Bibel – 1. Johannesbrief 4,16

 

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Graffito in Osttimor; Foto von Tatoli ba Kultura (Tatoli ba Kultura) [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

 

Bibel, Neues Testament, Erster Brief von Johannes, 4. Kapitel, Vers 16 b

 

Ὁ θεὸς ἀγάπη ἐστίν, καὶ ὁ μένων ἐν τῇ ἀγάπῃ ἐν τῷ θεῷ μένει, καὶ ὁ θεὸς ἐν αὐτῷ μένει.

(Original, Alt-Griechisches/Koine-Neues-Testament)

 

Deus caritas est : et qui manet in caritate, in Deo manet, et Deus in eo.

(Vulgata)

 

Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.

(Lutherbibel 2017)

 

Gott ist Liebe. Wer in der Liebe lebt, lebt in Gott und Gott lebt in ihm.

(Gute Nachricht Bibel)

 

Gott ist Liebe, und wer in dieser Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.

(Hoffnung-für-Alle-Übersetzung)

 

Gott ist Liebe, und wer sich von der Liebe bestimmen lässt, lebt in Gott, und Gott lebt in ihm.

(Neue Genfer Übersetzung)

 

God is love; and he that dwelleth in love dwelleth in God, and God in him.

(King James Version)

 

God is love, and whoever abides in love abides in God, and God abides in him.

(English Standard Version)

 

God is love. Whoever lives in love lives in God, and God in them.

(New International Version)

 

God is love. Anyone who leads a life of love shows that he is joined to God. And God is joined to him.

(New International Readers Version)

 

Dieu est amour : celui qui demeure dans l’amour demeure en Dieu, et Dieu demeure en lui.

(Bible du Semeur)

 

Dio è amore, e chi vive nell’amore vive in Dio, e Dio vive in lui.

(La Parola è Vita)

 

Dio è amore; e chi rimane nell’amore rimane in Dio e Dio rimane in lui.

(Nuova Riveduta 2006)

 

Dios es amor. El que permanece en amor, permanece en Dios, y Dios en él.

(Nueva Versión Internacional)

 

God is liefde. Wie blijft liefhebben, blijft één met God.

(Het Boek)

 

Gud er kjærlighet, og den som lever i kjærlighet, lever med Gud og Gud lever med ham.

(En Levende Bok)

 

Gud är kärlek, och den som lever i denna kärlek, fortsätter att leva i gemenskap med Gud, och Gud bor i honom.

(Nya Levande Bibeln)

 

Gud er kærlighed, og de, der lever i kærlighed, lever med Gud, og Gud lever i dem.

(Bibelen på hverdagsdansk)

 

Bůh je láska a ten, kdo miluje, zůstává s Bohem v živém spojení.

(Slovo na cestu)

 

Bůh láska jest, a kdož v lásce přebývá, v Bohu přebývá, a Bůh v něm.

(Bible Kralická)

 

Boh je láska a ten, kto miluje, zostáva s Bohom v živom spojení.

(Nádej pre kazdého)

 

Isten szeretet. Aki szeretetben marad, Istenben marad, és Isten is őbenne.

(Ungarisch)

 

Бог е любов1; и който стои в любовта, стои в Бога, и Бог – в него.

(Veren)

 

Bog je ljubav; tko živi u ljubavi, živi u Bogu i Bog živi u njemu.

(Knjiga O Kristu)

 

Tanrı sevgidir. Sevgide yaşayan Tanrı’da yaşar, Tanrı da onda yaşar.

(Türkçe)

 

Wie abgenutzt ist deine Liebe?

 

[Quelle des Originaltextes: bibelwissenschaft.de, Quelle der Übersetzungen: bibleserver.com]

 

12 JüngerInnen, neulich, beim Abendmahl

 

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Weintrauben am Weinstock; fir0002 | flagstaffotos.com.au [GFDL 1.2 (http://www.gnu.org/licenses/old-licenses/fdl-1.2.html)%5D, from Wikimedia Commons

 

(Vor ein paar Jahren, irgendwo beim Arbeitskreis Ökumene im Randbezirk einer deutschen Großstadt …)

 

Maria:  Mich hat herzlich verlangt, dieses Abendmahl mit euch zu feiern. Ich freu mich immer so …

Stefan:  Hat euer Papst euch das nicht eigentlich verboten? Kommst du da mit deinem Gewissen klar?

Dagmar:  Komm, lass sie in Ruhe. Falls Maria wegbleibt, sind Christine und ich wieder die einzigen Frauen hier.

Christine:  Es wird echt so langsam Zeit für eine Quotenregelung: 50% Frauen in jedem Gremium! Auch in der Kirche.

Gerhard:  Ich würde mich wohler fühlen, wenn die hier anwesenden Frauen schweigen würden. Es steht geschrieben „Wie es in allen Gemeinden der Heiligen ist, sollen die Frauen in den Gemeinden schweigen.“

Mischa:  Mensch, Gerhard …

Martin:  Ist das hier überhaupt eine Gemeinde?

Klaus-Peter zu Christine:  Nu lass uns mal erst einmal die Sache mit dem ökumenischen Abendmahl-/Eucharistie-Projekt machen. Wir müssen unsere Kräfte bündeln …

Martin zu Maria:  Weißt du, ich freu mich ja, dass du dich freust; aber im Moment wird mir das wirklich etwas zu stressig mit dem ökumenischen Abendmahl jede Woche …

Klaus-Peter:  Es muss unbedingt wöchentlich sein, wegen der Öffentlichkeitswirkung und um den kirchenpolitischen Druck aufrecht zu erhalten.

Tobias:  Also ich könnte jeden Tag Abendmahl feiern.

Paul zu Stefan:  Feiert ihr eigentlich das Abendmahl beim ICF?

Gerhard:  „Und jeden Tag waren sie beständig und einmütig im Tempel und brachen das Brot in den Häusern …“

Dietrich:  Ich finde, es besteht schon eine gewisse Gefahr, dass das Abendmahl zu etwas Alltäglichem wird, wenn man es jede Woche feiert.

