Jahreslosung 2018 im Zusammenhang

 

Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst

(Die Bibel, Neues Testament, Offenbarung, 21. Kapitel, Vers 6)

 

[Die Worte „Gott spricht“ scheinen im Originaltext gar nicht vorzukommen, sondern der Jahreslosung hinzugefügt worden zu sein. Wenn ich den Text lese, ist mir gar nicht gleich klar, wer denn derjenige ist, der hier spricht.]

 

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I, Kbh3rd [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html), CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/) or CC BY-SA 2.5-2.0-1.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5-2.0-1.0)%5D, via Wikimedia Commons
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Wie nett. Wiedereinmal ein schöner Bibelvers, der uns angenehm berührt:

Man wird bedient mit einem frischen Durstlöscher – und es kostet gar nix!

Angeboten wird frisches, kühles Mineralwasser. Kein lauwarmes, muffig schmeckendes, abgestandenes altes Wasser aus einer verstaubten Flasche oder einem trüben Tümpel. – Wenn das realexistierende Christentum doch bloß auch immer so frisch und lebendig schmecken würde …

Gratis! Dies ist ein Angebot, das sich jeder leisten kann. Kein Luxus-Angebot (nur echt, wenn teuer) für eine Zwei-oder-mehr-Klassengesellschaft. Gerechtigkeit. Chancengleichheit. Hier hat sich offensichtlich schon ein großzügiger Sponsor gefunden, der dieses Angebot finanziert.

Das apokalyptische Buch der Offenbarung ist voll von Bildern. Auch bei der Jahreslosung geht es eigentlich nicht um Wasser, sondern um das, was wir unbedingt zum Leben brauchen. Und das in sehr guter Qualität. Jeder darf hier seiner Fantasie freien Lauf lassen, was der Verfasser der Offenbarung schreiben würde, wenn er seinen Text heutzutage verfassen würde …

Die Jahreslosung in diesem Jahr stammt aus dem vorletzten Kapitel des Buches der Offenbarung. Sie wurde von der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen ausgewählt.

Bei Bibelversen ist es immer keine schlechte Idee sich den Zusammenhang anzuschauen:

 

Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr.
Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen!
Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.
Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss! Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. Wer überwindet, der wird dies ererben, und ich werde sein Gott sein und er wird mein Sohn sein.
Die Feigen aber und Ungläubigen und Frevler und Mörder und Hurer und Zauberer und Götzendiener und alle Lügner, deren Teil wird in dem Pfuhl sein, der mit Feuer und Schwefel brennt; das ist der zweite Tod.
(Verse 1-8)

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Im 21. Kapitel der Offenbarung wird „das neue Jerusalem“ in einer herrlichen Vision als die Belohnung für die „Überwinder“ dargestellt. Gegensatz dazu bildet ein brennender Pfuhl, mit dem die Übeltäter bestraft werden.

Lob und Tadel. Belohnung und Bestrafung. Zuckerbrot und Peitsche. Erfolg oder Gefängnis. Himmel oder Hölle. Ein Dualismus der unser ganzes Leben begleitet.

Wenn man die Jahreslosung im Zusammenhang liest, klingt sie nicht mehr ganz so freundlich; denn im Hintergrund drohen die Qualen des brennenden Pfuhls für die Ungehorsamen. Das herrliche Leben ist offensichtlich doch nicht ganz so billig, wie es den Anschein haben mag, wenn man nur den einzelnen Vers der Jahreslosung liest.

Die Jahreslosung ist sicherlich gut gemeint. Wir alle brauchen Hoffnung. Sie zeigt allerdings auch mal wieder, wie problematisch es ist, einfach einzelne Bibelverse zu zitieren, und sie damit notwendigerweise aus dem Zusammenhang zu reißen.

Die Jahreslosung ist kein Gratis-Angebot für Menschen, die Jesus noch nicht kennen. Das neutestamentliche Buch „Offenbarung“ wurde für Christen geschrieben, um ihnen Mut zu machen und sie herauszufordern, alle Hindernisse zu überwinden, indem sie Gott und Christus vertrauen.

Glaube wird oft Missverstanden als ein Lippenbekenntnis zu einer bestimmten religiösen Weltanschauung. Scheinbar billige Gnade. Aber echter Glaube ist in Wirklichkeit immer lebensgestaltend. Ein Glaube, der keine Wirkung hat, ist ein toter Glaube.

Und die Wirkung deines Glaubens sollte sich eigentlich zu allererst in deinem persönlichen Leben zeigen – deinem Alltag, deinen Beziehungen, Freundschaften, in deiner Familie, in der Schule, an deinem Arbeitsplatz, in deiner Nachbarschaft, an deinem Konsumverhalten, deinen Interessen & Hobbys, …

Was wir wirklich glauben, zeigt sich nicht durch das Bejahen eines Glaubensbekenntnisses, sondern in unserem Leben:

Lass mich sehen, wie du lebst, und ich sage dir, was du glaubst!

Die Behauptung der Jahreslosung ist (in guter jüdisch-christlicher Tradition):

Es lohnt sich, Gott zu suchen und ihm treu zu sein. Gott macht unsere Seele satt und gibt uns Zukunft.

