Blüten, Watte, Kletten und Kleber

 

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Blütenstand der Kletten-Ringdistel; Foto von Franz Xaver via Wikimedia Commons – CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) or GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html)

 

Blüten, Watte, Kletten und Kleber. – Was könnte man damit wohl anfangen?

 

„Schönster Herr Jesu …“

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(Titel eines alten Kirchenliedes)

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„He’s the ‚Lily of the Valley,‘ the Bright and Morning Star
He’s the fairest of ten thousand to my soul.“

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(Refrain eines alten Gospel-Songs)

 

Vor fast 2000 Jahren nahm mit dem Mann aus Nazareth eine Bewegung ihren Anfang, die bis heute nicht zum Erliegen gekommen ist. – Erstaunlich

 

Blüten

Farbenprächtige Blüten. – Das Make-up von Frauen kann da kaum mithalten. – Schönheit ist anziehend.

Schönheit wirkt in ihrer Unmittelbarkeit. Der schweifende Blick verweilt dort, und schenkt ihr Aufmerksamkeit. Eine Verbindung entsteht zwischen der sinnlichen Wahrnehmung und dem eigenen Bewusstsein für Schönheit.

 

… Siehe, wie fein und lieblich ist’s, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen!

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(Bibel / Tanach / Altes Testament, Psalm 133, Vers 1)

 

Herzens-Schönheit kommt aus der Tiefe eines Lebens. – Es gibt wohl kaum etwas Attraktiveres als wahre Liebe …

Wie müsste wohl eine schöne Frömmigkeit und eine attraktive Spiritualität aussehen?

Welche Bedeutung hat Ästhetik in der Theologie?

 

„Ihr seid das Licht der Welt …“

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(Jesus in der Bergpredigt, Bibel, Neues Testament, Matthäus-Evangelium, 5. Kapitel, Vers 14)

 

Blüten haben farbenfrohe Leuchtkraft. Sie sind ein Anziehungspunkt für die Sinne und erregen Aufmerksamkeit, machen neugierig. Sie stimulieren unsere Wahrnehmung.

Kenner können eine Pflanze an den Blüten identifizieren. Die Gestalt der Blüte ist Teil der Identität einer Pflanze. Durch die Blüten sind Pflanzen leichter für uns erkennbar. Blüten geben uns Information und Orientierung. Sie locken Insekten an und werben um Aufmerksamkeit.

Auch Jesus erregte Aufmerksamkeit, und sein Leben hatte ein deutliches Profil. Schon bald hatte er den Ruf eines Freundes der „Zöllner und Sünder“. – Schönheit, von einer anderen Art.

Wie entsteht eine gesellschaftliche Bewegung? Wie führt man Menschen und auseinander-strebende Kräfte zusammen? Wie bündelt man Energie und Ressourcen?

Ein Licht in der Dunkelheit bringt Menschen zusammen. Eine Kerze im Fenster in dunkler Nacht zeigt dem Verlorenen den Weg nach Haus.

Manche Gottesdienste sind kaum mehr als christliche Selbstdarstellung, und manche Gemeinden lediglich Vereine frommer Typen, die nicht gestört werden möchten.

Wie müsste eine anziehend schöne Gemeinschaft von Menschen aussehen?

Es gibt eine Schönheit des Lebens, in all seiner Wildheit und Unberechenbarkeit. Helfende Hände für Menschen in Not. Offene Türen für Einsame. Gastfreundschaft für Fremde. Freundlichkeit für Verbitterte. Herzenswärme für frierende Seelen … – Lichter der Hoffnung und Blüten der Hoch-zeit des Lebens.

 

Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, schön wie eine Braut, die sich für ihren Bräutigam geschmückt hat.

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(Neues Testament, Offenbarung, 21,2)

 

Watte

Watte ist sanft und schützt Zerbrechliches. Lebendiges ist zerbrechlich.

Babys werden weich eingepackt. Weiches, das nachgeben kann, schützt vor Verletzungen. Weiches kann sich auch an harte Stellen und Kanten anpassen.

Nicht alle Lebewesen sind allerdings in gleichem Maße zerbrechlich, und manche haben einen konflikt-freudigeren Lebensstil. Immer wieder prallen wir Menschen aufeinander, und das kann weh tun.

 

Vertraut euch meiner Leitung an und lernt von mir. Denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig. Dann werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn dieser Weg ist einfach, und die Last leicht.