Tobias:  Einmal die Woche ist doch nicht  all-täglich.  Ich könnte sogar mehrmals täglich Abendmahl feiern. Ich denke doch sowieso ständig an Jesus und das Kreuz und so …

Dagmar:  Also ich hab Familie. Ich muss auch noch mal an was anderes denken.

Mischa:  Das Abendmahl ist etwas sehr Wertvolles. Es ist für mich Nahrung für die Seele.

Thomas:  Also für mich ist es eher ein Mich-Erinnern an das Wesentliche …

Martin:  Ich könnte mal auf YouTube schauen, ob Siggi Zimmer was dazu sagt.

Dietrich:  „Dies  ist  mein Leib“, und „dies  ist  mein Blut“ …

Gerhard:  Worthaus ist nicht dasselbe wie die Heilige Schrift.

Paul:  Ich möchte nur einen kleinen Moment daran erinnern, dass wir uns nicht über dogmatische Fragen streiten wollten.

Martin:  Genau. Mir geht so viel Theorie auch echt auf den Keks.

(Schweigen)

Martin:  Und ich wollte euch noch sagen, dass ich schwul bin. Ich dachte, es ist besser, wenn ihr es von mir selber hört.

Gerhard zur Gruppe über Martin:  Entweder  ER  geht, oder  ICH  gehe.

Maria:  Gerhard!

Christine zu Gerhard:  Du bist homophob? Ich dachte, du bist Christ?

Dagmar:  Leute, wir haben das hier jetzt schon monatelang gemacht und hatten immer eine gute Zeit.

Mischa:  Es geht nicht darum, dass  wir  eine gute Zeit haben …

Dietrich:  Das mit der Homosexualität ist schon ein schwieriges Thema …

Christine zu Dietrich:  Martin ist nicht ein „Thema“!

Klaus-Peter:  Wir müssen uns auf das ökumenische Abendmahl konzentrieren, sonst verzetteln wir uns!

Gerhard:  Es heißt in der Heiligen Schrift „Tut den Bösen von euch selbst hinaus!“

Tobias:  Wir brauchen als Christen unbedingt mehr Ambiguitätstoleranz. Ein Minimum an social skills sollte man auch unter Christen erwarten können.

Dagmar:  Vor allem brauchen wir eine allgemeinverständliche Sprache, die auch die Frau und der Mann auf der Straße verstehen.

Martin:  Genau. Wir sind hier wieder der typische, gutbürgerliche, fromme Klub … – und ich bin das schwarze Quoten-Schaf.

Stefan:  Häh?

Thomas zu Martin:  Du kamst ja eigentlich auch mal aus gutem Hause, nich?

Tobias zu Stefan:  Er meint, er ist so wie aus dem Gleichnis vom verlorenen, schwarzen Schaf.

Klaus-Peter in die Runde:  Stimmt schon. So Arbeitermilieu oder Schlimmeres ist hier nicht gerade stark vertreten …

Thomas:  Liebe Brüder und Schwestern, wir sind Christen! Wir sollten eigentlich an unserer Liebe erkannt werden.

Stefan:  Liebe, Liebe, Liebe, … ich kann’s schon nicht mehr hören. Dadrunter versteht doch jeder, was er will.

(Schweigen)

Gerhard:  „es müssen auch Parteiungen unter euch sein, damit die Bewährten unter euch offenbar werden.“

Martin:  Wer sind denn die Bewährten?

Tobias zu Klaus-Peter:  Vielleicht sollten wir doch besser Einzelkelche nehmen.

Klaus-Peter:  Also, wir haben uns am Anfang für einen einzelnen Kelch entschieden. Wir rollen die Sache jetzt nicht noch einmal auf.

(Schweigen)

Paul:  Ich möchte euch dazu einladen, gemeinsam eine kleine Meditationsübung zu machen, damit wir uns wieder innerlich zentrieren und zu uns selbst finden.

Thomas:  Ich dachte, es geht hier um Jesus.

Mischa:  Jesus ist doch im Zentrum unserer Seelen.

Maria:  Das mit dem Meditieren ist nicht so mein Ding.

(Schweigen)

Mischa:  Irgendwie bin ich nicht mehr so richtig in Stimmung fürs Abendmahl.

Thomas:  Es kommt nicht auf dein Gefühl an.

Dagmar:  Der Appetit kommt beim Essen.

Maria:  Dagmar!

Paul:  Wir dürfen vielleicht alle noch einmal versuchen uns daran zu erinnern, was uns eigentlich hier zusammengeführt hatte.

(Schweigen)

Dietrich:  Jesus!

(Alle nicken langsam, zustimmend.)

Martin:  Durch Jesus bin ich von den Drogen weggekommen. Ohne ihn hätt ich das nicht geschafft.

Thomas:  „Christen“ kommt von „Christus“ –  „JESUS  CHRISTUS.

Christine:  Wie seid ihr eigentlich alle zum Glauben gekommen?

Gerhard:  Ich bin christlich aufgewachsen. Ich war mein Leben lang in derselben Gemeinde. Ich kenne gar nichts anderes.

Martin:  Oh Gott!

Gerhard:  „Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht zu Nichtigem aussprechen, denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen zu Nichtigem ausspricht.“

Martin:  Entschuldigung.

Christine flüstert Dagmar ins Ohr:  Ich frag mich, ob Gerhard überhaupt ein richtiger Christ ist.

Christine zu Gerhard:  Hast du nie mal gezweifelt oder ’ne Krise gehabt? So’n Bekehrungserlebnis?

Gerhard:  Nein, für mich war immer alles klar, mit Jesus und so. Und mit 14 hab ich mich dann taufen lassen, so mit all den anderen Jugendlichen.

Mischa:  Wow!

Tobias:  Na, ich weiß nicht, ob das so gut ist …

Dagmar flüstert zurück in Christines Ohr:  Das ist nicht deine Aufgabe, das zu beurteilen.

