbst zu riskieren, um das Himmelreich zu gewinnen. Die Alternative ist die radikale Solidarisierung mit jedem Menschen; sich auf die Suche zu machen nach dem, was verirrt oder verloren ist. An die eigene Ohnmacht zu glauben und an Gottes Möglichkeiten. Gott in der Stille zu begegnen. In der Wüste von Engeln versorgt zu werden.

Christianity reloaded. Eine neue Reformation – aber diesmal richtig!

WAS IST BIBLISCH ? – FAQ

Muss ich mich als Christ belehren lassen?  –  1. Johannes 2,27 (anklicken!)

Sollte man Astrologie betreiben?  –  Matthäus 2,2

Darf ich als Christ aus dem Kaffeesatz lesen?  –  1. Mose 44,5

Darf ich andere täuschen?  –  1. Samuel 21,14

Darf man krumme Geschäfte für einen guten Zweck machen?  –  Lukas 16,8

Kann ich als Christ Politiker sein?  –  2. Mose 20,16

Sollte man Kommunalpolitiker werden?  –  Jeremia 29,7

Sollte man seine Kinder schlagen?  –  Sprüche 13,24

Sollte man seine Hand abhacken?  –  Matthäus 5,30

Sollte man auf die schiefe Bahn geratene resozialisieren?  –  5. Mose 21,20-21

Sollte man ein Exempel statuieren? Funktioniert Abschreckung?  –  5. Mose 21,21

Kann man als Christ Polizist oder Soldat sein?  –  Matthäus 26,52

Darf man jemand hassen?  –  Lukas 14,26

Sollte ich bestimmte Menschen töten?  –  4. Mose 25,7-11

Sollte man Napalm-Bomben auf böse Menschen werfen?  –  1.Mose 19,24

Ist Kommunismus biblisch?  –  Apostelgeschichte 2,44

Darf man als Christ Privateigentum haben?  –  Matthäus 19,21

Was hängt im Kleiderschrank christlicher Frauen?  –  1.Petrus 3,3

Darf man als Christ bunte Kleidung oder Mischgewebe tragen?  –  3. Mose 19,19

Darf man als christlicher Mann lange Haare tragen?  –  1.Samuel 1,11

Tut es Männern gut, Frauen anzufassen?  –  1. Korinther 7,1

Darf man als Mann mehrere Frauen haben?  –  2. Samuel 12,8

Darf ich als Christ vor-ehelichen Sex haben?  –  Hoheslied 8,1-10

Darf ich als Christ Empfängnisverhütung betreiben?  –  1. Mose 1,28

Darf man onanieren oder Coitus interruptus praktizieren?  –  1. Mose 38,9-10

Darf man als Christ masturbieren?  –  1. Korinther 6,18

Darf ich mich beschneiden lassen?  –  Galater 5,2

Muss man sich vom Partner vergewaltigen lassen?  –  1. Korinther 7,4

Darf eine Frau Sex haben, wenn sie ihre Tage hat?  –  3. Mose 20,18

Darf ich mich als Christ scheiden lassen?  –  Matthäus 19,9

Darf man als Geschiedener wieder heiraten?  –  1.Korinther 7,11

Darf ich einen Ungläubigen heiraten?  –  1. Korinther 7,39

Darf man mit Ungläubigen zusammenarbeiten?  –  2. Korinther 6,14

Darf ich zur Beerdigung eines Ungläubigen gehen?  –  Matthäus 8,22

Wie sollte man seine Gottesdienste veranstalten? –  Jakobus 1,27

Darf man ein Schlagzeug im Gottesdienst benutzen?  –  Psalm 150,5

Dürfen Frauen in Kirchengemeinden „Piep“ sagen?  –  1.Korinther 14,33-34

Sollte ich als Christ in Zungen reden?  –  1. Korinther 14,5

Sollte ein Christ Exorzismus betreiben?  –  Markus 16,17

Darf man halbnackt tanzen?  –  2. Samuel 6,20

Darf ich als Christ FKK machen?  –  1.Mose 3,21

Sollte man Alkohol missbrauchen?  –  Sprüche 31,6

Sollte ich als Christ Fleisch essen?  –  1. Mose 2,16

Darf ich als Christ Blutwurst essen?  –  Apostelgeschichte 15,20

Darf ich als Christ Meeresfrüchte essen?  –  3. Mose 11,10

Darf ich als Christ schwul sein?  –  3. Mose 20,13

Darf ich als christlicher Bauer Monokulturen anbauen?  –  3. Mose 19,19

Was sagt die Bibel zu Gentechnik?  –  3.Mose 19,19

Sollte ich einen Atombunker haben?  –  Offenbarung 6,13

Ist etwa ALLES erlaubt?  –  1. Korinther 6,12

Wer meint, dies sei lustig,
die sollte sich gut überlegen, ob sie lacht.
(1. Mose 18,15)

