#emfo16 : was bleibt

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Bild: Emergent Forum / Rolf Krüger

EF16 – was war das noch mal?

Ein künstlicher Lebensmittel-Zusatzstoff? – Oder vielleicht doch eher ein gesunder Vitamin-Stoß für das geistliche Leben im deutschsprachigen Raum?

Das „Emergent Forum 2016“ (EF16) fand vom 09.-11. September in Eschborn-Niederhöchstadt bei Frankfurt/M. statt. Perfect location und tolles Wetter – mit Park gleich vor der Tür. Nach mehreren Foren in den letzten Jahren, ein weiteres Forum von Emergent Deutschland.

 

„Emergent Deutschland ist ein ökumenisch ausgerichtetes Netzwerk, das den Dialog über die Gestalt des christlichen Glaubens und kirchlicher Arbeit in der Gegenwart sucht und fördert.“

(von der emergent-deutschland.de-Webseite)

 

September 2016. Ein halbes Jahr. – Was ist geblieben von den Eindrücken, Gesprächen und Anregungen?

An diesem Wochenende findet schon das nächste Treffen, in Heidelberg, statt: CON:FUSION 2017. Thema: Christentum und Rechtspopulismus. – Bestimmt werden sich dort viele vom letzten Jahr wiedersehen.

Letztes Jahr gab es slow brew coffee an der Brewbar der Berliner Refugio Baristas auf der Terrasse des Bürgerzentrums. Seitdem hatten auch die Gedanken und Eindrücke vom Forum Ruhe und Zeit langsam ihr Aroma in unserem Leben zu entfalten.

Ein halbes Jahr. Genug Zeit für eine Zwischenbilanz.

Aber lohnt sich das überhaupt? Sind Rückblicke nicht Zeitverschwendung in unserer schnelllebigen Zeit? Schnee von gestern? Brauchen wir nicht eher „instant solutions“? Schnell vorzeigbare Ergebnisse in einer Zeit in der am Abend die Nachrichten vom Morgen schon alt sind?

Lernen braucht Zeit. Leben wächst über Jahre. Nachhaltigkeit braucht Verbindungen; Vernetzung von Menschen, Ereignissen und Wirkungen über das aktuelle Tagesgeschehen und sogar Generationen hinweg. Wachstum wie Senfkorn und Sauerteig. – Wir selbst sind nicht Gott, und schaffen es nicht alleine das Himmelreich auf die Erde zu bringen. Aber wir können uns dem Wirken Gottes zur Verfügung stellen; uns Zeit nehmen, um Gottes Wirken in unserer Welt aufzuspüren …

 

„… Ich habe geeifert für den HERRN … und ich bin allein …“

(Bibel, Tanach / Altes Testament, Sepher M’lakhim / 1. Buch der Könige, 19. Kapitel, Vers 10)

 

Vielleicht die wertvollste Erfahrung vom emfo16 war für mich, Menschen zu treffen, die dieselbe Sehnsucht herumtreibt wie mich. Ich kannte schon ein paar Namen aus der virtuellen Welt; aber jetzt konnte ich sie live sehen, hören und erleben. Gesichter und persönliche Eindrücke gesellten sich zu Namen und Internet-Botschaften.

Und ich hab ganz viele Menschen getroffen, die ich noch gar nicht kannte. Sogar eine Kommilitonin von meiner Uni in Berlin, die wie ich dort Theologie studiert!

 

Bilder

Auf der Webseite vom emfo16 findet man Bilder zu Freitag und Samstag.

 

Eindrücke & Anmerkungen

Natürlich wurden schon am ersten Tag des Forums in den sozialen Netzwerken gepostet. Auf der Webseite von Emergent Deutschland sind einige Facebook- und Twitter-Posts verlinkt, und man findet auch Link und Hashtag für Instagram und Verlinkungen zu Blog-Posts und Artikeln:

Rückblicke auf das Emergent Forum 2016

Einer der großen Vorteile unserer Zeit: das kollektive Gedächtnis im Internet. Jederzeit und überall abrufbar. Wenn man sich selbst nicht mehr so gut erinnern kann, findet man es vielleicht noch im Netz. – Digitale Erzählkultur.