Dietrich:  Jesus ist mein Leben. Ich wüsste gar nicht, wie ich anders leben könnte.

Thomas:  Ich hab mich lange rumgequält mit dem Sinn des Lebens und so. Meine Eltern sind Atheisten. Durch einen Kollegen hab ich dann die Bibel kennengelernt, und das mit Jesus hat mich echt angesprochen und überzeugt.

Martin:  Manchmal ist mir das echt alles zu viel, mit all den Bibelversen und den Streitereien und so. Aber dann denke ich an Jesus und merke: Der lässt mich irgendwie nicht los …

(Schweigen)

(Mischa nimmt das Brot, bricht es und gibt es in die Runde.)

Dietrich:  „Nehmet hin und esset: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Solches tut zu meinem Gedächtnis.“

(Maria nimmt den Kelch, nimmt einen Schluck und reicht ihn weiter.)

Dagmar:  „Dieser Kelch ist der neue Bund zwischen Gott und euch, der durch mein Blut besiegelt wird. Sooft ihr aus diesem Kelch trinkt, denkt an mich und an das, was ich für euch getan habe!“

(Schweigen.)

(Christine fängt an zu singen, und die anderen stimmen ein:)

„Seid still und erkennt, dass ich Gott bin …“

(Thomas hat noch ein paar Kekse mitgebracht und Klaus-Peter ein paar Chips. Maria holt eine Flasche Mineralwasser heraus, und Stefan, Tobias und Dagmar teilen sich den Rest vom Rotwein. – Sie unterhalten sich noch eine ganze Weile über alles Mögliche. Dann verabschieden und umarmen sie sich und gehen nach Hause.)

 

Das Ev. Johannesstift. Ein christliches Dorf.

 

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Die Stiftskirche des Ev. Johannesstifts; von Wolfgang Kern (Evangelisches Johannesstift Berlin) [Public domain], via Wikimedia Commons
 
Ein paar Straßen und viele Häuser, in der Mitte die Kirche. Das Evangelische Johannesstift wirkt wie ein christliches Dorf. Wohnhäuser, Büros, ein Lebensmittelgeschäft, Frisör, Kita, Schule, Turnhalle, Sportplatz, Restaurants und Cafés, eine Buchhandlung, Arztpraxen, Diakonie-Station, Berufsfachschulen, ein Festsaal, ein Hotel, eine Wäscherei, eine Tischlerei und andere Werkstätten, eine Gärtnerei, Betriebshöfe, eins der ältesten Hallenschwimmbäder Berlins, eine Reithalle mit Pferdekoppel, ein Senioren-Zentrum, Jugendhilfe-Einrichtungen, ein Krankenhaus und zwei Hospize, Therapie- und Pflegeeinrichtungen, ein Wasserwerk. Auf dem Lageplan bekommt man einen guten Überblick.

[ Ich habe dieses Semester im Rahmen meines Theologie-Studiums auch einen interessanten Kurs zum Thema Diakonie belegt. Dort hielt ich ein Referat über den Johannesstift. Dieser Artikel geht darauf zurück. ]

 

Geschichte

In diesem Jahr feiert das Johannesstift seinen 160. Geburtstag. Der gesellschaftliche Wandel im 19. Jahrhundert hatte zu sozialer Not in den wachsenden Städten geführt. Christen reagierten darauf u.a. mit der Gründung entsprechender Institutionen: Rauhes Haus (1833), Kaiserswerther Diakonie (1836), Magdalenenstift (1840/41), Diakonissenanstalt Dresden (1844), Neukirchener Erziehungsverein (1845), Diakonie Neuendettelsau (1954), Diakonissenhaus Elisabethenstift (1858), Siechenhaus Bethesda (1863), Bethel (1867), Oberlinverein (1871), Gallneukirchen (1877), Caritas (1897), Lobetal (1905), Bethanien/Lötzen (1909), …

Schon davor, im Mittelalter, hatte die zunehmende Urbanisierung der Bevölkerung zur Gründung von sozialen Einrichtungen wie Hospitälern geführt, um den mit der Urbanisierung verbundenen sozialen Problemen zu begegnen. Je weiter sich der Mensch im Laufe der Geschichte von seiner ursprünglichen, natürlichen Lebensweise distanzierte, desto mehr musste er die damit verbundene Not kompensieren.

Johann Hinrich Wichern war es (auf den auch das Rauhe Haus in Hamburg und die Innere Mission in der Ev. Kirche zurückgehen), der 1858 das Ev. Johannesstift gründete. Der ursprüngliche Standort war allerdings in Plötzensee (Berlin, Charlottenburg-Nord). Um 1900 musste das Johannesstift dann von dort weichen, um dem Bau des Westhafens Platz zu machen. Mancher mag darin die Verdrängung der Nicht-Leistungsfähigen an den Rand der Gesellschaft erkennen.

 

Lage

Heute liegt das Johannesstift wunderschön im Spandauer Forst, am Berliner Stadtrand im Nordwesten Spandaus. Für einen Menschen, der in seiner Mobilität eingeschränkt ist, ist es allerdings ein langer Weg bis zu den kulturellen Angeboten der Innenstadt. Man muss erst den Bus nehmen, um am Rathaus Spandau zu U- und S-Bahnanschluss zu gelangen; und selbst dort befindet man sich noch westlich der Havel. Die Entfernung zum Johannesstift war für mich auch der Grund gewesen, warum ich eine Bewerbung auf ein Stellenangebot des Johannesstifts wieder zurückzog. Ich hätte noch vor 4 Uhr morgens aus dem Haus gehen müssen, um rechtzeitig zum Dienstwechsel um 5:45 Uhr auf Arbeit zu sein.

 

Hospitation

Nachdem meine letzte Berufstätigkeit geendet hatte, hatte ich mich u.a. auf ein Stellenangebot hin auch als Betreuungshilfskraft beim Johannesstift beworben und wurde zu einem Bewerbungsgespräch und einer Hospitation eingeladen. Die Begegnung mit den Menschen dort hat mich tief berührt.