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(Matthäus-Evangelium 11,29-30)

 

Von Gruppen, die hart und glatt sind, prallen manche Menschen ab. Eine jesuanische Gemeinschaft, die sich an der Überlieferung von Jesus orientiert, müsste einladend weich und flexibel sein, und einen Ruf haben, der Zaghaften Mut macht, sich zu nähern und anzuschließen. Ein klares jesuanisches Profil, das erkannt wird und leuchtet. Weit ausgestreckte Arme, die auch noch den letzten Verlorenen erreichen.

Wo Menschen sich nahe kommen, lassen sich Spannungen und Konflikte nicht vermeiden. Sie sind auch notwendig, um an ihnen zu wachsen. Es gibt allerdings gewaltige Unterschiede, wie mit ihnen umgegangen wird. Und wer sich angenommen weiß, läuft auch bei Schwierigkeiten nicht gleich davon.

Nicht jeder empfindliche Mensch ist auch sanft. Sanfte Menschen gehen sanft mit anderen Menschen um. Auch Sanftmut kommt aus der Tiefe eines Lebens. Sie entsteht in einem Leben mit Gott.

 

Die Frucht, die der Geist Gottes hervorbringt, besteht in Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung …
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(Paulus im Brief an die Christen in Galatien, 5,22-23)

 

Kletten

Viele biblischen Texte können für uns ein Vorbild sein. Ihre Motive haben sich in der Kulturgeschichte der Menschheit festgesetzt wie Kletten. Gedanken mit Widerhaken. Worte, die sich festsetzen und bleiben. Reizvoll und herausfordernd.

Nachhaltige Kommunikation. Dauerhafte Veränderung. Bilder, die begleiten und verfolgen. Eindrücke und Erfahrungen mit Kraft. Lebensenergie. – Gelockt und gereizt, eingewickelt und verwoben. Gezogen mit Stricken der Liebe.

 

Denkt an den Regen und den Schnee! Sie fallen vom Himmel und bleiben nicht ohne Wirkung: Sie tränken die Erde und machen sie fruchtbar; alles sprießt und wächst. So bekommt der Bauer wieder Samen für die nächste Aussaat, und er hat genügend Brot zu essen.
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Genauso ist mein Wort: Es bleibt nicht ohne Wirkung, sondern erreicht, was ich will, und führt das aus, was ich ihm aufgetragen habe.
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(Bibel / Tanach / Altes Testament, Jesaja 55,10-11)

 

Es wäre gut, wenn da die Theologen ihre sprachliche Kompetenz, neben ihren altsprachlichen Fähigkeiten noch erweitern würden:

Poesie der Theologie

Vielleicht regt dieses Beispiel auch ein bisschen dazu an:

Was ist dir heilig?

 

Denn Gottes Reich gründet sich nicht auf Worte, sondern auf seine Kraft.

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(Paulus im Ersten Brief an die Christen in Korinth, 4,20, Neues Testament)

 

Was am Ende bleibt, ist das Ergebnis. Die Wirkung unseres Denkens und unserer Worte und Taten. Die Frucht eines kurzen oder langen Lebens, und der Ertrag von viel oder wenig Investitionen.

Etwas das gut ist, muss auch gut sein für die, die nach uns kommen.

 

Das Himmelreich gleicht einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und auf seinen Acker säte; das ist das kleinste unter allen Samenkörnern; wenn es aber gewachsen ist, so ist es größer als alle Kräuter und wird ein Baum, dass die Vögel unter dem Himmel kommen und wohnen in seinen Zweigen.
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(Matthäus-Evangelium 13,31-32)

 

Kleber

Jemand, schon vor längerer Zeit, hatte die Idee den damals beliebten Aufkleber „Jesus lebt“ in „Jesus klebt“ umzuwandeln. – Wie passend für einen Aufkleber. – Es hat auch einen tieferen Sinn:

Jesus verbindet Menschen.

Schon in einem älteren Kirchenlied hieß es ja:

 

„… an dir wir kleben
in Tod und Leben.
Nichts soll uns scheiden …“

 

Menschen verbinden Menschen mit einander. Manche Menschen haben dafür eine besondere Begabung und werden immer wieder zur Keimzelle für neue Gruppen und Netzwerke. Ob dies dann allerdings auch von Dauer ist, hängt von dem ab, was die Menschen darüber hinaus miteinander verbindet.