 

Glücklich zu preisen sind die, die nach der Gerechtigkeit hungern und dürsten; denn sie werden satt werden.

(Matthäus-Evangelium, Bergpredigt, Seligpreisungen, 5. Kapitel, Vers 6)

 

 

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Mutter unser

 

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Erdaufgang im Orbit um den Mond (Apollo 8); NASA / Bill Anders [Public domain], via Wikimedia Commons

 

Mutter unser im Himmel!
Dein Name werde geheiligt.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

 

Ich hatte nicht wirklich gedacht, dass ich der Erste bin, der auf die Idee kommt:

„Mutter unser“.

Schon 1999 gab es einen Artikel bei „Die Welt“ und 2014 einen bei „derFreitag.“ Beides offensichtlich Reaktionen auf eine Diskussion, die schon längst im Gange war. Und das Thema ist noch lange nicht vom Tisch.

Ist das Vater-unser nicht mehr gut genug? Geben wir als Christen mal wieder dem Zeitgeist nach? Passen uns an?

Ist ein „Mutterunser“ nicht eine Verfälschung der Bibel? Vielleicht sogar Gotteslästerung?

 

Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet …

(Die Bibel, Tanach / Altes Testament, Jesaja 66,13)

 

Gott ist kein Mann – das ist klar. Wo ist also das Problem von Gott als Mutter zu sprechen? Beides, „Vater“ und „Mutter“, sind sprachliche Bilder, um sich einer Wirklichkeit anzunähern, die sich mit Sprache nie einfangen lässt.

Wie so viele andere Diskussionen in der Christenheit, führt uns die Frage nach der Männlich- bzw. Weiblichkeit Gottes tief hinein in die Grundlagen unseres Glaubens:

  • Wie können wir heutzutage sinnvoll mit den antiken biblischen Texten umgehen?
  • Was ist die zeitlose Wahrheit des Evangeliums, und was ist ihr kultur- und zeitabhängiger Ausdruck?
  • Wer oder was ist eigentlich Gott, und wie können wir halbwegs angemessen von IHM/ IHR reden?

Und es gibt auch Fragen, die mir etwas über mich selbst offenbaren können:

  • Ist mir der Gedanke an einen männlichen, weiblichen oder sächlichen Gott sympathischer?
  • Warum?

 

theologiestudierende.de | Moment Mal: Alles gleichgestellt?

 

Bild: gagnonm1993 via pixabay.com

 

Ein Artikel von Christine Fuhrmannek auf theologiestudierende.de:

„Am 1.10. ist das Gesetz in Kraft getreten, das die Eheschließung zwischen gleichgeschlechtlichen Paaren ermöglicht. Daraufhin gaben sich in Berlin noch am selben Tag elf gleichgeschlechtliche Paare das Ja-Wort. 25 Jahre, nachdem hunderte von Lesben …“

Weiterlesen auf theologiestudierende.de:  Moment Mal: Alles gleichgestellt?

 

Das Anbrechen der christlichen Weltherrschaft

 

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„The Ascension“, attributed to Dosso Dossi [Public domain], via Wikimedia Commons

 

… Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde.

(Jesus im Matthäus-Evangelium; die Bibel, Neues Testament, Matthäus 28. Kapitel, Vers 18)

 

Vier unserer deutschen Feiertage erinnern an wichtige Ereignisse aus den Erzählungen über den Mann aus Nazareth: Weihnachten, Karfreitag, Ostern und Himmelfahrt. Ein jedes Jahr wiederkehrendes Zeichen dafür, wie tief unsere abendländische Kultur durch den christlichen Glauben geprägt worden ist.

„Himmelfahrt“. Wer in Deutschland lebt, kennt dieses Wort ziemlich bald. Nicht jeder verbindet damit allerdings noch etwas Religiöses. Wer sich ein kleines bisschen auskennt, weiß allerdings, dass das Wort sich auf die Himmelfahrt von Jesus bezieht.

 

… aufgefahren in den Himmel …

(aus dem Apostolischen Glaubensbekenntnis)

 

Ich selbst bin christlich aufgewachsen und habe, wenn ich an Himmelfahrt denke, immer die Szene auf dem Ölberg im Kopf, wo Jesus sich von seinen Jüngern verabschiedet und dann auf einer Wolke gen Himmel entschwindet und zwei Engel dabei sind. Diese Vorstellung stammt von der Beschreibung im ersten Kapitel der Apostelgeschichte. Am Ende des Johannes-Evangeliums kommt diese Szene überhaupt nicht vor. In der ursprünglichen Fassung von Markus kommt dies Szene wahrscheinlich auch nicht vor. Einige Handschriften haben allerdings ein paar Verse am Ende von Markus, wo Jesus den Jüngern bei einer Mahlzeit erscheint, zu ihnen spricht und dann „in den Himmel aufgenommen wird“. Auch keine Szene mit Berg und Wolke und Engeln.