Die Bushaltestelle ist nur ein paar Schritte vom Haupteingang und Informations-Pavillion entfernt. Auf dem Gelände selbst war ich dann allerdings noch etliche Minuten unterwegs, bis ich endlich das entsprechende Haus und das richtige Zimmer fand. Bei den Menschen, die ich im Johannesstift traf, hatte ich immer den Eindruck, dass sie gerne dort leben und arbeiten. – Ein Dorf mit einer besonderen Atmosphäre.

Die Begegnung mit den schwerstbehinderten Menschen in einer betreuten Wohngemeinschaft
war eine emotionale Herausforderung. Ich war verunsichert. Ich verstand kaum etwas von dem, was die Bewohner kommunizierten und war mir nicht sicher, wie ich mich verhalten sollte. – Die Betreuer hingegen, welche die Bewohner dort zum Teil über viele Jahre begleitet hatten, konnten sich gut mit den Bewohnern verständigen. – Es verunsicherte mich auch, kaum Augenkontakt zu bekommen. Das Kennenlernen war hier anders, als ich es bis dahin kannte.

Schwachheit und Hilfsbedürftigkeit zu begegnen, kann uns etwas darüber offenbaren, wer wir wirklich sind und was Menschsein und menschliche Gemeinschaft ausmacht. Vielleicht kommt man sogar dahin zu hinterfragen, wer denn die Schwachen und wer die Starken sind …

Die Erfahrungen im Johannesstift erinnerten mich an die Lebensgeschichte von Henri Nouwen, von der ich oft gehört hatte. Er verließ seine Theologie-Professur an der Harvard University, um mit behinderten Menschen zu leben. Die Behinderten wurden zu seinen Lehrern, und durch die Bücher, die er in jener Zeit schrieb, wurde er zu einem international beachteten spirituellen Schriftsteller und Lehrer. Es ist sicherlich auch kein Zufall, dass wir in den Evangelien fiel von Begegnungen Jesu mit hilfsbedürftigen Menschen lesen.

In modernen Gesellschaften wird die Erfahrung menschlichen Lebens zunehmend zerstückelt: Geboren wird im Krankenhaus, gestorben wird im Krankenhaus; Kinder sind in der KiTa, Schüler in der Schule, die Eltern auf Arbeit; die Großeltern wohnen wo anders, die Nachbarn kennt man nicht und behinderte Menschen werden in abgesonderten Einrichtungen betreut.

Alles hat Vor- und Nachteile. Ein entscheidender Nachteil unserer modernen Lebensweise ist, dass man die Fülle des Lebens immer weniger als etwas stimmiges Ganzheitliches in einer vertrauten Welt (Zuhause, Heimat) erfahren kann. Inklusion ist nach wie vor ein grundlegendes, wichtiges Thema. Der selbst mit einer Behinderung lebende Theologe Ulrich Bach hat dazu auch wichtige Impulse gegeben.

Das Johannesstift ist leider (noch) nicht ganz ein christliches Dorf, weil es keine natürlich gewachsene, gemischte Bevölkerungsstruktur hat. Aber was nicht ist, kann ja noch werden …

 

Integral

Wir verändern uns alle – kollektiv und auch persönlich; und wenn wir Glück haben, bedeutet Veränderung mehr als nur älter werden. Je umfassender und tiefgehender wir mit dem Menschlichen und Menschlichkeit vertraut werden, desto eher können Veränderungen auch positive Reifungsprozesse sein.

Den umfassendsten, interdisziplinären Ansatz, den ich kenne, ist die Integrale Theorie Ken Wilbers. Da sie alle Aspekte des Menschseins umfasst, finden wir auch Begriffe wie „Integrale Medizin“, „Integrale Wirtschaft“, „Integrale Ökologie“ und „Integrale Spiritualität“. Obwohl die aus dem Amerikanischen kommende Integrale Theorie nicht mehr ganz neu ist, ist sie im deutschen Sprachraum doch noch nicht so weit verbreitet. – In diesem Monat kommt das Buch „Integrales Christentum“ von Marion Küstenmacher heraus.

Es bleibt zu hoffen (für das Johannesstift, alle ähnlichen Einrichtungen, unsere Gesellschaft und die ganze Welt), dass wir Schwachheit, Krankheit, Behinderung, Altern, Ohnmacht und Sterben nicht länger aus dem gemeinsamen gesellschaftlichen Leben verdrängen, sondern sie wieder immer mehr integrieren und zu einer gemeinsamen Lebenserfahrung und einem Schatz für die Gegenwart und Zukunft werden lassen.

Schwachheit und Sterben ist ein Lebensprinzip des Himmelreichs.

 

Ist euer frommer Knoten schon geplatzt?

 

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Alexander der Große zerschneidet den Gordischen Knoten, by Andre Castaigne – Died 1930 (Public Domain) [Public domain], via Wikimedia Commons

 

Schwer zu verstehen:  Auch Menschen, die es wirklich ernst mit Gott meinen, verknoten sich, stecken fest und kommen nicht weiter; fahren immer wieder gegen dieselbe Wand oder bewegen sich im Kreis. Auch Gespräche zwischen Frommen bleiben oft deprimierend und festgefahren. Wir zerren an den Schnüren der theologischen Argumente und wundern uns, dass sich der Knoten nicht lockert.

 

… Wenn der HERR nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen. Wenn der HERR nicht die Stadt behütet, so wacht der Wächter umsonst.

(Bibel, Tanach / Altes Testament, 127. Psalm, Vers 1)

 

Knoten

Knoten im Kopf und Knoten im gemeinsamen Leben. Ich habe beides schon erlebt und daran gelitten. Entschlossenheit und Willenskraft reichen manchmal nicht, um einen Knoten zu entheddern.