Eigentlich ist im Universum irgendwie sowieso alles mit allem verbunden. Und noch darüber hinaus verbindet uns  als Menschen  viel mehr, als uns trennt.  Unser Menschsein  verbindet uns und gibt uns eine Identität, die wir nicht abschütteln könnten, selbst wenn wir es wollten. Unser Menschsein klebt an uns, und wir kleben an der Menschheit und ihrer Geschichte.

Das Geheimnis des Lebens verbindet alles Lebende. Unsere Menschlichkeit verbindet uns als Menschheitsfamilie. Eine religiöse Überlieferung verbindet Gläubige. Eine gemeinsame Sprache verbindet eine Sprachgemeinschaft. Gemeinsame Werte und kulturelle Tradition verbindet ein Volk. Eine Gegend verbindet Nachbarn. Menschen, die sich treffen, verbindet Zeit und Ort.

Alles ist uns geschenkt worden. Nichts haben wir als Einzelne in diese Welt hineingebracht, das nicht schon da gewesen wäre, und auch unsere Einzigartigkeit als Individuum haben wir nicht selbst hervorgebracht.

Ein Bewusstsein dessen, das uns anvertraut worden ist, könnte uns alle mit einander verbinden; das, was uns wertvoll ist. – Fürsorge für alles, das lebt.

 

„… Es kommt die Zeit, da werde ich meinen Geist ausgießen über alle Menschen. Männer und Frauen werden die Worte Gottes sprechen. Alte Menschen werden noch Träume haben, und junge Menschen Visionen. Sogar über unfreie Menschen werde ich meinen Geist ausgießen.“
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(Bibel / Tanach / Altes Testament, Joel 3,1-2)

 

Geist erzeugt eine geistige Bewegung. Der heilige Geist des Lebens und der Liebe lässt eine Gemeinschaft der Liebenden entstehen. Er berührt Menschen, erfasst, erneuert und verbindet sie.

 

… Gott ist Liebe; und die in der Liebe bleiben, bleiben in Gott, und Gott in ihnen.

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(Neues Testament, Erster Brief von Johannes 4,16)

 

Wie entsteht aus einzelnen Menschen Gemeinschaft und eine gesellschaftliche Bewegung?

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Wenn Menschen in Kontakt kommen ereignet sich etwas: Man verändert sich gegenseitig und Verbindungen entstehen. Wenn Menschen sich treffen, ist es, wie wenn Galaxien sich annähern und beeinflussen, und Neues entsteht. Es entsteht auch eine Kultur der Wahrnehmung und des Umgangs mit einander. Menschliche Gemeinschaft ist wie vielschichtiges, komplexes Gewebe, gesponnen aus vielen Fäden.

Blüten, Watte, Kletten und Kleber. Scheinbar zufällig auf einander treffende Wörter; wie die Menschen in einer Stadt, wenn sie sich begegnen, oder in einen neuen Kiez mit fremden Menschen ziehen.

Die Community der Menschen, die dem Vorbild von Jesus folgen, ist deutlich zu erkennen und anziehend wie eine leuchtende Blüte.

Sie ist weich wie Watte, so dass auch die empfindlichsten Seelen sich nicht verletzen. Einladend und liebevoll, so dass Menschen dort leicht ankommen und sich zuhause fühlen können.

In einer solchen Gemeinschaft entstehen reizvolle, inspirierende, klettige Eindrücke. Bilder und Worte, die hängenbleiben und im Alltag begleiten. Erfahrungen, die die Seele satt machen, und die bleiben.

Mit einer verantwortungsbewussten, herzlichen Liebe, die Menschen verklebt, wie Pech und Schwefel.

Anziehen, annehmen, anreizen und ankleben; und oft alles gleichzeitig.
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Mit Blüten, Watte, Kletten und Kleber bauen wir eine
neue, schöne Welt.

 

Grabpflege

 

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Altarbibel auf einem lutherischen Altar, Foto von Leon Brooks via Wikimedia Commons – public domain

 

 

… Ihr seid wie weiß angestrichene Gräber, die äußerlich schön aussehen; aber drinnen sind Totengebeine und alles mögliche Ungeziefer, das unrein macht.
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So seid ihr: Von außen hält man euch für fromm, innerlich aber steckt ihr voller Heuchelei und Ungehorsam gegen Gott … Ihr Scheinheiligen! Ihr baut den Propheten wunderschöne Grabmäler und schmückt die Gräber der Gerechten …
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(Bibel, Neues Testament, Matthäus-Evangelium, 23. Kapitel, Vers 27-29)

 

Landeskirchen und auch Freikirchen scheinen sich hauptsächlich mit Traditionspflege zu beschäftigen. Ihre Aufgabe wäre aber eigentlich eine andere: Hungrige Seelen satt zu machen. Weil man dazu offensichtlich nicht mehr im Stande ist, pflegt man noch die leblosen Formen, die schwer zu verstehen sind, und huldigt einer kranken Gestalt, die im Schwinden ist.

