Glaube an die Bibel ǂ Glaube an Jesus

 

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Christus Pantokrator, Ikone im Katharinenkloster auf dem Sinai (6. Jh), ,by Anonymous ([1]) [Public domain], via Wikimedia Commons

 

Ein Glaube an die Bibel ist nicht dasselbe wie ein Glaube an Jesus, sondern geht über den Glauben an Jesus hinaus. Die allerersten Christen hatten noch keine „christliche“ Bibel, so wie wir sie kennen. Die neutestamentlichen Schriften entstanden erst in den nachfolgenden Jahrzehnten. Die ersten Christen waren Juden, die dieselben heiligen Texte lasen, wie die anderen frommen Juden ihrer Zeit. Die „christliche“ Bibel als Sammlung in einem Buch ist sogar erst Jahrhunderte später entstanden.

Für einen Glauben an Jesus brauchen wir natürlich gute historische Zeugnisse, denn das Leben und Sterben von Jesus waren ja historische Ereignisse. Wir haben da sicherlich auch kaum bessere Quellen als die neutestamentlichen Texte; deshalb sind diese Texte für uns auch unendlich wertvoll. Die neutestamentlichen Texte selbst präsentieren sich allerdings nicht als heilige Texte. Wir haben im Neuen Testament keine Texte, die sich selbst so darstellen wie z.B. die jüdische Tora oder die Schriftpropheten in unserem Alten Testament (abgesehen vielleicht von der Offenbarung des Johannes).

 

Siehe, ich habe dir heute vorgelegt das Leben und das Gute, den Tod und das Böse. Wenn du gehorchst den Geboten des HERRN, deines Gottes, die ich dir heute gebiete, …
Die Bibel, Tanach / Altes Testament, Devarim / Deuteronomium / 5. Mose, 30. Kapitel, Verse 15-16)

 

Die ersten Christen gingen mit ihren Texten auch anders um, als es viele Christen heutezutage mit ihren Bibeln tun. Das frühe Christentum war keine Buchreligion, mit der „christlichen“ Bibel als heiliges Buch. Dies macht deutlich, dass sich das Christentum verändert hat. Die Jesus-Anhänger wurden ja auch „Christen“ und nicht „Biblianer“ genannt.

Wir sehen im Neuen Testament selbst wie z.B. Paulus um seine Anerkennung unter den Gläubigen kämpfen musste (er war ja auch nicht einer von den Zwölf Aposteln). Heute würde vielleicht jemand sagen: „Hey Leute, natürlich hat Paulus recht. Seine Briefe stehen doch in der Bibel!“  😉

Den biblischen, insbesondere den neutestamentlichen Texten, wurde eine Bibel-Ideologie übergestülpt, weil man ein einheitliches heiliges Buch haben wollte. Dies war auch eine Macht-Frage. Aus einer spirituellen Jesus-Bewegung wurde eine erstarrte Buchreligion unter der viele fromme Christen noch heute leiden. Verbunden mit einer Menge kirchlicher Strukturen, etablierten religiösen Traditionen und so mancher Schein-Heiligkeit.

 

„Jésus annonçait le royaume, et c’est l’Église qui est venue.“  /

„Jesus kündete das Reich Gottes an und gekommen ist die Kirche.“

(Alfred Loisy)

 

Natürlich beinhaltet ein Bibel-Glaube auch einen gewissen Jesus-Glauben. Entscheidend ist allerdings, ob ich Jesus auch die vollständige Macht über mein Leben gebe, oder ob ich es lieber versuche mit einem heiligen Buch zu regeln. Texte lassen sich leichter kontrollieren als der Geist Gottes …

Der Weg Jesu ist ein spiritueller Weg. Er reicht hinab bis in die Abgründe unserer Seele. Er heilt die Wurzel unseres Lebens. Durch den Entschluss, Kontrolle und Macht aufzugeben, eröffnet sich ein Raum des Vertrauens, in dem Gott uns verändern und gebrauchen kann für die Heilung und Vollendung seiner Schöpfung.

 

UNHEIL ! UNHEIL !

 

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By Greg Lundeen [Public domain], via Wikimedia Commons

 

Der Löwe brüllt, ganz in der Nähe …
Wem fährt nicht der Schrecken in die Glieder?
Gott spricht.
Wer wird da nicht zum Propheten?

(Bie Bibel, Tanach / Altes Testament, Amos)

 

Dunkle Wolken ziehen auf,
die Sonne hat sich abgewendet.
Die Bewegung bewegt nicht mehr.
Das Leben hat seine Kraft verloren.

Nicht mit den sterilen Worten
von Wissenschaftlern und Bürokraten –
schickt jemanden, die Poeten und Sänger zu holen!
Ihr Schreiberlinge, schärft eure Stifte!

Schaut wieder den Leuten auf’s Maul!
Nicht verwalten,
sondern klopfen, rütteln, aufwecken,
mit Worten, die zuschlagen!

Hände zu Fäusten!
Kathedralen zu Schulen!
Konsumtempel zu Opferstätten!

Ich habe Hintergedanken,
ich will manipulieren,
Ich bin polemisch,
ich will missverstanden werden,
ich will aufschreien!

Wehe! Wehe!

Wehe den Reichen, Satten, Zufriedenen,
den Spaß-habern dieser Welt!
Wehe denen, die einfach so weiter machen!
Wehe denen, die lieber Totes berühren als Menschen!
Wehe den Komplizen des Unrechts!
Wehe denen, die Antworten haben!
Wehe dem Eindeutigen!

 

Ich bin gekommen ein Feuer anzuzünden.
Ich wünschte, es würde schon brennen.

(Jesus von Nazareth)

 

Der Wind weht, wo er will,
ein kleines, sanftes Säuseln …

Ob wir noch Frieden finden bei IHR …