Nicht alle Knoten kriegt man auf, und manche Knoten sind einen abgebrochenen Fingernagel auch gar nicht wert. Spannungen und Konflikte gehören zum Leben, und an manchen Knoten führt kein Weg vorbei. Aber das Schwert oder die Schere der Gewalt machen kaputt.

 

Wenn ihr jedoch wie wilde Tiere aufeinander losgeht, einander beißt und zerfleischt, dann passt nur auf! Sonst werdet ihr am Ende noch einer vom anderen aufgefressen.

(Bibel, Neues Testament, Paulus‘ Brief an die Christen in Galatien, 5. Kapitel, 15)

 

Die Logik eines Knotens

Mit Logik und Verstand allein lässt sich die Wirklichkeit nicht vollständig erfassen. Mit Logik allein, lässt sich auch nicht jeder Knoten lösen.

Auch ein Mensch, der ein Thema noch nicht so gründlich durchdacht hat wie ich, hat ein „Recht“ auf seine Meinung, und es ist nicht gesagt, dass er seine Position einfach aufgeben kann oder dies tun sollte.

 

Ein Mann hat einmal erzählt:

Ich habe zu meiner Frau gesagt:

„Ich kann dir 10 Gründe geben, warum dein Standpunkt falsch ist.“

Seine Frau antwortete: „Ist mir egal. Ich weiß, dass ich recht habe!“

Es verstreicht eine gewisse Zeit und der Mann kommt zu der Erkenntnis, dass seine Frau wirklich Recht gehabt hatte. Er denkt darüber nach und sagt dann zu seiner Frau:

„Du hattest Recht. Ich kann dir 10 Gründe geben, warum du Recht gehabt hattest …“

 

100%ig logisch sind Argumente bestenfalls in meinem eigenen, persönlichen, subjektiven, individuellen Denkgebäude, in dem Denk-System, das ich verteidige. Keine Garantie, dass das auch die absolute Wahrheit ist. Und jemand, der die Voraussetzungen seines eigenen Denkens gar nicht kennt, ist kaum in der Lage, die Relativität seines Denkens wahrzunehmen. Jemand, der von anderen Voraussetzungen ausgeht oder andere Schwerpunkte setzt, wird die Dinge vielleicht anders sehen.

 

Die Lösung

Knoten verschwinden oft nicht von alleine. Manchmal könnte ich auch gar nicht abwarten, sondern brauche sofort eine Lösung. Deswegen werde ich aktiv: Ich bewege mich, verändere etwas, investiere Zeit und Mühe, gehe auf andere zu …

Manchmal hat man Glück: Man zieht kräftig an den Schnürsenkeln und der Knoten löst sich auf. Funktioniert aber leider bekanntlich nicht immer. – Interessant wäre eine Statistik, wie häufig kräftiges Ziehen an den Schnürsenkeln zum Erfolg führt.  😉  – Das Risiko ist natürlich immer, dass der Knoten danach noch fester ist, und ich noch mehr Mühe habe, den wieder auf zu kriegen. Manchmal entscheidet man sich lieber gleich fürs vorsichtige Fummeln anstatt aufs unsichere Glück zu spekulieren.

 

Der Herr, der heilige Gott Israels, hat zu euch gesagt:

»Wenn ihr zu mir umkehrt und stillhaltet,
dann werdet ihr gerettet.
Wenn ihr gelassen abwartet und mir vertraut,
dann seid ihr stark.«

Aber ihr wollt ja nicht.

(Tanach / Altes Testament, Jesaja 30,15)

 

offen und lernbereit

Manche Probleme entstehen durch unsere Macken. Wir sind so voll und satt und halten uns für superschlau. Kein Platz mehr für Veränderungen. Keine Bedürftigkeit.

 

Du bildest dir ein: ›Ich bin reich und habe alles, was ich brauche. Mir fehlt es an nichts!‹

Da machst du dir selbst etwas vor! Du merkst gar nicht, wie jämmerlich du in Wirklichkeit dran bist: arm, blind und nackt.

(Neues Testament, Offenbarung 3,17)

 

Buße tut not. Umdenken.

Wenn wir weich und formbar wären in der Hand unseres Schöpfers, dann könnte er aus uns bestimmt etwas Brauchbares machen …  😉 – und wir würden uns dann sicherlich auch nicht so leicht gemeinsam verknoten.

 

gemeinsam

Wenn mehrere Schnüre involviert sind (was ja in der Regel der Fall ist), reicht es auch nicht aus einen einzelnen Schnürsenkel zu massieren, sondern es müssen sich alle Senkel bewegen. Manchmal sind es auch gar nicht die Inhalte, sondern persönliche Empfindlichkeiten und menschliche Härte, die Gespräche sich festfahren lassen. Wenn sich  alle  um einen behutsamen Umgang und Flexibilität bemühen, entstehen manche Knoten gar nicht erst.

Überzeugungen sind nicht verhandelbar, Interessen allerdings schon; und man kann auch mit unterschiedlichen Überzeugungen zusammenleben und so manches zusammen machen. Wir tun dies jeden Tag.

 

Doch ihr müsst mit dieser Freiheit, die ihr habt, behutsam umgehen, damit ihr nicht einem Bruder oder einer Schwester mit einem ängstlicheren Gewissen schadet.

(Paulus‘ erster Brief an die Gemeinde in Korinth, 8,9)

 

 

Ambiguitätstoleranz

Dies ist wohl eins der schönsten Wörter, die ich je gelernt habe. Begegnet ist es mir auf dem Blog von Tobias Faix:

„Mehr Ambiguitätstoleranz bitte! Oder wie ein kleines pädagogisches Konzept bei großen theologische Streitigkeiten helfen kann.“

Wie würden sich unsere Gemeinden und unsere Diskussionen wohl anfühlen, wenn wir mehr Ambiguitätstoleranz hätten?

Das Leben ist nicht schwarz-weiß, sondern bunt und vielfältig; und die Wirklichkeit erschließt sich sicherlich am besten multiperspektivisch. Oft gibt es auch ganz praktisch mehr als zwei Möglichkeiten. Wenn wir ein Schwarz-Weiß-Denken überwinden könnten, wäre schon viel gewonnen.