STÜRZT DAS BIBEL-DOGMA VOM SOCKEL !

bibel

Die nicht ausreichend geklärte Frage unseres Umgangs mit der Bibel, ist eines der größten Probleme des Christentums. Wir haben einen Hunderte von Jahren alten Bibel-Mythos, der wie ein gewaltiger Klotz am Bein des wunderbaren Evangeliums ist. Es ist mehr als überfällig, dass das Dogma der Unfehlbarkeit der Bibel von seinem Sockel gestoßen wird, um zum Jesus-Glauben zurückzukehren. Wenn all die Frommen der Jahrhunderte Jesus und die biblischen Texte ernster genommen hätten, wäre es nie zu diesem Dogma gekommen.

„Wehe euch Schriftgelehrten! Denn ihr beladet die Menschen mit unerträglichen Lasten …
Weh euch, … die ihr das Himmelreich zuschließt vor den Menschen! Ihr geht nicht hinein und die hinein wollen, lasst ihr nicht hineingehen.  … Weh euch, ihr verblendeten Führer …“
(Jesus von Nazareth, in Lukas 11,46 und Matthäus 23,13-16)

Nehmt doch endlich das Joch eurer Bibel-Verehrung von den Schultern so vieler Gläubiger! Jesus hat keinen heiligen Text aufgeschrieben und auch zu Pfingsten kam keine neue Tora vom Himmel. Es war gerade der normative Charakter heiliger Schriften, der in der frühen Christenheit zur Diskussion Stand. Um Gottes und der Menschen willen müssen wir DEUTLICH widersprechen:

Die Bibel ist NICHT das Wort Gottes !!!

(Auch wenn Luther und manche andere sich an dieser Stelle vielleicht im Grabe umdrehen.)

Ich sage dies nicht, weil ich GEGEN die biblischen Texte bin, sondern FÜR sie! Und für die MENSCHEN, die sie lesen. – Wer es nicht glauben will, soll doch einfach selbst mal in seiner Bibel nachschauen:

Lukas, zum Beispiel. – Behauptet der Verfasser des Lukas-Evangelium an irgendeiner Stelle, dass seine Worte die Worte Gottes sind oder er sie von Gott empfangen hat? Gibt es irgendeinen anderen Vers in der Bibel, der  behauptet, dass das Lukas-Evangelium Gottes Worte sind? Wann hat überhaupt in der Kirchengeschichte sich zum ersten Mal jemand angemaßt zu behaupten, dass dies Evangelium Wort Gottes ist? Und warum?

Die biblischen Texte wurden im Glauben überliefert, dass sie Zeugnisse des Wirken Gottes sind. Dadurch werden sie aber nicht zu vollkommenen Worten Gottes. Nehmt doch die Texte selbst ernst, anstatt einfach eure liebgewonnenen Ideen in die Texte hineinzulesen! Und all dies auch noch unter dem Deckmantel von Frömmigkeit und mit dem Anspruch auf Wahrheit!!!

Auch Theologen, die Fundamentalismus ablehnen, sind in ihrem Gebrauch der biblischen Texte und in ihrem Reden über die Bibel nicht immer „sauber“ (mich eingeschlossen). Wir, die „Wissenden“, tragen Verantwortung dafür, wie wir die Bibel darstellen und welche Erwartungen an diese Texte wir erzeugen. Wie wäre es, wenn wir endlich einmal eine Bibelausgabe hätten, wo nicht „Bibel“ oder sogar „Heilige Schrift“ drauf steht, sondern „Sammlung der grundlegenden Schriften des Christentums“? Das Wort „Bibel“ allein suggeriert schon eine Homogenität des Buches, die nicht gegeben ist. (Wer weiß schon, dass das Wort „Bibel“ eigentlich ein Plural ist?)