Am Ende von Matthäus erscheint Jesus den Jüngern erstaunlicherweise auf einen Berg in Galiläa und es wird gar nichts von einer Himmelfahrt erzählt. Nur am Ende vom Lukas-Evangelium finden wir auch eine Himmelfahrt in der Nähe von Jerusalem und Bethanien (Ölberg), was als Buch natürlich eine große Nähe zur Apostelgeschichte hat. Die Apostelgeschichte knüpft genau an der Stelle wieder an.

Ich war überrascht, dass sich die Szene, so wie ich sie im Kopf hatte, nur in der Apostelgeschichte findet. Was wollen all diese Erzählungen zum Ausdruck bringen? Und in welcher Form finden wir das in den restlichen neutestamentlichen Schriften? Und knüpft all das an Motive an, die den Menschen zur Zeit Jesu schon vertraut waren?

Menschen in der Antike, so z.B. Ägypter, Griechen und Römer, kannten das religiöse Motiv der Himmelfahrt. So finden wir bei den Römern die Himmelfahrt des Romulus und die Griechen hatten die Legende von der Aufnahme des Herakles in den Olymp. Wahrscheinlich waren dem antiken Menschen solche Vorstellungen sogar vertrauter als dem Menschen heute.

Auch im Judentum finden wir dieses Motiv. So wird Henoch von Gott hinweggenommen, ohne dass er stirbt (Genesis 5,24), und ebenso Elija (2. Könige 2,11). Aus späterer Zeit stammt die apokryphe Schrift der Himmelfahrt des Mose.

 

Und weil er mit Gott wandelte, nahm ihn Gott hinweg und er ward nicht mehr gesehen.

(Die Bibel, Tanach / Altes Testament, Bereschith /Genesis / 1. Mose, 5. Kapitel, Vers 24)

 

Was in dem Motiv der Himmelfahrt zusammenfließt und zum Ausdruck kommt, ist religionsgeschichtlich im Einzelnen nicht ganz einfach zu klären. Klar scheint allerdings zu sein, dass es ein Protest gegen die Vergänglichkeit und Glaube an die Unsterblichkeit ist. Das Menschliche geht ins Göttliche über.

 

Denn solange wir in dieser Hütte sind, seufzen wir und sind beschwert, weil wir lieber nicht entkleidet, sondern überkleidet werden wollen, damit das Sterbliche verschlungen werde von dem Leben.

(Neues Testament, 2. Brief des Paulus an die Korinther, 5,4)

 

Der Glaube an ein Leben nach dem Tod ist von großer Bedeutung in der jüdisch-christlichen Überlieferung und ist auch in anderen Kulturen und Religionen zu finden. Es entspricht der Sehnsucht von vielen Menschen auch heute, dass ihr Leben nicht nur für sie selbst, sondern auch für andere Menschen von Bedeutung ist – auch über den Tod hinaus.

Befreites, unaufhaltsames Leben, das auch der Tod nicht mehr aufhalten kann. Anteilhaben an der Lebenskraft Gottes, die sich in seiner Schöpfung Bahn bricht. Ein spirituelles Sein, gegründet auf einer mystischen Vereinigung mit dem Anfänger des christlichen Glaubens: Jesus.

 

… Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben …
(Johannes-Evangelium, 11,25-26)

 

Die christliche Weltherrschaft besteht nicht im Durchsetzen „christlicher Werte“, sondern im Hereinbrechen der Wirklichkeit Gottes in seine Welt. Wahre Macht liegt nicht bei den Mächtigen dieser Welt (egal ob römischer Kaiser oder amerikanischer Präsident), sondern im Vertrauen zu Gott. Menschen, die von Gottes Geist erfasst und belebt worden sind, können nicht nur in ihrem eigenen Leben herrschen, sondern können auch Mitarbeiter Gottes sein dabei, die Strukturen des Bösen in dieser Welt auszuhebeln.

 

… die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.

(Paulus‘ Brief an die Gemeinde in Rom, 5,5)

 

Schalom. Gottes ewiges Friedensreich bricht an. Liebe ist stärker als der Tod.

Tobias Faix | „Alles Gender oder was? Anmerkungen und Anfragen an die aktuelle Diskussion rund um den Worthausvortrag von Thorsten Dietz“

 

„Alles Gender oder was? Anmerkungen und Anfragen an die aktuelle Diskussion rund um den Worthausvortrag von Thorsten Dietz“ | Tobias Faix

 

theologiestudierende.de | Dem Hass entgegentreten

 

Geistliche am Rand des Emancipation Parks von Anthony Crider (CC BY 2.0). In den USA gibt es seit langem eine Diskussion um die Entfernung von Statuen und Monumenten, welche die Südstaaten, beziehungsweise deren Anführer und Soldaten ehren. In Charlottesville, Virginia, steht solch eine Statue im Emancipation Park. …

->  Weiterlesen:  Dem Hass entgegentreten

 

neolog | Die blaue Hoffnung

Türkei 2017. Esra erzählt von stummen Gebeten am Meer, neuer Hoffnung nach gescheiterten Protesten und Versöhnung zwischen den Generationen im Ramadan:

Die blaue Hoffnung | neolog