Aufgabe wäre es Hoffnung auf Leben zu wecken. Stattdessen enttäuscht man Erwartungen von Menschen und lenkt vom Wesentlichen ab, indem man Menschen mit Kompliziertem, schwer Verständlichem ablenkt. Man dient mehr dem Sterben als dem Leben.

Warum ist Spiritualität so in und Kirche so out? – Diese Frage wurde auf der Bundestagstagung der Baptisten gestellt; und in einer Zusammenfassung dazu ist zu lesen:

 

„Es gehe nicht darum, das eigene Verständnis der biblischen Botschaft zu relativieren …“

(Artikel von Markus Höfler auf baptisten.de)

 

Das ist falsch, denn  GENAU DARUM  geht es. Gott allein ist absolut. Alles, was wir über ihn sagen, ist relativ, begrenzt und mangelhaft.

 

Wer Durst hat, der soll zu mir kommen und trinken!
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Wer an mich glaubt, wird erfahren, was die Heilige Schrift sagt: Von seinem Inneren wird Leben spendendes Wasser ausgehen wie ein starker Strom …
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(Neues Testament, Johannes-Evangelium 7,37-38)

 

Es wäre die Aufgabe der Religionen den Hunger der Seele zu stillen, Zerbrochene aufzurichten und Menschen Orientierung und Antworten auf die großen Fragen des Lebens zu geben. Stattdessen wird vielerorts nur nachgeplappert, was man von irgend jemand mal auswendig gelernt hat.

Die Frommen sind noch viel zu selbstzufrieden mit dem, was sie veranstalten. Wenn die Menschen von heute damit nicht klar kommen, ist das dann halt deren Problem.

 

 Ich kenne dich genau und weiß alles, was du tust. Du bist weder kalt noch heiß. Ach, wärst du doch das eine oder das andere!
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Aber du bist lau, und deshalb werde ich dich ausspucken.
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Du bildest dir ein: ›Ich bin reich und habe alles, was ich brauche. Mir fehlt es an nichts!‹ Da machst du dir selbst etwas vor! Du merkst gar nicht, wie jämmerlich du in Wirklichkeit dran bist: arm, blind und nackt.
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(Neues Testament, Offenbarung 3,15-17)

 

Wenn religiöse Menschen nicht mehr in der Lage sind, Suchenden Antworten zu geben, dann sollen sie kündigen und einpacken und sich auf die Suche machen nach Menschen, die Antworten haben.

 

… Vom Namen her solltest du eigentlich leben – aber du bist tot.

Wache auf! …

(Offenbarung 3,1-2)

 

marthori | barfuß & wild

 

Marthori auf seinem Blog „Lebensdidaktik“ zum Buch „barfuß & wild – Wege zur eigenen Spiritualität“ von Jan Frerichs:

barfuß & wild

 

Bibel – 1. Johannesbrief 4,16

 

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Graffito in Osttimor; Foto von Tatoli ba Kultura (Tatoli ba Kultura) [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

 

Bibel, Neues Testament, Erster Brief von Johannes, 4. Kapitel, Vers 16 b

 

Ὁ θεὸς ἀγάπη ἐστίν, καὶ ὁ μένων ἐν τῇ ἀγάπῃ ἐν τῷ θεῷ μένει, καὶ ὁ θεὸς ἐν αὐτῷ μένει.

(Original, Alt-Griechisches/Koine-Neues-Testament)

 

Deus caritas est : et qui manet in caritate, in Deo manet, et Deus in eo.

(Vulgata)

 

Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.

(Lutherbibel 2017)

 

Gott ist Liebe. Wer in der Liebe lebt, lebt in Gott und Gott lebt in ihm.

(Gute Nachricht Bibel)

 

Gott ist Liebe, und wer in dieser Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.

(Hoffnung-für-Alle-Übersetzung)

 

Gott ist Liebe, und wer sich von der Liebe bestimmen lässt, lebt in Gott, und Gott lebt in ihm.