Denen, die sich schon freuen, dass sie jetzt vielleicht auch als Christen endlich machen dürfen, was Spaß macht, sei gesagt:  Ihr durftet schon immer machen, was Spaß macht; es ist nur nicht alles gut! (1. Korinther 6,12; 10,23)

Das Bibel-Dogma aufzugeben bedeutet überhaupt nicht, dass christlicher Glaube dadurch beliebig wird, es keine Orientierung mehr gibt oder die Nachfolge Jesu weniger verbindlich wird. Aber so vielfältig wie Kulturen und Menschen und das Leben müssen auch unsere Antworten sein. Und wer sagt überhaupt, dass ich die richtige Antwort für jemand anderen haben muss?

Haben wir Angst vor „der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes“?  (Römer 8)

UNHEIL ! UNHEIL !

Der Löwe brüllt, ganz in der Nähe …
Wem fährt nicht der Schrecken in die Glieder?
Gott spricht.
Wer wird da nicht zum Propheten?
(Amos)

Dunkle Wolken ziehen auf,
die Sonne hat sich abgewendet.
Die Bewegung bewegt nicht mehr.
Das Leben hat seine Kraft verloren.

Nicht mit den sterilen Worten
von Wissenschaftlern und Bürokraten.
Schickt jemanden, die Poeten und Sänger zu holen!
Ihr Schreiberlinge, schärft eure Stifte!

Schaut wieder den Leuten auf’s Maul!
Nicht verwalten,
sondern klopfen, rütteln, aufwecken,
mit Worten, die zuschlagen!

Hände zu Fäusten!
Kathedralen zu Schulen!
Konsumtempel zu Opferstätten!

Ich habe Hintergedanken,
ich will manipulieren,
Ich bin polemisch,
ich will missverstanden werden,
ich will aufschreien!

Wehe! Wehe!
… den Reichen, Satten, Zufriedenen,
den Spaß-habern dieser Welt!
Wehe denen, die einfach so weiter machen!
Wehe denen, die lieber Totes berühren als Menschen!
Wehe den Komplizen des Unrechts!
Wehe denen, die Antworten haben!
Wehe dem Eindeutigen!

Ich bin gekommen ein Feuer anzuzünden.
Ich wünschte, es würde schon brennen.
(Jesus von Nazareth)

Der Wind weht, wo er will,
ein kleines, sanftes Säuseln …

Ob wir noch Frieden finden bei IHR …

EMERGENT FORUM 2016

Ich spüre in mir noch die Nachbeben …  (Wie lange werden wohl die Mitarbeiter des Forum, die die ganze Zeit in Aktion waren, brauchen, um sich zu erholen und das Forum nachzubereiten?) Noch nicht einmal 48 Stunden. Eine sehr intensive, kurze Zeit. Gesichter, Stimmen, Worte, Bilder, Musik, Umarmungen, …

Perfektes Wetter und eine perfekte location. Modernes Bürgerzentrum gleich neben der Andreasgemeinde; mit Terrasse, die in einen Park mit Skulpturen und Spielplatz übergeht. Ein Eichhörnchen im Baum, eine Feldwiese gleich hinter der Kirche. In der Ferne schwebt ein Fesselballon langsam über die Außenbezirke von Frankfurt/M und man sieht die Skyline von Downtown Frankfurt unter strahlend blauem Himmel. Auf der Terrasse die slow-brew coffee bar des Refugio-Projekts, importiert aus Berlin.

Vielleicht 300 Leute. Warum sie wohl alle gekommen sind? Wo und wie war Gott hier am wirken an diesem Wochenende? Und wieviel wird davon in der Zukunft spürbar sein, und für wen?