 

Gelassenheit

Wenn ich glaube, dass nicht alles von mir abhängt, sondern vielmehr vom Wirken Gottes, sollte ich doch eigentlich mit meinen persönlichen Ambitionen auch etwas lockerer umgehen können, anstatt anderen damit auf den Senkel zu gehen.

Vertrauen in Gott bringt Gelassenheit und Hoffnung. Kontemplation und Zeit helfen uns Dinge zu erahnen, die wir mit dem Verstand nicht in den Griff kriegen.

 

… wenn ihr in irgendeinem Punkt anderer Meinung seid, wird Gott euch auch darüber Klarheit schenken. Aber lasst uns auf jeden Fall auf dem Weg bleiben, den wir als richtig erkannt haben.

(Paulus‘ Brief an die Gemeinde in Philippi 3,15-16)

 

Der weite Blick

So manche Verwirrung löst sich auf, wenn man einen Schritt zurück tritt und die Sache mit Abstand betrachtet. Jemand, der im Glauben fest steht und dessen Sicherheit Gott ist, der kann auch den Mut zu Gedankenspielen haben: Was wäre wenn …?

Seine eigenen (auch theologischen) Überzeugungen zu hinterfragen, heißt nicht, sich von Gott zu distanzieren. Manchmal müssen wir, um Gott näher zu kommen, uns von vertrauten Denkmustern entfernen. Einen einzigen Schritt zurückzugehen reicht manchmal nicht. Vielleicht sind mehrere Schritte nötig, damit der Blick weit genug ist, um alles Wesentliche zu erfassen. Vielleicht muss man sogar den ganzen Weg zurücklaufen bis zur letzten Weggabelung, um einen anderen Gedankengang auszuprobieren.

Etwas, das ich in manchen frommen Kreisen vermisse, ist SELBST-kritische Distanz, Neugier und ein reifes Problembewusstsein. Der eigene Blick ist verengt, und die Welt aus den Augen eines anderen zu sehen, erscheint als gefährlich oder sogar sündhaft. Der Knoten im eigenen Kopf wird gar nicht wahrgenommen, und die Ursache für Meinungsverschiedenheiten wird natürlich immer beim andern gesehen.

 

Warum siehst du jeden kleinen Splitter im Auge deines Mitmenschen, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht?

(Matthäus-Evangelium 7,3)

 

Ups …

(Ich erwische mich selbst auch immer wieder dabei, dass ich ungeduldig und fordernd im Umgang mit anderen bin. – Ist unsere Freiheit wirklich auch die Freiheit der Andersdenkenden?)

 

Ein unverstellter Blick

Das beste Bibel-Projekt, das ich zur Zeit kenne, ist Worthaus. Ein wesentlicher Gedanke bei diesem Projekt ist, dass wir alle die Bibel durch unsere individuellen, subjektiven „Brillen“ lesen. Wichtig ist deswegen, uns unserer Brillen bewusst zu werden, um zum Wesentlichen der Texte durchzudringen.

Manchmal helfen auch ein großer Erfahrungsschatz und ein gutes Verständnis, worauf es im Leben ankommt. Der beste und umfassendste Ansatz, den ich kenne, ist die Integrale Theorie. Mittlerweile ist sie zum Glück auch in der deutschsprachigen Christenheit angekommen:

 

Ken Wilber hat einmal klug bemerkt, dass wir alle elitär starten, aber egalitär landen. Dort allein, in der egalitären Verbundenheit mit allen, sind menschliche Gemeinschaft, Zusammenhalt, Weisheit und Mitgefühl möglich. Das ist die normale und natürliche Richtung menschlichen Wachstums.

(Richard Rohr im Vorwort von „Gott 9.0„)

 

Aus den Tiefen herauf und vom Himmel herab

Die meisten Menschen haben sicherlich schon einmal die Erfahrung gemacht, dass sich ein Problem gelöst hat, ohne dass sie sich selbst anstrengen mussten. Informationen sortieren sich in unserem Gehirn und Dinge klären sich in den Tiefen unserer Seele, ohne dass wir uns darüber bewusst sind. Plötzlich ist alles klar, und wir wissen gar nicht, wie das passiert ist. Antworten kommen von irgendwo her zu uns und Dinge in unserem Leben fügen sich zu einander.

Wo ist das Problem?

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, wird eure Herzen und Sinne in Christus Jesus bewahren.

(Paulus‘ Brief an die Gemeinde in Philippi 4,7)

 

Tipps & Tricks

Habt ihr noch Ideen, wie man Knoten wegkriegt? Manche Leute sind besonders gut darin, Knoten zu entheddern. Könnt ihr uns ein paar Tipps geben, wie man das am besten macht?

 

… ein außergewöhnlicher Geist, Verstand und die Fähigkeit, Träume zu deuten, Rätsel kundzutun und Knoten zu lösen, haben sich bei Daniel gefunden …

(Daniel 5,12)

 

 

[Dies ist die neuere Überarbeitung eines älteren Artikels, welchen ihr mit Kommentaren hier findet.]

 

Jesus. Punkt.

 

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Gerard van Honthorst [Public domain], via Wikimedia Commons

 

… in Antiochia kam für die Jünger und Jüngerinnen zum ersten Mal die Bezeichnung »Christen« auf.

——-

(Bibel, Neues Testament, Apostelgeschichte, 11. Kapitel, Vers 26)

 

„Christus“ ist der Name, über den sich alle Christen definieren. Wenn man in der Bibel die Apostelgeschichte liest, bekommt man den Eindruck, dass die Bezeichnung „Christen“ ursprünglich eine Fremdbezeichnung durch Nicht-Christen gewesen ist. Offensichtlich erschien „Christen“ als ein passender Name für die Anhänger von Jesus aus Nazareth, mit dem sich dann auch innerhalb kurzer Zeit die Christen selbst identifiziert haben.