(Neue Genfer Übersetzung)

 

God is love; and he that dwelleth in love dwelleth in God, and God in him.

(King James Version)

 

God is love, and whoever abides in love abides in God, and God abides in him.

(English Standard Version)

 

God is love. Whoever lives in love lives in God, and God in them.

(New International Version)

 

God is love. Anyone who leads a life of love shows that he is joined to God. And God is joined to him.

(New International Readers Version)

 

Dieu est amour : celui qui demeure dans l’amour demeure en Dieu, et Dieu demeure en lui.

(Bible du Semeur)

 

Dio è amore, e chi vive nell’amore vive in Dio, e Dio vive in lui.

(La Parola è Vita)

 

Dio è amore; e chi rimane nell’amore rimane in Dio e Dio rimane in lui.

(Nuova Riveduta 2006)

 

Dios es amor. El que permanece en amor, permanece en Dios, y Dios en él.

(Nueva Versión Internacional)

 

God is liefde. Wie blijft liefhebben, blijft één met God.

(Het Boek)

 

Gud er kjærlighet, og den som lever i kjærlighet, lever med Gud og Gud lever med ham.

(En Levende Bok)

 

Gud är kärlek, och den som lever i denna kärlek, fortsätter att leva i gemenskap med Gud, och Gud bor i honom.

(Nya Levande Bibeln)

 

Gud er kærlighed, og de, der lever i kærlighed, lever med Gud, og Gud lever i dem.

(Bibelen på hverdagsdansk)

 

Bůh je láska a ten, kdo miluje, zůstává s Bohem v živém spojení.

(Slovo na cestu)

 

Bůh láska jest, a kdož v lásce přebývá, v Bohu přebývá, a Bůh v něm.

(Bible Kralická)

 

Boh je láska a ten, kto miluje, zostáva s Bohom v živom spojení.

(Nádej pre kazdého)

 

Isten szeretet. Aki szeretetben marad, Istenben marad, és Isten is őbenne.

(Ungarisch)

 

Бог е любов1; и който стои в любовта, стои в Бога, и Бог – в него.

(Veren)

 

Bog je ljubav; tko živi u ljubavi, živi u Bogu i Bog živi u njemu.

(Knjiga O Kristu)

 

Tanrı sevgidir. Sevgide yaşayan Tanrı’da yaşar, Tanrı da onda yaşar.

(Türkçe)

 

Wie abgenutzt ist deine Liebe?

 

[Quelle des Originaltextes: bibelwissenschaft.de, Quelle der Übersetzungen: bibleserver.com]

 

Mensch … gegen den Rest der Welt

 

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Maximin von Trier (links) empfängt den verbannten Athanasius (rechts). Buchmalerei, 1463, von einem mittelalterlichen Buchmaler. [Public domain, via Wikimedia Commons]

 

Nein, ich meine nicht Angela Merkel, Donald Trump oder Jesus von Nazareth. Ich erzähle euch etwas über einen Mann der Kirchengeschichte, der deutlich weniger bekannt ist. Sein Name taucht allerdings immer wieder auf, wenn es um die Geschichte unserer Bibel geht.

 

„Athanasius contra mundum“

„Athanasius contra mundum“ (Athanasius gegen die Welt) war ein Sprichwort, das sich auf den Bischof Athanasius von Alexandrien bezog, der im 4. Jahrhundert n. Chr. lebte. Offensichtlich hatte er sich immer wieder mal unbeliebt gemacht. Im Streit um den richtigen Glauben wurde er mehrmals in die Verbannung geschickt.

 

Athanasius der Große

Athanasius trägt auch den Beinamen „der Große“. Von Bedeutung für den christlichen Glauben ist er u.a. wegen seinem sogenannten „39. Osterbrief“:

 

Athanasius war der erste, der in einem Osterbrief 367 n. Chr. genau die 27 Bücher des Neuen Testaments als kanonisch bezeichnete, die noch heute als solche angesehen werden.

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(Wikipedia)

 

Kanon

Das Wort „Kanon“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie Richtschnur, Maßstab oder Norm. In Bezug auf die Bibel bezeichnet der Begriff all die Texte, die allgemein als heilig und normativ für den christlichen Glauben angesehen werden.