Kirche für alle. Wirklich alle?  Verhaltensgestörte, Intellektuelle, Menschen, die kein Deutsch sprechen, Bettlägerige, Hochsensible, Reiche, Unreine, mit ansteckenden Krankheiten, Kriminelle, psychisch Kranke, Extremisten, Analphabeten, Machtmenschen, Sex-Worker, Schwerstbehinderte, Workaholics, Vergewaltiger und Missbrauchte, Täter und Opfer, Mühselige und Beladene, Kinder, …   –  Die Jesus-Anhänger wollten sie wegschicken, aber Jesus wurde zornig und sagte: Lasst sie zu mir kommen …  (Die Bibel, Neues Testament, Markus-Evangelium, 10. Kapitel, Verse 13-14)

Alle sollen kommen. Alle sind eingeladen. „Wer Durst hat, der soll zu mir kommen und trinken!
Wer mir vertraut … von ihm wird Leben spendendes Wasser ausgehen wie ein starker Strom.“ (Johannes-Evangelium 7,37-38)

Wer kommt überhaupt, oder bleibt schon von vornherein weg? Wer fühlt sich überhaupt bei uns wohl? Und wenn ja, warum nicht? Noch nicht einmal alle, deren Muttersprache Deutsch ist, verstehen auch, worüber in Kirchen geredet wird. Sind unsere kirchlichen Angebote auch interessant für Leute, die nicht gut im Reden oder Zuhören sind? (Gottesdienste, Bibelstunden, Gesprächskreise, … )

Wieviel Vielfalt hält eine Gemeinde aus? Was wirkt den Fliehkräften entgegen und hält zusammen? Woher nimmt man die Kraft für all die Hilfsbedürftigen …  Vielleicht bedürfen wir der Bedürftigen, um in Gottes Nähe zu kommen und zu bleiben und nicht zum frömmelnden Klub zu verkommen. Wenn wir mit unseren Möglichkeiten am Ende sind, kann Gott dann vielleicht noch was machen? »Du brauchst nicht mehr als meine Gnade. Je schwächer du bist, desto stärker erweist sich an dir meine Kraft.« (2. Kor. 12,9).  (Ist das eine Einladung zum Burnout?)

Willkommen sein. Gast werden und Gastgeber sein. Sich einladen lassen und sich selbst einladen. Beschenkt werden. Gnade. Manche kamen zu Jesus hungrig und wurden satt. Manche gingen wieder weg, weil ihnen Jesu Worte zu hart waren. Weiches Brot – harte Worte. Zuckerbrot und Peitsche? Fördern und Fordern?

Wer darf bleiben? Wie sehr muss man sich anpassen oder verbiegen, um dazuzugehören? Gibt es eine Mindestgeschwindigkeit auf der Autobahn des geistlichen Wachstums? Wer nicht schnell genug ist, darf nicht mehr mitfahren? Wen muss man rausschmeißen (wenn er nicht schon freiwillig gegangen ist)? Welche Rolle spielen Überlieferung, Verkündigung und Bezeugen, wie sieht das konkret aus und welche Zugänge dazu haben Menschen?

Ideale sind schön – Menschen sind anstrengend. Kirche für alle. Wollen wir das überhaupt? Theorie ist steril – Menschen stinken, und man macht sich schmutzig. Unangenehm.

Was ist überhaupt Kirche? Wie erkennt man in den Massen der Jesus-Sympathisanten die „echten“ Jünger? Wenn ALLE kommen, wie bleibt Kirche noch als solche erkennbar und bewahrt Profil?  –  An der Liebe werden die Leute erkennen, dass wir zu Jesus gehören (Johannes 13,35). Oder auch nicht.

„… Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“  (1. Joh. 4,16).  (Gilt das eigentlich nur für Christen?)

BYZANZ

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By Dennis Jarvis from Halifax, Canada (Turkey-3019 – Hagia Sophia) [CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)%5D, via Wikimedia Commons

Das Wort hatte für mich schon immer einen gewissen Zauber und etwas Geheimnisvolles. Grund dafür war sicherlich auch, dass ich fast nichts darüber wusste. Beim Kiosk sah ich vor ein paar Tagen eine Zeitschrift: Geo Epoche „Byzanz“. Noch eine weitere Erinnerung an ein sagenhaftes Thema, das sich vielleicht lohnt.

Byzanz. Eine Stadt, ein Reich, eine Epoche, ein Kulturraum.

Das Wort „Byzanz“ stammt von der Lateinischen Version des griechischen Namens  Βυζάντιον (Byzántion). Diese Stadt am Bosporus wurde im 7. Jahrhundert v. Chr. von dorischen (griechischen) Siedlern als Koloniestadt gegründet. Die Herkunft des Namens ist nicht geklärt. Möglicherweise stammt er vom Personennamen eines legendären griechischen Königs. Der heutige Name der Stadt ist Istanbul. (Übrigens hat sich laut Wiktionary der Name „Istanbul“ aus der Wendung Konstantinou-polis = Konstantins-Stadt entwickelt.)