 

Wer dagegen leidet, weil er ein Christ ist, der braucht sich nicht zu schämen. Er soll Gott dafür danken, dass er zu Christus gehört und seinen Namen trägt.

(Neues Testament, 1. Brief von Petrus, 4,16)

 

Es ist interessant, dass sich nicht ein anderer Name durchgesetzt hat. Mann hätte die Anhänger von Jesus ja auch einfach Jesuaner oder Jesuiten  😉  nennen können. Aber offensichtlich stand das Bekenntnis  “ Jesus ist der  Christus “ (hebr. „Jeschua Ha-Maschiach“) im Vordergrund. Auch moderne Jesus-gläubige Juden nennen sich oft „messianische Juden“ und nicht „Jesuaner“ o.ä.

Was die ersten (jüdischen!) Christen von den anderen Juden unterschied, waren auch nicht ihre heiligen Texte (sie hatten ja dieselben Texte), sondern ihr Bekenntnis, dass Jesus aus Nazareth der in diesen alten Texten verheißene Messias Gottes ist. Die ersten Christen hätten niemals „Biblianer“ o.ä. genannt werden können, denn die Bibel gab es noch nicht. Erst im Laufe der Kirchengeschichte rückte die Bibel immer mehr ins Zentrum des christlichen Glaubens.

 

Als Bibel … bezeichnet man eine Schriftensammlung, die im Judentum und Christentum als Heilige Schrift mit normativem Anspruch für die ganze Religionsausübung gilt.

(Wikipedia)

[Interessant, dass der Verfasser des Wikipedia-Artikels hier offensichtlich keinen großen Unterschied in der Funktion der heiligen Texte bei Judentum und Christentum sieht.]

 

Im Zentrum des Glaubens der ersten Christen stand jedenfalls noch unangefochten der Mensch Jesus aus Nazareth, vom dem sie glaubten, dass er in einzigartiger Weise durch Gottes Geist befähigt und bevollmächtigt worden war, Gottes Plan der Erlösung auszuführen.

 

… im Namen von Jesus, dem Messias aus Nazaret, … In keinem anderen ist Rettung zu finden, denn unterm ganzen Himmel gibt es keinen vergleichbaren Namen. Nur dieser Name ist den Menschen gegeben worden. Durch ihn müssen wir gerettet werden.
(Apostelgeschichte 4,10-12)

 

Das Meiste aus dem Leben von Jesus kennen wir nicht. Erstaunlicherweise hat er uns auch selbst keinen einzigen Text hinterlassen.

Den einzigen Jesus, den wir kennen, ist der Jesus der frühchristlichen Überlieferung. In dieser Überlieferung hat die Wirkung, die von diesem Menschen ausging, eine schriftliche Gestalt gefunden. Und auf diese Wirkung, die Jesus hatte und immer noch hat, kommt es an.

 

 Jetzt lebe nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir …

(Paulus‘ Brief an die Galater, 2,20)

 

Nur 4 (!) Texte über das Leben von Jesus sind in unserem neuen Testament enthalten. Die restlichen 23 Texte sind Texte aus dem Leben der frühen Christenheit. Dies mag auch damit zu tun haben, dass die ersten Christen überzeugt waren, dass Jesus auch nach seiner Himmelfahrt immer noch gegenwärtig ist, in der Gemeinschaft seiner Anhänger.

Das wäre doch ein einfaches Christentum, wenn einfach alle dazu gehörten, die Azubis bei Jesus sind; alle, die sich mit Jesus auf den Weg gemacht haben und einen Ausbildungsvertrag mit ihm eingegangen sind.

 

 

Jesus, höchster Name,
teurer Erlöser, siegreicher Herr.
Immanuel, Gott ist mit uns,
herrlicher Heiland, lebendiges Wort.

Er ist der Friedefürst und der allmächt’ge Gott,
Ratgeber wunderbar, ewiger Vater,
und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter,
und seines Friedensreichs wird kein Ende sein.

 

(Klassiker der Anbetungsmusik aus den 70er Jahren)

 

Hier noch einmal für die Ohren:  Jesus, höchster Name

Unterschiedliche Überzeugungen und Traditionen müssen uns als Christen nicht blockieren, trennen und Kraft kosten, sondern können uns helfen zu verstehen, wer wir als Menschen sind und wer Jesus war und ist.

Bereicherung durch die Perspektiven der anderen anstatt Begrenzung des eigenen Blicks. Freiheit des Denkens an Stelle eines Diktats der Tradition und Mehrheitsmeinung. Nicht menschliche Macher, sondern nur  ein  Chef:  Jesus.

Uns als Christen definieren über das, was uns verbindet, und nicht durch das, was uns trennt: Orthodoxie, liberales Christentum, Fundamentalismus, Katholizismus, Protestantismus, Methodismus, Baptismus, Biblizismus, …

Einfach Christen. Einfach Jesus.  Jesus einfach.

Punkt.

 

Lasst endlich die Kinder zu IHM kommen!

 

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Spielende Kinder, römisches Relief, 2. Jh. nach Chr.; Louvre [CC BY 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

 

Da sagte Jesus: »Lasst doch die Kinder! Hindert sie nicht, zu mir zu kommen; denn für Menschen wie sie steht Gottes neue Welt offen.« Dann legte er den Kindern segnend die Hände auf …
(Bibel, Neues Testament, Matthäus-Evangelium 19.Kapitel, Verse 14-15)

 

Ein beliebter Bibelvers. Viel wurde schon gesagt und geschrieben.

Es wird theologisch dogmatisiert und diskutiert über Kindertaufe, Kinder-Evangelisation, Religionsunterricht für Kinder, … – Das Thema geht uns aber noch viel tiefer und ganz persönlich an. Das Himmelreich beginnt bei mir: in meinem Herzen, meinem Alltag, meiner Familie, …

Eltern kennen das: Wir können uns den Mund fusselig reden … – doch Kinder machen oft nicht das, was wir sagen. Aber das Leben, das wir ihnen vorleben, bleibt in ihnen für den Rest ihres Lebens.