In den protestantischen Bibelausgaben sind dies in der Regel 39 Bücher des sogenannten „Alten Testaments“ (also der jüdische Tanach) und 27 Bücher des Neuen Testaments. Macht insgesamt 66 Bücher. Manche dieser 66 Büchlein sind allerdings nur einzelne Briefe oder Gebete. Genau genommen, sind es mehr als 200 Einzeltexte, da das „Buch“ der Psalmen alleine schon 150 Einzeltexte umfasst. Bibelausgaben haben meist mehr als 1000 Seiten. (Die Menge der Bibelkommentare und Bücher zur Bibel ist schier unüberschaubar.)

 

The books you think I wrote are way too thick.

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(aus dem Lied „From God’s Perspective“ von Bo Burnham)

 

Es gibt bis heute allerdings keinen völlig einheitlichen Kanon der Christenheit. Es gibt geringe Unterschiede zwischen den verschiedenen Listen der biblischen Texte, die je nach Tradition als kanonisch angesehen werden. Was man als biblischen Kanon und damit als normativ für den Glauben ansieht, hängt also von der christlichen Tradition ab, der man sich zugehörig fühlt.

 

Der Wind weht, wo er will. Du hörst zwar sein Rauschen, aber woher er kommt und wohin er geht, weißt du nicht. So ist es bei jedem, der aus dem Geist geboren ist.

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(Bibel, Neues Testament, Johannes-Evangelium 3. Kapitel, Vers 9)

 

Wildes Christentum

Was ist eigentlich christlicher Glaube? Wo kommt er her?

Mehr als 300 Jahre lang – und das sollte man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen – lebte und glaubte und arbeitete die Christenheit ohne die Bibel, die uns heute so vertraut ist. 300 Jahre. Das entspricht der Zeitspanne von heute zurück bis vor die Industrialisierung, das deutsche Kaiserreich und die französische Revolution bis 1718(!). Eine lange Zeit, in der fiel passiert.

Ganz offensichtlich war es möglich, dass das Christentum entstand, fort-bestand und sich ausbreitete ohne einen abgeschlossenen Kanon normativer christlicher Texte zu besitzen. Natürlich waren die neutestamentlichen Texte schon relativ bald, innerhalb von ein paar Jahrzehnten nach dem Tod Jesu, entstanden und erfreuten sich auch schnell einer weit verbreiteten Anerkennung in den Gemeinden. Es gab allerdings noch viele andere frühchristliche Schriften, und die Festlegung auf eine Liste von Texten, die als verbindlich für den christlichen Glauben gelten sollte, dauerte  wesentlich länger.

Auch mit dem Osterbrief von Athanasius war die Diskussion um einen Kanon nicht zu Ende. Sie ist es im Grunde bis heute nicht.

 

… der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig.

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(Neues Testament, Paulus in seinem zweiten Brief an die Christen in Korinth, 3,6)

 

Athanasius der große Querulant

Vielleicht wäre Athanasius auch heutzutage ein großer theologischer Außenseiter, denn seine Liste der biblischen Bücher weicht bezüglich des Alten Testaments von unseren Bibeln ab:

 

Athanasius von Alexandria führt 367 im 39. Osterfestbrief alle Bücher des heutigen Neuen Testaments auf, weicht im Alten Testament aber noch etwas von der heute üblichen Liste ab.

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(Wikipedia)

 

Aber vielleicht hätte Athanasius ja in Bezug auf dieses Thema im 21. Jahrhundert auch überhaupt eine ganz andere Überzeugung als die, welche er vor 1651 Jahren hatte. Zeiten ändern sich, und auch die Glaubensüberzeugungen frommer Menschen.

 

Denn wir erkennen nur bruchstückhaft …

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(Paulus in seinem ersten Brief an die Christen in Korinth, 13,9)

 

Wer braucht eine offizielle Normierung des richtigen Glaubens?

Braucht die Christenheit überhaupt einen Kanon? Wer entschied oder entscheidet darüber? Und warum?

Im Modell der Integralen Theorie könnte man die Diskussion um den biblischen Kanon als ein Konflikt beim Übergang von der blauen zur grünen Stufe sehen. Der Bibel-Streit ist nur ein kleiner Teil einer umfassenderen kulturgeschichtlichen Entwicklung.

 

Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet.

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(Bergpredigt, Matthäus-Evangelium, 7,1)

 

Wie entscheidet man über die Richtigkeit des Glaubens eines anderen Menschen, und warum muss man das tun?

Immer wieder benutzen Menschen, kirchliche Funktionäre und „christliche“ Gruppen die Bibel als Machtinstrument, um ihre Interessen durchzusetzen. Manchmal sogar gut gemeint. – Wer traut sich denn noch zu widersprechen, wenn die Bibel als das Wort Gottes ins Feld geführt wird?