Als der römische Kaiser Konstantin Byzanz 326 bis 330 zur neuen Reichshauptstadt machte, war es schon eine alte Stadt, und bekam den offiziellen Namen „Nova Roma“ („Neues Rom“). Dies war derselbe Konstantin, nach dem auch die „konstantinische Wende“ benannt ist und unter dem das Christentum zur wichtigsten Religion im römischen Reich wurde. Nach dem Tode Konstantins wurde die Stadt offiziell in „Constantinopolis“ („Konstantinopel“) umbenannt.

Interessant ist, dass das Zentrum der „offiziellen“ Kirche in Rom blieb und nicht mit dem Kaiser nach Nova Roma umzug. Der römische Patriarch Siricius, zum Beispiel, wurde vom Kaiser Valentinian II. im Jahre 385 in seiner Vorrangstellung als Papst im Amt bestätigt – während das Zentrum der weltlichen Macht ja schon im Osten war.

Die Teilung der Herrschaft zwischen den Söhnen des Kaisers Theodosius im Jahre 395 wird als Beginn des byzantinischen Reiches angesehen. Der ältere Sohn von Theodosius, Arcadius, wurde erster römischer Kaiser des östlichen Teiles des römischen Reiches. Mit dem Ende der weströmischen Herrschaft schaffte der spätere byzantinische Kaiser Justinian dann auch 554 den weströmischen Hof ab. Dies ist derselbe Justinian der mit dem „Corpus Iuris Civilis“ bleibende Bedeutung für die Rechtsgeschichte hat.

Die Herrschaft im römischen Reich teilte sich 395, aber zum sogenannten großen „Morgenländischen Schisma“ kam es erst mehr als 600 Jahre später „als Humbert de Silva Candida, der Gesandte Papst Leos IX., und Patriarch Michael I. von Konstantinopel sich nach gescheiterten Unionsverhandlungen gegenseitig exkommunizierten.“ (Wikipedia) Dieser Bann hatte allerdings praktisch für die darauf folgende Zeit kaum Bedeutung und zur offiziellen Trennung zwischen West- und Ostkirche kam es erst im 18. (!) Jahrhundert.

Eine der bekanntesten byzantinischen Kirchen und eines der bekanntesten Wahrzeichens Istanbuls ist sicherlich die Hagia Sophia. Sie war Krönungskirche der byzantinischen Kaiser und Kathedrale des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel. „Hagia Sophia“ bedeutet „Heilige Weisheit“. Ein interessanter Name für eine Kirche. Nach der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen wurde sie 1453 zur Hauptmoschee.

Das Byzantinische Reich begann 395 mit der Reichsteilung und endete 1453 mit der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen. Mehr als 1000 Jahre! Bei Wikipedia gibt es dazu noch eine Animation über die Ausbreitung:

550 erstreckte sich das Reich über den gesamten Mittelmeerraum, einschließlich Nordafrikas, bis nach Gibraltar!

Wieviel in zeitlicher und räumlicher Ausbreitung vergleichbare Reiche gab es in der Menschheitsgeschichte? (Das Dritte Reich dauerte zum Glück nur 12 Jahre.) Wodurch bekam dieses multi-ethnische Reich seine Stabilität? Können wir daraus noch etwas lernen für Multikulti heute?

Über das Byzantinische Reich gelangten auch orientalische Einflüsse nach Europa und altes Kulturgut der Region wurde an weiter entfernte Regionen und an zukünftige Generationen überliefert. Byzantinische Kultur war von Bedeutung für die Renaissance in Westeuropa und hat eine gewaltige kulturelle Bedeutung für den Balkan, Osteuropa und das orthodoxe Christentum. „Die byzantinische Kultur und Denkweise hat alle orthodoxen Völker tief geprägt.“ (Wikipedia)

Westeuropa und weite Gebiete der restlichen Welt wurden durch römisch-katholisches Christentum geprägt. Da die Reformation eine Gegenreaktion auf den Katholizismus war, sind auch überwiegend protestantische Regionen somit indirekt durch katholische Frömmigkeit beeinflusst. (Abgesehen davon, dass viele protestantische Regionen ja vorher sowieso katholisch waren.)