Eine rauchende Mutter mag ihrem Kind den guten Rat geben: „Fang bloß nicht an zu rauchen …“ – Aber Kinder scheinen sich mehr an dem zu orientieren, was wir vorleben, als an dem, was wir sagen.

Manche von uns haben viel Bibelwissen und können mitreden. Manche haben schon eine lange Geschichte als Christen und tragen mit sich viel liebgewordene christliche Tradition. Wir bringen das auch unseren Kindern bei: Glaubensbekenntnis, Katechismus, Christenlehre, Familienandachten, … – Christentum im Kopf und ein leeres Herz. In den Kirchen und Gemeinden sind wir engagiert und nett und zuhause geht die Familie den Bach runter …

 

Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer! Ihr Heuchler! Ihr versperrt anderen den Zugang zu Gottes himmlischem Reich. Denn ihr selbst geht nicht hinein, und die hineinwollen, hindert ihr auch noch daran.

(Matthäus-Evangelium 23,13)

 

Wir sind alle bedürftig. Es gibt so viel Mangel und Not …

Kinder sind klein und schwach und abhängig.

Wenn Jesus unser Leben ist, wenn ER uns lebt, dann können auch unsere Kinder zu ihm kommen. Sie werden mit hinein genommen in das göttliche Leben, das aus uns ausfließt.

 

Wer an mich glaubt, wird erfahren, was die Heilige Schrift sagt: Von seinem Inneren wird Leben spendendes Wasser ausgehen wie ein starker Strom.

(Johannes-Evangelium 7,38)

 

Heiligung. Gott macht unsere Seele gesund und „heilt all unsere Gebrechen“. Er ist der gute Hirte, der uns mit allem versorgt. Bei ihm ist kein Mangel. Wenn wir unser Altes loslassen, macht er alles neu.

Er fügt uns ein in die Gemeinschaft der Heiligen. Eine Generation aus Königen und Priestern. Wie  ein  Organismus wirken alle zusammen. Was einer nicht kann, kann der andere. Gott schenkt Befähigung, so wie es der Organismus braucht; und alle wachsen gemeinsam und zusammen der Ganzheit entgegen. Gott ist Liebe.

Christus in uns – die Hoffnung der Herrlichkeit. Immer wieder suchen wir seinen Frieden, und er wird uns geschenkt, in einer Weise, die wir nicht verstehen. Gottes Wirken erfasst uns und führt uns mit sich im Strom des Lebens.

Er macht unser Leben hell und führt uns auf einem guten Weg. Er gießt seine Liebe in unsere Herzen …

Wir sind das Licht der Welt. Unsere Kinder finden Sicherheit und Orientierung in dem Licht, das von uns ausgeht. Unsere Liebe wärmt ihre Seelen.

 

 Ich versichere euch: Wer sich Gottes Reich nicht wie ein Kind schenken lässt, der wird ganz sicher nicht hineinkommen.

(Lukas-Evangelium 18,17)

 

Lasst doch endlich die Kinder zu ihm kommen …

 

AWAKE – Ein Reiseführer ins Erwachen

 

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Aussicht bei Sonnenuntergang von der Rückseite des Wasserfalls Seljalandsfoss (Island); von Diego Delso [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)%5D, via Wikimedia Commons  [Wird nicht im Film gezeigt.]

 

„Awake“. – Wikipedia kennt leider nur den US-amerikanischen Thriller aus dem Jahr 2007. Fünf Jahre später wurde allerdings eine österreichische Produktion mit demselben Titel veröffentlicht (Untertitel: „Ein Reiseführer ins Erwachen“) und erhielt im selben Jahr den „Cosmis Cine Award“.

 

Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht; denn Gott ist Liebe.

(Die Bibel, 1. Johannesbrief, 4. Kapitel, Vers 8)

 

„Awake“ ist kein christlicher Film. Die österreichische Regisseurin Catharina Roland machte sich – aus einer inneren Not heraus – auf eine Reise um die Welt, um mit Gelehrten und spirituellen Lehrern über die tiefen Fragen des Lebens zu sprechen. Herausgekommen ist ein beeindruckender Dokumentarfilm über praxistaugliche Spiritualität in unserer Zeit.

Zu Wort kommen in dem Film Menschen wie Bruce Lipton, Neale Donald Walsch, Rüdiger Dahlke, Dieter Broers, Ervin László, Arjuna Ardagh, Barbara Marx Hubbard, Eric Pearl, Kiara Windrider, Daniel Pinchbeck, Canamay-Te und Esther Kochte.

Zum Film gibt es ein Praxis-Buch, das die ganze Sache noch praxistauglicher macht. (Für alle, die gerne auch ein Buch zum Lesen haben …)

Wie immer, braucht man nicht mit allem Gesagten übereinstimmen, und kann dennoch Wertvolles für sich mitnehmen. Mit den Bildern und der Musik ist es auf jedem Fall einfach ein schöner Film.

Den YouTube-Trailer findet ihr hier.

Allen Christen, die über solche Produktionen die Nase rümpfen, sei gesagt:

Zeigt doch mal her, wie tiefgehend, einfach, belebend, schön, nachhaltig, in sich stimmig und praxistauglich das ist, was ihr anzubieten habt.  😉

 

Schließlich, meine lieben Brüder und Schwestern, orientiert euch an dem, was wahrhaftig, vorbildlich und gerecht, was redlich und liebenswert ist und einen guten Ruf hat. Beschäftigt euch mit den Dingen, die auch bei euren Mitmenschen als Tugend gelten und Lob verdienen.

(Neues Testament, Paulus‘ Brief an die Gemeide in Philippi, 4,8)

 

[ Allen Bibelvers-auswendig-Lernern ist wahrscheinlich aufgefallen, dass beide Bibelstellen der 8. Vers im 4. Kapitel sind.  🙂  ]