Es geht um die Balance zwischen Gruppenidentität und dem Interesse der Gruppe auf der einen Seite, und der individuellen Frömmigkeit und den Bedürfnissen des Einzelnen auf der anderen Seite. Diese Spannung lässt sich nicht grundsätzlich auflösen, sondern muss immer wieder in jeder Situation neu abgewogen werden.

 

Die Unterweisung in der Lehre unseres Glaubens hat nur das eine Ziel: die Liebe, die aus einem reinen Herzen, einem guten Gewissen und einem aufrichtigen Glauben kommt.

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(Paulus im ersten Brief an seinen Mitarbeiter Timotheus, 1,5)

 

Christliche Identität

Worin besteht denn eigentlich unsere christliche Identität? Wer oder was hat uns zu Christen gemacht? Und wie sieht ein christliches Leben und ein christlicher Glaube aus?

Was war so einzigartig an diesem Menschen aus Nazareth?

 

„Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie.“ …
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Da richtete Jesus sich auf und sprach zu ihr: „Wo sind sie, Frau? Hat dich niemand verdammt?“
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Sie aber sprach: „Niemand, Herr.“
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Jesus aber sprach: So verdamme ich dich auch nicht …
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(Johannes-Evangelium 8,7-11)

 

Menschlichkeit … gegen den Rest der Welt

… wenn es sein muss auch gegen die Stimmen von Christen und Kirche. Es ist höchste Zeit, dass der individuellen Spiritualität und Glaubenserfahrung des Einzelnen gegenüber der Übermacht christlicher Tradition und frommer Cliquen Raum verschafft wird.

Heil für unfertige Mensch. Erlösung von der Macht des Falschen – auch von Gruppenzwängen. Balsam für die Seelen. Das gestaltende Schaffen Gottes im Leben seiner Geschöpfe. Menschen, heilig dem HERRN. Christen im Werden …

 

[Dies ist die neuere Überarbeitung eines älteren Artikels, welchen ihr mit Kommentaren hier findet.]

 

FRESH X

 

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Blütenknospen der Quitte; von Diako1971 via Wikimedia Commons [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0) ]

 

… Geh fort aus deinem Land, verlass deine Heimat und deine Verwandtschaft und zieh in das Land, das ich dir zeigen werde! …
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Durch dich werden auch andere Menschen am Segen teilhaben … Alle Völker der Erde sollen durch dich gesegnet werden.
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(Bibel, Tanach / Altes Testament, Bereschith / Genesis / 1. Mose, 12. Kapitel, Verse 1-3)

 

Altes Loslassen. Vertrautes aufgeben und aufbrechen in fremde Räume und eine Zukunft, die man noch nicht kennt …

 

FRESH X

Eine tolle Sache. An vielen Orten sind Fromme bereit, Neues zu wagen, und suchen nach neuen Ausdrucksformen: Fresh Expressions. Kirche wird von ihrem Auftrag her verstanden. Missional. Die aus England stammende Bewegung hat auch eine deutsche Webseite. (Da kann man auch ein bisschen zur Geschichte nachlesen.)

 

… macht die Menschen zu meinen Jüngern … und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.
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(Bibel, Neues Testament, Matthäus-Evangelium, 28,19-20)

 

Altes Christentum

Von fast 2000 Jahren Kirchengeschichte haben wir eine sehr lange Liste von Ideen, Veränderungen, Reformationen und Restaurationen. Und manchmal war es eine Mischung aus Verbesserung und Verschlechterung. Wir haben heute einen riesigen Haufen kirchlicher Theorie und Praxis, und es ist unbedingt notwendig, darin das Wesentliche des christlichen Glaubens wieder freizulegen.  –  Was wollte der orientalische jüdische Mann aus Nazareth eigentlich?

 

Ich bin gekommen, um auf der Erde ein Feuer anzuzünden; ich wünschte, es würde schon brennen!

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(Neues Testament, Lukas-Evangelium 12,49)

 

Radikales Christentum

Bonhoeffer hatte schon vor 70 Jahren radikale Gedanken über Kirche und Glauben und dieselben Fragen sind heute nicht weniger drängend. In einer Zeit kultureller Umbrüche von gigantischen Ausmaßen haben wir keine Zeit zu verlieren. Zögern und zaghaftes Manövern ist unangemessen, wenn es darum geht, dass verirrte Menschen wieder den Weg finden.