Was wäre bei unserem Verständnis und der Beschreibung unseres Glaubens heute in Deutschland anders, wenn wir nicht aus römisch-katholischem Christentum, sondern aus byzantinisch-orthodoxen Christentum erwachsen wären? Wäre das vielleicht sogar in unseren säkularen Kultur spürbar?

WÄRST DU AUCH GERNE MIT NUTTEN BEFREUNDET?

Jesus hatte keinen guten Ruf zu verlieren. Zumindest nicht in den frommen Kreisen seiner Zeit. Ein Freund von Nutten und korrupten Kollaborateuren mit der verhassten römischen Besatzung. Er war eine äußerst umstrittene Persönlichkeit des öffentlichen Lebens seiner Zeit. Ein Konflikt, der ihn am Ende das Leben kostete.

Prostitution. Leider ein zeitloses Thema. Die Art und Weise, wie Jesus Nutten begegnete, ist bestimmt ein Aspekt seines Lebens, der Menschen die letzten 2000 Jahre besonders berührt hat. Prostitution geht an die Substanz des menschlichen und gesellschaftlichen Miteinanders. Die nüchterne Bezeichnung „Prostitution“ macht die ganze Angelegenheit nicht harmloser.

Die krasseste Jesus-Erzählung dazu wäre wohl diese:

Einmal wurde Jesus von einem Pharisäer zum Essen eingeladen. Er ging in das Haus dieses Mannes und setzte sich an den Tisch. Da kam eine Prostituierte herein, die in dieser Stadt lebte. Sie hatte erfahren, dass Jesus bei dem Pharisäer eingeladen war. In ihrer Hand trug sie ein Fläschchen mit wertvollem Salböl. Die Frau ging zu Jesus, kniete bei ihm nieder und weinte so sehr, dass seine Füße von ihren Tränen nass wurden. Mit ihrem Haar trocknete sie die Füße, küsste sie und goss das Öl darüber.

Der Pharisäer hatte das alles beobachtet und dachte: „Wenn dieser Mann wirklich ein Prophet wäre, müsste er doch wissen, was für eine Frau ihn da berührt. Sie ist doch eine stadtbekannte Hure!“

„Simon, ich will dir etwas erzählen“, unterbrach ihn Jesus in seinen Gedanken.

„Ja, ich höre zu, Lehrer‘, antwortete Simon.

„Ein reicher Mann hatte zwei Leuten Geld geliehen. Der eine Mann schuldete ihm fünfhundert Silberstücke, der andere fünfzig. Weil sie das Geld aber nicht zurückzahlen konnten, schenkte er es beiden. Welcher der beiden Männer wird ihm nun am meisten dankbar sein?“

Simon antwortete: „Bestimmt der, dem er die größte Schuld erlassen hat.“

„Du hast Recht!“, bestätigte ihm Jesus. Dann blickte er die Frau an und sagte:

„Sieh diese Frau, Simon! Ich kam in dein Haus, und du hast mir kein Wasser für meine Füße gegeben, was doch sonst selbstverständlich ist. Aber sie hat meine Füße mit ihren Tränen gewaschen und mit ihrem Haar getrocknet. Du hast mich nicht mit einem Kuss begrüßt. Aber seit ich hier bin, hat diese Frau immer wieder meine Füße geküsst. Du hast meine Stirn nicht mit Öl gesalbt, während sie dieses kostbare Öl sogar über meine Füße gegossen hat. Ich sage dir: Ihre große Schuld ist ihr vergeben; und darum hat sie mir so viel Liebe gezeigt. Wem aber wenig vergeben wird, der liebt auch wenig.“

Zu der Frau sagte Jesus: „Deine Sünden sind dir vergeben.“

Da tuschelten die anderen Gäste untereinander: „Was ist das nur für ein Mensch! Kann der denn Sünden vergeben?“

Jesus aber sagte zu der Frau: „Dein Glaube hat dich gerettet! Geh in Frieden.“

(Die Bibel, Neues Testament, Lukas-Evangelium, 7. Kapitel, Verse 36-50)

Neugierig geworden?  http://worthaus.org/mediathek/1-2-1/