 

Das Thema

EmFo16. Das Motto: „Kirche für alle, aber …“ – Hat Gottes Gnade Grenzen? Und was bedeutet das für die Kirche?

 

„Und der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.“

(Neues Testament, Lukas-Evangelium 19,10)

 

Ich hatte schon letztes Jahr (noch unter dem frischen Eindruck des Forums) ein paar Gedanken zu dem Thema aufgeschrieben:

https://schmillblog.wordpress.com/2016/09/14/emergent-forum-2016/

Und das Thema ist nach bloß einem halben Jahr natürlich immer noch genauso aktuell. Manche Dinge ändern sich nur langsam, und andere bleiben anscheinend für immer eine chronische Herausforderung.

Wenn ich auf Veranstaltungen von Kirchen und Gemeinden bin, denke ich oft, dass es viele Menschen gibt, die da nicht gut rein passen oder gar nicht erst kommen, weil sie schon wissen, dass sie sich dabei nicht wohl fühlen. – Was muss man im Kirchenalltag alles ertragen, um „religiöse Gemeinschaft“ genießen zu können?

 

… wie ein Duft, der sich ausbreitet. Von mir geht das Aroma der Botschaft vom Messias aus – Herrlichkeit Gottes.

(2. Brief von Paulus an die Gemeinde in Korinth 2,14-15)

 

Die Hautrednerinnen

Die starken Stimmen von zwei Frauen: Nadia Bolz-Weber und Christina Brudereck. – Könnte weibliche Einsicht etwas sein, wovon das Christentum noch ein bisschen mehr braucht? Nach fast 2000 Jahren Männer-Dominanz! (und noch kein Ende in Sicht)
Suchet, und ihr werdet nichts finden!

Hab bei YouTube nach emfo16 u.ä. gesucht, aber leider nichts gefunden. Habe vielleicht auch mit meiner Ecosia-Suchmaschine einen Baum gepflanzt, aber leider kein Audio oder Video zum Emergent Forum 2016 gefunden. Auch keine Skripts. – Hab ich da was übersehen oder nicht lange genug gesucht? – Wenn man die Möglichkeit hat, so was Tolles zu veranstalten und all die Zeit und Kraft investiert, wäre es doch auch toll, wenn man es im Netz zum Anhören, Anschauen und Nachlesen anbietet, oder?

Hat mich allerdings sehr gefreut, dass zumindest der Vortrag von Christina Brudereck „Ich möchte nicht das Aber sein, sondern das Und. – Die grenzenlose Liebe & unsere Lieblingsgrenzen“ auf der Emergent-Deutschland-Webseite zu hören ist.
Was bleibt

Eins bleibt ganz bestimmt: Schokolade reimt sich auf Gnade. (Natürlich. Ohne Zusatzstoffe.) Und Gottes frischer Geist weht wie der Wind: Man sieht nicht woher es kommt, und nicht, wohin es geht.

 

>>> AN ALLE DIE DA WAREN ODER VON DEN AUSWIRKUNGEN WAS ABGEKRIEGT HABEN:

Lasst doch mal hören, was bei euch nach einem halben Jahr vom EmFo16 noch hängengeblieben ist! (Andenken, Erinnerungen, Gedankenfetzen, Musik, Bilder, Texte, Erfahrungen …)

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EMERGENT FORUM 2016

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Bild: Emergent Forum / Christoph Bartels

 

Ich spüre in mir noch die Nachbeben …  (Wie lange werden wohl die Mitarbeiter des Forum, die die ganze Zeit in Aktion waren, brauchen, um sich zu erholen und das Forum nachzubereiten?) Noch nicht einmal 48 Stunden. Eine sehr intensive, kurze Zeit. Gesichter, Stimmen, Worte, Bilder, Musik, Umarmungen, …

Perfektes Wetter und eine perfekte location. Modernes Bürgerzentrum gleich neben der Andreasgemeinde; mit Terrasse, die in einen Park mit Skulpturen und Spielplatz übergeht. Ein Eichhörnchen im Baum, eine Feldwiese gleich hinter der Kirche. In der Ferne schwebt ein Fesselballon langsam über die Außenbezirke von Frankfurt/M und man sieht die Skyline von Downtown Frankfurt unter strahlend blauem Himmel. Auf der Terrasse die slow-brew coffee bar des Refugio-Projekts, importiert aus Berlin.