 

… der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.

(Lukas-Evangelium 19,10)

 

Gestalt und Wesen

Oft habe ich den Eindruck, dass man einfach nur neue Ausdrucksformen für die ewige Wahrheit der christlichen Lehre finden will. Doch das wird nicht reichen. Es geht vielmehr um die grundsätzliche Frage, was christlicher Glaube eigentlich ist. Wer genauer wissen will, was ich meine, sollte sich Drewermanns Buch „Wendepunkte“ mal anschauen, oder die Gesellschaft für eine Glaubensreform.

 

Wer seine Hand an den Pflug legt und dann nach hinten sieht, der ist für das Reich Gottes nicht brauchbar.

(Lukas, 9,62)

 

Das Christentum, von dem wir in den neutestamentlichen Texten lesen, ist nur ein kleiner Ausschnitt des Wirkens Gottes in seiner Welt. Wir haben heute die Möglichkeit und die Verantwortung für einen weiteren Blick, wie er beispielsweise im Integralen Christentum zum Ausdruck kommt.

 

Gute Absichten

Radikale Wahrhaftigkeit und die Bereitschaft zu einem beharrlichen wahrnehmen der wirklichen Verhältnisse. Ein Ende von Selbsttäuschung und Schönreden. Nicht Wertvolles und Nützliches soll aufgegeben werden, sondern Veraltetes, Totes und unbrauchbar Gewordenes. Dafür brauchen wir klare Visionen und eine geschärfte Wahrnehmung.

Die grundsätzlichen Fragen werden sich nicht über Nacht klären lassen. Aber wir brauchen unbedingt eine selbstkritische Distanz zu Glaubensüberzeugungen und Praxis, und nicht nur die Bereitschaft, Vertrautes loszulassen, sondern wir müssen dies auch tun.

 

Wer diese meine Worte hört und danach HANDELT …

(Matthäus-Evangelium 7,24)

 

Wertvolle Kirche

Haben wir den Mut, Glauben an Jesus radikal zu verstehen? Könnte Kirche wieder ein klares Profil gewinnen und Christentum eine echte Gegenkultur zur Welt sein? Ungefähr im Sinne von „Tod-Leben“, „Licht-Finsternis“, „Himmel-Hölle“, „Sünde-Heiligung“?

 

Ihr seid das Licht der Welt …

(Matthäus 5,14)

 

Schillerndes Christentum

Veränderung allein ist noch kein Zeichen für Verbesserung oder Leben. Totes verändert sich manchmal auch. Es gibt Veränderung zum Besseren und zum Schlechteren, und manchmal hat man dieselbe Soße, nur anders eingefärbt.

Ob etwas besser oder schlechter ist, kann auch eine individuelle Geschichte sein: Für den Einen gut, für den Anderen schlecht.

 

Ganzheitliches Christentum

Es geht nicht nur um die Neugestaltung kirchlichen Lebens, sondern es geht um ein besseres Christsein. Glaube, der alle Aspekte des Lebens umfasst und in allen Facetten des Alltags, der Arbeit und Freizeit und der Sonn- und Feiertage zum Ausdruck kommt. Herzensfrömmigkeit. Neue Menschen.

 

Missio Dei

Der Mut und die Kraft für die nötigen Entscheidungen kann nur aus dem Vertrauen entspringen, dass Gott selbst es ist, der hier am Werk ist. Missio Dei. Gott wirkt in seiner Welt auf sein gutes Ziel hin. Die Herrschaft Gottes ist im Kommen. Und es wird Menschen brauchen, die das Risiko des Glaubens eingehen, mit ihrer ganzen Existenz auf Gott setzen, ihr Kreuz auf sich nehmen und es Jesus nachmachen. Billiger wird es nicht gehen.

 

Wer sich weigert, sein Kreuz auf sich zu nehmen und mir nachzufolgen, ist es nicht wert, zu mir zu gehören. Wer an seinem Leben hängt, wird es verlieren; aber wer es für mich aufgibt, wird es finden.
(Matthäus 10.38-39)

 

Tobias Faix | Warum ist Spiritualität so in und Kirche so out?

 

Tobias Faix auf seinem Blog über seinen Vortrag bei der Bundestagung der Baptisten:

„Warum ist Spiritualität so in und Kirche so out, Herr Faix?“ Ein paar Anmerkungen um die Kontroversen meines Vortrags bei der Bundestagstagung der Baptisten.