Vielleicht 300 Leute. Warum sie wohl alle gekommen sind? Wo und wie war Gott hier am wirken an diesem Wochenende? Und wieviel wird davon in der Zukunft spürbar sein, und für wen?

Kirche für alle. Wirklich alle?  Verhaltensgestörte, Intellektuelle, Menschen, die kein Deutsch sprechen, Bettlägerige, Hochsensible, Reiche, Unreine, mit ansteckenden Krankheiten, Kriminelle, psychisch Kranke, Extremisten, Analphabeten, Machtmenschen, Sex-Worker, Schwerstbehinderte, Workaholics, Vergewaltiger und Missbrauchte, Täter und Opfer, Mühselige und Beladene, Kinder, …

 

Die Jesus-Anhänger wollten sie wegschicken, aber Jesus wurde zornig und sagte: Lasst sie zu mir kommen …

(Die Bibel, Neues Testament, Markus-Evangelium, 10. Kapitel, Verse 13-14)

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Alle sollen kommen. Alle sind eingeladen.

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Wer Durst hat, der soll zu mir kommen und trinken! Wer mir vertraut … von ihm wird Leben spendendes Wasser ausgehen wie ein starker Strom.

(Johannes-Evangelium 7,37-38)

 

Wer kommt überhaupt, oder bleibt schon von vornherein weg? Wer fühlt sich überhaupt bei uns wohl? Und wenn ja, warum nicht? Noch nicht einmal alle, deren Muttersprache Deutsch ist, verstehen auch, worüber in Kirchen geredet wird. Sind unsere kirchlichen Angebote auch interessant für Leute, die nicht gut im Reden oder Zuhören sind? (Gottesdienste, Bibelstunden, Gesprächskreise, … )

Wieviel Vielfalt hält eine Gemeinde aus? Was wirkt den Fliehkräften entgegen und hält zusammen? Woher nimmt man die Kraft für all die Hilfsbedürftigen …  Vielleicht bedürfen wir der Bedürftigen, um in Gottes Nähe zu kommen und zu bleiben und nicht zum frömmelnden Klub zu verkommen. Wenn wir mit unseren Möglichkeiten am Ende sind, kann Gott dann vielleicht noch was machen?

 

Du brauchst nicht mehr als meine Gnade. Je schwächer du bist, desto stärker erweist sich an dir meine Kraft.

(2. Korintherbrief 12,9).

 

Ist dies eine Einladung zum Burnout?

Willkommen sein. Gast werden und Gastgeber sein. Sich einladen lassen und sich selbst einladen. Beschenkt werden. Gnade. Manche kamen zu Jesus hungrig und wurden satt. Manche gingen wieder weg, weil ihnen Jesu Worte zu hart waren. Weiches Brot – harte Worte. Zuckerbrot und Peitsche? Fördern und Fordern?

Wer darf bleiben? Wie sehr muss man sich anpassen oder verbiegen, um dazuzugehören? Gibt es eine Mindestgeschwindigkeit auf der Autobahn des geistlichen Wachstums? Wer nicht schnell genug ist, darf nicht mehr mitfahren? Wen muss man rausschmeißen (wenn er nicht schon freiwillig gegangen ist)? Welche Rolle spielen Überlieferung, Verkündigung und Bezeugen, wie sieht das konkret aus und welche Zugänge dazu haben Menschen?

Ideale sind schön – Menschen sind anstrengend. Kirche für alle. Wollen wir das überhaupt? Theorie ist steril – Menschen stinken, und man macht sich schmutzig. Unangenehm.

Was ist überhaupt Kirche? Wie erkennt man in den Massen der Jesus-Sympathisanten die „echten“ Jünger? Wenn ALLE kommen, wie bleibt Kirche noch als solche erkennbar und bewahrt Profil?  –  An der Liebe werden die Leute erkennen, dass wir zu Jesus gehören (Johannes 13,35). Oder auch nicht.

 

„… Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“

(1. Johannesbrief 4,16)

 

Gilt das eigentlich nur für Christen?